Polizeiautos

9 07 2020

„ABS, Schiebedach, Sitzheizung, Sprachsteuerung, elektrische Fensterheber, Seitenaufprallschutz und schlüssellose Zentralverriegelung. Fotos schickt Ihnen Kommissar Tröndle aufs Handy.

Erstzulassung ist bei dem Mai 2019. Natürlich unfallfrei. Da können Sie auf dem freien Markt, wenn Sie so ein Fahrzeug überhaupt finden, also da zahlen Sie gut fünftausend Euro mehr. Mindestens. Oder der hat 99.999 Kilometer drauf, merken Sie selber? Nein, keine Tricks, das versaut einem auf Dauer das Geschäft. Wenn man erst mal mit dem Kram anfängt, dann läuft das irgendwann aus dem Ruder, dann können Sie sich gleich einen Diesel kaufen, da wissen Sie wenigstens, dass Sie über den Tisch gezogen werden.

Wir wissen ja, wo die guten Fahrzeuge stehen, und wir sehen auch, wie die abgesichert sind. Bei manchen ist das schon erschreckend. Da gehen Sie am helllichten Tag mit einem Kleiderbügel dran, ganz alte Schule, zack! sperrangelweit offen. Kabel raus, ab geht die Luzie. Kein Lenkradschloss, keine Wegfahrsperre, und da es noch genügend Modelle mit klassischem Zündschlüssel gibt, können Sie für kleines Geld mal eben so eine mittlere Mittelklasse fahren. Man muss manchmal nehmen, was kommt, also in Bezug auf Farbe, Sonderausstattung und so weiter – wenn Sie bei dem Modell, was ich Ihnen vorhin gezeigt hatte, Sportfelgen haben wollen oder ein Soundsystem, dann müssen Sie entweder noch ein bisschen drauflegen oder aber ein paar Wochen warten. Wir sind zwar schon Experten auf unserem Gebiet, aber zaubern können wir auch nicht.

Machen Sie sich keine moralischen Bedenken, wir machen uns doch auch keine. Unser Beruf ist gefährlich, das will ich zugeben, aber man muss mit Verantwortungsbewusstsein handeln. Wenn Sie hier ein Automobil kaufen, das entweder durch privatwirtschaftlich organisierte Kriminalität mit oder ohne Bandenbeteiligung besorgt wurde oder aber durch Kooperation mit unseren Fachleuten, dann ist das doch für alle Beteiligten besser, als wenn ein paar Linksradikale den Wagen bei der nächsten Maidemo abfackeln. Wir machen das auch schon mal, wenn es sich anbietet, aber ich sage es Ihnen ganz ehrlich: Autos sinnlos in Brand zu stecken, das bricht einem auch ein bisschen das Herz. Da steckt viel Liebe drin, der Besitzer ist in den meisten Fällen total geschockt, hat sehr viel Ärger mit den Kollegen auf der Wache oder im Landeskriminalamt, von der Versicherung mal ganz zu schweigen, und dann auch noch die Beseitigung, das verursacht noch mal Stress. Da ist es doch ein beruhigendes Gefühl, wenn das Auto nicht weg ist, weil es jetzt Sie fahren.

Das mit den Fahrrädern machen wir nicht mehr. Zum einen aus logistischen Gründen, weil wir die Ware zu lange einlagern müssen, damit sie dann irgendwann nicht mehr gesucht wird, und dann ist das natürlich auch ein Absatzproblem. Man muss die Räder schon bundesweit verkaufen, und das nimmt irgendwann einfach zu viel Manpower in Anspruch, da brauchen Sie schon Leute, die sonst nichts zu tun haben. Deshalb hat den Fahrradmarkt auch komplett der Verfassungsschutz übernommen. Seitdem der Bundesinnenminister festgestellt hat, dass es in Deutschland keinen Rechtsextremismus gibt, haben die da gar nichts mehr zu tun, und das wird irgendwann auch langweilig. Bevor man dann wieder Löcher in Gefängnisse sprengt, verdient man sich doch lieber noch ein paar Kröten mit den Drahteseln dazu, oder nicht?

Sie können für den Preis allerdings auch einen Kleinwagen bekommen, der ist perfekt ausgestattet. Alles drin, was nicht drin ist, wird besorgt. Man muss die Kunden bei der Stange halten, und wenn es an einem Multifunktionslenkrad liegt oder an einem Spurhalteassistenten, muss halt die KTU ran. Die montieren alles. Einschließlich der amtlichen Eintragung in die Fahrzeugpapiere. Sie sehen, wir sind wirklich als Freund und Helfer im Auftrag der Bürger unterwegs. Wir leben den Servicegedanken, damit können wir uns voll identifizieren. Sie können uns vertrauen. Und gegen einen geringen Aufpreis markieren wir Ihr Fahrzeug dann auch im Polizeicomputer. Wäre doch wirklich sehr schade, wenn Sie sich erst so ein hübsches Auto gegönnt haben, Luxus zum Schnäppchenpreis, und dann stellen Sie plötzlich fest, dass den jemand geklaut hat. Trotz Wegfahrsperre und Lenkradschloss und Infrarotsicherung und dem ganzen Schnickschnack, den Sie sich extra haben einbauen lassen. Das will doch keiner, nicht wahr?

Ich sehe, mit Ihnen kann man vernünftig reden. So gefällt mir das. Dann lassen Sie uns doch noch mal schauen, was wir alles im Angebot haben. Sie wollten doch gerne Silbermetallic? Den kann ich Ihnen empfehlen, Fünftürer, Panorama-Glasdach, vollklimatisiert, Start-Stopp-Automatik, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Reinigung, Nachtsicht-Assistent, Volllederausstattung, Einparksystem. Sie müssen eigentlich nur noch einsteigen, den Rest erledigt das Auto. Und dann gucken Sie mal auf den Preis, den kriegen Sie nicht mal in zehn Jahren so günstig. Kaum gefahren, sehr gepflegt, wird alle zwei Wochen gereinigt und gesaugt. Garagenwagen. Das nenne ich ein Schnäppchen. Sind wir im Geschäft? Wir sind im Geschäft. Gute Wahl übrigens, wenn Sie mich fragen. Wann? Ich muss mal nachsehen, Kommissar Tröndle hat zufällig heute Nachtschicht. Morgen so gegen zehn?“


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