Dreimal werden wir noch wach…

21 12 2018

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Kerzen funkeln, das liegt unter Umständen auch an der falschen Brille, denn auch ich werde älter. Wir, und damit meine ich in einem ganz und gar unmajestätischen Anflug von Plural mal uns alle, verbringen schon das zehnte Weihnachtsfest miteinander in diesem kleinen literarischen Salon.

Bums. Das saß. Zehn Jahre. Wäre ich ein vernünftiger Schnaps, ich würde so ganz langsam für die echten Kenner interessant. Als Wein hätte man zwischendurch schon mal reingeschmeckt, wahrscheinlich vor lauter Essiggeruch die Augen verdreht und mich als Geschenk für ausgewählte Feinde weiter im Staub der Gewölbe vor mich hin versauern lassen. Als Maler hätte sich der eine oder andere ein interessantes Gelegenheitswerk günstig eingelagert, um aufs Geratewohl zu sehen, ob der Knabe mit der Zeit nachlässt, irgendwann ganz groß wird, mit Getöse explodiert oder irgendwann schlicht verlischt vor dem Hintergrundrauschen. Allein ich kann mit allem nicht dienen, ich schreibe vor mich hin. Das macht die Sache nicht besser, aber einer muss es ja tun.

Alle haben wir uns verändert in diesen Jahren. Damals hatten wir noch eine Bundeskanzlerin, die in einer halbwegs glücklosen bis bewegungsarmen Koalition mit dem Rest der Sozialdemokraten, eine Insel mit eigenem Staat möchte unbedingt in die EU, warum auch immer, bei Luftangriffen in Afghanistan stellen sich die Angreifer versehentlich als Bundeswehr heraus, und ein Ministerbübchen mit von und zu war plötzlich auf und davon, weil es sich an seine eigenen Informationen nicht mehr erinnern konnte. Immerhin haben wir in Mehl und Reis entschädigt, es weckt wohl Begehrlichkeiten, wenn man zehn Sack Zement und zehn Streifen Wellblech liefert.

Alles ist beschwerlicher geworden in diesen Jahren. Man geht kaum noch auf die Straße oder schlägt im Anflug von Nostalgie eine Zeitung auf, ohne in braunen Dreck zu treten. Auf gewisse Art sichert das dem Satiriker natürlich sein Auskommen und versorgt ihn täglich mit frischen Ideen, denn über so viel Dummheit nichts zu äußern ist eine Kunst, die sich nicht beherrschen lässt. Ich gebe mehr und mehr nur noch dem Druck nach, und wenn es den Finger am Abzug trifft, dann ist es halt nicht zu ändern, wenn sich etwas im Weg befindet. Es wird freilich manchmal ein bisschen fade, immer ins Schwarze zu treffen, aber vielleicht liest es der eine oder die andere ja auch zum ersten Mal, so hat alles wieder einen Sinn. Und das ist ja schon etwas.

Die meisten lassen mich auch in diesem Jahr in Ruhe, ich werde dem jahresendlichen Ritual des Buchhaltens ganz ungestört nachkommen und die vielen unausgearbeiteten Schnipsel aus der Tiefe der Schreibtischschublade in den Kristallascher legen, ein Streichholz entzünden und bei weit geöffnetem Fenster dem Autodafé zusehen, wie die unausgesprochenen Gedanken ohne Wiederkehr in Rauch aufgehen, frei nach dem Bonmot, dass sich die Qualität eines Künstlers stets an dem bemesse, was er verwerfe. Ich bin da großzügig.

Hildegard, der geneigte Leser und die interessierte Betrachterin werden sie vielleicht von früher noch kennen, hat sich vollkommen von mir entfernt, sie hat mich nur noch sporadisch zu Verlöbnissen eingeladen, die dann allesamt nicht mehr stattfanden. Ein paar Ansichtskarten aus dem sonnigen Süden lang schmeichelte sie mir, bevor sie mir mitteilte, sie bliebe nun ganz und gar in ihrem humanistischen Gymnasium, man habe ihr nämlich die Leitung dieser Anstalt angetragen. Sollte sich das ereignen, ich werde aus brennender Sorge um den Nachwuchs schnellstens publik machen, um welche Schule es sich handelt. Wenigstens hat sie mehrere Bände der Literaturgeschichte, die sie sich aus meinem Arbeitszimmer dauerentliehen hatte, bei sich aufgestellt; wenigstens sind die Originale nicht mehr da und durch eine Dünndruckausgabe ersetzt. Habent sua fata libelli.

