Gernulf Olzheimer kommentiert (DXLI): Das Recht auf Bildung

20 11 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Manche meinen, es sei Luitpolt der Ausgeleierte gewesen, dem der Gedanke zuerst unterlaufen sei, andere halten Rudolf den Ersetzbaren für den Vater der Idee. Tatsächlich hatten die Soldatenkönige in Preußen einen ihrer philanthropischen Momente, als sie das von dem beliebten Menschenfreund und Befreiungstheologen Martin Luther angedachte Gebot christlicher Pädagogik mit sozial engagierter Verve in die Tat umsetzten – waren seit dem Mittelalter nur wenige angehende Kleriker und die für den Kaufmannsstand ausgewählten Söhne der betuchten Patrizierfamilien in den Genuss eines geregelten Unterrichts gekommen, so pochte 1717 Friedrich Wilhelm I. zeitgleich mit dem kulturellen Kahlschlag auf die Aufstallung der Landeskinder in Bildungsanstalten. Zwar war höchstens die Hälfte des Nachwuchses auch wirklich in den öffentlichen Schulen registriert, aber dafür bekam man dann wenigstens sechs Jahre rudimentär Lesen, Beten und Schreiben eingetrichtert, falls sich in den katholischen Landstrichen nicht der Lehrplan auf Gottesfurcht beschränkte oder aus Angst vor zu viel Gelehrtheit gleich wegfiel. So stolz ist man auf die allgemeine Schulpflicht bis heute, dass noch heute der allwissende Staat sie Landesgesetzen zum Trotz als nationalheilige Kuh anhimmelt. Ein Recht auf Bildung, schwiemelt’s aus dem Wald, ist unser Garant für ein Land der Dichter und Denker.

Wobei manche nicht denken und andere nicht ganz dicht sind, denn die Sache hat historisch einen viel praktischeren Hintergrund. Kinderarbeit, wie sie im damaligen Europa Normalfall war, hinterließ unangenehme Spuren, hielten die ohnehin nicht besonders hohe Lebenserwartung der bäuerlichen Schicht zuverlässig auf niedrigem Niveau und sorgte dafür, dass mit dem Eintritt des Mannesalters ein Großteil der Untertanen körperlich bereits verbraucht waren. Was also tun, wenn man eine der besten Armeen des Kontinents aufbauen und dazu jede Menge Kerls im wehrfähigen Alter verheizen will? Man verbietet die Kinderarbeit, kontrolliert es halbherzig und setzt das Verbot nicht um, und führt den Schulzwang ein, um die Kurzen von der Straße wegzukriegen. Für die Bauern nicht unbedingt eine Win-Win-Situation, aber wenn die Burschen dann mit etwas Einmaleins aus der Penne kamen und zur Truppe stießen, konnte aus ihnen wenigstens etwas werden. Falls sie es einigermaßen überlebten.

Hat sich heute und unter den Vorzeichen eines von Krise zu Krise stolpernden Kapitalismus etwas an den Verhältnissen geändert, dann höchstens der inzwischen zivile Verbrauch von Menschenmaterial zur Ertragssteigerung der Industrie. Militärische Konflikte sind für die westlichen Wirtschaften zwar immer noch ein nicht zu unterschätzender Garant auf ein stetig wachsendes Bruttoinlandsprodukt, der Verbrauch von Rüstungsgütern wurde allerdings in den vergangenen Jahrzehnten überwiegend in die ärmeren Staaten ausgelagert, deren postkoloniales Hadern mit dem Ist-Zustand ein dauerhaft nutzbarer Rohstoff bleibt, wenn man ihn nur sorgfältig genug pflegt. In unseren Alphastaaten bauen wir lieber Autos, verpesten die Luft mit diversen fossilen Energieträgern und verkaufen allerlei überflüssigen Schnickschnack, der schlecht bezahlte und dafür gut verfügbare Logistiklohnsklaven verheizt. Ab und zu verirrt sich ein halbwegs vernünftiger Mensch in systemrelevante Berufe, die allerdings nur dann als solche anerkannt und mit frenetischem Geklatsche bedacht werden, wenn man sich die Bruchstellen dieser Gesellschaftsarchitektur nicht mehr unfallfrei schön koksen kann; kehrt wieder Ruhe ein, dann merkt die Mehrheit, dass Relevanz bloß Investmentbänkern und Börsenspekulanten, allenfalls noch einem Zahnarzt zugesprochen wird, wenn er regelmäßig einen neuen Sportwagen kauft.

Damit die werktätige Bevölkerung für stetig rauchende Schornsteine zumutbarer Beschäftigung nachgehen kann, kämpfen ihre Knirpse an der Klassenarbeitsfront um Betreuung – Hauptsache gut verwahrt, jede Schule, in der sich Kinder und Lehrkörper infizieren, ist einer dieser vielen, vielen Einzelfälle, die man gar nicht zählen oder in einen Zusammenhang bringen darf, weil es dann nämlich keine Einzelfälle mehr wären, und so funktioniert ja unser System nun mal nicht. Die besondere Gewalt gegenüber den Zöglingen zeigt sich schon darin, dass sie nach jahrhundertlang bewährtem Prinzip ausgeübt wird, und was so lange irgendwie noch immer gut ging, kann ja verkehrt nicht sein. Wozu also sollte Bildung, die in erster Linie der widerstandsfreien Durchsetzung eines staatlichen Auftrags zur leistungskontrollierten Sicherung von wirtschaftlichen und sozialkonformen Regularien durch Frontalunterricht dient, auch sonst an die technische und gesellschaftliche Wirklichkeit angepasst werden. Am Ende verhindert sie den Eingang in die selbstverschuldete Unmündigkeit, der zu einer nicht mehr beschulbaren Kaste von Berufspolitikern führte, die die Verwahranstalten mit Abgangszeugnis für die Kategorisierung in die vorhandenen Verwendungszwecke so dringend brauchen, weil sie sonst überflüssig wären. Hätten sie mal etwas Anständiges gelernt.





