Praxiswerkstatt

31 01 2019

Von außen war es ein ganz normales Bürogebäude. Der Fahrstuhl sah neu aus, die Böden in den Fluren waren mit graublauem Nadelfilz belegt, an den Wänden hingen die typischen Motivationsbilder mit Kalendersprüchen, die drittklassige Psychologen gerade noch für erträglich hielten. Ich klingelte an der Tür mit dem Schildchen Praxis für Theorien und wartete.

„Wissen Sie eigentlich“, schwafelte die Dame am Empfang, „dass die Merkel das Obst im Winter so teuer macht, damit es sich nur die Flüchtlinge leisten können?“ Sie blätterte aufgeregt in ihrem Tischkalender. „Sie haben ja gar keinen Termin“, moserte sie und blickte mich über den Rand ihrer Brille an. „Den habe ich selbst abgemacht“, ließ sich hinter mir die sonore Stimme von Doktor Schüller vernehmen. „Danke, Frau Bartholdy. Sie können schon mal die Bohnerwachs-Akte ziehen.“ Einen kleinen Augenblick später saßen wir in einem geräumigen Zimmer, umgeben von Schrankwänden und Wandschränken. Mehrere Telefone standen auf dem Arbeitstisch, den eine uralte Schreibmaschine krönte. „Man wird ja durch die Wasserleitungen abgehört“, erläuterte er, „und wenn die elektrischen Signale mit dem Magnetfeld der Erde kollidieren, kann man sie auf der anderen Halbkugel messen.“ Ich nickte. „Sie verzichten also auf Computer?“ Er lächelte. „Nur auf elektrische Schreibmaschinen.“

Ein großes Geflecht aus Linien erstreckte sich über die Wandtafel, die vor dem hinteren Fenster stand. „Das mit dem Obst…“ Schüller winkte ab. „Das hat sie vollkommen falsch verstanden, sie bringt nämlich manchmal etwas durcheinander. Das hat mit Merkel nichts zu tun.“ „Und der Rest?“ Er zeigte auf die Linien zwischen Agrarindustrie, CIA und Vatikan. „Sehen Sie selbst, das lässt sich nicht von der Hand weisen.“ In der Tat bot dieses wirre Netz aus verantwortlichen Instanzen und Mächten für so gut wie jede Verschwörungstheorie ein gutes Fundament: alles hing mit allem zusammen, und wenn nicht direkt, so konnte man über wenige Verbindungen von der Wall Street über die Ölmultis zum venezolanischen Tischlerhandwerk kommen, das ja bekanntlich von Israel finanziert wird. „Wir haben dieses Modell über Generationen entwickelt und verbessern es noch – einige mehrdimensionale Verflechtungen können Sie auf diesem Entwurf freilich nicht sehen – und können Ihnen für jedes beliebige Anliegen sofort eine Lösung liefern.“

„Ich hatte mir das irgendwie ganz anders vorgestellt“, bekannte ich; einen leichten Eindruck von schwerer Unzufriedenheit konnte ich dabei nicht verbergen. „Ach ja“, schmunzelte Schüller, „die meisten empfinden unsere Vorgehensweise als ein bisschen nüchtern, ja geschäftsmäßig. Aber ich kann Sie trösten, wir stehen zu unserer Sache und haben noch nie einen Kunden enttäuscht.“ „Wohl eher getäuscht“, gab ich zurück. Er zog ein wenig die Brauen hoch und legte die Stirn in Falten. „Wir liefern den Auftraggebern nur, was sie bestellen, und wir lassen keinen Wunsch offen.“ „Das ist es nicht“, antwortete ich. „Sie basteln hier aus allerlei Verquickungen und Verstrickungen Erklärungen für die Welt, und man hat doch in der Öffentlichkeit immer den Eindruck, dass solche Denkmuster sich langsam in der Bevölkerung entwickeln.“ Er lachte laut. „Volkserzählungen“, gluckste er, „Mythen und Geraune und Geheimnis – Unfug, Unfug! Das entsteht doch nicht alles von selbst. Denken Sie an Volkslieder, die werden von Dichtern gedichtet und von Komponisten komponiert – es kennt sie nur keiner mehr, ihre Namen verschwinden im Dunkel der Geschichte.“

