Gut besorgte Bürger

20 06 2018

Es war ein bisschen unspektakulär, ja geradezu enttäuschend. Wo man eine Geisterbahn erwartet hatte, wenigstens ein abgedunkeltes Gruselkabinett, war ein Betontreppenhaus, der Vorraum strahlte die nervenzerfetzende Spannung einer Steuerkanzlei aus, das Büro von Doktor Lührßen schließlich war eine von zwei Schrankwänden – Kiefer und viel Glas – eingefasste Sitzgruppe nebst einem recht normalen Schreibtisch. Ich hatte so gar keine Angst.

„Es ist auch ein recht prosaisches Geschäft“, sagte der Erfinder, goss Tee in die bereitgestellten Tassen und schob eine Schale mit Gebäck über den Couchtisch. „Meine Güte, wenn ich an vergangene Jahrhunderte denke, die gelbe Gefahr, die Türken, die Pest, Donnerwetter! Das würde uns heute kein Mensch mehr abkaufen.“ Mir fiel die Sorglosigkeit auf, mit der sich einfach ein Plätzchen knabberte, aber es war wohl nicht vergiftet. Doktor Lührßen lächelte. „Das ist ja der Grund, warum wir für so viele Kunden in Medien und Politik arbeiten: die naheliegenden Gefahren nehmen wir meistens gar nicht wahr, aber wir brauchen Ängste. Gerade hier in Deutschland, wo es fast als unanständig gilt, ohne jede Furcht durchs Leben zu gehen und sich auch noch daran zu erfreuen.“ Er nippte an seinem Tee. „Ich habe da mal ein kleines Exposé für Sie vorbereitet, wenn Sie einmal schauen möchten?“

Es war beeindruckend, und ich ertappte mich dabei, zu überlegen, ob es nicht schon beängstigend sein müsste. „Das waren Sie?“ Er nickte sichtlich geschmeichelt. „Damals hatte ich die Firma gerade von meinem Onkel übernommen, und der brave Bürger freute sich zumal im Sommer an einem kräftigen Windchen, das durch seine vier Wände pfiff. Für einen renommierten Fensterhersteller haben wir dann die lebensgefährliche Zugluft erfunden, die die schlimmsten Folgen für Leib und Leben haben kann.“ Ein ehrlicher Stolz lag auf seinem Gesicht. „Jeder klagt heute, wenn es nur ein bisschen kalt durch die Wohnung weht. Wir haben, ich darf das in aller Bescheidenheit sagen, einen nationalen Mythos geschaffen.“ „Wir können Sie das beweisen?“ Er stellte die Tasse ab. „Haben Sie je einen Schweizer über Durchzug klagen hören?“

Ein kleines Sortiment für Neukunden hatte die Firma sofort lieferbar. „Angst vor Elefanten, wird nicht häufig genommen, ist aber sehr plausibel.“ Der Anleitung entnahm ich, dass ein Dickhäuter einen Menschen mühelos an einem Baum zu zerquetschen in der Lage sei. „Vor Hunden fürchtet man sich mehr, da ist dies doch ein exklusiver.“ Das Angebot war umfangreich, wenngleich auch etwas einseitig. „Angst vor Spritzen, vor Hochwasser und einstürzenden Kirchtürmen, das bekommen die Menschen nicht mehr selbst hin?“ „Sie können natürlich Ihr Brot selbst backen“, entgegnete er, „trotzdem braucht es Bäcker.“

Die komplexeren Produkte standen in einem Regal hinter dem Schreibtisch. „Kombinationen sind momentan recht hoch im Kurs“, weihte Lührßen mich ein. „Cholesterin, Passivrauchen, Konservierungsstoffe, Sie können alles miteinander frei kombinieren. Wir machen Ihnen Angst.“ Die Preise waren moderat, das Einsteigerpaket aus Erdnüssen und Atomkrieg konnte sich auch ein Angestellter leisten. „Ein Upgrade ist jederzeit möglich“, erklärte der Doktor. „Wenn Sie etwa eine Komponente auf Terroranschlag erweitern, kostet das nur ein wenig mehr.“ „Aber Terroranschläge werden doch im Augenblick am meisten geordert?“ Er wiegte bedächtig den Kopf. „Deshalb mussten wir die Preise etwas anheben, sonst hätten wir eine Übersättigung des Marktes riskiert. Wir wollen den gut besorgten Bürger, keine Massenpanik.“

Slowseller wie das gute alte Grausen vor dem Weltuntergang hatte die Firma in dumpfes Grau verpackt, frische Bammelware prangte ich grellem Rot. „Wie gesagt, Sie können alles kombinieren, es ist genug da.“ „Warum“, dachte ich laut, „sollte jemand gleichzeitig Angst vor der Umvolkung der deutschen Rasse haben und die Machtergreifung der AfD fürchten?“ Lührßen nickte. „Angst“, gab er zu verstehen, „Angst ist nie logisch. Irgendwann brauchen Sie auch keine Flüchtlinge mehr, da reicht die AfD.“ Immerhin hatte eine erkleckliche Anzahl die schlimmsten Krankheiten in Betracht gezogen. „Meinten Sie nicht, die Pest würde Ihnen heute kein Mensch mehr abnehmen?“ „Kaum“, entgegnete er. „Die Pest kannte jeder, diese Furcht war eine Reaktion auf das Nichtwissen der Menschen, die vergiftet Brunnen und schwefligen Dunst für die Infektionsquelle hielten, aber nicht das Bakterium. Wenn Sie Ebola nur aus einer Zeitung für geistig minderbemitteltes Publikum kennen, entwickeln Sie Angst.“ Er rührte in seiner Tasse herum. „Die größte Wirkung entfaltet Angst nun mal, wenn man das Objekt seiner Abscheu gar nicht kennt.“ „Und wie rechtfertigen Sie dann die Vermarktung von Impfangst, Aluhüten und Chemtrails?“ Sein Gesicht verfinsterte sich schlagartig. „Mit Scharlatanen wie diesen Leuten haben wir nichts am Hut“, knurrte Doktor Lührßen. „Sie sind eine Schande für unser Gewerbe, so etwas würden wir nie verkaufen. Eine Schande!“

