Noch nicht aller Tage Abend

21 12 2020

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

alles – alles? – ja, alles ist anders. Die Zeit läuft nicht schneller oder rückwärts, sie löst sich in ihre Bestandteile auf, und mit ihr das, was wir Welt oder Zivilisation nennen. Nicht mehr einzelne Länder, die ganze menschliche Gemeinschaft, so es sie denn je gab, ist unter dem Einfluss eines tödlichen Virus gebannt und gefangen. Alle Anzeichen, dass diese Pandemie eine Art von globalem Intelligenztest darstellt, den die wenigsten bestehen, deuten darauf hin, dass wir längst jedes Maß verloren haben, jede Vernunft, jeden Zusammenhalt. Der Gemeinsinn ist entschwunden, wir finden uns mitten in der Zeit der Zusammengehörigkeit, die von Familienfesten und Treffen im Freundeskreis geprägt ist, in der Kälte der Verwertbarkeit wieder. Rohe Weihnacht.

Das Infektionsgeschehen vergrößert mit hoher Präzision, was in dieser Ordnung schon lange für die genauen Beobachter offenbar war, was längst zutage trat, was aber bis heute geleugnet wird. Die Gesellschaft selbst ist zum Risikopatienten geworden, und das nicht etwa durch unvermeidbare Prozesse wie Altern oder mangelnde Anpassung an die Wirklichkeit, sondern durch zielgerichtete Zerstörung von innen. Ihr Kern ist beschädigt, ihr Immunsystem außer Kraft gesetzt, ihre Resistenz gegenüber zersetzenden Einflüssen hat in einem Maße abgenommen, dass sie wehrlos ihrer eigenen Zerrüttung zusehen muss. Der gnadenbringende Egoismus, der angeblich mit den Krumen vom Tische der Reichen die Bedürftigen füttern soll, ist ein gnadenloser, und die Vermögenden haben es nie geleugnet; man hat nur vermieden, ihnen genau zuzuhören, um nicht selbst von ihrer Verachtung gestraft zu werden, und viele haben die Augen vor der Monstrosität der Niedertracht verschlossen, mit der sie paktieren müssen, wenn sie nicht gegen sie kämpfen. Erst in den Beschränkungen, denen die Menschen nun ausgesetzt sind, entdecken sie ihre Freiheit wieder, aber was heißt das schon?

Der unbedingte Wille zur Freiheit meint eine, die sich nicht um den Nächsten schert; gleichwohl erwartet der Freie, dass sich andere auch dann um ihn kümmern, wenn er sie verhöhnt, erniedrigt oder gleich ganz aus seinem gesellschaftlichen Kontext ausstößt. Das funktioniert kurzfristig durch mangelnde Wertschätzung, die auf dem Gefühl der Überlegenheit dank eines gut gefüllten Bankkontos und wichtiger Positionen an den Schlüsselstellen in Wirtschaft und Politik fußt, und nachhaltig durch den Zwang, immer mehr leisten zu müssen, um den erreichten Standard auch nur halten zu können, falls nicht unvorhergesehene Katastrophen einem den Boden unter den Füßen wegziehen. Wir wollen es nicht wahrhaben, nicht einmal angesichts der hetzerischen Schlagzeilen der Braunpresse. Das Gesellschaftsmodell, das uns eingetrichtert wird, ist der Konsum, der über Leichen geht. Für alles, was uns billig in den Rachen geworfen wird, billiger, noch billiger, immer billiger, bezahlen wir mit dem Leben, zunächst nicht mit unserem eigenen, aber das kann sich ja jederzeit ändern. Wie kommen Politiker auf den Gedanken, man könne Todesopfer, deren Zahl man noch nicht einmal zu schätzen vermag, da sie sich erst in den kommenden Wochen zeigt, gegen die wirtschaftliche Entwicklung ihrer bevorzugten Branchen aufrechnen? Wie kann uns dieses Pack einreden, ein Schnäppchenprospekt sei attraktiver als die Perspektive, in ein paar Wochen gesund und außerhalb der Intensivstation zu leben?

Es bedarf keines Alarms, der Kapitalismus ist bereits der Katastrophenfall.

