Kalte Fusion

29 10 2019

„Und warum ausgerechnet die beiden?“ „Es wird doch überall herumposaunt, die bürgerliche Mitte sei gerade verloren gegangen.“ „Und deshalb muss es jetzt einen solchen Zusammenschluss geben? Das kann doch keiner wollen.“ „Zumindest werden wir dann einen Feind weniger zu bekämpfen haben – immer vorausgesetzt, die beiden Parteien stehen hinter Höcke und Lindner.“

„Also die Liberalen haben gerade gesagt, dass sie überhaupt nicht regieren wollen.“ „Weil sie es nicht können.“ „Aber das bezieht sich nur auf ein einzelnes Land.“ „War das nach der letzten Wahl zum Deutschen Bundestag anders?“ „Wollten sie da auch nicht?“ „Sie hätten regieren müssen. Das setzt zwingend voraus, dass man es kann.“ „Also haben wir mit der AfDP eine Fundamentalopposition.“ „Einen braunen Block, der zwar keine Lösungen hat, dafür aber die Gesellschaft mit seinen eigenen Problem in Brand setzt.“ „Das wird gewählt?“ „Es gibt immer noch genug freigiebige Spender, die für diese Märchenerzähler die Propaganda bezahlen.“ „Verstehe, Sie denken gerade an eine Fusion, die durch Synergieeffekte… na, Sie kennen das dumme Geschwätz ja selbst.“ „Eben, und wir wissen, wer daran glaubt.“ „Es ist nur eben so, dass nach jeder Fusion einer der Partner in die Röhre guckt.“ „Es ist ja auch so, dass das einem der Partner vorher meist nicht klar ist.“

„Aber würden die Wähler eine Radikalisierung in dieser Form denn mittragen?“ „Auf welche Partei beziehen Sie sich?“ „Das ist doch…“ „Mir aber nicht. Es ist im Zweifel völlig egal, ob man nun rechts- oder marktradikal ist. Das Grundgesetz ist beiden im Weg.“ „Vereinfachen Sie da nicht ein bisschen?“ „Wenn Sie Maßnahmen gegen den Klimawandel ablehnen, ist es unerheblich, ob Sie es unter Bezug auf linksversiffte Naturgesetze tun oder aus Verzweiflung, dass Sie in Ihrem Sportwagen nicht mehr mit dreihundert Stundenkilometern durch die Baustellen heizen können, um Ihre erektile Dysfunktion zu kompensieren. Sie nehmen das Aussterben der Menschheit billigend in Kauf, damit sich ganz zum Schluss noch jemand findet, der Ihre Hackfresse in ein Denkmal meißelt, an dem die letzten Deutschen sich täglich erleichtern.“ „Meine Güte, Sie holen ja aus!“ „Ohne gepflegten Selbsthass würde kein Soziopath eine der beiden Parteien an der Abbruchkante entlang führen können.“ „Und die Fusion sammelt jetzt die Opfer dieser Märchenerzählung ein?“ „So ist es.“

„Nehmen Sie es mir nicht übel, aber womit kann man denn da Wähler gewinnen?“ „Erstens wird natürlich die Freiheit eingeschränkt.“ „Die meisten Menschen haben doch gar keine.“ „Sie haben es erkannt.“ „Also ich meine, Freiheiten im Sinne derer, die das als Freiheit verkaufen, was…“ „Wie gesagt, Sie haben es erkannt. Sie müssen es als Vision verpacken.“ „Wenn man sich als kleiner Angestellter einen Sportwagen leisten könnte, würde man endlich so schnell fahren können, wie man wollte.“ „Richtig, und wenn wir endlich alle aus dem Land gejagt hätten, die uns nicht passen, gäbe es keine Brötchen mehr und keine Müllabfuhr, aber der Fachkräftemangel wäre verschwunden und der Volksgenosse dürfte das deutsche Weib wieder eigenhändig vergewaltigen.“ „Das erinnert eher an eine Psychosekte.“ „Mehr Fundamentalopposition kriegen Sie nicht hin.“ „Wenn jetzt die AfDP meint, irgendwann würde bestimmt eine Technologie erfunden, die den Klimawandel sofort stoppen würde…“ „… dann haben wir diese Erfindung längst, aber die Antwort passt für sie nicht zu der Frage, die die Wirklichkeit gestellt hat.“ „Das ist ja nicht viel besser als ein Gesellschaftsentwurf, in dem wir zur Stärkung des Volkskörpers ungefähr die Hälfte der Bewohner rausschmeißen.“ „Und jetzt raten Sie mal, was macht man denn so als Parlamentarier in der Zwischenzeit, bis sich dann irgendwann herausgestellt hat, dass man bis auf dummes Gepöbel, Hetzreden und den Nachweis, ein dummes Arschloch zu sein, nicht viel geleistet hat?“ „Man verdient Geld und Pensionsansprüche?“ „Ich sehe, wir verstehen uns.“

„So gesehen wäre die AfDP ein sinnvolles Instrument für den Kapitalismus.“ „Was schwebt Ihnen vor?“ „Beide wollen ja die Daseinsvorsorge, insbesondere die soziale Absicherung privatisieren oder abschaffen, was aber letztlich auf dasselbe hinausliefe.“ „Der Markt kann manchmal nicht wählerisch sein, man sucht sich seine Marionetten nicht aus, wenn man die Spenden nach dem Gießkannenprinzip verteilt.“ „Und natürlich arbeitet die AfDP nach dem Prinzip des Elitenschutzes, man darf doch die Bessergestellten nicht auch noch bestrafen, nur weil sie geerbt haben.“ „Das ist nur gerecht.“ „Und dennoch habe ich den Eindruck, dass es nicht funktionieren würde.“ „Woran liegt das?“ „Ich habe keine Ahnung. Vielleicht würde sich der eine Teil totlachen, weil sich der andere partout als bürgerlich bezeichnen will?“ „Vielleicht würde der andere es aber auch vehement ablehnen, kommt immer darauf an, wie lange man wartet.“ „Und Sie sind immer noch der Meinung, dass sich ein Zusammenschluss wirklich lohnen würde?“ „Was würden Sie denn sagen, was ist effizienter aus dem Pelz zu holen? Zwei Läuse? Oder eine?“


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