Leerdenker

23 11 2020

„Sie dürfen sich natürlich nicht an die Auflagen halten, ist doch klar. Wenn wir Sicherheitsabstand und Mund-Nase-Bedeckung als Auflagen für die Demo ausgeben, und Sie veranstalten da Ringelpiez mit Anhusten, dann wissen wir, Sie sind rechte Querulanten. Dafür haben wir großes Verständnis, weil Sie auch von anderen normalen Menschen ausgegrenzt werden. Aber mit Mundschutz sehen Sie irgendwelchen Grundgesetzfanatikern ja zum Verwechseln ähnlich, da müssen wir dann natürlich sofort draufhauen.

Dasselbe gilt übrigens für Schusswaffen oder Pyrotechnik. Wenn Sie das im Rucksack verstecken oder eventuell nur im Kofferraum mitführen, dann müssen wir Sie eventuell genau durchsuchen, wobei wir sicherlich verbotene Angriffswaffen wie Zahnstocher oder Strumpfhosen finden. Lachen Sie nicht, mit einer Damenfeinstrumpfhose kann man jemanden ganz hervorragend strangulieren und hinterher noch einen Bankraub begehen, und was Sie mit einem Zahnstocher anstellen, können Sie sich ja denken. Wir machen Sie nur auf diese Gefahren aufmerksam. Tragen Sie Waffen bitte nur offen, damit wir Sie korrekt einschätzen können. Es ist ja sicher in Ihrem eigenen Interesse, wenn wir Sie nicht wie Linksextremisten behandeln müssen, von der medialen Außenwirkung ganz abgesehen.

Kooperieren Sie mit uns, dann haben es beide Seiten leichter. Widerstand ist ja gut und schön, aber in Wirklichkeit sind Sie doch alle rückgratlose Kriecher, die ihre Aggressionen kanalisieren wollen und nicht wissen, an wem. Lassen Sie die Tatsache, dass Sie in einfach nur dumme Arschlöcher sind, nicht an uns aus. Die Beamten haben auch einen harten Job, und wenn Sie es uns schwer machen, dann rechnen Sie damit, dass unsere Beamten das umgekehrt viel besser können. Wir haben das sogar gelernt. Wir sind die Profis, nicht Sie.

Wollen Sie auch wieder eine halbe Million Teilnehmer anmelden? Ich frage das nicht für unsere Beamten, ich frage das für die Kollegen aus Köln und München und Stuttgart, die extra dafür nach Berlin fahren müssen, nein: die wir extra dafür nach Berlin fahren müssen. Das bindet ja auch noch mal zusätzlich Ressourcen. Und am Ende kommen wieder nur knapp tausend Leute, fünfzig Polizisten auf einen Demonstranten. Das kostet nicht nur eine Menge überflüssiges Geld, das stresst auch unsere Polizei. Das mit der medialen Wirkung hatte ich ja schon angesprochen. Wir müssten sonst zum Beispiel Gegendemonstrationen auf den offiziellen Bildern mitrechnen. Wenn dann auf den Plakaten das Infektionsschutzgesetz der Bundesregierung verteidigt wird, können Sie das nicht mal der Presse in die Schuhe schieben. Fassen Sie das nicht als Drohung auf, es liegt ja in Ihrem Ermessen, wie Sie sich in der Hinsicht verhalten.

Mit Haftbefehl gesuchte Personen können selbstverständlich weiter an den Kundgebungen teilnehmen. Sie wissen, dass es in Deutschland mehrere Hundert Rechtsterroristen gibt, die wir nicht unter einer Meldeadresse antreffen, und wenn diese immer wieder in Ihren Reihen demonstrieren, müssen wir natürlich einen Haftbefehl einfach auch mal vollstrecken. Wie schon erwähnt, auch hier noch mal mein Ratschlag: kooperieren Sie mit uns. Es muss ja nicht jeder, der verdächtig aussieht oder einem unserer Beamten bekannt vorkommt, auch gültige Ausweisdokumente mit sich führen. Wir lassen in Härtefällen auch mal mit uns reden, wenn Sie zum Beispiel kleine Kinder zu Hause haben oder ein Waffenversteck treuhänderisch betreuen müssen. Diese Pandemie stellt uns alle immer wieder vor neue Herausforderungen, da sollte man auch gesprächsbereit bleiben. Reden Sie mit uns. Wir finden da schon eine Lösung.

Nebenbei, man hört oft, dass ich Ihren Kreisen das Denunziantentum noch gepflegt wird. Gehört ja zu einer echten Volksgemeinschaft auch dazu, dass man sich gegenseitig bespitzelt und ausspioniert. Unsere Beamten sind ja dank Ihrer Anmeldezahlen auch regelmäßig ausreichend vorhanden, wir nehmen also sachdienliche Hinweise gerne auf. Wenn einer neben Ihnen zum Beispiel gar keine Maske dabei hat und Sie jetzt zufällig auch nicht, das ließe sich mit der Kronzeugenregelung ganz komfortabel handhaben. Sie nennen uns Namen und Adresse von potenziell auffälligen Störern, wir drücken bei Ihnen ein Auge zu. Man kann überall eine Win-Win-Situation schaffen, wenn man sich um ein gemeinsames Vorgehen bemüht. In dieser Zeit müssen wir uns das einfach immer wieder vor Augen führen: Solidarität ist keine Einbahnstraße.

Und wenn ich Ihnen noch einen guten Tipp geben darf: planen Sie für die Zeit nach Corona. Ist ja nicht auszuschließen, dass es irgendwann einen Impfstoff gibt, dann haben wir mehr oder weniger wieder normale Zustände, und wenn Sie richtig Pech haben, macht die Bundeskanzlerin genau das, was sie angekündigt hat, und ist dann einfach mal weg. Dann können Sie nicht mal mehr mit Anti-Merkel-Sprechchören irgendwas reißen, und ob sich ein frisch gewählter Bundeskanzler von Ihren Rücktrittsforderungen beeindrucken lässt, wage ich mal zu bezweifeln. Wenn der Falsche ans Ruder kommt, könnten Sie eventuell schnell im Regen stehen oder den Schlagstock abkriegen, weil sein zartes Ego das nicht verkraftet. Und Sie werden dann als Leerdenker angesehen, der keine eigenen politischen Ideen hat, sondern nur sinnlosen Protest auf die Straße bringen will. Also überlegen Sie sich das noch mal. Regelmäßige Spaziergänge gegen die Wirtschaftspolitik der EU wären auch gut. Falls Sie etwas von Politik verstehen. Weiß man ja nicht.“


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