Alarmstufe Rot

19 11 2020

„Das kann sich doch die Bevölkerung gar nicht vorstellen!“ „Deshalb müssen wir ja auch so schnell wie möglich eine gemeinsame Lösung finden.“ „Wir haben schon so viel Geld in die Autobranche und in die Lufthansa gepumpt, da ist das einfach nicht mehr drin.“ „Kollegen, die Frage ist doch: wie systemrelevant ist der deutsche Weihnachtsmann?“

„Vom wirtschaftlichen Standpunkt müssen wir schon anerkennen, dass es sich nur um saisonale Jobs handelt.“ „Warum haben wir dann im Sommer wegen der Erntehelfer so einen Aufstand gemacht?“ „Und wegen der Fleischzerleger?“ „Das ist alles Ostmaterial, das lässt sich viel schneller ersetzen als deutsche Studierende.“ „Dann sollen die halt Taxi fahren, damit wird man sogar Außenminister.“ „Es geht doch nicht um die Studentenjobs!“ „Das sind aber unsere Steuergelder!“ „Ohne Weihnachtsmann ist hier kein ordentliches Weihnachtsgeschäft mehr möglich!“ „Eben, das ist Leitkultur!“ „Seit wann?“ „Seit Coca-Cola den Weihnachtsmann erfunden hat, oder?“ „Dann hätte das sogar noch eine politische Komponente im transatlantischen Kontext.“ „Das müsste die CDU-Vorsitzende festlegen.“ „Aha.“ „Das deutsche Weihnachtsfest wird also auch schon im Ausland verteidigt?“ „Hat das was mit Frieden zu tun?“ „Weihnachten? nicht, dass ich wüsste.“

„Kollegen, das Problem ist doch: die Jobcenter haben jede Menge Anfragen, es gibt viele private Agenturen und Vermittler, und die Kunden haben schon geordert.“ „Dann geht das eben nicht.“ „Sie werden doch auch einsehen, wenn in Ihrem Betrieb keine Weihnachtsfeier stattfindet.“ „Ich würde mein vierzehntes Monatsgehalt zurückzahlen, wenn ich diese versoffenen Arschnasen aus dem Vorstand einmal nicht ertragen müsste.“ „Aber machen Sie das doch mal den Kindern klar.“ „Wieso Kinder?“ „Glauben Sie denn noch an den Weihnachtsmann?“ „Ach so.“ „Mietweihnachtsmänner sind in erster Linie für Kinder da und…“ „Aber bezahlen tun die Eltern.“ „Und für wen?“ „Das könnte empfindliche Dellen im Weihnachtsgeschäft hinterlassen.“ „Mein Gott, und das sagen Sie erst jetzt!?“

„Infektionsschutzmäßig geht das natürlich gar nicht.“ „Ist ein Umhängebart nicht irgendwie auch eine Maske?“ „Trotzdem wäre eine Maskenpflicht für Weihnachtsmänner schon ganz gut.“ „Und wenn sie Corona-Leugner besuchen müssen?“ „Das ließe sich in den AGB regeln.“ „Kollegen, die rechtliche Bewertung ist doch: darf man den Weihnachtsmann an mehr als einem Einsatzort…“ „Da es sich um eine berufliche Tätigkeit handelt, sollte das mit dem Infektionsschutzgesetz vereinbar sein.“ „Aber die besuchen mehrere Familien am Heiligen Abend.“ „Das könnte man vielleicht tolerieren, da während der Festtage der Infektionsschutz heruntergefahren und im privaten Rahmen sowieso nicht kontrolliert wird.“ „Dann haben wir also einen alten weißen Mann, der als Superspreader beweist, dass Kinder eine Hauptrolle im Infektionsgeschehen spielen.“ „Sechs Monate Gehirnwäsche für die Tonne.“ „Gut, dann können wir auch die Pläne vergessen, alle Weihnachtsfeiern am letzten Schultag zu machen.“ „Müsste man nur wissen, wo dann der Unterricht stattfindet.“ „Das war jetzt wirklich witzig.“ „Das hat Laschet gesagt.“ „Okay, dann eben nicht.“

„Sonst irgendwelche Vorschläge?“ „Merz hat empfohlen, Weihnachtsmänner zu Intensivbetten umzubauen.“ „Super.“ „Das klingt im Vergleich zu sonstigen Äußerungen ungewohnt intellektuell.“ „Ich würde dem nicht widersprechen.“ „Kollegen, die Frage ist doch: was haben wir jetzt zu erwarten?“ „Es ist nicht mehr auszuschließen, dass die Weihnachtsmänner in Berlin demonstrieren.“ „Wofür?“ „Für Arbeit schon mal nicht, sind ja nur Studenten.“ „Hähähä.“ „Aber auch zukünftige Arbeitnehmer.“ „Dann sind das auch nur ehemalige Medizinstudenten wie Drosten, die einem die Statistik versauen.“ „Jetzt machen Sie sich mal die Dimension klar: zehntausend Weihnachtsmänner in vollem Ornat stehen vor dem Reichstag!“ „Da gehen wir mit Tränengas und Gummigeschossen drüber, dann ist das Geschichte.“ „Das wird doch mit den deutschen…“ „Haben Sie die schon mal in der Totale gesehen?“ „Verdammt!“ „Aber das darf doch die Polizeiführung nicht beeindrucken?“ „Sie sind nicht zufällig ein kleines bisschen naiv?“ „Dass die bei diesen Mänteln scharf schießen, das ist doch nicht zu…“ „Das gibt Alarmstufe Rot.“ „Hauptsache, die stürmen nicht den Reichstag.“ „Das Problem ist, als Vertreter der christlichen…“ „Sie meinen, die randalieren in der CDU-Fraktion?“ „Könnte man den Schießbefehl nicht als…“ „Das regelt die Polizei beim Deutschen Bundestag.“ „Die wird aber vom Bundestagspräsidenten…“ „Haben Sie gerade einen Briefumschlag?“ „Jedenfalls kann man den Weihnachtsmännern nicht verbieten, ihre Forderungen als…“ „Sind das Soloselbstständige?“ „Größtenteils ja.“ „Dufte!“ „Super!“ „Kollegen, die Sache ist doch: wie verhindern wir wieder einmal, dass die freigegebenen Summen abgerufen und irgendwie fristgerecht ausgezahlt werden, bevor wir den Bedarf an promovierten Industriehelfern auch nur halbwegs gedeckt bekommen?“

„Wir könnten die Weihnachtsmänner für je einen Knuffelkontakt…“ „Sonst haben Sie keine Schmerzen?“ „Danach können sie ihre Kostüme ja vermieten.“ „Super!“ „Und alle Familien machen Bescherung weihnachtsmanntauglich zu Hause!“ „Klasse Idee!“ „Und wer zahlt das?“ „Gabe es da nicht diese Homeoffice-Steuer?“ „Kollegen, das ist der absolute Hit! Machen Sie mir eine Verbindung, wir haben das Weihnachtsfest infektionsmäßig voll gerockt!“





