Über den Jordan

14 03 2018

„Vollverpflegung. Na gut, den Standard der Bundeswehr können wir jetzt natürlich nicht halten, aber die wollen ja auch qualifiziertes Personal. Wir sind eher für die Bürger mit Überzeugung da, das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Anreise mit sieben Personen? Da will ich gleich mal nachschauen, wir hätten da Zwei- und Dreibettzimmer, Vollbad, Fernseher, größtenteils mit Balkon, Fitnessraum werden Sie mit Sicherheit keinen brauchen, unser Frühstücksraum ist ab sechs Uhr dreißig geöffnet, da werden Sie die ersten Nachtübungen vermutlich schon hinter sich haben. Ihr persönlicher Trainer wird Sie abholen, dann melden Sie sich beim Einheitsführer, bekommen Ihre Ausrüstung ausgehändigt und die Uniformen, diverse Geräte, über die ich mich an dieser Stelle noch nicht so ausbreiten möchte, und dann geht es auch schon los. Ja, Deutscher sein, das heißt immer und überall zu allem bereit sein, das müssten Sie doch am besten verstehen, oder?

Wir haben auch Spezialausbildungen, das stimmt. Je nach Lehrgang können Sie sich Ihre Inhalte individuell zusammenstellen, mit den Basiskursen, mit vertiefenden Einheiten oder auch mit Expertenwissen. Wir richten uns da ganz nach Ihnen. Und im Gegensatz zu anderen beziehen wir auch Ihr Vorwissen mit ein, das heißt, wir gehen auf Ihre bisherigen Aktionen ein und versuchen sie für den ganzen Kurs als Erfahrungswert nutzbar zu machen. Einer von Ihren Schützlingen hatte ja wie gesagt schon Berührungspunkte mit Brandsätzen, wenn wir da den direkten Umgang üben, wollen wir schon, dass sich die Kameraden gegenseitig die Handgriffe zeigen. Mehrstufiges Lernen in Theorie und Praxis, alles nach neuesten Methoden, das ist unser Anspruch. Wir holen unseren Nachwuchs da ab, wo er steht. Ihrer sitzt gerade? Na, ist ja auch noch ein bisschen hin bis zum Kursstart.

Früher musste man immer nach Jordanien, aber das nützt uns ja nichts. Wir haben uns für Sachsen entschieden, einmal wegen des Naherholungswertes und dann natürlich auch, weil die Einnahmen in Deutschland bleiben. Der Preis ist ja nicht so das Problem, wenn Sie interessierte Kreise haben, die einem überzeugten Bürger die Ausbildung an der Schusswaffe finanzieren wollen, dann kriegt man das schon irgendwie geregelt. Aber wenn man das in deutschen Gauen veranstaltet, da blüht doch das Heimatherz auf.

Die Inneneinrichtung ist verhältnismäßig karg, aber es ist ja auch eher Abenteuerurlaub. Wenn Sie in die Karibik fliegen und den ganzen Tag am Strand liegen, verlangen Sie auch keinen Whirlpool im Hotelzimmer.

Zwischendurch kann man hier auch mal eine geführte Exkursion machen, wir haben Kleinbusse für bis zu zwölf Personen, und vom Camp aus ist man rasch in Freital. Wir möchten unseren Trainees einen möglichst authentischen Eindruck vermitteln von den Einsatzbedingungen, deshalb schulen wir auch an Originalschauplätzen. Die Polizei weiß davon, aber Sie wissen ja: Sachsen. Wir arbeiten hier eng zusammen mit Behörden und Justiz, das macht einiges leichter. Schließlich wollen wir ja, dass sich unsere Dienstleistung als rein touristisches Angebot bei den Leuten herumspricht. Da müssen dann halt mehrere an einem Strang ziehen, wenn Sie wissen, was ich meine.

Das Theoriewissen beschränkt sich deshalb auch nicht auf die üblichen Bereiche wie Umgang mit Schusswaffen oder Rassenkunde, wir wollen den kompetenten und handlungsfähigen Bürger in unserem Institut heranbilden. Umgang mit Polizei und Gerichten, Beweismittelmanagement, das sind Bereiche, da stehen andere noch ganz am Anfang. Wir haben Mut zur Lücke und gehen unerschrocken in eine neue Richtung, das heißt: im Falle eines Falles wissen Sie immer, was Sie zu tun haben. Wenn Sie es nicht durch einen dummen Zufall mit Richtern außerhalb des Standortes zu tun kriegen, sind Sie bestens gerüstet. Früher musste man ja noch Motorrad fahren lernen, das ist heutzutage wesentlich einfacher. Man kann bei uns den Einsatz in der Nachbarschaft trainieren, quasi im Nahbereich, die Gemeinden werden teilweise schon von unseren Leuten geleitet, und das stärkt den Heimatgedanken erst recht. Für uns ist es nicht zuletzt eine Frage des Nachwuchses, dass wir jetzt eine Folgegeneration an die Materie heranführen. Das Gute ist, der reine Aufenthalt in unserem Lager ist strafrechtlich gar nicht erheblich, Sie bekommen Ihre Schulung nur außerhalb, und das müssen sie uns erstmal nachweisen, dass wir nicht unseren Sprengstoff spazieren fahren oder den Knarren die Landschaft zeigen. Das sind, wenn überhaupt, Lausbubenstreiche.

Sieben Personen, geht klar. Haben Sie irgendwelche speziellen Wünsche? Sie können sich auf unserer Homepage gerne schon mal ein wenig vorradikalisieren, wir haben das aktuelle Programm zum Herunterladen eingestellt, und eine Landkarte der beliebtesten Einsatzorte gibt es da auch. Denken Sie immer daran, es gibt jede Menge zu sehen bei uns in Sachsen.“

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