Alles war geklärt, der Tee getrunken, uns würde sicher nichts Geschäftliches mehr verbinden. Da drückte mir Doktor Lührßen einen Umschlag in die Hand. „Für Ihre freundlichen Bemühungen. Keine Sorge!“ Steuerkanzleivorraum, Betontreppenhaus. Ich tastete in meine Manteltasche. Ob ich…





Hinter dem Neumond

19 06 2018

„Jetzt geben Sie Ihrem Herzen mal einen Stoß!“ „Den verkraftet das nicht mehr.“ „Wir wollen doch nur, dass es wieder politisch vorwärts geht mit Deutschland.“ „Und was vorwärts ist, das bestimmt wer?“ „Dass gerade Sie als Sozialdemokrat so eine Frage stellen, das lässt doch schon tief blicken.“

„Meine Güte, was sollen wir denn machen? Die CSU hat sich verabschiedet aus der Regierung, und die…“ „Mal wieder.“ „Wie, mal wieder?“ „Weil es nicht das erste Mal ist, historisch gesehen schon gleich gar nicht, und sie früher oder später schon zurückgekrochen kommen.“ „Aber dann könnte man doch auch weitermachen, oder?“ „Wenn Ihnen auf lange Sicht fünf Prozent reichen, machen Sie halt so weiter. Alles geht.“ „Was sollen wir denn tun, um die Situation noch…“ „Vor allem: es nicht als Situation sehen, sondern endlich mal merken, dass es sich um einen Trend handelt. Eine länger andauernde Entwicklung mit Gründen und Motiven und Konsequenzen.“ „Und was machen wir dann?“ „Was Sie seit zwölf Jahren schon verpasst haben. Sich erneuern.“

„Sich an der Kanzlerin vorbei zu erneuern, das dürfte aber ziemlich kompliziert sein.“ „Darum brauchen wir jetzt ja auch neue Partner.“ „Damit die Merkel wieder etwas zum Kaputtregieren hat?“ „Dann wären wir aber die CSU los.“ „Die hat sich ja selbst kaputtregiert.“ „Eben, und deshalb müssen wir jetzt eine Truppe pseudoliberaler, bei richtiger Kassenlage in die passende Richtung kippender Turbokapitalisten engagieren, die sich für ein paar Ministerposten jede Kröte ins Maul stopfen lassen.“ „Meinen Sie, Lindner macht das mit?“ „Merken Sie selbst, oder?“

„Falls Sie die Grünen meinen: nein, die machen das nicht.“ „Sie denken, die würden jetzt einfach mit dem Feinstaubgedöns und der Energiewende die europäische Sicherheit gefährden? Nein, dazu sind die viel zu staatstragend.“ „Woran machen Sie das denn fest?“ „Wer hat die Hartz-Gesetze durch den Bundestag gewunken?“ „Stimmt.“ „Außerdem muss so eine Partei sich ja auch zukunftsorientiert entwickeln. Wenn die Grünen jetzt nicht für eine moderate Abschaffung des Asylrechts und die Einstufung aller kriegführenden Nationen als sichere Herkunftsländer sind, können sie später nicht mehr sagen, dass sie dazugelernt haben.“ „Das trauen Sie denen zu?“ „Natürlich, die sind ja nicht die SPD. Die tun was.“

„Mit anderen Worten: Sie verlangen von uns, dass wir uns an der Seite der Grünen unter der Bundeskanzlerin erneuern.“ „Das haben Sie schön formuliert.“ „Geschenkt. Wir können doch mit dieser Partei nur verlieren.“ „Es hat keiner verlangt, dass Sie auch aus der Regierung ausscheiden.“ „Wir wären in dieser rechtsliberalen Koalition doch so gut wie überflüssig.“ „Stimmt.“ „Warum sollten wir dann die Grünen mit offenen Armen empfangen?“ „Als Koalitionspartner. Egal, was die CDU daraus macht.“

„Sie denken, man kann die CSU ersetzen durch diese neoliberalen Besserverdiener?“ „Wozu soll man die ersetzen? Wenn Sie sich den Blinddarm entzünden, setzt man Ihnen auch keinen neuen ein.“ „Und wer führt dann die Koalition?“ „Die SPD. Es darf nur nicht so aussehen.“ „Wie soll das denn bitte funktionieren?“ „Lassen Sie sich halt etwas einfallen. In der ersten Runde hat’s doch auch geklappt.“ „Mit dem Ergebnis, dass wir durch die liberalen Steigbügelhalter ersetzt wurden.“ „Da war Merkel aber auch noch nicht so am Ende wie jetzt.“ „Wir sägen sie zusammen mit den Grünen ab?“ „Noch nicht. Die Frau wird noch gebraucht, weil sie mit ihrer Trümmertruppe erst noch die Reste der Union beseitigen muss. Oder wollen Sie das auch noch übernehmen?“ „Darüber hatte ich mir jetzt noch gar keine Gedanken gemacht.“ „Sollten Sie aber. Der Tag wird kommen, an dem sie weg ist, und dann muss es weitergehen mit diesem Land.“

„So eine ökologisch-soziale Wende wäre einen Versuch wert.“ „Ich sehe, Sie beginnen langsam zu begreifen.“ „Man könnte mit der Mietpreisbremse mal ernst machen, oder die Pflege, da sehe ich noch politischen Bedarf.“ „Exzellent!“ „Natürlich müssten wir dann die Ressorts ganz neu verteilen, oder?“ „Machen Sie nur, ist doch Ihre Regierung.“ „Aber das mit der Umverteilung, wir werden das nicht in einer Legislaturperiode ändern können.“ „Natürlich nicht.“ „Und es ist auch sehr schwierig, die Märkte zu regulieren.“ „Durchaus.“ „Ich sehe sowieso auf dem Arbeitsmarkt gravierende Mängel, die sich nicht einfach so abstellen lassen.“ „Da ist etwas dran.“ „Aber wenn wir gar nichts machen…“ „… macht Merkel auch nichts. Das ist die perfekte Harmonie, schöner könnte so eine Koalition gar nicht laufen.“ „Und die Grünen?“ „Stören nicht, das recht schon aus, um den Laden ruhiger laufen zu lassen als mit den bayerischen Knalltüten.“

