Selbstzerstörungssequenz

29 05 2019

„Aber man muss das doch nicht gleich als reine Personalfrage…“ „Das sagen Sie!“ „Aber wenn die Partei sich in einer völlig falsche Richtung entwickelt, dann muss man doch gegensteuern?“ „Ich finde, dass die Vorsitzende ihre Kompetenzen sehr viel besser für…“ „Schon falsch.“

„Das halte ich jetzt aber für ziemlich daneben.“ „Entschuldigen Sie mal, sich so hinzustellen und einen derartigen Dreck vom Stapel zu lassen – wir sind eine Volkspartei, wir haben Traditionen!“ „Eben.“ „Das nehmen Sie zurück!“ „Leute, jetzt reißt Euch mal am Riemen!“ „Es ist zwar noch keine existenzielle Frage, aber langsam sollten wir uns als Volkspartei eine…“ „Das sagen Sie!“ „Es wird immer den einen oder anderen Nostalgiker geben, der uns wählt.“ „Aber der Parteinachwuchs ist doch nicht mehr derselbe.“ „Naja, als wir jung waren, da hatten wir schon andere Ideen.“ „Hehe, das kann ich mir vorstellen!“ „Trotzdem muss man in der gesellschaftlichen Wirklichkeit ankommen und die strukturellen…“ „Uh, strukturell!“ „Er hat mal Soziologie studiert.“ „Deshalb ist er auch nicht bei einer vernünftigen Partei gelandet.“ „Ihre reaktionäre Attitüde…“ „Was hatte ich gesagt?“ „Tja.“ „… ist doch genau der Beweis dafür, dass wir dauerhaft im Arsch sind, wenn wir uns nicht sofort und auf der Stelle umkehren!“ „Da ist was dran.“ „Sagt ja die Vorsitzende auch immer.“ „Ihre Ironie können Sie sich schenken.“

„Wenn wir ganz viel Glück haben, dann haut die Alte nächste Woche von alleine in den Sack, und wir können den Laden endlich neu aufbauen.“ „Ich würde auf vieles wetten, aber nicht darauf.“ „Selbsterhaltungstrieb?“ „Meiner oder ihrer?“ „Sie haben ganz einfach keinen Anstand. Wer Anstand hat, kann auch Niederlagen einstecken.“ „Das sagen Sie der Alten mal, wenn Sie ihr über den Weg laufen.“ „Witzbold!“ „Im Grunde sehen wir gerade zu, wie ein gesellschaftlich nicht mehr tragbares Konstrukt volle Möhre an die Wand klatscht.“ „Hätte man mal auf die gehört, die sich mit so was auskennen.“ „Also alle, die nicht nur von der Vergangenheit zehren.“ „Sie tun so, als hätten wir in unserer Partei lediglich ein Personalproblem.“ „Das habe ich nie behauptet.“ „Ach, und was ist das dann?“ „Wir haben ein Personalproblem, ein Führungsproblem und ein gewaltiges Problem mit der Kommunikation, insbesondere zu allen, die sich als politisch interessiert ansehen.“ „Das machen Sie jetzt aber nicht nur an der Vorsitzenden fest, oder?“ „Nein, mir ist schon klar, dass unter ihr auch jede Menge Sackpfeifen hocken, die in der freien Wirtschaft als Schiffschaukelanschubser rausfliegen würden, weil man ihre dumme Fresse nach drei Tagen nicht mehr sehen will.“ „Ach!“ „Schauen Sie mich nicht so an, ich habe die nicht gewollt! Wenn es nach mir ginge, wäre sie längst weg!“

„Auf der anderen Seite sollten wir jetzt auch nicht so tun, als gäbe es nicht einen ziemlich guten Gegenkandidaten.“ „Wie jetzt, den!?“ „Das ist nicht Ihr Ernst!“ „Lachhaft, einfach lachhaft.“ „Das sagen Sie!“ „Der Mann war doch immer schon ein peinlicher Sonntagsredner.“ „Und noch dazu ein kompletter Außenseiter.“ „Naja, der hätte dann eben frischen Wind in die…“ „Ohne jede Sachkenntnis von Parteipolitik?“ „Aber er hat…“ „Machen Sie sich doch nicht lächerlich!“ „Leute, es ist langsam mal genug! Ihr solltet wirklich mal überlegen, wie wir aus der Nummer rauskommen.“ „Wir sind doch freiwillig drin!“ „Eben, alles demokratisch und ordnungsgemäß gewählt.“ „Ja, man kann sich halt auch mal verwählen.“ „Und das muss ich mir von Ihnen anhören? Sie haben doch auch für die Alte gestimmt, als es nach Katastrophe aussah.“ „Das war etwas ganz anderes.“ „Sie haben nur an die Partei geglaubt und nicht daran, dass wir mit der Bude auch mal die eine oder andere Wiederwahl sichern müssen, was!?“ „Lassen Sie ihn doch, er ist doch auf einem sicheren Listenplatz.“ „Das soll ja manchen so gehen, die das Parteiprogramm noch nie von innen gesehen haben.“ „Boah, ich bin echt so was von…“ „Jetzt seid halt kompromissbereit, wir müssen uns doch auf die nächsten Wahlen vorbereiten!“ „Indem wir gemeinsam als Mantra die Selbstzerstörungssequenz nachträllern, oder was?“ „Sie gehen mir echt auf den…“ „Leute!“

„Also irgendwas muss ja jetzt auch passieren.“ „Aber nur personalmäßig ist auch doof.“ „Passt sich halt dem Personal an.“ „Im Prinzip müssten wir dann den ganzen Knalltüten aus der zweiten Etage die Stühle vor die Tür stellen.“ „Vielleicht sollten wir uns erst mal überlegen, wie wir mit wirklich wichtigen Zukunftsfragen überhaupt umgehen.“ „Vielmehr, ob wir uns das überhaupt zutrauen.“ „Das meinen Sie doch nicht ernst!?“ „Dann schauen Sie doch mal auf die Wahlergebnisse der jungen Generation, die sind eine Katastrophe!“ „Man muss doch auch mal berechnen, dass die jungen Leute ein sehr emotionales Verhältnis zur…“ „Das sagen Sie!“ „Ich würde jetzt gerne den…“ „Die blöde kuh muss endlich weg!“ „Hören Sie mal, das geht gar nicht!“ „Entschuldigung, wann ist denn…“ „Sie brauchen hier gar nicht zu…“ „Aber ich wollte nur den…“ „Meinen Sie das ernst!?“ „Wann kommt die dumme Kuh denn jetzt? Soll ich denn hier den ganzen Tag auf die Nahles warten?“ „Pardon, aber haben Sie aufs Türschild geschaut? Hier ist jetzt gleich Klausurtreffen der CDU.“


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