Gernulf Olzheimer kommentiert (CDIII): Faschismus und Impotenzneurose

16 02 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es gibt so viele Möglichkeiten, Kinder falsch zu erziehen, doch nichts wirkt so gut wie die schwarze Pädagogik. Das Über-Ich aus Stacheldraht schleift zuverlässig humanoide Verhaltensweisen ab, macht den Nachwuchs zu einem Instrument, das seine Dressur für freien Willen hält, und gibt dem Blag eine wunderbare Gebrauchsanweisung, sein Leben bis zum bitteren Ende zu hassen. So ganz leicht ist es nicht, das Subjekt derart zu deformieren, aber es wird immer wieder versucht und perfektioniert. Woher soll auch der Bodensatz der Gesellschaft kommen, der regelmäßig ein ganzes Land in die Grütze reitet und sich dabei duckmäuserisch vor jeder Verantwortlichkeit drückt, für Geschichte und Zukunft. Er feiert seine Impotenz, die umfassende Unfähigkeit, seinen Daseinszweck auszuleben, und steigert seine Neurose zur veritablen Kunstform.

Da steht also die Mammi hinter dem tapferen Helden und spielt mit ihm eine Kastration nach: zurück in den mystisch unbelebten Zustand, zurück in die dumpfe Stille des Anorganischen, wo die Proteine leise schnarchen. Das große Nein des Vaters ist erst mal wumpe, Gesetze sind für die Galerie, ab jetzt wird es existenziell. Die Mutter hat’s geboren, die Mutter wird’s nehmen, gelobt sei Deine Mutter, der heilige Matsch, der den Knaben in Blut und Boden rammt.

Aber Schnödipus hat versagt und bekommt die Quittung dafür. Ähnlich wie bei der Erbsünde ist das Kind unschuldig, es darf nur für die Dummheit seiner Erzeuger geradestehen, bevor die final auf Torfatmung umgestellt werden. Die Identifikation mit dem Aggressor sorgt zuverlässig dafür, dass über der zertrümmerten Triebstruktur sich ein demolierter Schutzpanzer schuppt, die alberne Souveränitätsattrappe für den Verlierer, der sich wie ein angeschossenes Tier windet und brüllt: noch ist das Biest nicht tot, es darf auch keiner dies in Erwägung ziehen.

Im Grunde ist das Triebmodell der feucht-völkischen Klötenkönige schnell erklärt: sie leiden nicht unter ihrer Störung der Impulskontrolle, sie genießen sie, und folglich hat das ganze Dasein für sie Krieg zu sein, Angriff und Zerstörung, mit dem ausgeblendeten Faktor Realität, in dem auch das eigene Schnellableben für Führervolkvaterland sich in teutschen Zuckerguss hüllt, alles nicht so wild, es ist ja bisher auch nur den anderen passiert. Die bisher abgearbeiteten Erfahrungen von körperlicher Gewalt beschränken sich bei dem Pack größtenteils aufs Zusehen, chirurgisch einfach korrigierbare Konfrontationsergebnisse und aktive Planung an Stamm- und Schreibtischen. Die wenigsten, die ihr Leben als Geplärr in der Opferrolle inszenieren – was macht man auch groß, wenn es zu einer funktionierenden Persönlichkeit nicht gereicht hat – haben schon mit Schmackes eins ins Esszimmer gekriegt, Blut durch die oberen Atemwege gespendet oder dem Krachen der eigenen Gräten gelauscht. Dass hier keinerlei Empathie entsteht, wo sich die Spiegelneuronen die Nüsse schaukeln, bedarf keiner großen Philosophie.

Die Crux für diese aus Schlachtabfällen und Testosteron geschwiemelten Parallelexistenzen ist doch, dass sie ihre Männlichkeit zwar viagrös und bullig ausleben könnten, durch das ihnen tief ins Stammhirn gedroschene Bewusstsein der eigenen Minderwertigkeit als Persona auch wissen, dass ihre Triebhaftigkeit schmutzig ist und abgetötet gehört. Da steht der Heckenpenner mit seiner Heinrich-Himmler-Gedenkschädelfräse vor dem Spiegel, weint sich wütend in die Unterhose und weiß: nur die Sehnsucht ist brauchbar, denn für den Vollzug ist der Volkskörper zuständig. Da knickt dem Schwallkörper der Schwellkörper, die latente Todesdrohung wendet sich feixend gegen den eigenen Unterleib und kaut knirschend machtloses Gemächt weg. Der unbedingte Gehorsam ist ja nicht zufällig das Mittel, sich Kanonenfutter für die anstehende Menschenmarmelade heranzuzüchtigen, und der Schmerz lehrt: wenn’s wehtut, war es gut.

Die Rache der Jammerlappen ist entsprechend. Aus Hass auf das Weibliche und das Gefühl der eigenen Minderwertigkeit wird er zum Sexisten, der jede selbstständige Frau an den Herd und in den Kreißsaal zurück prügeln will. Alles, was nicht seinem okkulten Weltbild entspricht, wird mit sexualisierter Gewalt bekämpft, und schon wieder hat der maskuline Halbaffe einen Grund, vor dem Versagen wegzulaufen. Zu gut zementiert ist die Opferrolle, um dem Mistgabelmob Freiheit zu geben, die er meinen könnte – die meisten scheitern auf dem Feldzug der Abendlandser und werden keifende Wadenbeißer, Scheinriesen hinter der Flüstertüte, die den Kreuzzug gegen ihre eigene psychische Auffälligkeit zum Kulturkampf erklären, den Fahnen schwenkende Gesichtsschnitzelvereine mit nächtlichen Gewaltmärschen ausfechten sollen, weil die Schlitzpisser sich gerade noch mal über die Schulter schauen. Es gibt einen Ausweg, die meisten Faschisten haben sich früher oder später mit dem Gedanken an die Rückkehr zur Biomasse beschäftigt. Einmal im Leben das Richtige zu tun ist ja auch nicht ganz verkehrt.

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