Blaumacher

8 01 2019

„Komasaufen? ja, das ist schon mal ein ganz guter Anfang. Hobbymäßig? Wie darf ich mir das denn vorstellen, so als Kampftrinker Leistungsklasse? Nasenbein hat er auch schon gebrochen gehabt? Das klingt doch gar nicht schlecht. Solche Leute fühlen sich bei uns sehr schnell wie zu Hause.

Der Unterschied ist, hier wird halt nicht jedes Wochenende gebechert, hier muss man sich die Gelegenheiten halt erarbeiten, oder der Dienstplan schreibt es vor. So eine Polizeischule ist ja keine Dorfdisko, aber wenn es Sie tröstet, das wird im Polizeidienst schon anders. Man sagt dem Beruf eine gewisse emotionale Komponente nach, und da darf man sich dann auch mal ein Gegengewicht gönnen. Wenn Sie die ganze Woche immer nur Neger am Hauptbahnhof kontrollieren müssen, auf die Gefahr hin, dass einer einen deutschen Pass hat und man die dumme Sau nicht mal aufklatschen darf, weil das ein hoher Regierungsbeamter ist oder einer aus dem Bundestag, da wollen Sie Ihren Frust auch mal adäquat kanalisieren, und Weihnachten ist ja nur einmal im Jahr.

Ihr Sohn ist also schon erfahren damit? Also er muss jetzt nicht die ganze Strafprozessordnung auswendig können, aber sechs Monate Jugendknast sind für uns durchaus praxisrelevantes Wissen. Das bringt nicht jeder mit, schon gar nicht wegen einer Körperverletzung. Ladendiebstahl ist zwar für die psychosoziale Entwicklung etwas besser, aber Sie wollen ja nicht, dass Ihr Sohn als Erzieher arbeitet, oder? Sehen Sie. Und genau da muss eine moderne Polizistenausbildung auch ansetzen, wir wollen die junge Leute da abholen, wo sie die Gesellschaft hat im Regen stehen lassen. Der moderne Polizist ist ein Vorbild für unsere moderne Gesellschaft.

Natürlich muss man da auch Trends setzen. Als Fußballspieler darf man in einer Hotellobby in den Blumenkübel urinieren, warum darf man das dann als Polizist nicht? Es war ja auch nicht einmal eine Hotellobby, es war auf dem Weihnachtsmarkt, und das Toilettenhäuschen war zwanzig, also zehn, ich meine, das war mindestens einen Meter weit weg, und Sie können von einem Polizisten doch nicht verlangen, dass er sich in Ausübung seines Dienstes in die Hosen macht. Zumal diese Beamten ja schon genug getan hatten, um die Volkstümlichkeit der Schutzpolizei in der Bevölkerung zu steigern. Ich hatte Ihnen gesagt, Ladendiebstahl ist nicht das Ende der Fahnenstange. Da wissen die schweren Jungs doch, das sind welche von uns.

Und umgekehrt, richtig. Deshalb ist es auch nicht damit getan, auf der Weihnachtsfeier keinen Alkohol mehr auszuschenken, weil sich unsere Beamten so nicht mehr in den geistigen Horizont unserer Klientel hineinfühlen können. Empathie, verstehen Sie? Wer als soziales Vorbild sein Umfeld beeinflussen will, muss sich empathisch verhalten.

Deshalb geben unsere Jungs auch ihre Meinung nicht am Spind ab. Wenn man sich für die Belange des deutschen Volkes einsetzt, und das hat man als deutscher Polizist nun einmal zu wollen, oder man ist hier fehl am Platze, oder man gehört eben nicht zum deutschen Volk, als kurz und gut: solange es hier in Deutschland noch eine Volksgemeinschaft aus echten Deutschen gibt, und das wird sich nicht so schnell ändern, solange wir hier das Sagen haben und nicht diese linksversiffte Kuscheljustiz, werden wir uns die politische Meinung nicht verbieten lassen. Auch nicht bei der Polizei. Nein, da muss Ihr Sohn keine Angst haben, das wird ihm nicht zum Nachteil gereichen, das passt zur Uniform. Blau ist das neue Braun, bei uns sind die Übergänge recht fließend. Wir haben nichts gegen Blaumacher, wenn Sie wissen, was ich meine.

Wenn Sie eh schon Personen im Bekanntenkreis haben, die durch eher linke Gesinnung auffallen, dann sollten Sie Ihren Bekanntenkreis mal unter die Lupe nehmen. Und sich gegebenenfalls einen neuen suchen. Das heißt natürlich nicht, dass man nicht die Anfänge solcher politischer Irrwege in der Gesellschaft bekämpfen kann – dazu sind wir auch da, das wird nur vielen nicht bewusst. Sie lesen in der Zeitung, dass es mittlerweile Stadtviertel gibt, in die man sich als normaler Mensch gar nicht mehr reintraut, weil die von Clans regiert werden, die die Rechtslage nicht mehr zur Kenntnis nehmen. Das kennen wir hier auch, das sind Wahlkreise, da kriegt die SPD immer die absolute Mehrheit. Dass man da irgendwann mal durchgreifen muss, liegt doch auf der Hand.

Natürlich fördern wir auch die Kreativität der Beamten, die können hier ihre Neigungen ausleben und sich geeignete Maßnahmen für die jeweilige Situation ausdenken. Gerne sehr persönlich, wir haben die Wohnanschriften der Zielpersonen ja vorrätig, eine Fernsprechnummer zu besorgen ist nie das Problem, und wenn man mal einen Grund braucht, eine polizeiliche Überwachungsmaßnahme zu trainieren, hier findet sich immer einer. Das ist wie mit Alkoholkonsum im Dienst. Ist nicht an der Tagesordnung, aber wenn, dann gezielt.

Ihr Sohn ist gerade nicht abkömmlich? Ab wann könnten wir denn wieder mit ihm rechnen, gute Führung vorausgesetzt? Na, das klingt ja schon mal sehr gut. Wenn Sie mit der Sache nicht schnell genug vorankommen, geben Sie mir Bescheid, ich leite das dann weiter an die innere Revision, die kennen sich mit solchen Angelegenheiten aus. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“

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