Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLXXXII): Whataboutism

20 09 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Ach, man kennt es ja. Da debattiert die heitere Runde über die geopolitischen Wahnideen dummer Diktatoren und den Hirnschrott, den jäh welkende Platzhirsche zu Klimawandel und Autoverkehr in den unschuldigen Äther rülpsen, alle sind fleißig im Furor des argumentativen Austauschs, bis der einzige Knalldepp den entscheidenden Beitrag zu Gehör bringt: in China essen sie Hunde. Mehr muss man nicht wissen, die Veranstaltung ist gelaufen, es kommt nicht mehr. Guten Abend. Schöne Grüße vom Whataboutism.

Musste man früher in kompletter Unkenntnis Schopenhauers noch mit einer Gegenfrage die vernünftige Verständigung abwürgen oder aber einen Vorwurf mit einem anderen kontern – „In China essen sie Hunde.“ „Ach, und in Sachsen nicht?“ – so bietet die Kamikaze-Kommunikation jedem Zerstörer ein taugliches Mittel, um gleich die ganze Situation zu sprengen. Mit diesem brachialen Ausweichmanöver landet jede Argumentation im Straßengraben, und genau darum geht es dem Zersetzergeist ja auch. Wo immer gesprochen wird über Fachkräftemangel und fehlenden Wohnraum, empfiehlt es sich, die Ehe für alle als korrelierenden Auslöser für den Untergang des Abendlandes zu nennen; dass immer mehr Plastik in den Meeren dümpelt, liegt an der Erbschaftssteuer, außerdem sind alle Linken sowieso für alles verantwortlich, und damit ist die Sache erledigt, wohlbemerkt: alle Linken. Das Hervorzerren billiger Klischees mit dem Ziel der Schuldumkehr wirkt so angenehm in seiner Absolutheit, dass fast alles auf direktem Weg ins Paradies der Opferhaltung führt. Da kennt sich der in seiner faktenfrei zusammengeschwiemelten Parallelexistenz lebende Vollzeithonk aus, denn nur, wenn alle anderen schuld sind, hat er recht. Also immer.

Grundsätzlich eignet sich für die wohlgezielte Entgleisung jede noch so irrelevante Tatsache, die noch nicht einmal Tatsache sein muss. Der Kenner aber bläst auch hier mit Verve den Murks auf, der ihm in die schwitzigen Finger gerät, die Hauptsache ist, dass er unter seinesgleichen damit Empörung erzeugen kann – die eigene Perspektive reicht schon aus, er spricht nicht für die, die ihn an Bildung oder Charakter in den Schlagschatten stellen, sondern nur für seine Krabbelgruppe. Ginge es hier noch um rhetorische Tricksereien, der trübe Bodensatz der Flusenlutscher müsste sich die Frontallappen noch im Gefunzel der eigenen Unterbelichtung wringen, aber ihr Ziel ist die Vernichtung des Diskurses. Wenn sie zu bescheuert sind, um einen geraden Satz in die Öffentlichkeit zu rülpsen, dann soll es auch keine Öffentlichkeit mehr geben, mit oder ohne Diskurs. Dass der eigene bauartbedingte Denkfehler in einer verzerrten Selbstwahrnehmung nicht als gravierend wahrgenommen und gleichsam entschuldigt wird, gießt ein bombensicheres Fundament für immerwährende Glaubwürdigkeit, wo sonst nicht mehr als Wasserdampf und heiße Brotkrümel vorhanden sind. Wer immer sich fragt, woher diese an rhetorischen Taschenspielertricks versagenden Schlumpfnulpen allgemein bekannt sind: ja, die Antwort ist richtig. Aus dem genetisch versumpften Auswurf schöpft manche Alternative.

Denn die wutbürgerliche Zusammenrottung hat es bitter nötig, sich gegen jede Form von Kritik abzuschotten, sogar dann, wenn sie schon an die Wand getackert und mit Steinen der reinen Vernunft beschmissen wird. Die für den Aushub geschnitzte Killerphrase gegen jede Kritik hilft wie ein abgenagter Zahnstocher gegen ein Dutzend Füsiliere. Solange man die Doppelmoral dem Gegner in die Schuhe schieben kann, weil man den Mut zur Wahrheit für sein eigenes Gestammel reklamiert, wird es im Kragen nicht eng.

Freuen wir uns nicht zu früh. Noch feiert die Propagandamethode Erfolge in den Niederungen der TV-Talkshows, wo nur der letzte Gesprächszug dem zwanghaft jodelnden Publikum in der auf Kurzzeitwahrnehmung getrimmten Glibbermasse feststeckt. Logische Folgerungen zählen nur noch dort, wo der als wichtig angekündigte Laberlulli seinen Satz unfallfrei in die Kamera hampeln kann, andernfalls wird er nach alter Sitte infantil vom Platz geschoben. Zum guten Schluss der formalen Beleidigungen wissen doch Kleinstkinder immer noch dem anderen mitzuteilen, dass es doof ist. Wie viel Entspanntheit läge darin, uns souverän auf dies Argument zurückzuziehen, anstatt manisch nach gesittet riechenden Schmähungen zu suchen. Die anderen aber, die natürlich frei sind von Schuld, dürfen gerne den ersten Stein werfen; wir sind da nicht so. Schmeißen sie den ersten Stein, haben wir die pseudoreligiöse Bestimmung des Ichglaubens gründlich verrotzt und müssen uns nicht wundern, dass die meisten Menschen immer noch dieselben egoistischen Arschgeigen sind wie vor n-1 Jahren. Und kommen sie uns mit moralischen Kategorien, wir wissen alles, und zwar besser. Oder soll man es lassen?