„Und das ist wirklich klug, was Sie mir da empfehlen?“ „Aber ja, sonst würden Sie es nicht machen, oder?“ „Also eine richtige Erneuerung der SPD, inhaltlich und…“ „Und?“ „Wenn es nicht nur das Programm betrifft, sondern auch die Richtung, in die wir diese Partei entwickeln wollen, da gibt es noch andere Ideen. Es wurde ja schon oft gesagt, wir sollten zu unseren sozialistischen Wurzeln zurückkehren und wenn wir jetzt zum Beispiel mit den Linken eine…“ „Haben Sie noch alle Latten am Zaun!? Mann, wenn Sie mit dem Scheiß anfangen, meinen Sie echt, die nächste Kanzlerin lässt sich das bieten? Da kennen Sie Nahles aber schlecht!“





Masterplan

18 06 2018

„… Asylanträge einfach nicht mehr aufnehmen werde, um die ungehinderte Einwanderung sofort zu stoppen. Seehofer dulde keinen Zuzug von Außerirdischen mehr, die die…“

„… es bisher keinen einzigen Fall von Asylbegehren von Aliens gegeben habe. Damit sei die für den CSU-Wahlkampf inszenierte Debatte für das Kanzleramt so gut wie…“

„… zwar für Unfug hielten, zur Schärfung des konservativen Profils der Partei aber ebenfalls für eine deutsche Sonderbehandlung von…“

„… eine christliche und soziale Politik auch für oder gegen Wesen mache, deren Existenz man nicht nachweisen könne. Aus dieser Motivation heraus könne man auch den Kreuzerlass von…“

„… dass die faktische Nichteinwanderung Außerirdischer bedeute, die Bundeskanzlerin sei nicht in der Lage, die Zahlen zu verringern. Daher werde Seehofer die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU umgehend…“

„… die Frage erst mit der internatonalen Staatengemeinschaft klären müsse. Merkel wolle vor einer Gesetzesinitiative zunächst die UNO und Bertelsmann, den Springer-Konzern und die…“

„… Deutschland nicht alle Außerirdischen aufnehmen könne. Die auf den Planetensystem von bis zu 300 Milliarden Sternen lebenden Migranten betrachteten das Land zwar zurecht als attraktiven Aufenthaltsort, die Bundesrepublik sei jedoch nicht das Sozialamt des Universums und dürfe auch nicht aus…“

„… müsse die Zuwanderung Außerirdischer schnellstens auf Null gebracht werden. Dazu, so Söder, brauche es aber die Christsozialen, da sich keiner so gut mit Nullen auskenne wie der…“

„… dass Außerirdische, die irgendwo auf der Erde außerhalb von Deutschland landeten, damit automatisch ihr Asylrecht auf dem Gebiet der BRD verwirkt hätten. Eine andere Lösung sei für Seehofer auch verfassungsrechtlich nicht…“

„… in Fragen des Familiennachzugs nicht geklärt sei. Man müsse davon ausgehen, dass Wesen mit interstellarem Migrationshintergrund bis zu hundert Millionen Nachkommen haben könnten, was angesichts der Tatsache, dass sie nie in die Sozialkassen eingezahlt hätten, zu einer starken Vergrößerung der aktuellen Defizite im…“

„… sich sicher sei, dass alle Galaxien um Bayern herum nach seinem Masterplan handelten, so dass es nur noch eine Angleichung des…“

„… nicht aus falsch verstandener historischer Schuld die Überfremdung Deutschlands bewusst hinnehmen wolle. Die CSU habe gar nichts gegen interstellare Lebensformen, aber…“

„… nur eine Ausnahme machen könne für Außerirdische, die durch nachgewiesene Papiere ihre Qualifikation als Facharbeiter, Pflegekräfte oder…“

„… noch gar keine Zahlen vorlägen, inwieweit sich die Vergewaltigung deutscher Frauen durch die extraterristische Bevölkerungszerstörung erhöhen werde. Wendt gehe von einer Steigerung um mindestens eine Trilliarde Prozent aus. Diese Zahl könne man in der Bayerischen Staatskanzlei nicht einfach unkommentiert lassen, so Söder, sie fordere eine sofortige Diskussion über den…“

„… keine Zugeständnisse machen werde. Eine Kantine, die ohnehin schon einmal pro Woche Salat für linkslinke Atheisten anbieten müsse, könne nicht auch noch Lichtnahrung für die…“

„… es keine genügend großen Ankerzentren für den zu erwartenden Anstrom geben könne. Daher müsse man auch die Grenzen zwischen dem Freistaat Bayern und den restlichen deutschen…“

„… sei die deutsche Gesellschaft auch kulturell überfordert mit Milliarden von Zuwanderern, die die Sprach- und Ernährungsgewohnheiten dieses Planeten gar nicht teilen würden. Eine gewisse Erleichterung böten ihnen die Zustände in Bayern, dies sei aber der Bevölkerung nicht zu vermitteln und führe mittelfristig zu einer…“

„… ohne den Einsatz der Bundeswehr im Inneren nicht bewerkstelligt werden könne. Vor allem die Gefahr durch Laserschwerter und andere Kriegswaffen mache eine effektive Grenzkontrolle so kompliziert, dass Bayern ohne einen…“

„… jeder anständige deutsche Staatsbürger von den zugewanderten Aliens erwarten könne, dass sie jodelten und Lederhosen trügen. Ohne diese Zugeständnisse an die Volksgemeinschaft, wie sie von Flensburg bis…“

„… EU-Bürger von einer Einreisekontrolle nicht betroffen seien und diese selbstverständlich umgehen könnten. Mit gewohnten Instrumenten wie der Negererkennung werde man die betroffenen Individuen trotzdem aus den…“

„… es keine Kostenloskultur in Deutschland geben dürfe. Allein die Parkflächenbewirtschaftung sei mit den Raumschiffen überfordert und müsse sehr kurzfristig…“

„… gerne die Fraktionsgemeinschaft verlassen könne, die CDU werde bis zu den Landtagswahlen mit Sicherheit eine eigene…“

„… den interplanetarischen Asyltourismus nur durch eine Außerirdischenmaut auf den…“

„… als größte Kanzlerin bezeichnet habe, die das deutsche Volk jemals habe regieren können. Seehofer wolle die bedingungslose Unterstützung der mächtigsten Europäerin auch weiterhin mit Rat und…“





Deutsches Idyll

17 06 2018

Ach, Hausmeister zu sein! das ist ein Leben,
als ob der Himmel täglich neu aufbricht
zu senden einen Kittel, Muff und Pflicht.
Man kann nach Höherem fürwahr nicht streben.

