Messerwisser

10 04 2018

„… jeder Angriff mit einem Messer grundsätzlich als Mord gehandhabt werden müsse. Eine Körperverletzung, so die Deutsche Polizeigewerkschaft, könne schon wegen der Gefährlichkeit von Klingen im…“

„… es zum Allgemeinwissen gehöre, dass jeder Umgang mit Schneidwaren ein hohes Potenzial an schwersten und teilweise tödlichen…“

„… keine Entschuldigung sei. Förster könnten sich, sollte ein Fangschuss versehentlich nicht tödlich gewesen sein, durch eine schriftlich beglaubigte Kopie und drei Zeugen als legale…“

„… weit gefasst sei. Metall im Sinne des Gesetzgebers sei vieles, vor allem aus Metall gefertigte Gegenstände, die man ohne eindeutige Zuordnung zu Schicht, Partei, Religion und sexueller Orientierung kaum…“

„… niemand ein Messer mit sich führen würde, der nicht auch die Absicht habe, damit jemanden zu töten. Dies sei ohne Ausnahme und…“

„… auch mit einem Hammer schwerste Verletzungen ausgeführt werden könnten. Man müsse daher das seit Jahren von fremdrassigen Arbeitern durchseuchte Handwerk mit eiserner Faust…“

„… der Vergleich sich für jeden Menschen sowie die Mitglieder der Deutschen Polizeigewerkschaft verbiete. Eine Schusswaffe sei generell harmlos und werde erst durch die illegale Beschaffung, unsachgemäße Handhabung und einen nicht sofort als Akt der Verteidigung gegen Feinde des Volkes erkennbaren…“

„… nicht protestiert hätten, als man ihre Handtaschen überprüft habe. Da man die Besucherinnen der Opernpremiere jedoch wegen des Mitführens von Nagelfeilen und Schlüsseln noch im Foyer entkleidet und enthaart habe, werde eine Sprungbeförderung des bayerischen…“

„… vermehrt Kontrollen durchgeführt werden müssten, um einer akuten Gefährdung für alle Bundesbürger durch zumeist ausländische und von anderen Rechtsvorstellungen überzeugte…“

„… man davon ausgehen könne, dass der Besitz legaler Messer keinen Ausländer davon abhalten werde, diese zunächst für gesetzeswidrige Zwecke einzusetzen, da das ausländische Recht üblicherweise keinen legalen Messereinsatz im…“

„… im häuslichen Umfeld geführt würden. Es sei zu bedenken, dass Messereinsatz bei häuslicher Gewalt nur eine weitere Form von…“

„… auch deutsche Bundesbürger vom Besitz abhalten müsse, was aber schlechte Wahlergebnisse zeitigen würde. Der Ausschuss habe sich darauf verständigt, dass die Geburt oder mindestens zehnjährige Staatsangehörigkeit in Abhängigkeit von Hautfarbe, Religion oder…“

„… werde der Kontakt mit einem Messer in einer straftatähnlichen Lage eine Tötungshandlung im strafrechtlichen Sinne. Einzelfälle könne der Gesetzgeber dabei natürlich auf keinen…“

„… Brandstiftung keinesfalls mit dem Besitz eines Messers verglichen werden dürfe. Während ein Brand auch fahrlässig durch das Zurücklassen einer fehlerhaft angezündeten Propangasflasche auf einem Haufen von Stroh mit Benzinkanistern und zerrissenem Zeitungspapier erfolgen könne, erfolge eine Messerattacke immer durch planvolles…“

„… nicht ausreiche, dass man die bestehenden Gesetze anwende, da diese am Modell eines Rechtsstaates orientiert und eine windelweiche…“

„… zusammengeschlagen und mit mehreren aufgesetzten Kopfschüssen habe vernichtet werden müssen, um die Sicherheit der deutschblütigen Rasse zu schützen. Wendt habe es mehrmals als ‚Wahnsinn, wie könne jemand, und dann auch noch eine Frau, so viel Hass auf Deutschland haben‘ bezeichnet, dass eine fremdländisch aussehende Person mit allen Anzeichen muslimischen Terrors einen Angriff auf die freiheitlich-demokratische…“

„… noch immer Gerichte über die Strafhöhe entscheiden dürften, obwohl sie bereits im Vorwege selbst über Schuld und Unschuld gerichtet hätten. Im Falle eines Wahlsieges werde Reichelt dies umgehend zum…“

„… als Kriegerwitwe immer ein Kopftuch und einen schwarzen Mantel getragen habe. Meta F. (104) habe in Sindelfingen im lokalen Einzelhandel nur ein preiswertes…“

„… eine Verschärfung der Sicherheitsgesetz nicht automatisch zu weniger Messerattacken führen werde. Dennoch verzichte Seehofer nicht auf weitere…“

„… ihr Leben gelebt haben werde, auch wenn sie durch ihr außergewöhnliches Alter dem deutschen Sozialstaat als typische Zuwanderin ostischer Verlustgebiete über Gebühr zur Last gefallen sei. Spahn begrüße den Tod der…“

„… nicht geklärt sei, ob scharfkantige Kugelschreiber und Druckbleistifte in die Klasse der Volkszerstörenden Terrorwaffen, die Seehofers Rassenwarnstelle am…“

„… weiter zurückgehe. Eine Zunahme an rassistisch motivierter Gewalt sei dagegen seit mehreren Jahren vor allem in Sachsen und…“

„… Politiker immer wieder Angriffen ausgesetzt seien. Gauland habe allerdings das Attentat auf Lafontaine verteidigt, da es sich um einen Feind des deutschen Volkes…“

„… zur objektiven Beurteilung der Straftaten eine Erhöhung des Strafrahmens für Messerangriffe nur dann vorgenommen werden könne, wenn gleichzeitig Angriffe auf Zuwanderer ins deutsche Sozialsystem als nationale Notwehr unter die…“





