Dreimal werden wir noch wach…

21 12 2018

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Kerzen funkeln, das liegt unter Umständen auch an der falschen Brille, denn auch ich werde älter. Wir, und damit meine ich in einem ganz und gar unmajestätischen Anflug von Plural mal uns alle, verbringen schon das zehnte Weihnachtsfest miteinander in diesem kleinen literarischen Salon.

Bums. Das saß. Zehn Jahre. Wäre ich ein vernünftiger Schnaps, ich würde so ganz langsam für die echten Kenner interessant. Als Wein hätte man zwischendurch schon mal reingeschmeckt, wahrscheinlich vor lauter Essiggeruch die Augen verdreht und mich als Geschenk für ausgewählte Feinde weiter im Staub der Gewölbe vor mich hin versauern lassen. Als Maler hätte sich der eine oder andere ein interessantes Gelegenheitswerk günstig eingelagert, um aufs Geratewohl zu sehen, ob der Knabe mit der Zeit nachlässt, irgendwann ganz groß wird, mit Getöse explodiert oder irgendwann schlicht verlischt vor dem Hintergrundrauschen. Allein ich kann mit allem nicht dienen, ich schreibe vor mich hin. Das macht die Sache nicht besser, aber einer muss es ja tun.

Alle haben wir uns verändert in diesen Jahren. Damals hatten wir noch eine Bundeskanzlerin, die in einer halbwegs glücklosen bis bewegungsarmen Koalition mit dem Rest der Sozialdemokraten, eine Insel mit eigenem Staat möchte unbedingt in die EU, warum auch immer, bei Luftangriffen in Afghanistan stellen sich die Angreifer versehentlich als Bundeswehr heraus, und ein Ministerbübchen mit von und zu war plötzlich auf und davon, weil es sich an seine eigenen Informationen nicht mehr erinnern konnte. Immerhin haben wir in Mehl und Reis entschädigt, es weckt wohl Begehrlichkeiten, wenn man zehn Sack Zement und zehn Streifen Wellblech liefert.

Alles ist beschwerlicher geworden in diesen Jahren. Man geht kaum noch auf die Straße oder schlägt im Anflug von Nostalgie eine Zeitung auf, ohne in braunen Dreck zu treten. Auf gewisse Art sichert das dem Satiriker natürlich sein Auskommen und versorgt ihn täglich mit frischen Ideen, denn über so viel Dummheit nichts zu äußern ist eine Kunst, die sich nicht beherrschen lässt. Ich gebe mehr und mehr nur noch dem Druck nach, und wenn es den Finger am Abzug trifft, dann ist es halt nicht zu ändern, wenn sich etwas im Weg befindet. Es wird freilich manchmal ein bisschen fade, immer ins Schwarze zu treffen, aber vielleicht liest es der eine oder die andere ja auch zum ersten Mal, so hat alles wieder einen Sinn. Und das ist ja schon etwas.

Die meisten lassen mich auch in diesem Jahr in Ruhe, ich werde dem jahresendlichen Ritual des Buchhaltens ganz ungestört nachkommen und die vielen unausgearbeiteten Schnipsel aus der Tiefe der Schreibtischschublade in den Kristallascher legen, ein Streichholz entzünden und bei weit geöffnetem Fenster dem Autodafé zusehen, wie die unausgesprochenen Gedanken ohne Wiederkehr in Rauch aufgehen, frei nach dem Bonmot, dass sich die Qualität eines Künstlers stets an dem bemesse, was er verwerfe. Ich bin da großzügig.

Hildegard, der geneigte Leser und die interessierte Betrachterin werden sie vielleicht von früher noch kennen, hat sich vollkommen von mir entfernt, sie hat mich nur noch sporadisch zu Verlöbnissen eingeladen, die dann allesamt nicht mehr stattfanden. Ein paar Ansichtskarten aus dem sonnigen Süden lang schmeichelte sie mir, bevor sie mir mitteilte, sie bliebe nun ganz und gar in ihrem humanistischen Gymnasium, man habe ihr nämlich die Leitung dieser Anstalt angetragen. Sollte sich das ereignen, ich werde aus brennender Sorge um den Nachwuchs schnellstens publik machen, um welche Schule es sich handelt. Wenigstens hat sie mehrere Bände der Literaturgeschichte, die sie sich aus meinem Arbeitszimmer dauerentliehen hatte, bei sich aufgestellt; wenigstens sind die Originale nicht mehr da und durch eine Dünndruckausgabe ersetzt. Habent sua fata libelli.

Anne ist inzwischen derart in ihrer Rolle als Anwältin mit eigener Kanzlei aufgegangen, dass sie mit einiger Brummigkeit die Klischees ihres Berufs an sich selbst zur Kenntnis nimmt. Noch immer ist ihr Staatsanwalt Husenkirchen gewogen und versorgt sie mit Mandanten, vornehmlich passiert dieses jedoch durch den exzellenten Ruf, der ihr vorauseilt, nein: radelt, muss man sagen. Ein Fall hatte im vergangenen Jahr enorme Aufmerksamkeit erregt, ich hatte vermutlich nur vergessen, davon zu berichten, denn dies war für Tage und Wochen der einzige Gesprächsstoff, wenigstens für interessierte Kreise. Wie jeden Morgen wanderte der H., seines Zeichens pensionierter Oberzolldirektorenassistent – wir müssen den Fall aus gewissen Gründen ein bisschen anonymisieren – mit seiner Brötchentüte den gelb geziegelten Weg quer durch das Stückchen Gehölz an der Ecke Rückertstraße zur Platanenallee und versah sich keines Angriffs, als er plötzlich von einem Radfahrer touchiert das Gleichgewicht verlor und stürzte. Dabei zog er sich eine Verletzung am Unterarm zu, seine Brille ging zu Bruch und sein beiges Jackett wurde erheblich verschmutzt. Der Fahrer hielt an, nicht jedoch, um Hilfe zu leisten, er schimpfte den H. noch und griff ihn an, was er denn auf einem Radweg zu spazieren habe. Genau wurde die Sache nicht erforscht, das Gericht musste in Erwägung ziehen, dass sich der junge Mann aus Versehen mehrmals gegen die Knie getreten habe, es gab nämlich keine andere Erklärung und Zeugen schon gleich gar nicht. Wie nun der Staatsanwalt, ein jugendlicher Heißsporn und voller Überzeugung in die eigenen Fähigkeiten, den H. anraunzte, er sei an dem Unfall selbst schuld und brauche offenbar mehr als eine Sehhilfe, um auf dem rechten Weg zu bleiben, zog Anne die Schlinge zu. Ja, er leugne keinesfalls, dem durchaus schmalen Pfad gefolgt zu sein, denn er habe dies gedurft, vor- wie nachher: im Gegensatz zur dürftig recherchierten Ansicht des Anklägers, der dies für einen Radweg gehalten hatte, handelte es sich bis einen Tag vor dem Unfall um einen kombinierten Rad- und Fußweg – es war das gute Recht des H., hier mit den Brötchen heimwärts zu schlendern – und just ab dem Morgen, an dem nämlich bereits das korrekte Verkehrsschild an beiden Seiten des Weges aufgestellt worden war, war dies auf Entschluss der zuständigen Behörde nur noch ein Fußweg. Weder den Polizisten, die den Fall aufgenommen hatten, noch dem Staatsanwalt war dieser Umstand je ins Bewusstsein gedrungen, vom Gericht einmal ganz abgesehen. Mit schwerem Sarkasmus las Anne den versammelten Delinquenten in Robe und Uniform den Rapport des Fachbereichs Straßenbau unserer hochweisen Stadtverwaltung vor, mit dem Ergebnis, dass der H. einen Freispruch erster Klasse erhielt.

