Wurst und Diesel

21 03 2018

„Wurst geht noch. Die ist zwar eigentlich aus dem Mittelmeerraum, aber Wurst geht gerade noch. Bei Döner wäre ich da schon skeptischer. Ja, ich weiß, Sie mögen mich nicht, weil ich Ihnen gerade das Bier verboten habe, aber was soll ich denn machen? Das ist nun mal mein Job hier beim Heimatschutz.

Seien Sie froh, dass die Christsozialen sich nicht durchgesetzt haben, sonst hätten wir jetzt eine ganz andere Koalition und ein Bundesministerium gegen Volkstod. Da müssten Sie dann Woche für Woche glaubhaft versichern, dass Sie wenigstens ein rassefremdes Element von deutscher Heimaterde vertrieben haben. Wie das gehen soll, wenn im Regierungsprogramm gleichzeitig steht, dass sofort nach der Machtübernahme alle Ausländer aus dem Reich ausgewiesen werden, das fragen Sie mich nicht. Aber gegen Widersprüche sie die halt immun.

Wie gesagt, Bier geht gar nicht. Mesopotamisch und damit nicht gestattet. Ist auch etwas schwierig zu erklären, aber Wirtschaftsgüter aus Regionen, die heute zur islamischen Welt gehören, und das Zweistromland ist ja da gewissermaßen doppelt die Wiege der Kultur, die gehen halt gar nicht. Das hat die CSU im Kabinett ganz locker durchgekriegt, ganz easy, so wie die Pkw-Maut, und nachgedacht hat vorher auch keiner. Jetzt haben sie den Salat, in Bayern hat die eine Hälfte der Brauereien schon zugemacht, die andere arbeitet nur noch für die ausländischen Kunden, und Söder verkauft den Schmarrn als Stärkung der Exportwirtschaft. Und das ohne Alkohol, weil sonst jeden Moment die Islamisierung anfangen könnte.

Brot dürfen Sie natürlich noch essen, das lässt sich gar nicht mehr zurückverfolgen. Das gehört zu den interkulturellen Kulturgütern, die sich nicht an einem Heimatland festmachen lassen. Beim Reis ist noch eine Expertenkommission dran, den gibt’s ja noch keine tausend Jahre im deutschen Sprachraum, also wäre ich damit schon ein bisschen vorsichtig. Ach ja, und Sushi können Sie natürlich auch in die Tonne treten. Sushi, Suzuki, Toyota, Sayonara. Sie haben Wurst und Diesel, das muss genügen.

Das ist nämlich auch so ein Missverständnis, dass die Leute meinen, man könne die deutsche Leitkultur nicht an solchen Erfindungen wie dem Dieselmotor festmachen. Was können wir denn dafür, dass die Amis den auch nutzen? Also lassen Sie sich da nicht verunsichern, auf ein paar Dinge können wir verzichten – diese Nietenhosen geben Sie am besten gleich in die Altkleidersammlung, und diese amerikanischen Unterhemden wollen wir auch nicht mehr sehen, Sie können ja ein Leibchen tragen wie alle anderen auch – und beim Rest benötigen wir einige Argumentationshilfen. In jede Richtung übrigens.

Übrigens, Richtung – den Buchdruck haben wir dann auch als deutsch eingestuft. Das ist ein klares Bekenntnis zu Deutschland als führender Nation der innovativen Informationstechnologie, die mit ihren revolutionären Schöpfungen die Welt prägen und geradezu verbessern kann. Der Satz ist total hirnrissig, aber der kommt ja auch nicht von mir. Den kriegen wir direkt aus dem Ministerium, das noch ein Gutachten abwarten will, bevor es die arabischen Ziffern abschafft. Na egal. Auf jeden Fall hat die Bundesregierung noch mal erklärt, dass ein Leistungsschutzrecht für Suchmaschinen in diesem Online-Internet den Buchdruck schützen müsse vor schädlichen Auswirkungen durch die Nutzer. Wir fördern Kultur, wo wir sie erkennen.

Käse ist erlaubt, den haben zwar die Römer erfunden, aber die Skandinavier haben sich das Verfahren von uns abgeguckt, deshalb gilt es als deutsche Kulturtechnik. Wobei wir jetzt nur über das Verfahren mit Kälberlab reden, alle anderen sind bereits von der Bezeichnung her als rein ostische Konkurrenzprodukte entlarvt. Quark, typisch polnische Zersetzung der Volksgesundheit durch Spaltpilze. Gut, das wird den Sachsen nicht ins Konzept passen, aber das ist doch dem Seehofer egal, was die fressen. Da geht’s halt ums Prinzip!

Das ist manchmal etwas schwierig zu erklären, und da sind wir schon beim nächsten Punkt. Den losen Tee, den schütten Sie bitte auch in die Tonne, die braune ist für Bioabfälle, Sie wissen ja, dass Mülltrennung auch zur Leitkultur gehört, und es tut mir auch ganz furchtbar leid, dass es sich um echten Ostfriesentee handelt, aber es ist eben ein Import, und wir sind ja eine Exportnation. Schade. Die gute Nachricht ist, im Beutel dürfen Sie den trinken. Der Teebeutel ist eine deutsche Errungenschaft, die ihren Siegeszug um die ganze Welt angetreten ist. Und bitte auch hier wieder trennen, den Beutel in die braune Tonne, das Schildchen in den Papiermüll und den… –

Die Zahnpasta lasse ich mal gelten, die Marke ist egal, hier geht es dem Gesetzgeber um die Sache an sich. Sie dürfen sich meinetwegen sogar einen Wohnwagen kaufen, das ist ja befreundetes Ausland und bis auf… tatsächlich? Schau mal einer an. Dass der aus Deutschland kommt, wusste ich noch nicht einmal. Man lernt nie aus. Das finde ich jetzt doch sehr erstaunlich.

Ihr Bonusheft haben Sie? Gut. Dann komme ich demnächst mal wieder bei Ihnen vorbei und sehe nach, wie Sie sich entwickeln, so leitkulturell und als heimatbewusster Staatsbürger. Da haben Sie auch die Liste, wie Sie Ihre Verfehlungen wieder ausgleichen können. Zehn Jahre Döner, Dosenbier, wissen Sie was? Kaufen Sie sich am besten eine Motorsäge.“

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