Parallelgesellschaft

9 04 2018

„Und es gibt da keine Anhaltspunkte?“ „Nein.“ „Verdammt, wie soll man denn so eine vernünftige Innenpolitik machen, wenn wir über den Täter gar keine verwertbaren Erkenntnisse haben?“ „Ist das nicht öfter der Fall?“ „Ja, aber das ist doch genau der Punkt: wenn wir eine vernünftige Innenpolitik machen könnten, dann hätten wir über jeden die Erkenntnisse, die wir brauchen.“

„Es handelt sich den Ermittlungen nach um einen deutschen Staatsbürger, der bereits psychisch auffällig geworden sein soll.“ „Was heißt denn das, ich brauche mehr Einzelheiten!“ „Naja, er war halt mehrmals durch psychisch bedingte…“ „Mann, das ist mir doch scheißegal, ich will wissen, was das für ein Deutscher war!“ „Wie, was für ein Deutscher?“ „Mehr Merkmale halt. Welche Religion, war er arbeitslos, schwul, war das eine linke Bazille – Merkmale halt. Verwertbare Merkmale!“ „Ist das erheblich, ob jemand arbeitslos ist?“ „Dann können wir uns rechtzeitig auf die Neiddebatte vorbereiten, dass Erwerblose den ganzen Tag lang Zeit haben, solche Terroranschläge zu planen, weil sie vom Steuerzahler in seiner Hängematte durchgefüttert werden.“ „Was trägt denn das zur Lösung des Falls bei?“ „Nichts. Aber können Sie ruhig schlafen, wenn sich herausstellt, dass wir mit jedem Euro Hartz IV Terroristen im eigenen Volk züchten?“

„Und mit Verlaub, diese Anspielung auf eine sexuelle Orientierung, das ist doch nicht Ihr Ernst.“ „Wir müssen die einzelnen Merkmale erkennen, dann können wir aus der Kombination sehen, ob es sich bereits um den Ansatz zur Bildung einer Parallelgesellschaft handelt.“ „Dann sind also dänische Erwerbslose schon wegen ihrer sexuellen Orientierung eher an Attentaten beteiligt?“ „Warum dänisch?“ „Warum erwerbslos?“ „Als Däne sind Sie ja noch nicht generell eine Randgruppe, das muss man schon unterscheiden.“ „Als Deutscher auch nicht.“ „Dann müssen wir eben noch viel mehr Erkenntnisse über die einzelnen Personen haben.“ „Um sie im Vorfeld eines Attentates bereits als Täter zu identifizieren?“ „Das sollte irgendwann möglich sein.“ „Bei den bisherigen Attentätern hat man nicht nur die Gefahr erkannt, man hat sie auch überwacht.“ „Das musste halt sein, es gibt immer irgendwelche Auslöser, die man schon im Vorfeld erkennen kann. Dann muss man die gefährlichen Personen nur…“ „Zum Beispiel, indem man ihnen Waffen besorgt hat.“ „Das war manchmal nötig, sonst hätten wir danach nie alle Helfer ermittelt. Unsere Ermittlungsmethoden werden ja vor allem nach den einzelnen Anschlägen verbessert.“

„Und wenn es sich wirklich nur um einen psychisch kranken Mann gehandelt hat?“ „Dann muss man eben herausfinden, woran das gelegen hat. Wir können doch nicht abwarten und so tun, als ginge uns das alles nichts an – das sind tickende Zeitbomben, die muss man frühzeitig aus dem Verkehr ziehen, Sie sehen doch, was sonst passiert.“ „Also müsste man rein theoretisch alle Ärzte, die mit diesen Patienten zu tun haben, im Vorfeld von der Schweigepflicht entbinden.“ „Sehr richtig!“ „Und dann wären psychische Erkrankungen auch grundsätzlich meldepflichtig.“ „Ganz meine Meinung!“ „Was machen Sie dann, wenn jemand mit einer psychischen Erkrankung gar nicht zum Arzt geht?“ „Das können Sie mir doch nicht erzählen – jeder geht zum Arzt, wenn er krank ist. Das ist ja das Problem, die Leute gehen mit jedem Scheißdreck zum Arzt, sogar die Arbeitslosen!“ „Nur dass man eine psychische Erkrankung selbst nicht immer bemerkt.“ „Deshalb brauchen wir mehr Erkenntnisse. Was meinen Sie, die vielen Opfer von diesem Flugzeugabsturz hätten noch leben können, wenn wir mehr Erkenntnisse gehabt hätten!“

„Wenn nur die kontinuierliche Ausweitung der Überwachung noch Erkenntnisse bringt, welches Rechtsgut wollen Sie dann eigentlich schützen?“ „Die innere Sicherheit natürlich. Wir können doch nicht zusehen, wie die Bevölkerung immer neue Parallelgesellschaften ausbildet, die sich dann bis aufs Messer bekriegen. In Deutschland gilt Recht und Ordnung!“ „Und das Grundgesetz?“ „Im Ausnahmefall sicher auch das, aber wir können hier keine Straftaten dulden, die andere durch den Nachahmungseffekt zu Tätern machen könnten.“ „Und deshalb brauchen wir mehr Erkenntnisse, um Menschen in immer mehr Schubladen zu stecken.“ „Es handelt sich um Personen, aber sonst: ja.“ „Weil es sonst Parallelgesellschaften gibt.“ „Eben.“