Böllerrebellen

18 11 2020

„… auch in Deutschland zu untersagen. Das in den Niederlanden von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommene Böllerverbot zum anstehenden Jahreswechsel könne auf kommunaler Ebene eine entlastende Wirkung auf den…“

„… wie im KZ gehalten würden. Schiffmann werfe der Bundesregierung vor, das Volk wie die in Auschwitz inhaftierten jüdischen Untermenschen zu behandeln, die an Silvester keine Möglichkeit gehabt hätten, sich aus eigener Entscheidung in…“

„… die Wirtschaft unter einem Verbot leide. Lindner beklage eine neue Qualität in der Art, wie Merkel Deutschland in eine ökofaschistische Diktatur verwandeln wolle. Wer durch mangelnden Feinstaub absichtlich nicht an Krebs erkranke und gezielt die Aktien börsennotierter Klinikkonzerne sabotiere, müsse als Volksfeind aus dem…“

„… die Feuerwerksartikel nicht einfach vom Einzelhandel ein Jahr lang eingelagert werden dürften, da die Geschäfte dazu sicherheitstechnisch nicht in der Lage seien. Söder habe angeregt, bei der Suche nach einem Endlager für atomaren Müll den Freistaat Bayern endgültig auszunehmen, wenn dieser im Gegenzug sich bereit erkläre, alle…“

„… dass private Silvesterknallerei ebenso obsolet sei wie Pferdekutschen, Schreibmaschinen oder Verbrennungsmotoren. Da Baerbock für diese Anregung Morddrohungen erhalten habe, sei Weidel davon überzeugt, dass ein Verbot der Grünen nur noch eine Frage der…“

„… sei die von den Böllerrebellen angemeldete Demonstration vom OVG Bautzen auch genehmigt worden. Während der Kundgebung dürfe kein Feuerwerk abgebrannt werden, es sei aber nicht mit polizeilichen Kontrollen zu rechnen, da die Gefahr für die Beamten viel zu…“

„… sei die Überfüllung in den Klassenzimmern durch tödliche Unfälle leichtsinniger Jugendlicher zu korrigieren. Lindner sehe die verheerenden Folgen des Gesundheitsterrors unmittelbar im Schulbetrieb, der unbedingt wieder auf die normale Auslastung eines…“

„… habe Scheuer noch nicht bemerkt, dass der Hauptstadtflughafen zwischenzeitlich in Betrieb genommen worden sei. Sein Plan, gegen eine persönliche Provision, einen Aufsichtsratsposten beim BER und andauernde Straffreiheit wegen vergangener und zukünftiger Gesetzesverstöße die Pyrotechnika auf dem Gelände des…“

„… einen Umsatz von etwa 130 Millionen Euro kalkuliere. Altmaier bedaure den Verdienstausfall der Branche, müsse jedoch angesichts steigender Boni in der Luftfahrt- und Automobilindustrie klare Prioritäten setzen, um sich nicht in den Ruf einer einseitigen…“

„… ob der im Demonstrationsaufruf enthaltene Appell, sich selbst und anderen durch mitgeführte illegale pyrotechnische Artikel Gliedmaßen gezielt wegzusprengen, als Aufforderung zum Begehen von Straftaten im Sinne des §130a StGB zu werten sei, müsse noch geklärt werden. Zuvor werde das Sächsische Oberverwaltungsgericht abwarten, ob es während der Kundgebung wirklich zu einem oder mehreren Fällen von vorsätzlicher…“

„… sei es gute deutsche Tradition, Unschuldige durch eigenmächtiges Handeln in Lebensgefahr zu bringen und den Opfer die Schuld daran zu geben. Merz wolle dies als Regierungschef so schnell wie möglich als verfassungsmäßig verbrieftes…“

„… mache ein Absinken der Müllmenge zum Jahreswechsel die Entsorgungsbetriebe so gut wie arbeitslos. Die SPD könne dies nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren und schlügen vor, den Mitarbeitern regelmäßig zum 31. Dezember zu kündigen, um sie am 2. Januar wieder mit einem unbefristeten…“

„… dass RKI, Ärzteverbände und Kliniken ein Feuerwerksverbot forderten. Laschet habe keine Lust mehr, sich von Laien die Wirtschaft in NRW erklären zu lassen und riet den Medizinern, sich lieber um halbwegs vernünftige Lösungen für einen guten Schulbetrieb im Land der Küchenbauer zu…“

„… in die Gegendemonstration abgefeuert worden seien. Die Polizei habe diese wegen der nächtlichen Lichtverhältnisse nicht einzelnen Teilnehmern zuordnen können, gehe aber davon aus, dass es sich um ein verkehrsübliches Risiko handle, wie es auch zum Jahreswechsel in jeder…“

„… auch eine große Gefahr für Arbeiter in den Feuerwerksfabriken, die immer noch häufig durch Explosionen ums Leben kämen. Gauland halte dies jedoch für unerlässlich, da es für Mexikaner oder Inder eine Ehre sei, für die Interessen der deutschen Rasse zu…“

„… seien 57% der Deutschen der Ansicht, aus Umwelt- und Sicherheitsgründen sei dauerhaft auf Silvesterfeuerwerk zu verzichten. Scheuer habe betont, man könne wie bei einem generellen Tempolimit auf den Autobahnen nicht einfach den Mehrheitswillen der Wähler umsetzen, da es sich um national gewachsene kulturelle…“

„… werde die stalinistische Kanzlerin bald auch noch Autorennen in den Innenstädten verbieten, um Kindern, die weder Steuern zahlen noch Wertpapiere kaufen könnten, ein bequemes Leben in der sozialen Hängematte zu erlauben. Lindner werde es nicht dulden, dass die herrschenden linken Terrorverbände sich über Recht und…“

„… Flüchtlingen und Asylbewerbern für den 31.12. eine befristete Arbeitsgenehmigung erteilen könne. Sollten sich diese als Handlanger für ihre deutschen Arbeitgeber an Böllern verletzen, so sei durch eine rasche Abschiebung die Zahl der freien Intensivbetten in Deutschland keinesfalls…“





Mythen in Tüten

17 11 2020

„Bisschen Antisemitismus? Also Antisemitismus geht immer. Wird auch gerne genommen, in letzter Zeit nicht mehr nur, weil man sich jetzt traut, solche Ansichten auch öffentlich zu äußern, sondern weil man auf dem Markt anschlussfähig bleiben will.