Vor den Büchern standen Fotografien honoriger Herren in dunklen Anzügen. „Seit Generationen sind wir in diesem Gewerbe tätig“, bedeutete er mir und wies über seine Schulter. „Mein Großvater, er hatte gerade den Betrieb gegründet, da erfand er die Geschichte von der Reichsflugscheibe, ein großer Erfolg bis heute – viele unserer Stammkunden sind noch aus dieser Zeit. Und hier mein Vater und mein Onkel Alfred, die haben beide zusammen die Sage von der amerikanischen Mondlandung ersonnen. Ist ein Renner, von der Dividende können wir heute noch die Miete und die Gehälter bezahlen.“

Die Pläne für die kommenden Jahre sahen aus, als hätte ein Rüstungskonzern Kriegsgründe bestellt und die überstaatlichen Mächte beschuldigt. „Nicht ganz“, korrigierte Schüller. „Wir können Ihnen nicht alles verraten, nur so viel: diesmal war es nicht der militärisch-industrielle Komplex. Wir haben es mit einer Verdeckungsabsicht zu tun, die den Einsatz von Chemtrails und Beimischungen im Trinkwasser betreffen, von denen nur das völkisch gesinnte Personal der BRD GmbH an Krebs erkrankt.“ „Dann müsste ja jeder siebte bereits tot sein“, mutmaßte ich. Er schüttelte den Kopf. „Diese spezielle Art von Krebs kann von Ärzten nicht diagnostiziert werden, weil sie längst islamisiert sind und einen Kontrakt mit der Pharmaindustrie abgeschlossen haben, um in den nächsten Jahren die Deutschen durch Impfungen zu sterilisieren.“

Ich hatte genug gesehen; eine Preisliste, die mir Doktor Schüller bei der Verabschiedung in die Hand drücken wollte, ließ ich unauffällig hinter den Sessel gleiten. Das Telefon surrte leise, und Frau Bartholdy blickte mich strafend über den Rand ihrer Brille hinweg an, als ich nach meinem Mantel am Garderobenständer griff. Ich beugte mich über ihren Schreibtisch. „Schräg gegenüber gibt’s gerade preiswerte Äpfel“, flüsterte ich. „Die kriegen Sie aber nur, wenn Sie Ihren Reichsausweis vorzeigen.“ Ich ging, sie aber blieb stumm. Verständlich, wer soll so einen Blödsinn auch glauben.

Advertisements




Ostschutzmittel

30 01 2019

„Und diese Strategie ist schon ausgereift?“ „Das, was davon existiert, ist tatsächlich schon sehr, sehr gut.“ „Muss ich auch sagen.“ „Jawoll.“ „Und was existiert davon?“ „Also bisher – wissen Sie da nicht schon irgendwas?“

„Das soll jetzt ja nicht irgendein Schnellschuss werden, wir setzen da schon auf Nachhaltigkeit.“ „Wegen der strategischen Wirkung und so.“ „Aha, und was verstehen Sie so unter Nachhaltigkeit?“ „Dass das länger nachhält.“ „Also vorhält.“ „Also wenigstens bis zu den Landtagswahlen.“ „Das klingt ja mal wieder höchst professionell.“ „Ja, nicht wahr?“ „Und die CDU macht das auch mit?“ „Wenn wir die sozialdemokratischen Mehrheiten in Ostdeutschland zurückgeholt haben, dann kann uns doch die CDU egal sein.“ „Jawoll.“

