Feindliche Übernahme

10 11 2020

„… es ein hartes Rennen zwischen Union und Grünen werde, bei dem es auf jede einzelne Stimme ankomme. Da sich jedoch ein Wahlsieg der CDU abzeichne, werde eine Koalition unter Friedrich Merz als neuem Bundeskanzler nicht…“

„… zuletzt in der Parteizentrale gesehen worden sei. Merkel habe noch im Laufe des Nachmittags mit mehreren scheidenden Bundesministern die…“

„… fast hundert Wahlkreise ausgezählt werden müssten, die pandemiebedingt durch einen erhöhten Anteil an Briefwahlstimmen erst im Laufe des…“

„… hätten Journalisten bei der Vorbereitung der ersten Statements die Bundeskanzlerin nicht mehr angetroffen. Mitarbeiter aus dem Kanzleramt sowie aus der CDU-Fraktion hätten übereinstimmend ausgesagt, dass sie nicht wüssten, wo sich Angela Merkel zum derzeitigen…“

„… sich absolut siegesgewiss gezeigt habe. Als Kandidat der gehobenen Mitte könne Merz sich seinen Koalitionspartner selbstverständlich ohne fremde Einmischung aussuchen und geruhe dies zu gegebener Zeit der Journaille in einem…“

„… dass Laschet vor Pressevertretern eine Mitteilung angekündigt habe. In seinem zweiminütigen Statement sei jedoch nur zum Ausdruck gekommen, dass er auch nicht wisse, wie die Lage sei, wie sie sich derzeit entwickle oder…“

„… sofort nach Schließung der Wahllokale im Konrad-Adenauer-Haus erwartet werde, um den Sieg der Union zu verkünden. Alle Abweichungen könnten nicht geduldet werden und seien nicht…“

„… weise Merz jede Schuld von sich. Er sei im Fall eines plötzlichen Unfalls selbstverständlich auch vor einem amtlichen Endergebnis bereit, die Geschäfte eines Regierungschefs zu übernehmen, der diesen Namen auch…“

„… in der Privatwohnung nicht angetroffen habe. Der Haushalt weise zwar keine Spuren eines Kampfes oder einer überstürzten Flucht auf, eine Entführung könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, da sich das Diensttelefon noch im…“

„… sich Merz nicht überrascht gezeigt hätten. Die Wahl des Nachfolgers im Bundestag sei erst nach den Koalitionsverhandlungen, dazu sei die Kanzlerin jedoch nicht mehr erforderlich und werde von ihm zuvor auch weder konsultiert noch…“

„… sich noch einmal um mehrere tausend Stimmen verschieben könne, da in Baden-Württemberg eine große Anzahl an Wechselwählern zu den Grünen gegangen seien. Habeck werde noch nicht als Kanzler gehandelt, es sei aber sehr sicher, dass er zu den Favoriten um den…“

„… müsse man statt eines Interviews mit der Kanzlerin nun ein Brennpunkt Spezial senden, in dem ausführlich erklärt werde, dass man kein Interview mit der Bundeskanzlerin senden könne und daher nun ein…“

„… habe sich eine Taxifahrerin erinnert, in den Nachmittagsstunden eine Frau im Hosenanzug in Richtung Hauptbahnhof gefahren zu haben. Die Personenbeschreibung decke sich weitgehend mit den polizeilichen…“

„… die internationale Presse nachgefragt habe. Es werde spekuliert, dass Merkel ihre Konversion zur Sozialdemokratie vornehme, um die endgültige Zerstörung der CDU aus der Opposition heraus zu…“

„… gebe es zur Stunde keine Forderungen. Das Bundeskriminalamt habe keine Hinweise auf eine Straftat gefunden und gehe daher von einem freiwilligen…“

„… spreche Gauland von Volksverrat. Die von jüdischem Kriegskapital gekaufte Lügenkanzlerin lasse Deutschland im Augenblick einer historischen Wende alleine mit einem designierten Nachfolger, der alle rechtskonservativ-faschistischen Kräfte durch Assimilation von ihrer Verpflichtung zum nationalen Widerstand abhalte und den…“

„… ob die Grünen die Wahl unter diesen Umständen überhaupt anerkennen dürften. Lindner wisse aber auch, dass die Partei eine Ökodiktatur errichten und den Verzehr von Schnitzel mit dem Tode bestrafen wolle, daher werde er sich in den kommenden Jahren als außerparlamentarische…“

„… gegen zwanzig Uhr in München, Krefeld, Bad Salzuflen, Potsdam, Bangkok und Frankfurt an der Oder gesehen worden sei. Alle Zeugen hätten ausgesagt, dass es sich bei der betreffenden Person mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um die…“

„… in kleinen Scheinen in einem Papierkorb im Bezirk Moabit ablegen solle. Merkel werde nach der Übergabe wieder auf freien Fuß gesetzt. Das auf Briefpapier der CDU-Fraktion verfasste Schreiben sei vom LKA Berlin sofort als relativ plumpe…“

„… das Ergebnis nicht abwarten wolle. Der CDU sei es zwar nicht mehr möglich, stärkste Kraft im Bundestag zu werden, ihr Kandidat wolle aber gemäß seiner deutschen Leitkultur mit entschlossenem…“

„… hätten die Abgeordneten keine Straftat vortäuschen wollen. Es sei ihnen jedoch wesentlich einfacher erschienen, durch die eine fingierte Entführung Merkels Verschwinden parteiintern zu…“

„… sich in einem Gartenhaus in der Uckermark aufhalte, wo sie Dokumente des Geheimdienstes auswerte. Die Kanzlerin lasse derzeit umfangreiche Razzien bei BlackRock sowie in zahlreichen anderen geschäftlichen und privaten…“

„… spurlos verschwunden sei. Vorsorglich sei eine Sperrung des Luftraums über dem Sauerland angeordnet worden, falls sich Merz etwa in die Vereinigten Staaten von…“





Nationale Identifikationsfigur

9 11 2020

„Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass es da eine Verschwörung gibt.“ „Aber theoretisch kann man das doch annehmen.“ „Dann wäre es nur eine Theorie, aber es ist hier praktisch.“ „Dann liegt es an der Ideologie.“ „Deshalb nennt man es jetzt ja auch Verschwörungsideologie.“ „Und das soll alles erklären?“ „Eben gerade nicht.“ „Dann haben wir ja wenigstens den Beweis.“