Minderwertige Märkte

19 09 2019

„… unbedingt wieder Kolonien brauche. Kramp-Karrenbauer und Merz seien sich darin einig, dass eine großdeutsche Lösung die Union gegen die rechtspopulistische Propaganda der…“

„… natürlich unsinnig sei. Als noch nicht designierter, aber so gut wie schon gewählter SPD-Vorsitzender könne Scholz den imperialistischen Anwandlungen des Koalitionspartners nicht abgewinnen, wolle aber auf der anderen Seite damit die Koalition auch in keiner Hinsicht…“

„… den Lebensraum im Osten als Staatsziel in die Verfassung der BRD GmbH aufnehmen wolle. Meuthen werde einen Gesetzesentwurf für die…“

„… mit großem Befremden aufgenommen habe. Steinmeier wolle die Expansion der Bundesrepublik nicht mittragen und habe jede Verantwortung für die geplanten…“

„… sich auch auf den Osten Afrikas bezogen haben könnte. Weidel habe die Diskussion aus dem schweizerischen Ausland nicht verfolgt, könne aber jetzt einer Invasion nur vollumfänglich…“

„… dass Altmaier den Bundespräsidenten beruhigt habe. Seine Einmischung in die Versorgung mit Rohstoffen sei nicht notwendig, da allein der Bundestag die Befehlsgewalt über die Truppe habe und deshalb auch eigenständig die…“

„… habe die deutsche Herrenrasse endlich ein Recht, auch deutsche Bananen zu essen. Höcke sehe die Zukunft der deutschen Landwirtschaft in den…“

„… sehe die Union die afrikanischen Länder auch eher als Absatzgebiete für deutsche Waren, die in der Heimat nicht mehr konkurrenzfähig seien. Neben Videorecordern und Wählscheibentelefonen wolle sich BILD mit einer…“

„… außenpolitische Verwerfungen fürchte. Scholz wolle im Fall einer Annexion keine Sonderwirtschaftszonen schaffen, da er hier durch verringerte Steuereinnahmen eine Gefährdung der Schwarzen Null sowie des…“

„… der Schadstoffausstoß der afrikanischen Länder erheblich unter dem globalen Durchschnitt liege. Eine zeitnahe Annexion sei daher schon aus statistischen Gründen notwendig, um durch den dadurch entstehenden Durchschnitt Deutschland wieder einen Spitzenplatz im Umweltranking zu…“

„… zu Schwierigkeiten führen könne, wenn der Euro zu schnell in den Kolonialwirtschaften eingeführt würde. Lindner habe angeregt, den Afro als regionale Währung für minderwertige Märkte zu etablieren, um die Teilnehmerländer beim Versagen der europäischen Märkte schnell wieder aus der Währungsunion zu…“

„… Johnson erklärt habe, dass er bereits seit 1492 mit der Bundeskanzlerin verhandle. Merkel habe ihm verbindlich zugesichert, dass Deutschland dreißigtausend Prozent des Bruttoinlandsprodukts als Subvention an die britischen…“

„… Pflegepersonal aus den neuen Ländern zu rekrutieren. Spahn wolle eine Rundreise durch alle Beitrittsgebiete absolvieren und sich dabei eine tarifkonforme Unterschreitung der Lohnuntergrenze als legale Möglichkeit zur…“

„… wolle Steinbach die Nachfahren der bisherigen deutschen Besiedlung von allen Ansprüchen als Vertriebene ausschließen, um keine gemischtrassige Bevölkerung in den…“

„… dass per Gesetz ein Dieselfahrverbot in den Kolonien ausgeschlossen werden könne. Die von CDU und AfD beschlossene Einigung sei zwar durch Kramp-Karrenbauer und die Richtlinien der Union verboten, man könne aber gerade in Hinblick auf andere Gesetzesvorhaben eine vertrauensvolle Zusammenarbeit überall…“

„…auch in den Kolonien homöopathische Mittel von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet werden sollten. Spahn sehe nicht ein, warum es den Afrikanern besser gehen sollte als den…“

„… künftig der Mindestlohn für keinen der eingewanderten Arbeitnehmer gelten solle. Im Gegenzug wolle man auch ALG-II-Empfänger zwangsweise verpflichten, auf den Obstplantagen in den…“

„… wolle Meuthen die afrikanischen Territorien nicht durch Sonnenkollektoren und Windräder zum Energielieferanten machen, da durch diese linksgrün versifften Gagatechnologien der Brutplatz der abendländischen Störche gefährdet sei. Zur Einschränkung der ungehinderten Ausbreitung müsse man die Eingeborenen durch noch mehr Kernkraftwerke und…“

„… habe sich tatsächlich bereiterklärt, einen Teil der Insel als deutsche Kolonie anzuerkennen. Allerdings haben Madagaskar darauf bestanden, dass der Vertrag nicht ohne eine ausreichende Kompensation…“

„… wenigstens für Strafexpeditionen zu gebrauchen seien. Kramp-Karrenbauer wolle einen echten Kolonialkrieg noch nicht jetzt, sondern erst bei Unterschreitung der vertraglich …“

„… sich nach zähem Ringen entschlossen habe, nach Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern auch Bayern als afrikanischen Kolonien aus der föderalen Republik zu entlassen, um die madegassischen Territorien zu…“





Gottesbeweis

18 09 2019

„Und das Rad, und deshalb natürlich auch das Auto, ist ja klar. Weil die CSU, die hat nämlich so gut wie alles erfunden und zuerst gesagt und als erste mitgekriegt, weil das ja klar ist. Können Sie mir noch folgen?

Den Umweltschutz haben wir als erste erfunden, das lassen wir uns auch nicht nehmen! Und wenn Sie jetzt der Meinung sind, dass wir das nicht gewesen sind, dann schauen Sie doch mal auf den Wahlplakaten der CSU nach, haben Sie da schon einmal den Umweltschutz als Staatsziel gefunden? Also angesehen von den linksgrünen Chaoten, die wollen natürlich unter Umweltschutz verkaufen, dass man im Stadtpark an Kleinkindern fummeln darf. Das wissen Sie aber. Wenn jetzt irgendwelche Minister für Reaktorsicherheit kommen, das war damit auch nicht gemeint. Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir zusammen mit der Atomkraft, und das waren natürlich wir, die konservativen Kräfte der Union, und das wollen wir hier doch einmal… –

Deshalb geht es uns auch so am Arsch vorbei, ob die in Deutschland Endlagerstätten für den ihren Atommüll finden oder nicht, weil erstens ist das unser Bayernland, da können die sich ihren Umweltschutz in die Haare schmieren, und dann brauchen wir immer noch ein Gutachten, das unsere Staatskanzlei unter die Lupe genommen hat. Das macht normalerweise eine Partei, aber bei uns in Bayern kann man solche Unterschiede vernachlässigen. Wir sind an der Schöpfung orientiert, da brauchen wir keine zusätzlichen Störfaktoren.

