Alles gut

5 05 2019

Für manches kleine Missgeschick
empfiehlt es sich zu lächeln,
sich mit dem allerkleinsten Trick
ein bisschen Luft zu fächeln.
Man kommt sich einmal fast zu nah,
da kann es schon passieren,
dass sich die Kreise hier und da
unangenehm berühren.
Dann bleibt man ruhig. Was macht es schon,
wenn sich die Situation
mit einem Wort entschärfen lässt,
statt dass man sich entnerven lässt.
Wohl dem, der einfach gar nichts tut
und also spricht:
    Alles gut.

Die ganze Welt ist angepasst.
Man zeigt auch keine Ecken.
Man ist mitunter angefasst
und will das nicht verstecken.
Ach, die Gesellschaft! immerhin
verträgt sie keine Störung
und bleibt gemäßigt mittendrin
im Herzen der Empörung.
Man bleibt zwar stumm, doch beißt man sich
wohl in die Finger innerlich,
weil jeder, der die Klappe hält,
wohl über eine Schlappe fällt.
Pass jetzt gut auf! Sei auf der Hut!
und sage nur:
    Alles gut.

Die Welt verdirbt, versackt, verroht.
Ein jeder will uns lynchen,
der uns mit Unkultur bedroht.
Wer will das übertünchen?
Schon tritt man nach, wenn einer liegt.
Das hat so still und redlich
die fromme Denkungsart besiegt
und macht sie jetzt unschädlich.
Wer ehrlich ist, der kocht vor Wut
aus Zornes Heil wohl tief im Blut,
und seufzt trotzdem:
    Alles gut.