Alte Schläuche

18 11 2019

„Wir sollten jetzt entschieden vorwärts gehen.“ „Das heißt was?“ „Hartz IV abschaffen!“ „Richtig!“ „Weil wir sonst den sozialen Zusammenhalt in der Bevölkerung zerstören?“ „Ach Quatsch, weil wir sonst auch in Hartz IV landen.“

„Das heißt, wenn wir jetzt nicht den richtigen Vorsitzenden wählen, dann ist…“ „Die.“ „Wie, die?“ „Die Vorsitzenden. Es sind zwei.“ „Ja, gut. Die kriegt Scholz schon klein.“ „Und mit genau der Haltung haben wir es immer geschafft, uns selbst ins Knie zu schießen.“ „Richtig!“ „Was soll das denn bitte heißen?“ „Das meint er bestimmt nicht so.“ „Doch.“ „Aber irgendwo müssen wir mit dem Veränderungsprozess beginnen, das kann man nur an der Parteispitze.“ „Ich würde ja das Programm als verbesserungswürdig ansehen.“ „Das war bisher immer gut, also warum sollten wir es auf einmal verbessern wollen?“

„Es geht doch hier auch um Verwurzelung in der Bevölkerung.“ „Wie kann man das verstehen?“ „Ein Deutschland ohne die SPD ist doch gar nicht denkbar.“ „Das sehen einige offenbar anders.“ „Uns hat es doch schon immer gegeben, jedenfalls, so weit ich zurückdenken kann.“ „Das scheint mir Ihr Problem zu sein.“ „Dass es uns schon immer gegeben hat?“ „Dass Sie immer nur zurückdenken.“ „Hören Sie mal, Schmidt hat auch schon gesagt, dass man mit Visionen besser zum Arzt geht als in die Politik.“ „Das hat er ganz anders gemeint.“ „Sie haben also keine Perspektiven.“ „Als nächstes kommen Sie mir mit Sozialismus, was!?“ „Dann erklären Sie mir mal, wozu es die Partei überhaupt noch gibt, wenn nicht genau dafür.“ „Weil die anderen jemanden brauchen, der ihre politischen Ideen auch realistisch durchsetzen kann.“

„Ich finde, wir sollten uns überhaupt mal selbst hinterfragen.“ „Wer hinterfragt sich denn bitte, wenn nicht einer selbst?“ „Das ist ein guter Ansatz, den sollten wir verfolgen.“ „Und was kommt da raus?“ „Wir wollen doch wissen, was denkt diese Bevölkerung überhaupt von uns?“ „Das kann ich Ihnen sagen. Die fragen sich, wozu es unseren Scheißladen überhaupt noch gibt.“ „Ach.“ „Nix ach, können Sie mir das mal beantworten?“ „Ich muss hier gar nichts!“ „Und so reden Sie dann auch mit dem Wähler, ja?“ „Das geht den Wähler doch gar nichts an, was ich denke, dass der von mir denkt. Vielleicht denkt der ja gar nicht?“ „Vielleicht hat der auch nur mitgekriegt, dass Sie nicht mehr in der Lage sind für irgendeinen Gedanken.“ „Jetzt hören Sie aber mal auf mit der ständigen Stänkerei, wir sind hier doch nicht in der Union!“ „Wenn’s Ihnen hier nicht passt, dann gehen Sie doch nach drüben!“ „Mach ich auch!“ „Auf Wiedersehen!“

„So, und jetzt beruhigen wir uns alle mal wieder und werden konstruktiv.“ „Mit solchen Verrätern kann man aber nicht diskutieren! Die wollen doch die Partei nur kaputtmachen!“ „Ach was, das haben Sie schon viel besser geschafft.“ „Sie sind ein…“ „Bitte, jetzt beruhigen Sie sich doch, wir können alles ganz konstruktiv und…“ „Eben nicht!“ „Was erwarten Sie denn von einer Partei, die wesentliche Herausforderungen der Zukunft als zu kompliziert ansieht und sich vorsichtshalber gar nicht darum kümmert.“ „Das ist eine…“ „Oder aber halbherzig, weil sie weiß, dass die ganze Scheiße nicht uns, sondern erst der nächsten Generation um die Ohren fliegen wird.“ „Richtig!“ „Und dazu brauchen wir auch keine neuen Vorsitzenden, die alten Wein in alte Schläuche kippen, weil die Flaschen aus dem Keller befördert werden.“ „Wir haben viel mit den Gewerkschaften erreicht!“ „Die werden bestimmt zu unserer Beerdigung kommen.“ „Was erwarten Sie denn?“ „Dass die Partei sich, egal unter wem, als Sozialdemokratische Partei für in Deutschland lebende Menschen betrachtet und nicht als Organ der Verwaltungsklasse.“ „Sie sind doch selbst im öffentlichen Dienst!“ „Wahrscheinlich will er den auch noch abschaffen.“ „Ah, verstehe – Sie sind so ein marktradikales U-Boot, das die Partei von innen heraus zerstören soll.“ „Jetzt kriegen Sie sich mal ein, so kann man doch nicht…“ „Spalter!“

„À propos Markt, dann erklären Sie mir doch mal, warum die Partei Gestalten wie Sarrazin noch nicht vom Hof geprügelt hat.“ „Das muss eine Demokratie aushalten.“ „Richtig!“ „Wir haben Meinungsfreiheit in Deutschland, wollen Sie die abschaffen?“ „Wer die Partei erheblich beschädigt und ihre Wähler in Scharen zu den faschistischen Rattenfängern schickt, hat hier nichts zu suchen.“ „Das sehen andere glücklicherweise anders.“ „Wir sind eine moderne und weltoffene Partei, die sich nicht den Mund verbieten lässt!“ „Deshalb will sie auch unbedingt einen starken Mann an der Spitze, richtig?“ „Richtig!“

„Vielleicht sollten wir langsam mal damit anfangen, eine andere Politik zu machen.“ „Aber wo nehmen wir denn dazu die anderen Politiker her?“ „Wir können uns das gar nicht leisten.“ „Es geht Deutschland so gut wie nie zuvor!“ „Davon kriegen die Menschen nichts mit. Sie können alle Häuser so oft wie möglich luxussanieren, bis das ganze Land vor Schönheit stirbt, aber davon gehen die Mieten nicht runter und die Löhne nicht rauf.“ „Aber mit Polemik schaffen Sie das!“ „Klar, das hört sich auf dem Parteitag bestimmt klasse an.“ „Warum wird er nicht Vorsitzender?“ „Dann müsste er ja arbeiten.“ „Und das als Beamter!“ „Hähähä!“ „Nein, lassen Sie mal gut sein.“ „Richtig!“ „Die Sorgen der Geringverdiener und Armutsrentner werden Sie mit Ihrer Sozialismusattrappe nicht in den Griff bekommen.“ „Genau!“ „Das können wir nämlich ganz alleine.“ „Eben, denn wer hat’s erfunden?“


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