Während also die Kanzlei sich inzwischen eines untadeligen Rufs erfreut, haben sich auf durchaus verschlungenen Pfaden hier zwei Seelen gefunden, wie sie unterschiedlicher wohl nicht sein könnten. Vor Jahresfrist noch war Minnichkeit, der mit seiner Steuererklärung Schwierigkeiten gehabt hatte, von Luzie aus dem Büro geworfen worden. Die Sache ging mit einer überraschend geringen Zahlung über die Bühne, und also stand der nicht ganz so begabte Aktenverwalter eines Tages gescheitelt und mit einem Blumenstrauß im Anschlag wieder unter der Tür. Luzie, die kleine lockige Dame am Tresen, hatte bedauert, die Chefin wäre gerade bei Gericht und das Warten würde sich nicht lohnen, doch da hatte er sich ein Herz gefasst: schwer schluckend überreichte er der Bürovorsteherin das Bukett und lud sie nach Dienstschluss in die Konditorei ein. Luzie sagte zu, und binnen eines halben Jahres ist es inzwischen so weit gediehen, dass die beiden regelmäßig die Oper besuchen – für Luzie Freese ein Traum, denn vor Minnichkeit hat tatsächlich noch niemand sich für sie und Verdi in einen Anzug geworfen. Er wird sie demnächst mit einer Reise überraschen, Maxim, der Travel-Experte, you know, hat da was klargemacht, Verona, Fünf-Sterne-Suite mit Teilnahme an allen drei Hauptproben für den Maskenball. Es gibt noch Schönes auf dieser Welt.

Was übrigens auch für Sofia Asgatowna gilt, die sich ja seinerzeit von der Raumpflegerin zur Dekorationsspezialistin gemausert hat – laut Luzie hat sie früher unpassende Materie entfernt, jetzt bringt sie sie sogar mit – und nun mit Hilfe eines Kleinkredits eine kleine Firma ihr Eigen nennt. Sie berät nun große Unternehmen, wie man Büros und öffentliche Bereiche mit ein paar Kleinigkeiten wohnlich macht, und das ganz ohne Katalogware, die noch jedem Eiscafé die Heimeligkeit einer Zahnarztpraxis verleiht. Sie hat durchaus Talent, durch ihre unverbrüchlichen Kontakte zu einigen der bekannten Häusern ergibt sich auch immer mal wieder die Gelegenheit, Familienfeiern zu gestalten. Jüngst hatte sie einen Auftrag, den sie so schnell nicht vergessen wird, und das lag sicher auch daran, dass der Auftraggeber ich selbst war.

Sie hat ihren Hundertsten erreicht, ist dank ihrer störrischen Art geistig bewundernswert zuwege und hat noch immer ein lückenloses Gedächtnis, mit dem sie seitenlange Abhandlungen über Homer zu zitieren weiß oder gleich die komplette Odyssee. Tante Elsbeth leistet sich den Luxus, schwer zu hören – sie schiebt es inzwischen auf das Gerät, das sie einfach ausschaltet, wenn sie keine Lust mehr hat, sich mit den verknöcherten Alten beim Tanztee zu unterhalten, und wenn sie ein bisschen lauter wird, dann nur, weil sie es kann. Angesichts der Festgesellschaft war sie von einer geradezu jovialen Heiterkeit (was man bei einer Altphilologin, auf die Griechen abonniert und durchaus nicht männlich aber nicht so nennen dürfte, sie ist da sehr genau, wie man es von einer Schulleiterin erwarten kann) und wusste unser Überraschungsgeschenk sehr zu schätzen: Schubert, vierhändig. Maja hat bestimmt ein halbes Jahr lang heimlich geübt, um hinterher sagen zu können, sie habe zum Üben gar keine Zeit gehabt, ansonsten aber wollte Tante Elsbeth alles gleich noch mal hören. Es war ein großartiges Fest.