So ein Verschwörungsnarrativ ist ja letztlich schnell in die Welt gesetzt, aber wenn Sie es nicht sorgfältig durchplanen, dann sind Sie auch ganz schnell wieder in der Versenkung verschwunden. Wenn Sie da keinen harten Markenkern vorweisen können, setzen Sie sich nie gegen die Konkurrenz durch. Das muss sich ja nicht widersprechen, das kennen Sie vielleicht von den Algorithmen aus dem Internet: wenn Sie Socken kaufen, empfiehlt Ihnen der Algorithmus auch eine Bratpfanne. Macht auf den ersten Blick jetzt nicht viel Sinn, funktioniert aber. Und Sie wissen, was Erfolg hat, hat Erfolg. Also nutzen Sie lieber altbewährte Komponenten und setzen Sie die etwas individueller zusammen. Was kann schon schief gehen?

Momentan wird Überwachung gern genommen. Wir haben da hervorragende Angebote, sogar mit Geld-zurück-Garantie. Das letzte Paket war ganz auf den staatlichen Datenschutz zugeschnitten, den es jetzt ja nicht mehr geben soll, weil wir sonst von den fremden Geheimdiensten ausspioniert werden. Jetzt haben wir gar keinen Datenschutz mehr, und die eigenen Geheimdienste spionieren uns aus. Das Privatsphäre-Modul bekommen Sie von uns gratis für die ersten Demos dazu, mit dem können Sie dann ein bisschen herumexperimentieren, damit es in Ihre Verschwörungsideologie passt. Wir haben schon gesehen, dass es anschlussfähig ist an die technikfeindlichen Komponenten, WLAN-Strahlen oder 5G, und es ist mit den Klassikern kompatibel. Wir werden also wahlweise von den Freimaurern im Auftrag der Juden ausspioniert oder umgekehrt. Wenn Sie irgendwas mit Echsenmenschen oder Aliens ausprobieren wollen, nur zu. Was noch nicht passt, wird halt passend gemacht.

Wir haben ja durchaus auch Klassiker auf dem Markt. Ein paar kleinere Vereine werden von uns seit Jahrzehnten mit den Basics beliefert, die sich im Wesentlich nie geändert haben. Deutsches Reich und Dolchstoß und solche Sachen, es gibt immer noch erstaunlich viele Nostalgiker, die das kaufen. Jedes Weihnachten machen wir eine Aktion, für ein weiteres Jahr Kundensupport mit Versailler Vertrag und Protokolle der Weisen von Zion. Das ist ein bisschen komisch, weil es für die alten Kamellen gar keine Ersatzteile mehr gibt, keine Updates, also im Grunde auch keinen Kundensupport. Aber die Leute ordern das, weil sie es immer schon hatten, und wir müssen das doch nicht korrigieren. Auftrag ist Auftrag, oder nicht?

Ein paar Komponenten haben sich als nicht ausreichend kompatibel erwiesen. Wenn Sie sich mit der Mondlandung beschäftigen, werden Sie sehr schnell feststellen, dass es sich nicht mit dem Philadelphia-Experiment verträgt. Wie kann eine US-Regierung gleichzeitig mit ein paar Tausend Technikern ein ganzes Raumfahrtprogramm im internationalen Fernsehen vorspielen, ohne dass sich einer verplappert, während ein ganzes Schiff 500 Kilometer weit gebeamt wurde, mit dem Ergebnis, dass zahlreiche Besatzungsmitglieder an Bord geschmolzen, verbrannt oder explodiert sind, auch wenn sich das nicht beweisen ließ, weil ja alle dicht gehalten haben. Sie müssen sich da schon für eine Straßenseite entscheiden. Also für Freiheit und Souveränität und einen Friedensvertrag und die Abschaffung des Grundgesetzes demonstrieren, aber gleichzeitig US-Truppen anfordern, die die demokratisch gewählte Bundesregierung ins Konzentrationslager stecken soll – rote Pille oder blaue Pille, aber nicht beides.

Beachten Sie bitte, dass die Gewaltbereitschaft frühzeitig geklärt ist. Sie wollen mit der Erzählung auf die Straße, da muss dann ja auch irgendwas passieren. Wenn Sie es selbst nicht verantworten wollen, dann ist auch hier Anschlussfähigkeit das höchste Gebot. Nehmen Sie frühzeitig Kontakt auf mit der organisierten Gewalt, beispielsweise mit Gruppen, die keine eigene politische oder soziale Richtung vertreten, sondern nur die Drecksarbeit für andere machen. Ansonsten kombinieren Sie die Verschwörungsideologie gerne mit stochastischer Gewaltbereitschaft. Sie sind nicht mehr für die reale Gewalt verantwortlich – es sei denn, Sie rufen zu Anschlägen und Terror und Mord auf, aber dann haben Sie das Konzept halt nicht kapiert und fallen aus der Garantie raus – aber Sie haben auf der anderen Seite auch keine Kontrolle mehr. Wenn Sie plötzlich zum Kollateralschaden werden, weil ein paar Abtrünnige Ihre Ideologie als gelenkte Opposition betrachten und zur Vergeltung aufrufen, dann haben Sie ein Problem. Unsere AGB sind da auch eindeutig, und ich würde Ihnen empfehlen, sie vor der Bestellung gründlich zu lesen.

Gut, dann haben wir unterirdischen Ritualmord an deutschen Säuglingen mit Umvolkung – Sie denken bitte rechtzeitig daran, dass die deutsche Rasse, deren Existenz Sie da behaupten, für die Babies erhalten bleiben muss, weshalb ein Ersatz für Deutsche in der BRD GmbH völlig sinnlos ist, aber es ist ja Ihre Bestellung – und ein von Merkel im Auftrag der Illuminaten mit jüdischem Kapital finanziertes Zwangsimpfungsprogramm, letzteres mit dem Update, dass COVID-19 von türkischen Migranten geplant wurde. Alles sehr komplex für Aberglauben, aber Sie wollen es ja so. Drei Prozent Skonto bei Barzahlung. Zum Mitnehmen?“





Verfassungsschützenverein

16 11 2020

„… es sich um ein Versehen gehandelt habe. Caffier habe eine Schusswaffe ohne Papiere zu einem sehr günstigen Preis nur kaufen können, da er nicht habe wissen können, dass Schusswaffen ohne Papiere zu einem sehr günstigen Preis meistens nicht…“

