Es fährt ein Zug nach Nirgendwo

27 11 2019

„Das ist eine bodenlose Unverschämtheit! Wenn wir das durchgehen lassen, dann können wir diese Partei gleich der Lächerlichkeit preisgeben! Wir werden das keinesfalls dulden und alle schädliche Einflüsse der Sozialdemokratie so entschieden wie möglich abwehren!“ „Mannometer, da ist aber ein Christdemokrat in Fahrt!“ „Christdemokrat?“ „Sin Sie kein Christdemokrat?“ „Wie kommen Sie denn darauf? Wir sind hier bei der SPD!“

„Läuft nicht bei Ihnen?“ „Olaf Scholz wird mit einem großartigen Sieg die Sozialdemokratie als großes und zukunftsweisendes Gesellschaftsmodell verteidigen gegen alle Kritiker, die ihn totgesagt haben und die SPD als Auslaufmodell ansehen!“ „Super.“ „Sie sind Opposition, oder?“ „Falls Sie auf einen Gipfel in Hamburg zielen, bei dem ein paar Opportunisten im Vollsuff Ihr Parteiprogramm ernstnehmen und es gegen den Koalitionsvertrag verteidigen: nein.“ „Sie sind eine linke Dreckzecke, die noch nicht genug aufs Maul gekriegt hat?“ „Als Bundesministerium wissen wir immer genau, wann es an der Zeit ist, unliebsame Bedienstete in den Schredder zu drücken.“

„Gut, machen wir’s kurz. Was wollen Sie?“ „Nehmen Sie ihn aus dem Rennen.“ „Dann haben die Bürgerinnen und Bürger…“ „Die SPD ist eine Arbeiterpartei.“ „So, wie Sie das sagen, klingt das wie eine Beleidigung von Willy Brandt.“ „So, wie Sie das sagen, klingt das wie eine Beleidigung an Willy Brandt.“ „Aber ohne Scholz kommen wir in der jetzigen Situation einfach nicht weiter.“ „Das ist eine Erklärung für seine expansive Geldpolitik.“ „Für seine was!?“ „Expansive Geldpolitik.“ „Ach so. Ja, das ist natürlich alternativlos.“

„Sie wissen nicht, was er damit gemeint hat?“ „Wir haben natürlich auch nur die Informationen der Parteizentrale, da sitzen sehr, sehr kompetente Wissenschaftler, die die Kompetenz für… was war jetzt noch mal die Frage?“ „Expansive Geldpolitik.“ „Das weiß dann unser Experte, und das muss in dem Fall sicher Olaf Scholz sein.“ „Sicher?“ „Aber absolut!“ „Und wie erklärt er das der Partei?“ „Weil er ja auf dem Parteitag, und da sind alle, die Sie für die Themen, von denen Sie keine Ahnung haben, weil die Sozialdemokratie, die ist als Bewegung für die Industrienation, die den Exportweltmeister…“ „Sie haben also auch keine Ahnung?“ „Nö.“

„Die tollen Milliardenbudgets für Netzausbau und Grundrente sind also…“ „Von wem haben Sie das denn?“ „Von Olaf Scholz.“ „Aber bestimmt nicht schriftlich.“ „Doch.“ „Ernsthaft?“ „Ja.“ „Sie wollen das doch wohl jetzt nicht als Aussage werten, die der zukünftige Parteivorsitzende in einem Wahlkampf als…“ „Nö.“ „Also würden Sie das in einem Wahlkampf nicht erwarten?“ „Das ist hier nicht der Punkt.“ „Sie bezweifeln also, dass er den Vorsitz der SPD als der Partei übernehmen wird, die die nächste Legislaturperiode als stärkste politische Kraft dominieren und die sozialen Kräfte der deutschen politischen Landschaft entscheiden wird.“ „Allerdings.“ „Sie sind auch so eine rechte Zecke, die ihren Hass verbreitet?“

„Fangen gerade mal wir bei der Entlastung der Körperschaftssteuer an.“ „Typisch, rechtslastiges Gefasel!“ „Wurde von der SPD in den Diskurs eingeführt.“ „Das sagt doch nichts.“ „Richtig, nur wird die vollkommen überflüssige Absenkung den Haushalt Milliarden kosten.“ „Ihr Presseberater ist wirklich gut.“ „Die Finanztransaktionssteuer wird nur den Kleinanlegern abgezwackt.“ „Wir sind eine Partei der kleinen Leute.“ „Die Schaufenstershow Cum-Ex wurde perfekt auf Verjährungszeitpunkt und Steuerhinterziehungssumme zugeschnitten.“ „Da können Sie mal sehen, wie gut wir als SPD den Wirtschaftsstandort Deutschland im Auge haben.“

„Also kein Scholzzug.“ „Wir werden das als SPD sehr genau im…“ „Also kein Scholzzug.“ „Das müssen wir entscheiden, sobald sich die Wähler entschieden haben, ob sie…“ „Normal ist doch, dass man das vorher tut.“ „Wir können doch die Wähler nicht beeinflussen.“ „Weil Sie wissen, dass das normalen Wählerpotential nicht von der Entscheidung beeinflusst wird.“ „Ach was.“ „Oder weil Sie wissen, dass das normale Wählerpotential sich entscheidet, wie es will, ohne Entscheidungen der SPD auch nur ansatzweise zu…“ „Ich möchte nicht mehr darüber reden.“

„Immerhin haben wir eine Menge großer Parteiposaunen, die sich für Scholz aussprechen.“ „Das ist nicht so ungewöhnlich.“ „Warum spricht er sich nur für Programmpunkte aus, die die Partei längst hätte umsetzen können?“ „Weil es höchste Zeit ist, dass die Partei sie umsetzt.“ „Und das betrifft auch die Körperschaftssteuer und die…“ „Wenn es Ihnen nicht passt, gehen Sie doch nach drüben!“

„Ich wollte nur noch einmal nachfragen, ob die…“ „Hier ist meine Karte, melden Sie sich gerne, wenn Olaf Scholz Bundeskanzler ist.“ „Und wenn nicht?“ „Seien Sie froh, dann haben Sie das Schlimmste verhindert!“