Später aber, da sie sich auf den Flügel stützte und Kester ihr den Sessel näher schob, bemerkte sie im Saal, dass jemand eine Zeitung dort hatte liegen lassen, vielmehr: das Zeug war schon bedruckt und wies sich als Fachblättchen für soziale Exklusion aus, weinerliches Gefasel von der verfolgenden Unschuld, die für den unteren Dreckrand dieser Gesellschaft täglich neu mit Lügen und Vorurteilen beschmiert wird, damit etwas hängen bleibt bei den Dümmsten. Die Tante nahm das Ding, besah es mit zunehmendem Ekel und warf es dann angewidert unter das Instrument. „Diese Scheiße“, knarrte sie mit ihrer rauen Stimme, „kommt denn das alles wieder? Einmal im Leben reicht doch wohl!“

Doktor Klengel hat seine eigene Ausstellung bekommen. Saß er an Tante Elsbeths Ehrentag noch ganz bescheiden in der Gesellschaft, so stand er schon eine Woche später schräg gegenüber in der Galerie von Hüthenraath und Wippermann den Kunstfreunden Rede und Antwort. An die hundert Aquarelle, Seestücke, Landschaften und die Perlen unserer regionalen Baukunst, hingen an den Wänden, eine Kunstkritikerin hatte sich eigens aus der Hauptstadt bemüht und beschloss nach einigen Nachfragen, was das denn alles sei und warum man heutzutage noch so gegenständlich malen müsse, die Bilder sehr hübsch zu finden. Der Allgemeinarzt verkaufte sogar eine dreiteilige Serie mit Ansichten der alten Blüchereiche aus dem Schlossforst an eine Steuerberaterin. Erwähnenswert ist, dass er zugleich den Auftrag erhielt, das Anwesen des Grafen von Rummelsdorf in allen erdenklichen Perspektiven abzubilden. Er wird sich im Frühjahr für ein paar Wochen dort einquartieren, Skizzen anfertigen und eine größere Anzahl an Aquarellen hinterlassen, die dann im Gesindesaal des Herrenhauses – eigentlich ein recht schmuckloser Raum im Souterrain, gleich neben der ehemaligen Küche gelegen, inzwischen aber durch einen lichtgrauen Anstrich und dezente Beleuchtung eine ganz ansehnliche Location – eine weitere Ausstellung bekommen sollen. Sage noch einer, die schönen Künste bekämen nicht genügend Aufmerksamkeit.

Mir fehlt die auch, ich fürchte, das Gespräch mit Kester war für uns beide kein Vergnügen. Er ist bei der Schleifenquantengravitation angelangt, das ist ja bekanntlich diese Raum-Zeit-Sache, bei der der Raum nur noch Zeit ist, oder irgendwie so – ich war nie gut in Chemie, aber ich habe wahrscheinlich auch noch an den falschen Stellen mit dem Kopf genickt, oder irgendwer muss mich verraten haben. Tröstlich, dass sein Doktorvater ihm nicht mehr folgen kann, was die Leserschaft für seine fast fertige Habilitationsschrift halbiert. So ähnlich ging es mir seinerzeit mit einer Seminararbeit über das Ding an sich. Und ich hatte auch nicht vor, berühmt zu werden.

Die Waschmaschine funktioniert auch wieder, und alles wird gut. Es ist bzw. war Sigunes Gerät, die Drehtrommel aus dem spirituell wirtschaftenden Haushalt unter mir. Ich tippe auf falsch angerührtes Informationswasser, womöglich auch nicht in der korrekten Richtung und bei Neumond gerührt, und die Heilsteine auf dem Bottichboden waren sicher nicht an den Erdstrahlen ausgerichtet. Vor Jahren schon hatte es eine kräftige Rauchentwicklung in der Küche unserer Lichtnahrungsjüngerin gegeben, die sich nicht auf Sandelholz und Sonnenkraft hatte zurückführen lassen, es war eine nicht ausreichend erleuchtete Sicherung über die Regenbogenbrücke gegangen und hatte einen rituellen Schwelbrand in der Wohnung zurückgelassen. Das Mauerwerk war innerhalb weniger Wochen getrocknet, nur ihre Globuli in der Klangschale auf dem Küchenaltar hatte es zu stark potenziert. Die Antwort hat sich mir noch nicht erschlossen, ich bedarf noch einiger Jahre Meditation.

Ansonsten neige ich zu anderen Flüssigkeiten, und wer dieses kleine Universum kennt, wird auch hier richtig vermuten, es stecken die beiden Brüder dahinter. Nachdem Hansi im Sommer eine Wette gewonnen hatte, etwas mit viel Wasser, einem Fass und einem verdammt kalten See in Dänemark, bekam er nun pünktlich seinen Preis geliefert: eine zwölf Meter hohe Nordmann-Tanne im monströsen Holzgefäß, per Tieflader aus Nørresundby in den Hof des Landgasthofs gebracht, prächtig von den skandinavischen Feriengastgebern geschmückt und illuminiert, eine reine Augenweide. Bruno, der ältere der beiden, den man schon aus Respekt den Fürsten Bückler nennt, wie er mit zitternden Schnurrbartspitzen in der Küche steht und gewaltige Gänsekeulen in Aspik einlegt, Schwarzsauer kocht und Aalsuppe, macht auch in diesem Jahr Hoffnung, dass den Tiefen des Kellers ein 1995-er Wupperburger Brüllaffe und natürlich das 1993-er Gurbesheimer Knarrtreppchen entsteigen. Petermann hat sich vom Entremetier inzwischen fast zum Chef gemausert, erledigt den Einkauf und springt, mit leisem Bedauern, für den Kopf des Hauses ein. Immerhin, unseren Weihnachtstag werden wir in seinem Haus verbringen. Ein paar Konstanten muss es geben, und da sich hier selten und seltener Gäste an den Tisch der beiden Bücklers verirrt, werden es auch keine unangenehmen Stunden sein.

Neu ist, dass ein Gast uns dieses Jahr begleitet, der alte Herr geht neuerdings am Stock, es ist nur eine kleine Angelegenheit mit der Hüfte, aber das war Grund genug, diesmal nicht wie sonst immer am zweiten Festtag auszugehen. Herr Breschke samt Gattin werden an unserer Tafel sitzen, mit etwas Glück auch Hildegard, was keiner von uns für möglich gehalten hätte, am wenigsten sie selbst, aber wir wollen den Ereignissen nicht vorgreifen.

Der pensionierte Finanzbeamte war auf der Kellertreppe gestolpert und gegen den Handlauf geprallt, als er dem Dackel ausweichen wollte, der vermeintlich mit der Leine zwischen seinen Beinen lief. Dabei hatte sich Bismarck, selbst ein älteres Semester und zu den ruhigen Dingen hingezogen wie Gabelsteins Gartenzwergen oder den Tulpen auf der gegenüberliegenden Zaunseite, in sanfter Ruhe auf dem Fernsehsessel zusammengerollt, als ein jäher Schmerzenslaut aus dem Flur erscholl. Frau Breschke hatte ihn sogleich in die Klinik gefahren, wo man ihn für grundsätzlich überlebend einstufte und ihm einen Tag Bettruhe mit einem Schmerzmedikament verordnete. Seitdem neigt Horst Breschke ein bisschen zum Humpeln, der Hausdackel zu einer leicht ironischen Distanz, als würde er sich nicht mehr in die Nähe von seines Herrn und Meisters Füßen trauen, und nur auf dem Fernsehsessel ist noch traute Eintracht, wenngleich abwechselnd. Es kann ja nur einer während der Sportschau darauf einschlafen.