„Dann machen Sie doch mal an den Merkmalen, die Sie jetzt genannt haben, fest, welche Erkenntnis Sie aus dem Täterprofil ziehen würden.“ „Also es ist zunächst mal ein deutscher Staatsbürger.“ „Das ist ja noch nicht erheblich.“ „Aber wenn Sie sich den Tathergang ansehen, stellen Sie fest, dass das eine hochgradig emotionale Tat war.“ „Aha.“ „Sie wurde in der Nähe eines bekannten Denkmals verübt, ein nationales Symbol, richtig?“ „Wenn Sie meinen?“ „Unterbrechen Sie mich jetzt nicht! Bei wem findet man diesen Hass auf historische deutsche Symbole?“ „Üblicherweise bei…“ „Sie sollen mir nicht immer ins Wort fallen! Es ist ein deutscher Staatsbürger, der eine antideutsche, also gegen das deutsche Volk, unsere Leitkultur, die nationale Identität – Antifa! ein links motivierter Anschlag! Das mit der psychischen Störung war natürlich nur ein Vorwand, wir haben es hier mit einem astreinen politischen Attentat zu tun! Die Autonomen wollen den Bürgerkrieg! So, und jetzt schreiben Sie den Scheiß für die Presse auf, wir haben noch mehr auf dem Zettel. In der Innenstadt waren schon wieder zwei Wohnungseinbrüche. Bestimmt wieder irgendwelche Polacken.“





Vom Ende der Welt

8 04 2018

Und als Columbus eine Welt entdeckte,
erschien es ihm, als schlössen sich die Kreise
des einen Gottes, den er damit preise,
dass sich die Gegenwart zum Ende reckte.

Das Ende aller Zeiten, das bezweckte,
dass sich die Schöpfung berge still und leise
in einem Untergang, beziehungsweise
im Aufgang, wo sich Ewigkeit erstreckte.

Zerstörung ist das Rad, das der Geschichte
die Erdenreste nimmt und ihre Wichte,
dass unser Wesen leicht zum Ende werde.

Doch wir verstehen falsch, wenn wir im Glauben
uns selbst die Sicht auf Weltenläufe rauben,
Verblendete, zerstören wir die Erde.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCLXXXVII)

7 04 2018

Es weigert sich Leszek in Kauern,
den Brüdern ein Häuschen zu mauern.
Der Mörtel war brüchig,
der Auftrag anrüchig –
da half bei ihm auch kein Bedauern.

Es hatte Vann in Battambang
seit Jahren bereits einen Drang,
in Tunneln zu lärmen.
Dafür will er schwärmen.
Es ging ihm speziell um den Klang.

Lässt Waldemar sich in Judzicken
am Sonntag am Stammtisch mal blicken,
will er nicht bei Bieren
viel rumdiskutieren.
Er pflegt in der Zeit meist zu stricken.

Wenn Grigor beim Kegeln in Dvin
antritt, geht’s nicht um den Gewinn.
„Es ist doch erquicklich
und mindestens schicklich,
dass ich mal nicht zu Hause bin.“

Wenn Stanisław sich in Klein Wronnen
im Scheine von flackernden Tonnen
ins Licht stellt, man kennt es,
dann kokelt und brennt es.
Er möchte sich nur daran sonnen.

Was Orhan beim Shoppen in Akçakent
bei fast allen Händlern genügend kennt,
sind zu hohe Preise.
So ist es recht leise,
doch hörbar, wenn er nach dem Shoppen flennt.

Ist Rosa verstimmt in Kulessen,
so muss sie meist Süßwaren fressen.
Je mehr sie dann kaute,
war hinterher Flaute,
und sie hat dann alles vergessen.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDVIII): Irgendwas mit Hitler

6 04 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

In Mosambik kann man abends die Glotze anknipsen und bekommt eine astreine Telenovela. In Litauen wird’s nicht anders sein, es hängt halt vom Anbieter ab. Auch in Österreich besteht noch Hoffnung, beschränkt, aber Hoffnung. In der BRD hockt man vor der Mattscheibe und drischt sich unmittelbar die schönsten Bilder aus dem Bunker in die Birne. Ohne Gnade wird jede Sendelücke mit dem Bettnässer aus Braunau verfüllt. Ob als Sand- oder Gasmännchen, Architekt und Kanzelredner, bis zum weißen Rauschen in der Rinde wird der Deutsche zu einer seltenen Form von Selbstverletzung angehalten, sieben Tage in der Woche, ständig, es gibt ja genügend Sender für den ganzen Müll. Wenn gar nichts mehr geht, geht immer noch irgendwas mit Hitler.

Vermutlich werden um den Gruselclown mit der Zahnbürste im Gesicht ganze Kulturlandschaften in die Geschichte gefräst. Anders ist nicht zu erklären, dass der Diktator sich zum Protagonisten eines ganzen Genres gemausert hat – die Wunderwaffe aus Archivdreck und pseudomoralischem Klarlack über den dialektischen Rissen treibt noch immer die Deppen auf die Couch. Religion und Sport müssen schweigen, wo das Geschwiemel über den Gröfaz jede Dino-Doku plättet. Sie haben die Zuschauer im Blitzkrieg um Marktanteile erobert, jetzt bauen sie eine Festung gegen den angeblich linken Zeitgeist, der sich auch nur noch mit Adolf abgibt, aber von der Unterseite.

Da Hollywood vor dem schreienden Scheitel nicht Halt macht, wurden wir langsam, dafür umso nachhaltiger konditioniert, auf die Wiederkehr des Braunen zu achten in vielerlei Gestalt. Manche Apokalypse des miserablen Geschmacks hätte man durch frühzeitiges Wegbomben noch verhindern können, doch die Brut hat im kortikalen Flokati die ersten Muster eingescheuert. Ein Volk, ein Reich, ein Guckreiz für die Schimmelhirne, die ihre tägliche Gleichschaltung nicht einmal merken.

