Wissenslücken

20 07 2020

„Hm. Nun ja, das entzieht sich meiner Kenntnis. Also der Mitarbeiter, der weiß, was der Mitarbeiter weiß, der weiß, was Herr Scholz weiß oder zumindest meint, dass er wüsste, er würde das wohl wissen, der ist nicht nur nicht hier, der ist hier auch nicht bekannt. Ja, ist doof. Weiß ich.

Das ist jetzt anderthalb Jahre her, dass er von dem Verdacht gegen Wirecard erfahren hat, und dann kam auch nur ein Ermittlungsverfahren von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, beziehungsweise ein Telefonat mit dem Präsidenten der Behörde, und der hat sich tatsächlich mit der Ersatzkanzlette abgegeben. Schauen Sie sich mal die Aufbauorganisation der Bundesregierung an, und dann vergleichen Sie das mit der Branche Banken, Versicherungen und Wertpapierhandel. Dass der Präsident sich mit einem Groschenloddel wie Herrn Scholz überhaupt abgibt, das ist ja schon eine Pointe, oder?

Wir hatten keine Hinweise, dass Herr Scholz wusste, dass er wusste, dass er hätte wissen können müssen sollen, dass dies Unternehmen eventuell die Bilanzen fälscht, um in den DAX zu kommen, und daraus ergeben sich zwei sehr wichtige Aussagen. Erstens haben wir immer noch keine Hinweise, dass Herr Scholz irgendwann einmal irgendetwas wusste oder hätte wissen können, und zweitens war dieses Unternehmen zwischenzeitlich im DAX, was ja gar nicht hätte sein können, wenn irgendjemand über das Unternehmen irgendetwas hätte gewusst haben können. Das allein sagt natürlich noch gar nichts, aber für uns reicht das erst mal aus. Sollte es zu einem Untersuchungsausschuss kommen, dann weiß natürlich keiner, wer noch alles nichts wusste oder nicht hätte wissen können.

Die Bankenaufsicht war möglicherweise Teil des Problems, weil dort irgendjemand wusste, was das Geschäftsmodell von Wirecard ist. Das ist ein höchst verdächtiges Detail, von dem Herr Scholz auch nicht wusste, dass er es hätte wissen müssen, aber im Regelfall sehen Finanzdienstleistungen ja heute so aus, dass keiner mehr das Geschäftsmodell versteht, geschweige denn die Produkte. Bänker schon gleich gar nicht, aber die sollen das auch nur verkaufen. Spätestens da, als der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium mit der Angelegenheit konfrontiert wurde, hätte Herr Scholz schon wissen müssen, dass er das besser nicht weiß. Es kann sein, dass er ein bisschen durcheinandergekommen ist und Wirecard mit Warburg verwechselt hat. Da waren ein paar kriminelle Schweine, die sich aber nicht an seinem Privatvermögen bedient haben, und da musste er sozialdemokratisches Profil zeigen.

Sie dürfen jetzt nicht denken, Herr Scholz sei ein bemerkenswert dummes Arschloch. Das ist absolut falsch. Dumm ist er nicht. Wirklich nicht. Er hat nur ein außergewöhnlich feines Gespür für die Art Gerechtigkeit, die einem das Fortkommen erleichtert, auch unter dem Gesichtspunkt, dass so eine politische Karriere ja nicht ewig dauern muss.

Herr Scholz hat auch keine Blackouts, und was die Gerüchte angeht, er hielte sich inzwischen für Helmut Kohl, das kann hier keiner bestätigen. Die letzte amtsärztliche Untersuchung hat ergeben, dass er sich für Olaf Scholz hält. Das finde ich sehr viel unangenehmer.

Die Bundesregierung hat ein Maßnahmenpaket angekündigt. Das heißt erst einmal gar nichts, das wissen wir auch, aber ich finde das eine sehr gute Maßnahme, dass man eine ankündigt, und dann auch noch als Paket. Da weiß doch der Bürger, dass Herr Scholz weiß, der Bürger weiß, Herr Scholz wisse schon, dass er was täte. Oder wisse, das kann man vorher immer nie so sagen. Meistens weiß er ja auch erst hinterher, was er weiß, weil er dann ja erst etwas getan hat. Manche haben Wissenslücken und manche haben Handlungslücken. Im Kabinett ist er doch derjenige, der das ausgesprochen harmonisch miteinander verbindet und dann auch noch den echt sozialdemokratischen Geist darin aufgehen lässt. Oder untergehen, kommt auf die Perspektive an.

Sehen Sie sich mal die Bilanz an – nein, ich wollte das jetzt nicht wörtlich, also nicht im Sinne von… Sie verstehen das doch, oder? Wenn Sie von der HSH Nordbank und den G20-Rechtsverstößen einmal absehen, der Mann weiß doch immer, was er tut? In Deutschland ist es doch mittlerweile so, dass man Excellisten mit Steuerstraftaten verschickt, die dann irgendwo auf Behördenrechnern herumliegen und nachweislich nicht gelöscht werden. Das weiß Herr Scholz, und wenn das auch schon auf diesen Nachrichtensendern gelaufen sein soll, dann muss er das sicher auch gesehen haben, aber man kann doch von einem Vizekanzler nicht erwarten, dass er sich auch noch um Excellisten kümmert, die er nur aus dem Fernsehen kennt, und das auch noch mit zehn Jahren Verspätung. Wenn man sich nicht für den großen Überblick entscheidet, wie soll man denn dann Kanzlerkandidat werden?

Außerdem ist für insolvente Unternehmen der Bundesfinanzminister nicht mehr zuständig. Für die Rentenkasse auch nicht. Betrügerische Strukturen fallen auch nicht in sein Ressort. Rentner erledigt Herr Heil, und wenn sich Manager nach Osteuropa absetzen, dann darf Herr Maas das international klären. Nur im Drehbuch, da macht Herr Scholz alle Stunts selbst. Wir haben darauf bestanden, wenn die Story verfilmt wird, kommt der Streifen parallel zum SPD-Wahlsieg in die Kinos. Das ist natürlich streng geheim, weil wir die Einzelheiten vor der Bundestagswahl auf keinen Fall mit der… –

Nackte Kanone? woher wissen Sie das denn!?“