Womit wir, schließlich und endlich, beim Fernsehen wären. Siebels, die die graue Eminenz der deutschen TV-Unterhaltung, hat diesmal den Vogel abgeschossen. Die Kombination aus Arzt- und Urlaubs- und Romantikkitschserie in einem Arbeitsgang ist für ihn ja nichts Neues mehr, aber dass er für Die Heldenretter im Palmenparadies auch noch Action und Krimi in die krude Mixtur pfropft, fünf neue Darsteller quasi zum Nulltarif anheuert – wer bekannt werden will, muss seine Visage eben für jeden Mist in die Kamera halten, und sei es als Schwester Sabrina, Doktor Kevin Klöbenschmied oder was die geistig dünn angerührten Drehbücher dieser Produktionen halt hergeben – und dann den Kram auch noch in sein bereits vorab ausgesuchtes Urlaubsziel lotst, das nötigt selbst mir einen gewissen Respekt ab. Irgendwann bringe ich es übers Herz und verrate ihm, dass ich noch nie einen seiner Gerümpeloiden im Vorabendprogramm gesehen habe, nicht einmal die Kardiologen der Karibik mit Jens Dröllerbeck, heute ein begnadeter Schauspieler auf allen Kanälen, nur dass keiner mehr weiß, dass er eigentlich Jens Dröllerbeck heißt.

Nur einer kam wieder unangemeldet, blieb nichts schuldig und hat auch nicht viel gesagt. Er hakte noch einmal die Stapel mit den Beschwerden über seine Beiträge ab, knurrte anerkennende Worte über die pünktliche Erscheinungsweise der Texte, kam dann langsam in Fahrt und hämmerte dann wie besessen mit den Fäusten auf dem Schreibtisch, dass er diese und jene Figur nicht legal mit dem Gesichtsschädel schwungvoll in eine Tischecke dreschen dürfe. Gernulf Olzheimer ging davon aus, dass sein Vertrag noch einmal weiterläuft, und ich habe nichts daran gerührt. Bisweilen wird er laut, manchmal schießt er wohl übers Ziel hinaus, aber was täte ich ohne ihn? Dieser schmale, blau rasierte Mann, dem der Zorn ins Gesicht geschrieben steht, wird keinen Stein auf dem anderen lassen, wie auch immer. Er hat noch viel zu tun.

Aber das sehen wir nicht heute. Wird es weiter in eine Richtung gehen? Ja, und wir wissen nicht, in welche. Zunächst einmal werde ich die Türen hinter mir verschließen, die Arbeiten dieses Jahres ins Archiv überführen, ein paar Statistiken auswerten, hier und da analysieren, was wann geschehen und warum so passiert ist, schließlich aber werde ich auch dieses Jahr ruhen lassen und mir mit neuen Inspirationen neue Kapitel erschließen – schon in den ersten Tagen werden wir eben merken, dass man Zukunft nicht beschreiben kann. Es wird alles anders sein. Wie in den letzten Jahren nehme ich einige Tage Weihnachtspause, und am Donnerstag, den 3. Januar 2019, geht es dann weiter. Wie bisher.

Allen Leserinnen und Lesern, die dies Blog fast oder fast ganz immer und regelmäßiger als unregelmäßig oder doch nur manchmal oder aus Versehen gelesen, kommentiert oder weiterempfohlen haben, danke ich für ihre Treue und Aufmerksamkeit und wünsche, je nach Gusto, ein fröhliches, turbulentes, besinnliches, heiteres, genüssliches, entspanntes, friedvolles und ansonsten schönes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und ein gesundes, glückliches Neues Jahr.

Beste Grüße und Aufwiederlesen

bee

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Pickelcheck

20 12 2018

„… künftig nicht mehr geduldet würden. Ein Burkini verdecke zu viel vom weiblichen Körper und lasse daher kein Urteil zu, ob die Trägerin offene Wunden oder ansteckenden Hausausschlag habe. Die Koblenzer Schwimmbäder würden bis auf Weiteres keinen…“

„… von CDU und Freien Wählern ein entsprechender Antrag eingebracht worden sei. Das Burkini-Verbot sei schon aus Sorge um die Volksgesundheit notwendig und dürfe nicht durch fadenscheinige…“

„… nicht konsequent genug vorgegangen werde. Verwaltungsrechtlich sei die Vorschrift ohnedies nichtig, da das Tragen von Surfanzügen aus Neopren weiterhin…“

„… sich die AfD dem Verbot angeschlossen habe, um auf die kulturelle Komponente des Volkes hinzuweisen, die ebenfalls gesund erhalten werden müsse. So sei es einem geistig gesunden Deutschen nicht zuzumuten, gemeinsam mit islamistischen Frauen in einem Schwimmbad zu…“

„… könne sich die Stadt keine hautärztliche Einzelbegutachtung der Badegäste leisten, da diese nur durch Fachpersonal zu leisten sei. Die Badebetriebe müssten mit einer Laienmeinung durch Bademeister und Kassenkräfte auskommen, die wenigstens durch langjährige Erfahrung mit…“

„… von ärztlicher Seite durchaus zu empfehlen sei. Das Hallenschwimmbad der Stadt Koblenz falle seit Jahren durch hygienische Mängel auf, so dass das Baden im Burkini erheblich sicherer sei als im herkömmlichen…“

„… in einem ersten Testdurchlauf nicht gut abgeschnitten habe. Zwar habe die Reinigungshilfe eine kongenitale ichthyosiforme Erythrodermie diagnostiziert, die sich aber bei näherem Hinsehen als Operationsnarbe am…“

