Kriegswaffenkontrollgesetz

19 05 2020

„Das hätte auch woanders in Sachsen passieren können. Dass da jemand Waffen und Munition in seinem Garten versteckt, das muss nichts mit seiner Zugehörigkeit zu einem Elitekommando der Bundeswehr zu tun haben. Das macht auch jeder andere Reichsbürger.

Regen Sie sich nicht auf, es ist ja noch gar nichts passiert. Bis ein Soldat eine funktionsfähige Waffe abfeuert und damit einen tatsächlichen Schaden anrichten kann, muss schon eine ganze Menge an glücklichen Umständen in Verkettung treten, nicht wahr? Das fängt zum Beispiel mit der Funktionsfähigkeit der Schusswaffe an. Unser Kamerad muss natürlich aus Selbstschutzgründen vorerst in zivilen Justizvollzug. Die Justiz sieht dies möglicherweise als Diebstahl an, so genau wissen wir das nicht, und bejahrt hier eine gewisse Gefahr der Verdunkelung. Wir weisen das nicht nur ganz entschieden zurück, wir halten das sogar für nicht haltbar. Wenn der Kamerad wirklich Waffen in seinem Garten versteckt haben sollte, was ja zunächst einmal für einen ausgeprägten Ordnungs- und Sicherungssinn spräche – man lässt solche Waffen, zumal Kriegswaffen nicht einfach offen in der Gegend herumliegen, da könnte sonst was passieren – dann würde er sie doch jetzt, wenn sie sowieso schon entdeckt worden sind, nicht noch einmal irgendwo verbuddeln. Erstens wäre das vollkommen unlogisch, das müssen Sie zugeben, und zweitens: wo denn bitte? Noch mal in seinem Garten, so nach dem Motto: da haben sie schon gesucht, da graben sie garantiert kein zweites Mal? Entschuldigen Sie, aber das ist ja lächerlich.

Dass bei einer Abschiedsparty Schweineköpfe geschmissen wurden und ein Hitlergruß gezeigt, dafür gibt es keinen Beweis. Außerdem kann es einen durchaus stichhaltigen Grund dafür gegeben haben, auch wenn das nicht Ihrem Alltag entspricht: frisches Schweinefleisch ist als Bestandteil der Verpflegung im Feld nicht eben häufig, schon gar nicht in den Regionen, wo man als Elitekommando sonst eingesetzt ist. Deshalb wird man sich das auf einer Party schon mal gönnen. Wenn Sie das jetzt auch noch skandalisieren wollen, dann haben Sie anscheinend sonst nichts zu tun.

Das Sturmgewehr und der Plastiksprengstoff sollen aus Afghanistan mitgenommen worden sein. Daran können wir nichts Schlimmes finden, es handelt sich allem Anschein nach um Souvenirs. Wenn Sie sich mal anschauen, was sich frühere Generationen der Wehrmacht so alles von ihren Auslandseinsätzen mitgebracht haben, dann ist das doch geradezu bescheiden. Außerdem handelt es sich um ein deutsches Gewehr des Modells AK 47, ein Diebstahl an afghanischem Eigentum kann also mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Wir können das selbstverständlich an die große Glocke hängen, auch und gerade als Armee, die in international besetzten Operationen an vorderster Front kämpft, aber ich frage Sie, ob das in Hinblick auf den Ruf unseres Militärs so klug wäre.

Wir erwarten von unseren Spezialkräften natürlich, dass sie allzeit bereit sind. Dafür ist es schon ganz gut, gerade in diesen Zeiten der Corona-Pandemie, dass sich unsere Leute auch außerhalb ihrer Standorte mit beruflichen Dingen beschäftigen und auf dem Laufenden bleiben. Nennen wir es mal Home Office. Ein Soldat hat ja seine Kriegswaffen gerne griffbereit, und wenn er eine halbe Million Schuss Munition vorrätig hält, muss er auch nicht zwischendurch wieder in die Kaserne. Das ist in Hinblick auf das verringerte Infektionsrisiko für seine Kameraden doch löblich, finden Sie nicht?

Jetzt kommen Sie mir nicht auch noch mit dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Wir haben die Waffe ordnungsgemäß kontrolliert, sonst wüssten wir ja nicht, dass sie aus deutschen Heeresbeständen kommt und nur in Afghanistan in die Hände des Kameraden gelangt sein kann. Wir sind zwar die Bundeswehr, aber das heißt noch lange nicht, dass wir unseren Job grundsätzlich schlecht machen. Das kommt nur in Einzelfällen vor und hat dann einen logisch nachzuvollziehenden Grund.

Wenn andere Waffen aus Osteuropa sich im Garten des Soldaten befunden haben sollten, unter Umständen auch Sprengstoff aus Osteuropa, dann ist das auch mit dem Kriegswaffenkontrollgesetz nicht zu beheben. Das Gesetz kontrolliert deutsche Waffen, und die stammen nicht aus Osteuropa, vom NSU mal abgesehen. Aber der hat seine Waffen auch nicht in Gärten von Bundeswehrangehörigen vergraben, und außerdem sind wir für den auch gar nicht zuständig. Das sollte sich bis zu Ihnen schon herumgesprochen haben.

Jedenfalls haben wir damit, das sagt ja auch die Bundesverteidigungsministerin, einen Erfolg bei der Aufklärung. Dafür unter anderem brauchen wir solche Strukturen innerhalb der Armee, damit wir zeigen können, dass wir sehr wohl zur Aufklärung von schweren Unregelmäßigkeiten in der Lage sind. Manchmal dauert es ein bisschen, aber es ist nicht unmöglich. Und wir sollten auch sehr froh sein, dass unser Militärischer Abschirmdienst seine Arbeit mindestens so gut macht wie das Bundesamt für Verfassungsschutz. Bei unseren Kameraden haben wir sogar noch den Vorteil, dass die nicht merken, wenn sie observiert werden. Sonst könnte das für manchen richtig gefährlich werden, mit einer illegalen Waffe und einer halben Million Schuss Munition.“


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