Anne ist inzwischen derart in ihrer Rolle als Anwältin mit eigener Kanzlei aufgegangen, dass sie mit einiger Brummigkeit die Klischees ihres Berufs an sich selbst zur Kenntnis nimmt. Noch immer ist ihr Staatsanwalt Husenkirchen gewogen und versorgt sie mit Mandanten, vornehmlich passiert dieses jedoch durch den exzellenten Ruf, der ihr vorauseilt, nein: radelt, muss man sagen. Ein Fall hatte im vergangenen Jahr enorme Aufmerksamkeit erregt, ich hatte vermutlich nur vergessen, davon zu berichten, denn dies war für Tage und Wochen der einzige Gesprächsstoff, wenigstens für interessierte Kreise. Wie jeden Morgen wanderte der H., seines Zeichens pensionierter Oberzolldirektorenassistent – wir müssen den Fall aus gewissen Gründen ein bisschen anonymisieren – mit seiner Brötchentüte den gelb geziegelten Weg quer durch das Stückchen Gehölz an der Ecke Rückertstraße zur Platanenallee und versah sich keines Angriffs, als er plötzlich von einem Radfahrer touchiert das Gleichgewicht verlor und stürzte. Dabei zog er sich eine Verletzung am Unterarm zu, seine Brille ging zu Bruch und sein beiges Jackett wurde erheblich verschmutzt. Der Fahrer hielt an, nicht jedoch, um Hilfe zu leisten, er schimpfte den H. noch und griff ihn an, was er denn auf einem Radweg zu spazieren habe. Genau wurde die Sache nicht erforscht, das Gericht musste in Erwägung ziehen, dass sich der junge Mann aus Versehen mehrmals gegen die Knie getreten habe, es gab nämlich keine andere Erklärung und Zeugen schon gleich gar nicht. Wie nun der Staatsanwalt, ein jugendlicher Heißsporn und voller Überzeugung in die eigenen Fähigkeiten, den H. anraunzte, er sei an dem Unfall selbst schuld und brauche offenbar mehr als eine Sehhilfe, um auf dem rechten Weg zu bleiben, zog Anne die Schlinge zu. Ja, er leugne keinesfalls, dem durchaus schmalen Pfad gefolgt zu sein, denn er habe dies gedurft, vor- wie nachher: im Gegensatz zur dürftig recherchierten Ansicht des Anklägers, der dies für einen Radweg gehalten hatte, handelte es sich bis einen Tag vor dem Unfall um einen kombinierten Rad- und Fußweg – es war das gute Recht des H., hier mit den Brötchen heimwärts zu schlendern – und just ab dem Morgen, an dem nämlich bereits das korrekte Verkehrsschild an beiden Seiten des Weges aufgestellt worden war, war dies auf Entschluss der zuständigen Behörde nur noch ein Fußweg. Weder den Polizisten, die den Fall aufgenommen hatten, noch dem Staatsanwalt war dieser Umstand je ins Bewusstsein gedrungen, vom Gericht einmal ganz abgesehen. Mit schwerem Sarkasmus las Anne den versammelten Delinquenten in Robe und Uniform den Rapport des Fachbereichs Straßenbau unserer hochweisen Stadtverwaltung vor, mit dem Ergebnis, dass der H. einen Freispruch erster Klasse erhielt.