„… verschaffe sich auch hier der Islam durch Ganzkörperanzüge in hygienisch unzumutbarem Umfeld einen Vorteil gegenüber dem deutschen Volk, das durch Impfungen der Pharmaindustrie und die von Flüchtlingen eingeschleppten Seuchen schon so degeneriert sei, dass es Merkel zur…“

„… entspreche es nicht dem deutschen Menschenbild, dass sich Frauen in der Öffentlichkeit vollständig verhüllen müssten, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Die CDU halte an ihrem Verbot fest und werde dies bis zum…“

„… die Hygiene in den Sommermonaten nicht gewährleistet sei. Das Freibad der Stadt sei bereits im vergangenen Sommer durch Gänsekot stark betroffen gewesen und könne nur durch erhebliche Schutzmaßnahmen seitens der Badegäste als…“

„… es sich nicht um einen ideologiebasierten Beschluss handle, da nicht der ganze Islam davon betroffen sei. Die Stadt gestatte es männlichen Muslimen ja weiterhin, sich im Ganzkörperanzug in den Schwimmbädern des…“

„… zum Schutz der Kinder eigeführt werden müsse. Löse sich ein Bikini-Oberteil, so sehe ein Kind seit Säuglingstagen vertraute Körperpartien, reiße jedoch ein Burkini, so seien Minderjährige plötzlich mit einer nackten Frau konfrontiert, was schwere seelische Folgen, eine Radikalisierung oder die Hinwendung zur Homosexualität und…“

„… die Kotbelastung von Nilgänsen stamme. Die Alternative für Deutschland stehe auch im Naturschutz auf der Seite des Volkes und werde Tierarten aus islamistisch geprägten Kulturen, die in Europa kein Bleiberecht besäßen, mit sämtlichen Mitteln und nachhaltig aus dem Luftraum der…“

„… die Freien Wähler ein grundsätzliches Interesse daran hätten, Tätowierungen sozial nicht weiter aufzuwerten, da sich sonst immer mehr anständige Deutsche damit ausstatten würden. Man müsse also wenigstens bei allen weiblichen Badegästen eine Leibeskontrolle durchführen, um unerwünschten Körperschmuck aus dem Badebetrieb zu…“

„… man nicht kontrollieren könne, ob die islamistische Badebekleidung schon aus Gründen der Intimhygiene mit Baumwollfasern gefüttert sei. Sarrazin habe errechnet, dass bereits beim Baden von lediglich 7.000 Burkinimädchen pro Tag der Wasserverlust im Schwimmbecken so stark sei, dass die Versorgung in ganz Koblenz sich zu…“

„… der von der AfD-Fraktion geforderte Pickelcheck nur von erfahrenen Parteigenossen durchgeführt werden dürfe, denen die Erfordernisse der rassehygienischen Gefährdungsabwehr bereits im Anfangsstadium der Umvolkung sehr viel…“

„… das Protestbaden der Ordensfrauen des Ursulinenstifts Bubenheim nicht unterbunden habe. Die Schwimmbadleitung sei angesichts des sehr dominanten Auftretens der Mutter Oberin derart eingeschüchtert gewesen, dass sämtliche Badegäste den Nonnen im Ganzkörperanzug mit eindeutig religiös konnotierten Stoffapplikationen ihre…“

„… aus bademedizinischer Sicht der gemeine Fußpilz die Hauptinfektionsquelle darstelle. Dieser sei jedoch, anders als von AfD-Abgeordneten und ihren Erfüllungshelfern angegeben, nicht durch syrische Flüchtlinge nach Europa eingeschleppt worden, sondern schon immer in den…“

„… der Stadtrat sich einer Routineuntersuchung unterziehe. Das Auftreten von Kopfläusen bei beiden AfD-Abgeordneten sei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht durch einen islamistischen Anschlag oder den Kontakt mit rassefremden Elementen verursacht, wie die Fraktion in ihrer Pressemitteilung verlautbare, sondern durch mangelndes hygienisches…“





Kippenkosten

19 12 2018

„Das ist ganz einfach das Verursacherprinzip, verstehen Sie? Wenn einer Zigarettenstummel in den Park oder auf den Bahnsteig schmeißt, muss man das erst mühevoll einsammeln und entsorgen, und dann kostet das Geld, und das holen wir uns als Staat natürlich wieder von den Tabakkonzernen.

Sie bekommen das in den falschen Hals, wir sind ja gar nicht gegen Raucher. Doch, wir sind eigentlich gegen Raucher, aber nicht gegen die Tabakkonzerne, weil das ja Arbeitsplätze sind, die wir gefährden, aber irgendwo muss man mit der Ordnungspolitik doch ansetzen, oder? Sonst würden wir als Bundesregierung doch sagen, wir lassen die Raucher selbst die Kosten für die Entsorgung tragen, indem wir einfach die Tabaksteuer noch ein bisschen mehr als sonst anziehen, aber das wäre für uns kontraproduktiv. Die Raucher sollen natürlich auch weiterhin rauchen, das sichert Arbeitsplätze, und dann sollen sie es sich irgendwann wieder abgewöhnen, aber das führt jetzt zu weit.

Meine Güte, das weiß ich doch nicht, woher die Tabakkonzerne die Kohle nehmen. Irgendwie wird es schon einen Posten in der Bilanz geben, den man dafür ausschlachten kann, so genau kenne ich mich mit denen auch nicht aus. Wenn sich die Konzerne das bei den Rauchern wiederholen, dann ist das eine unschöne Entwicklung, die wir ja auch leider nicht beeinflussen können, und wenn man das mal rein betriebswirtschaftlich betrachtet, wenden die auch nur das Verursacherprinzip an. Denn schließlich und endlich sind die Raucher ja schuld an der Verschmutzung durch Zigarettenreste, also müssen wir den Aufwand auch irgendwie refinanzieren.

Sie können das nicht mit den Getränkedosen vergleichen. Die werden einerseits mit Dosenpfand belegt, deshalb werden sie kaum weggeworfen, und andererseits drucken die Hersteller auf die Dosen, dass man die nicht wegschmeißen soll. Die Dosen, nicht die Hersteller. Das heißt, wir bräuchten im Grunde eine Regelung, dass die Tabakkonzerne auf die Zigaretten aufdrucken, dass man sie nach dem Rauchen nicht wegschmeißen soll. Da sehe ich eine produkttechnische Herausforderung, wenn Sie wissen, was ich meine.

