Gesammelte Wissenslücken

30 06 2019

Wie so eine Schnecke schnirkelt,
Quinte sich auf Quinte zirkelt,
dafür hab ich den Beweis,
und ich weiß, dass ich es weiß.

Gibt es eine deutsche Ehre?
Wozu braucht es Mengenlehre?
Das steht in ganz andrem Licht,
dies, das weiß ich, weiß ich nicht.

Gibt es Fische ohne Gräten,
Monde, ganz ohne Planeten?
Ganz verborgen und ganz leis
weiß ich nicht mal, dass ich’s weiß.

Aber was ich gar nicht wüsste,
nicht mal, dass ich’s wissen müsste,
weiß ich, nur weiß ich beileibe,
dass es mir gestohlen bleibe.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXLIX)

29 06 2019

Ließ Jaroslav sich in Althütten
beim Trinken recht ausgiebig bitten,
so leert er dann fleißig
vom Bier an die dreißig.
Er mag halt die vornehmen Sitten.

Inácio, der hockte in Tete
im Garten, ganz ohne Geräte
wie es ihm beliebe.
Fragt man, was er triebe,
so sprach er, man hört, stets: „Ich jäte.“

Man schenkt Ondřej damals in Chotzen
vom Tennisplatz Bälle. Das Motzen
der Eltern erklärte,
was sie daran störte:
er hört nicht auf, sie aufzudotzen.

Man hielt Pepi oftmals in Doiber,
wie er im Wald war, für den Räuber,
der grub und der raubte,
worauf es sehr staubte.
„Das täuscht, weil ich nur Wege säuber.“

Rasierte sich Radek in Attes,
so war das ein Aufwand. Er hat es
geplant meistens jährlich
und fand es entbehrlich –
die Frau mag sein Kinn nur als glattes.

Hat Yusuf als Jäger in Dehes
Erfahrung, die Fährte des Rehes
im Wald zu entdecken,
so muss er stets wecken
die Motivation: „Ich versteh es!“

Trinkt Ivo zu viel ins Bleiswedel,
so gießt ihm zu Hause sein Mädel
noch recht kräftig Schnaps ein
und gibt einen Klaps fein.
Am Morgen hat der einen Schädel.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLXX): Vom Aushalten der kognitiven Dissonanz

28 06 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Wie langweilig ist es unter der Schädeldecke. Alles geht seinen Gang, strebt nach Gleichgewicht und Frieden und schafft sich eine wunderbare Wirklichkeit außerhalb der Kalotte, in der die Dinge an sich gar nicht einmal so unangenehm sind, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Es ist ja schließlich die Aufgabe dieser kleinen grauen Zellen, sich über die gefühlte Schwerkraft zu erheben und allen Erdenrest fröhlich zu verdrängen – vor allem da, wo einem dieser ganze verdammte Schmodder täglich derart auf die Plomben geht, dass es schon an ein wunder grenzt, wenn wir uns nicht alle selbst oder gegenseitig die Rübe vom Rumpf marmeln in dieser beklopptesten aller möglichen Welten. Der Hominide sucht sich seinen Ausweg und fängt beispielsweise mit dem Rauchen an. Womit wir bereits beim Aushalten der kognitiven Dissonanz wären.

Jeder weiß, dass es schädlich ist und stinkt, aber es wird als letztes Zeichen von Freiheit gesehen, sich die Lunge mit Karzinogenen zuzukleistern. Mit der Fluppe im Maul zelebriert sich die Unterschicht inzwischen wieder als rebellische Rotte, die auf die gesellschaftlichen Konventionen des vernünftigen Handelns pfeift und sich für ihre Unabhängigkeit feiert, wohl wissend, dass Kamerad Nikotin eins der übelsten Nervengifte ist, mit dem sich die Synapsen wegschmirgeln lassen. Es ist auch nicht die reine Entspannung, die der Zug an der Zichte zeitigt, es ist lediglich das Nachlassen der akuten Entzugssymptome. Konsequenterweise müsste man Heroin legalisieren, da jeder Schuss eine nie geahnte Erlösung von einem psychischen Zustand der kompletten Ausnahme ist, die sich der neuronale Karneval zusammenschwiemelt. Doch wir halten diese Dissonanz aus und machen sie zu einem durchaus verträglichen Denkmuster, das zwar nicht mehr so akzeptiert wird wie ehedem, als das öffentliche Quarzen noch der Normalzustand einer verdübelten Welt war, aber immer noch als halbwegs normativ gilt. Schließlich hängen ja auch die Arbeitsplätze der Zigarettenindustrie samt einer nicht ganz unhübschen Steuer an der Sache.