Ein reines Dasein, mehr kann es nicht geben,
wenn hier die Gottheit selbst aus einem spricht –
wo es an Unterordnung nicht gebricht,
ist Macht an Macht, sitzt man gewiss daneben.

Besorg das Haus, besieh drin jeden Schaden,
der Auftrag ist bestimmt von höchsten Gnaden,
und gib dem Volke aus Gebot und Richtung.

Ein Amt, zu wägen Weisheit gegen Willen,
wird endlich jeden Tatendrang einst stillen.
Es geht zum Schluss um Leitung und um Dichtung.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CCCXCVII)

16 06 2018

Es störte sich Naďa in Polzen,
dass Männer, vor allem die stolzen,
mit Axt und mit Sägen
verbotenen Wegen
oft folgen, um groß abzuholzen.

Taisuke verfolgt in Owase,
wie sich die verzweifelte Base
die Freier lang warm hielt,
stattdessen im Arm hielt
ein Haustier sie; dies war ein Hase.

Es hatte sich Milan in Ohren
den Schutzmann zum Helden erkoren.
Man merkte, der Gute
war laut an der Tute,
drum hat sie die Sehnsucht verloren.

Kështjella, die hatte in Stroc
auf Misswahlen echt keinen Bock.
Erst ließ man sie tanzen,
um sich ranzuwanzen,
danach ging es nur um den Rock.

Man wusste bei Egon in Pirken,
was Pollen und Gräser bewirken.
Ihn ließen die fiesen
Bestandteile niesen,
vor allem sehr schlimm bei den Birken.

Éric feiert schleunigst in Beausse
bei Börsenschluss eben die Hausse,
die er durch die Käufe
und Zahlungsverläufe
beeinflusste bei Tütensauce.

War Hynek mitunter in Priesen
auch ärmlich, da oft in den Miesen,
so will er doch täglich
(was doch schlicht unmöglich)
ein Luxusgefährt einfach leasen.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXVIII): Fensterrentner

15 06 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es wäre doch plausibel: die Hominiden haben sich von Dackel und Erdmännchen den Zugang zur Sippenhöhle abgeguckt, und ihre einzige kulturelle Errungenschaft bestand eben darin, den Eingang des Unterschlupfs an größere Objekte anzupassen. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, so könnt Ihr bei guten Wetter in der Öffnung stehen, in die Umgebung gucken und den anderen Stämmen als Zielscheibe für Übungen mit der Steinschleuder dienen. Temporäre Erscheinungen wie etwa der Würfelhocker, der sich sein Sitzgerät vor die Pyramide pflanzt, blieben eben dieses: temporär. Die Sphinx lag auch nur in der Gegend herum, und sie konnte nicht einmal zur Seite linsen. Allein die Geburt der Fensterbank aus dem Geiste der Neugier schuf Veränderung, und so blieb nur der Faktor Zeit, um das Phänomen zu vollenden. Geboren, nicht geschaffen, ward der Fensterrentner.

Denn er ist wahrlich ein Typus, der jäh mit dem Zeitkontingent entsteht, das im Seniorenalter leise aufgähnt, wo noch so viel Schlaf die Freizeit gar nicht auffangen kann. Kleine Hilfsmittel, Sitz- und Stützapparaturen, Kissen, Polster vervollständigen das Ambiente, in dem sich der Mensch installiert, um die Vorübergehenden zu betrachten, mehr oder weniger aufmerksam, vergleichend, kategorisierend und immer mit dem gewissenhaften Blick der abschätzenden Schläue, aus der nach mannigfaltiger Erfahrung schließlich Wissen kondensiert, so dass man nach kurzer, aber analytischer Sicht auf die Methodik begreift: der Sapiens am Fenster ist der Erfinder der Anschauung und damit der Philosophie an sich. Anders ist die Geschichte nicht denkbar.

Die Macht des Ausblickens ist allein daran erkennbar, dass sich das Fernsehen nie dagegen hat durchsetzen können; dass andererseits das gemeine Nachmittagsprogramm aus wirr verschwiemeltem Restmüll besteht, der bestenfalls gnädigen Schlaf vor der angeschalteten Glotze zeugt – das Gerät auf Standby wäre die bessere Alternative gewesen, der Pensionär im Aktivmodus – kann andererseits nicht verschwiegen werden. Doch langfristig wird die stetig gleichbleibenden Bildsuppe, die aus dem Kasten kleckert, nie die Tiefe und Wahrheit eines ganz normalen Tages haben, wie er sich in einer beliebigen Verbindung zwischen einem Kreisel und einer Hauptstraße ereignet. Die Bäume rauschen ihr lindes Liedchen, Vögel brüllen lauter als von der Gewerkschaft vorgegeben, ab und zu stört ein Jugendlicher in flamboyantem Schuhwerk den Anblick – die Hilflosigkeit des Einzeltiers, das vor der Höhle hin und wider geht, Fang für die Speere der anderen Sippe, ist hier gleichnishaft in sein Wesen eingeschrieben – und schon zeitigt die reine Vernunft ihre schönsten Blüten. Aus der Anschauung gebiert sich die Frage: Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Darf ich über den Grünstreifen laufen? Und flugs gerinnt alles, was den ästhetischen Trichter passiert, zu tieferer Weisheit, ganze Geschlechterfolgen an der Frucht der Erkenntnis zu laben. Wer falsch parkt, frisst auch kleine Kinder, oder: Ein Gehweg muss immer geharkt sein, sonst ist es kein Gehweg, oder: Am Sonntag hängt man keine Wäsche auf den Balkon.