Dabei ist die Sache doch ein ganz hübscher Wirtschaftsfaktor geworden, dem die Nation blendende Umsätze verdankt, immer neu verpackter Braunbrei in der alten Geschmacksrichtung für nachwachsende Generationen, deren Rezeptoren immer weiter gerundet werden, abgestumpft, ausgelaugt, so dass nur höhere Dosen helfen, mehr Brei, mehr Hitler in allen Variationen. Aus jedem Buch ein neuer Film, aus jedem Film ein neues Buch, das dann, ganz im Sinne einer historisch-unkritischen Aufarbeitung, wieder neu analysiert und eingeordnet und diesmal aber wirklich ganz und gar abschließend beschieden, wie der Führer seinen Pudding aß. Gäbe es für die Abhandlungen über bayerischen Brückenbau, die Schwanzlurche auf der Nordhalbkugel und die Geschichte der deutschen Damenmoden kein Marktpotenzial, mit Hitler und… wächst zack! dem Ding ein Barscheck aus den Rippen, Stoff für drei neue Folgen auf dem Spezialsender oder mindestens eine spektakuläre Headline in der Zeitung mit den dicken Buchstaben.

Manches aus diesem Mustopf wird gar als investigativer Journalismus verkauft, der muffelnde Unterton fix sandgestrahlt und überlackiert, schon steht das komplette Elaborat als stundenlanger Dokuseifenschaum der Schmodderanstalten im Nachmittagsprogramm. Wer dann Zeit hat, sich den Krempel in die Hirnrinde zu drücken, hat diese nicht ohne Grund. Einher geht mit der intellektuell eher schlicht möblierten Dachkammer auch eine Nähe zu zerfahrenem Synapsengebrauch: hätte der Führer Fisch gefressen, vielleicht wäre der Russe an der Elbe stehen geblieben. Der arische Aluhut, das ist mal sicher, wusste immer schon, dass wir in Stalingrad eigentlich gewonnen haben. Aber das darf man ja nicht mehr sagen.

Zumindest nicht in diesem, unserem Lande. In anderen Staaten geht man mit dem Nazi noch scheulos um: sie zeigen, dass es Arschlöcher waren, Schicklgruber inklusive, und pusten sie nicht auf zu Dämonen, die vom Himmel fielen, uns alle in den Untergang gezwungen haben, unter denen nicht alles schlecht war und die wir demnächst dringend wieder brauchen. Zum Aufräumen. Kein lähmender Bannstrahl trifft das Publikum. Es herrscht kein Bildverbot, davon abgesehen wird keine aus reinem Riefenstahl geschmiedete Farbkulisse hinter der Ostfront vorbeigezogen, keine Aufmarschmusik schmettert sich das Zäpfchen wund – diese wohlige Angst, dass das, was wir alle so gern wieder hätten, tatsächlich noch mal alle Maschinen auf Todestrieb umstellen könnte, diese Gänsehautkrankheit kennt nur der Deutsche, der sich höchstens noch dagegen wehrt, dass man seine Hitlerverehrung gleich als nationalsozialistisch auslegt. Er will die intimen Momente, die alltäglichen, in denen er Krieg und KZ ausblenden kann, ewigen UFA-Eintopfsonntag, menschelnden Kitsch im Säurebad. Karies aus der Tube. Der nette Drecksack von nebenan. Man sollte mal etwas machen, um ihm als Individuum näher zu kommen. Vielleicht ein Tagebuch.





Erinnerungslücken

5 04 2018

Natürlich hatte ich an meinen Ausweis gedacht. „Sie würden sonst nicht wieder aus der Station kommen“, bemerkte die Schwester am Empfang. „Jedenfalls nicht so einfach.“

Verwirrte saßen auf den Bänken im Innenhof. Verwirrte standen in den Umgängen, die auf den Hof hinausgingen. „Sie sind schon fast fertig“, erklärte die Leiterin. „Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen das gerne mal demonstrieren.“ Ich verneinte. „Üblicherweise arbeitet die Medizin in die andere Richtung.“ Sie zog eine Augenbraue in die Höhe. „Wir sind ja auch Psychologen. Und wir haben diesen Ansatz so gut wie perfektioniert. Schauen Sie sich mal diesen Mann an.“ Ich sah auf den Umgang gegenüber. „Er weiß ab und zu, wer er ist und was er hier macht. Noch eine Woche, und er wird sogar das gezielt verdrängen können.“

Es handelte sich dabei um einen jungen, aufstrebenden Berufspolitiker, der gerade als Landrat Karriere machen wollte. „Vor der Wahl hat er sieben neue Kindertagesstätten, den Bau eines neuen Krankenhauses und die Umgehungsstraße am Plunderbusch versprochen.“ „Natürlich vor Zeugen?“ Sie grinste etwas schief. „Wie lange beschäftigen Sie sich jetzt schon mit Politik? Es geht gar nicht um die Zeugen, es geht um das Versprechen an sich. Er konnte sich eine Woche nach der Wahl noch an jede Einzelheit erinnern.“ Das erschreckte mich. „An jede?“ Die Leiterin seufzte. „Jede. Ein schwerer Fall, wie Sie sehen. Außerordentlich schwer.“ „Das wird das Bild des Berufspolitikers in der Öffentlichkeit massiv beschädigen.“ „Quatsch“, schnaubte sie. „Haben Sie eine ungefähre Vorstellung, was das alles kosten wird?“ Die Partei hatte ihn zügig auf die Station gebracht und sofort der Obhut des psychologischen Personals unterstellt. „Wir bringen ihm grundlegendes Vergessensmanagement bei. Wissen ist bekanntlich Macht, wenn Sie nichts wissen – macht nichts.“

Langsam begriff ich, worum es hier ging. Je mehr wir wissen, desto mehr denken wir nach, je mehr wir über uns reflektieren, desto eher geraten wir in Zweifel – ich denke, also spinn ich. Das Glück der Menschen besteht nicht in der Erkenntnis ihrer selbst. Es lässt sich nur in ihrer vollkommenen Abwesenheit fassen, und selbst hier nicht mit der gewünschten Sicherheit. Wer sich nicht erinnert, dem kann die Erinnerung auch nicht getrübt, verfälscht, genommen werden. Und er stellt keine Gefahr dar für andere, denen diese Erinnerung im Falle eines Falles gefährlich werden könnte. Der erinnerungslose Mensch ist ein idealer Zeitgenosse, leicht zu verwenden, quasi abwaschbar, vollendet gutartig, da zu keiner Schlechtigkeit intellektuell in der Lage, und keiner würde es ihm als Fehler ankreiden. Die meisten hätten wohl ihre Gründe.