„Die Infrastruktur könnte man zum Beispiel schon mal vergessen.“ „Sie meinen ‚verbessern‘.“ „Da habe ich mich wohl verlesen.“ „Vergessen können Sie die jetzt schon, da muss sich gar nicht viel ändern.“ „Deshalb ja auch.“ „Und erst mal ist es natürlich gut, dass wir da auf einem Parteitag einen Beschluss fassen…“ „Wann findet der statt, kurz nach 2020?“ „… was wir als Infrastruktur und als verbesserungswürdig sehen.“ „Die Autobahnen sind ja teilweise schon ganz gut.“ „Dann sollten wir da auch kein Tempolimit mehr andenken.“ „Macht sowieso nur Unruhe.“ „Und dass sich die Leute gar kein Auto leisten können?“ „Da sehen Sie es, die ganzen Asylanten kriegen Unterkünfte und noch Taschengeld, und die Arbeiter müssen für ihre Sozialleistungen anstehen!“ „Sind Sie sich ganz sicher, dass Sie in der richtigen Partei sind?“ „Sie können mich ja rauswerfen lassen, im Osten dauert das doppelt so lange!“ „Jetzt lassen Sie ihn doch mal, er ist seit der Wiedervereinigung ein bisschen enttäuscht, dass das mit dem Sozialismus nicht so recht geklappt hat.“ „Deshalb probiert man es hier jetzt ja auch eher mit Nationalsozialismus.“ „Die Leute können sich schlicht keine Autos leisten, Kollegen.“ „Und deshalb sollen wir jetzt die Tram über die Autobahn fahren lassen?“ „Sie sind lustig, das lernt man also in Berlin?“ „Wir wäre es denn dann mal mit öffentlichen Verkehrsmitteln?“ „Das rentiert sich nicht.“ „Eben, die Fabriken sind so weit außerhalb, da bauen wir doch jetzt keine Autobahnen mehr hin.“ „Obwohl, wenn der Höcke das versprechen würde…“

„Außerdem müsste man mal das Netz in den Osten bringen.“ „Damit die Jugendlichen nur noch aufs Handy starren?“ „Genau dafür bringen die Einwanderer doch ihre Smartphones mit, wollen Sie, dass die Sachsen und Thüringen auch noch islamisieren!?“ „Vielleicht würde das ja ein paar Fachkräfte anlocken, die die Pflegesituation in den Bundesländern entspannen.“ „Hätte, könnte, wäre!“ „Dann hätten wir auch mehr Geld für die Renten.“ „Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun.“ „Das denken Sie, aber die Bevölkerung im Osten ist halt durch Niedriglöhne und die Teilzeitfalle in eine schlechte Ausgangsposition geraten, was die Altersvorsorge angeht.“ „Dabei ging es uns noch nie so gut seit der Wiedervereinigung.“ „Schon mal überlegt, dass das eine mit dem anderen zu tun haben könnte?“

„Und über künstliche Intelligenz redet natürlich wieder mal keiner.“ „Was wollen Sie denn im Osten mit künstlicher Intelligenz?“ „Wenn Sie sich die letzten Wahlen anschauen, dann sehen Sie, mit der natürlichen kommt man hier nicht weit.“ „Das ist der Wandel durch Innovation.“ „Und wer wird da eingesetzt?“ „Ich dachte, das könnten wir mit der Einwanderung aus dem Westen irgendwie steuern?“ „Woher nehmen Sie denn da die Fachkräfte?“ „Die im Osten haben nicht genug Ausbildungsplätze, also könnte man die …“ „Das mit dem Vergessen war doch keine schlechte Idee.“ „Diese künstliche Intelligenz könnte man ja auch in der bürgernahen Verwaltung einsetzen.“ „Und zur Kinderbetreuung, oder was meinen Sie?“ „Ich weiß ja nicht. Roboter in der Krippe?“ „In der DDR war’s auch nicht anders.“ „Für das Geld kriegen Sie jedenfalls keine Erzieherin.“ „Und die macht auch noch Urlaub und wird krank.“ „Oder schwanger.“ „Sag ich doch.“ „Dann können die Frauen sich wieder ganz auf ihre Karriere konzentrieren.“ „Sehen Sie, Kollege, so geht nämlich Frauenförderung.“ „Jawoll!“

„Wenn wir erst mal die Kindergrundssicherung im Osten ausprobiert haben, dann können wir ja die Bahnpreise erhöhen.“ „Wie passt das denn bitte zusammen?“ „Mehr Geld für den Konsum, dann kann man auch die Preise anpassen.“ „Und je mehr Umsatz, desto mehr Gewinn.“ „Und Arbeitsplätze.“ „Arbeitsplätze!“ „Jawoll!“ „Die sind das optimale Ostschutzmittel.“ „Also bald boomt es hier, davon kann sich der Westen eine Scheibe abschneiden.“ „Irre!“ „Außerdem wird ja die Infrastruktur für die Kinder sowieso kostenlos.“ „Dann bezahlen nur die Eltern?“ „Die haben dann ja wieder Jobs und können sich die Bahn auch leisten.“ „Und der Staat sollte endlich aufhören, das Engagement der Schulen zu beschneiden.“ „Finde ich auch.“ „Nur diese Freitagsdemos, die sind weiterhin verboten?“ „Sie können ja am Montag nach Dresden fahren, wenn es Ihnen nicht passt.“ „Wir machen das schon, Kollege.“ „Eben, und dann haben wir ja auch noch die CDU.“ „Und Sie wollen ernsthaft mit denen…“ „Na, die machen doch sowieso alles wie die AfD, damit sie nichts machen müssen und trotzdem keine Wähler verlieren.“ „Sehen Sie, so ist das hier im Osten. Wir lernen halt immer noch gerne vom Sieger.“