„… es sich um einen Privatkauf gehandelt habe. Als Politiker handle der Minister stets dienstlich und stehe fest auf dem Boden des Grundgesetzes. Als Privatmensch könne er allerdings seine…“

„… sich gegen gefährliche Randgruppen wie Demokraten verteidigen müsse. Eine Dienstwaffe habe dem Minister schon deshalb zugestanden, weil sich die linkssozialistische Regierung Merkel für eine Abrüstung gegen die überstaatlichen…“

„… regionale Ware aus nachhaltiger Produktion besonders gefragt sei, um bei jüngeren Wählern zu punkten. Eine Verbindung zur einer Gruppe namens Nordkreuz sei für die CDU daher als willkommene Unterstützung im…“

„… habe es sich um eine Waffe gehandelt, die für die Jagd nicht zugelassen sei. Caffier habe die Pirsch auf linksradikale Mäuse, demokratische Igel und bodennahes Extremwild als Aufgabe einer nationalen…“

„… müsse der Wirtschaftsstandort Deutschland sich langfristig alternative Vertriebswege für die Rüstungsindustrie einfallen lassen. Die Union setze dabei auf die persönliche Expertise ihrer…“

„… sei für die Beobachter eher zu erwarten gewesen, dass die Vereinigung eine linksradikale Tarnorganisation wäre. Das Innenministerium habe sich zur Kooperation entschlossen, um eine bessere Observation der Gruppe zu…“

„… Proteste aus rechtsgerichteten Teilen der Bundeswehr und dem KSK nicht gehört worden seien. Diese hätten frühzeitig darauf hingewiesen, dass nach Caffiers großzügiger Bezahlung keine Chance mehr bestanden habe, Waffen für die eigenen Verstecke zu…“

„… es dem Ministerium schnell klar gewesen sei, dass es sich um professionelle Waffenschieber hätte handeln können. Caffier sei fest entschlossen gewesen, als Kronzeuge einer kriminellen…“

„… Sachsen Regierungschef Kretschmer den Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern als dreckigen Volksverräter bezeichnet habe. Die in der Gruppierung Brauner Vormarsch zusammengeschlossenen CDU-Mitglieder hätten eindeutig ein Vorkaufsrecht illegaler Waffen für den Reichsgau Thüringen, Arisch-Ostland und…“

„… sich Teile seines Freundeskreises in der sogenannten Reichsbürgerszene befinden könnten. Da diese oft als Waffennarren diskriminiert würden, ohne ihnen ein konsistentes politisches Weltbild zuzutrauen, habe sich Caffier ganz im Sinne des Minderheitenschutzes für die Schwächsten im…“

„… sehe man inzwischen auch in der AfD bei Rechtsextremisten erheblichen Fortbildungsbedarf. Diese hätten für ihre Freizeitgestaltung oft nur alte Wehrmachtswaffen zur Verfügung und müssten mit Sachspenden wieder in die…“

„… es ein offenes Geheimnis sei, dass die Innenministerkonferenz eine Art Schützenverein darstelle, der vom Verfassungsschutz technisch unterstützt werde. Caffiers idealistische Einstellung zu den regierenden Sicherheitsdiensten habe zu einem Missverständnis geführt, das er zum Glück nicht in dienstlicher…“

„… mildernde Umstände gelten könnten. Der Minister habe während des Kaufs möglicherweise gar nicht gewusst, dass er weiterhin Minister sei, so dass sich seine Handlung strafrechtlich auch auf…“

„… kein klassischer Waffensammler sei wie die anderen Reichsideologen. Caffier habe sich in die Technik der Schusswaffe einweisen lassen, da er auch deren Verwendung im Alltag und beim…“

„… habe die CDU aus den Versäumnissen um den NSU gelernt und wolle daher jetzt das rechte Milieu besser und gleich auf der Führungsebene infiltrieren, um andere rechtsextremistische Parteien frühzeitig auszustechen. Andernfalls könne man aus der erreichten Vertrauensposition für eine Koalition nach der Machtergreifung der AfD bereits eine…“

„… sei es Caffiers eigentliches Ziel gewesen, Anhänger der rechten Szene zu entwaffnen. Er habe eine langfristige Lösung bevorzug und dabei auf Einzelkäufe gesetzt, um die…“

„… müssten alle rechtlichen Mittel geprüft werden können, um die Affäre so schnell wie möglich zu beenden. So sei es denkbar, den Kauf einer Waffe als illegale dienstliche Handlung zu gestehen, was im Gegenzug unter die Immunität des…“

„… weise auch die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern darauf hin, dass seitens der unter Terrorverdacht stehenden Mitglieder des rechten Netzwerks keine Drohungen gegen SPD oder CDU erfolgt seien. Schwesig sehe dies als Erfolg, der auch den Abrüstungsbemühungen ihres Innenministers zu…“

„… dass Caffier sich auch als Schirmherr für Schießtrainings zur Verfügung gestellt habe, auf denen große Mengen Munition verschwunden sein sollen. Laut bundesanwaltlicher Ermittlungen seien seine Fingerabdrücke dabei allerdings nur an den Außenseiten von…“

„… habe er sein politisches Amt nur als einen Teilschritt seiner Karriere verstanden. Um nach seinem Rücktritt einen Online-Shop für Prepper eröffnen zu können, habe der Minister frühzeitig die Lieferanten testen müssen, um die strengen Vorschriften des Verbraucherschutzes zu…“





Fristgerechte Kündigung

15 11 2020

für Erich Kästner

Der Kaiser hat nicht abgedankt,
er wurde nur entlassen
und wird für gar nichts mehr belangt.
Woran die ganze Sache krankt,
historisch wird’s verblassen.

Er hinterlässt ein Trümmerfeld.
Er selbst hat’s nie gesehen.
Ein Land, das er ins Abseits stellt,
wirft Ablass hinterher und Geld,
als wäre nichts geschehen.

Wohin er flieht, weiß er noch nicht.
Die Tore sind weit offen.
Ihm droht ja nie ein Strafgericht,
weil selbst sich keiner schuldig spricht.
Die Fragen bleiben offen.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DXIX)

14 11 2020

Henri kochte Brei in Athis
aus Milch und ein paar Löffeln Grieß,
den er, weil zu flüssig,
dann einfach unschlüssig
als Suppe im Kochtopf beließ.

Da Clyde ohne Brille in Mahwah
im Bad war, wo er nur noch nah sah,
sucht er nach den Seifen
und konnte nichts greifen,
da außerdem keine mehr da war.