„Bei manchen haben wir eine Menge Arbeit“, erklärte sie. „Sie sind zu begriffsstutzig und wissen gar nicht, was sie vergessen sollen. Bei manchen haben wir einfach nur eine Menge Arbeit.“ Mir kam dieses Gesicht gleich so bekannt vor. „Ist das nicht…“ „Doch“, antwortete sie trocken. „Sonst sehen Sie den Mann aus den Abendnachrichten, er ist jetzt schließlich Bundesminister, aber sonst hat sich nicht viel geändert.“ Wie normal das aus ein paar Metern Entfernung aussah; geistig war er nicht mehr in der Lage, seine Schuhe vernünftig zuzubinden, aber er erzählte noch immer denselben Unsinn, den er seit Jahren erzählte. „Er macht meist das Amt für sein Versagen verantwortlich, dem er einige Jahre lang vorgestanden hatte.“ Die Leiterin schob gelangweilt ihre Brille zurecht. „Außerdem hat er vollkommen vergessen, was er in dieser Position von der Führung seines jetzigen Ministeriums verlangt hatte.“ Der Mann hatte leichte Gleichgewichtsstörungen und hielt sich an der Brüstung des Umlaufs fest; immerhin wusste er noch genau, dass er Bundesminister war, und so trat er nach den Pflegern, spuckte sie an und schrie, sie sollten gefälligst arbeiten gehen, statt sich im Krankenhaus auszuruhen.

„Wenn Sie wüssten, wen wir hier haben, Sie wären entzückt.“ Ich konnte mir schon vorstellen, wer sich in Behandlung begab, höhere Beamte, eine Menge Würdenträger aus allerhand Parteien und anderen Kirchen, wahrscheinlich auch Künstler mit verdrängungswürdigem Vorleben. „Und sie haben alle ein Bedürfnis nach Vergessen.“ „Wie man’s nimmt.“ Wieder schob sie sich die Brille zurecht. „Ein paar von ihnen leben sowieso schon längst im Wolkenkuckucksheim, denen kann man nicht mehr viel ausreden, die nehmen keine Art von Realität wahr. Da muss man höchstens daran arbeiten, die Mauern noch ein bisschen höher zu ziehen.“ Offenbar hielt sie nicht viel von den Patienten, auf die das zutraf. „Aber einige von ihnen haben doch das Bedürfnis nach Verdrängung, weil sie sonst nicht mehr leben könnten. Sie müssen ausschalten, was sie dazu bringen könnte, ihr ganzes bisheriges Leben noch einmal neu zu überdenken. Oder etwas anders zu machen. Oder überhaupt einmal zu handeln, statt immer nur zuzuschauen, wie etwas geschieht, das sie nicht begreifen.“ Die kleine Gruppe von Verwirrten kam wieder aus dem Hof zurück. Einer von ihnen blieb stehen und sah mich aus leeren Augen an. „Autoindustrie“, sagte sie. „Seit gestern weiß er nicht einmal mehr, was ein Dieselmotor ist.“





Crossposting

4 04 2018

„Sie können unbegrenzt Fotos hochladen, auch von Leuten, die Sie nicht kennen. Wir kennen die für Sie, schließlich haben wir mit den Leuten jeden Tag zu tun. Das bietet Ihnen Facebook nicht. Das kann nur die Deutsche Post.

Also das war jetzt kein Ausrutscher, verstehen Sie das nicht falsch. Das war auch kein Testballon. Wir haben nur ein sehr spezielles Produkt im B2B-Bereich verkauft, ging ja auch ganz gut, und dann haben Sie in der Zeitung gelesen, dass wir dabei gegen kein Gesetz verstoßen haben. Kann ja mal vorkommen. Dass wir unser Adressmaterial jetzt gerade an die CDU geliefert haben, das war eine marktwirtschaftliche Entscheidung. Die haben am meisten dafür gezahlt, und wir tun damit auch etwas für die Umwelt. Wenn man nur da Werbung hinschickt, wo sie auch gelesen wird, spart das eine Menge Papier und Rohstoffe.

Aber das ist ja auch erst der Anfang, wir dehnen unseren Service natürlich für sämtliche Kunden in Deutschland und Europa aus, optimal auf die Bedürfnisse der modernen Nutzer zugeschnitten, und das Beste ist: Sie zahlen nichts. Alles absolut kostenneutral. Natürlich nur für Sie.

Sie müssen die Debatte im Kontext der letzten Jahre betrachten. Da haben Politiker immer wieder eine deutsche Alternative zu Facebook gefordert. Hohe Datenschutzstandards, bessere Technik, alles im Rahmen der geltenden Gesetze. Also der Gesetze, die die Politik dafür macht – wenn Sie sich nicht gerade ein Jahresabo vom Neuen Deutschland nach Niederbayern liefern lassen, wird sich kein Schwein für Ihre Anschrift interessieren. Für Sie ist das vollkommen kostenfrei und wird ständig weiterentwickelt. Das verspricht Facebook auch, aber das ist ein Riesenkonzern, der gehört sich quasi selbst, und wir haben nicht einmal Server in Amerika stehen. Unsere Daten werden noch regional produziert. Das ist doch was!

Jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie sehen ein paar Klamotten und bestellen die im Internet, die werden Ihnen geliefert, wir haben zwar die Lieferadresse, aber Sie wissen ja: Datenschutz, daraus lässt sich für uns kein Rückschluss ziehen, dass Sie die auch bestellt haben. Alles absolut sicher. Wenn Sie jetzt aber den speziellen Service kostenlos dazubuchen, dann teilen wir Ihnen schon vorher mit, die Hose ist ein bisschen eng, Rabatt beim Fitnessstudio wird gleich klargemacht, wir stellen das auf Ihre Seite ein, gleich in Ihr Profil, wird am Liefertag ergänzt, wir wissen ja, wann geliefert wird, beziehungsweise wann Sie üblicherweise zu Hause sind, und zack! Influencer. Neue Hose. Hundert Profilbesuche garantiert. Macht Ihnen Facebook nicht.

Ja, die haben Fernsehserien. Wir müssten mit der Telekom reden, dass wir für die Rechnungen die Anschriften abgleichen können, aber das dürfte nicht schwierig sein. Sie bekommen das ja auch kostenlos, einmal anklicken, wir pflegen das in unser Programm ein. Das Gute ist, Sie brauchen keine zusätzlichen Geräte, zumindest nicht von uns, und da Sie nichts dafür bezahlen, brauchen wir auch keine Kontodaten. Clever, oder?

Grundsätzlich ist es so, dass wir Ihnen nur maßgeschneiderte Angebote machen. Das, wofür Sie die nötige Kaufkraft haben und das passende Bankverhalten, je nach Ihrer mutmaßlichen Bildung und Familienstruktur. Vielleicht sind Sie eher der Typ für Fantasy-Serien, dann bieten wir Ihnen halt keine Musicalfilme an. Oder Western. Wir verschicken Ihre Briefe ja auch nicht ungefragt per Luftpost, nur weil es uns ein bisschen mehr Umsatz bringen würde. So gut sollten Sie Ihren Anbieter schon kennen.

Das könnte Ihr gesamtes Leben revolutionieren, endlich haben Sie mal soziale Medien, die diesen Namen auch verdienen. Sie schließen eine nette Urlaubsbekanntschaft, dann fällt Ihnen plötzlich auf, dass Sie ganz vergessen haben, nach der Adresse zu fragen, zack! Treffer auf Ihre Post-Seite, die Postbenachrichtigung machen wir sogar schriftlich für Sie, wenn Sie das nicht online erledigen wollen, und Sie brauchen sich um nichts mehr zu kümmern. Wir stellen Kontakte her.

Das haben Sie jetzt falsch verstanden. Die Aktion mit den CDU-Anschriften war ganz anders gemeint, außerdem haben Sie davon ja gar nichts mitgekriegt. Das ist ein Beitrag zur Demokratie in Deutschland, denn wir wollen die Mitwirkung der demokratisch gewählten Parteien an der politischen Willensbildung unserer Kunden unterstützen. Und wir haben die CDU damit nicht finanziell gefördert. Ganz im Gegenteil. Und wir haben auch unsere Reserven dadurch aufgefüllt. Das heißt, eine Portoerhöhung ist damit erst mal vom Tisch. Davon profitieren Sie sogar, wenn Sie nicht CDU wählen.

Wissen Sie, was das Beste an unserer Arbeit ist? dass bei uns grundsätzlich alle Daten anonymisiert werden. Verlassen Sie sich darauf. Oder glauben Sie, die Deutsche Post interessiert sich für ihre Kunden?“





Leipziger Allerlei

3 04 2018

„… für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft unabdingbar sei. Ohne einen Zugang zu den großen Wasserstraßen könne die sächsische Industrie keinen Beitrag für den…“

„… der Aufbau Ost jetzt auf die Wiederanlage des Leipziger Hafens setze. Die Verkehrsprojekte seien seit längerer Zeit bekannt und müssten nur noch von Scheuer durch die zuständigen…“

„… als vollkommen überflüssig ansehe, da er die Beschäftigungssituation der sächsischen Arbeiter nicht verbessern werde. Diese seien mit dem Anzünden von Flüchtlingsunterkünften schon derart ausgelastet, dass sie für eine geregelte Erwerbstätigkeit ohnehin keinen…“

„… für einen Heimatbegriff stehe, den auch Ausländer nachvollziehen könnten. Für Scheuer stehe das Bauprojekt darum vor allem für die Führungsrolle des christlich-abendländischen…“

„… in einer Koalition aus CSU, AfD, NPD und anderen fortschrittlich gesonnenen Kräften, die in Sachsen das Zentrum eines zukünftigen…“

„… und bis 2033 eine Anbindung an die Elbe erreichen müsse, um rentabel zu bleiben. Eine Steigerung der deutschen Containerschifffahrt um 800% setze die Bundesregierung daher als notwendiges…“

„… sich Zuwanderung wieder lohne. Gauland habe der Bundesregierung vorgeworfen, zu wenig Kriege zu führen, in deren Folge regelmäßig Arbeitswillige als Flüchtlinge nach…“

„… mit Elster und Saale zwei der bedeutendsten Flüsse des Kontinents zu epochalster Größe verbunden würden, die die großdeutsche Wirtschaft als bestimmenden Faktor im ganzen Welthandel…“

„… die Umbenennung von Leipzig in Germania, wie es Höcker gefordert habe, am breiten Widerstand der Bevölkerung gescheitert sei. Vorerst müsse das Bauvorhaben, da es aus Mitteln des Landes finanziert werde, noch eine rein sächsische…“

„… und dazu nur ein jährlicher Anstieg der Umsatzsteuer um zwei Prozentpunkte angedacht sei. Mit der Streichung des Kindergelds rücke die Finanzierung des Bauvorhabens bereits innerhalb weniger Jahrzehnte in greifbare…“

„… Umweltschutzmaßnahmen eine steigende Bedeutung erhielten. So könne man auf den bisherigen Schwemmflächen des Pissener Grabend zwischen Kötzschau und Witzschersdorf keine Windkraftanlagen errichten, da dies ein zu großer Eingriff in die natürliche Umgebung des…“

