Gernulf Olzheimer kommentiert (CDVII): Der Bullshitjob

30 03 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Uga hatte halt schon immer ein signifikantes Problem: Sachen erklären. Bei Zusammenhängen wurde es schwieriger. Klapperstorch und Abendrot, es endete stets im Korrelationenlotto. Aber das ist ja nicht die Schwierigkeit, dank der Arbeitsteilung wissen wir, dass die wirklich wichtigen Dinge sich im Verborgenen finden. Vielleicht knobelt es sich der Vorstandsvorsitzende höchstselbst aus den jeweiligen Weichteilen. Möglicherweise ist das auch in der DNA des Unternehmens zu sehen: ökologisch-dynamisch, homöopathisch, normal. Aber was will man machen. Plötzlich kommt der Häuptling und sagt, dass der Regen vom Gott mit den zwei Federn unterhalb der Kimme kommt, möglicherweise vom Stellvertreter mit dem pinken Kopfschmuck, aber das ist dann auch schon wurst. Irgendeiner muss es dann schon verklickern. Und sei es die spirituelle Hilfskraft mit dem Bullshitjob.

Viele ehrenwerte Kräfte sorgen für den Betrieb der Geschichte, aber was zählt das schon. Die wirtschaftliche Tätigkeit beruht stets darauf, dass die Substanz nicht vermindert werde, die Wahrheit nicht, nicht die Integrität. Und dann kommt das neoliberale Pack von der Basis bis in die Regierungen, das die Wirklichkeit aus einer Backmischung schwiemelt, wie man sie in jedem Deppenmarkt finden wird. Für einen fundierten Blick auf die Realität benötigt selbst ein Zerrspiegel einen fixen Punkt, um den herum er die Welt quetschen kann.

Die religiösen Organisate sind auch per AGB nicht mehr an der Macht (was gerade mal gar nichts heißt, schließlich hat Kant die Wende ordentlich hingekriegt), aber wir glauben noch immer an die Hohepriesterschaft der peinlichen Pausenclowns. Wo auch immer Politik und Wirtschaft, notfalls die überraschend überschneidenden Bereiche ihres Personals einreißen, sie bekommen einen Eindruck von der Wunschwelt des zahlenden Deppen, der die Musik bestimmt. Einer muss ja dazu tanzen.

Doch es geht nun um wichtigere Probleme, Erderwärmung, Kindersterblichkeit, bezahlbaren Wohnraum, die Abwesenheit alkoholisierter völkischer Dummklumpen in ihrer Gegend, und sie wählen schließlich den einfachsten Weg: die halbwegs plausibel erscheinende Mutmaßung nach dem Prinzip der Durchschnittszahl vom letzten Jahr, die zwar nichts sagt, dafür aber auch nicht widerlegt werden kann.

Um die Öffentlichkeit richtig hinter die Fichte zu führen, braucht es meist nicht mehr als maximale Offenheit und Transparenz: jede Zahl gemessen und bestätigt, eingekloppt in eine amtliche Statistik, die nach allen Regeln korrekt ist und nicht bezweifelt werden kann. Was aber erstens erhoben wird, der Krümmungsgrad der ostdeutschen Banane oder die Kaufkraft des ostdeutschen Durchschnittskindes, die für die Schlauchfrucht meist nicht ausreicht, und wie es zweitens in den Zahlenkolonnen der Staatssekrete landet, ist etwas ganz anderes. Nicht von ungefähr ist jene Beschäftigung dem Voodoo nicht unähnlich und grenzt an den Unsinn, der als Wirtschaftswissenschaft bombensichere Prognosen unter sich lässt, in denen der Fall der Mauer, alle Tsunamis und die Damenmode nicht vorkommen – zur Sicherheit. Man lässt den Bullshit fachfremde Realitätsallergiker erledigen, Luftballonaufbläser in Kommissionen und Stabsstellen, die meist von den Aluhütchenspielern international renommierter Unternehmensberatungen mit Schmodder nach Maß beliefert werden.

Die unwissenschaftlichen Hilfskräfte sind nicht die Medizinmänner der modernen Hofhaltung, sie sind ihre Narren. Alles an ihren eher mäßigen Bemühungen ist Possenspiel und preziöses Gepopel um den Popanz, den es auf Biegen und Erbrechen zu beweisen gilt, koste es, was es solle – der Kernbestandteil der Unfugsarbeiten besteht mithin ja darin, viel Geld aus dem Fenster zu schmeißen, um Gründe zu finden, dass diese Mittel gar nicht existieren. Oder sie dürfen in sachzwangreduzierter Ehrlichkeit eine Statistik umstricken und für drei Kfz, die gleichzeitig am Anwesen vorbeiheizen (die Gattin des Ministerpräsidenten plus Polizeischutz) fünfzig Kilometer Umgehungsstraße als positiven Impuls für die Umwelt des Hinkelhausener Tals verscherbeln. In dieser Hinsicht unterscheidet sich der Bullshitproduzent als solcher nicht von seinen Auftraggebern: je weniger er den Anspruch genügt, den er sich auf die Fahne schreibt, desto zentraler ist seine Bedeutung in der wirtschaftlichen Welt.

Wir werden regiert von Sicherheitsbehörden, die mit Nullinformation gefüttert quasi leistungslos die Wirklichkeit auf nicht-euklidische Körper bügeln und in die Gegend schmeißen. Man muss aber die Knalltüten in der unteren Etage beschäftigen und bezahlen, notfalls für Dinge, von denen sie keinen blassen Schimmer haben, denn was wäre eine zufriedene und produktive Bevölkerung mit frei verfügbarer Zeit? Eine tödliche Gefahr, aber nicht für die Gesellschaft.

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