Deutschland zum Essen

16 05 2019

„Also zunächst einmal nur an der Qualität orientiert, damit wir sehen, wo wir im Freistaat Bayern die beste Versorgung garantieren können. Das ist auch nur gerecht, weil wir die gesetzliche Verpflichtung haben, als Teil des Sozialstaates eine ausreichende Verpflegung unserer Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten. Dann kann man mal weitersehen, wie sich das Ranking der Tafeln in der Bundesrepublik zeigt.

Also zunächst einmal nur an der Qualität der Lebensmittel orientiert, die die Tafeln in Bayern liefern können: vernünftiges Brot und ordentliche Backwaren von den Innungsbäckern, nicht dieser Industriedreck, Biogemüse, ausreichend Obst aus natürlichem Anbau, und dann natürlich auch die saisonal angebauten Produkte. Jetzt im Frühjahr sollte es schon Erdbeeren geben, da sind die importierten Zitrusfrüchte eher zweitrangig, einen ordentlichen Spargel, das Gelaber von diesem FDP-Heini interessiert uns nicht, und wir sollten auch auf die Bedürfnisse der Veganer eingehen, die werden in der Bevölkerung immer mehr, auch in den bildungsfernen Schichten. Wir leisten da einen großen Beitrag, dass sich auch Menschen mit einer geringen Finanzausstattung gesund und nachhaltig ernähren können.

Und das ziehen wir dann natürlich ab von den anderen Sozialleistungen. Ist doch klar, Sozialstaat heißt nicht, dass wir den feinen Herrschaften ihren Blumenkohl in den Hintern schieben – wenn die ein Biogemüse haben wollen, dann müssen sie sich schon mal mit Arbeit abgeben, und wenn sie keine finden, dann gibt’s halt auch kein Biogemüse. Oder wir kürzen anteilig an der Miete. Oder am Strom. Oder an der Monatskarte. Bei uns im Freistaat isst man nun mal sehr gerne und sehr gut, da braucht man sich dann nicht zu wundern, dass wir das alles auch finanzieren müssen. Ein jeder Laib Vollkorn mit Chiasamen und Vitalkruste muss ja irgendwie auch vom Steuerzahler getragen werden, und wir haben es nicht so dick. Jetzt kommen sie alle wieder an und jammern, die Bahn ist zu teuer, das Schienennetz soll schon wieder saniert werden, das ist schon das zweite Mal seit Kriegsende, es nimmt ja langsam überhand – aber egal, dann können wir den Arbeitslosen halt keinen Hummer mehr zum Frühstück servieren, jedenfalls nicht an der Tafel.

Das war jetzt nur so ein Beispiel, natürlich gibt es gar keinen Hummer an der Tafel. Aber rein statistisch könnte in 33.000 Tonnen Lebensmitteln auch der eine oder andere Hummer sein, den man lieber kostengünstig wegschmeißt, statt dafür noch Umsatzsteuer zu bezahlen. Das ist ja das Konzept, und da prämieren wir dann die besten Tafeln. Hier ist zum Beispiel eins aus Oberbayern, da speist ein Sternerestaurant wöchentlich eine Tonne Gemüse in die Lieferkette ein, das spart die Geschäftsführung ein und dann haben wir hier am Quartalsende schon einen neuen Sportwagen für den Geschäftsführer. Oder hier, der Postleitzahl nach muss das in der Nähe von München sein, die haben sich in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft auf Produkte für die arabische Küche spezialisiert, die Gewinne gehen dann an einen asylkritischen Verein, der regelmäßig gegen Asylanten demonstriert, die bei der Tafel mit arabischen Spezialitäten durchgefüttert werden. Sehen Sie, das geht bei denen Hand in Hand, wenn es die Tafel nicht gäbe, müsste man auch diesen asylkritischen Verein nicht geben, der immer mal wieder ein paar von den Herrschaften verprügelt oder die Hakenkreuze am Asylantenheim auffrischt. Das ist Deutschland zum Essen, und Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen.

Außerdem spielt hier der Einzelhandel eine sehr wichtige Rolle. Sie wollen ja auch am Samstag um zehn Uhr abends noch eine richtig gute Tomate kaufen können, und die bekommen Sie auch in den lokalen Supermärkten. Das Personal ist ja da, gehen Sie in den Laden, da stehen die Leute herum, und wenn ihnen langweilig ist, dann müssen sie es nur sagen, für sie stehen die nächsten zehn in der Schlange und wollen den Job für noch weniger machen. Aber wie gesagt, die Tomate: die soll nach Möglichkeit pflückfrisch sein, also muss man die nicht mehr so gute Ware regelmäßig aussortieren. Und da kommen die Tafeln ins Spiel. Das ist noch sehr gut essbar, größtenteils kann man sich aus dem Zeug immer noch eine schmackhafte Suppe kochen, mehr ist bei den meisten Tafelbesuchern auch vom Zahnstatus her nicht sinnvoll, und man muss das nicht mehr selbst in die Tonne treten. Oder stellen Sie sich das Theater mit den Containern vor, die nachts von Aktivisten geplündert werden. Die muss man dann auch noch bewachen – die Container, nicht die Aktivisten, die bewacht schon der Verfassungsschutz, deshalb haben die auch keine Zeit mehr, sich um die asylkritischen Vereine zu kümmern, verstehen Sie? – und dann wirft man dem Einzelhandel unmoralisches Verhalten vor. Da geht es ja schließlich um Arbeitsplätze. Zwar eher in der Konzernleitung, aber das ist ja erst mal nicht so wichtig. Höchstens für die Bilanz.

Also wir rechnen uns schon eine gewisse Resonanz aus, dass wir diesen Wettbewerb starten, das ist eine gute Werbung für uns, dass wir an einem modernen Sozialstaat arbeiten und uns nicht abhängig machen von gesellschaftlichen Trends wie Gentrifizierung oder Mietpreisbremse, das kann man ja alles machen, bis auf die Mietpreisbremse, aber wir wollen das nicht ausbaden, das müssen die Bürger dann schon alleine, die haben sich nun mal für den Kapitalismus entschieden und müssen damit leben.

Wie meinen Sie das: Bayern zum Kotzen?“


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