Männer und Technik

31 07 2018

„Wenn das die Mandanten sehen!“ Luzie rümpfte die Nase. „Tun sie aber nicht“, antwortete sie schnippisch, „oder kriechen die unter meinen Tisch?“ Ungerührt stellte sie die Füße wieder in den Eimer. Endlich Kühlung.

„Ich kann sie ja verstehen“, seufzte Anne, „aber was mache ich, wenn ich mal eine Akte von ihr brauche?“ Das Beratungszimmer war nach der Nacht mit geschlossenen Fenstern ein Kubus aus schnittfester Luft, dass man bereits beim Betreten dumpf und dösig wurde. „Sie wird sich die Beine abtrocknen, den Rock…“ Anne hob unmerklich die linke Braue, ein sicheres Zeichen dafür, dass man nicht aufgepasst hatte. „Also sie krempelt sich die Hosenbeine herunter, dann sucht sie ihre Schuhe und…“ Annes Gesicht tanzte. Ich hielt besser den Mund. „Demnächst wird sie in Schwimmflossen durch die Kanzlei klatschen“, knurrte sie. „Das kann man den Mandanten wirklich nicht mehr zumuten. Und ich bin hier immer noch die Chefin, so sehr ich es bedauere.“ „Da bist Du nicht die einzige“, antwortete ich versonnen. Vielleicht war es doch schon ein bisschen zu warm.

Der angestaubte Karton in der Zimmerecke ließ keinen Zweifel zu. Es war bereits für Abhilfe gesorgt worden, die Temperaturen der nächsten Tage sollten noch einmal rekordverdächtige Höhen erreichen. „Husenkirchen hat endlich sein Büro geräumt“, verkündete Anne stolz. „Ich habe sozusagen seine ehemalige Einrichtung geerbt.“ Neben einer spröde bröselnden Schreibtischleuchte in nostalgischem Grün fanden sich allerhand große Briefbeschwerer, Buchstützen und ein riesiger Ventilator. Das Gerät sah unter der leichten Schicht von Staub und Patina aus, als hätten Alexander der Große und Richelieu im Schein einer Tranfunzel davor den Frieden von Versailles ausgewürfelt. Der Stecker war nicht mehr ganz mit der aktuellen Stromversorgung kompatibel, aber was macht’s – zwei Kabel, Plus und Minus, und der Spaß konnte beginnen. Anne ließ sich da nicht irre machen.

„Ich besorge ihr den Schraubendreher schon mal nicht“, knurrte Luzie. Das war auch verständlich, da sie im Zweifel für die Ideen der Strafverteidigerin würde geradestehen müssen. „Als sie das Faxgerät selbst programmieren wollte, hatten wir danach ständig Rückrufgespräche aus Taiwan. Und diese eben merkliche Verformung im Küchenboden stammt von der neuen Espressomaschine.“ Sie sah mich über den Rand ihrer Brille bedeutungsvoll an, und wer wusste, dass die so kleine wie kraushaarige Bürokraft Luzie Freese, die luziefr zu zeichnen pflegte, es immer und grundsätzlich ernst meinte, der ahnte, hier bahnte sich Interessantes an.

„Man muss dieses Gitter irgendwie fixieren“, mutmaßte Anne, „hier ist eine kleine Schraube, nein, nicht die – hier, diese kleine Schraube, die ist jetzt aber gerade unter den Schreibtisch gefallen, wie gut, dass da ein Teppich liegt. Du findest sie bestimmt wieder.“ Die Sonne war noch nicht unwiderruflich hinter dem Horizont eingesunken, die letzten Strahlen beleuchteten die Westwand des Büros, da zog Anne den Stecker des mondänen Deckenfluters aus der Dose und präsentierte stolz das Ende des strombetriebenen Umluftgeräts. „Du hast das doch nicht…“ Ein Nicken ließ mich zusammenzucken. Sie hatte tatsächlich mit Hilfe eines Taschenmessers – meines Taschenmessers, ich begann es erst in diesen Augenblick wieder zu vermissen – einen Stecker an das braungraue Kabel aus Großvaters Zeiten geschraubt. „Ich muss es nur noch in die Dose stecken“, kicherte sie, „Männer und Technik passen ja offensichtlich nicht immer so gut zusammen.“

