Morbus Sarrazin

29 01 2020

„Und Sie sind sich absolut sicher?“ „Fundamental orientierte Muslime.“ „Verstehe ich nicht.“ „Das ist jetzt nicht die Frage, Herr Kollege. Ich wüsste viel lieber, wie wir dieses Arschloch diagnostisch einordnen.“ „Haben Sie doch eben getan.“ „Wie jetzt?“ „Naja, als Arschloch.“

„Was sind denn bitte fundamental orientierte Muslime?“ „Die orientieren sich fundamental.“ „Gut, aber woran jetzt genau?“ „Er meint sicher, dass Islam für die nur fundamentalistisch denkbar ist.“ „Also als Wahnidee.“ „Dann müsste er für die doch Verständnis haben?“ „Fundamentales sogar.“ „Aber wenn sich Muslime fundamental an etwas orientieren, sind sie dann nicht Fundamentalisten?“ „Ja, kann man so sehen.“ „Das heißt, dass ein rechtsradikal orientierter Wirrkopf die fundamental orientierten Extremisten in der Partei entdeckt…“ „Dann frage ich mich, warum er nicht in der Partei bleibt.“ „Will er ja. Er hat nur Angst, dass sie ihn endlich rausschmeißen.“ „Und dann?“ „Müsste er in diese Partei gehen, die seiner politischen Gesinnung eher entspricht.“ „Das wird schwierig.“ „Stimmt, da sind ja nur fundamental orientierte Extremisten.“

„Ob man das als Angststörung erklären kann?“ „Also Sie meinen eine Störung, bei der man nur überlebt, wenn man anderen ständig Angst machen kann?“ „Möglich, es hat damals bei Erwerbslosen angefangen.“ „Und dann kamen irgendwann diese genetisch minderwertigen Kopftuchmädchen.“ „Ich würde eher auf eine schizoide Störung schließen.“ „Weil er sich die Angst nur einbildet?“ „Er braucht sie zumindest, weil sonst sein Weltbild nicht mehr funktioniert.“ „Das klingt auch logisch.“ „Es ist nur bemerkenswert, weil er offensichtlich selbst an das glaubt, was er da verkündet.“ „Manche brauchen eben keine Welt, um sie zu erklären.“ „Wenn er ein geschlossenes Weltbild aus Wahnvorstellungen verfolgt…“ „… könnte es sich auch um paranoide Schizophrenie handeln, meinen Sie?“ „Ich wollte zwar eher auf Fundamentalismus hinaus, aber die Übergänge sind ja fließend, Herr Kollege.“

„Mir fehlt hier allerdings die Konsistenz.“ „Sie meinen, es passt nicht zusammen?“ „Islamische Einflüsse sieht er wahrscheinlich, weil sich die SPD im Gegensatz zur Union befindet und noch nicht von islamophober Hetzpropaganda infiziert ist.“ „Das ist jetzt interessant. Die CDU verkörpert für ihn doch den bürgerlichen Rassismus, den er auch für die SPD haben will.“ „Aber insofern logisch, dass er noch in der SPD bleiben will, weil er sich damit gegen die bürgerliche Mehrheitsgesellschaft stellen kann.“ „Das rechtfertigt dann natürlich auch wieder so eine Opferfantasie.“ „Ich frage mich nur, wie das zu seinen Vorstellungen passt, dass das internationale Judentum Deutschland vernichten will.“ „Naja, wenn er verfolgt wird, dann sicher von allen zusammen, sonst lohnt es sich nicht.“ „Die übernehmen dann zusammen die Weltherrschaft, oder wie soll man sich das vorstellen?“ „Eher nicht. Sonst hätten sie sicher nicht eine Partei im Sinkflug ausgewählt, die solche verwirrten Deppen an Bord hat.“ „Er hat doch dementiert, dass die Partei ihn rausschmeißt?“ „Dement, Herr Kollege, das Wort ist: dement.“

„Wir haben es letztlich mit einem monokausalen Welterklärungsmuster zu tun.“ „Weil er für alles und jeden den Islam heran- und über ihn herzieht?“ „Das ist seine fixe Idee.“ „Ich sehe es eher als eine Zwangsstörung.“ „Aber dann höchstens eine, mit der er uns immer wieder zwanghaft stört.“ „Oder eine, bei der er uns seine Störung aufzwingt.“ „Jedenfalls neigt dieser Patient zu irrationalen Handlungen, obwohl er rational die Unsinnigkeit seiner Denkinhalte erkennt.“ „Erkennen müsste.“ „Müsste?“ „Ab einem gewissen Stadium können wir nicht mehr voraussetzen, dass er seine Störung noch als solche anerkennt.“ „Dann haben wir hier wohl eher mit einer überwertigen Idee zu tun, meinen Sie nicht auch?“ „Indem er gleichzeitig den anderen Minderwertigkeit unterstellt, zum Beispiel in Form eines geringeren IQ.“ „Mich würde daran nur interessieren, wie man auf so eine Idee kommt.“ „Durch einen geringeren IQ vielleicht?“ „Und diese überwertige Idee stellt er dann über seine Partei und sucht sich nicht eine, deren Programm komplett mit seinen Wahnvorstellungen korreliert.“ „Sie haben es erfasst.“

„Meinen Sie, das ist ansteckend?“ „Ich würde es nicht ausschließen. Die Annahme, die SPD sei von Linksextremisten gesteuert, hat er ja nicht zuerst in die Welt gesetzt.“ „Also jetzt wird’s kompliziert: eine linksextremistische jüdische Weltregierung installiert fundamentalistische Islamisten in der SPD, damit sie ihn rauswerfen können.“ „Und er selbst meint, er habe ja nur erkannt, dass die Partei von jüdisch gesteuerten Muslimen gesteuert wird.“ „Irgendwo dazwischen hat er vermutlich seine Richtung verloren.“ „Wenn er seine Medikamente regelmäßig genommen hätte, würde ich annehmen, er hat sie eben nicht regelmäßig genommen.“ „An dieser Stelle bitte keine Spekulation, Herr Kollege. Das würde eindeutig zu weit führen.“ „Oder in die ganz falsche Richtung.“ „Allerdings.“ „Das sehe ich in dieser Symptomatik auch.“ „Richtig, er ist dann doch eher falsch abgebogen.“ „Also nach rechts?“ „Fundamental desorientiert.“ „Folglich ein dummes Arschloch.“ „Herr Kollege, das klingt nach einer Diagnose.“


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