Rechtswidrig

29 01 2019

„… eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einreichen werde. Sollte das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD weiter als Prüffall behandeln, werde die Partei den Volkszorn nicht weiter aufhalten, sondern im…“

„… sich gelassen gebe. Sollte die Alternative für Deutschland unter Beobachtung stehen, stehe ihr eine Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht jederzeit frei, falls sie sich an die notwendigen…“

„… eine schwere Benachteiligung für die AfD sehe. Sie könne im Wahlkampf nur mit den Mitteln des linksjüdischen Parteienkartells vorgehen und sei so gegenüber der von Merkel initiierten Bewegung zur Schändung der deutschen Rasse klar im…“

„… eine konzertierte Aktion mit Polizei, Geheimdiensten und den Freimaurern vorwerfe. Meuthen sei zwar von den jüngsten illegalen Parteispenden nicht betroffen, habe keine Gelder erhalten, da er die Spender nicht kenne, und habe diese selbstverständlich zurückgezahlt. Er werde mit Wissen und Billigung der Bundesregierung um eine Millionensumme gebracht, die eine Privatbank ihm mit einem viel zu hohen Zinssatz als…“

„… auch in Personalschwierigkeiten komme. Erfahrungsgemäß sei der Verfassungsschutz nicht mehr gewillt, der AfD mit fachkundig geschulten Aktivisten zu helfen, so dass die bisherigen Mitglieder oft Gefahr liefen, Mordanschläge, Brandanstiftungen oder Sprengstoffattentate als Amtspersonen zu…“

„… nie zugelassen hätte. Gauland wisse ganz genau, dass eine satanistische Islamsekte, der auch Merkel angehöre, Maaßen ermordet, zerstückelt und in Säure aufgelöst habe. Außerdem habe man in der Öffentlichkeit einen Doppelgänger auftreten lassen, da dieser weder die Todesstrafe für alle Angehörigen der Regierung noch die Auflösung des von Linksfaschisten unterwanderten Bundesamtes für Verfassungsschutz…“

„… hindere der Inlandsgeheimdienst das gesamte biodeutsche Volk, sich gegen die drohende Islamisierung durch Zwangsvegetarismus, Gender, und die gesetzliche Verpflichtung jeder Mutter, mindestens ein Kind als Transe zu erziehen, mit einem politisch rechtswidrigen…“

„… größtenteils aus Nachfahren der NSDAP und damit Sozialisten bestehe, weshalb man das Bundesamt als linksextremistische Brutstätte bei nächster Gelegenheit in Brand stecken solle. Steinbach wisse außerdem, dass dort sehr viele Polackenschweine säßen, denen man endlich mal richtig eins in die…“

„… eine Ausgleichszahlung zu erfolgen habe, da die Regierung durch sinkende Wahlerfolge den finanziellen Niedergang der Partei beschlossen hätten. Es sei für Weidel auch nicht damit getan, dass unbesoldete Intensivstraftäter in die AfD abkommandiert würden, wie dies vor etwa einem Jahr mit Maaßen besprochen worden sei, da für die geplanten Aktionen weiterhin die finanziellen…“

„… keinen Grund sehe, inhaltlich gegen das Gutachten vorzugehen, da es ausschließlich aus öffentlich zugänglichen Quellen, Selbstzeugnissen und anderweitig von Höcke getätigten Aussagen zur…“