Daneben übt der Fenstermann in seiner sozialen Rolle durchaus einigen Einfluss aus auf seine Mitwelt. Denn die von ihm konstatierten Zustände dieser Gesellschaft sind mit dem impliziten Postulat der Veränderung versehen. Er kann nun die rezente Damenoberbekleidung und den Lärmpegel der durchziehenden Schlachtenbummler nach dem gewonnenen Korbballspiel nur kommentieren, sein Wirkkreis bleibt beschränkt, wer jedoch den nach Recht und Gesetz an der Grundstückskante in rechtem Winkel aufgetürmten Schnee betritt, wird unter Interformation über versicherungstechnische Details zum Verlassen des Anwesens animiert. Die von Sprachduktus, Mimik und Gestik unterstützte Verlautbarung prägt die Umwelt nach einem Bilde, wie es der prähistorisch gefundene und bis in die Jetztzeit überkommene Gedanke einer göttlichen Ordnung nicht poetischer hätte demonstrieren können. Die Nähe zum priesterlichen Amt, in dem erhöht ein Einzelner thront, zu richten die Lebenden und jene, bei denen sich dieser Umstand jederzeit ändern kann, die unverkennbare Ähnlichkeit mit dem Richter auch ist maßgebliches Element für die Außen-, bisweilen auch der Selbstwahrnehmung. Die Vorstellung eines Schöpfers ist nicht abwegig, wie er sich Umgebungsvariablen zu Gemüte führt, wohl wissend, dass man diese verkekste Kreation auch nicht mehr ändern kann, wenn sich die meisten Patzer mit der Weitergabe der DNA bereits explosionsartig verbreitet haben. Nichts mehr zu machen, aber als kostenfreie Simulation eines halbwegs ansprechenden Fernsehprogramms kann man es doch hinnehmen. Es versöhnt mit der Vorstellung, dereinst selbst alt und auf Sozialentzug zu sein, und hat man das Glück, nicht in einer Plattenbausiedlung mit Sichtscheibe zum Fahrstuhl zu residieren, so bietet sich manche Möglichkeit für einen entspannten Herbst des Lebens, denn diese Welt ist doch schön – transeuntibus.





Schatten der Vergangenheit

14 06 2018

„Drei Stück, das müsste ungefähr ein Meter sein.“ Herr Breschke stellte die Blumentöpfe in den Wagen. „Und Schmetterlingsflieder – meine Frau hat sich den schon im vergangenen Jahr so sehr gewünscht, und dann ist er einfach…“ „Hotte!“

Ich musste mich nicht umdrehen, um zu wissen, dass es ein kleiner, dicker Mann in einem grünen Pullover war, wie ihn alle Angestellten in diesem Gartencenter trugen, und ich musste auch nicht zur Seite blicken, um zu ahnen, wie der alte Herr zusammengezuckt war. Uns näherte sich ein deutlich verlebter Rentner mit knolliger Nase und rot geädertem Gesicht, dessen freudige Erregung in bizarrem Kontrast stand zu Herrn Breschkes vor Schreck verkrampfter Miene. „Alte Hütte“, johlte der Aushilfsverkäufer, „dass Du noch oberhalb der Radieschen bist, hätte ich ja auch nicht gedacht!“ Breschke schüttelte die ihm aufgedrängte Pranke, wobei ihn Unlust befiel, ziemlich Unlust, und er wand sich, dem Dicken die Hand wieder zu entziehen. „Karl“, krächzte er. Damit war auch schon alles gesagt, es hätte ein netter Nachmittag bleiben können, und doch: die Gefahr war da. Er hatte sie eindeutig identifiziert.

Und schon ging es los. Karl klopfte ihm auf die Schulter, als habe er ein altes Pferd vor sich. „Nee“, jodelte er unbekümmert weiter, „wenn ich das zu Hause erzähl, die werden Augen machen, obwohl: nee, was meine Frau ist, die kennt ihn ja gar nicht.“ Was kein Wunder war, hatten die beiden sich doch gut vierzig Jahre lang nicht gesehen. Die Freude über die jähe Unterbrechung dieses Zustandes war dann auch eher asymmetrisch. „Wie wir damals noch im Kegelverein waren, da wollte ich ihn immer mal zu mir einladen, aber er hat gearbeitet.“ Fast bewundernd, ein bisschen mitleidig und sehr überrascht blickte er den Kegelbruder an. „Also tagsüber, wenn Sie wissen, was ich meine.“

„Wir müssen dann auch zur Kasse“, verkündete der pensionierte Finanzbeamte resolut. „Im Baumarkt wird’s nachher wieder so voll, und wir wollten doch noch…“ „… in den Seehafen“, sekundierte ich, „Fisch besorgen.“ „Ach“, entfuhr es Karl mit dem Ausdruck den Bedauerns, „schade – aber komm doch mal wieder, wenn ich keine Zeit habe.“ Und er lachte ein meckerndes, dünnes Lachen, zwar als einziger, aber er lachte. Ansatzlos hieb er ihm wieder die Hand auf die Schulter, dabei sprach er in verschwörerischem Ton zu mir. „Der hat doch damals die Rothaarige abgeschleppt!“ Breschkes Gesicht verzog sich, als hätte er gerade in eine Zitrone gebissen. „Er spricht von meiner Frau.“ Ich nahm ihm langsam Karls Pfote von der Schulter. „Dann lassen wir die Sache jetzt mal besser auf sich beruhen, sonst sagt am Ende noch jemand irgendetwas, das ihm hinterher leid tun könnte, nicht wahr?“

Wir wandten uns zum Gehen; doch unser Verkäufer hatte kein Mitleid. „Das war nämlich so“, begann er. „Hotte konnte ja schon immer besser rechnen als kegeln, eigentlich konnte er alles besser als kegeln, aber das ist halt so.“ Breschkes Hals schwoll langsam an, aber ich konnte ihn noch gut im Zaum halten. „Sie kommen jetzt mal zum Punkt, wir können unsere Topfpflanzen auch woanders kaufen.“ Aber das hatte er wohl überhört. Oder die Schatten der Vergangenheit lasteten ein bisschen zu stark auf ihm. „Das war der spanische Likör“, kicherte Karl, „Hotte hatte einen zu viel erwischt, und dann hat er sich verrechnet, und dann musste er noch zwanzig Würfe machen, und dann…“ Wir blickten einander an. Horst Breschkes Augen verengten sich zu einem geradezu kaltherzigen Schlitz, als würde er aus ihnen jeden Moment mit Laserstrahlen einen Gegner in handliche Stücke schneiden. „Der Abend, an den er sich nicht mehr erinnert, richtig?“