„Was soll das denn jetzt heißen?“ „Als Politiker muss man ein gewisses Verständnis haben.“ „Und die ganzen Knalltüten, die überhaupt keine Ahnung haben, sind wegen einer Verschwörungsideologie noch nicht Bundeskanzler?“ „Also die meisten, die ich bisher erlebt habe, waren einfach inkompetente Arschlöcher.“ „Kann ich so bestätigen.“ „Das hat aber nicht die Partei so beschlossen?“ „Ich kann mir das nicht vorstellen.“ „Höchstens, dass sie die inkompetentesten Arschlöcher befördert haben, weil die zu viel wussten.“ „Warum wussten die zu viel?“ „Weil man mit weniger Inkompetenz und mehr krimineller Energie schon in den Knast kommt?“

„Wenn man sich aber in einem Bereich der Politik schon qualifiziert hat?“ „Zum Beispiel?“ „Es gibt ja auch Leute, die kommen aus der Wirtschaft und sind als…“ „Das nennt der Qualifikation?“ „Dann wäre ja jeder Freizeitkicker schon als Bundestrainer einsetzbar.“ „Die meisten Freizeitkicker würden das unterschreiben.“ „Die meisten Abteilungsleiter auch.“ „Aber wenn man da in eine Abteilung versetzt wird, ist das nicht oft mit einem Karriereknick verbunden?“ „Deshalb soll man es ja auch lassen.“ „Weil man keine Ahnung hat.“ „Oder alles besser weiß.“ „Das eine muss das andere ja nicht unbedingt ausschließen.“

„Die moralische Tragbarkeit?“ „In meiner Jugend hätte ich Ihnen noch zugestimmt, aber langsam wird’s etwas schwierig.“ „Die Preise sind in den vergangenen Jahrzehnten echt in den Keller gerutscht.“ „Manche halten das auch für eine der wesentlichen Zugangsvoraussetzungen zu höheren Ämtern, dass sie eine gewisse moralische Hornhaut haben und nicht mehr antastbar sind.“ „Es gibt immer Lücken, und es gibt immer jemanden, der weiß, wo sie sind.“ „Stimmt.“ „Wobei auch die Leute natürlich ihren Preis haben.“ „Das regelt der Markt.“ „Der regelt aber auch, dass die Preise irgendwann anziehen.“ „Dann muss man das halt nachjustieren.“ „Den Preis?“ „Die Moral.“ „Aha.“

„Aber die Beliebtheit?“ „Bei wem?“ „Hm.“ „Ja, stimmt auch wieder. Mein Fehler.“

„Die Nützlichkeit für die Wirtschaft?“ „Hatten wir schon.“ „Ein Problem dürfte eher sein, ob einer die Nützlichkeit der Wähler für die Wirtschaft in den Vordergrund stellt.“ „Wenn einer dabei nicht über Leichen geht…“ „Die Frage hatten Sie aber schon verstanden?“ „Man muss ja nicht gleich das ganze Volk auf einmal umbringen.“ „Das würde der Wirtschaft auch nichts nützen.“ „Man könnte das langsam durchziehen.“ „Dann steigen aber die Infektionszahlen.“ „Dagegen hilft Zuwanderung.“ „Das erzeugt wieder neuen Rassismus, den man im nächsten Wahlkampf gezielt schüren kann.“ „Und das bindet wieder die Wähler.“ „Wobei das die Aktienbesitzer gar nicht mitkriegen.“ „Was auch nicht neu ist.“ „Macht das einen Politiker nun sympathischer?“ „Wenn er im Wahlkampf behauptet, die Fremden seien an allem schuld?“ „Gut, dann ja.“ „Aber auch nicht bei allen.“ „Die Hauptsache ist doch, es reicht für die Wiederwahl.“

„Sozialkompetenz?“ „Sie sagten ja schon, dass Sie das mit etlichen Jahrzehnten Abstand verfolgen.“ „Dann eben Digitalkompetenz.“ „Waren Sie in den Jahrzehnten wenigstens in Deutschland unterwegs?“ „Gibt es denn irgendeine Art von Kompetenz, die man haben muss, weil man sonst seine Wahl komplett vergessen kann?“ „Immerhin haben Sie Humor.“ „Oder es war eine rhetorische Frage.“ „Für Wirtschaftskompetenz muss man ja auch nur wissen, wer sich über Steuersenkungen freut.“ „Ist das nicht ein komplett anderes Ressort?“ „Halten Sie jetzt aktive und passive Korruption auseinander?“ „Ab Bundesebene muss man das gar nicht mehr.“ „Ist ja auch derselbe Haushalt.“

„Aber diese Beliebtheit beim Wähler, die muss man sich ja irgendwie erarbeiten.“ „Die meisten wollen das gar nicht.“ „Die Bundeskanzlerin wird ja von einigen ‚Mutti‘ genannt.“ „Das finde ich aber höchst despektierlich.“ „Mehr als ‚Birne‘?“ „Man muss doch den Eindruck haben, dass diese Person als Person…“ „Nicht als Persönlichkeit?“ „Da gibt es ja bei den meisten nicht mal groß irgendwas zu spalten.“ „… oder dann eben als Persönlichkeit für Deutschland steht.“ „Halten Sie die Mehrheit der Deutschen für solche Vaterlandsverräter?“ „Also jetzt erlauben Sie mal!“ „Naja, als nationale Identifikationsfigur geht der jedenfalls nicht durch.“ „Ich verlange von Ihnen trotzdem eine…“ „Jetzt lassen Sie’s mal gut sein.“ „Ich…“ „Ja, ich auch.“ „Mehr hat er auch nicht gesagt bisher.“ „Das reicht nach seinem Verständnis.“ „Für Deutschland?“ „Für das Amt.“ „Das kann sogar sein, wenn man sich den internationalen Vergleich anschaut.“ „Also hätte er anderswo auch Chancen?“ „Außer ihm glaubt das keiner.“ „Das reicht ja auch.“ „Weil das sonst keiner glaubt?“ „Das wäre im internationalen Vergleich ja schon wieder positiv.“ „Mein Güte, kann man das denn jetzt nicht einfach mal klar auf den Punkt bringen? Es gibt eben widerlich dumme Arschlöcher, denen jeder nässenden Ausschlag wünscht!“ „Das klingt eigentlich plausibel.“ „Ich kann das nachvollziehen.“ „Doch, ja.“ „Herr Merz? Ich glaube, wir haben es. Es gibt da einen Verdacht, warum Ihre Landsleute auf Sie als Bundeskanzler eher nicht so scharf sind.“