Und dann natürlich das christliche Abendland – da war die CSU, wir wissen jetzt auch nicht so genau, wer da verantwortlich war, aber das war die CSU, das ist sicher – also wir haben das christliche Abendland erfunden, genauer gesagt: überhaupt die christliche Moral, nach der man Leistung zeigen muss und sich gesetzeskonform verhalten soll, auch wenn die Gesetze sich verändern, weil die Regierung aus Sorge um die Wiederwahl eine neue Situation in der Sicherheitslage erkennt. Wir haben diese ganze christliche Idee, naja, Sie haben das dann halt übernommen. Reden Sie sich nicht raus, Sie hängen da auch mit drin.

Auf jeden Fall die Nachhaltigkeit, und das heißt ja bei uns, dass man auch als Billigarbeiter, da muss man schon sehen, dass man die ethischen und die politischen Maßstäbe unter einen Hut kriegt. Zum Glück haben Politiker immer irgendwo noch einen Hut hängen. Aber egal, die Billiglohnklasse, die muss ja langsam mal aufwachen, und dann müssen die preiswerte Eigenheime errichten, natürlich bei uns, auch wenn die in Hessen oder Sachsen-Anhalt arbeiten. Da vermeidet man eben die gebrochenen Arbeitsbiografien, und dann haben diese Leute ja auch noch die fairen Chance, dass sie mit zwölf bis fünfzehn Mann innerhalb eines ganzen Jahres Wohneigentum erwerben können. Knapp zwanzig Quadratmeter. Kleinvieh macht auch Mist!

Der Herr Ministerpräsident hat gerade ein Problem, aber das ging nur um die Borkenkäfer. Die sind noch nicht so akut verkehrsgefährdend, wie wir gedacht hätten. Es gibt ja auch Dinge, die wir nicht erfunden haben, den Borkenkäfer zum Beispiel. Braucht kein Mensch, braucht die Wirtschaft nicht, ist nicht typisch für unser schönes Bayernland, dann werden wir das wohl auch nicht erfunden haben. Im Gegensatz etwa zum Flugtaxi, das ist ja geradezu das Gegenteil vom Borkenkäfer. Haben Sie schon mal gesehen, dass wegen Flugtaxis ein Bahnhof nicht gebaut werden konnte? Oder dass der Borkenkäfer Wahlkampf für die CSU macht? Umwelt ist das, was dem Menschen nützt, und mit Menschen meinen wir in erster Linie den Bayern, und der ist nun mal leistungsorientiert. Auch und gerade in der Wirtschaft.

Ob der Herr Ministerpräsident das Kruzifix erfunden hat, entzieht sich meiner Kenntnis, aber die meisten Menschen außerhalb von Bayern werden es durch ihn kennen gelernt haben. Wir haben ja eine gewisse missionarische Toleranz, das heißt, wir lassen die Menschen außerhalb von Bayern an unseren Ideen teilhaben, ob Ihnen das nun passt oder nicht. In manchen Ländern gibt es Bürgerkrieg, weil man kein Benzin mehr kaufen kann. Da gehen die Leute auf die Straße, weil sie Verbrennungsmotoren betreiben wollen – das würden die gar nicht tun können, wenn die CSU nicht die Demokratie erfunden hätte!

Nur das Kohlendioxid, das kommt natürlich nicht von uns. Das ist eine sozialistische Erfindung, das merken Sie daran, dass es in der Industrie im Ostblock offensiv produziert und verarbeitet wurde. Offensiv! Deshalb kann man das auch nicht einfach besteuern, wie denn auch? Sozialismus auch noch besteuern, da kann sich doch kein Mensch mehr ein Auto leisten! Nein, gehen Sie mir weg mit dem Wahnsinn, das ist alles nicht vernünftig. Fest steht nur, die Schöpfung, das war selbstverständlich auch irgendwie die CSU, zwar jetzt nicht direkt, sonst kriegen wir wieder Ärger mit der Kirche – mit dem Papst wäre okay, das ist ein alter weißer Mann, die Karte spielen wir jederzeit, aber der Erzbischof von München und Freising, da hört der Spaß auf. Also die Schöpfung waren natürlich nicht wir, Himmel und Erde und so, aber was davor kam, das ganze Chaos überall, stellen Sie sich das mal vor – überall nichts als Chaos! Haben Sie einen Zweifel, dass das nur die CSU gewesen sein kann?“





Zweierlei Maß

17 09 2019

„… nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs durchgesetzt werden dürfe. Das Oktoberfest werde zwar nicht abgesagt, es dürfe aber weiterhin alkoholfreies Bier ausgeschenkt und in jedem…“

„… als Angriff auf die bayerische Kultur sehe. Söder könne sich einen sofortigen Austritt aus der Bundesrepublik vorstellen und lasse noch zur Stunde prüfen, ob sich diese…“

„… fürchte der Einzelhandel in diesem Jahr keine Umsatzeinbußen. Die Geschäfte seien aber mit den Mengen an Alkoholika überfordert, die stattdessen in Supermärkten, Discountern und…“

„… heftig gerügt worden seien. Die Wirte hätten auf Nachfrage erklärt, der Ausschank von alkoholfreiem Bier stelle für sie weder technisch noch logistisch eine große Herausforderung dar, was zu scharfer Kritik durch die CSU und das…“

„… ursprünglich als Präventionsmaßnahme gegen zu viele alkoholisierte E-Roller-Fahrer geplant, von Scheuer aber erwartungsgemäß äußerst mangelhaft umgesetzt worden sei. Da die Landesregierung das Urteil nicht mehr korrigieren könne, werde man die Folgen so sozialverträglich wie möglich in den…“

„… rechne die Polizei mit einem starken Rückgang insbesondere an Körperverletzungen, die durch ein alkoholfreies Fest und die damit einhergehenden…“

„… habe Söder erklärt, dann könne man das Oktoberfest gleich abschaffen, wenn man nicht die bayerischen Traditionen aufrecht erhalten wolle. Es sei nicht hinnehmbar, dass nun bald die Grünen durch die Legalisierung von Cannabis eine links-orientalische Orgie auf der Theresienwiese und allen angrenzenden…“