Schnaufend baute Breschke sich auf. „Das war, als er diese… wie hieß sie noch gleich?“ „Heide“, grübelte ich, „das muss Heide gewesen sein. Sie hatte eine Abneigung gegen Doppelkorn, wenn ich mich recht entsinne.“ „Aber…“ „Und sie konnte verdammt gut zielen“, knurrte Breschke. „Und dann war da dieses Schwimmbecken auf der Rückseite des Hotels, in dem die Kegelbahn lag.“ „Und einer hatte plötzlich die Idee, aufs Dreimeterbrett zu klettern.“ „Natürlich freiwillig.“ „Natürlich.“ Jeden Augenblick hätte er uns bestätigt, dass die Geschichte, so sie denn wahr gewesen wäre, sicher ganz anders hätte verlaufen müssen. So aber tastete er sich ängstlich und rückwärts den Weg durch die Rabatten, wobei er auf den Chef stieß. „Ach nee“, rief er, „Sie hier?“ Kalle wimmerte. „Seit wann haben Sie denn einen Balkon?“ „Ach“, erwiderte ich, „ich helfe nur ein bisschen.“ Mit einem Aufschrei verschwand Kalle hinter dem Taxus. „Wir sollten jetzt in den Seehafen“, meinte ich, „da kennt uns wenigstens keiner.“





Kontrollverlust

13 06 2018

„Ist doch irgendwie echt dufte gelaufen, oder? Also wir fanden’s total gut. Die Atmo und so. Das hätte uns jetzt irgendwie total betroffen gemacht, wenn es wieder eskaliert wäre. Aus dem gesellschaftlichen Standpunkt und so, ja?

Also wir finden das auch echt nicht in Ordnung, dass Personen, ich will da jetzt gar nicht gendern und so, da wollen wir echt total offen sein in jeder Beziehung, dass die jetzt so ein voll entspanntes Verhältnis zum Faschismus entwickeln. Das muss denen doch irgendwie auch total uncoole Vibrations machen, aber vielleicht sind wir dafür auch nicht sensibel genug. Wir hatten voll die schöne Kindheit, Bezugspersonen, das war irgendwie echt total gut und mega dynamisch, aber es gibt da so Formen des bürgerlichen Zusammenlebens, sorry für das Wort, aber wir finden das echt total spießig und so. Da muss man ja Nazi werden, wenn man in solchen Verhältnissen aufwächst.

Also diese Demokratiekritiker, die sich in den neuen Bundesländern treffen, die muss man ja in ihrer Motivation auch irgendwie abholen. Wir sind da total repressionsfrei in die Auseinandersetzung gegangen, also haben wir den Nazis mal ihren Alk erlaubt. Ich meine, kein Alkohol ist auch irgendwie keine Lösung, und wenn wir das gruppendynamisch sehen, also von der Sozialstruktur her, dann ist das vielleicht besser, wenn sie alle total besoffen sind. Dann werden diese Emotionen nicht mehr so sehr gehemmt, dann können die sich irgendwie auch ein Stück weit befreien und so. Und wenn die sich gegenseitig eins auf die Fresse geben, dann ist das für die auch voll gegen das System, und das kann man auch als positives Zeichen interpretieren.

Wir sind hier auch absolut antifaschistisch und so, keine Frage, aber dass man die Befindlichkeit von Nazis voll empathisch in seine Selbsterfahrung integrieren muss, um die auch im Hier und Jetzt zu begreifen. Die sind irgendwie total gehemmt, weil sie diese Unfähigkeit zu Trauern nicht verarbeitet haben. Man kann die auch als blöde Arschlöcher sehen, denen man das Licht ausknipsen sollte, aber das ist dann nicht so von der Betroffenheit her argumentiert, und da wollen wir ja schon hin. Also wir wollen denen schon Freiheit geben, das ist auch total okay, aber wenn die dann halt Systemscheiße bauen, Hakenkreuzfahnen, Hitlergruß, da muss man sich dann auch an antifaschistische Basics halten, und wenn wir dann diese repressive Sozialkritik mit eigener Repression beantworten, ist das vielleicht so dialektisch gesehen auch ein Stück weit die Erkenntnis, dass wir hier die Grenzen der Toleranz erreicht haben, die diese Leute ja auch für sich selbst schon in Anspruch genommen haben. Wir solidarisieren uns überhaupt nicht mit der Polizei, aber wir brauchen auch keine Systemkritik. Die sind total frei in ihrer Entscheidung, das muss jetzt einfach mal so sein. Wir haben denen sowieso schon gesellschaftliche Freiräume gegeben, das wäre total uncool, wenn wir dies jetzt eingrenzen würden. Das ist doch ein offenes Land hier.

Wir wollen so viele Entfaltungsmöglichkeiten bieten, dass die sich voll in unseren Diskurs einbringen. Klar können die auch voll abblocken, aber das ist jetzt irgendwie auch systemimmanent, dass wir ihre Toleranz nicht mit mehr Intoleranz erkaufen, und irgendwie wäre das auch voll spießig, wenn wir denen so eine typisch linke Moral vor die Nase halten. Das Parteiverbot für die NPD war auch nicht erfolglos, weil wir denen zu wenig geholfen haben. Aber wenn sich der Nachwuchs von denen jetzt so zerfleischt wie die NPD, dann haben wir das Problem im nächsten Jahr garantiert nicht mehr.

Wenn wir die jetzt da abholen, wo sie sind, dann haben wir auch keinen Kontrollverlust. Dass da so ein Verständnis entsteht, dass man diese Positionen auch irgendwie aushalten muss, das würden wir uns echt wünschen. Und dann kann man mit denen vielleicht im nächsten Jahr oder so konkret in einen Prozess eintreten, dass man da Workshops anbietet, Umweltschutz zum Beispiel, das finden die immer total gut, wenn die deutsche Umwelt geschützt wird, und dann kann man da so eine Form von gewaltfreiem Diskurs entwickeln. Also konkret die Entfaltungsmöglichkeiten, die demonstrieren ja auch voll oft für Frauenrechte, vielleicht können die sich ja mal dafür sensibilisieren, was das eigentlich heißt. Man muss das nicht gleich politisch angehen, eher so vom Grundsätzlichen her, was das mit uns macht, als Gesellschaft und so. Weil, wenn wir da jetzt eine Geschichtsstunde daraus machen, total pädagogisch, das ist dann ja auch irgendwie wieder angstbesetzt. Da ist die Bereitschaft zum Dialog schon sehr viel besser.

