Ostschutzmittel

30 01 2019

„Und diese Strategie ist schon ausgereift?“ „Das, was davon existiert, ist tatsächlich schon sehr, sehr gut.“ „Muss ich auch sagen.“ „Jawoll.“ „Und was existiert davon?“ „Also bisher – wissen Sie da nicht schon irgendwas?“

„Das soll jetzt ja nicht irgendein Schnellschuss werden, wir setzen da schon auf Nachhaltigkeit.“ „Wegen der strategischen Wirkung und so.“ „Aha, und was verstehen Sie so unter Nachhaltigkeit?“ „Dass das länger nachhält.“ „Also vorhält.“ „Also wenigstens bis zu den Landtagswahlen.“ „Das klingt ja mal wieder höchst professionell.“ „Ja, nicht wahr?“ „Und die CDU macht das auch mit?“ „Wenn wir die sozialdemokratischen Mehrheiten in Ostdeutschland zurückgeholt haben, dann kann uns doch die CDU egal sein.“ „Jawoll.“

„Die Infrastruktur könnte man zum Beispiel schon mal vergessen.“ „Sie meinen ‚verbessern‘.“ „Da habe ich mich wohl verlesen.“ „Vergessen können Sie die jetzt schon, da muss sich gar nicht viel ändern.“ „Deshalb ja auch.“ „Und erst mal ist es natürlich gut, dass wir da auf einem Parteitag einen Beschluss fassen…“ „Wann findet der statt, kurz nach 2020?“ „… was wir als Infrastruktur und als verbesserungswürdig sehen.“ „Die Autobahnen sind ja teilweise schon ganz gut.“ „Dann sollten wir da auch kein Tempolimit mehr andenken.“ „Macht sowieso nur Unruhe.“ „Und dass sich die Leute gar kein Auto leisten können?“ „Da sehen Sie es, die ganzen Asylanten kriegen Unterkünfte und noch Taschengeld, und die Arbeiter müssen für ihre Sozialleistungen anstehen!“ „Sind Sie sich ganz sicher, dass Sie in der richtigen Partei sind?“ „Sie können mich ja rauswerfen lassen, im Osten dauert das doppelt so lange!“ „Jetzt lassen Sie ihn doch mal, er ist seit der Wiedervereinigung ein bisschen enttäuscht, dass das mit dem Sozialismus nicht so recht geklappt hat.“ „Deshalb probiert man es hier jetzt ja auch eher mit Nationalsozialismus.“ „Die Leute können sich schlicht keine Autos leisten, Kollegen.“ „Und deshalb sollen wir jetzt die Tram über die Autobahn fahren lassen?“ „Sie sind lustig, das lernt man also in Berlin?“ „Wir wäre es denn dann mal mit öffentlichen Verkehrsmitteln?“ „Das rentiert sich nicht.“ „Eben, die Fabriken sind so weit außerhalb, da bauen wir doch jetzt keine Autobahnen mehr hin.“ „Obwohl, wenn der Höcke das versprechen würde…“

„Außerdem müsste man mal das Netz in den Osten bringen.“ „Damit die Jugendlichen nur noch aufs Handy starren?“ „Genau dafür bringen die Einwanderer doch ihre Smartphones mit, wollen Sie, dass die Sachsen und Thüringen auch noch islamisieren!?“ „Vielleicht würde das ja ein paar Fachkräfte anlocken, die die Pflegesituation in den Bundesländern entspannen.“ „Hätte, könnte, wäre!“ „Dann hätten wir auch mehr Geld für die Renten.“ „Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun.“ „Das denken Sie, aber die Bevölkerung im Osten ist halt durch Niedriglöhne und die Teilzeitfalle in eine schlechte Ausgangsposition geraten, was die Altersvorsorge angeht.“ „Dabei ging es uns noch nie so gut seit der Wiedervereinigung.“ „Schon mal überlegt, dass das eine mit dem anderen zu tun haben könnte?“

„Und über künstliche Intelligenz redet natürlich wieder mal keiner.“ „Was wollen Sie denn im Osten mit künstlicher Intelligenz?“ „Wenn Sie sich die letzten Wahlen anschauen, dann sehen Sie, mit der natürlichen kommt man hier nicht weit.“ „Das ist der Wandel durch Innovation.“ „Und wer wird da eingesetzt?“ „Ich dachte, das könnten wir mit der Einwanderung aus dem Westen irgendwie steuern?“ „Woher nehmen Sie denn da die Fachkräfte?“ „Die im Osten haben nicht genug Ausbildungsplätze, also könnte man die …“ „Das mit dem Vergessen war doch keine schlechte Idee.“ „Diese künstliche Intelligenz könnte man ja auch in der bürgernahen Verwaltung einsetzen.“ „Und zur Kinderbetreuung, oder was meinen Sie?“ „Ich weiß ja nicht. Roboter in der Krippe?“ „In der DDR war’s auch nicht anders.“ „Für das Geld kriegen Sie jedenfalls keine Erzieherin.“ „Und die macht auch noch Urlaub und wird krank.“ „Oder schwanger.“ „Sag ich doch.“ „Dann können die Frauen sich wieder ganz auf ihre Karriere konzentrieren.“ „Sehen Sie, Kollege, so geht nämlich Frauenförderung.“ „Jawoll!“

„Wenn wir erst mal die Kindergrundssicherung im Osten ausprobiert haben, dann können wir ja die Bahnpreise erhöhen.“ „Wie passt das denn bitte zusammen?“ „Mehr Geld für den Konsum, dann kann man auch die Preise anpassen.“ „Und je mehr Umsatz, desto mehr Gewinn.“ „Und Arbeitsplätze.“ „Arbeitsplätze!“ „Jawoll!“ „Die sind das optimale Ostschutzmittel.“ „Also bald boomt es hier, davon kann sich der Westen eine Scheibe abschneiden.“ „Irre!“ „Außerdem wird ja die Infrastruktur für die Kinder sowieso kostenlos.“ „Dann bezahlen nur die Eltern?“ „Die haben dann ja wieder Jobs und können sich die Bahn auch leisten.“ „Und der Staat sollte endlich aufhören, das Engagement der Schulen zu beschneiden.“ „Finde ich auch.“ „Nur diese Freitagsdemos, die sind weiterhin verboten?“ „Sie können ja am Montag nach Dresden fahren, wenn es Ihnen nicht passt.“ „Wir machen das schon, Kollege.“ „Eben, und dann haben wir ja auch noch die CDU.“ „Und Sie wollen ernsthaft mit denen…“ „Na, die machen doch sowieso alles wie die AfD, damit sie nichts machen müssen und trotzdem keine Wähler verlieren.“ „Sehen Sie, so ist das hier im Osten. Wir lernen halt immer noch gerne vom Sieger.“


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