Eine Viertelstunde später, Luzie hatte mit Hilfe der akkubetriebenen Bauleuchte recht schnell die Hauptsicherung im Keller des Anwesens gefunden, stand der Quirl auf Annes Schreibtisch. „Das mit dem Kabel kann ja immer mal jedem passieren“, maulte sie. „Die sind halt kompliziert.“ „Ich möchte trotzdem nicht, dass Du dieses Ding aus dem technischen Museum auf Deinen Schreibtisch stellst“, ließ ich sie wissen. „Es sieht einfach falsch aus.“ Sie zog eine Augenbraue hoch. „Wir werden ja sehen“, meinte sie schnippisch und ließ sich auf dem Sessel nieder, „ich werde jetzt erstmal die Klageschrift von – wo ist eigentlich die Akte?“

Kaum hatte Anne sich erhoben, begann der Ventilator zu schnurren, erst leise, dann kollernd, innerhalb weniger Sekunden jedoch mit einem sonoren Röhren, als bräche gleich eine Turbine aus der Unwucht aus. Ein Krachen, und wie Schrapnell spritzten die Splitter der Windflügel durch das dünne Drahtgitter. Ein paar der scharfkantigen Teile blieben in der Tapete hinter dem Schreibtisch, ein größerer Metallkeil in der Sessellehne stecken, etwa in Augenhöhe.

„Nein!“ Anne hielt sich an meinem Arm fest. „Du hast noch einmal Glück gehabt“, stellte ich fest. „Für dieses Experiment einen fabrikneuen Ventilator zu kaufen und künstlich nachaltern zu lassen wäre sehr kostspielig gewesen.“ Sie sagte nichts. „Vielleicht sollte ich doch die technischen Geräte hier besser im Auge behalten.“ Und sie durchsuchte den Aktenschrank, guckte in der Küche wie in der kleinen Abstellkammer und ließ sich erschöpft in den durchbohrten Sessel fallen. „Du hast ja recht“, sagte sie kleinlaut. „Haben wir eigentlich noch einen Eimer?“

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Rückführung

30 07 2018

„Uns reicht erstmal ein Personalausweis, den Rest haben wir schon für Sie gesammelt. Sie wissen, die Behörden sind in Deutschland sehr gründlich, wenn das mit dem Grundgesetz nicht so ernst genommen werden muss. Und dazu gibt es uns ja schließlich. Einer muss es ja machen. Das sagt sich hinterher auch immer so schön, nicht wahr?

Nein, Ihre Verdienstbescheinigung interessiert in der Rückführungsbehörde nicht. Wirklich, keiner will das Ding sehen, wir gehen hier rein politisch vor – das hört sich erstmal brutal an, aber nach und nach merkt man: genau so war’s auch gemeint. Ob Sie nun zehntausend oder zwanzigtausend oder nur fünfhundert Euro im Monat haben, das ist einer der Fälle, in denen wir ganz objektiv vorgehen. Da schmeißen wir Sie halt raus. Wir als Landesamt für Rückführungen sind ja extra dafür gegründet worden, dass wir Sie rausschmeißen. Deshalb ist es für uns auch vollkommen egal, ob Sie nun in einem gesellschaftlich hoch angesehenen Beruf arbeiten oder doch bloß Pfleger sind, das macht bei der Abschiebung keinen Unterschied. In Zweifel nehmen Sie dann einem deutschen Arbeitslosen den Job weg, den er wegen mangelnder Qualifikation gar nicht ausüben kann, und wir haben einen Grund mehr, alle deutschen Erwerbslosen als faules Pack zu diffamieren. Sie müssen das halt auch mal aus der Verantwortlichkeit der Politik sehen. So ein Wahlkampf dauert nicht ewig.