Nicht weniger rationalisiert hockt der Raser mit dem Bleifuß auf dem Pedal, denn so schlimm ist sein kontrollierter Kamikazetrip nun auch wieder nicht, wenn alles es tun. Am Stau sind immer die anderen schuld, zu einem Unfall gehören immer noch zwei – auch wenn einer der Tatbeteiligten eine Leitplanke sein sollte – und letztlich sind die vielen Autos ja nicht deshalb so dufte motorisiert, damit man damit schneller am Straßenrand steht. Natürlich fahren sich alle anderen einen Stiefel zusammen, weil sie mit zweihundert Kilometern in der Stunde nichts anfangen können, sie sind bewegliche Ziele, die man in einem Ego-Shooter von der Bahn bolzt und also Täter, die keine andere Handlungsalternative zulassen als gesteigerte Aggressivität. Bisweilen kippt die Dissonanz ins scheinbar Vernünftige, wo sich der Trend verkehrt zum stylishen Innenstadtpanzer, mit dem man die Blagen sicher in die Kita karren kann. Das ist so super konstruiert, in der Mühle kriegt man den Klimawandel nur ganz am Rande mit.

Warum der gemeine Rassismus nicht auch als Anzeichen einer lebendigen Vollmeise und damit für die Krankenkassen behandlungsbedürftiger Hirnriss angesehen wird, erschließt sich sicher auch irgendwo im Raum-Zeit-Kontinuum, nur eben nicht hier und jetzt. Gerade da, wo kein irgendwie anders aussehender Zeitgenosse wohnt, wittern wirre Deppen Umvolkung und riechen Volkstod – nicht auszuschließen, dass das mürrischen Düftchen aus der eigenen Birne sickert, wenn man den Kopf zu selten zumacht. Gerade da, wo angelernte Kräfte in der Fabrik sauber Schichten schieben, sind es die arbeitsscheuen Zugewanderten, die dem in Blut und Bodenlosigkeit verwurzelten Volksgenossen seinen sauer erkämpften Job wegnehmen. Was nun den Fabrikanten dazu treibt, einen frisch ins Land migrierten Helfer ans Fließband zu stellen, statt des Führers letztes Aufgebot in Kampf und Sieg der nationalen Sache zu stützen, wird wohl das letzte Geheimnis bleiben, aber daran ist sicher auch der böse Ausländer schuld. Und so richtet es sich die Knalltüte ein in ihrer einfachen Welt, in der alles so lustig eindimensional ist, dass man beim Aufstehen nicht versehentlich auf die Fresse kippt, und führt eine geradezu vorbildliche Existenz außer Rand und Tand, in der sie sich die eigene Scheiße schönraucht, zurechtrast, geradedenkt, damit alles schick im Lack ist und keine Erklärung vonnöten.

Wir verdrängen, was nicht ins Bild passt, leugnen taktisch, was uns zum Argumentieren zwingen könnte, und werten alle ab, die sich als Gegner wahrnehmen lassen, Nichtraucher oder Demokraten, Verkehrs- und Klimaexperten, die das bisschen Heißluft der plärrenden Popeletten mit einer akademischen Karriere kontern. Noch ist kein Kraut gewachsen gegen Dummheit, das nicht zugleich mit seinen immensen Nebenwirkungen die Heilerfolge der vereinfachten Weltsicht aus der Rinde fräsen würde. Noch führen nicht alle Wege automatisch ins Friedensparadies, das einen Weltkrieg rechtfertigen würde. Noch nicht. Probieren wir es doch einstweilen mit Globuli.





Mutmaßliche Ausländer

27 06 2019

„… müsse die Polizei auch rechtsextremistischen Straftätern mit der nötigen Professionalität begegnen. Es sei nach Ansicht der Gewerkschaften verständlich, wenn eine gewisse Sympathie für die nationalsozialistischen…“

„… betone Merz, dass die CDU sich als Partei verstehe, die ohne Wenn und Aber hinter den Sicherheitsorganen stehe. Es sei für ihn keine Frage, dass er jede Kritik an der Polizei für eine dem linksradikalen Mainstream geschuldete…“

„… habe es keinen Mordbefehl gegeben. Die AfD sehe zwar den Mord an einem hessischen Politiker durchaus kritisch, da die volksdeutschen Aktivkräfte zunächst gehalten seien, muslimische Widersachen auszuschalten, in diesem Fall könne aber eine belobigende Ausnahme für die…“

„… wolle Gauland einen Fehler der forensischen Wissenschaft erkannt haben. Es sei nicht zweifelsfrei gesichert, da die DNA-Spuren vom Tatort nicht auf aufrechte Gesinnung geprüft worden seien, dass die identifizierte Kugel sich auch mit den restlichen Morden der…“

„… bei dem Hauptkommissar ein großflächiges Rückentattoo mit dem Schriftzug JUDA VERREKCE nebst SS-Runen sowie einem Hakenkreuz gesehen habe. Merz betrachte dies als eine durchaus legitime Meinungsäußerung, da sich der Körperschmuck an der Hinterseite befinde und man nicht ausschießen könne, dass der Beamte die Tätowierung nie selbst zu…“

„… könne man von Sicherheitsorganen nicht erwarten, dass sie in der BRD auch für Sicherheit sorgen würden. Seehofer wisse aus eigener Anschauung, dass die Feuerwehr auch nicht für Feuer zuständig sei und wolle daher keine…“

„… es doch ein gutes Zeichen sei, wenn sich Polizisten ohne Hilfe Daten von Polizeicomputern beschaffen würden, um Bürger bedrohen zu können. Dies stelle einen Wissensvorsprung vor Politikern dar, die meist auf Unterstützung durch Berater angewiesen seien und keine eigenen…“

