Rotz

29 01 2018

„Alexander! Dieses Drecksbalg macht mich noch porös, ich möchte dem Jungen nur einmal ordentlich eins auf die… –

Ja, Sie finden das witzig, aber wir wollen das mit normalen sozialpädagogischen Mitteln machen, und dann kriegen Sie mal einen Jungen aus einem Nazihaushalt wieder hingebogen. Der zieht hier von Tür zu Tür und pinkelt den Leuten in die Eingänge und schmiert denen an die Fassade: Ihr gehört nicht in die Nachbarschaft. Alexander, kommst Du weg von dem Bernd! Kommst Du weg von dem, der ist ja noch viel rechter als Du!

Da sagen Sie alle, Kinder sind unsere Zukunft, dann will keiner Verantwortung für sie übernehmen, und irgendwann liegen sie alle im Brunnen. Und vergiften ihn wahrscheinlich auch noch. Komm da weg! Dieser Junge malt unpolitische Hakenkreuze, das muss man sich mal vorstellen, das kann doch nicht nur an den Eltern liegen. Aber wie das so ist, das findet ja auch immer noch Spielkameraden. Die Wiebke von gegenüber, dreimal von der Schule geflogen, sie war natürlich nie schuld, auf der Entschuldigung für den Schwimmunterricht die Unterschrift vom Vater gefälscht, ist dann auch gleich aufgekippt, aber sie hat gesagt, es sei nationale Notwehr gewesen. In Wahrheit ist sie in der Zeit durch die Supermärkte gezogen und hat deutsches Obst geklaut. Das soll unsere Zukunft sein? dieser Rotz!?

Der Junge räumt ja nicht mal sein Zimmer auf, und dabei sagen die vom Jugendamt immer, sie legen großen Wert auf autoritäre Erziehung. Das ist doch lächerlich! Alexander, Du sollst nicht immer diese Reichskriegsflagge aus dem Fenster hängen, das ist nicht unpolitisch, und wenn Du Ärger mit der Polizei hast, dann ist auch nicht die Polizei daran schuld. Die Geschichtsklassenarbeit hat er auch geschwänzt. Und dann hat er dem Lehrer erzählt, es gibt doch wohl ein deutsches Reich, und wenn er das nicht schreiben darf, dann sei das eine Einschränkung seiner Meinungsfreiheit und werde Konsequenzen haben für das Beamtenverhältnis der Lehrkraft. Er hat sich vor den hingestellt und gesagt, er wird ihn von der Schule jagen. Das müssen Sie sich mal vorstellen.

Dabei wollten die Nazis selbst Vormundschaften für Flüchtlinge haben. Ich frage mich: warum? Wenn Sie bei denen aufwachsen, ist es ja kein Wunder, wenn Sie ganz automatisch ein krimineller Ausländer werden. Oder denken Sie, die backen sich jetzt ihre Quotenneger für die AfD?

Im Gegenteil, wir müssen uns ja anhören, wir würden das ausschließlich des Geldes wegen machen. Wenn ich etwas nur wegen des Geldes wegen machen würde, kann ich ja gleich in die Partei eintreten. Dabei haben wir den ganzen Ärger, weil wir verantwortlich sind für diese Kinder. Alexander, das ist Schmutz, schmeiß das weg! Muss ich Dir immer hinterherputzen? Die nehmen jeden Scheiß mit, den sie auf der Straße finden. Gucken Sie sich den Knaben an. Von oben bis unten braun. Es ist zum Kotzen.

Er kann ja nicht mal Radfahren, kein Wunder, der ist auf dem rechten Auge sehgeschädigt. Hat einem vorher auch keiner gesagt. Das Problem ist ja, es ist nicht das Auge. Er hat was am Kopf. Dass das Kind sonderpädagogische Maßnahmen braucht, sagt einem auch keiner. Aber damit ist es auch nicht getan. Manchmal braucht dieses Kind ganz einfach einmal richtig aufs… –

Man kann jeden Tag irgendwas Neues finden, KZ-Brettspiele, Teddybär mit Hitlerbart, das ganze Programm. Irgendwann ist dann die Geduld am Ende bei einem, dann rutscht einem die Hand aus, und wissen Sie, was dann passiert? Nichts. Die kennen das. Die finden das auch nocht gut.

Alexander, lass das! Du bist nicht hart wie Kruppstahl, Du bist ein Weichei, und ich will das jetzt nicht mehr sehen! Meine Güte, dieses verfluchte Scheißbalg, warum haben die damals nur das Kind weggeschmissen und die Nachgeburt aufgezogen? Wobei, es geht immer noch schlimmer. Die von nebenan haben sich die kleine Beatrix ins Haus geholt, ein Satansbraten. Uglaublich, was das Gör für ein Menschenbild eingetrichtert bekommen hat. Dass sie immer mit Gretelzöpfen herumläuft und ständig ‚Deutschland, Deutschland‘ kräht – geschenkt. Das haben Sie ja inzwischen in jedem sozialistischen Haushalt, der gerade auf die Bundestagswahl zusteuert. Aber wie dieses Mädel die Klassenkameraden anguckt! Die ist eben erst in die Pubertät gekommen, und schon poussiert sie mit dem dümmsten Arschloch der Schule herum. Zuchtwahl, sagt sie. Man kann mit dem rassereinen Nachwuchs nicht früh genug anfangen, sagt sie. Die genetische Disposition ist bei der Knalltüte am besten, weil er eine untherapierbare Störung der Impulskontrolle hat. Wegsperren mussten sie das Kind. Die wäre sonst mit dem Luftgewehr auf die eigenen Eltern losgegangen – weiß der Henker, wie sie an das Ding gekommen ist, aber das sage ich Ihnen: die hätte geschossen. Sofort.

Was hat er denn jetzt schon wieder angestellt? Mit dem Roller den Bahndamm hinunter? Und Sie haben ihn im letzten Augenblick aus dem Gleisbett gezogen? Warum denn? Als Mutprobe? Weil sich ein deutscher Junge nicht fürchtet, wenn der Zug kommt? Warum bloß? Nein, Sie haben das nicht richtig verstanden – warum haben Sie das kleine Arschloch da rausgeholt?“

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