Estelle tastet in Val-de-Meuse
am Gartenschlauch. Der war porös,
so dass, als sie kratzte,
derselbe zerplatzte
mit fürchterlich lautem Getös.

Schießt Gregory Bogen in Niles,
so sorgt er sich wegen des Pfeils,
den andere schossen
meist ganz unverdrossen
zum Nachteil seines Hinterteils.

Es stöhnt Élodie in Lagesse.
„So sehr ich mich auch hinein press,
das Ding ist zum Tauchen
nicht mehr zu gebrauchen –
ich komme nicht mehr in den Dress.“

Es spielte Cathrine in Fort Lee
am Abend gern eine Partie,
da Schach sie stets freute.
Den Gatten es reute,
da sie dabei jedes Mal schrie.

Es ließ Jean-Philippe in Emlingen
sich Haken im Häuschen anbringen,
woran, statt an Schränken,
man kann es sich denken,
dann sämtliche Dinge dranhingen.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXL): Urlaub im Wohnmobil

13 11 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Evolution hat den Hominiden ziemlich karg ausgestattet. Seine Körperbehaarung fällt eher überschaubar aus, dazu muss er durch beständigen Werkzeuggebrauch seine physischen Unfähigkeiten ausgleichen. Sich zweckdienliche Aufenthaltsorte zu bauen, wie es Biene und Ameise tun, wie allerlei Weichgetier ein eigenes Haus mit sich führen, das geht ihm ab. Nicht einmal die Begabung findiger Krebse besitzt er, sich fremde Kalkausscheidungen oder ähnliche Gehäuse zu eigen zu machen, und so muss er mehr oder weniger vergänglich Laubhaufen in die Flora kippen, Erdhöhlen buddeln, sich in die Kavernen oberhalb der Erdkruste oder unter die troglodytentauglichen Felsformationen zu hocken, um einigermaßen geschützt zu sein vor Gefahr und Witterung. Doch was passiert, wenn sich die ganze Sippe auf die Wanderschaft macht, die Steppe im Sturm durchquert und sich auf einen Aufenthalt in der Fremde einrichtet? Man nimmt Sack und Pack mit, weil der eigene Hausstand ja auch ein Stück Heimat bedeutet, und sei es nur der Dreck unter den Fußmatten, auf den man nicht verzichten will. Ob die Völkerwanderung auch so begonnen hat, weiß keiner mehr, doch es liegt nahe, dass der Urlaub im Wohnmobil so seinen Anfang nahm.

Mindestens einmal im Jahr will der Jetztzeitler im sterbenden Kapitalismus den Schadstoffausstoß pro Nase auskosten und ballert per Jet oder SUV ein paar Tonnen Gas in die Atmosphäre, damit es seine Kinder mal wärmer haben als er – es besteht keine Notwendigkeit für touristisches Reisen, das ja auch nur so heißt, weil man um den Globus rast, damit man um den Globus rasen kann, um hernach zu verkünden, man sei um den Globus gerast. Die Erweiterung des Horizonts spielt allerdings nur eine untergeordnete Rolle, allenfalls kümmert es den Hohlpflock, wenn er seine Gesichtsprominenz in Form eines Selfies vor die Wahrzeichen dieser Welt tackern kann, damit man seine temporäre Flucht aus der Heimatgemeinde als beglaubigt betrachtet. Je weiter, desto besser die Reise – Bekloppte in Bilbao sind gut, Bescheuerte in Beijing besser, und wer es dreimal um den Rotationsellipsoiden schafft, kriegt die Ananas am Band verliehen – doch wir nehmen halt die Sehnsucht nach Geborgenheit mit uns, wo immer wir uns aufhalten. Bei den typischen Deppen der Flusenlutschergeneration äußert sich dies halt in Schreikrämpfen, wenn in einer kleinen beninischen Pension nicht die Zuckerflocken von Schwuppi-Süd auf dem Frühstückstisch stehen. Wir suchen das Abenteuer, aber es muss vollklimatisiert sein.

Einfachere Kaliber lassen die Eigentumsbude in der Eifel zurück und verwahrlosen in der Eifel, wo sie in einem semipermeablen Unterschlupf nach Bauart einer NVA-Schlichtbehausung auf nassem Grund sachte durchmatschen, dem Gaskocher beim epischen Versagen zusehen, ihren zivilisatorischen Status mählich auf die Jungsteinzeit zurechtstutzen und sich wieder nach kalten Dosenbohnen sehnen, wie man es in ihrer Elterngeneration kannte. Der Heldenmut wird meist mit Hautabschürfungen und einem kleinen bakteriellen Souvenir belohnt, aber das ist nicht das Ende der Geschichte.

Die Wohnhöhle als beengtes Bewegtbehältnis macht die eklatante Verlotterung des Freizeiters erst perfekt. Schwiemelt er sich vor Reiseantritt die rohe Botschaft zurecht, Freiheit und Unabhängigkeit in fernen Gefilden zu spüren, hier darf er unbeugsam wie Halbfettmargarine in Konfrontation mit der Realität hadern. Die Parkplätze sind besetzt, sein Nachtlager ist minimal ungemütlicher als auf dem herkömmlich ausgewiesenen Camping-Areal, wo Frischwasser, sanitäre Einrichtungen und allerhand Einzelhandel sein Wohlbefinden suchen. Natürlich spricht seine fahrbare Butze jedem Anspruch an die Bedeutung von Wohnen brachialen Hohn – der aus Geschäftstüchtigkeit aufgekommene Streich, Buden aus Sperrholz mit dem Rauminhalt von Särgen als Eigenheim zu verkaufen, hatte eine Basis. Die Pirouette hat hier ihren Ursprung genommen, denn wo sonst muss man einatmen und die Arme an sich quetschen, wenn man sich einmal um seine eigene Achse drehen will. Der Beknackte bolzt mit dem Schädel gegen Schrankfronten, knickt Knochen ein und zerrt sich die restmuskuläre Masse, wo immer er Verrichtungen versucht. Er schläft beschissen, da er es so haben wollte, ernährt sich von Dingen, die wie mittelalterliche Strafen schmecken, nimmt von seiner Umgebung eigentlich keine nennenswerte Kenntnis mehr und muss demgemäß auch nicht als Opfer seiner Selbstzerfleischung leiden; er ist der Täter, also verdient er es nicht anders.