„… es sich bei der Polizeiarbeit um eines der stressbetontesten Berufsbilder handele. Man dürfe die Gefahren einer psychischen Beeinträchtigung nicht gering schätzen und müsse daher immer mit großem Respekt reagieren, wenn die Beamten sich mit illegalen Hieb- und Stichwaffen in der…“

„… sei es in der Politik schon länger bekannt, dass die Bundeswehr nur noch defekte Waffen habe, um keine psychisch labilen Angehörigen in einer Konfliktsituation mit dem…“

„… mehrere Fälle von Polizeigewalt gerichtlich aufgearbeitet habe. Merz sehe, dass die Geduld der deutschen Polizisten schon durch Kleinigkeiten wie zum Beispiel eine widerrechtliche Anzahl an Personen mit nichtdeutscher Hautfarbe zu einer schnell eskalierenden…“

„… dass aktive gemeinsam mit ehemaligen Bundeswehrangehörigen eine rechtsextremistische Chatgruppe gegründet hätten. Merz werte dies als einen sehr positiven Beweis dafür, dass der Korpsgeist in der Truppe nicht auf die zeitlich beschränkte Zugehörigkeit, sondern auf ihren ideellen Gehalt und tatsächliche ideologische…“

„… man es einem Polizisten nicht zumuten könne, einen mutmaßlichen Ausländer, der sich von einem deutschen Staatsbürger heimtückisch habe zusammenschlagen lassen, wegen einer nicht nachzuweisenden rassistischen Einstellung gleich als Verbrecher zu…“

„… man bei Soldaten, die Verständnis für rechte Extremisten zeigten, durchaus Gesprächsangebote unterbreiten müsse. Einfühlungsvermögen und Empathie seien auch erfolgreich gewesen, die ersten PEGIDA-Kundgebungen durch den geschickten Einsatz sozialpsychologischer Mittel zu…“

„… für jeden die Unschuldsvermutung gelte. Dies dürfe auch bei Affekthandlungen, die von Polizisten im Dienst begangen würden, auf keinen Fall in der…“

„… das deutsche Rechtssystem schon durch die in der Verfassung verankerten Rechte sehr kompliziert sei und oftmals frustrierend auf die Sicherheitskräfte wirke. Für viele sei zum Beispiel nicht verständlich, warum man eingewanderte Personen wie Menschen behandeln und darum auch ihre jeweiligen…“

„… sei Merz zufolge das gesunde Volksempfinden zuerst für das deutsche, also das gesunde Volk zu berücksichtigen, womit auch etwaige Einlassungen fremdrassiger Tatbeteiligter nicht oder nicht in dem erwartbaren…“

„… könne die Ausbildung der Soldaten nicht mit Mitteln gegen die Frustrationstoleranz ergänzt werden, da dadurch ein wesentliches Element der notwendigen Aggressivität verlustig gehe. Außerdem sei es kontraproduktiv, wenn man den Bundeswehrangehörigen Respekt vor Nationen einimpfe, gegen die man in wirtschaftlich-militärischen und…“

„… die Versöhnung des Nationalen und des Sozialen auch und gerade durch die regierenden Sicherheitsbehörden in Deutschland beschleunigt werden könne, um das subjektive Gefühl einer allgemeinen Gerechtigkeit wieder verstärken zu können. Merz setze sich dafür ein, dass unter seiner Führung das deutsche Volk die Durchsetzung einer traditionsbewussten Leitkultur, die schon im vergangenen Jahrhundert für eine große…“





Totenstarre

26 06 2019

„Also das ist äh… ja.“ „Ich würde da nichts sagen, aber wir müssen ja.“ „Könnte man da nicht irgendwie so rein strategisch einfach mal die Fresse halten?“ „Die erwarten schon, dass wir uns dazu positionieren, finde ich.“ „Krass.“ „Ja, aber nicht wieder mit irgendwelchen Wortspielen.“ „Wozu das denn? Gesine Schwan ist schon schlimm genug.“

„Sie hat sich selbst ins Gespräche gebracht.“ „Sie hat gesagt, wenn man sie denn fragen täte, würde sie nicht so tun, als würde sie nicht wollen.“ „Also Extrawürstchen.“ „Krass.“ „Das ist doch wieder dieses passiv-aggressive Getue, das einem bei der SPD eh die ganze Zeit auf die Plomben geht.“ „Weil sich da jeder bitten lässt?“ „Weil sie vorher alle so tun, als ob man sie nicht will, weil sowieso jeder weiß, keiner hat so richtig Bock auf diesen Scheißjob.“ „Deshalb will ja auch keiner.“ „Das wissen alle, es will nur keiner wissen.“ „Oder hören.“ „Weshalb es auch keiner weiß.“ „Und wir müssen jetzt die Oma aus dem Osten ranlassen, weil sonst keiner den Arsch nach vorne schiebt.“ „Immerhin ist sie Professorin.“ „Ja, an dieser Homöopathieuniversität Hogwarts an der Oder.“ „Da lernt die Jugend wenigstens noch an Dinge zu glauben, die man nicht sieht.“ „Also hat Kühnert da seinen Dachschaden erworben?“ „Wie kommen Sie denn darauf?“ „So ganz normal kann man doch als junger Mann nicht sein, wenn man mit der eigenen Großmutter eine Partei aufziehen will.“

