Nazi-Methoden

27 08 2019

„Das sind Nazi-Methoden.“ „Also das können Sie jetzt wirklich nicht sagen!“ „Das geht gar nicht!“ „Okay, also: sind es Nazi-Methoden?“ „Wie gesagt, das dürfen Sie so nicht formulieren.“ „Warum nicht?“ „Weil die uns sonst Nazi-Methoden vorwerfen würden.“

„Also entschuldigen Sie mal, wer will denn hier immerzu mit Rechten reden?“ „Das ist allgemein der gesellschaftliche Konsens, dass man immer mit allen redet.“ „Auch mit Nazis?“ „Jetzt werfen Sie nicht Rechte und Nazis in einen Topf, das sind…“ „Nazi-Methoden, stimmt. Wobei ich da nicht genau weiß, wer jetzt wen für sich vereinnahmt.“ „Auf jeden Fall wäre das intolerant, wenn man nicht mit Rechten reden würde.“ „Und klug wäre es auch nicht.“ „Warum nicht?“ „Weil die dann sagen, dass keiner mehr mit denen redet.“ „Und das wäre dann intolerant.“ „Und das sieht schon wieder nach Nazi-Methoden aus.“ „Also muss man ständig mit den Rechten reden, weil sie sonst sagen, wir wären intolerant?“ „Außerdem wären es Nazi-Methoden.“ „Und wenn die Rechten sich beschweren, dass man ihnen nicht ständig eins auf die Fresse gibt, dann hauen wir ihnen in die Fresse?“ „Sie konstruieren da mal wieder Dinge, die nur theoretisch klappen.“ „Also mit dieser negativen Einstellung kommen wir nun wirklich nicht weiter!“ „Außerdem sind das auch schon wieder Nazi-Methoden.“

„Wir können denen doch nicht ständig ein Podium für ihre faschistische Ideologie bieten.“ „Müssen Sie die denn immer alle über einen Kamm scheren?“ „Man kann doch ausländerfeindlich sein und wissenschaftsfeindlich und überhaupt diese ganze Demokratie und den Rechtsstaat hassen, ohne Nazi zu sein.“ „Diese CDU-Vorsitzende macht es Ihnen doch gerade so schön vor.“ „Und die ist doch nun wirklich kein Nazi.“ „Aber die, die Sie hier ständig einladen, interviewen und in die Talkshows setzen, das sind Nazis.“ „Aber selbst wenn es Nazis wäre, dürften wir denen doch nicht den Mund verbieten.“ „Die erzählen doch sowieso, dass sie hier nichts mehr sagen dürften.“ „Sehen Sie, wie weit wir schon gekommen sind?“ „Da muss man doch Signale setzen!“ „Gesamtgesellschaftlich, und so!“ „Weil dieses Pack…“ „Bitte hier nicht solche abwertenden Gruppenbezeichnungen.“ „Das sind nämlich Nazi-Methoden.“ „Entschuldigen Sie mal, wollen Sie sich nun mit uns unterhalten, ob wir unser Verhalten ändern, oder wollen Sie uns einfach nur undifferenzierte Vorwürfe machen und uns mit haltlosen Drohungen überziehen? Dann können wir das hier nämlich auch gleich lassen!“

„Gut, dann anders. Wenn die Rechten, die Sie einladen, das nur ausnutzen, um öffentlich zu äußern, dass sie sich nicht mehr öffentlich äußern können, dann ist das was?“ „Wir können nichts für den performativen Widerspruch.“ „Das ist doch der Sinn, den Zuschauern wird es irgendwann auffallen, dass sie sich damit selbst widerlegen.“ „Und Sie lassen diese Intoleranz fröhlich zu und jeder darf bei Ihnen hetzen, wie er lustig ist.“ „Was erwarten Sie denn?“ „Zumindest Widerspruch.“ „Sie haben das immer noch nicht verstanden.“ „Die müssen sich doch selbst widersprechen.“ „Weil, wenn wir ihnen widersprechen würden, würden sie doch sofort sagen: die widersprechen uns.“ „Und dann sagen sie wieder, hier dürfen sie gar nichts sagen.“ „Und das wäre ja intolerant, oder?“ „Also wenn wir ihnen widersprechen.“ „Und Sie machen die nicht einmal auf ihren Widerspruch aufmerksam?“ „Das wären doch wieder nur Nazi-Methoden.“

„Also bleibt es bis auf Weiteres dabei, dass Sie sich irgendwelche Rechte einladen und sie hier haltlose Drohungen und undifferenzierte Vorwürfe ausspucken lassen.“ „Jetzt denken Sie doch mal logisch nach: wenn wir den Rechten den Mund verbieten würden, dann…“ „Was heißt denn bitte ‚den Mund verbieten‘? Wenn Sie nicht in jede Sendung einen Kardinal oder einen Erzbischof oder wenigstens eine Ordensschwester einladen, hetzt dann die Kirche gegen Sie, dass Sie gottlos sind und dass man der Kirche den Mund verbietet?“ „Naja, das kann man so nicht vergleichen.“ „Die Kirche hat ja ihre eigenen Kommunikationskanäle, vor allem zu ihren Anhängern.“ „Die brauchen uns ja auch nicht in dem Sinne, die haben ja schon ‚Das Wort zum Sonntag‘.“ „Und die Rechten können sich ausschließlich in den öffentlich-rechtlichen Medien äußern?“ „Nein, aber in jeder Demokratie muss es eben auch Minderheitenschutz geben für solche Meinungen.“

„Gut, und wenn ich jetzt auch zu den Rechten gehe?“ „Dann müssten Sie in der Partei schon eine gewisse Bedeutung haben.“ „Wir können ja nicht jeden Typen aus einem beliebigen Ortsverein in die Talkshow setzen.“ „Außerdem müssen Sie schon einen gewissen Wiedererkennungswert bei den Zuschauern mitbringen.“ „Dann geht es Ihnen als gar nicht um Rechte, Sie wollen nur jemanden aus der Partei einladen, weil Sie befürchten, dass Sie nach der Machtergreifung…“ „Das ist doch wieder so ein Jargon, den wir nicht haben wollen.“ „Und wieder eine Nazi-Methode, diesen Jargon außerhalb des rechten Kontextes zu verwenden.“ „Das heißt, Sie wenden Nazi-Methoden an.“ „Bitte!?“ „Das ist doch wieder so eine…“ „Sie lassen Rechte ihre faschistischen Begriffe in einem medialen Kontext verwenden, der nicht explizit faschistisch ist. Damit ist das eine Nazi-Methode. Oder Sie wären selbst faschistisch.“ „Also das müssen wir uns jetzt nicht mehr gefallen lassen!“ „Schweinerei!“ „Irgendwo hört die Toleranz nämlich mal auf!“ „Demokraten Nazi-Methoden vorwerfen, wissen Sie, wie man das nennt? Nazi-Methoden!“


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