Demokratielabor

6 02 2020

„Das Wichtigste ist doch nun, dass die AfD keinen politischen Einfluss bekommt.“ „Aber sie wird ihn geltend machen.“ „Das ist ja auch okay so, dafür haben wir sie schließlich gekauft.“

„Das heißt, die Abgeordneten haben auf einen eigenen Kandidaten verzichtet, weil sie wussten, dass der sowieso nicht gewählt würde?“ „Das kann man doch nicht machen.“ „Wegen der politischen Verantwortung?“ „Kramp-Karrenbauer würde uns alle aus der Partei rausprügeln, wir können doch nicht alle arbeiten für unser Geld!“ „Stimmt auch wieder.“ „Außerdem war das kein echter Kandidat der AfD, das sieht man schon daran, dass der vorher nicht in der CDU war.“ „Aber er steht der Partei rechts… recht nah, wollte ich sagen.“ „Das ist doch kein Damm… Beinbruch! Beinbruch natürlich.“ „Wem sagen Sie das.“ „Man muss ja auch mal die Kirche im Dorf lassen.“ „Wenigstens ist dieser Mann ein guter Vertreter der Mitte.“ „Aber nur, wenn die Mitte rechts der Mitte liegt.“ „Bisher war sie im linksfaschistischen Mainstream.“ „Ach so.“ „Und wir sollten das auch nicht überbewerten, es ist ja erst mal nur ein Bundesland.“

„Jetzt ist natürlich die Frage, wer in diesem Bundesland regieren wird.“ „Die FDP natürlich, und alle, die sich für eine demokratische…“ „Sie meinen: demokratisch gewählte Regierung?“ „Ich verwechsle das immer.“ „Kann vorkommen.“ „Wir werden hier eine gemeinsame Lösung finden, davon können Sie ausgehen.“ „Solange das Land daran nicht eingeht?“ „Auf jeden Fall müssen wir jetzt eine ganz neue Strategie entwickeln, weil wir eine Minderheitsregierung haben werden.“ „Das war so geplant?“ „Aber ja, genau deshalb haben wir diese Last auf uns genommen.“ „Verstehe. Wieso übrigens?“ „Damit Thüringen nicht unter einer Minderheitsregierung leiden muss.“ „Das hatte ich nicht auf dem Schirm.“ „Sehen Sie, es ist doch komplizierter, als es aussieht.“

„Das heißt, wir müssen auch die SPD als Teil einer künftigen Minderheitsregierung ansprechen.“ „Wenn sie mitmachen, wird es ja keine mehr.“ „Stimmt auch wieder. Was machen wir denn da?“ „Ansprechen, und wenn sie sich verweigert, dann an ihre staatspolitische Verantwortung erinnern.“ „Wie geht das denn?“ „Die SPD sollte sich wieder der Mitte zuwenden, um nicht von der AfD erpressbar zu sein.“ „Das kann sie doch aber nur, wenn sie eben nicht in eine Regierungskoalition mit uns geht.“ „Also erstens ist das egal, weil wir sie an einer Koalition sowieso nicht beteiligen werden, und zweitens können wir das alleine gar nicht entscheiden.“ „Weil die FDP diesmal das Sagen hat?“ „Richtig. Sie sehen, nicht regieren statt falsch zu regieren muss man auch erst mal lernen.“

„Und wenn’s Neuwahlen gibt?“ „Dann sind wir natürlich nicht schuld.“ „Aber wir sind doch die größte politische Kraft in dieser Koalition.“ „Das glauben aber auch nur Sie.“ „Sie meinen, weil die Glatze diesmal ein FDP-Parteibuch hat, kommen wir lebend aus der Nummer raus?“ „Mit ein paar Blessuren vielleicht, aber es wird keine Toten geben. Wenigstens nicht bei uns.“ „Weil die AfD an der Sache schuld ist.“ „Ja und nein.“ „Wie?“ „Es ist nur der Flügel, der uns diese undemokratische Entscheidung aufgezwungen hat, das muss man richtig einordnen.“ „Das heißt, die AfD ist an sich nicht verantwortlich?“ „Als Ganzes sicher nicht. Man muss diplomatisch vorgehen, wenn man sich keine Steine in den Weg legen will.“ „Sie meinen in Bezug auf die nächste Bundestagswahl.“ „Zum Beispiel.“ „Dann versteh ich aber nicht, wie man Thüringen derzeit als Demokratielabor bezeichnen kann.“ „Denken Sie doch mal logisch, was wird denn im Labor derzeit am meisten entwickelt?“ „Gegenmittel gegen Krankheiten, die man aus der Welt schaffen will?“ „Jetzt kommen wir der Sache langsam näher.“

„Ganz ehrlich, ganz wohl ist mir bei der Sache nicht.“ „Was soll denn schon groß passieren?“ „Das wirkt auf mich wie ein Brandbeschleuniger, den wir nicht mehr in den Griff kriegen.“ „Sie haben es doch gehört, es ist eine FDP-Regierung, und wir sind eine vollkommen demokratische Partei, die sich auf dem Boden des Grundgesetzes befindet.“ „Die FDP hatte eine Handvoll Stimmen mehr als die nötigen fünf Prozent, sonst säßen die gar nicht im Landtag.“ „Ich habe die Regeln nicht gemacht.“ „Das wird jetzt das ganze Land ins Chaos stürzen.“ „Nun, diese Machtergreifung ging so planvoll und im Rahmen des geltenden Regelwerk vonstatten, dass Sie nicht fürchten müssen, ab morgen nur noch Unordnung vorzufinden.“ „Ihnen ist schon klar, dass nicht nur die FDP, sondern vor allem wir selbst damit der Bundespartei gewaltig vors Knie treten und vielleicht auch das Weiterregieren verhindern?“ „Sie haben wirklich noch nicht begriffen, wie man heute als Konservativer Politik macht?“ „Also ich sehe das schon kritisch. Wir sind Toilettenpapier, sich brüstet, jemanden benutzt zu haben, der sich mit uns den Hintern abwischt.“ „Naja, wenn es da politische Forderungen gegeben haben sollte, also von der AfD, dann können wir die jetzt natürlich nicht einlösen.“ „Ich weiß, weil wir nicht die FDP sind.“ „Genau. Also regen Sie sich wieder ab, das ist nämlich alles gar nicht so schlimm, wie es in den Medien jetzt dargestellt wird. Das muss sich in der Praxis bewähren, und dann…“ „Warum haben wir dann nicht einfach einen eigenen Kandidaten für den Ministerpräsidenten aufgestellt?“ „Jetzt fragen Sie nicht so dusselig. Wollen Sie etwa, dass der Verfassungsschutz statt der FDP uns beobachtet?“


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