Oder Sozialismus

12 03 2018

„Also doch dagegen?“ „Ich wäre dann dafür.“ „Wieso wäre?“ „Das wäre dann davon abhängig, ob die anderen dafür wären.“ „Oder dagegen?“ „Oder dagegen.“ „Meine Güte, wie soll man denn so eine Partei erneuern!?“ „Es geht doch gar nicht um die Partei, es geht doch um den Sozialismus!“

„Erstmal müssten wir doch wissen, was…“ „Müssen! Wir müssten nicht, wir müssen!“ „Nichts gegen Ihren Pragmatismus, aber zunächst müssten wir mal klären, was wir müssen.“ „Das hat doch nichts mit Sozialismus zu tun!“ „Im Prinzip wäre mir das egal, aber als Sozialdemokraten…“ „Sie sind in der SPD?“ „Ja, aber als Linker.“ „Sie meinen die Parteilinke.“ „Immer noch besser als die Linkspartei.“ „Jetzt reiben Sie sich doch nicht an irgendwelchen Parteigrenzen auf, das bringt uns auch nicht weiter.“ „Die sozialistische Idee ist nun mal streitbar, Genossen.“ „Wie haben Sie mich gerade genannt!?“ „Ich dachte, Du seist auch in der…“ „Ja, aber erst unter Schröder eingetreten.“ „Das erklärt natürlich einiges.“ „Wir müssten uns dann zunächst mal darauf einigen, dass wir eine gemeinsame Zielvorstellung haben.“ „Müssten wir das?“ „Und der Sozialismus, welche Rolle spielt der in der Vorstellung?“ „So als Gemeinsamkeit könnte ich mir das schon vorstellen.“ „Haben wir denn hier die Vorstellung einer Gemeinsamkeit?“ „Mir würde ja auch schon reichen, wenn wir eine gemeinsame Vorstellung mit den Wählern hätten.“ „Entschuldigung, in welcher Partei waren Sie noch mal?“

„Glauben Sie denn, man kann eine Partei runderneuern wie einen Gummireifen?“ „Könnte man schon.“ „Sie haben immer noch die falsche Perspektive.“ „Auf den Sozialismus?“ „Nein, nach hinten. Und auf die Partei.“ „Wir können doch die ganze Agenda-Politik nicht wiederholen.“ „Könnte man das denn?“ „Lassen Sie das bloß die Parteispitze nicht wissen, die hocken schon in den Startlöchern.“ „Und wie stellen Sie sich das vor?“ „Das würde die Parteispitze dann schon regeln.“ „Würde oder wird?“ „SPD und Würde, ich bitte Sie!“ „Im Prinzip könnten wir so weitermachen wie bisher, aber ich weiß nicht, ob das die Parteispitze auch so sieht.“ „Könnte schon sein.“ „Aber mit Sozialismus hat das dann ja erst recht nichts mehr zu tun.“ „Wie wollen Sie den auch erneuern?“ „Vor allem haben die meisten Leute eine Vorstellung von Sozialismus, der uns nicht weiterhilft.“ „Und einige von denen haben real existierende Erfahrungen.“ „Damit müssten wir zurechtkommen.“ „Müssen wir?“ „Naja, wir sollten schon.“

„Wenn ich es richtig verstanden habe, sollten wir ja auch themenorientiert diskutieren.“ „Das würde sich anbieten.“ „Wenn ich mich an meinen Ortsverein erinnere, dann kann man das auch ohne.“ „Verwechseln Sie das eventuell mit dem Bundesparteitag?“ „Eher mit der Parteispitze.“ „Es geht doch aber um den Sozialismus, oder?“ „Da wäre ich dafür.“ „Das steht doch jetzt gar nicht zur Debatte!“ „Dann sollten wir doch mal überlegen, ob man nicht Umweltschutz oder Sozialpolitik oder…“ „Oder Sozialismus.“ „Das ganze Theoriegedöns ist komplett überflüssig, das kann man den Wählern nicht vorsetzen!“ „Könnte man schon.“ „Ich habe immer noch nicht verstanden, wie das die Partei erneuern soll.“ „Ja, das ist kompliziert. Vielleicht könnte man das der Parteibasis vorlegen.“ „Die sollen darüber abstimmen.“ „Könnten die auch darüber abstimmen, ob sie darüber abstimmen?“ „Sind Sie im Bundesvorstand!?“

„Sozialpolitik hört sich aber ganz spannend an.“ „Das Problem ist, dass wir da etwas machen müssten.“ „Müssen wir?“ „Was sollen wir denn hier für die Sozialpolitik tun?“ „Man könnte ja Ideen sammeln, wie man das in der Sozialdemokratie wieder verankert.“ „Wo denn da?“ „Müsste man mal sehen.“ „Zunächst müsste man überhaupt ein eigenes Profil der Partei erarbeiten.“ „Aber es geht doch hier nicht um die Partei, verdammt noch mal! Wir sind Linke, da kennt man keine Parteien!“ „Das kann man auch anders sehen.“ „Ist das nicht völlig egal? Es geht doch hier um die Ideen, und wenn wir da nicht langfristig überzeugen…“ „Wen denn!?“ „Es müsste sich doch in der Partei jemand finden lassen.“ „Sie gehen mir langsam auf den Geist!“ „Wenn wir über bezahlbare Wohnungen reden oder über einen vernünftigen Mindestlohn, dann wäre das doch mal ein Anfang.“ „Das ist wenigstens mal eine sozialistische Perspektive!“ „Oder wir sprechen mal mit den Leuten, die sich abgehängt fühlen. Wenn jetzt plötzlich für die ganzen Flüchtlinge so viel Geld da ist, dann muss man deren Sorgen doch auch ernst nehmen.“ „Die Flüchtlinge?“ „Die dürfen doch nicht wählen.“ „Der rechte Flügel ist doch auch nicht schlecht repräsentiert, warum kann man nicht den von seiner Aufgabe überzeugen.“ „Aber…“ „Da macht sicher auch der Bundesvorstand mit.“ „Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, langjährige Parteifreunde auszugrenzen.“ „Die Strukturen mitnehmen, so sehe ich das auch.“ „Entschuldigen Sie mal, das ist doch keine Perspektive für eine Erneuerung, und eine sozialistische schon gleich gar nicht!“ „Sehen Sie, wir wollen das doch auch: sozialistische Politik, und dass wir langfristig weiterhin für diese Partei tätig sein können. Das ist doch eine klare Botschaft an die Wähler. Sie entscheiden sich für den Sozialismus, und verhindern gleichzeitig, dass er jemals Wirklichkeit wird.“

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