„Immerhin verlangt sie, dass es erheblicher Unterstützung bedarf, bis sie kandidiert.“ „Tolle Wurst.“ „Was hat sie sonst angedroht?“ „Vermutlich will sie wieder Bundespräsidentin werden, wenn man sie nicht rechtzeitig verhindert.“ „Krass.“ „Wer ist so verzweifelt und stellt diese Frau noch mal auf?“ „Möglicherweise die SPD?“ „Ich sagte ‚verzweifelt‘, nicht ‚meschugge‘.“ „Und dann noch mit Kühnert als Juniorpartner!“ „Immerhin eine Rolle, mit der sich die SPD in Regierung und Opposition inzwischen ganz gut auskennt.“ „Das heißt im Umkehrschluss, dass sie es Kühnert gar nicht zutraut.“ „Also sie hat es ganz klar davon abhängig gemacht, dass Kühnert den anderen Teil der Doppelspitze macht.“ „Und sie hat gesagt, sie sei davon überzeugt, dass Kühnert es nicht will.“ „Das würde nicht mal Schröder wollen, wenn Sie ihn aus dem Flüssiggasparadies entführen würden. „Jedenfalls nicht an der Seite von Gesine Schwan.“ „Und dann haben wir es wieder, sie stellt eine Bedingung auf, von der sie vorher weiß, dass sie nicht erfüllbar ist.“ „Passiv-aggressiv.“ „Krass.“

„Ich frage mich, wie wird man so?“ „Machen Sie das mal mit.“ „Was?“ „Große Koalition. Diesen ganzen Zirkus, wenn Sie eine Chefin haben, die eigentlich ganz vernünftige Ansichten hat, aber eine Reihe von Kollegen, die besser in der geschlossenen Abteilung aufgehoben wären.“ „Stimmt, insbesondere die CSU.“ „Da kann man ja nur mit Renitenz antworten.“ „Oder so unbeweglich werden, wie das unsere Partei seit Jahren ist.“ „Verwechseln Sie das bitte nicht mit der normalen Totenstarre.“ „Dann würde Schwan ja gut zum äußeren Erscheinungsbild der SPD passen.“ „Ich bitte Sie, die Frau ist doch höchstens scheintot.“ „Also Vortäuschung falscher Tatsachen.“ „Dann ist sie auf dem Posten mindestens okay.“

„Und der Kühnert?“ „Würde ganz gut zu ihr passen.“ „Wie soll ich das denn verstehen?“ „Immerhin ist er auch einigermaßen unangepasst.“ „Aber so verzweifelt, dass er sich mit Schwan vor einen Karren spannen lässt, kann man gar nicht sein.“ „Er ist der ideale Kompromisskandidat.“ „Klar, die Kernkompetenz der SPD: Kompromisse finden, wo sie keiner gesucht hat.“ „Das klingt wie die harmonische Verbindung aus Sozialabbau und weniger Klimaschutz, ein Spiel für die ganze Familie von achtzehn bis achtzig.“ „So verbiestert würde ich das gar nicht sehen: sie ist halt die Kandidatin für Leute, die nicht unbedingt nach Fakten gehen, sondern dieses etwas angestaubte Gefühl von Willy-Brandt-Sozialismus wollen.“ „Und er macht uns dann den Helmut-Schmidt-Pragmatismus mit dem etwas spröden Charme der stabilisierenden Mittelschicht, die eine ist, weil sie keine sein will.“ „Ideologisch gesehen?“ „Ja.“ „Krass.“ „Ich meine, jetzt ist es ja auch schon egal, da können wir doch gleich die beiden nehmen.“ „Sie meinen, beschissener wird’s eh nicht mehr?“ „In der Art, ja.“ „Aber das darf doch nicht der Grund sein, jeden Murks zu veranstalten, nur weil man es kann.“ „Dann haben Sie die große Koalition offensichtlich größtenteils verdrängt.“ „Und dazu brauchen wir jetzt eine gescheiterte Leiterin einer Verwaltungsklippschule, die einer strauchelnden Volkspartei die Beine wegtritt.“ „Mit dem Joker im Gepäck.“ „Wenn Sie Kühnert meinen, das ist allenfalls ein Klabautermann auf Süßwasserfahrt.“ „Dabei hat diese Personaldebatte doch auch schon wieder Charme.“ „Finden Sie!?“ „Immerhin spricht man über die SPD, und es geht ausnahmsweise mal nicht um Inhalte.“ „Wie gesagt, die Sache mit der Kernkompetenz.“ „Ich möchte dazu jetzt nichts mehr sagen.“ „Es kann Sie keiner zwingen.“ „Jetzt ändert das ja auch nichts mehr.“ „Wie soll ich das denn verstehen?“ „Ach, das war jetzt nur so als Floskel gedacht. Interpretieren Sie da nichts rein.“ „Hm.“ „Ich meine, so verzweifelt, wie wir gerade sind, warum identifizieren sich da nicht viel mehr Leute mit uns?“ „Wir sind nicht aggressiv genug.“ „Aber passiv.“ „Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.“ „Aber sie stirbt.“ „Das ist das Schöne an unserer Politik.“ „Was?“ „Wir wissen immer genau, wo die Reise hingeht.“





