Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLXV): Der Generalsekretär

24 05 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Es gibt viele Gründe für junge Menschen, in die Politik zu gehen. Manche von ihnen sind getrieben vom unbändigen Drang, berühmt zu werden ohne jede Begabung, manchen mangelt es an Bildung und Anstand, die für eine zivile Karriere nötig wären. Einige reut schon nach dreißig Semestern das Vorhaben, Rechtswissenschaft zu studieren, einen Taxischein werden sie nach menschlichem Ermessen jedoch auch nie schaffen. Wo vieles aber zusammenkommt, um sich idealiter in einem Amt zu verquicken, das mit Engagement für Staat und Gesellschaft nichts zu tun hat, da haben wir mustergültig das Talent einer politischen Position, wie sie politischer im Sinne von Politik nicht sein könnte. Es ist der Generalsekretär.

Dieser Posten fordert und fördert, was ansonsten von der Gesellschaft nicht als satisfaktionsfähig verstanden und in die Kreise aufgenommen würde, in denen man seine niederen Instinkte ohne Rücksicht auf Verluste ausleben kann – Priester, Manager, das Kroppzeug halt, für das eine ordentliche Neigung zum Soziopathen eher nicht hinderlich ist, solange man keine körperlichen Schäden bei anderen anrichtet oder sich wenigstens nicht dabei erwischen lässt. Der gesamte Brüllmüll von der Resterampe, der freudig auf Drogen verzichtet, weil er jeden hastig zurechtgedachten Quark für die Wahrheit hält, sie anerkennt und mit seinem Blut verteidigt, der fanatisierungsfreudige Pausenclown mit dem Radiogesicht, dessen eigene Denkenge sich nicht einmal mit dem Schlagbohrer weiten ließe, er sucht sich die geistig nicht so ganz gesegneten Mitläufer, um überhaupt Publikum zu haben, und spricht zu ihnen, als habe er mehr zu verkünden denn Dumpfluft, ideologischen Schmodder aus dem Gärkeller, den man glaubt, wenn man mit dem Problembewusstsein eines mittelgroßen Holzklotzes zufrieden ist und keine Schmerzen hat, weil nichts da ist, womit man Schmerzen haben könnte. Vordergründig handelt es sich um ein aus der Parteisoldateska rekrutiertes Kläfferchen, das die Fortbildung zum Büttenredner erfolgreich abgebrochen hat und nun wegen der miserablen B-Note auffällig geworden auf der Besetzungscouch lümmelt, dass ein jedes weiß: für seine Vernunft und seinen Sachverstand hat man das jedenfalls nicht eingekauft.

Anders als die Krawalleros, die das Parlament mit einer dicklichen Schicht an verbalen Gerümpel zuschütten, das sie sich in mühseliger Kleinarbeit aus den Tiefen ihres Geltungsdrangs geschwiemelt haben, nimmt der Inhaber dieser Funktion für sich in Anspruch, die richtige Richtung zu kennen und das einzig wahre Marschtempo, mit dem die Abteilung kurz vor der Wand noch einmal Gas gibt. Dass es sich meist um proktologisch aufgestockte Vertreter handelt, die sich als Ausstieg aus der Spaßgesellschaft anbieten, macht die Sache nicht angenehmer. Der Generalsekretär kennt seinen Job, mehr ist meist auch nicht drin. Für alle weiteren Anwendungsbereiche, bei denen er sich mit den scharfkantigen Teilen irgendeiner Realität auseinandersetzen müsste, nähme man jedenfalls nicht ihn, aber das muss man ihm ja nicht sagen. Er würde es eh nicht kapieren. Sein Job ist es, die Masse mit vorgefertigtem Antwortgranulat zu versorgen, denkfreie Räume mit Schwafelsäure zu tapezieren und nach dem plumpen Geballer alle Worthülsen vom Tatort einzusammeln. Die Partei, die Partei, die braucht ihn, auch wenn sie es nie zugeben würde.

Und genau da liegt das Dilemma, dass der Apparat einen offenporig Dummheit ausdünstenden Knalldeppen braucht, um gegen die anderen Absonderungskombinate anzustinken. Was den intellektuellen Anspruch des durchschnittlichen Wählers mit Anlauf und Ansagen beleidigt, kann ja so verkehrt nicht sein – die eigentliche Zielgruppe ist ja der Unterkellerung des Niveaus verschrieben und erwartet lediglich geistige Höhenflüge in Höhe der Ackerkrume. Die liefert der Generalsekretär, stetig die Schmerzgrenze der eigenen Anhängsel ausleiernd mit standardisierter Schwatzarbeit und gängigen Klischees, um die Denkungsprothese nie an die aktuelle Wirklichkeit anzupassen. Was für ihn existiert, und dazu braucht er nicht aus der Höhle zu kriechen, das ist auch gewisslich wahr. Es gab schon liberalere Päpste, hin und wieder auch echte Denker, die ihre Meinung geändert haben, weil sie eine eigene hatten.

Ab und zu entkommt eine der Zufallsgeburten und hangelt sich im Innern der Partei hoch bis in die interessanteren Ränge; da ist man noch häufiger in den Abendnachrichten, darf schon ganze Sätze sprechen und bekommt andere Standardfragen vorgesetzt. Hin und wieder wird einer von ihnen nach dem Peter-Prinzip bis ganz zur Spitze durchgereicht, wo er nichts mehr falsch machen kann, weil der Laden eh nicht mehr für Programm, sondern nur noch für Propagandagepopel steht und jedes Gehirngestrüpp im Chefsessel aushält. Die Tragik ist, dass für den Posten des Generalsekretärs nun jemand vonnöten ist, der noch lauter kreischt, ohne etwas zu sagen. Aber das ist eine andere Geschichte.


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