Also vielleicht ist das irgendwann auch ein Stück weit entspannter, das wäre total schön, dann könnte man sich vielleicht auch darauf einigen, nur noch jede zweite oder dritte Straftat anzuzeigen, und dann ist das hier total easy. Falls sie uns lassen. Wenn das jetzt nämlich nur so eine Tour wäre, um in Thüringen irgendwie rechte Strukturen zu etablieren, das fänden wir dann schon extrem scheiße. Aber mal ehrlich, können Sie sich das vorstellen?“





The Germans to the Front

12 06 2018

„… das Nato-Manöver besser laufen müsse als in den letzten Durchgängen. Die Stabsstelle habe dazu einen unabhängigen Beauftragten für die…“

„… zu diplomatischen Verwicklungen geführt habe. Die Verteidigungsminister seien diesmal mit einer diplomatischen Mission an die Regierungen herangetreten und hätten sie von der Notwendigkeit eines Grenzübertritts im Falle der…“

„… seien aus Kostengründen nur an den Nummernschilder erkennbar. So habe sich Team Rot in diesem Jahr für einen…“

„… auch 2016 schon ausreichende Vorräte an Konservenfleisch und Bohnen eingeplant habe, die jedoch diesmal komplett verlastet worden seien und der Truppe fast vollständig zur Verfügung stünden. Zwar seien die Dosenöffner nicht wie geplant in den jeweiligen…“

„… keine Brücken befahren dürften, die eine Höchstbelastung von 750 Kilogramm aushielten, was bei Panzern vom Typ Leopard II automatisch zu größeren…“

„… ab Einbruch der Dunkelheit im Feierabend befinde. Ein nächtlicher Überfall müsse bei der jeweiligen Kommandantur mit mindestens zwei Tagen Vorlauf eingereicht werden, worauf das…“

„… viel dazu beigetragen habe, die Navigation zu erleichtern. Der Einsatz von Klarsichthüllen oder laminierten Ausdrucken sei kein vollwertiger Ersatz zu wasserfesten Karten, könne aber aufgrund des Maßstabs bei geringfügigen Verlegungen der Einheit eine schnelle und unkomplizierte.…“

„… die Verlastung der etwa neunzig Tanks sich als sehr schwer herausgestellt habe, da es in dieser gebirgigen Region, in der sich die Hängebrücke befinde, kein ausreichend großes Gelände für eine Landebahn oder einen vergleichbaren…“

„… nicht darauf hingewiesen worden sei, dass das Rauchen auf dem Manöverschauplatz zu einer Geldbuße von umgerechnet 30 Euro, im Wiederholungsfall zum umgehenden…“

„… abhörsicheren Sprechfunk voraussetze. Das Oberkommando habe einen äußerst günstigen Tarif mit zubuchbaren SMS gewählt, müsse jetzt aber ausreichend technische geeignete Endgeräte besorgen, um die Versorgung der…“

„… über ausreichend Werkzeuge verfügten, so dass der Mangel an Essbesteck gar nicht ins…“

„… es keine landeskundigen Truppenmitglieder gebe, die sich bei einer ausweglosen Situation direkt an die Einwohner des Manövergebiets halten könnten. Nachdem sich die Einheit bereits am ersten Tag komplett verfahren habe, sitze sie nun schon eine halbe Woche im…“

„… wirklich vertrauenswürdig seien. Der Online-Händler, der die Kommunikationsabteilung mit dreißigtausend chinesischen Smartphones versorgen wolle, habe als Kontakt nur eine russische E-Mail-Adresse angegeben und sei auch nicht in der Lage, die Ware zum vereinbarten Zeitpunkt nach…“

„… nicht nachgefragt habe, ob Ersatzreifen zur Standardausrüstung eines Panzerspähwagens gehörten. Das Bundesministerium für Verteidigung habe beschlossen, die Verträge mit den…“

„… als relativ leicht herausgestellt habe. So könne der Transport über die Brücke bereits in weniger als einen Tag…“

„… die Krad-Melder als vollwertigen Ersatz der Mobilfunkeinheit einsetzen könne. Da es keine Bewilligung von Kraftstoff für die Motorräder gegeben habe, müsse mit Fahrrädern experimentiert werden, die zuvor als Diensträder im…“

„… dass eine fehlerhafte Nummer auf dem Ausrüstungsnachweis an der Unterversorgung schuld sein könne. Die Latrinenwagen seien für eine Veranstaltung im Jahr 2039 gebucht worden und deshalb jetzt nicht im…“

„… sich Tretroller als nicht ausreichend geländegängig herausgestellt hätten. Dafür sei mit diesem Gefährt definitiv keine Überschreitung der Abgasnormen zu…“

„… auch das Oberkommando betreffe. Man müsse zwar bei der Einreise durch den Luftraum der baltischen Staaten wie bisher Zwischenstopps einlegen, die erforderlichen Zollpapiere könnten jetzt aber bereits im Vorwege an die Behörde in…“

„… nicht die ganze Information beinhalte. Einerseits müsse man die Zeit für jeden Leopard II einzeln rechnen, andererseits kämen für die Demontage und den Neuaufbau pro Einheit nochmals…“

„… einen eigenen Zug mit Ersatzteilen für die Fahrzeuge der Bundeswehr mitschicken wolle. Die Truppe sei sonst nur bedingt…“

„… die zugesicherten zwölftausend Mann nicht schicke. Im Bundesverteidigungsministerium habe man darauf hingewiesen, dass eine eindeutige Urlaubssperre bereits im vergangenen Jahr hätte erlassen werden müssen, so dass die Truppenstärke heute mit mehr als…“

„… eine Erhöhung der Mehrwertsteuer in der Bundesrepublik derzeit nicht zur Debatte stehe. Allerdings werde man kurzfristig entscheiden, ob die veranschlagten 90 Millionen Euro tatsächlich ausreichend seien für eine erste…“

„… einen nicht rechtzeitig bewilligten Grenzübertritt von Truppenteilen als kriegerische Handlung ansehe. Der Oberkommandierende habe dies ohne sichtlichen Widerspruch aufgenommen. Die Nato-Truppe sei für einen Angriffskrieg bestens gerüstet, wie man bereits beim Manöver in…“





Strafstoß

11 06 2018

„Deutschland! Deutschland!“ „Ist ihm nicht gut?“ „Ohne Götze fahr’n wir zur WM! Ohne Götze…“ „Lassen Sie ihn mal die Planung machen, wir haben in den nächsten vier Wochen echt eine Menge vor.“ „Aber die…“ „Lassen Sie einfach.“ „Oléééé, olé-olé-oléééé!“