Behalten Sie das einfach, es interessiert uns nicht. Wirklich nicht. Sie müssen hier auch mal den verwaltungstechnischen Unterschied begreifen: wenn Sie einen Einbürgerungsantrag stellen, dann müssen Sie jeden Mist mit beglaubigten Papieren beweisen, und wie Sie das beweisen, dass der Schäferhund Ihrer Urgroßmutter keine Ansprüche aus der Rentenversicherung der Kolonien hatte, ist und völlig egal. Wir glauben Ihnen gar nichts. Und wenn Sie mit den Papieren hier aufschlagen, dann kommen die gerne mal weg. Aber wir haben einen Ausbürgerungsantrag für Sie gestellt, verstehen Sie das? Sie müssen gar nichts machen, wir machen das für Sie. Ob Sie stillhalten oder sich einen Anwalt nehmen, das interessiert uns auch nicht. Wenn der Anwalt ein Gericht anruft und Ihnen recht gibt, hocken Sie längst wieder in der afrikanischen Wüste. Aber zu kümmern brauchen Sie sich nicht darum, das machen alles wir.

Schweres gemeinschaftsschädigendes Verhalten in mehreren, ach was: in einer erheblichen Vielzahl von Fällen. Gucken Sie sich das da an. Nein, nicht den roten Ordner, den ganzen Wagen. Alles Ihre Akten. Briefkastenfirmen jagen und dann selbst Schwarzgelder durch eine schleusen wollen, ja? Und dann hat der Herr erst gesagt, das sei glatt gelogen, und danach festgestellt, er habe alles unterschrieben, aber von nichts gewusst? Das macht man nicht in Deutschland. Da sind wir hart. Man hinterzieht Steuern, natürlich, weil jemand, der Steuern hinterzieht auch jemand ist, der theoretisch Steuern zahlen müsste, und wer Steuern zahlen müsste in einer Höhe, dass sich das Hinterziehen schon wieder lohnt, der ist doch ein Leistungsträger und damit ein ehrenwerter Mann. Gut, es sitzen im Knast auch eine ganze Reihe ehrenwerter Männer, aber keine Justiz ist perfekt. Wir arbeiten seit Generationen daran, dass die Staatsanwälte bei uns weisungsgebunden sind. Und die Richter nicht.

Sie haben versucht, bei der Kirche ein gutes Wort zu erlangen? Entschuldigen Sie, aber das ist doch lächerlich! Ich zünde doch auch nicht meinem Nachbarn das Gartenhaus an und zeige dann mit dem Finger auf ihm, dass er so viel Wasser allein zum Löschen verschwendet. Stellen Sie sich mal vor, was wir mit Ihnen machen würden, wenn wir mit nach Strafanzeige durch eine Körperschaft des öffentlichen Rechts gegen Sie vorgehen müssten. Das wünschen Sie niemandem. Obwohl, wenn ich mir Sie so ansehe, wahrscheinlich wünschen Sie sich es doch. Auch nicht besser. Jetzt jammern Sie halt nicht so herum, wir haben die Regeln nicht gemacht, und wenn Sie ein bisschen Verständnis haben würden für die Kultur unserer christlich-abendländischen Gesellschaft, würden Sie nicht so eine dicke Lippe riskieren. Integration ist keine Einbahnstraße, das ist korrekt, aber Geisterfahrer brauchen wir hier auch keine, kapiert?

Selbstverständlich führen wir nur rück in die als sichere Herkunftsländer bezeichneten Gebiete. Die sind sicher, weil wir immer wissen, wenn Sie da mal hinkommen, stehen unsere Chancen gut, dass sie die nicht verlassen. Also nicht lebend. Sie können jederzeit klagen. Erfolgreiche Mitarbeit für ein Wirtschaftsunternehmen der Schlüsselbranche? Ja, so kann man Kreditbetrug auch nennen. Machen Sie hin, der Flieger geht in zehn Minuten, entweder Sie unterschreiben hier, oder ich unterschreibe, dass Sie eigentlich hätten unterschreiben wollen, aber es kam ja in der Kürze der Zeit gar nicht zu einem ordentlichen Verfahren. Holen Sie Ihre Taschen, wir sind jetzt startklar. Meine Güte, jetzt fängt dieser Waschlappen auch noch an zu weinen! Was sollen wir da erst sagen, wir machen die Ausbürgerungen hier am laufenden Band, und an unseren Stress mit den politisch gewollten Entscheidungen denkt mal wieder keiner. Meine Güte, man kann sich aber auch anstellen. So, da geht’s raus, der Beamte hat eine Waffe und auch ansonsten schlechte Laune. Ach, nur eine Frage, so aus reinem Interesse: wo soll’s denn hingehen, Herr Söder?“