„… ein moderater, aber messbarer Rückgang der Besucherzahl verzeichnet werden müsse. Dies liege allerdings auch daran, dass die Münchener Polizei Wiesnbesucher, die sich im Vorwege stark angetrunken hätten, vom Betreten der…“

„… sich der oberbayerische Handwerksmeister Alois G. (61) durch seinen breitbeinigen Gang beim Wachpersonal verdächtig gemacht habe. Nachdem ihm eine Bügelflasche mit Starkbier der Marke Terminator in der Hose geplatzt sei, habe er jedoch aus Angst vor Schnittverletzungen freiwillig in den…“

„… die Landesregierung protestiere. Alkohol, so Dobrindt, sei überall erlaubt, weil er nicht illegal sei, daher dürfe in Bayern keiner die…“

„… dass es tumultartige Szenen gegeben habe. Zwar seien die Preise für alkoholfreies Bier in diesem Jahr erheblich reduziert worden, die Besucher würden aber trotzdem nicht einsehen, warum sie für einen gezapften Liter mehr als den Preis von Discounterware und…“

„… sich die Sanitätseinsätze in den frühen Abendstunden nicht verringert hätten. Meist seien es alkoholbedingte Entzugserscheinungen, die zu notfallmedizinischem Eingriffen in den…“

„… gleich drei Schlägereien im Festzelt stattgefunden hätten. Den Beginn der brutalen Auseinandersetzung hätten mehrere Einwohner der Maxvorstadt gemacht, die komplett nüchtern der Blaskapelle gelauscht und gefordert hätten, man solle ‚diese ganze kranke Scheiße‘ sofort aus dem…“

„… fordere Dobrindt ein ausdrückliches Verbot von Heroin auf dem Oktoberfest, um eine Rechtssicherheit für die…“

„… seien mehrere im Priesterornat aus dem Kostümverleih gekleidete Münchener aufgefallen, die nach eigenen Angaben dienstlich große Mengen Messwein verkostet haben wollten, was zu einer sehr erheblichen…“

„… es laut Landesregierung jährlich 1.700 Alkoholtote gebe. Diese seien allerdings nicht alle in München und von diesen die Mehrheit nicht durch unmittelbare Wirkungen des Oktoberfestes verstorben, so dass von einer Kausalität überhaupt keine…“

„… fürchte die CSU einen Gewöhnungseffekt. Sollten die Bürger allgemein weniger Alkohol konsumieren, würde es nie mehr eine absolute Mehrheit für die…“

„… habe die Polizei strikte Anweisung, alle E-Scooter-Fahrer während des Festes einem Promilletest zu unterziehen. Zur Schonung der Personaldecke würden die Kontrollen allerdings nur im Münchener Umland sowie in den…“

„… auch der Konsum an Hühnerfleisch und Tabakwaren erheblich nachgelassen habe. Eine Korrelation mit dem Alkoholverbot könne man aber im Wirtschaftsministerium noch nicht als…“

„… sehe Scheuer im Alkoholverbot auch das Problem, dass so Autofahrer aus dem Umland nach dem Festbesuch nicht mehr in ihre heimatlichen…“





Mainstream

16 09 2019

„Also entschuldigen Sie mal, das geht ja gar nicht!“ „Absurde Idee!“ „Sie haben doch nicht alle Tassen im Schrank!“ „Aber es ist ein gesellschaftlich sehr polarisierendes Thema, wir als Journalisten dürfen das nicht einfach ausklammern.“ „Deshalb lädt man aber trotzdem nicht die RAF ins Fernsehen ein!“

„Politische Bildung kann nur so funktionieren, dass wir die Betroffenen zu Wort kommen lassen.“ „Wenn ich das schon höre…“ „Wer sind denn die Betroffenen?“ „Das sind ja wohl die, die bei den Attentaten zu Schaden gekommen sind.“ „Vielmehr die Hinterbliebenen, die Opfer können ja nicht mehr reden.“ „Ich bin auch gegen Terrorismus, aber deshalb muss man doch der Gegenseite trotzdem eine…“ „Um diesen ganzen radikalen Mist in Ihrer Sendung zu zeigen?“ „Diese Leute wollen doch gar nicht reden!“ „Das zeigt doch schon dieses ganze verquaste Ideologiegelaber!“ „Genau da haben die Medien die Aufgabe, eine gemeinsame Sprache zu finden und dem Zuschauer eine…“ „Also falls ich es nicht schon gesagt haben sollte, noch mal fürs Protokoll: Sie haben nicht alle Tassen im Schrank.“

„Wir müssen hier doch auch mal eingestehen, dass, nur, weil wir recht haben, der andere nicht unbedingt unrecht haben muss.“ „Nehmen Sie mir bitte jetzt alle harten Gegenstände weg.“ „Das Schlimmste sind Typen, die auch noch glauben, was sie da für einen Bullshit erzählen.“ „Streitkultur ist doch für uns Demokraten ganz wichtig, weil wir…“ „Streitkultur!?“ „Diese Mörder…“ „Es sind nicht alle Mörder, das wissen Sie ganz genau.“ „Wer Mord oder Terror rhetorisch vorbereitet oder die Taten organisatorisch unterstützt und sie hinterher ideologisch als Notwendigkeit rechtfertigt, hängt mit drin.“ „Sehe ich auch so.“ „Aber Streitkultur ist wichtig, weil wir die…“ „Was wir von dieser Bande vorgesetzt bekommen, sind bestenfalls Hassphrasen mit freundlichem Zuckerguss.“ „Die wollen sich nicht streiten, die wollen Ihre Meinung ausradieren, weil sie für die ein überkommenes System repräsentiert.“ „Und dann können Sie sich noch so viel ins Fernsehen stellen und Differenzierung fordern, das verfängt nicht bei denen.“ „Es soll aber bei den Zuschauern ankommen, dass wir uns um Mäßigung bemühen.“ „Bemühen!“ „Na großartig, und was kommt von denen zurück?“ „Warten wir noch zehn Sekunden ab, dann kommt hier die Leier mit der schweren Kindheit.“ „Gottchen, die armen Terroristen!“ „Die leiden sicher am schwersten unter ihren Bombenattentaten.“ „Ist aber auch echt gefährlich, wenn man im Untergrund lebt und den ganzen Tag auf der Hut sein muss, dass man nicht ertappt wird.“ „Schlimm, schlimm, schlimm!“