Destruktives Misstrauensvotum

25 06 2019

„… sich Kramp-Karrenbauer sehr entschieden gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgesprochen habe. Nach den jüngsten Gewalttaten sei derzeit an eine Koalition noch nicht zu…“

„… nur als Zweckbündnis sehe. Es sei den Abgeordneten klar, dass sie sich in ihrer gesamten christdemokratischen Ausrichtung nun nach den rechtsextremistischen Mitgliedern der…“

„… dass die CDU als Partei der Mitte noch keine verbindliche Aussage machen könne, wohin sich die Mitte bewege. Daher müsse man für weitere Bewegungen in alle Richtungen eine sehr große Toleranz und möglichst große…“

„… nicht damit rechne, dass die AfD in dieser Fraktionsgemeinschaft einmal als Mehrheit das Sagen habe. Wenn dies so sei, wolle die CDU sich allerdings als vorbildlich demokratische Partei zeigen und die Alternative als…“

„… einen Konsens innerhalb der Partei abstecken müsse. Kramp-Karrenbauer habe sich sehr besorgt über den Mord an Lübcke gezeigt, sei jedoch angesichts einer Gewalttat gegen die Bundeskanzlerin sehr entspannt, da sie nicht mit…“

„… bemühe sich auch die SPD um eine ruhige Kompromissfindung. Es sei den Sozialdemokraten nicht daran gelegen, Wähler aus dem rechten Umfeld zu verlieren, da man sonst als Koalitionspartner für die Alternative nicht mehr…“

„… habe sich die CDU sehr klar gegen den Rechtsextremismus ausgesprochen. Allerdings habe sie nicht vor genau zu sagen, was sie als rechts empfinde, daher könne sie auch nicht sagen, ob es eine extremistische…“

„… natürlich Empörung hervorgerufen habe, da sich der Bundestagsabgeordnete Hemmelgarn in obszöner Weise über den Tod zweier Angehörige der Bundesluftwaffe lustig gemacht habe. Das CDU-Präsidium sehe hier keinen Handlungsbedarf, da die Vorsitzende im Zweifel für die AfD eine antimilitaristische Gesinnung entdecken könne, die sich nicht mit dem üblichen Bild von der…“

„… müsse man die Einlassungen allerdings für eine schwere Entgleisung halten, da sie nicht vorher mit der Union abgesprochen seien. Dobrindt und Scheuer hätten zunächst untereinander gestritten, wer dies wohl zuerst gesagt hätte, dann aber seien beide auf die Bundeskanzlerin…“

„… wegen zahlreicher Ausschlussverfahren als Partei nicht mehr handlungsfähig sei. Kramp-Karrenbauer wolle daher zunächst auf einem Bundesparteitag die…“

„… auch rechtskonservative Wähler wieder mit der Partei versöhnen wolle, die den Holocaust für eine jüdische Erfindung und die Wehrmacht für linksgrün versifft hielten. Merz könne so wieder eine mehrheitsfähige…“

„… Fraktionsgemeinschaften mit anderen rechten Parteien nur noch auf dem Papier vollziehen werde, um die Wiederwahl nicht zu gefährden und die sogenannte bürgerliche Mitte nicht als Mehrheit aus dem Auge zu verlieren. Gauland warne ausdrücklich vor Söder und Dobrindt als geradezu minderwertigem…“

„… es einen Trennungsbeschluss geben müsse, der in der Form und der Folge einem historischen Vorbild folgen müsse. Sollte die CSU sich von der gemeinsamen Parteiführung nicht distanzieren, werde die Regierung alle Mitglieder dieser Diskussion in Gewahrsam nehmen, bis sich die…“

„… ein destruktives Misstrauensvotum gegen die Partei angekündigt habe. Zwar sei die Union bisher noch in Besitz einer Mehrheit, es könne aber nicht sichergestellt werden, dass sich dies auch programmatisch in den…“

„… sich die Christsozialen als Partei der wahren Mitte als erste von der Schwesterpartei distanziere, um nicht in einem stalinistischen Foltergefängnis aufzuwachen, das der linksversiffte Verbotskult der Grünen über die…“

„… sogar die Junge Union als international anerkannte Schifffahrtsorganisation bei der Bergung afrikanischer Flüchtlinge im Mittelmeer mitmachen wolle. Die AfD habe sich sehr zufrieden gezeigt, dass es in diesem Land wenigstens noch Kolibri und…“

„… um Entschuldigung bitte. Die Flugmanöver der Bundeswehr sähen nur von unten so interessant aus, was allerdings im ruhenden Zustand oft als eine sehr…“

„… die Börsenaufsicht inzwischen ermittle, es bestehe derzeit der Verdacht, dass durch die leerstehenden Hallen der Träger längst eine andere Nutzungsart anstreben wolle. Allerdings sei eine Kunstausstellung, so Klöckner, für die Räumlichkeiten im Deutschen Bundestag nur eine vorübergehende…“





Analysekompetenz

24 06 2019

„Sie können davon ausgehen, dass wir sehr besorgt sind. Schließlich verbirgt sich hinter jedem von uns auch ein Bürger, zumal ein doch jetzt besorgter, und wenn Sie sich unsere jüngere Geschichte ansehen, dann können Sie durchaus feststellen: ja, wir sind als Verfassungsschützer wirklich besorgte Bürger.