Saisonaler Ratschlag an Bildungsbürger

29 07 2018

Es bleibt der Sommer heiß und furchtbar trocken,
fast wünscht man sich, dass man in Nächten friert.
Das Freibad will nur mit Geschrei anlocken,
auch wirkt man dort im Anzug deplatziert.

Die Kahnpartie verspricht die holde Landschaft,
jedoch ganz schattenlos und hell durchglüht.
Im schlechten Falle trifft man auf Verwandtschaft.
Man weiß ja, was dann an Gerede blüht.

Wer klug ist, wird nicht in die Wälder gehen,
verschmäht die Teiche, Parks und auch den Pfühl.
Wer klug ist, geht am Sonntag in Museen.
Sie sind so menschenleer und still. Und kühl.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDIII)

28 07 2018

Hat Sorin Probleme in Bretz,
so hat er sie mit dem Gesetz.
„Ich weiß“, spricht er schüchtern,
„ich bin selten nüchtern,
wenn ich mal die andern verletz.“

Will Inger die Blumen in Fegen
trotz Dürre zum Wachsen anregen,
sprüht sie mit der Spritze
ganz gegen die Hitze.
Den Vögeln kommt dieses gelegen.

Otilia, die trank oft in Gier
am Abend ein kochendes Bier.
„Das Zeug schmeckt zwar greulich,
doch ist es erfreulich,
dass ich danach niemals mehr frier.“

Waitea, ein Rentner aus Poland,
der sich nach der Arbeit erholend
im Stadtpark vergnügte,
sieht, dass dies genügte.
Er machte dies sehr gerne bowlend.

Als Regisseur sieht Dan in Frauenbach
im Straßenbild gerne den Frauen nach,
nicht, um zu verführen,
nur, um zu taxieren –
er sucht eben gern im genauen Fach.

Yoandri macht im Nueva Paz
am Tag seine Hosen oft nass.
Kollegen erfuhren,
die Temperaturen
sind’s, einzig und ausschließlich das.

Zog Bănel sich in Kleinsanktpeter
die Schuhe aus, merkte es später –
meist früher – ein jeder,
man roch nicht das Leder,
es dampften vielmehr seine Treter.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXXIV): Die Krise der Männlichkeit

27 07 2018
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Nichts ging mehr. Die Vorstellung, seine Mutter guckte Uga beim Wässern der Buntbeersträucher neben der Einfamilienwohnhöhle über die Schulter, wuchs sich zur Dauerkrise aus. Doch nicht nur eine katastrophale Harnverhaltung machte dem Jäger das Leben schwer, zwanzig Kinder hatten Fleckfieber, Säbelzahnziege und die arteigene Blödheit im Laufe des letzten Sommers weggenascht, die Sippe mahnte langsam den Vollzug an. Nichts ging mehr, und für Uga war dies Desaster doppelt schlimm, litt er doch nicht allein an den objektiven Folgen. Seine Höhlengemeinschaft distanzierte sich nach und nach von ihm und lauerte schon, wer die ersten Fanale zum finalen Streich geben würde. Er galt nicht mehr als Herr im Haus, höchstens noch als Primadonna. Welche eine schreckliche Gewissheit, dass sein Leben nur noch an einem Zipfel hing.