So klobig der Karosserieklotz um die Ecke schrammt, so ungelenk ist auch sein Lenker. Zwar mimt er mutig Autarkie, kann auf dem Feldweg Fischstäbchen brutzeln dank Akkumulator, doch relativiert sich dies schlagartig, sobald der Reisende auf die Schüsselsitzgelegenheit angewiesen sein sollte. Spätestens nachts zeigt sich der große Vorteil des Gefährts. Wer einmal nach dem klärenden Gespräch mit der internistischen Einheit Probleme bezüglich körperlicher Stabilität hatte, weiß den Personentransporter durchaus zu schätzen. Ohne Genehmigung fällt darin keiner um. Und genau das wird es sein, was die Reisenden erleben: es ist die Hölle auf Rädern. Wer nach der Tour lebend wieder seine Meldeadresse erreicht, fühlt sich spontan zu Hause und erholt. Im Sinne der Volksgesundheit ist das nicht zu unterschätzen.





Tikki Tokki

12 11 2020

„… mit deutlicher Mehrheit das Gesetz zur Stärkung der Sicherheit im Pass-, Ausweis- und ausländerrechtlichen Dokumentenwesen beschlossen habe. Die Aufnahme biometrischer Daten in den Bundespersonalausweis sei ein weiterer Schritt in die richtige…“

„… sich die Sozialdemokraten bis zuletzt gegen die Umsetzung der EU-Verordnung gewehrt habe. Das einstimmige Votum gegen die eigene Partei sei nur erfolgt, um der Bevölkerung auch weiterhin das Vertrauen in die Geschlossenheit der Koalition zwischen Union und…“

„… habe es bisher schon die Übertragung eines Fingerabdrucks auf freiwilliger Basis gegeben. Die aktuelle Pandemie zeige der Bundesregierung, wie gut diese Regelungen funktionierten, wenn sie mit einem Zwang zur Freiwilligkeit kombiniert und in den Bundesländern auf eine einheitliche…“

„… verteidige Seehofer das Supergrundrecht auf einen fälschungssicheren Ausweis für alle anständigen Deutschen. Wer sich diesem Recht des Staates widersetze, sei eben kein anständiger Deutscher und müsse durch gezielte polizeiliche…“

„… seien die Fingerabdrücke nur mit einem besonderen hoheitlichen Berechtigungszertifikat lesbar, zum Beispiel für Meldebehörden, Polizeivollzugsbehörden, Steuerfahndungsstellen, die Zollverwaltung sowie alle Beschäftigten, die sich im Dienst oder auf anderen Dienststellen einer eigenen oder fremden Behörde oder als nicht im Dienst oder an einem unzureichend gesicherten Arbeitsplatz oder durch menschliches oder technisches Versagen oder fahrlässige, grob fahrlässige, vorsätzliche oder…“

„… müssten Lichtbilder künftig direkt von den Fotografen an die Ordnungsbehörden überstellt werden. Scheuer garantiere, dass die erforderliche digitale Infrastruktur schon zwischen 2035 und…“

„… sorge die präventive Sammlung von Fingerabdrücken für eine Beschleunigung der Verfahren. So müsse bei der Aufklärung von Straftaten nicht erst nach Beweismitteln oder…“

„… könne ein biometrisch personalisierter Ausweis beispielsweise bei Verlust viel sicherer nur an den tatsächlichen Eigentümer weitergegeben werden, was für erheblich geringere Kosten im…“

„… würden auch zeitraubende Nachfragen bei den Polizeibehörden entfallen. Die Öffentlichkeit habe ein Recht, vor Abschluss der Ermittlungsarbeit aus der Presse Hinweise auf mutmaßliche Täter in einem laufenden…“

„… sich auf europäischer Ebene integrieren ließe. Eine gemeinsame Asylpolitik lasse sich mit einem einheitlichen Datenverkehr besser in der praktischen Organisation von Abschiebungen, Abschottung und…“

„… widerspreche Seehofer den Kritikern, dass es sich um eine anlasslose Datenspeicherung handele. Dass alle Bürger freiwillig Fingerabdrücke besäßen, könne juristisch bereits als hinreichender Anlass für eine…“

„… habe das bisherige System bereits ohne Sicherheitslücken gut funktioniert. Es entspreche also der Tradition der Bundesregierung, es durch eine technische Lösung zu ersetze, die bisher überhaupt noch nicht in größerem Maßstab…“

„… dass ein guter Staatsbürger nichts zu verbergen habe. Ein Deutscher hinterlasse im Durchschnitt fünfzig Mal am Tag Fingerabdrücke auf verschiedenen öffentlichen Spurenträgern und dürfe trotzdem davon ausgehen, dass er bei einer polizeilichen Vernehmung nicht mit illegalen…“

„… sei eine Übertragung der biometrischen Fotos datenschutzrechtlich unproblematisch. Da die Bürger ihre Bilder auch auf Facebook und Twitter veröffentlichen würden, könne nicht von einer außergewöhnlich hohen Gefahr für die…“

„… werde der Polizei nun auch erlaubt, die Seriennummer der Personalausweise zur Suche der Personendaten zu verwenden. So müsse eine einmal erfolglos kontrollierte Person nicht mehr ständig neu vorgeladen werden, wenn bei der Aufklärung eines Verbrechens schnell ein Tatverdächtiger für die öffentliche…“

„… sei die Datenmenge der Bilder zu groß, um beispielsweise direkt in eine flächendeckende Videoüberwachung eingespeist zu werden. Scheuer garantiere, dass die erforderliche digitale Infrastruktur schon zwischen 2022 und…“

„… den Datenupload in die Cloud organisiere. Die seit Oktober 2020 auch in der Bundesrepublik ansässige Tikki Tokki ACME AG habe Seehofer versichert, dass die Bilder nur stichprobenartig…“

„… dass sich Personen nicht mehr für ein Geschlecht entscheiden, sondern auch ein X als neutrale Kategorie eintragen lassen könnten. Dies stelle sicher, dass sie zum Beispiel bei der Einreise nicht mehr wegen ihres Geschlechts diskriminiert würden, sondern nur noch wegen ihrer Hautfarbe, ihres Namens oder ihrer…“

„… dürfe man nicht von einem Generalverdacht sprechen. Dieser gelte nach Meinung Seehofers nur für Ausländer, was sich an ihrer überwiegenden Beteiligung an Grundrechtsmissbrauch wie zum Beispiel gerichtlich untersagten Abschiebungen zeige. Vielmehr müsse das deutsche Volk heute schon in vorauseilender Solidarität die nötigen Maßnahmen mittragen, auch wenn keiner von ihnen zu den Minderheiten gehöre, die man später zur…“





Grüner Pfeil

11 11 2020

„Vorerst nur der Islamismus. Die Berater hatten den Eindruck, dass ein entschiedenes Vorgehen gegen den Islamismus in der deutschen Bevölkerung, also in der richtigen deutschen Bevölkerung, dass das sehr gut ankommt. Herr Habeck hat das auch sofort verstanden und wird das so umsetzen.

