CARE

26 11 2018

„Hier oben dann mal bitte ankreuzen für normale Menschen oder Sonderbedarfe. Veganer, Stillzeit, jüdische, Moment: islamistisch motivierte Invasion, das kann man schon mal verwechseln. Seit dem letzten Ruck in die bürgerliche Mitte hat die SPD ein paar Wahrnehmungsprobleme.

Wenn wir als Sozialdemokraten in der SPD die Zukunft des Sozialstaates noch mitbestimmen wollen, dann müssen wir natürlich in dieser Phase des Umbruchs auch die Probleme ansprechen, die wir mit der Einführung der Hartz-Gesetze und des Raubtierkapitalismus auf Parteiführungsebene zu wenig thematisiert haben. Es ist natürlich richtig, dass sich diese neoliberalen Turbokapitalisten, diese parasitären Heuschrecken eine goldene Rosette an der Zerstörung des deutschen Sozialstaates verdient haben. Es ist auch richtig, dass diese Schmarotzer Schröder und Clement heißen. Bis heute.

Wir haben zu viel Neoliberalismus in dieses soziale Konstrukt einfließen lassen, das haben wir ja jüngst bei der FDP erlebt: bevor sie sich von ihrem eigenen Anspruch überfordert fühlen, nicht ständig die geistig minderbemittelte Kackscheiße von diesem dauerläufigen Polyesterdreitagebart anzuhören, schalten sie auf Durchzug und stopfen sich gegenseitig die Kohle in den Schornstein. Bis zum Ellenbogen. Falls Sie wissen, was ich meine.

Neoliberalismus, das haben wir jedenfalls der Vorsitzenden in einem ihrer seltenen nüchternen Momente beigebracht, ist die Eigenverantwortung für das eigene Leben, und zwar ohne Rücksicht auf Verluste, zumindest in Bezug auf deren eigenes Leben. Wenn das Scheißpack schon nicht arbeiten will, muss es wenigstens demokratisch aussehen.

Deshalb ja auch das neue 360-Grad-Programm. Das ist nämlich das Consumer Aid Restrictive Empowerment, verstehen Sie? Wir helfen den Arbeitsscheuen, das wird man nach so langen Jahren schon mal sagen dürfen, die Gewerkschaften geben uns lustigerweise recht, und dafür müssen die halt mit unseren Bonusmodellen zurechtkommen. Fordern und fordern. Von nix kommt nun mal nix, abgesehen von Sanktionen.

Gucken Sie, hier haben wir den Jahresbescheid, sich vom Gasanbieter abzumelden, der wird dann abgestempelt, dann suchen Sie sich als staatlich akkreditierter Arbeitsverweigerer einen neuen Anbieter, und dann dürfen Sie innerhalb der nächsten zehn Monate einen neuen Gasvertrag abschließen. Nur mal nebenbei, etwaige Witze mit Gasvertrag und so, die können Sie sich sparen. Wir haben das abklären lassen. Die SPD darf das, die war in der fraglichen Zeit verboten und muss sich wegen solcher Verbrechen nicht mehr rechtfertigen. Wenn Sie keinen Gasanbieter haben, ist das ein Problem, aber nicht unseres. Sie können in der Zeit ihre Elektroheizung selbstverständlich weiter betreiben, auf wessen Kosten auch immer. Wir zahlen dann, wenn wir es für passend halten. Das ist in der Marktwirtschaft auch nicht anders.

Montags sind immer diese Prospektausgaben, ab acht können Sie sich die regionalen Drucksachen der Discounter holen, um die jeweiligen Aktionen des Einzelhandels in Erfahrung zu bringen. Sie sollten nicht auf eigene Faust vorgehen, das wirkt sich negativ auf Ihren Leistungsbezug aus – als Einzelhaushalt ohne Bedarfsgemeinschaft ein nicht entsprechend farbig markiertes Kalbsgulasch zu kaufen könnte den Regelsatz des nächsten Monats erheblich einschränken. Oder hier, Gurken – seit wann isst man im Winter Gurken? Der Staat hat für Sie die Finanzierung übernommen, wir können uns nicht alles leisten.

Deshalb ja auch die Speisepläne von Sarrazin, so schlecht waren die gar nicht. Gut, wir sind danach immer noch an die Pommesbude gefahren, aber wir waren ja auch nie in der SPD. Da kam uns dann auch die Idee mit den einzeln verpackten Aufschnittscheiben, damit sich diese gierigen Scheißschmarotzer nicht ein Pfund Bierschinken in die Fresse pfropfen, nur weil der Sachbearbeiter wegen dieser komplett überflüssigen Verfassung immer noch keinen Haustürschlüssel hat. Ich sage Ihnen, daran arbeiten wir auch noch!

Wo waren wir? Ach ja, die Anspruchshaltung der Wirtschaftsasylanten – Hartz war ja auch eine Zusammenführung aus sozial Benachteiligten und parasitären Dreckschweinen zu parasitären Dreckschweinen, die wir sozial benachteiligen können – wer aus der deutschen Volksgemeinschaft bewusst austritt oder irgendwie zu erkennen gibt, dass es Gründe gibt, ihn gar nicht erst in diese mit einzurechnen, muss schon mit den Konsequenzen rechnen. Dann gibt es auch warme Winterkleidung, aber eben aus der staatliche Sammlung. Die SPD möchte Ihnen die Daseinsvorsorge abnehmen, die Vorsorgte machen wir, ob Sie danach noch da sind, geht der Vorsitzenden am Steiß vorbei, und wenn Sie jetzt noch Alarm machen, weil wir für Sie extra als Zeichen der eingeforderten internationalen Solidarität für sozial unerwünschte Personen einen formschönen Stern auf der Vorderseite angebracht haben, dann haben Sie es einfach nicht besser verdient. Dann gibt’s eben auf die Fresse, so leid es uns tut. Sie haben ein Komplettpaket, fakultative Zusatzleistungen wie die Sozialgerichtsbarkeit trägt sowieso der Staat, wenn Sie obdachlos werden, haben Sie automatisch ein Anrecht auf das Mitleid der Rechtsextremisten – es sei denn, Sie halten sich auf der Straße auf, dann werden Sie aufgeklatscht und angezündet, kann man nix machen – und ansonsten wissen Sie ja: wir leben hier in einer parlamentarischen Demokratie. Wählen Sie. Das kann alles ändern.“


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