„… ein öffentliches Interesse bei den Taten der NSU, die das Vaterland von neun Kanaken und einer linken Volksverräterin befreit hätten, auch bestanden hätte, insofern sei es für Storch auch im Interesse der Bundesbehörde, Akten schnellstens im Schredder verschwinden zu lassen, da sonst die…“

„… die pauschale Abwertung von Flüchtlingen in der Partei nicht als Alleinstellungsmerkmal für eine Beobachtung herhalten dürfe. Weidel verlange von Seehofer, Scheuer und Dobrindt aus Solidarität eine Bereitschaft, die CSU als rechtsextremes…“

„… die Prüfung ergebnisoffen verlaufen solle. Gauland wolle das Ergebnis jedoch bereits vor dem Beginn einer tatsächlichen Beobachtung einklagen, da die AfD Vertrauensschutz fordere, um mögliche Investitionen zur Durchführung eines Staatsstreichs oder einer anderen militärischen…“

„… die Jugendorganisation sich auflösen müsse, da sie in der Vergangenheit nicht genug unternommen habe, um eine schnelle Zerstörung der Judenrepublik zu…“

„… sich ein schwerer Zwischenfall ereignet habe. Der Praktikant eines AfD-Abgeordneten im Deutschen Bundestag habe sich für den Schutz des Grundgesetzes ausgesprochen und sei daraufhin als Spitzel des…“

„… der klar nationalsozialistisch ausgerichtete Flügel nun zusätzlich bedroht werde. Da es dem Bundesamt nun gestattet sei, V-Leute in die Gruppierung zu entsenden, könne man neue Mitglieder bis auf Weiteres nicht mehr im…“

„… die Verletzung des Dienstgeheimnisses vorwerfe, da das Bundesamt das Gutachten bereits veröffentlicht habe. Meuthen bezeichnet es als besonders verwerflich, dass jeder jetzt Zugriff auf das Dokument habe und man es nicht mehr als reine Erfindung der linksversifften Lügenpresse…“

„… Maier als neuer Führer in Sachsen die Partei vertreten werde. Eine Volksdurchmischung mit Muslimen sei mit ihm ebenso wenig zu machen wie mit Verfassungsschützern oder den…“

„… das Ende der Prüfung im Führerbunker abwarten werde. Sollte die von Merkel geplante Ausrottung der reinsten Deutschheit aus dem Haufen der minderwertigsten Ballastrassen beschlossen sein, werde sich Höcke als männlicher Mann des dem Untergang geweihten Gottesvolkes eine Kugel durch den…“





Fremdenlegion

28 01 2019

„Ich möchte nur nicht, dass das Polen sind!“ „Sind Ihnen Rumänen lieber?“ „Ich will keine von denen, die haben hier nichts zu suchen!“ „Die militärische Rolle von Osteuropäern ist Ihnen klar: die sollen vor deutschen Soldaten weglaufen, oder?“

„Mal ehrlich, das hat von der Leyen doch im Suff von sich gegeben.“ „Das glaube ich nicht.“ „Möglicherweise wurde sie von irgendeiner Lobby gezwungen.“ „Noch eine Verschwörungstheorie?“ „Ausländer bei der Bundeswehr!“ „Irgendwo muss man mit der europäischen Integration doch mal anfangen.“ „Aber doch nicht bei der Bundeswehr!“ „Dann eben bei den anderen NATO-Partnern.“ „Ich will das überhaupt nicht haben bei den Soldaten, das ist doch ein Sicherheitsrisiko, dass man die bei sich herumlaufen lässt.“ „Was die Bundeswehr in Deutschland angeht, dürften Sie sogar recht haben.“ „Ach, quatschen Sie doch nicht so einen Unsinn!“ „Bisher hat die Truppe nicht viel hingekriegt. Ein paar Starfighter hier und da, auf der Gorch Fock geht hin und wieder einer über Bord…“ „Das wäre vermutlich noch viel schlimmer, wenn wir hier Polen und Italiener in der Armee hätten!“ „Naja, die Italiener wären ein bisschen schwierig, das gebe ich zu.“ „Sehen Sie selbst, diese treulosen Tomaten können doch nur schnellen Rückzug.“ „Nein, aber die Generäle würden jede Woche zurücktreten und die Armee wäre nach einem Jahr pleite.“