„… nicht mit den Auswirkungen auf den internationalen Handel gerechnet habe. Scheuer habe bei der chinesischen Regierung ein Protest eingelegt, da diese den Bau von Schiffen zulasse, die wegen ihrer Breite nur noch in Seehäfen und…“

„… sich das Außenhandelsdefizit schneller als geplant vergrößere. Um täglich 15.000 Kubikmeter Erdreich zu verlasten benötige man mehr Baumaschinen, als es die Berechnung des Planungsstabes für den…“

„… nicht relevant sei. Alle Pläne, einen unterirdischen Hafen in der sächsischen Schweiz zu errichten, hätten sich durch einfache Berechnungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge als so personalintensiv erwiesen, dass die Bauleitung davon Abstand…“

„… den Durchbruch zum Bodensee vorerst nur theoretisch in Erwägung ziehen wolle. Die Rheinschifffahrt sei zwar aus logistischen Gründen nicht außer Acht zu lassen, die Fahrtwege dürften aber auch dann nicht länger als…“

„… einem Zirkelschluss aufsitze. Zwar sei der Handel mit den ostasiatischen Industrieländern in den vergangenen Jahren kontinuierlich angewachsen, doch rühre dies vor allem von der großen Anzahl der Erdbaumaschinen her, die zum Ausbaggern des sächsischen…“

„… dass die Wasserstraßen erst nach der Fertigstellung von Schleusenanlagen, Hafenbecken und Umschlagzentren angelegt würden. Dies sei durch den Bundeshaushalt vorgegeben und dürfe nicht mit dem…“

„… die digitale Wasseranzeige in sämtlichen Bauabschnitten veraltet sei und neu installiert werden müsse. Insgesamt erhöhe dies die Kosten um einen Betrag von mehr als…“

„… Schienenanbindung nicht vorgesehen sei. Der Leipziger Hafen könne durchaus gut von der Wasserseite erreicht werden und besitze das Potenzial, in weniger als dreißig Jahren eine…“

„… nicht genug Arbeitskräfte für den Betrieb des Hafens vorhanden seien. Da es in Deutschland für viele Jahre keine qualifizierten Ausbildungen mehr gegeben habe, um genug Bauhelfer nach Sachsen entsenden zu können, sei der aktuelle Fachkräftemangel im weltweiten Vergleich noch viel schlimmer als…“

„… die Frachtkosten bei zehntausend Euro pro Tonne und Kilometer lägen, was im internationalen Wettbewerb so gut wie keinen sinnvollen…“

„… aber nicht mehr geflutet werden könne. Das Ingenieurbüro, das die Zuleitungen erstellt habe, sei in Wirklichkeit eine aus Rumänien stammende…“

„… die Brandschutzauflagen nicht einhalten könne. Eine endgültige Betriebserlaubnis werde das Bundesamt daher bis auf Weiteres…“

„… wasserdurchlässig sei. Ein im Jahr 2020 erstelltes Bodengutachten habe auf die Schichten hingewiesen, die eine Kanalanlage problematisch hätten erscheinen lassen, doch sei der damalige Minister für Verkehr, Migration und gesundes Volksempfinden nie auf die Einzelheiten des…“

„… den Kanal großflächig mit Beton verfüllen könne. Dies schaffe nochmals mehrere Millionen Jobs, wie es in den letzten neun Wahlkämpfen…“

„… umwidmen wolle. Mit etwas Glück, so Altkanzler Scheuer, werde man den Großflughafen Berlin-Brandenburg in weniger als…“





Integralberechnung

2 04 2018

„Und diese Konzentrations…“ „Bitte!“ „Naja, für die Ausländer, die wir nicht mehr in…“ „Herr Kollege, das ist doch nun nicht so schwierig, oder?“ „Rückführung?“ „Fast.“ „Repatriierung?“ „Jetzt müssten Sie’s ja gleich haben.“ „Abschiebelager?“ „Na also. Geht doch.“

„Man könnte das doch in Bayern organisieren, das hätte sogar noch einen wirtschaftlichen Vorteil für die Länderfinanzen.“ „Bloß nicht. Fremdrassen bei uns aufnehmen, nur weil’s Geld bringt, das tut der Bayer nicht.“ „Und warum nicht?“ „Weil wir das nur tun, wenn es sehrt, sehr, sehr viel Geld bringt. Darunter haben wir moralische Zweifel.“ „Ah, verstehe. Das ist ja wie mit der Atomkraft.“ „Was hat jetzt unsere deutsche Atomkraft mit diesen dreckigen Kameltreibern zu tun?“ „Weil die Bayern sich erst dann leise Zweifel an der Ungefährlichkeit von Kernkraft geleistet haben, als wir plötzlich überlegten, den Atommüll auf ihrem Grund und Boden zu verbuddeln.“ „Du blutest wohl gerne aus Deiner…“ „Für Sie Herr Staatssekretär. Wir wollen doch bitte die Form wahren.“

„Merkwürdig, dass sich die alternde Garde Ihrer Chefalkoholiker nicht mehr um Vorteile kümmert, die den Geschäftsfreunden des…“ „Politische Weggefährten, mein Lieber. Wir haben politische Weggefährten, Geschäftsfreunde hat mal als Linker, der den Staat nur gebraucht, um nicht mit seiner eigenen Hände Arbeit seinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Das merken Sie an den Hartz-Gesetzen, das alimentiert diese spätrömischen Arbeiter, die nicht in der Leistungsgesellschaft angekommen sind.“ „Meinetwegen, aber warum muss man dann ein Abschiebezentrum in Gießen planen?“ „Weil das seit Jahrzehnten ein widerliches Kommunistennest ist, das endlich mal eins auf die…“ „Dass Hessen immer noch eine unionsgeführte Landesregierung hat, war Ihnen schon bekannt?“ „Aber nicht christlich-sozial! Wir werden diesen islamistischen Kuschelkurs bekämpfen, und zwar bis zur letzten Patrone!“