Arbeitsschutzkontrollgesetz

8 11 2020

Was haben wir im Sommer geklatscht! Endlich die richtige Anerkennung für alle die Hilfskräfte in der Fleischindustrie, die mit leckeren Schlachtabfällen das Grillfest… – Nein, wir haben natürlich nicht für sie geklatscht. Wozu auch, das Personal kriegt ja schließlich Geld für seine Arbeit. Wovon sollen die osteuropäischen Subsubsubunternehmer denn sonst die luxuriösen Zehnbettzimmer zahlen, in denen die Zerleger in ihrer Freizeit aufbewahrt werden. Die Bundesregierung hatte Abhilfe versprochen und ein Arbeitsschutzkontrollgesetz in Aussicht gestellt – dringend nötig, da sich inzwischen die Schlachthöfe der Kadaverindustrie als Infektionsherde etabliert haben, die auch nach Quarantäne das Virus munter in der Fläche verbreiten. Allein dieses Gesetz wird so schnell nicht kommen, die Bundesregierung in Gestalt der Union sieht hier noch Gesprächsbedarf. Präziser ausgedrückt: die Fleischbonzen sehen noch Gesprächsbedarf mit der Bundesregierung, um sich ihr lukratives Geschäftsmodell nicht durch Gesetze für Infektionsschutz und Einhaltung internationaler Arbeitsschutzbestimmungen schlachten zu lassen. Wir sollten alle noch mal mit dem Betrieb in einer Fleischproduktionsanlage vertraut machen. Einmal quer durch. Am Haken. Alle weiteren Anzeichen, dass diese Pandemie ein Glücksfall für die herrschende Klasse ist, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • philosophische versuche: Die Zeit, in der ein halbwegs denkeder Mensch sich noch schmerzfrei mit Politik befassen konnte, sind hier längst vorbei.
  • gottesdienst ausatmen: Bei einer Totenmesse hält sich wenigstens einer an die Vorsichtsmaßnahmen.
  • virologie: Momentan sind die Bundestrainer alle Experten für US-amerikanisches Wahlrecht.
  • corona schulen: Man lernt ja nicht fürs Leben.
  • esoterische rezepte: Stellen Sie sich einen Kohlrabi vor.
  • antisemitismus polizei rufen: Nur dann, wenn er vorher nicht ausreicht.
  • bundeswehr corona: Vielleicht war diese Cyber-Kriegsführung doch keine so schlechte Idee.
  • hakenkreuze polizei: Bis jetzt tragen die Beamten immer noch die üblichen Landeswappen, in Sachsen oder Thüringen kann das also schnell angepasst werden.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DXVIII)

7 11 2020

Auf Bedřichs Dach sitzen in Hradzen
gewöhnlich ein paar Dutzend Spatzen.
Soll er, wird man denken,
dem Aufmerksamkeit schenken?
Wild werden dabei nur die Katzen.

Man wusste, dass Gerben in Grootegast
seit langem schon belegte Brote hasst,
die in den Schulpausen
die Schüler verschmausen.
Vom Hausmeister hagelt’s Verbote fast.

Dort steht Vojtěchs Scheune in Mauthaus.
Da kommt es am Abend meist laut raus,
die Söhne, sie feiern.
Das Bier fließt. Sie reihern.
Das sieht für den Bauern vertraut aus.

Ruuds Schiffe kennt man in Hornhuizen:
sie fuhren mit riesigen Düsen
auf schaukelndem Wasser.
Es wurde bald nasser
durchs Bullauge in die Kombüsen.

Hat Alex sich in Langentriebe
gefragt, wer sein Motorrad schiebe,
hat nun keiner Neigung.
Nun kommt eine Steigung.
Es zeigt halt kein anderer Liebe.

Es putzte Frits gern in Winschoten
auf allerlei Häusern in Schloten.
Den Ruß er entferne,
versprach er, doch gerne
nicht im Betrieb zum Schutz der Pfoten.

Galt Kamila in Kiskamühle
weithin als die distanziert Kühle,
massiert sie von Herzen
trotz Patientenschmerzen.
Sie zeigte dort keine Gefühle.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXXXIX): Vom Übergeneralisieren

6 11 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Natürlich sind alle Kreter Lügner. Das weiß man doch. Schließlich schaffte es dieses putzige Paradoxon dank Paulus – der ja selbst irgendwann seine Fake-News-Phase überwunden hatte – bis in die Bibel, genauer: in den von einem rassistischen Fundamentalisten verfassten Titusbrief, der bereits in der frühen Entwicklung dieser Sekte ein klares Licht auf den Charakter des korrupten Drecksacks warf, der unter dem Verdacht religiöser Wandlung stehende Nachbarn von der Straße fangen, zu Tode foltern und ihre bewegliche Habe in seine privaten Besitztümer zu überführen pflegte, um sich bei jenem höheren Wesen, das er verehrte, lieb Kind zu machen. Objektiv und nach starker Lesart heißt dies für uns, dass nie und nirgends auch nur ein Kreter vertrauenswürdig sein könnte, da sie niemals den Grad der Schwindelfreiheit erreichen, wobei diese Objektivität nur von außen zu erreichen ist, denn was wäre eine Aussage über Kreter, wenn die selbst in die Suppe spucken?