Während also die Kanzlei sich inzwischen eines untadeligen Rufs erfreut, haben sich auf durchaus verschlungenen Pfaden hier zwei Seelen gefunden, wie sie unterschiedlicher wohl nicht sein könnten. Vor Jahresfrist noch war Minnichkeit, der mit seiner Steuererklärung Schwierigkeiten gehabt hatte, von Luzie aus dem Büro geworfen worden. Die Sache ging mit einer überraschend geringen Zahlung über die Bühne, und also stand der nicht ganz so begabte Aktenverwalter eines Tages gescheitelt und mit einem Blumenstrauß im Anschlag wieder unter der Tür. Luzie, die kleine lockige Dame am Tresen, hatte bedauert, die Chefin wäre gerade bei Gericht und das Warten würde sich nicht lohnen, doch da hatte er sich ein Herz gefasst: schwer schluckend überreichte er der Bürovorsteherin das Bukett und lud sie nach Dienstschluss in die Konditorei ein. Luzie sagte zu, und binnen eines halben Jahres ist es inzwischen so weit gediehen, dass die beiden regelmäßig die Oper besuchen – für Luzie Freese ein Traum, denn vor Minnichkeit hat tatsächlich noch niemand sich für sie und Verdi in einen Anzug geworfen. Er wird sie demnächst mit einer Reise überraschen, Maxim, der Travel-Experte, you know, hat da was klargemacht, Verona, Fünf-Sterne-Suite mit Teilnahme an allen drei Hauptproben für den Maskenball. Es gibt noch Schönes auf dieser Welt.

Was übrigens auch für Sofia Asgatowna gilt, die sich ja seinerzeit von der Raumpflegerin zur Dekorationsspezialistin gemausert hat – laut Luzie hat sie früher unpassende Materie entfernt, jetzt bringt sie sie sogar mit – und nun mit Hilfe eines Kleinkredits eine kleine Firma ihr Eigen nennt. Sie berät nun große Unternehmen, wie man Büros und öffentliche Bereiche mit ein paar Kleinigkeiten wohnlich macht, und das ganz ohne Katalogware, die noch jedem Eiscafé die Heimeligkeit einer Zahnarztpraxis verleiht. Sie hat durchaus Talent, durch ihre unverbrüchlichen Kontakte zu einigen der bekannten Häusern ergibt sich auch immer mal wieder die Gelegenheit, Familienfeiern zu gestalten. Jüngst hatte sie einen Auftrag, den sie so schnell nicht vergessen wird, und das lag sicher auch daran, dass der Auftraggeber ich selbst war.

Sie hat ihren Hundertsten erreicht, ist dank ihrer störrischen Art geistig bewundernswert zuwege und hat noch immer ein lückenloses Gedächtnis, mit dem sie seitenlange Abhandlungen über Homer zu zitieren weiß oder gleich die komplette Odyssee. Tante Elsbeth leistet sich den Luxus, schwer zu hören – sie schiebt es inzwischen auf das Gerät, das sie einfach ausschaltet, wenn sie keine Lust mehr hat, sich mit den verknöcherten Alten beim Tanztee zu unterhalten, und wenn sie ein bisschen lauter wird, dann nur, weil sie es kann. Angesichts der Festgesellschaft war sie von einer geradezu jovialen Heiterkeit (was man bei einer Altphilologin, auf die Griechen abonniert und durchaus nicht männlich aber nicht so nennen dürfte, sie ist da sehr genau, wie man es von einer Schulleiterin erwarten kann) und wusste unser Überraschungsgeschenk sehr zu schätzen: Schubert, vierhändig. Maja hat bestimmt ein halbes Jahr lang heimlich geübt, um hinterher sagen zu können, sie habe zum Üben gar keine Zeit gehabt, ansonsten aber wollte Tante Elsbeth alles gleich noch mal hören. Es war ein großartiges Fest.