Auf den Verpackungen ist kein Platz mehr, das ist aussichtslos. Da steht schon drauf, dass man am besten gar nicht erst anfängt mit dem Rauchen, dann können wir nicht auch noch draufschreiben lassen, was man nach dem Rauchen macht. Ist ja auch irgendwie unlogisch, und wenn die das erst mal als Einfallstor für Klagen entdeckt haben, dann gute Nacht. Wir wollten das immer, die Konzerne wollten das auch, aber wir hatten ja nicht gedacht, dass das irgendwann mal so kommt.

Das Problem könnte bestimmt schon bald darin bestehen, dass sich die Tabakkonzerne in immer kleinere Betriebe zerlegen, und dann haben wir zum Schluss ein Unternehmen, das Zigaretten herstellt, eins, das sie verpackt, eins, das sie vertreibt, und wenn die dann auch noch nach Luxemburg ziehen, kommen wir nie an unsere Kippenkosten. Das ist die rechtliche Unsicherheit, wenn man zu viel Bonbonpapier auf den Gehwegen hat, und dann stellt sich heraus, die Bonbons werden außerhalb der EU von einem Bonbonverpackungskonzern in Bonbonpapier verpackt und wieder in die EU eingeführt, dann müssen Sie eigentlich den Bonbonverpackungskonzern, und wenn Sie in München aus der EU aussteigen, dann sind Sie ja quasi schon in Luxemburg, oder was war noch mal die Frage? Jedenfalls irgendwie so.

Wir kommen ja noch einigermaßen gut weg, jetzt stellen Sie sich mal vor, jeder Raucher trinkt zu jeder Zigarette auch noch einen Kaffee. Nein, nicht diese Becher, das haben wir aufgegeben – die Läden zahlen sowieso keine Steuern, da ist nichts zu holen. Ich meine den Kapselmüll. Wir könnten ganz anders gegen diese Umweltverschmutzung vorgehen, wenn die Verbraucher ihre Alukapseln auf die Straße werfen würden. Im Müll sind die so gut wie wirkungslos, da werden sie entsorgt, wir können nichts in der Öffentlichkeit ausschlachten, reines Verlustgeschäft. Politisch jedenfalls. Aber irgendwas in Richtung Umweltschutz müssen wir jetzt schon unternehmen, das mit dem Klima bringt ja auch gerade nicht so gute Publicity, da könnten wir 3,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen. Das klingt wenigstens schon mal sinnvoll.

Gut, bis dahin müssten wir natürlich noch ein paar andere Produkte in den Plan integrieren. Wattestäbchen, Strohhalme und Einweggeschirr. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie viele Wattestäbchen so an einem durchschnittlichen Strand liegen? Ich würde sagen, dann haben wir hier einen Plan. Da können wir uns in aller Ruhe um die Pappteller kümmern, und das Verbot von Mikroplastik bleibt dann für die nächste Regierung über. Sehen Sie, so geht nachhaltige Umweltpolitik, da denkt man nicht immer nur in Legislaturen, da hat man auch das Ganze im Blick. Ich sehe das schon vor mir, Grünflächen ohne Kippen, Straßen ohne Plastikbecher, und jetzt kommen Sie! Wieso Diesel? Was haben denn Diesel damit zu tun? Sagen Sie mal, wollen Sie mich falsch verstehen? Das ist doch eine ganz andere Baustelle, hier geht es um Umweltschutz, aber das hat doch nichts mit Industriepolitik zu tun, und überhaupt, was hat da die EU mitzureden? Danke, ich kann für Sie nichts mehr tun, das ist nicht meine Zuständigkeit, und ich bin jetzt auch beschäftigt, Termine, Sie verstehen. Ach, sagen Sie mal – die Bananenschale, wo wollten Sie denn mit der hin?“





Nürnberger Würstchen

18 12 2018

„… einen dringend Tatverdächtigen gefasst habe, der bereits wegen zahlreicher anderer Verbrechen vorbestraft sei. Die Polizei sei dem Mann, der drei Frauen lebensgefährlich verletzt habe, durch Hinweise der Verkehrsbetriebe und des…“

„… um einen Einzelfall handele. Der Deutsche, so der AfD-Landesverband Bayern, sei gegenüber Deutschen, insbesondere gegenüber Frauen, nie gewalttätig und zu keiner strafbaren Tat fähig, wenn dies nicht im Interesse der Reinerhaltung der Rasse, der Staatsnotwehr oder einer anderen, von Volk und Vaterland in…“

„… hätten sich mehrere zivilgesellschaftliche Institutionen bereit erklärt, einen Mahnspaziergang durch die Innenstadt zu organisieren und daran mit Redebeiträgen teilzunehmen. Im …“

„… als reine Schauveranstaltung bezeichnet habe. Bystron prangere an, dass das Leid der von den Attentaten ohnehin schwer getroffenen Bürgerinnen für propagandistische Zwecke des linksradikalen Mainstreams missbraucht werde. Er habe eine Klage gegen alle Versuche angestrengt, die Persönlichkeitsrechte der drei…“

„… sich nur ausschließen könne, wer in diesen weihnachtlichen Zeiten gegen Barmherzigkeit mit seinen Nächsten sei und Hass in die Welt tragen wolle. Das Erzbistum Bamberg lade die Alternative für Deutschland herzlich dazu ein, sich auf dem Marsch vom Albrecht-Dürer-Haus zum Hauptmarkt mit einem tatkräftigen Zeichen für mehr Solidarität in der…“

„… von einer beispiellosen Hetze gegen die deutsche Bevölkerung getrieben sei. Meuthen sei zutiefst empört, dass die Tat eines einzelnen, sehr wahrscheinlich durch eine schwere Kindheit in Ostdeutschland fehlgeleiteten Menschen auf unfassbar herzlose Weise instrumentalisiert werde, um abzulenken von täglich hunderten Straftaten, die von Nichtdeutschen in der…“

„… wolle man auf kontroverse Beiträge jedoch verzichten. So habe der Oberbürgermeister das Ansinnen des Ministerpräsidenten abschlägig beschieden, für eine neue Küchenmesserbesitzdatei die anlasslose Funkzellenüberwachung innerhalb des Freistaates und die Speicherung aller…“

