Auszeit

1 04 2019

„Man hört jetzt also einfach so auf zu arbeiten?“ „Wer hat das denn gesagt?“ „Die Linken.“ „Naja, das ist eben keine Arbeiterpartei.“ „Interessant ist das trotzdem, ich meine, stellen Sie sich das mal vor: man kann bei einem nicht mehr unterscheiden, ob der gerade Pause macht oder für die Wirtschaft komplett nutzlos ist.“ „Gucken Sie sich das Management an, da ist das normal.“

„Aber die Idee ist gut.“ „Dass man gar nicht mehr arbeitet?“ „Nein, es geht bloß um ein Sabbatical.“ „Um ein was?“ „Sabbatical. Da macht mal zwischendurch einfach mal Pause.“ „Kenne ich, ist bei uns auch so. Dann kommen Sie aus der Pause zurück, der ganze Krempel liegt immer noch herum und Sie dürfen das trotzdem beseitigen.“ „Nein, Sie verlassen Ihren Arbeitsplatz.“ „Ja, das Fachwort heißt Kündigung. Ist den Linken wohl noch nicht so oft passiert, weil die Vögel eh selten zur Arbeit gehen.“ „Nein, das ist eine Auszeit. Sie nehmen sich eine Auszeit und kommen danach an Ihren Arbeitsplatz zurück.“ „So wie Leiharbeiter, die werden zwischendurch für drei Monaten zum Arbeitsamt geschickt, weil die Industrie nicht die Zuschläge zahlen will, und dann müssen Sie zum anderen Betrieb dreißig Kilometer weiter fahre, und wenn Sie einmal zu spät sind, weil unsere tolle Bundesbahn vergessen hat, Waggons für die Züge zu kaufen, dann fliegen Sie raus.“ „Nein, das heißt wirklich so. Sie machen eine Pause und kommen dann wieder.“ „Und wie?“ „Ja, normal halt.“ „Auf welchem Arbeitsplatz?“ „Auf dem alten natürlich.“ „Na toll. Und wie lange dauert das dann so? Zwei Wochen, zwei Monate?“ „Zwei Jahre.“ „Zwei Jahre. Und in der Zwischenzeit bleibt dann das ganze Rechnungswesen liegen und stapelt sich bis zur Decke, weil Sie zwei Jahre lang Selbstfindung betrieben auf Anraten einer kommunistischen Dame mit Artikulationsschwierigkeiten?“ „Nein, das kann man dann sicher schon irgendwie regeln, dass…“ „Na, da bin ich aber mal gespannt. Schießen Sie los, ich tu so, als würde ich Ihnen folgen.“

„Also es ist wie mit der Teilzeitregelung von Nahles.“ „Nahles nur noch in Teilzeit? Halleluja, dass ich das noch erleben darf!“ „Nein, ich meine, das war ihr Vorschlag.“ „Meiner wäre, dass sie ein Sabbatical nimmt, aber eins bis zum Ende ihrer politischen Karriere!“ „Man kann diese Positionen ja durch Umschichtung in der…“ „Super, dass ich darauf noch nicht gekommen bin – Umschichtung der Arbeitskräfte! Wenn uns ein Klempner fehlt, da frage ich mal zwei Bürokaufleute und einen Panzerfahrer, ob sie das eben erledigen können.“ „Aber…“ „Seien Sie froh, dass wir keine Raketen bauen.“ „Ich meine, das ist doch…“ „Oder hier, Kernkraftwerke. Das wird ganz eng.“ „Sie müssen doch die…“ „Ganz eng!“

„Also personalpolitisch müsste man sich da schon auch etwas einfallen lassen, aber das werden wir in der Personalpolitik der Zukunft dann auch lösen.“ „Was macht Sie da so sicher?“ „Dabei haben sich die Politiker doch sicher etwas gedacht, oder täusche ich mich da?“ „Nicht doch, vertrauen Sie denen ruhig. Die müssen sich mit so vielen Sachen gleichzeitig beschäftigen, die haben immer eine Lösung für alle Probleme parat.“ „Na, dann ist es ja gut. Weil, irgendwie muss man ja auch die Posten wieder besetzen.“ „Was Sie nicht sagen!“ „Und wenn die Arbeitnehmer nach so einem Sabbatical den Anspruch auf den alten Arbeitsplatz wieder haben oder auf einen vergleichbaren, was macht man dann in der Zwischenzeit?“ „In einer Behörde ist das ganz einfach, da wird vorher nicht gearbeitet und hinterher auch nicht, also bleibt sich das gleich, wie viele Leute Sie beschäftigen.“ „Naja, aber es ist nicht alles eine Behörde.“ „Das hat Nahles auch festgestellt, als sie mit dem Rechtsanspruch auf Homeoffice gescheitert war. Für einen Staatssekretär kriegen Sie das hin, bei einem Bauklempner wird das schon schwieriger.“ „Dann müsste man das mit einem befristeten Vertrag…“ „Deshalb hatten uns Nahles und die Linken ja auch lang und breit erklärt, dass es in Zukunft viel weniger befristete Arbeitsverträge geben soll. Und dass das alles auf gesetzlicher Grundlage geschieht, hatte ihnen vorher keiner gesteckt, aber das muss man als Ministerin auch nicht wissen.“

„Dann geht das eigentlich nur mit Leiharbeit.“ „Ja, das hatte ich auch so verstanden. Ist ja auch kein Wunder, die Linke war ja schon immer eine Partei, die Leiharbeit fördern wollte und sich öffentlich dafür eingesetzt hat, mehr Arbeit über Entleiher abzuwickeln. Schnell, flexibel und dafür zum Ausgleich sozial unverträglich, also so, wie man die Linken kennt.“ „Ich verstehe es auch nicht, vor allem: was machen denn die armen Leute, wenn die Firma in den zwei Jahren pleite geht und sie dann nicht mehr auf den alten Arbeitsplatz zurück können, weil es den nicht mehr gibt?“ „Was zahlen die Firmen für so ein Sabbatical?“ „65 Prozent des Nettolohns.“ „Fürs Nichtstun? Meine Herren, dagegen ist Hartz IV ja direkt menschenfeindlich.“ „Und wenn jetzt wichtige Fachkräfte fehlen, die die Unternehmen trotzdem Geld kosten, wie soll man denn dann diese Arbeitsplätze überhaupt erhalten können?“ „Wir sammeln.“ „Was?“ „Geld natürlich. Ich bitte Sie, das kriegen wir hin. 65 Prozent sind doch ein Klacks, bedenken Sie nur die Folgen: zwei Jahre lang merken wir nicht, dass bei den Linken nichts folgt, und danach sind sie weg vom Fenster. Ich frage Sie: ist es das nicht wirklich wert?“


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