Später aber, da sie sich auf den Flügel stützte und Kester ihr den Sessel näher schob, bemerkte sie im Saal, dass jemand eine Zeitung dort hatte liegen lassen, vielmehr: das Zeug war schon bedruckt und wies sich als Fachblättchen für soziale Exklusion aus, weinerliches Gefasel von der verfolgenden Unschuld, die für den unteren Dreckrand dieser Gesellschaft täglich neu mit Lügen und Vorurteilen beschmiert wird, damit etwas hängen bleibt bei den Dümmsten. Die Tante nahm das Ding, besah es mit zunehmendem Ekel und warf es dann angewidert unter das Instrument. „Diese Scheiße“, knarrte sie mit ihrer rauen Stimme, „kommt denn das alles wieder? Einmal im Leben reicht doch wohl!“

Doktor Klengel hat seine eigene Ausstellung bekommen. Saß er an Tante Elsbeths Ehrentag noch ganz bescheiden in der Gesellschaft, so stand er schon eine Woche später schräg gegenüber in der Galerie von Hüthenraath und Wippermann den Kunstfreunden Rede und Antwort. An die hundert Aquarelle, Seestücke, Landschaften und die Perlen unserer regionalen Baukunst, hingen an den Wänden, eine Kunstkritikerin hatte sich eigens aus der Hauptstadt bemüht und beschloss nach einigen Nachfragen, was das denn alles sei und warum man heutzutage noch so gegenständlich malen müsse, die Bilder sehr hübsch zu finden. Der Allgemeinarzt verkaufte sogar eine dreiteilige Serie mit Ansichten der alten Blüchereiche aus dem Schlossforst an eine Steuerberaterin. Erwähnenswert ist, dass er zugleich den Auftrag erhielt, das Anwesen des Grafen von Rummelsdorf in allen erdenklichen Perspektiven abzubilden. Er wird sich im Frühjahr für ein paar Wochen dort einquartieren, Skizzen anfertigen und eine größere Anzahl an Aquarellen hinterlassen, die dann im Gesindesaal des Herrenhauses – eigentlich ein recht schmuckloser Raum im Souterrain, gleich neben der ehemaligen Küche gelegen, inzwischen aber durch einen lichtgrauen Anstrich und dezente Beleuchtung eine ganz ansehnliche Location – eine weitere Ausstellung bekommen sollen. Sage noch einer, die schönen Künste bekämen nicht genügend Aufmerksamkeit.

Mir fehlt die auch, ich fürchte, das Gespräch mit Kester war für uns beide kein Vergnügen. Er ist bei der Schleifenquantengravitation angelangt, das ist ja bekanntlich diese Raum-Zeit-Sache, bei der der Raum nur noch Zeit ist, oder irgendwie so – ich war nie gut in Chemie, aber ich habe wahrscheinlich auch noch an den falschen Stellen mit dem Kopf genickt, oder irgendwer muss mich verraten haben. Tröstlich, dass sein Doktorvater ihm nicht mehr folgen kann, was die Leserschaft für seine fast fertige Habilitationsschrift halbiert. So ähnlich ging es mir seinerzeit mit einer Seminararbeit über das Ding an sich. Und ich hatte auch nicht vor, berühmt zu werden.

Die Waschmaschine funktioniert auch wieder, und alles wird gut. Es ist bzw. war Sigunes Gerät, die Drehtrommel aus dem spirituell wirtschaftenden Haushalt unter mir. Ich tippe auf falsch angerührtes Informationswasser, womöglich auch nicht in der korrekten Richtung und bei Neumond gerührt, und die Heilsteine auf dem Bottichboden waren sicher nicht an den Erdstrahlen ausgerichtet. Vor Jahren schon hatte es eine kräftige Rauchentwicklung in der Küche unserer Lichtnahrungsjüngerin gegeben, die sich nicht auf Sandelholz und Sonnenkraft hatte zurückführen lassen, es war eine nicht ausreichend erleuchtete Sicherung über die Regenbogenbrücke gegangen und hatte einen rituellen Schwelbrand in der Wohnung zurückgelassen. Das Mauerwerk war innerhalb weniger Wochen getrocknet, nur ihre Globuli in der Klangschale auf dem Küchenaltar hatte es zu stark potenziert. Die Antwort hat sich mir noch nicht erschlossen, ich bedarf noch einiger Jahre Meditation.