„Für klar denkende Menschen gehören diese Terroristen ja auch nicht zur Normalität.“ „Also nicht zu der Normalität, die Sie ihnen medial als billige Eintrittskarte in die bürgerliche Gesellschaft zur Verfügung stellen?“ „Jetzt differenzieren Sie doch mal: wer nicht differenziert, hört in dem lauten Geschrei dieser Terroristen oder ihrer Sympathisanten nicht die Stimmen, die man hören sollte, als Politiker, um sie ernst zu nehmen, als Journalist, um sie zu beleuchten.“ „Das mit der schweren Kindheit haben wir verpasst?“ „Sieht so aus.“ „Also die Zwischentöne, wenn wir uns so rein emotional darauf einlassen sollen, was der Terror mit uns macht?“ „Das klingt jetzt echt deep.“ „Ich fühle mich auch schon echt voll betroffen, Du.“ „War Lack schon wieder im Sonderangebot?“ „Wir brauchen einen respektvollen, anständigen Diskurs und eine…“ „Damit wir uns von diesen Terroristen ans Handlanger eines Schweinesystems anpöbeln lassen dürfen, das notfalls durch brutale Gewalt gegen Unschuldige zerstört werden soll?“ „Sie hatten möglicherweise nicht ganz so viel Zeit, sich in die theoretischen Grundlagen dieser Ideologie einzuarbeiten.“ „Wenn man keine Ahnung hat, was ‚Diskurs‘ heißt, hat sich die Diskussion er erledigt.“

„Der Mainstream setzt sich aber auseinander mit diesen Themen, und deshalb dürfen wir das nicht ausgrenzen.“ „Die Mehrheit der Bevölkerung kann diesen Scheißdreck aber nicht hören!“ „Und die anderen Sender machen das auch, und auch auf dem eigenen Sender gibt es genug Sendungen, die sich mit dem…“ „Und deshalb müssen Sie denen auf den Leim gehen, jedes Mal deren Hassparolen übernehmen und weitertransportieren?“ „Meine Güte, die sagen halt ‚Bullenschweine‘, wenn einer denen nicht passt, aber…“ „Und das müssen Sie dann auch nachplappern?“ „Wir können doch einen Diskurs nur auf Augenhöhe führen, wenn wir klar differenzieren, was wir als…“ „Klar, Sie sagen immer ‚Zwinki-Zwonki‘, damit auch jeder Ihre differenzierende Distanz diskursiv einordnen kann, oder?“ „Uh, das ist Medienkompetenz!“ „Sehen Sie, einmal mit Profis arbeiten.“

„So, und damit hier jetzt mal Ruhe im Karton ist, haben wir Ihre Studiogäste für morgen früh wieder ausgeladen.“ „Aber…“ „Das reicht jetzt, und Sie können gerne Ihre politischen Ambitionen überdenken, nur nicht bei uns als Arbeitgeber.“ „Aber Meinungsfreiheit…“ „… heißt nicht, dass wir Ihnen unwidersprochen zuhören müssen.“ „So, und jetzt würde ich diese Diskussion gerne beenden.“ „Sie können sich ja gerne privat mit der RAF treffen und ein bisschen über den Umbau des Rechtsstaates plaudern.“ „Falls Sie da als Gast auch so willkommen sind und kein kostenloses PR-Material für die basteln können.“ „Ganz fair und ausgewogen und kritisch.“ „Und unparteiisch.“ „Und natürlich differenziert.“ „Und unabhängig.“ „Guten Abend.“





Stasionalsozialismus

15 09 2019

Neutrale Schule. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Leider wurde das Petzportal der NSDAP-Nachfolgeorganisation in Mecklenburg-Vorpommern, das diesen Namen trug, vom Land als gesetzeswidrig verboten, da es personenbezogene Daten von Schülerinnen und Schülern sowie Informationen zur politischen Meinung von Lehrkräften sammelt. Vielleicht hat ja jemand den Brandenburger Hilfslehrer verpfiffen, der diverse Tätowierungen – Schwarze Sonne, Wolfsangel, Meine Ehre heißt Treue – zum Ausdruck seiner faschistischen Gesinnung gezeigt hat. Unangenehm, dass Behörden langsam, aber irgendwann doch reagieren, wenn sich Schüler auf ihre Rechte berufen. Alle weiteren Anzeichen, dass man mit dem Grundgesetz viel Spaß haben kann, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • ökodiktatur: Noch zwei Grad Celsius, dann darf jeder ganz volksdemokratisch absaufen.
  • csu überwachung: Wahrscheinlich kassiert Scheuer seine Blitzerfotos noch persönlich.
  • volkshochschule deppen: Die meisten bekommen das autodidaktisch hin.
  • volkstod: Alles leere Versprechen, insofern: typisch AfD.
  • deutsche identität: Vermutlich die von 1648.
  • spahn tötet: Er wäre sicher gerne Krankenpfleger geworden.
  • nationaler widerstand: Popeln Sie ruhig mit den Fingern in der Steckdose.
  • bürgerlich: Der war ein arger Wüterich.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (CDLX)

14 09 2019

Da Bronisław in Maldaneyen
Die Nachbarn den Lärm nicht verzeihen,
beginnt hinter Hecken
sein Haus zu verstecken.
Bis sind jetzt sind es auch schon zehn Reihen.

Kauft Yngve sein Saatgut in Hok,
so passt man genau, wie er wog,
da er stets die Säcke
an irgend ’ner Ecke
recht schnell vom der Waage wegzog.

Es malt sich Lech in Mühlseiffen
gern Muster auf die Fahrradreifen.
Was ihm dann jüngst glückte
und alle entzückte,
sind rot-weiße Kringel und Streifen.

Bernardo, den jagt man in Sort,
da er stets am Büdchen steht, fort,
bevor er dort lauernd
und darauf andauernd
die anderen Kunden anschnorrt.

Es konnte sich Wanda in Prassen
beim Angeln nie recht Ruhe lassen.
Sie zieht ihre Ruten
mit Schwung durch die Fluten
und kann keinen Fisch dadurch fassen.