Denn Männlichkeit ist zunächst ein kulturelles Konstrukt. Was Generationen und Generationen sich an Brusttoupet zusammengeschwiemelt haben, dient als Abzeichen einer verliehenen und daher nicht zu hinterfragenden Macht – im Gegensatz zur erworbenen und erkämpften, die zwar verteidigt werden kann, aber nicht nur aus Hülle plus Statusabzeichen besteht. Rein männliche Domänen, Feuerwehr und Herzinfarkt, Autobahnrasen und Physiknobelpreise, werden denn auch als natürliches Habitat des Y-Trägers gefühlt, ein wie evolutionär bedingter Bestandteil des Dings an sich. Nur echte Männer werden Chefköche, Fußballer, Bundeskanzler. Bis die erste Bundeskanzlerin den Plan betritt.

Das Reservat des Gonadenträgers bebt, ein waschweibisches Heulen durchätzt die Luft. Da muss He-Man umdenken, denn sein bewährtes Rezept, alles umzunieten, was ihm in die Quere läuft, scheint nicht mehr zu funktionieren, vor allem dann nicht, wenn die Frau im Spitzenamt ohne nennenswerte Emotion jeden Deppen von der Klippe schnippst, weil sie es kann. Sie hat vom spielerischen Umgang mit der Macht gelernt, dass nicht möglichst blutiger Splatter das Mittel der Wahl ist, sondern ein chirurgisch präziser Schuss in die korrekte Schädelpartie. So zieren ihre Wand im Jagdschlösschen unbehörnte Hackfressen auf dünnem Brett, das sie einst vor dem Kopf getragen hatten, nichts scheint selbstverständlicher. Langsam arrangiert sich der maskuline Part mit seiner neuen Umwelt, die nicht nur aus ihm selbst und ein paar unscharfen Nebeneffekten besteht. Es kann doch noch alles gut werden.

Da droht mit dem schwulen Fußballer der nächste Super-GAU, das Fukushima der geistigen Unterschicht. Ausgewaschen, fortgespült und voll verstrahlt der Frontallappen, die Koordinaten der bisherigen Existenz windschief gedengelt von der Vorstellung, dass sich Männer verschwitzt und bis zum Stehkragen mit Adrenalin vollgepumpt auf dem Platz umarmen und hinterher nackt in der Gruppendusche verschwinden, obwohl einer von ihnen homosexuell sein könnte. Im Damensport nimmt das die männliche Fantasie billigend in Kauf, insbesondere bei der Produktion billiger Erregungsmittel, die aus dem Internet schmerzlos herunterzuholen sind. Doch auch hier ist nicht die Tatsache an sich der Killer, es ist das Einbrechen in ein Konstrukt, dass dieses nun erst als hastig und wirr zusammengeklöppelte Seinsprothese sichtbar wird. Je absurder die Vorstellung, auch der andere könnte Rechte haben, desto verzweifelter der Rückfall in atavistische Verhaltensweisen. Der Mann degeneriert, und er hat ein Problem. Was bei Frauen mit sexualisierter Gewalt ging, nebenher die kleine Potenzpumpe für zwischendurch, will bei den Schwulen nicht recht hinhauen. Also haut er zu.

Endgültig verroht der Kerl, wo er sich mit der Andersartigkeit der anderen auseinandersetzen muss, die in Gestalt des kulturell Fremden noch nicht einmal kommen muss; es reicht, wenn der neue Nachbar schwarzafrikanische Vorfahren hatte und Zahnarzt ist, denn die, und das weiß der Weiße, spielen hier Fußball und nehmen uns die Frauen weg. Manche ministrieren sogar, die kriegt man gar nicht mehr los. Das Implodieren des Mandelkerns wirkt wie eine Lobotomie auf dem Küchentisch mit der rostigen Nagelschere. Jetzt wollen auch noch die dazugehören, denen man nicht einmal die Männlichkeit absprechen kann, und sie haben sich durch was auch immer Macht erworben, Respekt, eine soziale Rolle. Wie gut, dass auf dem Weg zur rational befreiten Zone das Grobraster mit neuen Einteilungen versehen wurde – konnte die Frau links und doof sein, so war sie doch grundsätzlich des Weißen Eigentum – und gemeinsam mit einer ganz neuen Qualität von Gewaltanwendung der Männlichkeit eine Stütze ist. Es ist so einfach, das schwammige Gehänge wieder zu richten. Die Krise ist nicht weg, sie ist nur woanders. Hauptsache, der Mann ist nicht mehr schuldig.