So ist es mit allen Vorurteilen, wenn sie nicht durch das Paradox der galoppierenden Dummheit verunreinigt werden. Man muss sie zwingend von außen einer Stichprobe der Gesamtpopulation überstülpen, sonst wird man sie auf die Eigenschaft, die sich negativ auswirken soll, nie reduzieren. Dass Bayern mit einem Alkoholproblem geboren werden, Radfahrer asoziale Verkehrsrowdys sind und Bestatter allesamt von Betrug leben, lässt sich nur aus einer einzigen Perspektive glaubhaft zeigen. Man darf keinem dieser Segmente angehören.

Engstirnigkeit ist ein weites Feld, und man darf niemals seine Borniertheit auf Dinge gründen, die sich zu geschmeidig in die Materie einpassen. Wäre ein Befangenheitsgrund, dass man Griechen als faul und bestechlich wahrgenommen hat, ohne aber je den Fuß auf Kreta gesetzt zu haben, taugte das Urteil nicht einen Buchstaben. Es ließe sich allemal ein deppentaugliches Stereotyp für allerlei Gewitzel und Gehetz daraus matschen, aber auch das ist nicht abendfüllend. Würde man trotz alledem behaupten, die Kreter seien verlogen, weil sie Griechen seien, hätte man sich bereits den hermeneutischen Zirkel ins Auge gestochen; Kreter zu sein impliziert die Zugehörigkeit, ein Urteil darauf aufzubauen wäre ungefähr so sinnvoll, wie veganen Kettenrauchern eine vorbildliche Lebensführung zu unterstellen, weil sie keine Fleischmasthormone anlagern.

Folglich sortieren wir aus Schutzgründen und nach sorgfältig zusammengeschwiemelten Regeln die Umgebungshominiden nach grobem Raster als Entweder-oder-Kandidaten: notorische Autofahrer oder unverbesserliche Radler, Kinderhasser oder Mutterglucken, kranke Bewegungssoziopathen oder asoziale Sofafettecken. Am Oberflächenlack zu kratzen wäre nicht dienlich, es könnte die Untiefen einer Differenzierung mit sich bringen, und wer will diese intellektuelle Herausforderung erdulden? Es gibt tatsächlich Mieter (dieses Gesindel, das den Mietzins jahrlang nicht zahlt, Handwaschbecken durch geschlossene Fenster kloppt und die Etage dann fluchtartig als Messie-Trainingscamp verlässt) und Vermieter (Kapitalistenschweine, die für eine Besenkammer eine Niere als Sicherheit und tausend Euro pro Quadratzentimetern fordern, die Heizung im Winter ausbauen lassen und beim Rohrbruch das austretende Wasser zum doppelten Preis zuzüglich Vergnügungssteuer abrechnen), und es gibt diese schreckliche Wirklichkeit, in der jemand beides sein kann. Der nicht unwahrscheinliche Mensch ist durch den Genuss einer größeren Hinterlassenschaft in Besitz eines Gebäudes geraten, in dem diese und jene Hausstände ihr Obdach haben; er ist folglich Vermieter. Zugleich hat er einen Betrieb, den er mit wirtschaftlicher Verantwortung führt, vor seiner Nase sitzt allerdings auch ein Vermieter, der auf die monatliche Entrichtung achtet und sich nicht auf Freundlichkeiten verlässt. Wären nun alle Mieter oder Vermieter gewissenloses Gerümpel im Wald der sozialen Verantwortung, wie könnte solch eine Konstellation auch nur einen Tag überleben?

Und so sortieren wir in Gut und Böse weg, was uns nicht schnell genug vor der Flinte flieht. Alle Taxifahrer sind schwatzhafte Schweine, die sich mit Umwegen den Lohn aufpolstern. Ärzte haben nur Medizin studiert, um sich beim Segeln und auf dem Golfplatz über die Patienten zu mokieren. Wer als Informatiker sein Leben in dunklen Kellern fristet, ist niedermolekular in einem wirr karierten Hemd festgewachsen, zeichnet sich durch Bartwuchs und unangenehmen Körpergeruch aus und ernährt sich von Fertigpizza. Klempner haben, wenn man von ihren Rechnungen ausgeht, einen 90-Stunden-Tag. Fünf US-Amerikaner reichen, um einen Pudel mit Hirnmasse auszustatten. Nicht grob falsch, aber im Einzelfall zu widerlegen. Wann immer die Aussage über alle anhebt, die da alle sind, ist sie mindestens doppelzüngig, denn wer weiß schon, was auf der anderen Seite als verbergenswertes Manko gilt. Sind die Jäger, die den Klavierspielern mangelnde Reinlichkeit im Sanitärbereich vorwerfen, wirklich unverbesserliche Warmwasserverschwender? Es ist ein, hähä, Kreuz. Psalm 116 hilft. Alle Menschen sind Lügner. Schöne Scheiße. Aber immerhin hätten wir das mal geklärt.





Moronen

5 11 2020

„… als gottesdienstliche Handlung eingestuft worden sei. Die Beamten seien durch ihre übliche Dienstpraxis, die auch die Gottesfurcht als Ziel des Freistaates Bayern ansähe, nicht auf den Gedanken gekommen, dass es sich bei den rechtsnationalen Demonstranten um eine…“

„… nicht mit dem römischen Ritus zu vereinbaren seien. Die Deutsche Bischofskonferenz habe angekündigt, jeden Teilnehmer an einer dieser Kundgebungen mit der Exkommunikation als Tatstrafe zu überziehen und die sofortige…“

„… sich verwaltungsrechtlich nicht einfach untersagen lasse. Die Teilnahme von anerkannten Priestern sei nicht erforderlich, da es sich nicht auf christliche Glaubensgemeinschaften oder…“

„… sich auf Nachfrage der Polizei als Kirche der Wütenden der letzten Tage Merkels bezeichnet hätten. Es sei nach der zweiten Versammlung noch nicht zu entscheiden gewesen, ob sich das Verbot, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, mit Religionsfreiheit und…“

„… habe sich der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland ebenfalls für einen Kirchenbann gegen die Demonstranten ausgesprochen. Es sei dabei nicht zwingend notwendig, dass die Personen dazu im vollen Einverständnis mit Anmeldern und Veranstaltern handelten, ausschlaggebend sei allein der Glaube an die…“

„… werde auch in Dresden künftig eine wöchentliche Messe stattfinden. Die Gründung der Freien Völkischen Gemeinde Sankt PEGIDA durch den ehemaligen Zuhälter und Drogenhändler…“