„… sich mit der ganzen Härte des Gesetzes gegen die Durchführung dieses Festivals für angewandte Volksverhetzung wehren werde. Weidel werde nicht zulassen, dass Deutsche in diesem von der Merkeldiktatur zerstörten Land inzwischen wie Juden ausgegrenzt, steuerlich benachteiligt und…“

„… stattdessen der noch amtierende CSU-Chef für eine Obergrenze Null werben solle. Seehofer meine damit im Verlauf seines bereits eingereichten Redebeitrags ein Verbot von Attentaten in Bayern und letztlich auch in den anderen Zuwanderungsgebieten auf deutschem Boden, vertraue aber darauf, dass dies von der Presse erst nach dem…“

„… noch Integrationsschwierigkeiten gebe bei der Beteiligung von Frauenverbänden. Noch wolle sich die CSU nicht mit der Staatsministerin und Frauenbeauftragten absprechen, da diese nur die Landesregierung, nicht aber die Bürgerinteressen repräsentiere und deshalb keine…“

„… keine Gegenveranstaltung geplant sei, um der Nürnberger Öffentlichkeit keine Gelegenheit zu geben, die Alternative für Deutschland in die rechte Ecke zu drängen. Für Gauland sei sicher, dass diese Aktion von linken Kräften gesteuert sei und zur Ablenkung vor den Folgen des UN-Pakts zur Schleusung von hundert Millionen Flüchtlingen in die christlich-abendländischen…“

„… mehr Sensibilität im Umgang mit psychisch auffälligen Personen werbe. Bystron fordere mehr niederschwellige Beratungsangebote für Menschen aus der Mitte des Volkes, die sich ausgegrenzt fühlten, ohne dass es dazu objektiv einen Anlass gebe, da es ohne eine Krisenintervention oft zur langfristigen psychischen Destabilisierung und zur Radikalisierung von…“

„… sich auf den Veranstaltungstitel Lichtermarsch – Gemeinschaft statt Gewalt geeinigt habe. Die Landesregierung werde entgegen anderslautender Meldungen doch an der Abschlusskundgebung teilnehmen, wenn sie nicht in unmittelbarer Nachbarschaft mit einer irgendwie linken Person in den…“

„… sich der Einzelhandel auf ein nazifreies Event freue. Bisher habe man Großveranstaltungen mit rechtsradikaler Beteiligung in eher schlechter Erinnerung und könne daher jetzt umso…“

„… die Bezeichnung Lichtermarsch bereits ein deutliches Signal sei, dass die linke Diktatur jedes noch so kleine Symbol nutze, um die Bereitschaft zur Islamisierung zu demonstrieren. Weidel wisse aus absolut sicherer Quelle, dass dies in Wahrheit ein Treffen vieler Messermigranten sei, die sich zu einem gemeinsamen Schlachtplan für das kommende Blutjahr 2019 verabreden würden, um endlich den wahren Feind, die christliche deutsche Frau, mit einer Serie bestialischer Bluttaten in ihrem eigenen…“

„… man Söder zugesichert habe, sein Schlusswort unmittelbar nach Andrea Nahles zu halten. Der Ministerpräsident sehe darin alle seine Forderungen erfüllt und freue sich, für seine fränkische Heimat einen guten Beitrag zu…“

„… der Diözesanbischof endgültig auf die Beteiligung der AfD verzichte und seine Einladung rückgängig mache. Er sei nicht gewillt, die christliche Botschaft durch die Hassideologie des Rechtsextremismus zu…“

„… schwer verletzt worden sei. Bystron sei, als er auf die Beamtin in Zivil habe einstechen wollen, beim Schreien von ‚Allahu akbar‘ durch einen starken tschechischen Akzent aufgefallen und habe durch anschließenden Widerstand gegen mehrere Vollstreckungsbeamte erhebliche…“





Triller unterm Pony

17 12 2018

„Sie können die Hand aber noch bewegen? Na, dann ist ja halb so wild. Ich sage immer, Hand verstaucht ist kein Beinbruch, hahaha!

Ich bin Sachbearbeiter und kein Arzt, und deshalb kann ich vermutlich auch die bessere Kosten-Nutzen-Rechnung erstellen. Im Prinzip ändert sich da ja auch gar nichts im Vergleich zu vorher: Sie übernehmen die Kosten, wir haben den Nutzen. Also liefern wir als Krankenversicherung auch eine Mischkalkulation, die alle Interessen gleichermaßen befriedigt. Gut, nicht immer Ihre, aber versetzen Sie sich zum Beispiel mal in die Lage eines Aktionärs, oder in die Lage eines Ministers. Der Aktionär wird sehr genau auf die betriebswirtschaftliche und die juristische Leistung der Kassen achten, und dann wird er auch den Minister genau informieren, was er zu tun hat. Und da muss man praxisorientiert vorgehen, sonst orientiert sich bald der ganze Medizinbetrieb weg von den Praxen.

Starke Kopfschmerzen, sagen Sie? schon seit gestern? Sie rufen erst jetzt an? Ja gut, die Hotline ist manchmal schon sehr dicht, aber wenn Sie die Warteschleife mit Werbung nehmen, dann sind Sie im Schnitt bis zu zwölf Stunden schneller bei einem Mitarbeiter. Die andere Leitung gibt es nicht mehr? Da sehen Sie mal, was der Minister für eine betriebswirtschaftlich herausragende Arbeit macht. So ein Preis-Leistungs-Verhältnis zu einer Seite aufzulösen, also alles in Richtung Preis, das ist bestmögliche Politik. Hören Sie? Kopfschmerzen sind nicht tödlich, ich habe gerade noch mal nachgeschlagen, für den Fall der Fälle liegt hier immer noch ein altes Gesundheitslexikon. In den Siebzigern gab‘s ja auch schon Kopfschmerzen, da brauchen Sie für den heutigen Kostensatz keine Hexerei zu erwarten.

Schwierig wird es ja bei Hypochondern, also bei Krankheiten, die man nicht an den Symptomen nachweisen kann. Depressionen beispielsweise, oder wenn jemand eine schwere schizoide Störung hat. Triller unterm Pony. Erkennt man auch nicht sofort, und wenn Sie ein bisschen findig sind, werden Sie damit sogar Minister.