Christlich-abendländische Marktwirtschaft

26 07 2018

„… mehr Sprechstundenzeit anbieten müsse. Spahn werde garantieren, dass sich die medizinische Versorgung in Deutschland bis …“

„… schon durch die Arbeitszeitregelung für Arzthelferinnen nicht machbar sei. Die angedachten Zeiten seien nur bei mindestens achtzig Stunden pro Tag zu leisten, wovon noch keine Pausen oder…“

„… zur Kenntnis genommen habe. Wer wegen einer auf Faulheit oder linkem Gutmenschentum basierenden Intellektschwäche in einem Beruf wie der Pflege oder anderweitig im Medizinsektor gelandet sei, solle seine parasitäre Existenz nicht zu Lasten der Leistungsträgerelite in Politik, Drogenhandel und…“

„… würden die vom Bundesministerium geforderten Allgemeinärzte schon dadurch gezielt gehindert, dass auch innerhalb der EU ausgebildete Mediziner nicht damit rechnen könnten, ihren Abschluss anerkannt zu bekommen. Dies liege in der Verantwortung des Bundesministeriums, das auf die Direktive des amtierenden…“

„… könne die medizinische Versorgung durch Arztbusse aufrecht erhalten werden. Spahn rechne nicht mit dem Nobelpreis, würde aber für seinen genialen Vorschlag die Ehrenbürgerwürde der EU nicht…“

„… bei gleichem Gehalt arbeiten müsste. Dass eine 485-Stunden-Woche nicht tariflich gedeckelt werden könne, betrachte das Ministerium mit einer erleichterten Haltung, da sonst schwere soziale Unruhen in handwerklichen Berufen, unter Niedriglöhnern sowie den…“

„… das Lohnabstandsgebot eingehalten werden müsse. Die Höhe des Arbeitslosengeldes II müsse daher auf etwa einen Euro pro Monat absinken, um die Aufnahme einer Tätigkeit im Medizinsektor nicht mutwillig zu…“

„… bisher nur für Kostgänger der Gesellschaft wie Drogensüchtige, Obdachlose oder Prostituierte bereitgestellt worden seien. Wer es aber trotz aller Hilfestellung durch die christlich-abendländische Marktwirtschaft noch nicht geschafft habe, Bundesminister zu werden, für den sei ein Arztbus genau die richtige…“

„… den Terminservice aus Kostengründen nur bundesweit anbieten werde. Dies beuge auch einer mutwilligen Benutzung der Telefonnummer vor, da ansonsten jeder Patient, der nicht unter akut lebensbedrohlichen…“

„… Fachärzte nicht von den Sprechstunden betroffen seien. Pro Arzt könne das Ministerium monatlich ein Kontingent von höchstens drei Minuten erwarten, die allerdings erst nach der Erledigung der für privat versicherte Patienten reservierten…“

„… die Arztbusse auch in strukturschwachen Gebieten wie Berlin, Köln, Stuttgart oder…“

„… chronisch erkrankte Patienten nicht dazu animiert würden, die Sprechstunden übermäßig zu nutzen. Es sei durchaus möglich diese mit einer gesonderten Wiedereinführung der Praxisgebühr von der…“

„… werde sich Spahn als zukünftiger Kanzler nicht herablassen, diese Debatte persönlich zu führen. Da er sehr gut wisse, dass Ärzte lediglich ehemalige Medizinstudenten seien, sei es unter seiner Würde, diese zu…“

„… die Hotline zur Terminvergabe durch eine Erhöhung der Kassenbeiträge aufgefangen werden könne. Sinnvoll seien derzeit Kopfpauschalen, die jedoch aus Solidaritätsgründen nur von den gesetzlich…“

„… es keine Ärzte gebe, um die Busse regelmäßig besetzen zu können. Die einzige Lösung sei es, Mediziner zwangsweise in die mobilen Behandlungsräume zu schicken, so dass diese in der eigenen Praxis nicht mehr zur…“