Ansonsten neige ich zu anderen Flüssigkeiten, und wer dieses kleine Universum kennt, wird auch hier richtig vermuten, es stecken die beiden Brüder dahinter. Nachdem Hansi im Sommer eine Wette gewonnen hatte, etwas mit viel Wasser, einem Fass und einem verdammt kalten See in Dänemark, bekam er nun pünktlich seinen Preis geliefert: eine zwölf Meter hohe Nordmann-Tanne im monströsen Holzgefäß, per Tieflader aus Nørresundby in den Hof des Landgasthofs gebracht, prächtig von den skandinavischen Feriengastgebern geschmückt und illuminiert, eine reine Augenweide. Bruno, der ältere der beiden, den man schon aus Respekt den Fürsten Bückler nennt, wie er mit zitternden Schnurrbartspitzen in der Küche steht und gewaltige Gänsekeulen in Aspik einlegt, Schwarzsauer kocht und Aalsuppe, macht auch in diesem Jahr Hoffnung, dass den Tiefen des Kellers ein 1995-er Wupperburger Brüllaffe und natürlich das 1993-er Gurbesheimer Knarrtreppchen entsteigen. Petermann hat sich vom Entremetier inzwischen fast zum Chef gemausert, erledigt den Einkauf und springt, mit leisem Bedauern, für den Kopf des Hauses ein. Immerhin, unseren Weihnachtstag werden wir in seinem Haus verbringen. Ein paar Konstanten muss es geben, und da sich hier selten und seltener Gäste an den Tisch der beiden Bücklers verirrt, werden es auch keine unangenehmen Stunden sein.

Neu ist, dass ein Gast uns dieses Jahr begleitet, der alte Herr geht neuerdings am Stock, es ist nur eine kleine Angelegenheit mit der Hüfte, aber das war Grund genug, diesmal nicht wie sonst immer am zweiten Festtag auszugehen. Herr Breschke samt Gattin werden an unserer Tafel sitzen, mit etwas Glück auch Hildegard, was keiner von uns für möglich gehalten hätte, am wenigsten sie selbst, aber wir wollen den Ereignissen nicht vorgreifen.

Der pensionierte Finanzbeamte war auf der Kellertreppe gestolpert und gegen den Handlauf geprallt, als er dem Dackel ausweichen wollte, der vermeintlich mit der Leine zwischen seinen Beinen lief. Dabei hatte sich Bismarck, selbst ein älteres Semester und zu den ruhigen Dingen hingezogen wie Gabelsteins Gartenzwergen oder den Tulpen auf der gegenüberliegenden Zaunseite, in sanfter Ruhe auf dem Fernsehsessel zusammengerollt, als ein jäher Schmerzenslaut aus dem Flur erscholl. Frau Breschke hatte ihn sogleich in die Klinik gefahren, wo man ihn für grundsätzlich überlebend einstufte und ihm einen Tag Bettruhe mit einem Schmerzmedikament verordnete. Seitdem neigt Horst Breschke ein bisschen zum Humpeln, der Hausdackel zu einer leicht ironischen Distanz, als würde er sich nicht mehr in die Nähe von seines Herrn und Meisters Füßen trauen, und nur auf dem Fernsehsessel ist noch traute Eintracht, wenngleich abwechselnd. Es kann ja nur einer während der Sportschau darauf einschlafen.

Womit wir, schließlich und endlich, beim Fernsehen wären. Siebels, die die graue Eminenz der deutschen TV-Unterhaltung, hat diesmal den Vogel abgeschossen. Die Kombination aus Arzt- und Urlaubs- und Romantikkitschserie in einem Arbeitsgang ist für ihn ja nichts Neues mehr, aber dass er für Die Heldenretter im Palmenparadies auch noch Action und Krimi in die krude Mixtur pfropft, fünf neue Darsteller quasi zum Nulltarif anheuert – wer bekannt werden will, muss seine Visage eben für jeden Mist in die Kamera halten, und sei es als Schwester Sabrina, Doktor Kevin Klöbenschmied oder was die geistig dünn angerührten Drehbücher dieser Produktionen halt hergeben – und dann den Kram auch noch in sein bereits vorab ausgesuchtes Urlaubsziel lotst, das nötigt selbst mir einen gewissen Respekt ab. Irgendwann bringe ich es übers Herz und verrate ihm, dass ich noch nie einen seiner Gerümpeloiden im Vorabendprogramm gesehen habe, nicht einmal die Kardiologen der Karibik mit Jens Dröllerbeck, heute ein begnadeter Schauspieler auf allen Kanälen, nur dass keiner mehr weiß, dass er eigentlich Jens Dröllerbeck heißt.