Lernt Tryggve das Zimmern in Hammerfest,
wobei man ihn nie an den Hammer lässt,
ist dies zwar beschaulich,
doch wenig erbaulich.
Er zieht für den Meister nur Klammern fest.

Sitzt Paweł zur Nacht in Masehnen
am Tisch, muss er jedes Mal gähnen,
die Gattin muss hitzig
mit Inbrunst und spitzig
die alten Geschichten erwähnen.





Gernulf Olzheimer kommentiert (CDLXXXI): Das SUV

13 09 2019
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Evolution hatte nicht nur Gewinner. Während manche Fadenwurmarten, Schleimaale oder Tonnensalpen sich in ihrem jeweiligen Habitat geradezu luxuriös einzurichten wussten, nichts auf Privatfernsehen und Anrufbeantworter gaben, bekam der Hominide hier und da nicht wirklich etwas gerissen. Kriege musste er anzetteln, peinlich anmutende Frisuren zu larmoyantem Schuhwerk in der Öffentlichkeit tragen, zumal in adoleszenter Entwicklungsstufe, Einzeller mit chronischem Verstandesverlust als Machthaber von vereinigten Staaten oder Königreichen inthronisieren, wenn das nicht half: die fest eingewurzelte Überzeugung, als Mensch nichts mehr wert zu sein, wenn man nicht in einer Blechkiste voller Selbsthass kreischend die Landschaft durchpflügen. Erst da wusste Mutter Natur, dass diese Spezies als Krebsschaden zu behandeln ist und ihr wenigstens die Liebe tut, sich aus epischer Doofheit selbst über die Wupper zu schnippen. Die Atombombe wäre eine Möglichkeit, ach was: die Chance überhaupt gewesen, aber der Return on Investment ist ja minimal, denn wer würde sich so eine Wuchtwumme in den Vorgarten stellen, wenn die lobotomierten Kriegstreiber schon auf die Steuereinnahmen schielen. Nein, das lässt man die SUV-Fahrer erledigen, den Schmierfilm am Boden der mobilen Gesellschaft.

Das SUV – ja, es ist sächlich, auch wenn es in der kognitiven Konsonanz hart kompensierender Knaben wie ein künstliches Gemächt benutzt wird – ist die nahtlose Fortsetzung des innerstädtischen Geländewagenwahns, der sich dialektisch als soignierter feiert, weil er nicht so offensichtlich auf Bollerauspufftöpfe und rallyelackierte Spoilerorgien setzt wie andere automobile Psychosen. Das Erscheinungsbild des Wagens definiert sich über die Masse an verbautem Dünnblech, gerne mit majestätischer Stärke verwechselt, hier aber in der Eleganz in der Sauropodenklasse steckengeblieben und dementsprechend wendig. Das Gerät ist in der City, für die es ja gedacht ist, denn wo sonst wird man damit genug Publikum beeindrucken können, allenfalls so sinnvoll wie ein Mähdrescher, mit dem man zwei Fahrspuren plus Radweg und Gehsteig zuparken kann, wenn man eine Einheit Kind in der Primarschule abliefert, wobei landwirtschaftliche Großmaschinen noch den Vorteil besäßen, dass sie unwegsames Gelände rumpelnd unter sich ließen, ansonsten den Weg zum Einsatzort aber sicher und solide erreichen würden. Wer ein SUV erwirbt, hofft offensichtlich auf eine legale Möglichkeit, Baustellen und Verkehrsinseln wegzuschwiemeln, wie es sonst mit der Frontschürze tiefergelegter Bolidenimitate erfolgreich versucht wurde. Der Formel-1-Darsteller schätzte noch die Nähe des Straßenbelags, an der sich sein Gummi abrieb, der ins intellektuelle Rentenalter driftende Motorist aber will die Kiste höher, und braucht deshalb auch zwingend den Kolbenhub eines Dreißigtonners.

Denn tiefer ist sportlich, höher ist Krieg. Und nein, es geht nicht um den üblichen Bürgeraufstand, in den sich die geistigen Tiefflüge wohlstandsverwahrloster Bumsbirnen einpassen. Es ist der im öffentlichen Verkehr ausgetragene Krieg um die gesellschaftliche Dominanz einer Kaste, die sich die Erde aus Gewohnheit untertan macht. Diese soziale Zusammenrottung karrt selbst den Nachwuchs in die Kita, obwohl er ihnen in Bezug auf den Klimawandel reißpiepenegal ist. Das bei Kerzenbeleuchtung einsetzende Gewissen, den Schadstoffausstoß auf olympischem Niveau forciert zu haben, wird mit der Pinkeltaste ausgeglichen, gerne auch auf der Kreuzfahrt. Ansonsten aber bekennt sich der Realitätsallergiker frohgemut zur nationalen Variante seines Verfassungszusatzes, der ihm das offene Tragen von Waffen gestattet – das Wettrüsten der Klötenkönige ist in vollem Gange, und mit dem Argument, höher zu sitzen und den immer aggressiveren Verkehr besser zu beobachten, kaufen die Ichlinge einen Citytraktor nach dem anderen, wohl wissend, das der Markt sich nach den Gesetzen von Dummheit und klassischer Mechanik nicht nur sättigt, sondern auch ausgleicht. Jetzt ist noch möglich, Fußgänger mit Kinderwagen und Radfahrer vom Hochsitz schneidig zu übersehen, mit vollem Stoßgewicht an parkende Kleinwagen zu quetschen und vom Asphalt zu radieren. Doch das Fenster schließt sich jäh, mit steigendem Anteil von Kampfpanzern in Metallic wächst auch proportional die Wahrscheinlichkeit, selbst eine Elefantiasis auf Rädern ungebremst in die Flanke zu kriegen, wo Beten besser hilft als ein Seitenaufprallschutz. Aber Newton betet nicht mehr, und wer in Quarta seine Physikstunden mit Schundheftchen unter der Bank zugebracht hat, der lernt es eben jetzt.