Wir sehen hier jetzt endlich eine entschiedene Null-Toleranz-Strategie, die man so von der Partei gar nicht für möglich gehalten hatte. Die Grünen sind in der politischen Wirklichkeit angekommen und wollen jetzt einen Aktionsplan vorstellen, damit Deutschland wieder sicherer wird. Diese Bedrohungslage muss man ernstnehmen, das ist den Grünen jetzt auch klar geworden, weil man nämlich sonst wichtige Wähleranteile verlieren würde.

Und ich sage Ihnen, die hängen sich ganz weit aus dem Fenster! Herr Habeck wird nächste Woche den Bundesinnenminister auffordern, einschlägig bekannte salafistische Vereine als terroristische Vereinigungen zu verbieten. Das würde sich kein anderer Politiker trauen. Also Seehofer sagen, was man als Bundesinnenminister tun sollte, wenn man nicht zu dämlich ist, Hosenträger anzulegen. Und dann wird er von ihm auch noch fordern, dass verdächtige Geldflüsse stärker kontrolliert werden müssen. Wenn sich Seehofer und Scholz jetzt gegen ihn verbünden und es wie einen Unfall aussehen lassen… –

Eine der Kernforderungen im Wahlkampf wird sein, dass mit Haftbefehl gesuchte Islamisten sofort verhaftet werden. Ja, das ist nicht der Habeck, den Sie zu kennen glaubten – eisenhart wird der das durchziehen! Unbarmherzig! Der wird der Union mal zeigen, wie man richtig Law and Order in die Politik bringt! Gut, wir haben natürlich das Problem auch mit Nazis, aber das ist strukturell ein bisschen anders gelagert. Da handelt es sich teilweise um Personen, die im Untergrund leben oder eine feste Meldeadresse haben, die sich nach langjähriger Fahndung als gar nicht existierend herausstellt. Der Verfassungsschutz könnte rein theoretisch und mit bereits zur Verfügung stehenden technischen und rechtlichen Mitteln auch alle diese Nazis in den Knast bringen, aber es gibt ja noch so viel andere Sachen, die man da nicht vernachlässigen darf – militante Marxisten, antikapitalistische Lesekreise, queere Kunstprojekte, die Liste ist unheimlich lang. Und die Polizei muss ja auch irgendwie ihren Job machen, was in Corona-Zeiten immer schwieriger wird. Sie sehen, der Mann tut was!

Das sind auch total neue Maßnahmen und ganz innovative Strategien, finden Sie nicht? Ja, nach all den Jahren war es auch mal Zeit für den kompletten Paradigmenwechsel. Das konnten Sie ja vorher in der deutschen Politik alles gar nicht machen, da waren ja fünfzehn Jahre lang nur Linksextremisten an der macht.

Gewöhnen Sie sich an den Gedanken, dass Herr Habeck ab jetzt mit der CSU die Marschroute synchronisiert, auf der die beiden Partner dann in Richtung Regierungskoalition voranschreiten. Das mag auf den ersten Blick befremdlich sein, denn wenn man bedenkt, dass der Islamismus für die CSU nur die logische Folge vom Islam sein kann, dann ist es auch die logische Folge, dass nach der Abschaffung des Islamismus die Abschaffung des Islams kommt. Und wenn die CSU sich als Partei der bürgerlichen Mitte für ganz Deutschland mit einem Kanzlerkandidaten etabliert, dann können Sie sich die logischen Folgen für die Grünen sicher ausrechnen.

Das stellt uns verfassungsrechtlich vor neue Aufgaben. Ziemlich viele islamistische Gefährder haben zusätzlich den Nachteil, dass sie deutsche Staatsbürger sind. Wie die Grünen ihren Erst-mal-abschieben-danach-Akten-anfordern-Plan halbwegs rechtssicher umsetzen wollen, hat sich noch nicht herumgesprochen. Und das ist ein gutes Zeichen für die politische Stabilität, wenn zwei Parteien sich an die Vorstellungen einer extremistischen Ideologie so weit annähern, dass sie mit den Mitteln einer extremistischen Ideologie antworten. Praktisch haben wir das ja bereits jetzt: immer neue Gesetze, anlasslose Überwachung, Datenspeicherung, scheiß aufs Grundgesetz, wenn der Koalitionspartner nicht mitmacht, gibt’s wieder Knatsch. Und jetzt kommt Herr Habeck, erfindet den Grünen Pfeil, und zack! scheiß auf die Ampel, wir biegen rechts ab, wann immer wir wollen. Bisher haben Kritiker immer nur gefordert, die Polizei solle ihre Kompetenzen voll ausschöpfen, bevor es neue Gesetze gäbe. Ob das rechtmäßig sei oder ob sie dazu in der Lage wäre, ist dann schon nicht mehr interessant. Aber jetzt kommt endlich mal Bewegung in die Sache.

Die CSU bleibt auch nicht untätig, und ich wette mit Ihnen, dass Sie die Vorschläge schon kennen: Verschärfung der Grenzkontrollen, Abschiebungen in Kriegsgebiete, anlasslose Überwachung durch den Verfassungsschutz, Staatstrojaner, transparente Passwörter für private Digitalgeräte, anlasslose Isolationshaft für politische Gefährder oder solche, die im Verdacht stehen, Kontakte zu Personen zu haben, die strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten sind. Was den Punkt angeht, ist die CSU schon mal aus dem Schneider.

Nein, ich lege mich da fest, es wird auf jeden Fall Schwarz-Grün. Nur das Verhältnis wird noch durch den Wähler bestimmt. Dann wird ein stramm rechtskonservativer Kanzler mit den Naturschützern gemeinsam die Verhältnisse neu ordnen. Ich möchte nur wissen, was Herr Habeck als Entschädigung für den Handel kriegt. Wie wär’s denn, wenn man ein neues Kohlekraftwerk in Schleswig-Holstein nach ihm benennt? Wäre das nicht absolut passend?“