„… neben den chronisch Kranken auch die älteren Patienten nicht in die Praxis gelangen würden. Eine Mobilisierung durch die Buslösung sei ein wesentlicher Fortschritt für die Gesundheit des deutschen Volkes, das sich wieder zur alten…“

„… es bisher auch keine Busse gebe. Spahn habe dies zwar gewusst, es sei ihm jedoch nicht gelungen, dies Problem lukrativ zu…“

„… nicht in der Lage seien, ihre Ärzte aufzusuchen, obwohl diese längere Sprechzeiten anböten. Langfristig, so der Minister, werde dies eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt sowie bei den börsennotierten Pflegekonzernen einen deutlichen Anstieg der…“

„… nicht in Spahns Aufgabenbereich liege. Die Bereitstellung von Bussen sei ausschließlich eine Sache des Verkehrsministeriums, das in dieser Legislatur jedoch nicht handlungsfähig sei, da sich die CSU ausschließlich mit der Einwanderung in die deutschen Sozialsysteme und die Islamisierung der christlich-abendländischen…“

„… auch gestaffelt wahrnehmen müssten. So sei es einem akut erkrankten Patienten durchaus zuzumuten, einen Termin von 12:07 bis 12:11 in Erlangen sowie einen Anschluss von 12:12 bis 12:16 in Burg auf Fehmarn wahrzunehmen. Wer nicht die nötige Flexibilität mitbringe, solle entweder gar nicht erst krank werden oder sich für eine privat finanzierte…“

„… schließe sich der Minister den Aussagen der Christsozialen an. Ohne Ausländer wäre es früher möglich gewesen, seinen Vorschlag zu realisieren, ohne ihn als sozial komplett inkompetenten…“

„… die Hotline auf Englisch angeboten werde. Spahn habe dies Projekt sofort gestoppt, da es ihm als Mitglied einer deutschen Regierung nicht möglich sei, eine solche…“





Weltanschauliche Neutralität

25 07 2018

„Das wäre eine Erweiterung der Elternprämie für Eltern, die das Elterngeld III beantragen, aber bis zur Auszahlung nur die normale Elternvergütung erhalten. Oder war’s andersrum? Auf jeden Fall muss das bis zur Landtagswahl noch fertig werden, und wir sollten dieses Gesetzespaket nicht zu klein machen.

Ja, wir haben die Vorlagen bekommen. Das war teilweise etwas schwierig, da sich österreichisches Recht erheblich von deutschem unterscheidet. Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten zwischen denen und uns Bayern: bei denen ist das Grundgesetz egal und bei uns auch. Deshalb wäre ein überarbeitetes Kreuzanbringungsgebot im Rahmen einer Landesbrauchtumspflegeverordnung auch ganz unproblematisch. Übrigens könnten wir in diesem Katalog alles verordnen, was wir als Brauchtum ansehen, und die kommende Regierung wäre nicht mehr gezwungen, Traditionen zu erfinden, weil wir das ja schon gemacht haben. Clever, oder?

Also dieses Kopftuchverbot in den Kitas kann man auch aufnehmen, wir müssen das allerdings in ein Spezialgesetz verpacken wegen der religiösen und weltanschaulichen Neutralität. Kopftuch für Kinder unter zwölf ist verboten, das wissen die Islamisten auch, deshalb können wir hinterher immer sagen, wir haben uns mit unserer Forderung absolut durchgesetzt. Gleichzeitig darf das Kreuz nicht durch Kopftücher verhüllt werden, etwaige Problembären bekommen Kita-Verbot und es gibt einmal pro Woche obligatorischen Schweinsbraten. Wer eine Sondergenehmigung als Vegetarier haben will, darf nicht im Kopftuch erscheinen. Ist das jetzt korrekt? Ja, es ist ein bisschen schwierig.