Es funktioniert wie mit Schusswaffen; sobald jeder eine trägt, nivelliert sich die Gefahr, allerdings auf einem erheblich höheren Niveau. Sinkt auch die Notwendigkeit, die eigene Knarre einzusetzen, um eine zünftige Schießerei anzuzetteln, irgendeiner hat seine Wumme schon dabei und kriegt schnell nervöse Finger. Je mehr naturverbundene Bürger in der Fußgängerzone jetzt noch eine Jagdwaffe mit sich führen müssen, ist eine Frage der Zeit – die bürgerliche Freiheit kennt ja keine Grenzen. Was den Verkehr betrifft, können alle, die die Ballerei überlebt haben, fortan gemütlich im Omnibus durch die City schaukeln. Der Komfort ist eins, aber man sitzt dort noch viel höher. Und darauf, wir glauben es ihnen, kommt es ja bei der inneren Sicherheit an.





Generalschlüssel

12 09 2019

„… sich viele junge Bürger mit einer lückenlosen Überwachung durch Kameras im öffentlichen Raum durchaus gut arrangieren könnten. Viele Deutsche hätten keine Probleme mit der…“

„… weiter aufgerüstet werden müssten. Eine Gesichtserkennung, die nur in Ausnahmefällen funktioniere, sei immer noch besser als gar keine Gesichtserkennung, weshalb Wendt die Umsetzung noch in diesem…“

„… die Bürger mit einem Punktekonto zu erfassen, das sich aus zahlreichen unterschiedlichen Quellen speise. So könne nicht nur pünktliches Begleichen von Miet- und Energiekosten, sondern auch die Teilnahme an Wahlen sowie regelmäßige sportliche Aktivitäten in Absprache mit der Krankenkasse für positive…“

„… sehe der Bundesinnenminister bisher keine nennenswerten Gründe, auf eine flächendeckende Gesichtskontrolle nach chinesischem Muster zu verzichten. Seehofer habe verkündet, es hab durch diese Maßnahme bisher noch keine Unruhen der Bevölkerung gegenüber den Sicherheitsbehörden gegeben, deshalb sei die Maßnahme auch für einen im Frieden lebenden Staat eine sehr gute…“

„… die Verknüpfung der Person mit ihrer Steuer-ID für eine einfach Lösung halte, da sie nicht fälschungssicher sei. Ansonsten würde dies keine Rückschlüsse auf die…“

„… den Testlauf auf dem Gelände eines Verkehrsknotenpunktes durchführen wolle. Das Innenministerium wolle die Größe des Objekts an der Höhe der zur Verfügung stehenden Gelder…“

„… es zu zahlreichen Anfragen wegen der Punktekonten gekommen sei. Sollte die Gefahr bestehen, dass beispielsweise durch einen technischen Defekt die Boni bei der falschen Person gutgeschrieben werden, so könne man dies nicht mehr durch eine…“

„… auch die Deutsche Bahn AG beteiligt werden müsse. Die Qualität der Personentransporte sei inzwischen derart gesunken, dass sich an Bord der Züge eine real existierende Gefahr für Massenaufstände sowie die damit verbundenen…“

„… dass eine spezielle Abteilung der Sicherheitsbehörde doch noch Zugriff auf die Konten habe. Scheuer habe zunächst in einer Rede vor CSU-Parteikollegen bestätigt, dass starker Alkoholkonsum im Straßenverkehr durch einen Admin-Eingriff wieder auf den vorherigen…“

„… müsse es technische Maßnahmen geben, die Bundeswehrangehörigen, die kostenlos die Züge der Deutschen Bahn benutzen dürften, aus der Aufzeichnung zu löschen. Kramp-Karrenbauer sei besorgt, dass man im Ausland Gesichter der Armeeangehörigen wiedererkenne und sie so durch neu entwickelte KI zur Zielscheibe von in Deutschland entwickelten Waffensystemen zur…“

„… könne man die junge Generation möglicherweise durch technische Interaktion mit der Gesichtserkennung einbinden. Seehofer habe die Idee einer Selfie-Flatrate vorgebracht, mit der Smartphone-Besitzer über eine App direkt mit dem Kamerasystem eine…“

„… mit der parlamentarischen Indemnität verknüpft werden müsse, um die Freiheit der Abgeordneten sowie der Kandidaten für politische Mandate zu gewährleisten. Ein Generalschlüssel für das Opt-Out-System könne man den Parteien an die Hand geben, damit diese selbsttätig die…“

„… eine Instagram-Einbindung technisch keine Schwierigkeit darstelle. Andererseits wolle der Verfassungsschutz auch die Instagram-Daten in die Konten einspeisen, um eine leichtere Kontrolle der…“

„… es der aktuellen Kommission obliege, die Bewertung der Handlungen vorzunehmen. Diese Kommission sei wiederum vom Innenminister zu bestimmen, der als Teil der Bundesregierung ein…“

„… zu einer technischen Panne gekommen sei, als ein Bundestagsabgeordneter der Linken bei einer erheblichen Geschwindigkeitsübertretung auf der Autobahn ertappt worden sei. Er besitze zwar keinen Pkw und habe sich zur fraglichen Zeit nachweislich im Ausland aufgehalten, müsse jetzt aber wegen der Indizien zunächst mit einer…“

„… schaffe die Überwachung auch zahlreiche Arbeitsplätze. Nach Schätzungen der GdP benötige allein eine einmalige Sichtung des aufgezeichneten Materials 1,4 Milliarden Arbeitskräfte, die im Dreischichtbetrieb…“

„… seien viele Jugendliche der Ansicht, es gebe in Deutschland keine Meinungsfreiheit mehr. Durch ein soziales Punktesystem könnten die Behörden diejenigen leichter fangen, die die freie Meinungsäußerung beschneiden würden, um wieder eine echte Meinungsfreiheit in der…“

„… nur die Steuer-ID verändert habe, die mit dem Datensatz verknüpft worden sei. Damit sei zwar die Unschuld erwiesen, weitere Ermittlungen gegen den Abgeordneten seien allerdings aus Sicherheitsgründen…“

„… natürlich nicht alle selbst besetzen könne. Es spreche für Seehofer nichts dagegen, einen Großteil der Jobs an chinesische Spezialisten zu vergeben, die auch die Auswertung sensibler Daten wesentlich günstiger als die bisherigen US-amerikanischen…“

„… vor allem in den östlichen Bundesländern überzeugt seien, dass eine permanente Kontrolle der öffentlichen Äußerungen nichts verändern werde. In vielen Ortschaften sei es heute schon gefährlich, sich zu stark für demokratische Werte oder einen verfassungsrechtlichen…“





Statistische Bereinigung

11 09 2019

„Haben Sie die neuen Zahlen dabei? Prächtig! Das sieht sehr vielversprechend aus, und ich denke, damit sind wir auf einem guten Weg. Es sollte noch zwei bis drei Generationen dauern, dann sind die Deutschen endlich ausgestorben.

