Alarmstufe Rot

19 11 2020

„Das kann sich doch die Bevölkerung gar nicht vorstellen!“ „Deshalb müssen wir ja auch so schnell wie möglich eine gemeinsame Lösung finden.“ „Wir haben schon so viel Geld in die Autobranche und in die Lufthansa gepumpt, da ist das einfach nicht mehr drin.“ „Kollegen, die Frage ist doch: wie systemrelevant ist der deutsche Weihnachtsmann?“

„Vom wirtschaftlichen Standpunkt müssen wir schon anerkennen, dass es sich nur um saisonale Jobs handelt.“ „Warum haben wir dann im Sommer wegen der Erntehelfer so einen Aufstand gemacht?“ „Und wegen der Fleischzerleger?“ „Das ist alles Ostmaterial, das lässt sich viel schneller ersetzen als deutsche Studierende.“ „Dann sollen die halt Taxi fahren, damit wird man sogar Außenminister.“ „Es geht doch nicht um die Studentenjobs!“ „Das sind aber unsere Steuergelder!“ „Ohne Weihnachtsmann ist hier kein ordentliches Weihnachtsgeschäft mehr möglich!“ „Eben, das ist Leitkultur!“ „Seit wann?“ „Seit Coca-Cola den Weihnachtsmann erfunden hat, oder?“ „Dann hätte das sogar noch eine politische Komponente im transatlantischen Kontext.“ „Das müsste die CDU-Vorsitzende festlegen.“ „Aha.“ „Das deutsche Weihnachtsfest wird also auch schon im Ausland verteidigt?“ „Hat das was mit Frieden zu tun?“ „Weihnachten? nicht, dass ich wüsste.“

„Kollegen, das Problem ist doch: die Jobcenter haben jede Menge Anfragen, es gibt viele private Agenturen und Vermittler, und die Kunden haben schon geordert.“ „Dann geht das eben nicht.“ „Sie werden doch auch einsehen, wenn in Ihrem Betrieb keine Weihnachtsfeier stattfindet.“ „Ich würde mein vierzehntes Monatsgehalt zurückzahlen, wenn ich diese versoffenen Arschnasen aus dem Vorstand einmal nicht ertragen müsste.“ „Aber machen Sie das doch mal den Kindern klar.“ „Wieso Kinder?“ „Glauben Sie denn noch an den Weihnachtsmann?“ „Ach so.“ „Mietweihnachtsmänner sind in erster Linie für Kinder da und…“ „Aber bezahlen tun die Eltern.“ „Und für wen?“ „Das könnte empfindliche Dellen im Weihnachtsgeschäft hinterlassen.“ „Mein Gott, und das sagen Sie erst jetzt!?“

„Infektionsschutzmäßig geht das natürlich gar nicht.“ „Ist ein Umhängebart nicht irgendwie auch eine Maske?“ „Trotzdem wäre eine Maskenpflicht für Weihnachtsmänner schon ganz gut.“ „Und wenn sie Corona-Leugner besuchen müssen?“ „Das ließe sich in den AGB regeln.“ „Kollegen, die rechtliche Bewertung ist doch: darf man den Weihnachtsmann an mehr als einem Einsatzort…“ „Da es sich um eine berufliche Tätigkeit handelt, sollte das mit dem Infektionsschutzgesetz vereinbar sein.“ „Aber die besuchen mehrere Familien am Heiligen Abend.“ „Das könnte man vielleicht tolerieren, da während der Festtage der Infektionsschutz heruntergefahren und im privaten Rahmen sowieso nicht kontrolliert wird.“ „Dann haben wir also einen alten weißen Mann, der als Superspreader beweist, dass Kinder eine Hauptrolle im Infektionsgeschehen spielen.“ „Sechs Monate Gehirnwäsche für die Tonne.“ „Gut, dann können wir auch die Pläne vergessen, alle Weihnachtsfeiern am letzten Schultag zu machen.“ „Müsste man nur wissen, wo dann der Unterricht stattfindet.“ „Das war jetzt wirklich witzig.“ „Das hat Laschet gesagt.“ „Okay, dann eben nicht.“

„Sonst irgendwelche Vorschläge?“ „Merz hat empfohlen, Weihnachtsmänner zu Intensivbetten umzubauen.“ „Super.“ „Das klingt im Vergleich zu sonstigen Äußerungen ungewohnt intellektuell.“ „Ich würde dem nicht widersprechen.“ „Kollegen, die Frage ist doch: was haben wir jetzt zu erwarten?“ „Es ist nicht mehr auszuschließen, dass die Weihnachtsmänner in Berlin demonstrieren.“ „Wofür?“ „Für Arbeit schon mal nicht, sind ja nur Studenten.“ „Hähähä.“ „Aber auch zukünftige Arbeitnehmer.“ „Dann sind das auch nur ehemalige Medizinstudenten wie Drosten, die einem die Statistik versauen.“ „Jetzt machen Sie sich mal die Dimension klar: zehntausend Weihnachtsmänner in vollem Ornat stehen vor dem Reichstag!“ „Da gehen wir mit Tränengas und Gummigeschossen drüber, dann ist das Geschichte.“ „Das wird doch mit den deutschen…“ „Haben Sie die schon mal in der Totale gesehen?“ „Verdammt!“ „Aber das darf doch die Polizeiführung nicht beeindrucken?“ „Sie sind nicht zufällig ein kleines bisschen naiv?“ „Dass die bei diesen Mänteln scharf schießen, das ist doch nicht zu…“ „Das gibt Alarmstufe Rot.“ „Hauptsache, die stürmen nicht den Reichstag.“ „Das Problem ist, als Vertreter der christlichen…“ „Sie meinen, die randalieren in der CDU-Fraktion?“ „Könnte man den Schießbefehl nicht als…“ „Das regelt die Polizei beim Deutschen Bundestag.“ „Die wird aber vom Bundestagspräsidenten…“ „Haben Sie gerade einen Briefumschlag?“ „Jedenfalls kann man den Weihnachtsmännern nicht verbieten, ihre Forderungen als…“ „Sind das Soloselbstständige?“ „Größtenteils ja.“ „Dufte!“ „Super!“ „Kollegen, die Sache ist doch: wie verhindern wir wieder einmal, dass die freigegebenen Summen abgerufen und irgendwie fristgerecht ausgezahlt werden, bevor wir den Bedarf an promovierten Industriehelfern auch nur halbwegs gedeckt bekommen?“

„Wir könnten die Weihnachtsmänner für je einen Knuffelkontakt…“ „Sonst haben Sie keine Schmerzen?“ „Danach können sie ihre Kostüme ja vermieten.“ „Super!“ „Und alle Familien machen Bescherung weihnachtsmanntauglich zu Hause!“ „Klasse Idee!“ „Und wer zahlt das?“ „Gabe es da nicht diese Homeoffice-Steuer?“ „Kollegen, das ist der absolute Hit! Machen Sie mir eine Verbindung, wir haben das Weihnachtsfest infektionsmäßig voll gerockt!“


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