Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLXI): Das Umvolkungsmärchen

26 04 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es war schon immer einfacher, an jeden noch so dämlichen Bockmist zu glauben, anstatt die eigene Hirnleistung in Anspruch zu nehmen, doch ist damit die geistige Grundausstattung des gemeinen Nationalisten noch nicht hinreichend umschrieben. Er kann nicht nur nicht denken, er verlässt sich auch seit alters her auf die zuverlässigen Defekte seiner Reiz- und Reaktionssteuerung, die ihm in jeder Lebenslage, ob im Knast oder gerade mal nicht, die komplette Unschuld zusichern. Als Getriebener weiß er gar nicht, was er zuerst in die Luft jagen, anzünden oder aus der Tiefe seiner dümmlichen Jammerlappenbirne anpöbeln soll, er weiß nur, er muss es tun, sonst ist sein Volk bald Geschichte, und aus der lernt bekanntlich niemand. Er braucht keinen Grund, um sich in historisch auffälligem Maß schlecht zu benehmen, deshalb hat er einen. Zwar hatte das Modell Zionistische Weltregierung im Abgang leichte Schwächen und gilt inzwischen als nicht mehr verwendungsfähig, aber der Bausatz findet sich leicht abgewandelt in vielerlei Gestalt wieder, wo die Deppenaufzucht ihren Ausstoß ausspuckt, zuletzt und nicht minder prominent in der Idee einer geplanten Umvolkung, bei der das sogenannte christliche Abendland vom bösen Fremden okkupiert und schließlich beseitigt werden soll. So beknackt der Gedanke ist, so leicht findet er unter den Dümmsten der weinerlichen Arschlöcher Zuspruch und Würdigung.

Der Mythos vom großen Austausch ist die ideale Verquickung zweier Bestandteile, einer nährenden Trägersubstanz und der Hefe, der sie in Gärung bringt, die aggressive Opferhaltung aller Faschisten und eine Verschwörungstheorie. Wie jede vernünftige Verschwörungstheorie ist der Krempel, der vorwiegend für Intelligenzflüchtlinge zusammengeschwiemelt wurde, um ihre blinde Gefolgschaft gegen jede Vernunft zu sichern, nicht von Fakten abhängig, und wenn, dann nicht von realen. Jeder Wirrglaube schafft sich seine Wahrheit selbst aus freier Interpretation unsinniger Annahmen, und so glaubt der gemeine Hitlerist auch an eine Unterwanderung durch den an sich altbösen Ausländer, wenn er ihn gar nicht sieht; sähe er ihn, würde er ja nicht heimlich und von einer international verabredeten Strategie gelenkt unterwandert, sondern offiziell überschwemmt, um die teutsche Nation auszurotten, aber das traut sich ja das Ausland nicht. Erst dann, wenn er jeden Morgen in der Tram einen afrikanischen Studenten auf demselben Platz sieht, schaltet er um und behauptet im Gegenteil, er sei von wilden Horden umgeben, die zwar zusammengerechnet noch in der Minderheit seien, aber jede Minderheit sei ja nur eine zukünftige Mehrheit.

Wie im Vorgriff auf das Opfergeschwätz sieht der Braunling in allem eine perfide Absicht der ganzen Welt, die nur er erkannt und durchleuchtet hat, um in hellseherischer Angst alle anderen vom gleichen Schlag vor dem Weltuntergang – darunter tut’s ja der schicksalsgläubige Knalldepp nicht – zu warnen, weil er die komplette Geschichte seit der vorletzten Eiszeit auf Anzeichen für gemeinsame Aktionen gegen die Existenz des deutschen Volkes abgeklopft und unter jedem Kieselstein fündig geworden ist. Dass sich dabei herausgestellt haben muss, wie Migration schon immer eins der am erfolgreichsten eingesetzten evolutionären Mittel war, um die Arterhaltung diverser Hominiden zu sichern, verkehrt sich in seinem Schimmelhirn flugs ins Gegenteil, und aus Völkerwanderung und der Vertreibung deutscher Kriegsverbrecher schwiemelt sich das ein Komplott zusammen gegen alles, was die unbesiegbare Herrenrasse demnächst von der Platte putzen wird.

Genau das wird schnell zur Aktion umgemünzt. Jeglicher Terror gegen alles, was Feind ist, und in einer solchen Welt ist alles Feind, lässt sich per se als Notwehr abkaspern, die Mord und Totschlag als heroische Tat gegen die übermächtigen Zerstörer der Rasse feiern. Je weniger das verdumpfte Fußvolk ahnt, dass es einer grob gestrickten Mär aufsitzt, desto leichter lässt sich die Masse der geistig ungesegneten Stumpfklumpen manövrieren, die in jedem gut integrierten Migranten ein Signal für die Notwendigkeit von brachialer Gewalt sieht und eine Auslöschung des eigenen Volkes schon deshalb für wahr hält, weil sie sie als wahr anerkennt. Das Umvolkungsmärchen ist nichts als eine Endzeitreligion, die auf den Knochen der alten Nazis langsam verköchelt und trüben Dunst hinterlässt. Das Recht auf Widerstand, jene billige Erlaubnis, den Frust über die eigene überflüssige Existenz mit der Keule an allem abzureagieren, was sich diskriminieren lässt, ist der dialektische Kern der Opferhaltung, die jeden noch so bräsigen Dünnpfiff braucht, um sich zu rechtfertigen.

Nur bitte niemals verwechseln mit der Botschaft von der Reptiloidenrasse, die aus einer fernen Galaxie gekommen ist, sich im Menschenkostüm den ganzen Planeten zu unterwerfen und uns alle zu Sklaven mit Lebensmittelzweitfunktion zu machen. Das entspricht selbstverständlich der Wahrheit.


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