Unsere Behörde war immer schon eine ganz besondere Heimstatt der Analysekompetenz, davon profitieren wir gerade in solchen Situationen wie derjenigen aktuellen, in der wir uns befinden. Wir sehen da glasklar die Fakten, uns stellen fest: sie sind vorhanden. Da sehen Sie auf einen Anschlag, Schlag wollte ich sagen, auf einen Schlag, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz unverzichtbar ist für die Stabilität unseres Staates. Wir akzeptieren ganz klar die Existenz aller Fakten, und dann können wir ja immer noch gucken, was man damit anfängt. Möglichkeiten gibt es ja genug.

Sie müssen jetzt nicht immer an Schreddern oder Wegschließen denken, dazu müssen die Fakten erst einmal aktenkundig gemacht werden, und das benötigt natürlich Zeit. Erst einmal werden wir da mit Untersuchungsausschüssen und Gerichten zu tun haben, aber da wir nicht unbedingt aussagen müssen, um unsere Quellen zu schützen – wir sind weder der Innenminister noch sind wir Journalisten – kann das schon mal komplizierter werden, und dann muss man doch hier und da Akten anlegen, um sie wegschließen zu können.

Wir kommen teilweise gar nicht an die ganzen Fakten heran, das ist ja auch in der Öffentlichkeit zu wenig bekannt: die V-Leute wissen mitunter gar nicht, wer von denen ist noch ein echter Nazi oder Waffenhändler oder kann Sprengstoff besorgen, und wer ist eigentlich ein Kollege. Und dann holen die sich riesige Mengen Sprengstoff – so eine typische Besorgungsmentalität, die haben die Bürger, das kommt wohl damals vom Schlangestehen im Osten – und plötzlich stellen sie fest, den könnte man ja für irgendwas auch gebrauchen, und dann lässt sich nie nachvollziehen, ob der aus Altbeständen in Pullach kommt oder gleich aus Russland, und dann sagen die im Bundestag wieder, was sie immer sagen, nämlich, dass sie es immer schon gesagt haben. Also die Linken.

Außerdem haben wir ja hier eine etwas sehr besondere Mitarbeiterstruktur. Das sind teilweise erlebnisorientierte Personen mit Alkoholhintergrund und langjähriger Praxis in der Strafjustiz, die wir behutsam über den rechten Rand wieder in die Mitte der Gesellschaft eingliedern wollen. Wie man in Sachsen sieht, funktioniert das ja teilweise auch schon, zumindest ist die CDU da schon bereit, mit Rechtsextremisten zu koalieren, um bei einer später erfolgenden Übernahme einen integrativen Weg zur Verbindung von Sozialem und Nationalem zu eröffnen. Auf Bundesebene kriegen wir das noch nicht so schnell hin, aber das wussten wir vorher. Da outet man sich nicht so schnell als Säufer.

Wir mussten da eine systemorientierte Lösung finden, indem wir Synergieeffekte nutzen und zugleich einen gesamtgesellschaftlichen Konsens anstreben. Deshalb haben wir unsere Abteilung für Informationsbeschaffung vorerst an die Antifa outgesourct. Wir haben auch vorher kooperiert, das heißt, wir haben hinterher entsprechende Fakten zur Kenntnis genommen, die die Antifa vor einer rechtsextremistischen Straftat schon hatte, und das ist trotz vieler Bedenken auch aus unserer eigenen Behörde immer recht gut gelaufen. Zum Beispiel hat die Antifa uns darauf aufmerksam gemacht, dass wir mit dem Thüringer Heimatschutz eine nationalsozialistische Terrororganisation aufbauen – das war uns allen schon klar, das war ja auch so gedacht, da wir sonst nämlich nichts zu beobachten haben, aber dass man uns das mal gesagt hat, das war schon neu. Da haben wir gesehen, diese Art von Analysekompetenz verträgt sich sehr gut mit unseren Erkenntnissen, und eine Aufgabenteilung ist damit auch gut zu bewerkstelligen.

Also damit ließ sich bisher leider kein Mord verhindern, aber das kann man ja jetzt schrittweise ändern. In einer Zwischenstufe zur übergangsweise implementierten Provisoriumslösung könnten wir uns vorstellen, rechtsextremistisch motivierte Taten so weit in der Planung mitzuverfolgen, bis wir mit explizitem Insiderwissen direkt danach den oder die Täter dingfest machen können. Für unsere Behörde wäre das ein enormer Prestigegewinn, keiner hätte mehr eine Möglichkeit, uns vorzuwerfen, wir seien auf dem rechten Auge blind. Wir müssen dann ja nicht zugeben, dass wir den Rechtsextremismus nicht beherrschen. Das tun dann andere für uns.