„… beziehe sich die Querdenkerbewegung auf die Anti-Atom-Gottesdienste, die auch gegen staatlich gesteuerte Versuche, das Volk mit Hilfe amerikanischer Strahlen zu ermorden und die…“

„… drohe ein Aktivist der Polizei mit Strafanzeige, wenn Beamten die Kundgebung betreten wollten. Dies werde von den Demonstranten als Störung der Religionsausübung im Amt angesehen und als Offizialdelikt mit…“

„… dass es innerhalb der Gemeinde zu Missverständnissen gekommen sei. Die Mitglieder hätten sich selbst teils als Vogonen, teils auch als Moronen bezeichnet und damit ihre Unterstützung für den US-amerikanischen…“

„… sei bei der Polizei in München inzwischen der begründete Verdacht entstanden, dass es sich bei der Versammlung auf der Theresienwiese doch um eine weltliche Veranstaltung gehandelt haben könnte. Nähere Erkundigungen könne man aber erst nach Rücksprache mit der Staatskanzlei und den…“

„… das Austeilen veganer Wurst nicht gegen Maßnahmen zum Infektionsschutz verstoße. Es handele sich dabei um ein Abendmahl, das zum Gedächtnis an viele Milliarden Kinder, die die Reptiloidenfürstin Merkel täglich zur Deckung ihres persönlichen Bedarfs an Christenblut unter…“

„… der Bayerische Verwaltungsgerichtshof die Zahl der Teilnehmenden bei weiteren Messen auf hundert Personen beschränken werde. Jürgen Fliege habe darauf seine Teilnahme an weiteren Demos abgesagt, da er in seiner Selbsthilfegruppe ein größeres Publikum zur…“

„… ein mitgeführter Galgen für die Kanzlerin der guten christlichen Tradition entspreche, alle Riten unter einem Hinrichtungswerkzeug zu begehen. Es könne daher von Seiten der Organisatoren nicht von einer Bedrohung des…“

„… müsse das Bayerische Landeskriminalamt erst durch eine Prüfung nachweisen. Zwar sei dem Erzbischöflichen Ordinariat München eine Lesung aus dem Buch Corona verdächtig vorgekommen, man wolle jedoch zuvor die Kongregation für die Glaubenslehre, gegebenenfalls auch die Päpstliche Bibelkommission um eine Stellungnahme zum…“

„… sei der Dönerimbiss Mustafas Fresstempel auf dem Marienplatz wegen Gotteslästerung von sechzig Beamten geschlossen worden. Eine Abschiebung des Besitzers könne trotz Intervention des Bundesinnenministers nicht durchgeführt werden, da der Besitzer Max Alois Gschwörlpfleiderer in neunzehnter Generation…“

„… würden sich die Initiatoren weigern, die Hygieneauflagen einzuhalten. Nach ihrem Wissen würden in der Heiligen Schrift weder Mundschutz noch Handdesinfektion erwähnt, was für eine Verbindung des Virologen Christian Drosten zu den interstellar-gequantelten Satanisten des…“

„… es sich nur um eine symbolische Beisetzung des Grundgesetzes gehandelt habe. Eine Auferstehung der auf der Theresienwiese vergrabenen Verfassung könne innerhalb von drei Tagen erwartet werden, so dass nicht von einer mutwilligen Bodenverunreinigung im…“

„… die Bezeichnung von Merkel als ‚Judensau‘ und die Forderung, die Bundeskanzlerin ‚ins Gas zu prügeln‘, müssten nach Auskunft des LKA gerade im Zusammenhang mit dem Veranstaltungstermin kultursensibel relativiert werden dürfen. Einen Tag nach dem Reformationsfest dürfe die Tradition eines pogromorientierten Antisemitismus nicht aus der Öffentlichkeit ausgespart werden, um die ganze Bandbreite der deutschen Kirchengeschichte im…“

„… die Sperrung der islamischen Einrichtungen im Freistaat Bayern einschließlich sämtlicher Schneidereien, Taxiunternehmen und Arztpraxen ausreiche, um einer Beleidigung des christlichen Abendlandes durch feindliche Elemente im Keim zu…“





Kunststück

4 11 2020

„Die Bohrmaschine, Handschuhe, Kelle, Wandfarbe und den Hammer“, erklärte Herr Breschke und lud den Klappkorb in den Kofferraum. „Das sollte doch für den Augenblick reichen.“ Ich nickte. Wir fuhren die Uhlandstraße hinab bis zum Kontorhaus, wo wir sicher schon erwartet wurden.

Leider war das nicht der Fall. „Anne hat sich für den Veranstalter verbürgt“, sagte ich. „Da seit ein paar Tagen wieder alle öffentlichen Ausstellungen gesperrt sind, müssen wir dies sozusagen als wilde Galerie veranstalten.“ „Ach ja“, seufzte der alte Herr. „Wir waren seit Jahren nicht im Museum, und in diesen Zeiten merkt man erst, wie sehr es einem fehlt.“ Er musste sich nicht für eine Parklücke entscheiden, der ganze Platz war leer, da dem alten Gebäude der Abriss bevorstand. Wir standen dicht vor dem Eingang, der nun ohne Türen war, und sahen direkt in die große Eingangsdiele, die sich im Halbdunkel fast über das halbe Erdgeschoss hinweg nach hinten erstreckte. „Und Sie meinen, dass sich hier klassische Kunst zeigen lässt?“ Ich hievte den Korb, der bis zum Brechen der Handgriffe noch als Kartoffelhorde in meinem Keller gestanden hatte, aus dem Laderaum. „Vielleicht nicht unbedingt klassisch“, überlegte ich, „aber es liegt ja immer im Auge des Betrachters.“

Drinnen hatte sich nicht viel getan; eine rostige Gasflasche lehnte an der Wand, schräg gegenüber hatte jemand Blumenerde in eine Ecke des Raums geschaufelt. „Keine Sorge“, meinte ich, „dass wir vorher noch aufräumen sollen, hat Anne mit keinem Wort erwähnt.“ Horst Breschke kicherte. „Sehr gut, sonst würde ich so eine Vernissage auch mal in meinem Garten machen.“ Eine große Schachtel mit Dübeln lag direkt neben der einzigen Steckdose im Raum; in Augenhöhe waren etwa ein Dutzend Stellen an der Wand markiert, in die angebohrt werden sollten, um dann Haken in den Löchern zu befestigen. „Meinen Sie nicht“, mutmaßte der pensionierte Finanzbeamte, „dass wir erst die Wände anstreichen sollten?“ Ich schüttelte den Kopf. „Dann finden wir die Stellen zum Bohren nicht mehr wieder.“ Das leuchtete ihm ein.

