Oma ihr klein Häuschen

8 01 2020

„Wobei ich jetzt nicht verstehe, was das soll.“ „Das versteht keiner, aber bis dahin können wir die SPD weiterhin als Feind der deutschen Arbeiter an den Pranger stellen.“ „Seit wann haben denn Arbeiter Grundbesitz?“ „Seitdem diese linken Schweine mit ihren Villen im Tessin den verdammten Hals nicht mehr voll kriegen!“

„Offenbar haben Sie das Prinzip nicht kapiert.“ „Wenn man die Zeitungen betrachtet, haben das noch ein paar mehr nicht.“ „Es geht denen darum, dass die Grundstücke enteignet werden! Nicht mal hat sich getraut, was diese Linksfaschisten mit den deutschen Wählern vorhaben!“ „Das ist doch…“ „Das ist verfassungsfeindlich!“ „Wann haben denn Sie zuletzt das Grundgesetz von innen gesehen?“ „Dann wüsste er auch, dass Eigentum verpflichtet.“ „Sie werden mich mit Ihren Spitzfindigkeiten hier nicht aus dem Konzept bringen, Sie nicht!“ „Wenn Sie das schon fürchten, warum glauben Sie dann, dass Sie ein Konzept haben?“ „Wir machen hier eine anständige Zeitung, die wird nicht dieses linke Gesindel an die gleichgeschaltete Macht bringen!“ „Was ist denn heute mit Ihnen los?“ „Verstehe ich auch nicht, sonst hetzt er doch bloß gegen Merkel?“

„Jedenfalls wollen diese stalinistischen Säue die Wähler enteignen, und die einzige Antwort von uns ist der nationale Widerstand!“ „Haben Sie seine Tabletten versteckt?“ „Ich bitte mir Respekt aus!“ „Warum schreiben Sie dann so einen Unsinn?“ „Die SPD wird mit der Bodenwertzuwachssteuer die Eigenheimbesitzer in den Ruin treiben.“ „Warum?“ „Wir werden Verhältnisse haben wie in Amerika, wo die Banken mehr Geld von den Hausbesitzern zurückhaben wollten, als sie ihnen geliehen hatten.“ „Das nennt man Kredit.“ „Und früher gab es auch mal Zinsen im positiven Bereich.“ „Und da ging es auch nicht um Grundstücke.“ „Die SPD ist die Fortsetzung des Nationalsozialismus!“ „Bleiben Sie bei der Äußerung?“ „Ich nehme das zurück, aber meine Meinung wird sich nicht ändern!“

„Es geht doch gar nicht um Immobilien.“ „Aber um die Grundstücke!“ „Ah, langsam sieht er es ein?“ „Und wenn die Grundstücke immer höher besteuert werden, dann kann man sich auch die Immobilien nicht mehr leisten.“ „Also doch keine Einsicht.“ „Allerdings.“ „Es geht um Bauland!“ „Nein.“ „Es geht um Bauland, das der Staat…“ „Die Steuer wird von den Kommunen erhoben.“ „Das ist doch dasselbe!“ „Er lebt offensichtlich in einem anderen Staat.“ „Das Bauland wird vom Staat durch die Kommunen jedes Jahr neu…“ „Nein.“ „Ihre leninistischen Diskutiererei wird Ihnen nicht weiterhelfen, Ihre Revolutionsgarden werden Ihnen das Eigenheim schon noch unter dem Arsch wegpfänden, und dann sitzt Ihr alle aus Solidarität mit Nordkorea auf der Straße! Na, wie schmeckt Euch Klimaspasten das!?“

„Abgesehen davon, dass es um Brachland geht, das erst bei der Umwandlung durch einen neuen Bebauungsplan…“ „Aha, da habe ich Sie schon bei der ersten Lüge erwischt!“ „Dieser Gesetzentwurf will nur eine einmalige Zahlung beim Verkauf an die Kommune besteuern.“ „Das sagen die jetzt – wenn Ihre Oma dann ihr klein Häuschen verkauft, dann ist…“ „Es geht doch nur um das Land.“ „Meine Oma hat das jedenfalls nicht auf Bauland errichtet, oder was meinen Sie, wie man reich wird?“ „Sie denken also, dass die…“ „Sie wollen mir unterstellen, dass ich die illegalen Methoden mancher Bauspekulanten gutheiße, nur weil ich mich gegen die linksextremistische Enteignung der SPD unter Adolf Walter Dings und seiner sicher aus Russland stammenden Parteisekretärin wende?“ „Sie sollten sich einfach mal den…“ „Ich muss mir diese sozialistischen Gleichschaltungsfantasien gar nicht erst durchlesen, meine Meinung steht fest: dieses rote Pack gehört aus Deutschland entfernt, die wollen den Wähler in die Armut treiben!“

„Und deshalb schreiben Sie diese Artikel gegen die Steuerpläne der SPD?“ „Davon verstehen Sie ja offensichtlich nichts.“ „Erklären Sie es uns.“ „Man nennt das journalistische Sorgfaltspflicht.“ „Wie bitte!?“ „Der Journalismus als politische Kraft muss dafür sorgen, dass die Wähler ihren Besitz nicht unter dem Arsch…“ „Welchen Besitz?“ „Welche Grundstücke?“ „Das hat doch der Lindner schon so oft gesagt, wenn man von der Armut bedroht ist und sich keine Miete mehr leisten kann, dann muss man eben Wohneigentum kaufen.“ „Also erstens…“ „Lassen Sie es gut sein, er kapiert es nicht.“ „War mit schon klar.“ „Hören Sie mal, wenn Sie eine Eigentumswohnung kaufen, dann gibt es gar keinen Grundbesitz.“ „Die meisten prekär Beschäftigten können oder wollen, das über lasse ich jetzt mal Ihnen, auf jeden Fall wollen die sich das nicht mehr leisten können – diesem leistungslosen Wohlstand, alle diese parasitären Arbeiter, die in diesem Land leben dürfen, obwohl sie immer noch so arm sind, dass sie sogar Steuern zahlen müssen?“ „Sie haben nicht einmal die…“ „Wenn die Investitionsgewinne aus Bodenspekulation nicht den Leistungsträgern zugute kommen, dann wird sich bald niemand mehr auf das Geschäft einlassen, und dann fließen die hinterzogenen Steuern eben nach England, oder was meinen Sie, wozu wir den Brexit brauchen?“ „Und deshalb muss die deutsche Presse den Wählern Schauermärchen über die SPD erzählen?“ „Sie haben ja noch nicht einmal…“ „Doch.“ „Aber eins würde mich jetzt ja brennend interessieren.“ „Na, dann erzählen Sie mal.“ „Meinen Sie, seine Oma war eine Nazisau?“