AntifD

14 07 2020

„Ganz ehrlich? das wussten wir schon. Längst. Hat uns der Fraktionsgeschäftsführer verraten, und der hatte die Chats alle ausgedruckt dabei. Also nichts gegen Ihren Belastungseifer, aber das persönliche Umfeld von Kalbitz und Höcke ist auserzählt.

Ach, Sie sind Gründungsmitglied? in welchem Landesverband, wenn ich fragen darf? Interessant. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir da mal auf Sie zurückkommen werden, sobald die gesamte Partei unter Beobachtung steht. Und dass das früher oder später sowieso der Fall sein wird, muss ich Ihnen ja nicht erzählen. So viele Schiffe gibt’s gar nicht, wie momentan Ratten ins Wasser hüpfen. Das finde ich prinzipiell auch nicht verkehrt, es wird nur leicht ziemlich unübersichtlich. Wenn Sie da einen vor sich sitzen haben, der gerade jede Menge Dreck über einen engen Parteifreund rauskübelt, und der kommt dann einen Tag später und macht dasselbe mit dem ersten, das verrät einem dann auch einiges über die Persönlichkeitsstruktur und die Motivation der Parteigenossen.

Wir nennen solche Leute wie Sie Selbstanbieter. Klingt ein bisschen nach Straßenstrich, ich weiß, und bei Ihrem Niveau würde ich mich auch nicht auf eine politische Diskussion mit einer staatlichen Behörde einlassen. Wissen Sie, wie viele sich hier jeden Tag die Klinke in die Hand drücken? Ich habe zu zählen aufgehört. Vielleicht sollten wir uns für die Arbeitsplanung der kommenden Monate mal ein Mitgliederverzeichnis besorgen, damit wir wissen, wie viele noch vorbeikommen. Das können wir dann als Strichliste in die Schranktür hängen und einen nach dem anderen abhaken, der sich hier seinen Persilschein abholen will. Aber das kennt man ja aus der deutschen Geschichte, noch nie war so viel Volk schon immer im Widerstand gewesen wie direkt nach der Kapitulation. Die Nazis waren immer die anderen. Paradoxe Situation, oder?

Ein Problem könnte natürlich daraus entstehen, dass wir die Informationen gar nicht verwenden können, weil dadurch die V-Leute enttarnt würden. Den Fehler hat die Stasi auch schon gemacht, und wir wissen, wie das ausging. Auf der anderen Seite reicht es ja auch schon, wenn wir wissen, wer was weiß. Der nächste Verfassungsschutzbericht muss auch irgendwie voll werden. Und vielleicht hilft uns hier gerade das Paradox: jeder belastet alle anderen, weil ja jeder weiß, dass er selbst genau so tief in der braunen Jauche steckt wie die anderen. Wir haben dann eine Komplettpopulation aus Schrödingers Nazis, die gleichzeitig unschuldig sind, weil ja alle anderen auch schuldig sind, und alle wissen, dass alle genau die Scheiße am Schuh haben, für den man den Laden jederzeit dichtmachen könnte. Die AntifD, mehr Spaltung geht nicht.

Das kostet uns eine ganze Stange Geld, das ist schon klar, aber wenn ich Sie richtig einschätze, ist auch genau das Ihre Intention, richtig? Jede Menge Hass verbreiten, weil man sonst nichts kann, und davon finanziell profitieren, weil man sonst arbeiten müsste, das ist doch Ihre Kragenweite. Und Sie haben ja recht, das ist auch in unserem Interesse.

Es mag seltsam aussehen, aber wir haben aus unserer Geschichte gelernt. Zu viele Belastete aus der NSDAP in Schlüsselpositionen zu befördern war der eine Fehler, zu viele Nebenerwerbsnazis im Verfassungsschutz der andere. Wir regeln das jetzt einfach marktwirtschaftlich, indem wir uns von Ihnen die Beweise frei Haus liefern lassen gegen ein vernünftiges Entgelt. Sie können dann in aller Ruhe Gestapo gegen den eigenen Verein spielen. Sollten sich Überschneidungen mit Polizei oder Bundeswehr ergeben, umso besser. Der Gang durch die Institutionen ist eine interessante Sache, und fast hätten Sie es im Verfassungsschutz auch mit Hilfe von ganz oben hingekriegt, aber glauben Sie mir eins: wir können das auch.

Außerdem wird es auf Dauer zu gefährlich, V-Leute in die Partei einzuschleusen. Die Funktionäre haben inzwischen eine derartige Geschichte in den rechtsextremistischen Netzwerken, so eine Legende kann man ja gar nicht mehr stricken. Man müsste schon sämtliche Organisationen mit den eigenen Leuten durchsetzen, damit die sich gegenseitig Deckung geben könnten, aber es wäre auch nur eine Frage der Zeit, bis das aufkippt. Dann lieber mit verkommenen Subjekten wie Ihnen, da weiß man, was man hat. Natürlich können wir Ihnen nicht versprechen, dass Sie sich damit auf Dauer ein hübsches Zubrot verdienen, denn unser Ziel ist es immer noch, die Partei zu verbieten. Falls Sie den Laden nicht vorher selbst an die Wand fahren. Da holen wir Sie dann nicht raus. Und falls die Sache aus dem Ruder läuft, Opferschutz ist nicht. Sie sind auf eigene Rechnung für uns tätig, also reden wir Ihnen auch nicht rein, wie Sie sich absichern.

Aber wenn Sie schon mal da sind, packen Sie ruhig aus. Wir nehmen alles, auch die kleinen Sachen. Was die personelle Struktur dieser Partei angeht, sind wir uns ziemlich sicher, dass wir eine Menge unappetitlicher Sachen erfahren werden. Sie können uns auch gerne Beweismittel liefern, falls es welche gibt. Wir rechnen natürlich nicht gleich mit Spendenquittungen, aber wenn Sie schon mal was da haben, warum nicht?“