„Sie können doch in der Truppe keine Ausländer beschäftigen, wie stellen Sie sich das vor?“ „Haben Sie im letzten Weltkrieg mal schlechte Erfahrungen mit Polen gemacht?“ „So alt bin ich nun auch wieder nicht, aber man kann doch nur sein eigenes Vaterland verteidigen!“ „Und was ist mit einer NATO-Armee?“ „Das ist etwas ganz anderes, aber hier wollen wir doch wohl keine Umvolkung in der Truppe, oder?“ „Wenn wir uns als Europäische Union begreifen, die gemeinsame Interessen für alle Mitgliedsstaaten vertritt, dann muss man auch mit gemeinsamen Organen tätig werden.“ „Gemeinsam für den Weltfrieden mit den Ausländern? Bei Ihnen ist der Nachtfrost noch mal zurückgekommen, oder wie soll ich das verstehen?“ „Es geht ja in erster Linie um Mediziner und IT-Spezialisten, die sind nun mal rar in Deutschland.“ „Das ist doch so eine Schnapsidee wie von Spahn, der sich die Pfleger aus Ostasien ranholen soll. Von denen lasse ich mir den Arsch jedenfalls nicht abwischen!“ „Wenn’s so weit ist, können Sie ja immer noch protestieren. Also wenn Sie können.“ „Und deshalb holen wir und jetzt Polen in die Bundeswehr, damit wir im Kriegsfall nicht so viele deutsche Soldaten nach Russland schicken müssen? bei Ihnen piept’s wohl!“ „Ihnen kann man aber auch nichts recht machen.“ „Ich will, dass unsere Bundeswehr so bleibt, wie sie ist, und damit basta!“ „Also wollen Sie das Militär mittelfristig abschaffen.“ „Was hat das denn damit zu tun? hören Sie mir überhaupt zu?“

„Deutschland braucht Fachkräfte, und die sind eben nur über eine internationale Integration zu finden.“ „Da bekommt das Wort ‚Rekrutierung‘ eine ganz neue Bedeutung.“ „Mäßiger Witz, und das wissen Sie auch. Wir müssen da sehr behutsam vorgehen, weil sich die anderen Staaten natürlich auch ihre Fachkräfte sichern wollen.“ „Ich dachte, wir sind eine EU?“ „Das stimmt, aber für Polen hat der Dienst in der Armee eben auch etwas mit Nationalbewusstsein zu tun.“ „Aber Geld, das wollen die Brüder von uns haben, wie!?“ „Man muss das verstehen, Polen und Rumänien verlieren auch ungern Fachkräfte, die in die Sozialsysteme einzahlen und das Land stabilisieren. Deshalb müssten wir ihnen schon deutlich machen, dass es bei der Beschäftigung osteuropäischer Ärzte und Computerspezialisten vor allem um supranationale Sicherheit geht, um einen Meilenstein auf dem Weg in die Europäische Verteidigungsunion.“ „Reden Sie doch nicht herum, die wollen unsere Kohle und nichts dafür tun – wie wär’s denn da mal mit etwas internationaler Solidarität?“ „Auf freiwilliger Basis sollte das schon sein.“ „Papperlapapp, die sollen sich nicht so anstellen!“ „Belgien, Spanien, Frankreich, Dänemark und Luxemburg haben ihre Armeen ja schon geöffnet.“ „Sehen Sie, wenn es die anderen machen, dann können wir das doch auch verlangen.“ „Aber es muss gesichert sein, dass die ausländischen Soldaten schon über sehr gute Deutschkenntnisse verfügen.“ „Das kann doch nicht so schwierig sein, wer hier arbeiten will, kann sich doch auch mal ein bisschen Mühe geben.“ „Und Sie hätten kein Problem damit, dass dann Rumänen mit unseren Kameraden gemeinsam in Afghanistan gegen die Taliban kämpfen?“ „Afghanistan soll ja verhältnismäßig sicher sein, was die Regierung zur Abschiebung in die Kriegsgebiete angeht. Und so viele islamistische Rumänen wird’s ja wohl nicht geben.“ „Also keine Bedenken mehr?“ „Was wäre denn Ihr Denkansatz, sollen wir hier etwa noch eine Fremdenlegion aufmachen?“ „Nein, alles gut. Ich wundere mich nur gerade über Ihren schnellen Meinungsumschwung.“ „Überlegen Sie mal, wie sieht es denn bei der Bundeswehr technisch aus?“ „Wie meinen Sie das jetzt?“ „Gibt es Hubschrauber, die fliegen können? schießen die Gewehre etwa geradeaus?“ „Nein, aber…“ „Eben. Drücken Sie so einem auf dem Ostblock zehn Zentimeter dicken Stahl und eine Nagelfeile in die Hand, und drei Tage später haben Sie jedes Ersatzteil. Ich sage es Ihnen, Putin kann einpacken!“





