Seit an Seit

25 04 2018

„Dann haben wir ein Seminar unter saudischer Leitung, es geht um Antisemitismusförderung, und die anschließende Diskussion wird von einem echten Bundestagsabgeordneten moderiert. Wie Sie sehen, ist die Kooperation lebendig und produktiv. Ich würde sie sogar staatstragend nennen, wenn Sie wissen, was ich meine.

Das wurde doch in der Presse immer wieder geschrieben, dass wir Nationalsozialisten und diese Islamisten im Grunde zwei Seiten einer Medaille sind. Stimmt. Aber das ist wie bei anderen großen Koalitionen auch, man bekriegt sich ein bisschen für die Öffentlichkeit, man greift sich an und baut sich aus dem anderen ein Feindbild, aber intern sind die organisatorischen Verflechtungen viel größer als angenommen. Wir haben festgestellt, dass wir gut zusammenpassen, und wir haben beschlossen, dass wir aneinander wachsen.

Dabei ist das gar nicht als Gefangenenaustausch zu verstehen, wir haben ja dieselbe Ideologie: für irgendeine Wahnidee, die man einem geistig schwer zurückgebliebenen Fußvolk unterjubeln kann, die Weltherrschaft anstreben und alle, die man als Schädlinge ansieht, systematisch auslöschen. Das hat in der Geschichte nicht immer geklappt, und das hatte auch technische Gründe. An mangelnder Akzeptanz für die Ideologie hat es schon mal nicht gelegen, mit Menschenverachtung haben sich ganz andere Staaten und Systeme arrangiert. Wenn man seine Wirtschaft nicht dafür aufs Spiel setzen muss, wozu will man dann Freiheit, die anderen dient?

Beispiel Bombenbau. Wir können durch das Nutzen bereichsübergreifender Synergieeffekte eine viel effektivere Destabilisierung der westlichen Demokratien erreichen. Von einer derartigen Wirkmacht hätten die Linksterroristen der Siebziger geträumt, glauben Sie mir. Gut, die haben sich auch von den Palästinensern ausbilden lassen, aber das Konzept Stadtguerilla hatte eben auch zu wenig Öffentlichkeitsarbeit. Erinnern Sie sich an eine linksradikale Veranstaltung, die unter Polizeischutz den Tod von Helmut Schmidt gefördert hätte?

Wichtig ist ja, dass wir nicht die technischen Mittel kopieren. Wenn einer unserer Kameraden mit dem Lieferwagen in eine Gruppe Asylbetrüger fährt, dann ist das natürlich kontraproduktiv. Es geht eher um Logistik, um die Kooperation mit den Behörden im Vorfeld des Anschlags – Sie wissen, der Verfassungsschutz ist so gut konstruiert, da weiß die eine Abteilung nicht, was die anderen tun, und wenn Sie da mit einem gemeinsamen Team die Einsätze planen, bekommen Sie Unterstützung von allen Seiten. Das bedeutet nicht nur finanzielle Sicherheit. Damit haben wir erheblich mehr Schlagkraft. Dagegen war der NSU ein Witz.

Übrigens, Feindbild – natürlich braucht man ein Feindbild, zum Beispiel für die Rekrutierung. Das werden Sie in Parteien finden, in Sekten, überall. Je größer die Idee, desto größer müssen die Feinde sein. Dass man sich dann mit ihnen verbündet, um den Rest der Welt zu zerstören, müssen Sie nicht mehr mit Logik erklären. Wenn Sie anfangen, Ihre Ideologie mit Argumenten zu verteidigen, haben Sie sowieso schon versagt. Wir bauen ein Feindbild auf, und im Gegenzug verhalten wir uns so, dass wir auch für die anderen zum Feindbild taugen. Es geht ja um das gemeinsame Narrativ, die Apokalypse. Wenn das Ihre Anhänger fressen, sind Sie auf einem guten Weg.

Sie dürfen die internationalen Verbindungen aber nicht überbewerten. Wenn Sie den Nachwuchs nach Ungarn schicken, lernen die vielleicht ein wenig Landessprache oder können sich vorstellen, wie es 1936 in Deutschland gewesen sein muss. Bei den Identitären lernen Sie etwas über Inkontinenz. Vielleicht haben die auch noch ein paar antiquierte Vorstellungen über Selbstmordattentate, die sie zum besten geben. Aber sonst bringt Ihnen so eine internationale Verflechtung von Kameraden mit derselben Ideologie doch nicht viel. Höchstens noch für die Freizeitgestaltung. Unsere arabischen Kollegen trinken ja nichts.

Viel wichtiger sind uns die Kanäle nach drinnen. Also in die aktuellen Regierungsapparate. Bei manchen haben wir schon mehr erreicht, bei manchen müssen wir in der Opposition warten, aber das ist nicht der Punkt. Es geht um den Aufbau der notwendigen Strukturen. Unsere islamistischen Kollegen profitieren eher von der Zusammenarbeit mit den regierenden Sicherheitsbehörden, aber das muss nichts heißen. Der Regierung ist klar, dass wir gekommen sind, um zu bleiben, und je mehr sie jetzt an Überwachungs- und Repressionsapparat aufbaut, um dem Islamismus zu stoppen, desto weniger müssen wir dann später noch nacharbeiten. Wir sehen das als Investition in die Zukunft. Wir bringen da gerne gemeinsame Opfer. Es müssen ja nicht zwingend Leute aus den eigenen Reihen sein.

Wie gesagt, Antisemitismusförderung. Die bösen Flüchtlinge haben wir jetzt zum Staatsfeind aufgeblasen, da können wir in deren Windschatten ganz bequem Anschläge auf Synagogen vorbereiten und unser nationales Notwehrprogramm weiter ausarbeiten. Demnächst sind Landtagswahlen in Bayern, da haben die Linken wieder genug Plakate, die man entfernen kann. Oder Kandidaten. Ach ja, und demnächst ist wieder einer aus unserer Fraktion in Syrien. Kommen Sie mit?“