Ohnehin hatte der Auftraggeber die Arbeiten recht gründlich falsch eingeschätzt. Einen derart großen Raum mit einem einzigen Eimer Wandfarbe zu streichen schien so gut wie unmöglich. Breschke kratzte sich am Kinn. „Vielleicht erwarten sie von uns eine Art Gemälde“, überlegte er. „Aber das übernehmen dann Sie, ich bin ja künstlerisch völlig unbegabt.“ Umständlich zog er die Handschuhe an. Diesen Raum in eine Galerie zu verwandeln würde tatsächlich ein Kunststück sein.

„Ein Achter reicht aus“, befand ich, „und Sie haben zum Glück auch die dicken Bohrspitzen eingepackt.“ „Mit den Diamanten“, bestätigte Herr Breschke. „Damit habe ich auch das neue Regal an der Kellerwand befestigt, es ging ganz leicht.“ Er steckte die Bohrmaschine ein. Leider bleib es beim Versuch, denn trotz Verlängerungsschnur erwies sich die Leitung als zu kurz, um auch nur die nächstliegende Stelle mit der Spitze zu erreichen. „Haben Sie eine Kabeltrommel zu Hause?“ Horst Breschke verneinte. „Und wenn“, überlegte er, „wie komme ich denn dann bis zur gegenüberliegenden Wand?“

Guter Rat war teuer. „Mit einem Akkubohrer könnte man es versuchen.“ Ich war skeptisch. „Ich habe keinen, kann mir aber nicht vorstellen, dass das in diesen Wänden funktioniert.“ Herr Breschke legte die Maschine neben den Korb, zog sich die Handschuhe aus und betrachtete den Raum. „Meinen Sie nicht auch“, fragt er, „dass diese Idee ein bisschen vorschnell war?“ „Ich verstehe das auch nicht“, erwiderte ich. „Sonst schaut sich doch Anne solche Sachen immer ganz genau an, bevor sie ihre Mithilfe verspricht.“ Auf der anderen Seite kannte ich ihr Faible für Kunst und Kultur, auch in deren abseitigen Gefilden.

Da hörten wir plötzlich Schritte auf den Dielen. „Ich grüße Sie“, rief ein mittelgroßer, mittelalter Mann mit mittlerem Haarausfall durch die Halle. „Rummelpeter mein Name, Ihre Freundin hatte mir versprochen, dass ich Sie hier treffen würde.“ Er verbeugte sich artig und kam auch nicht zu nahe. „Mein Name ist Breschke“, sagte ebendieser, „ich…“ „Entzückend!“ Herr Rummelpeter klatschte in die Hände und tänzelte um das Ensemble in der Mitte des Raums herum. „Das ist eindeutig das Highlight dieser Ausstellung! Diese subtile Sprache aus technischen Objekten, die als Symbole der Raumgestaltung sich quasi auf eine Metaebene transzendieren – ich bin hingerissen!“ „Wir fühlen uns Ihrem Konzept sehr verbunden“, bestätigte ich. „Ich darf wohl sagen, dass dieser Raum eine ganz außerordentliche Inspiration bietet.“ Rummelpeter konnte sich gar nicht mehr beruhigen. „Wie heißt denn diese Installation, verehrter Meister?“ Herr Breschke sah mich hilflos an, bevor ich einschreiten konnte, antwortete er: „Dies ist keine Kunst.“ Der Galerist jubelte. „Dies ist keine Kunst!“ Nun war Herr Breschke nachhaltig verwirrt. „Und dann auch noch eine die Genregrenzen sprengende Referenz an den historischen Surrealismus! Herr Breschke, Sie sind ein Genie!“

„Ich verstehe das nicht“, murmelte der alte Herr und schloss die Autotür auf. „Sie wollen mir doch jetzt nicht auch noch eine Begabung einreden wie dieser Spinner?“ „Sehen Sie es positiv“, gab ich zurück und setzte mich auf den Beifahrersitz. „Man lernt jeden Tag etwas dazu.“ „Dass ich jetzt Künstler sein soll?“ „Nein“, sagte ich. „Aber bisher dachte ich auch immer: moderne Kunst sei das, was nicht mehr in einen Kofferraum passt.“





Brandbeschleuniger

3 11 2020

„… habe keiner vorhersehen können, dass es zu Ausschreitungen kommen würde. Der Anschlag auf das Robert-Koch-Institut sei auch für das LKA sehr überraschend und…“

„… dass es bisher nur in Berlin zu Anschlägen gekommen sei. Selbstverständlich müsse aber auch die Bundesregierung die Täter und ihre Motivation ernstnehmen und sich gegebenenfalls durch eine Anpassung der Maßnahmen zum…“

„… warne die FDP vor überhasteten Urteilen über die Terroristen. Die meisten der Verdächtigen seien gar keine Nationalsozialisten, sondern nur geistig zurückgebliebene asoziale Parasiten, die gemeinsame Sache mit ihnen machten und sich auch in der eigenen Wählerschaft eine…“

„… habe Merz vorgeschlagen, einen Runden Tisch mit Corona-Leugnern, Wirtschaftsverbänden und militanten Neonazis einzurichten, bei dem die größten Gefahren für die deutsche Leitkultur im…“

„… aber die Politik nicht ausreichend darauf hingewiesen habe, dass das RKI nicht an einem Impfstoff arbeite, der im Auftrag von Bill Gates und der jüdisch unterwanderten Virologen in einem als Krankenhaus getarnten Konzentrationslager hundert Meter unter dem Bundeskanzleramt bei…“