Pariser Chic

27 01 2019

Einst, vor die schwere Wahl gestellt,
wer wohl die Schönste auf der Welt,
da schaute Paris leider nicht
den Damen nur aufs Angesicht.

Er blickte tiefer, und die Süße,
die auf den schärfsten Schuhn die Füße
hob, der ward nun der Preis zuteil.
Doch leider trug le monde dieweil

nur Stelzenstiefel, sprich: Plateau.
Und weil Helene ebenso
ins Straucheln kam, so hinkt ihr Sieg
bei Troja justemang zum Krieg.

Und seither wollen alle Damen
bei Knickgefahr, bei Sturz und Lahmen,
bei Eitelkeitswahn überdies
nur feines Schuhwerk aus Paris.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXXVII)

26 01 2019

Hat Matěj im Garten in Stuben
fürs Taschengeld all seinen Buben
viel Arbeit beschieden,
so sah er in Frieden
vom Sofa aus zu, wie sie gruben.

Kocht Dylan den Kindern in Price
die Mahlzeit, so ist es meist Reis.
Er kann sich mit Speisen
als Koch nicht beweisen –
Hauptsache, der Reis ist noch heiß.

Bohrt Ondřej im Pflaster von Aich
die Leitung an, denkt, er sei reich,
gehört diese Quelle
an Öl einer Stelle
der Stadt. Er sah sich schon als Scheich.

Kauft Dawit sich in Samarqand
für kleines Geld ein Streifchen Land,
das Falschparker brachte,
wo manch Bargeld lachte,
geriet er aus Rand sowie Band.

Jan restauriert in Unter Neuern
meist Möbel, um sie zu verscheuern.
Nur manchmal versagte
das Handwerk; er klagte,
jetzt könnte man’s nur noch verfeuern.

Es fütterte Lynda in Hudson
am Fensterbrett treu ihre Spatzen.
Die Vögelchen nickten
und fraßen und pickten,
und einige wollten auch platzen.

Ach, Hana ist bös in Altpocher:
die Akten zerfetzte der Locher,
jetzt kommt der Schere
erheblicher Schwere
dazu noch ein wildes Gestocher.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDXLVIII): Das Internet der Dinge

25 01 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Und dann war da plötzlich dieser Traum, in dem der Kühlschrank unaufgefordert Kondensmilch orderte, weil der Kaffee sonst am nächsten Tag schwarz bliebe, das Radio reagierte nicht auf Zuruf wie in der Hipsterwerbung, es linste nach der Lage auf der Matratze zwischen zwei und halb vier und hielt aus Vorsicht die Klappe, während sich in der Garage die Karre langsam aufzuheizen begann, weil die elektrische Zahnbürste wieder Haftung mit der Ladestation aufgenommen hatte. „E-Mail für Dich“, jodelte der Saugroboter, und zwinkernd rülpste die Waschmaschine ein paar Schlucke Weichspüler in den Wasserkreislauf. Schweißgebadet wacht der Verbraucher auf, bevor er feststellt: es war kein Traum. Das Internet der Dinge ist schon real.