Das macht auch den Arbeitsprozess für uns viel einfacher. Bisher hat ja noch niemand sich diese Todeslisten angeschaut, die der NSU hinterlassen hat, aber wenn jetzt jemand abgeknallt wird, und er steht auf der Liste, macht uns das die Aufklärung gleich viel einfacher. Wir wissen zwar immer noch nicht, nach wem wir suchen müssen, aber wissen das viel genauer nicht. Von der Analysekompetenz her betrachtet ist das schon eine enorme Steigerung, finden Sie nicht auch? Und wenn wir jetzt auch noch von Antifa-Experten unterstützt werden, die uns die richtigen Sachen im Internet ausdrucken, dann bekommen wir langfristig viel mehr mit von der politischen Lage der Nation und können bessere Vorhersagen treffen, denn Sie sehen ja, die meisten der bisherigen Täter waren uns ja bereits bekannt. Wenn wir jetzt noch die eine oder andere technische Möglichkeit bekommen, uns mit den Menschen da draußen zu befassen, ich sage Ihnen: Sie werden dieses Land nicht mehr wiedererkennen. Geben Sie uns einfach noch ein paar Jahre.“





Ramschdoktor

23 06 2019

Wie viel dieser professionelle Versager im Laufe seiner Karriere in die Grütze geritten haben wird, lässt sich noch nicht abschließend beurteilen. Es steht nur fest, dass die überflüssige Karriere dieses Dummschwätzers spätestens jetzt zu Ende sein sollte. Um vom letzten Debakel abzulenken, lallt der Bundesverkehrsminister Scheuer herum, ab sofort könnten auch Autofahrer ohne Prüfung ein Motorrad führen. Dass bereits jetzt Selbstüberschätzung und aggressiver Autoverkehr die Zahl an tödlichen Unfällen mit Motorrädern in die Höhe treiben: geschenkt. Es entspricht aber durchaus seinem Denkmuster; abgesehen davon, dass es jeder einen gekauften Ramschdoktor als juristischen Sondermüll einstuft, interessieren ihn die Konsequenzen nicht, da sie ihn selten selbst betreffen. Geld für den Quatsch ist ja immer da. Auch in seinem möglichst baldigen Ruhestand. Alle weiteren Anzeichen, dass Flugtaxis nur noch eine Frag der Zeit sind, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • tanten und onkel: Als CSU-Minister hat man ja nicht nur Schulfreunde, Ex-Kollegen und Parteifreunde auf dem Gehaltszettel.
  • volksparteien: Es gibt nur zwei, weil man weiß, dass die Partei, die Partei immer recht hat.
  • maut betrug: Ach was. Die Startups aus Scheuers Freundeskreis haben doch bekommen, was man ihnen versprochen hat.
  • braune raf: Weil für die meisten Politikexperten Faschismus ja auch nur eine andere Schattierung von Kapitalismus ist.
  • akk sozialismus: Noch so eine nationale Herausforderung.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDXLVIII)

22 06 2019

Fährt Kazimierz Bus in Wolfshagen,
so füllt er sich richtig den Magen.
Ihm wird zwar auch übel
und er braucht den Kübel,
doch lohnt sich’s sonst nicht, wird er sagen.

Ugo aus San Polo Matese
vertritt schon seit Jahren die These,
dass doch Astronauten
den Mond sich anschauten –
der war jedoch aus grünem Käse.

Olimpia, die hatte in Tzschecheln
fünf Hunde, die unentwegt hecheln,
wenn sie, die nicht schwitzen,
auf ihrem Schoß sitzen.
Man sieht sie beharrlich Luft fächeln.

Jewgeni, der in Leninkent
sich aus reifen Früchten was brennt
und vieles verkraftet,
wird trunken verhaftet.
Er streitet das ab vehement.

Wenn Ervin sich Wargitten
mal streitet, so ist er inmitten
der zankenden Brüder.
Ihr Ton wird rasch rüder,
denn er wird zum leidenden Dritten.

Maureen tanzte gern in De Smet
und macht sich am Samstag adrett.
Für Haut und für Haare
hat sie wunderbare
Produkte aus Speck, Öl und Fett.

Es gruselt sich Leszek in Thule
am Montag schon sehr vor der Schule.
Die Schaufel, die hebt er
zum Wald, und da gräbt er
und legt sich hinein in die Kuhle.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLXIX): Das Ende der Volksparteien

21 06 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Ja, noch immer haben wir Demokratie – eine Diagnose, die ungefähr so wenig schockiert wie Nagelpilz im fortgeschrittenen Stadium, denn mit vereinten Kräften und einer gesunden Aggression kriegt man alles wieder weg. Und dazu sind wir seit den Jahrzehnten der galoppierenden Globalisierung geradezu konditioniert – es wird nichts besser, es wird nur vielleicht nicht schlechter als es ohnehin schlechter würde, wenn man es denn ließe, weil es ohnehin gar nicht anders geht. Damit wir die grobe Richtung überhaupt erkennen und schon lange im Voraus begreifen, den Ritt in den Abgrund, die Schussfahrt gegen die Mauer, dazu gibt es die Parteien, jene Wahlvereine, in denen man sich in regelmäßigem Abstand seine Todesart aussucht, Pest oder Cholera, Verhungern, Fleischvergiftung oder Abschmieren durch heillose Verfettung. Das ganze Land meint, in die richtige Richtung zu torkeln, also nennt sich die ganze Veranstaltung Volkspartei. Doch wozu brauchen wir sie?