„Geben Sie mir doch mal die beiden Ordner da drüben.“ „Die mit dem DFB-Aufkleber? aber die sind doch für den Innenausschuss?“ „Eben, da hat der Kollege ganz hervorragend kombiniert. Räume erkennen, mutig nach vorne – und Abschluss!“ „Seit wann befasst sich der Bundestag denn mit der Politik des DFB? machen die jetzt auch schon Fotos mit türkischen Potentaten?“ „Sie kapieren’s einfach nicht.“ „Nein.“ „Deutschland vor!“ „Gucken Sie doch mal in den Ordner.“ „Ein Hoch auf uns, schallalaaa!“ „Parteienfinanzierung!?“ „Eben.“ „Aber da hängt der Spielplan der WM dran, wieso haben wir die Erhöhung der Parteienfinanzierung ausgerechnet auf das Spiel von Kasachstan, nee… was heißt das?“ „Panama.“ „Warum stimmen wir über die Zuwendungen ab, wenn Panama spielt?“ „Weil keine Sau im Plenarsaal säße, wenn gerade die deutsche Mannschaft spielen würde.“ „Das heißt, wir haben die Abstimmungen ganz genau nach dem Spielplan…“ „Richtig. Und wir haben nicht einmal Putin oder die FIFA gefragt, wann Panama spielt. Zumindest kann man uns nichts nachweisen.“

„Wenn ich das richtig verstehe…“ „Oléééé, olé-olé-oléééé!“ „… dann machen wir Politik im Windschatten der Weltmeisterschaft.“ „Wo waren Sie eigentlich in den letzten Jahren?“ „Ich bin neu im Bundestag.“ „Aha, das erklärt manches.“ „Und warum stimmen wir nicht ab, wenn die Deutschen spielen?“ „Habe ich doch schon gesagt: da wäre keiner im Parlament.“ „Immerhin geht es um unsere Partei, meinen Sie nicht, dass es hier eine bessere Lösung geben könnte?“ „Was schlagen Sie vor? dass wir uns zum Wohle des deutschen Volkes opfern?“ „Deutsch-land! Deutsch-land!“ „Gute Idee, vielleicht hört dann endlich mal diese ganze Parteienverdrossenheit auf.“ „Aber jetzt ist die Politik endlich mal handlungsfähig. Wenn Sie vorher die Autobahnen privatisieren oder die Altersvorsorge der Bürger schleifen wollten, mussten Sie immer auf eine Naturkatastrophe warten. Da ist es doch so viel praktischer.“ „Wenn der Klimawechsel so vorangeht, dann haben wir ja beste Aussichten.“ „Ich würde mich nicht darauf verlassen.“

„Aber mal ehrlich, was wollen Sie denn dieses Jahr machen?“ „Wir müssen den Haushalt konsolidieren, unter anderem den der Partei, und da lässt sich an den Sozialleistungen jede Menge sparen. Gerade jetzt, wo so viele Menschen wieder in Arbeit sind, müssen wir uns Gedanken machen, ob wir denen noch ein üppiges Leben finanzieren können.“ „Und den anderen?“ „Die interessiert das nicht, die gucken ja gerade Fußball.“

„Was steht hier im Entwurf, die gestiegenen Kosten für Kommunikation und Sicherheit sind für die Erhöhung der Gelder verantwortlich?“ „Sie ahnen gar nicht, was man da alles beachten muss. Stellen Sie sich vor, jetzt kommt der böse Russe und hackt unsere Computer.“ „Erstens machen das bei uns größtenteils die Amerikaner, und zweitens sind das die Computer des Bundestages.“ „Ich rede doch von unserer Parteizentrale.“ „Und warum stimmen wir dann darüber im Bundestag ab?“ „Immerhin ist das hier ein Rechtsstaat. Wenn wir uns die Taschen voll stopfen, dann immer nur auf gesetzlicher Grundlage.“

„Jetzt mal ernsthaft: finden Sie das gut?“ „Immerhin erhöhen wir nicht schon wieder die Mehrwertsteuer.“ „Haben Sie denn keinen großen Lauschangriff in der Schublade, damit es sich wenigstens lohnt?“ „Könnt man natürlich machen, aber da waren die Bayern schneller.“ „Bayern?“ „Was meinen Sie, warum wir diesen bescheuerten Kreuzerlass bekommen haben? damit sich alle über das Arschloch Söder aufregen und er im toten Winkel Psychiatriepatienten kriminalisieren und seinen Katholibanstaat zum Gestapo-Hauptquartier umkrempeln kann.“ „Und da konnte er nicht auf die Fußball-WM warten?“ „Jeder Knalldepp mit einer halben Hirnzelle hätte das auch so gemacht. Aber er ist halt Söder.“

„Wenn man schon das Deckmäntelchen hat, warum können wir nicht mal eben ein paar richtig krasse Gesetzverschärfungen durchziehen?“ „Was schwebt Ihnen da so vor?“ „Beispielsweise die Höchststrafe für Steuerhinterziehung verlängern und Gelder für die Strafverfolgung locker machen.“ „Die FDP guckt ja auch nicht jedes Spiel. Die AfD auch nicht.“ „Oder eine Finanztransaktionssteuer durch den Bundestag peitschen.“ „Dazu kriegen wir zu viel Kohle von den Banken. Die bringen Sie auch nicht durch, wenn wir Papst, Fußball- und Exportweltmeister werden. Am selben Tag.“ „Dann ist das ja letztlich zutiefst unmoralisch, was wir hier machen.“ „Ich gestehe Ihnen mal zu, dass Moral ein dehnbarer Begriff ist und dass sie noch nicht lange im Bundestag sitzen, aber ja, ich gebe Ihnen vom Grundsatz her erst mal recht.“ „Und das sollen wir als Volksvertreter einfach so vor uns rechtfertigen, richtig?“ „Irgendwo muss man ja mal anfangen.“ „Ich glaube, ich möchte das hier nicht weiter…“ „Sagen Sie mal, was halten Sie eigentlich von einer Erhöhung der Abgeordnetenbezüge?“ „Oléééé, olé-olé-oléééé!“