Nur einer kam wieder unangemeldet, blieb nichts schuldig und hat auch nicht viel gesagt. Er hakte noch einmal die Stapel mit den Beschwerden über seine Beiträge ab, knurrte anerkennende Worte über die pünktliche Erscheinungsweise der Texte, kam dann langsam in Fahrt und hämmerte dann wie besessen mit den Fäusten auf dem Schreibtisch, dass er diese und jene Figur nicht legal mit dem Gesichtsschädel schwungvoll in eine Tischecke dreschen dürfe. Gernulf Olzheimer ging davon aus, dass sein Vertrag noch einmal weiterläuft, und ich habe nichts daran gerührt. Bisweilen wird er laut, manchmal schießt er wohl übers Ziel hinaus, aber was täte ich ohne ihn? Dieser schmale, blau rasierte Mann, dem der Zorn ins Gesicht geschrieben steht, wird keinen Stein auf dem anderen lassen, wie auch immer. Er hat noch viel zu tun.

Aber das sehen wir nicht heute. Wird es weiter in eine Richtung gehen? Ja, und wir wissen nicht, in welche. Zunächst einmal werde ich die Türen hinter mir verschließen, die Arbeiten dieses Jahres ins Archiv überführen, ein paar Statistiken auswerten, hier und da analysieren, was wann geschehen und warum so passiert ist, schließlich aber werde ich auch dieses Jahr ruhen lassen und mir mit neuen Inspirationen neue Kapitel erschließen – schon in den ersten Tagen werden wir eben merken, dass man Zukunft nicht beschreiben kann. Es wird alles anders sein. Wie in den letzten Jahren nehme ich einige Tage Weihnachtspause, und am Donnerstag, den 3. Januar 2019, geht es dann weiter. Wie bisher.

Allen Leserinnen und Lesern, die dies Blog fast oder fast ganz immer und regelmäßiger als unregelmäßig oder doch nur manchmal oder aus Versehen gelesen, kommentiert oder weiterempfohlen haben, danke ich für ihre Treue und Aufmerksamkeit und wünsche, je nach Gusto, ein fröhliches, turbulentes, besinnliches, heiteres, genüssliches, entspanntes, friedvolles und ansonsten schönes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und ein gesundes, glückliches Neues Jahr.

Beste Grüße und Aufwiederlesen

bee

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6 responses

21 12 2018
Lo

Donnerwetter, so viele interessante Persönlichkeiten hat ja nicht einmal die BUNTE in einer Ausgabe versammelt! 😉
Der Donnerstag Ihrer Wiederkunft liegt doch sicher in 2019?
Eine erholsame Weihnachtspause!👋👋
Ihr Lo von Kohlenspott

21 12 2018
bee

Danke für die Korrektur, ich habe es gleich geändert.

Das zeigt noch einmal, welchen Sack Flöhe ich neben der ganzen Schriftstellerei noch zu hüten habe 😉

22 12 2018
HEPHAISTOS HO´SIDERAS

stets im hohen Maße beesgefertigtelesesucht fördernd, fast sogar nochbistiger als Arnulf – ich kann den Auswurf nächstes jahr kaum abwarten … herzlichen Dank. Hephaists

24 12 2018
bee

Merci, und ich fürchte, die Themen werden uns nicht so schnell ausgehen

30 12 2018
lamiacucina

endlich konnte ich mir wieder einmal etwas Zeit freischaufeln, um hier mitzulesen. Nun ist mir klar geworden, was ich die vergangenen Monate so vermisst habe. Ich freue mich auf das neue Jahr!

30 12 2018
bee

Wie schön, dass es noch Besucher gibt, die mir durch die zunehmenden Untiefen des Weltbetriebes folgen. Da kann ich ja kaum anders, als wieder die Nase in den Wind zu hängen

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