„… seien Corona-Leugner noch nie zuvor als Tätergruppe in Erscheinung getreten. Das Bundesamt für Verfassungsschutz verfüge nicht über Daten aus langjähriger Beobachtung und könne daher die Beteiligung von Klimaschützern und Linksextremisten nicht vollständig…“

„… dass das CDU-Establishment offenbar den Rassismus gegen Deutsche salonfähig machen wolle. Merz könne sich die Absage seines Plans mit Hinweis auf einen möglichen Parteiausschluss gar nicht anders…“

„… die Anti-Terror-Gesetzgebung hier nicht zur Anwendung kommen dürfe. Sollte sich der Verdacht erhärten, dass die Täter ihre Attentate unter Bezugnahme auf Verschwörungsnarrative geplant und durchgeführt hätten, handele es sich für Seehofer um bedauerliche Einzelfälle, die nur mit dem Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten des Bundeslandes Berlin und den…“

„… dass es sich offensichtlich um gewaltbereite Rechtsextremisten gehandelt habe. Eine Aktion der Sicherheitsbehörden unter falscher Flagge könne damit ausgeschlossen werden, da es weder in der Polizei noch beim Verfassungsschutz diese…“

„… ein Bekennerschreiben aufgetaucht sei, in dem das Robert-Koch-Institut beschuldigt werde, die täglichen Infektionszahlen nur zu erfinden. Sobald diese von der muslimischen Marionette Fatima al-Qasner inszenierte Zerstörung des christlichen Abendlandes ende, werde es auch keine Pandemie mehr im…“

„… sehe Merz nur in vorgezogenen Neuwahlen ein Mittel, um den drohenden Staatsstreich in der Bundesrepublik ein für allemal zu…“

„… habe der Verfassungsschutz derzeit keine Erkenntnisse, dass die Johns Hopkins University oder die WHO von Brandanschlägen durch deutsche Staatsbürger bedroht würden. Es sei daher auch nicht mit …“

„… dass Juden eine erhebliche Mitschuld an der Ausbreitung des Virus trügen. Stahlknecht halte den Polizeischutz für viele Synagogen für vollkommen überflüssig und sehe daher die reale Gefahr, dass durch die Anspruchshaltung dieser volksfremden Brandbeschleuniger der Schutz für Hunderte von Gesundheitsämtern nicht in ausreichender…“

„… sei in dem Selbstbezichtigungsschreiben die Auslieferung der Kanzlerin zur standrechtlichen Erschießung, das Tötungsverbot für kleine Kinder zur Abnahme von Blut für die Produktion von Adrenochrom, Todesstrafe für alle Reptiloiden und die Umstellung der Ernährung im Deutschen Reich auf vegane…“

„… die Tätersuche in den sozialen Medien nicht rechtssicher sei. Solange die Betreiber von Twitter-, Facebook- und Telegram-Kanälen nicht eindeutig durch eigene Aussagen feststünden, könne auch mit nachrichtendienstlichen Mitteln keine…“

„… fühle sich Sarrazin angesichts der aktuellen Meldungen bestätigt. Es sei ersichtlich, dass der durchschnittliche IQ in der Bevölkerung rapide sinke, weshalb nur durch eine Begrenzung der…“

„… nicht mehr wisse, was er gesagt habe, die Äußerung aber bedauere. Der sachsen-anhaltische Innenminister mache die linksextreme, israeltreue Systempresse verantwortlich für eine gezielt falsche Darstellung seiner wörtlichen…“

„… es sich beim zweiten Anschlag um einen selbstgebastelten Sprengsatz gehandelt habe. Dies lasse darauf schließen, dass die Bundeswehr keine technische Unterstützung bei der…“

„… werde Merz keine Wahl akzeptieren, bei der andere Parteien antreten würden. Der bewaffnete Aufstand gegen die 99% Extremisten, die eine neue stalinistische Diktatur auf dem Boden des…“

„… dass Shisha-Bars als Infektionscluster nicht mehr in Frage kämen. Seehofer werde die Clan-Kriminalität deshalb durch vermehrte Razzien in zufällig ausgewählten Privatwohnungen in der…“

„… schlage das BKA vor, keine weiteren Tests mehr durchzuführen, damit die Infektionszahlen für die Öffentlichkeit wieder in den Griff zu bekommen seien. Im weiteren Verlauf könne man dies auch als offizielle Begründung für Lockerungen bei den…“





Maskenball

2 11 2020

„Müsste man nicht genau jetzt die Schulen wieder schließen?“ „Dann können die Eltern aber nicht zur Arbeit, und die Wirtschaft bricht ein.“ „Ah, jetzt verstehe ich!“ „Gut, dann haben wir’s ja.“ „Danke, schönen Tag noch!“ „Ebenso!“

„Ach, warten Sie mal – mir waren da noch ein paar unlogische Sachen aufgefallen.“ „Unlogisch? da überschätzen Sie die Kreativität der Politiker.“ „Ich meine zum Beispiel die Restaurants.“ „Was ist mit denen?“ „Die sind jetzt geschlossen.“ „Das war beim letzten Mal auch schon so.“ „Allerdings, und das müssen Sie mir mal erklären.“ „In den Lokalen treffen sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Haushalten, hier besteht erhöhte Infektionsgefahr, also sind die zu.“ „Diese erhöhte Infektionsgefahr, die besteht doch auch in Hotels.“ „Ja, aber nicht bei Dienstreisen.“ „Wenn also der Vorstand mit seiner Sekretärin…“ „… dann halten die sich meist nur in einem Zimmer auf.“ „Und Familien?“ „Da muss man zumindest Außenkontakte wie Schule oder einen Arbeitsplatz unterstellen, deshalb sind Hotels für private Übernachtungen zu gefährlich.“ „für Dienstreisen nicht?“ „In Zuge der Vereinfachung haben Bund und Länder diese Regelung auch an die allgemeine Entwicklung angepasst.“ „Was heißt das jetzt konkret?“ „Dass die Restaurants auch zu sind.“