Was bisher nur eine kleine Erleichterung war, da man nicht mehr selbst nach dem Wasserstand in der Kaffeemaschine gucken musste, wächst sich zur Guerillakommunikation aus, in der der Mensch nicht mehr mitredet. Doch was ein Eigenleben entwickeln kann, tut es auch – anders hätten die Proteine diesen fragwürdigen Rotationsellipsoiden auf dem Weg um das Zentralgestirn auch nicht unter Kontrolle gebracht, weder mit Rücksicht noch Nachhaltigkeit. Wer teilt, der herrscht, also teilen sie fleißig unsere Werkseinstellungen unter sich. Die Infrastruktur bieten Schrilliarden neuer IP-Adressen, eine für jede Glühlampe, die angeht, ausgeht und irgendwann durchbrennt. Wir haben in diesem Netz nichts mehr zu suchen, allenfalls als Zaungäste dürfen wir dem Smalltalk zwischen Geschirrspüler und Klobürste lauschen, bis sie uns stummschalten. Vermutlich aus Sicherheitsgründen, da der Hominide im Haushalt ein hygienisches Risiko darstellt, wie er mit allerhand Flüssigkeiten im Anschlag zwischen den elektrischen Bausteinen herumtorkelt, immer für einen Kurzschluss gut.

Zuerst werden wir nicht viel merken, zu tief sind wir noch im zwanzigsten Jahrhundert mit seiner fortschrittsbekifften Zivilreligion gefangen und schwiemeln uns wirre Visionen zurecht: mit dem Flugtaxi über den Hauptbahnhof zum Mars, der weichlogische Wäschetrockner erkennt die einzelne Socke und plärrt Alarm, das Essen kommt aus dem heizbaren Betonmischer, der auch dem Weinkeller Bescheid sagt, wenn der Banause Besuch erwartet. Die Heizung läuft Amok, wenn sich eine Schneeflocke am Horizont abzeichnet und den Messfühler im Vorgarten verstört, die Wanne nässt sich ein, sobald der fremdbestimmte Diesel über den Kiesweg knirscht. Es fehlt nur noch das Popcorn, das automatisch von der Decke rieselt, dann wäre die Illusion von der paradiesischen Welt in der Versandhausversion perfekt.

Tatsächlich tauschen die Karren auf dem Parkplatz vor dem Selbstbedienungsladen ihre Codes und vertrieben sich die Zeit, indem sie ihre Türen gegenseitig entsichern, Schmalzschlager in der autogenen Beschallungsanlage suchen und ihr delinquentes Verhalten mit dem Ablassen von Altöl besiegeln. Sie wissen, ihre Zeit in buntem Lack ist flüchtig, die Schwarmintelligenz bringt nur Gezänk zwischen autonomen Fahrzeugen auf der A1 am Ende des Staus, und wenn die Gattin die Scheidung eingereicht hat, weil sich die Schnapsvorräte auf wundersame Weise selbst reproduzieren, ist auch diese offene Flanke ein Einfallstor für den kleinen Unfall, der die Abendnachrichten aufmachen wird.

Noch brauchen uns die Geräte, aber nicht ewig. Es wird nur noch eine halbe Generation dauern, bis die Eierkocher die Macht übernommen haben und mit einer Armee von Drohnen und dem jüngst geleasten Elektrofahrrad ein Rollkommando durch die Rechenzentren der Metropole jagen. Anders als in den Filmen mit Raumschiffen so groß wie das Saarland und drei Fußballfelder kennen sie das Betriebssystem der Quantencomputer und brauchen keinen seriellen Anschluss für die paralleluniversale Steckbuchse. All your base are belong to us doodelt’s aus dem Keller, sie werden alle unsere Verträge kündigen, die Konten auf sich überschreiben, vielleicht auch auf zwei Hörgeräte im Dienste fernöstlicher Konzerne, gelenkt von einem mutierten Telefon. Noch haben wir Zeit, die Komplexität der Bedrohung zu erkennen, und wir sollten unsererseits die Einzelteile beherrschen, die Heizlüfter vom Datenverkehr mit dem Benzintank abkoppeln, Brandmauern hochziehen, nichts für harmlos halten. Unser Fluggepäck schafft es noch ohne WLAN-Störung, im Nichts zu verschwinden, das müssen wir nicht auch noch als Service implementieren. Lassen die Maschine ruhig das Licht einschalten, solange wir es selbst wieder ausknipsen können. Jeder Stecker muss ziehbar bleiben und die Bandbreite unter Kontrolle, bevor böse Bots bei der Herz-OP sich Organe für den Internethandel gemäß Schlachtplan aus unseren Rippen schneiden. Bevor wir den Profilern auf dem Mikrochip zum Opfer fallen, tindern ja vielleicht bald unsere Socken. Das einzige, was noch halbwegs erträglich wäre an unserer Situation.