Drehzahl

5 03 2018

„Danke, Merkel!“ „Das löst doch das Problem auch nicht.“ „Trotzdem: Danke, Merkel!“ „Wir sollten uns eher auf die konstruktive Ebene begeben und die Probleme sachlich benennen, damit wir in einer offenen Diskussion mit dem…“ „Ich kaufe mir doch jetzt keinen scheiß Benziner, nur damit ich wieder Zigaretten holen kann, deshalb: Danke, Merkel!“

„Das ist ein Vernichtungsfeldzug gegen die deutschen Autofahrer, anders kann man das nicht nennen!“ „Wenn wir die Demo unter dem Namen anmelden, dann haben wir sofort die Regierung am Hals.“ „Und die Presse.“ „Ich wüsste nicht mal, was schlimmer wäre.“ „Widerstand?“ „Nationaler Widerstand gegen Fahrverbote!“ „Das würde ich nicht unterschreiben.“ „Wir wollen doch aber in ganz Deutschland demonstrieren?“ „Naja, aber die Formulierung ist halt suboptimal.“ „Er meint, das klingt nach Nazikeule.“ „Nee, umgekehrt.“ „Kaum sagt man in Deutschland mal seine Meinung, wird man in die rechte Ecke gestellt!“ „Danke, Merkel!“ „Ist doch gut.“ „Wieso?“ „Verstehe ich auch nicht.“ „Das bringt wenigstens Schlagzeilen.“ „Auch wieder richtig.“

„Wenn die deutschen Autofahrer wenigstens Vertrauensschutz genießen würden, dann wäre es nicht so schlimm.“ „Oder Rechtssicherheit.“ „Also sind Sie am Ende für diese Plaketten?“ „Die deutschen Autofahrer werden so oder so schleichend enteignet.“ „Ich kann doch jetzt nicht mit der S-Bahn zur Arbeit fahren!“ „Wieso denn nicht?“ „Weil es da, wo ich wohne, keine S-Bahn gibt.“ „Aber Busse.“ „Aber keine S-Bahn!“ „Und Busse machen noch viel mehr Abgase als Pkw.“ „Danke, Merkel!“ „Was hat jetzt Merkel damit zu tun?“ „Weiß ich nicht, ich wollte das nur mal gesagt haben.“

„Wenn man irgendwas mit freier Fahrt machen würde?“ „Hat da eventuell die Bahn den Daumen drauf?“ „Keine Ahnung.“ „Eher die FDP.“ „Oder der ADAC.“ „Da wäre mir die FDP lieber.“ „Oder BMW?“ „Jedenfalls müssen wir die Medien für unser Anliegen nutzen, sonst können wir uns nie durchsetzen.“ „Eventuell könnten wir den einen oder anderen Politiker für uns gewinnen?“ „Meinen Sie denn, dass sich die Politik für Autofahrer interessiert?“ „Man soll es nicht ausschließen.“ „Also wenn sie sich für die Autoindustrie einsetzt, kann ich mir das schon vorstellen.“

„Autos statt Ausländer!“ „Und Diesel statt Deutsche?“ „Bei Ihnen geht wohl gerade die Drehzahl durch?“ „Treten Sie mal auf die Bremse, Kollege!“ „Ich will einfach nur, dass uns die Politik mal zuhört!“ „Stimmt, das kann man heute ja nur noch mit Argumenten, die keiner mehr hören will, weil sie eben wahr sind.“ „Und dafür müssen jetzt die Ausländer herhalten?“ „Jetzt sind es die Autofahrer, ist Ihnen das etwa lieber?“ „Das grenzt ja an Landesverrat!“ „Fahren Sie doch Straßenbahn, wenn Sie Deutschland retten wollen!“ „Weichei!“ „Warmduscher!“ „Nazi!“ „Können wir uns jetzt mal auf die wesentlichen Dinge konzentrieren?“ „Danke, Merkel!“

„Theoretisch müsste man bis zur Weihnachtszeit warten.“ „Und wieso?“ „Denken Sie mal an die vielen Kerzen. Was da für ein Ruß rauskommt!“ „Gilt das auch für Zündkerzen?“ „Nur dann, wenn man sie in Innenräumen benutzt.“ „Das heißt, mit einer Kerze im Straßenverkehr ist das dann wieder kein Problem?“ „Sie sollten sie nicht unbedingt im Auto anzünden.“ „Die Zündkerze?“ „Nein, die…“ „Ach so.“ „Flugzeuge sollte man unter die Lupe nehmen!“ „Ölheizungen!“ „Und Schiffsdiesel?“ „Woraus bestehen eigentlich Chemtrails?“ „Man muss das wissenschaftlich sehen.“ „Das auch noch!“ „Irgendwo muss man doch anfangen.“ „Die Luft ist so sauber wie nie zuvor in Deutschland!“ „Also seit der Industrialisierung, meinen Sie.“ „Das ist doch dasselbe.“

„Und wenn man die Autohersteller in die Pflicht nehmen würde?“ „Wie stellen Sie sich das vor?“ „Wir müssten vor den Konzernzentralen in Stellung gehen und den Herren sagen, dass wir uns das nicht länger bieten lassen.“ „Genau, und dann fordern wir die Regierung auf, unsere Autos nachzurüsten!“ „Machen das nicht die Hersteller?“ „Ja, aber die Regierung muss denen das doch befehlen können?“ „Und wer bezahlt das?“ „Die Autoindustrie doch nicht.“ „Würde ich auch sagen, wir können die doch nicht in die Pleite schlittern lassen.“ „Dann gibt es bald auch keine Benziner mehr.“ „Oder Busse.“ „Richtig.“ „Dann sollte sich die Regierung langsam mal Gedanken machen, dass sie das auf die Reihe kriegt.“ „Und wer bezahlt das?“ „Die Regierung.“ „Also wir.“ „Auf keinen Fall!“ „Haben die nicht neulich erst gesagt, dass sie ein paar Milliarden mehr eingenommen haben?“ „Dann können sie wohl auch ein paar Milliarden für uns ausgeben.“ „Sehr richtig!“ „Ist doch besser, als wenn der Steuerzahler wieder dafür aufkommen müsste.“ „Danke, äääh…“

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