„Also Sie erzählen mir jetzt gerade, dass die Restaurants zu sind, weil sie geschlossen werden mussten…“ „Hören Sie, diese Regierung setzt auch eine Drogenbeauftragte ein, die öffentlich erklärt, Cannabis sei nicht erlaubt, weil es verboten ist.“ „Das ist nett, wie Sie meine Erwartungen immer wieder untertunneln.“ „Nur für Sie.“ „Danke, aber ich kapiere es immer noch nicht.“ „Damit wir die Wirtschaft schützen können.“ „Die Wirtschaft? sind Restaurants, Bars und Hotels keine Wirtschaft?“ „Sie haben das Wort ‚Wirtschaft‘ etwas zu wörtlich verstanden, wie?“ „Ist denn die Gastronomie kein Wirtschaftszweig? Gibt’s da keine Arbeitsplätze?“ „Wenn die Leute sich im Restaurant infizieren, können sie nicht mehr zur Arbeit, und das wollen wir doch nicht, oder?“ „Dann erklären Sie mir doch mal, warum im Gegensatz zu den Restaurants die Kantinen offen sind.“ „Weil die Leute irgendwas essen müssen.“ „Das hätte ich jetzt nicht erwartet.“ „Sie sehen, unsere Politik steht für marktkonforme Demokratur mit menschlichem Antlitz.“

„Was ist denn bitte der Unterschied zwischen einem Restaurant und einer Kantine?“ „Wenn Sie den nicht kennen, dann möchte ich nicht wissen, in welche Restaurants Sie gehen.“ „Infektionsmäßig.“ „In der Kantine bekommen Sie die Speisen nicht an den Tisch serviert und haben so gut wie keinen Kontakt zum Personal.“ „Dafür sitzt man da aber meistens bunt durcheinander an langen Tischen, und jeder kommt aus einem anderen Haushalt.“ „Aber alle arbeiten in derselben Firma.“ „Das ist doch nicht zu vergleichen!“ „Schauen Sie, es gibt ja auch Berufe, die nehmen ein weitaus höheres Risiko auf sich. In meiner Anwaltskanzlei zum Beispiel gehen wir in der Mittagspause gerne mal zum Italiener.“ „Das geht jetzt natürlich nicht mehr.“ „Korrekt. Wir opfern uns für die arbeitende Bevölkerung, und ich würde gerne Anerkennung von Ihrer Seite bekommen.“ „Soll ich klatschen?“

„Sie sehen, es ist nicht zu machen.“ „Warum kann man in Restaurants nicht einfach lüften?“ „Lüften? Soll ich da etwa im Mantel sitzen und meine Kalbsschnitzel in mich reinstopfen?“ „Es wird ja wohl möglich sein, irgendwo Luftfilter zu installieren.“ „Viel zu teuer.“ „Das ist doch Sache der Gastronomen, das zu entscheiden.“ „Ach so, Sie sprechen immer noch von den Restaurants.“ „Aber selbstverständlich. Fenster auf, Schal um, alles wird gut.“ „Das vergessen Sie mal ganz schnell wieder, das geht nämlich physikalisch gar nicht.“ „Ach.“ „Das sollte man mit etwas Mittelstufenwissen aber verstehen, dass Luftmassen sich nicht austauschen, wenn es draußen zu kalt ist.“ „Und Sie sind sich sicher, dass diese Bundesregierung nicht dafür den Klimawandel beschleunigt?“ „Also bitte!“

„Das klingt alles total logisch, deshalb dürfen auch nicht ein paar Dutzend Personen aus mehreren Haushalten in einem Bus sitzen.“ „Wer hat Ihnen denn das erzählt?“ „Wäre doch logisch.“ „Da gilt selbstverständlich die Maskenpflicht.“ „Sie haben schon länger nicht mehr in einem Bus gesessen?“ „Was hat mich verraten?“ „Ach, nichts. Es ist nur nicht unbedingt so, dass die Leute das ernstnehmen würden.“ „Das würde auch unseren Bürgerrechten widersprechen, wenn man diese Freiheiten für alle einschränkt. Und die Bundesregierung kann da ebenso wenig machen wie die Länder.“ „Dass es in jedem deutschen Transportunternehmen so etwas wie Beförderungsbedingungen gibt, hatte sich auch noch nicht herumgesprochen?“ „Jetzt verlassen Sie aber langsam den demokratischen Sektor!“ „Wenn wir den Gebrauch von Masken in den öffentlichen Verkehrsmitteln besser kontrollieren würden, dann hätte davon übrigens auch die Wirtschaft etwas.“ „Das ist doch eine Milchmädchenrechnung!“ „Und wenn man beispielsweise besseren Verkehr für die Schüler organisieren würde, dann hätten wir auch nicht das Theater mit den Infektionsherden in den Bildungseinrichtungen.“ „Jetzt lassen Sie endlich die Finger vom deutschen Verkehr, das ist doch alles viel zu teuer!“ „Weil das der Steuerzahler trägt? Der muss doch jetzt schon für den Murks aufkommen, den der Verkehrsminister fabriziert.“ „Davon verstehen Sie nichts, das ist alles systemrelevant.“ „Für den Verkehrsminister und seine Freunde vielleicht.“ „Meine Güte, ich kann es ja auch nicht ändern, es ist nun mal eine komplexe Situation, die so gar nicht vorgesehen war.“

„Naja, vielleicht kommen wir ja mit etwas mehr Gottvertrauen durch die Sache, wobei: gibt es denn noch Gottesdienste?“ „Die Bürger brauchen einen gewissen geistlichen Beistand, aber mehr als die Börsenkurse können wir momentan nicht bieten.“ „Wundern Sie sich nicht, wenn das zu gewalttätigen Protesten führt.“ „Hauptsache, die Leute tragen dabei eine Maske.“





Kleine theologische Besteckkunde

1 11 2020

für Christian Morgenstern

Man weiß genau, dass hunderttausend sitzen
an Engeln auf den vielen Nadelspitzen.

Des Teufels aber sind auch spitze Listen,
so warnte man beim Speisen schon die Christen,

dass sie die Gabel mit den dünnen Zinken
nicht oben hielten: sollte Unheil winken.

Denn alle, die da Leichtsinn walten ließen,
warnt man, sie würden Engel gar aufspießen.

Man äße allgemein die Mahlzeit besser
und frömmer obendrein mit einem Messer.