Nee, Krebs machen wir jetzt auch mit. Haben Sie schon Erfahrung damit? wir nämlich nicht. Für Hautkrebs hatten wir bis vor sechs Wochen eine Kollegin, die hat sonst die ganzen Solariumskunden betreut, aber Lunge sagt mir jetzt nichts. Nächste Woche haben wir einen Finanzexperten da, der hatte schon mal einen Hinterwandinfarkt, aber das wird Ihnen jetzt auch nicht groß weiterhelfen.

Wie gesagt, Depressionen. Bei der aktuellen Stimmungslage kann man ja nur noch schwermütig werden. Insofern ist da genug Vergleichspotenzial vorhanden und Sie können mit Ihrem Knacks auch zum Hausarzt. Wie gesagt, es spart alles Kosten, und die Zusatzbeiträge für die obere Mittelschicht, die sich noch nicht privat versichert hat, können auch gesenkt werden. Wenn Sie vorher noch ein paar Fachleute überzeugen müssen, dass wirklich ein medizinisches Problem vorliegt, dann stärkt das unter Umständen sogar Ihr Selbstbewusstsein, und dann kommen Sie als geheilt wieder raus. Also etwa wie bei einer Abtreibung.

Wissen Sie, wir hatten noch nie einen Patienten mit Impotenz. Wissen Sie woran das liegt? Das bilden die sich nämlich alle nur ein. Wenn sie echt davon betroffen wären, dann würden sie doch hier anrufen. Wir sind kostenlos, anonym, hier werden keine Gespräche aufgezeichnet, also warum sollte man hier nur anrufen, wenn man gerade Grippe hat? Wir hatten hier kürzlich den Fall von einer Frau, natürlich alleinerziehende Mutter, die klagte über Erschöpfungszustände. Damit geht man doch heute nicht mal mehr zum Allgemeinarzt, ich bitte Sie – der sagt Ihnen doch, beste Frau, wenn man nicht frieren will, dann duscht man eben nicht kalt. Wir sind ja als Instanz des Gesundheitswesens hier nicht nur eine zusätzliche Kostenstelle, wir stecken auch bis zum einem gewissen Maß den Rahmen ab, innerhalb dessen ein Gesundheitswesen überhaupt funktionieren kann. Wenn wir dann später mal eine gewisse Praxistauglichkeit eruiert haben, können wir sicher auch sagen, welcher von den Vorschlägen hier ernsthaft in Betracht kommt, aber bis dahin ist für uns dies Modell erstmal die Arbeitsgrundlage.

Sinnlose Aggressionen? Kann ich verstehen, das haben wir öfters. Haben Sie es schon mal mit Sport versucht? Ausländerhass? Hm, das hört sich nicht so gut an. Sicher sind Sie durch Ihre momentane Erwerbslosigkeit im – Sie haben Arbeit? Eigener Handwerksbetrieb? Was wollen Sie denn noch? Da kann Sie ja nicht mal der Chef absägen, sondern nur die Bank, hahaha!

Er ist bis jetzt noch nicht mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, da müssen wir sehr vorsichtig sein. Wegen der Folgekosten. Außerdem steht in der Zeitung sonst bestimmt wieder, dass manisch-depressive Verstimmungen in die geschlossene Abteilung gehören, auch außerhalb Bayerns. Das ist sicher kontraproduktiv.

Sind Sie noch dran? Also Sie würden jetzt gerne jemanden mit dem Schraubenschlüssel totschlagen, richtig? Schraubenschlüssel, habe ich notiert. Ja, totschlagen. Gut. Waren Sie schon mal bei uns? Dann müssten wir eine Akte haben. Erstanamnese? Warten Sie mal. Sie werden jetzt sofort jemanden um die Ecke bringen, wenn Ihr Antrag nicht bearbeitet wird? Ich könnte Ihnen, warten Sie, ich habe hier… Ach, wissen Sie was? Zimmer 1.44, das ist der Gang rechts und bei der Treppe nach oben. Da sitzt der Minister.“





In hominibus bonae voluntatis

16 12 2018

Ach, fast vergessen wunderlich, wie Frieden
auf dieser Erde, eiseskalt und kahl,
ein Wunsch bleibt, uns hinaus vom Jammertal
zu leiten, was verheißen ist hienieden.

Das Irdische, das aber uns beschieden,
bedroht uns, steht in Flammen erst der Pfahl,
weil wir im Überschwange von Moral
das Untertanensein zu gut gemieden.

So ist kein Friede mehr, ist Krieg auf Erden,
hat aller Herren Länder mit den Herden
und Horden, alle Welt bereits verdrossen,

dass jeden Gang, wohin die Dinge gehen,
kein Menschliches wird in der Zeit verstehen,
und hat sich selbst vor aller Welt verschlossen.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXXIII)

15 12 2018

Dass Jarosław Bücher in Breesen
besitzt, kann er auch keines lesen,
trifft ja nach Bericht zu.
Er deckt sein Gesicht zu
und liegt und kann wunderbar dösen.

Ignacio, der grub in Sagunt
gern Dinge aus, meist sind sie rund.
Für Archäologen
befremdlich, bezogen
sie sich für ihn: passt in den Mund.

Wioletta, die lässt sich Argenau
frisieren. „Man schneidet hier haargenau,
das dauert zwar Tage,
doch ist’s, keine Frage,
echt günstig: ich seh, wo ich spar, genau.“

Spricht Thom, Auftragsmörder in Lysekil:
„Dass ich rein beruflich nur Miese kill,
das liegt an der Kohle,
die ich mir so hole,
da ich ganz moralfrei nur diese will.“

Es pflegt Bolesław in Blindgallen
dem Modegeschmack zu gefallen.
Es lässt, will man meinen,
ihn unmerklich scheinen.
Man sieht dieses Zeug ja bei allen.

Éric in Bruyères-le-Châtel
sang gerne, jedoch laut und grell.
Man schätzte die Töne,
als eine Sirene
kaputt ging, recht gründlich und schnell.

Dass Krzysztof und Witold in Dampen
im Dunkel trotz strahlender Lampen
herumtappten, trügt es
den Schein? vielmehr liegt es
am Schatten von zwei großen Wampen.