Zunächst ist es für die politischen Akteure, die Kirche und andere Sekten, Vereine, Verbände, Banken und Konzerne, nicht eben leicht, sich nach eigenem Nutzen Gesetze zu schmieren, wenn die Veranstaltung einigermaßen legitimiert aussehen soll. Damit man nun aber ein ganzes Land in eine Richtung mitnehmen, eine Mehrheit ad hoc und im Handstreich chloroformieren kann, braucht es diese Konstruktion, in der das einzelne Mitglied nichts, die Partei aber alles ist – so ähnlich, wie völkisch erklärt ein Volk funktioniert – mit dem Ergebnis, dass etwas passiert, das der Einzelne natürlich nie wollte, das er aber mitgetragen hat, und das auch noch zum Wohle des Landes. Weshalb man diese Läden aus Notwehr nur Volksparteien nennen kann. Sie sind wie multinationale Großkonzerne, die versuchen, mit zentralistischer Steuerung jenseits aller kulturellen, ökonomischen und geopolitischen Differenzen das eine identische Produkt mit der einen nichtssagenden Reklame in den Markt zu drücken, wo sie annimmt, dass ein paar gelangweilte Vertriebsstrategen beim Würfeln eine Lücke ausgemacht haben könnten. Sie sind wie Universitäten, die kurz nach dem Urknall aus der Trennung von Masse, Masse, Masse, Masse und Masse und Energie entstandenen Klötze aus Masse, Masse und Masse, sorgfältig mit den Ecken alles Universalen verkantet, damit ja nicht versehentlich eine Bewegung durch den Koloss rutschen könnte. Sie sind, und das reicht als Beweis ihrer Existenz.

Aus der Verachtung des Kollektivs entspringt die kollektive Verachtung dieser Dinger, die ein Volk ohne Traum in ihrer behäbigen Absolutheit, in ihrer realitätsresistent verschwiemelten Parallelwelt nicht mehr aushalten kann. Sie brauchen Brot und ein Dach über dem Kopf, aber die Partei für alles und jeden bewahrt sie vor tödlichen Verletzungen durch die echte Erbsenpistole. Sie erblickt in der grauenhaften Zukunft ein Klimainferno, und die Antworten sind so modern wie ein Klingelton-Abo. Mehr noch, die Partei versteht sich als Lieferant für Antworten aller Art, nur dass die Fragen niemand gestellt hat außer ihnen selbst – sie gehen ein auf die Umwohner, auf die Menschen draußen im Lande, vulgo: alles außerhalb des Elfenbeinturms, das noch arbeiten muss, um seinen Lebensunterhalt zu sichern, aber sie behandeln sie, wie das vertrocknete Kindermädchen aus der autoritären Schule seine Kinder behandelt hat, als eine gute Tracht Prügel noch als persönlichkeitsbildend galt. So viel Verständnis, so viel Empathie. Nicht.

Wer kein Profil liefert, und das tun die Parteien nicht mehr, braucht nur noch Wiederwähler. In ihrer panischen Angst aber, plötzlich einen Grund liefern zu müssen für ihre reine Existenz, dreht der Laden den Spieß um: der Kunde ist nicht mehr mit dem legislativen Lieferservice zufrieden, es kann sich nur um mangelnde Dankbarkeit handeln. Also straft die Organisation ihre Unterstützer im besten Falle mit Missachtung, üblicherweise jedoch spuckt man den schnöden Deppen gleich in die Suppe, weil sie unangenehme Fragen stellen: was stellt diese Trümmertruppe an mit unseren Stimmen, was macht sie mit unseren Steuern, was setzt sie uns als Demokratie vor? Die Antworten hängen müde im Wind herum.
Ja, sie haben verstanden, zumindest sagen sie das alle paar Tage und Jahre wieder, wenn sie wieder einmal nicht mitgekriegt haben, aus welcher Richtung die Ohrfeigenmusik kam. Längst haben sie Arbeitsgruppen gegründet, für eine Mörderkohle Unternehmensberater geholt, um herauszufinden: wer sind wir, und wenn ja, warum noch? Wenn das Volk sowieso alles besser weiß und uns genau das schwant, nach jeder Wahl wieder und wieder nach jeder Wiederwahl, warum lösen wir nicht einfach das Volk auf und ein wählen ein neues? Inzwischen glauben sie wirklich, dass sie uns alles verkaufen können, solange sie nur den Preis bestimmen. Die Marionetten haben ihre Fäden durchgenagt und zeigen uns ihre Mittelfinger. Sie werden sich noch wünschen, wir wären politikverdrossen.