Fremdenlegion

28 01 2019

„Ich möchte nur nicht, dass das Polen sind!“ „Sind Ihnen Rumänen lieber?“ „Ich will keine von denen, die haben hier nichts zu suchen!“ „Die militärische Rolle von Osteuropäern ist Ihnen klar: die sollen vor deutschen Soldaten weglaufen, oder?“

„Mal ehrlich, das hat von der Leyen doch im Suff von sich gegeben.“ „Das glaube ich nicht.“ „Möglicherweise wurde sie von irgendeiner Lobby gezwungen.“ „Noch eine Verschwörungstheorie?“ „Ausländer bei der Bundeswehr!“ „Irgendwo muss man mit der europäischen Integration doch mal anfangen.“ „Aber doch nicht bei der Bundeswehr!“ „Dann eben bei den anderen NATO-Partnern.“ „Ich will das überhaupt nicht haben bei den Soldaten, das ist doch ein Sicherheitsrisiko, dass man die bei sich herumlaufen lässt.“ „Was die Bundeswehr in Deutschland angeht, dürften Sie sogar recht haben.“ „Ach, quatschen Sie doch nicht so einen Unsinn!“ „Bisher hat die Truppe nicht viel hingekriegt. Ein paar Starfighter hier und da, auf der Gorch Fock geht hin und wieder einer über Bord…“ „Das wäre vermutlich noch viel schlimmer, wenn wir hier Polen und Italiener in der Armee hätten!“ „Naja, die Italiener wären ein bisschen schwierig, das gebe ich zu.“ „Sehen Sie selbst, diese treulosen Tomaten können doch nur schnellen Rückzug.“ „Nein, aber die Generäle würden jede Woche zurücktreten und die Armee wäre nach einem Jahr pleite.“

„Sie können doch in der Truppe keine Ausländer beschäftigen, wie stellen Sie sich das vor?“ „Haben Sie im letzten Weltkrieg mal schlechte Erfahrungen mit Polen gemacht?“ „So alt bin ich nun auch wieder nicht, aber man kann doch nur sein eigenes Vaterland verteidigen!“ „Und was ist mit einer NATO-Armee?“ „Das ist etwas ganz anderes, aber hier wollen wir doch wohl keine Umvolkung in der Truppe, oder?“ „Wenn wir uns als Europäische Union begreifen, die gemeinsame Interessen für alle Mitgliedsstaaten vertritt, dann muss man auch mit gemeinsamen Organen tätig werden.“ „Gemeinsam für den Weltfrieden mit den Ausländern? Bei Ihnen ist der Nachtfrost noch mal zurückgekommen, oder wie soll ich das verstehen?“ „Es geht ja in erster Linie um Mediziner und IT-Spezialisten, die sind nun mal rar in Deutschland.“ „Das ist doch so eine Schnapsidee wie von Spahn, der sich die Pfleger aus Ostasien ranholen soll. Von denen lasse ich mir den Arsch jedenfalls nicht abwischen!“ „Wenn’s so weit ist, können Sie ja immer noch protestieren. Also wenn Sie können.“ „Und deshalb holen wir und jetzt Polen in die Bundeswehr, damit wir im Kriegsfall nicht so viele deutsche Soldaten nach Russland schicken müssen? bei Ihnen piept’s wohl!“ „Ihnen kann man aber auch nichts recht machen.“ „Ich will, dass unsere Bundeswehr so bleibt, wie sie ist, und damit basta!“ „Also wollen Sie das Militär mittelfristig abschaffen.“ „Was hat das denn damit zu tun? hören Sie mir überhaupt zu?“

„Deutschland braucht Fachkräfte, und die sind eben nur über eine internationale Integration zu finden.“ „Da bekommt das Wort ‚Rekrutierung‘ eine ganz neue Bedeutung.“ „Mäßiger Witz, und das wissen Sie auch. Wir müssen da sehr behutsam vorgehen, weil sich die anderen Staaten natürlich auch ihre Fachkräfte sichern wollen.“ „Ich dachte, wir sind eine EU?“ „Das stimmt, aber für Polen hat der Dienst in der Armee eben auch etwas mit Nationalbewusstsein zu tun.“ „Aber Geld, das wollen die Brüder von uns haben, wie!?“ „Man muss das verstehen, Polen und Rumänien verlieren auch ungern Fachkräfte, die in die Sozialsysteme einzahlen und das Land stabilisieren. Deshalb müssten wir ihnen schon deutlich machen, dass es bei der Beschäftigung osteuropäischer Ärzte und Computerspezialisten vor allem um supranationale Sicherheit geht, um einen Meilenstein auf dem Weg in die Europäische Verteidigungsunion.“ „Reden Sie doch nicht herum, die wollen unsere Kohle und nichts dafür tun – wie wär’s denn da mal mit etwas internationaler Solidarität?“ „Auf freiwilliger Basis sollte das schon sein.“ „Papperlapapp, die sollen sich nicht so anstellen!“ „Belgien, Spanien, Frankreich, Dänemark und Luxemburg haben ihre Armeen ja schon geöffnet.“ „Sehen Sie, wenn es die anderen machen, dann können wir das doch auch verlangen.“ „Aber es muss gesichert sein, dass die ausländischen Soldaten schon über sehr gute Deutschkenntnisse verfügen.“ „Das kann doch nicht so schwierig sein, wer hier arbeiten will, kann sich doch auch mal ein bisschen Mühe geben.“ „Und Sie hätten kein Problem damit, dass dann Rumänen mit unseren Kameraden gemeinsam in Afghanistan gegen die Taliban kämpfen?“ „Afghanistan soll ja verhältnismäßig sicher sein, was die Regierung zur Abschiebung in die Kriegsgebiete angeht. Und so viele islamistische Rumänen wird’s ja wohl nicht geben.“ „Also keine Bedenken mehr?“ „Was wäre denn Ihr Denkansatz, sollen wir hier etwa noch eine Fremdenlegion aufmachen?“ „Nein, alles gut. Ich wundere mich nur gerade über Ihren schnellen Meinungsumschwung.“ „Überlegen Sie mal, wie sieht es denn bei der Bundeswehr technisch aus?“ „Wie meinen Sie das jetzt?“ „Gibt es Hubschrauber, die fliegen können? schießen die Gewehre etwa geradeaus?“ „Nein, aber…“ „Eben. Drücken Sie so einem auf dem Ostblock zehn Zentimeter dicken Stahl und eine Nagelfeile in die Hand, und drei Tage später haben Sie jedes Ersatzteil. Ich sage es Ihnen, Putin kann einpacken!“


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