Das haben die Nazis ja schon gut erkannt, die Deutschen werden ausgerottet, und die Regierung macht das natürlich ganz genau. Wir überlassen nichts dem Zufall. Deshalb haben wir auch dieses Bundesamt für Volkstod eingerichtet – das kennt keiner, das ist dem Innenministerium unterstellt, und wer das Innenministerium kennt, der weiß, dass da manche Abteilungen am Feierabend geschlossen in die Klapsmühle einrücken – und machen jetzt die offizielle Statistik und Prognosen und alles, was man dazu wissen muss. Es soll ja geordnet zugehen, dafür sind wir schließlich in Deutschland.

Da wären zunächst mal die Spätaussiedler, aus osteuropäischen Ländern stammende Passdeutsche und sogenannte Beutegermanen. Russen, deren Großmütter mal eine Affäre mit einem deutschen Schäferhund hatte, die sind vor Putin geflohen, wollen aber jetzt, dass es in Deutschland so aussieht wie in der Sowjetunion. Nach ihren eigenen Moralvorstellungen müsste man die mit dem Gewehrkolben voran über die Grenze prügeln. Die kann man aus der deutschen Bevölkerung schon mal rausrechnen. Das sind schon ein paar, und da fängt es an. Wir wollen ja historisch korrekt sein.

Und dann die ganzen Polen. Nein, nicht die aus der EU, ich meine die Czymaniaks und Kowalskis, die wir seit hundertfünfzig Jahren nicht mehr aus Deutschland rauskriegen. Das sind auch keine Arbeitsmigranten, wie uns die Sozialromantiker aus den Vertriebenenverbänden immer weismachen wollen, das sind bloß Wirtschaftsasylanten. Und davon, dass nach deren geostrategischer Planung deren Heimat sowieso zu Deutschland gehören sollte, wird’s ja auch nicht besser. Alles, was damals eingewandert ist, alle Nachfahren, Pässe weg. Fertig. Damit können Sie dann Nordrhein-Westfalen zum Manövergebiet machen. Gucken Sie mich nicht so an, das war deren Idee. Wir setzen das jetzt einfach nur um.

Sie dürfen eben nicht in der Enkelgeneration schon Schluss machen, das ist der Trick. Sonst wäre es ja irgendwann egal, ob jemand aus China kommt oder aus Arabien, denen sieht man ihre nichtdeutsche Herkunft ja weiterhin an, und dann kann man das nicht einfach durch statistische Bereinigung unter den Tisch fallen lassen. Im Gegenteil, wir sind heute durch unsere technischen Mittel, und die Menge der Daten – da haben die Nazis damals mal etwas richtig gemacht – die Mengte der Daten spricht ja auch dafür, dass man sie eher nutzen sollte, wenn sie denn nun schon einmal da sind, oder nicht?

Natürlich müssen wir uns auch bei den anderen Nationalitäten an die jetzt praktizierten Methoden halten. Griechen, Spanier, Portugiesen, Italiener, das sind ja nun mal keine richtigen Deutschen, nur weil sie irgendwann als Gastarbeiter gekommen sind. Von den Türken wollen wir gleich gar nicht anfangen. Aber haben Sie eine Ahnung, wie viele Franzosen sich in Deutschland festgesetzt haben? Ich sage nur: Erbfeind. Wenn es ein Argument gibt, die nicht als herkunftsdeutschen Teil des Volkes zu betrachten, hier haben Sie es. Die Nazis wollen eine geschichtsbewusste Aufarbeitung der Migration in Deutschland, also bekommen sie die auch.

Wobei es schon schwierig wird. Unser Referat für historische Identitätsforschung hatte erst vorschlagen wollen, dass wir das Deutschland des geschichtlichen Querschnitts zum Maßstab nehmen, aber da gibt’s Probleme. Die Leute hier wussten ja für Jahrhunderte gar nicht, dass sie Deutsche sind. Die waren Kurhessen und Preußen und Sachsen und alles, aber keine Deutschen. Den Begriff kannte keine Sau. Wenn man jetzt eine Sippe aus Anhalt hat, die sich nirgendwo sonst niedergelassen hat, höchstens vielleicht in Ostpreußen, sind das dann überhaupt Deutsche? Und dann verstehe ich auch nicht, weil das ja dann alles irgendwann mal irgendwie deutsch war, warum beispielsweise die Nachfahren der Einwohner von Deutsch-Ostafrika nicht automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Dass die hinterher in Tansania oder in Mosambik gelebt haben, das ist doch kein Grund. Die Enkel der eingewanderten Türken sind doch auch trotz deutschem Pass nie Herkunftsdeutsche, obwohl sie hier geboren und aufgewachsen sind. Da muss man auch mal klare Kante zeigen.

Ja, so kommt eben eins zum anderen, und dann stellen Sie irgendwann beim Betrachten des bisher erarbeiteten statistischen Materials fest, wir brauchen gar keine Einwanderung mehr. Keine Flüchtlinge, keine Asylbewerber, keine Zuwanderung, gar nichts. Wir brauchen bloß die richtigen Parameter, dann muss hier keiner mehr ins Land kommen und wir haben uns bereits komplett abgeschafft. Dauert noch ein bisschen, kommt aber so sicher wie das Amen in der Kirche. Und da sollen die Nazis noch einmal sagen, wir würden sie ausgrenzen. Man kann doch mit diesen Ideen eine Menge anfangen, oder nicht?

Jetzt müssen Sie nur noch ein bisschen an ‚deutsch‘ arbeiten. Wie wäre es denn, wenn wir die Definition der Reichsbürger übernehmen würden, nach der es den heutigen Staat, die Bundesrepublik, gar nicht gibt, und weil die logischerweise dann auch keine Einwohner hat, haben wir uns bereits total abgevolkt, also volksgetötet. Oder irgendwie so. Kann man doch machen?“