„Für mich klingt das ja eher nach einem Sankt-Florian-Prinzip: verschon mein Haus, zünd andere Häuser an.“ „Das passt schon. Wir haben die ganzen Musel ja hier, da kann auch ein jeder sehen, wie er den Dreck wieder loskriegt.“ „Unter der Führung der Bayerischen Landesregierung.“ „Moment, wir sind Teil der Bundesregierung, dafür haben wir schließlich den Kompromiss geschlossen und sind nie bundesweit angetreten.“ „Und wenn das nicht mehr hält?“ „Dann treten wir halt im ganzen Bundesgebiet an und werden die Merkel, diese russische Stasidreckschlampe, mal so richtig in den verdammten…“ „Mit anderen Worten, beim nackten Gedanken an die AfD bekommen Sie Schweißausbrüche.“ „Herr Staatssekretär, das ist doch nun leicht übertrieben, wenn ich mir diese Bemerkung erlauben dürfte.“

„Sie legen doch sonst immer größten Wert darauf, dass im Freistaat Recht und Ordnung gilt und das Gesetz auch angewendet wird.“ „Das ist auch so, aber das kostet ja auch.“ „Und bis jetzt haben Sie immer gesagt, dass in die Integration in Bayern viel erfolgreicher verliefe als in den anderen Bundesländern.“ „Das ist auch so, aber noch mehr Integration können wir den Bürgern einfach nicht mehr zumuten. Wie stellen Sie sich das denn vor, irgendwann gibt’s keine Bayern mehr, sondern nur noch Integrierte.“ „Das bayerische Erfolgsmodell der Integration wird einfach so preisgegeben?“ „Wir integrieren schon noch, aber eben anders. Wir integrieren jetzt in die Abschiebezentren, in denen wir die Integrationswilligen von Anfang an aufnehmen, behandeln und dann wieder in ihre Heimatländer abschieben.“ „Ach, deshalb wollte Seehofer Heimatminister werden?“ „Jetzt werden Sie mal nicht komisch, das können wir besser.“ „Komisch werden?“ „Nein, die Sonderbehandlung dieser Situation ist für Bayern auch eine Frage der Mehrkosten. Deshalb müssen wir uns da eine neue Form des Kostenmanagements einfallen lassen.“ „Eine Integralberechnung, nehme ich an.“ „Ja, in der Art. Irgendwas in der Art.“

„Bliebe die Bundespolizei.“ „Was ist mit der?“ „Die wollen keine Knastbetreiber sein.“ „Sondern?“ „Naja, Polizeiaufgaben halt. Gefahrenabwehr oder Strafverfolgung.“ „Jetzt passen Sie mal auf, jeder einzelne mutmaßliche Scheinasylant ist eine große Gefahr!“ „Für die absolute Mehrheit der CSU.“ „Auch, aber in erster Linie für das Heimatgefühl der konservativen Wähler.“ „Und Strafverfolgung?“ „Wer als illegaler Asylant am Abschiebezentrum, der kommt im Grunde vom Münchener Bahnhof, und da ist schon strafbar, dass die meisten, die hier nur in die Sozialsysteme…“ „Geben Sie sich keine Mühe, ich habe es schon verstanden.“

„Wenn Sie alles besser wissen, dann schlagen Sie halt etwas vor.“ „Diese Konzentrationslager sind verfassungsrechtlich mit der heißen Nadel gestrickt.“ „Da Seehofer in Berlin ist, muss uns das nicht kümmern.“ „Hier sind sowieso wir vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zuständig.“ „Und wo hocken Sie? in Franken, damit fängt doch ganze Theater an!“ „Wissen Sie was? Ich habe da eine Idee.“ „Und dann kommen Sie mir wieder mit dem Sankt Florian.“ „Nicht ganz.“ „Sondern?“ „Wir machen das in Sachsen, am besten mit Freigang. Wenn die das als erstes von Deutschland sehen, dann hauen die alle wieder ab. Freiwillig.“





America to go

1 04 2018

Keiner hat behauptet, dass diese Welt ungefährlich sei. Manche sagen, man käme sowieso nicht lebend raus aus dieser Sache. Aber da gibt es ja noch die Vereinigten Staaten, in denen auf einem heißen Kaffee zwingend aufgedruckt werden muss, dass er heiß ist. Jetzt muss man auch darüber aufklären, dass es sich um ein Erzeugnis aus geröstetem Kaffee handelt – wie bei jedem Röstvorgang entsteht dabei möglicherweise das in höheren Dosen gesundheitsschädliche Acrylamid. Noch ist eine karzinogene Wirkung von Kaffee gar nicht nachgewiesen, und selbst dazu müsste man sich die Brühe hektoliterweise reinkippen. Hauptsache, die Fast-Food-Ketten, die das Zeug verkaufen, müssen ihren Kunden nichts über die Schädlichkeit von Fett und Zucker erzählen. Freiheit und so. Alle weiteren Anzeichen, dass Amerikaner für alles einen Warnhinweis brauchen, außer für Hirnlosigkeit, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • qualifizierte fachkräfte: Im Gesundheitsministerium wird noch einer gesucht, der mit Messer und Gabel umgehen kann.
  • scheißdeutsche: Die AfD ibt sich alle Mühe, das Bild vom hässlichen Deutschen zu tunen.
  • terror zentrum: Sie meinen die Münchener Staatskanzlei?
  • umgang mit schusswaffen: Sie meinen die Münchener Staatskanzlei.
  • offene tuberkulose: Der Spahn entwirft zwei neue Formulare und sagt den Patienten, sie sollen gefälligst arbeiten gehen, dann müssen sie nicht in der Klinik krepieren.
  • spahn dummes arschloch: Die Symptome verdichten sich.