Das mit der Moscheeverordnung, da haben wir noch ein Problem mit dem Paragrafen zur Höhe von Minaretten. Offiziell sind die durch Bauvorschriften der Gemeinden geregelt, aber in Bayern kann auch jede Gemeinde tun und lassen, was sie will, immer vorausgesetzt, dass es der Landesregierung in den Kram passt. Wir müssten dann eine Mindesthöhe in der Verordnung vorschreiben, die aber durch die kommunalen Vorschriften torpediert wird. Das ist sehr sinnvoll, weil wir dadurch keine Moschee verhindern, aber wer eine bauen will, muss in der Regel einen langwierigen Rechtsstreit auf sich nehmen. Das gilt natürlich auch für Kommunen. Ja, das belastet die Gerichte, und das ist das Gute daran, dass wir in der bayerischen Justiz nicht nur Arbeitsplätze sichern, sondern auch immer genug Arbeit für die Beschäftigten vorhalten.

Alternativ könnte man das Problembärengesetz auch in die Brauchtumspflege einarbeiten, aber ein Einzelgesetz hätte natürlich weitreichende Folgen. Damit könnten wir die Bärenhaltung in Gebäuden ohne Kruzifix untersagen oder die Teilnahme von Bären und ihnen verbundenen Personen an öffentlichen Kundgebungen gegen die Regierung und die an ihr beteiligten Parteien. Wenn wir da eine Sonderregelung machen, dass Theater zu den Schaustellerbetrieben gehören, die traditionell mit Bären zu tun haben, dann müssen wir beim nächsten Mal gar nichts mehr tun.

Die Transrapid-Steuer ist nur so nebenbei, die brauchen wir eigentlich gar nicht. Nur das Geld, die Landesregierung will sich ein Flugtaxi anschaffen, und wenn wir da jetzt einsteigen, sind wir quasi schon am Hauptbahnhof.

Bevor ich es vergesse, für die Moscheen gibt es eine wichtige Ausnahme, der Islam gehört ja nicht zu Bayern, deshalb gilt auch in allen Moscheen das Grundgesetz, und wo das Grundgesetz gilt, muss auch immer ein Kreuz hängen. Sie müssen also in allen Moscheen in sämtlichen Räumen mindestens ein Kreuz anbringen, schon wegen der religiösen Neutralität, und Sie dürfen da ab sofort keine Bären mehr halten. Ob die da noch Kopftuch tragen dürfen? Ich habe keine Ahnung, das macht ja unsere Österreich-Kommission. Vermutlich nur die Bären unter zwölf Jahren. Für die gibt es auch ein eigenes Einwanderungsgesetz, das heißt, dass Bären unter zwölf, die unbegleitet einwandern, automatisch als Problembären gelten und somit kreuzpflichtig sind. Wie man das Kreuz an denen anbringt und wer das macht, davon haben wir noch keine Ahnung, wegen der Komplexität könnte man das aber zu einer kommunalen Angelegenheit machen, dann haben wir den Mist schon mal von der Backe.

Haben wir uns da verschrieben? Das ist bestimmt beim Kopieren in den falschen Stapel geraten, anders kann ich mir das nicht erklären. Natürlich gilt die Schweinsbratenpflicht auch in den Kitas, die in einer Moschee betrieben werden. Wir müssen nur darauf hinwirken, dass jede Moschee auch zwangsweise eine Kita betreiben muss, wenn sie als öffentliches Gebäude mit Kreuzpflicht keine Kopftuchproblembären hält. Oder habe ich da jetzt wieder etwas durcheinandergebracht? Jedenfalls ist jede Moschee aus weltanschaulicher Neutralität ab sofort schweinsbratenpflichtig, muss bei etwaigen Veganern ein Unbedenklichkeitszertifikat für Bären ohne Kopftücher beibringen und ein Minarett haben, das nicht unter die Bauverordnung fällt. Ja Herrschaftszeiten, jetzt haben wir’s aber endlich, oder nicht? Ach ja, das mit dem Feinstaub, weil die Autoindustrie da noch Nachbesserungen haben wollte, also Nachbesserungen im Sinne von: wir lassen das mit der Verordnung mal lieber ganz bleiben. Wissen Sie was? Wir lassen das mal lieber ganz bleiben. Die nächste Landesregierung braucht ja auch noch ein bisschen was zu tun.“