Wir haben versagt, und die große Mehrheit wird sich nicht einmal durch eigene Umkehr retten können. Wer nicht verstanden hat, wie die saturierte Elite der sozial Schwachen den ganzen Karren in den Dreck fährt, fröhlich ignorierend, dass sie auch das Leben ihrer eigenen Kinder aufs Spiel setzt, sieht die den Tod ins Auge fassende Menschheit bei ihren letzten Versuchen, die unmittelbare Zukunft durch Vernunft in den Griff zu bekommen – es wird nicht mehr lange dauern, und der Krieg gegen die Ergebnisse der Aufklärung wird mit Sanktionen die kantischen Erkenntnisse strafen, die folgerichtig nur zur Feindschaft gegen den inhumanen Kapitalismus führen können. Und wieder lullen sie uns ein, und wieder versprechen sie uns Freiheit, diesmal unter dem Deckmantel der Eigenverantwortung.

Eigenverantwortung ist nur der Zuckerguss auf der erhofften Abschaffung der Solidarität, die bei unerwünschtem Gebrauch die Apologeten des Nachtwächterstaates auf den Scheiterhaufen bringen könnte. Sie ist das Feigenblatt, mit dem die pseudoliberalen Kotschwätzer gegen jede Vernunft ein Tempolimit als Anschlag auf die Freiheit verdammen und gleichzeitig trotz erdrückender Last der Gegenbeweise ihren Krieg gegen Drogen fortführen, der letztlich nur ein Aufblähen von Waffen- und Sicherheitsindustrie für den Krieg gegen Konsumenten ist. Eigenverantwortung heißt, dass eine Blase übersättigter Versager, die für jede Aufgabe in einer funktionsfähigen Gesellschaft ungeeignet wären, sich ihren Hintern platt sitzen, damit sie den Niedergang der Außenwelt nicht zur Kenntnis nehmen, geschweige denn etwas an ihm ändern müssten. Sie schieben ihre Verpflichtungen den anderen in die Schuhe, doch sie geben damit auch Macht ab und sind nichts anderes als Diener eines Popanz, der ihresgleichen auskaut und von sich speit. Was an den jämmerlichen Dollmännchen würde noch reichen fürs Gottesgnadentum, aus dem sich das schlotternd fortstehlen müsste? Diesen trüben Gestalten also haben wir die sittliche Kraft zugetraut, einen ganzen Staat in einer existenziellen Bedrohung zu übersehen, dass er keinen Schaden nehme? Diese Kippfiguren machen sich mit dem braunen Aushub gemein, wo es ihnen in den Kram passt, beschützen erklärte Verfassungsfeinde und wähnen in jedem demokratischen Protest gegen die Zerstörung des Gemeinwesens als Weltuntergang? Wir haben es weit gebracht und müssen uns nicht wundern, wenn ganze Landstriche im Osten sich in permanentem Widerstand gegen eine elitäre Kaste wähnt, die sich im Auftrag der Partei vom eigenen Abglanz nährt. Wir müssen auch nicht erstaunt sein, wenn Schauermärchenerzähler, die sich in Wahrheit auch nur bereichern wollen, dem Volk wilde Lügen auftischen und überall Glauben finden. Dieses Land denkt nicht. Dieses Land hat nie gedacht. Und jetzt ist es ohnehin bald zu spät.

Die Aussichten sind nicht gut. Auch wenn wir vor einem Jahr noch den Eindruck hatten, dass die Erfolge der Populisten zusehends bröckeln, wir sind heute mehr als je zuvor Zeugen einer politischen Sterbebegleitung der westlichen Demokratien und ihrer Bündnisse. Auch das ist keine Überraschung, denn wir haben uns gegen die überlebenswichtigen Fragen hermetisch abgeschirmt, bis sie ihre Antworten selbst gegeben haben. Wer diese kleine Pandemie für eine Herausforderung der Menschheit hielt, darf sich in ein paar Jahrzehnten mit den Folgen des globalen Klimaumschwungs befassen und feststellen, dass es viele gab, die alles wussten und es doch nicht für möglich gehalten haben, weil es ja nur ein bisschen Natur war. Wir werden die Nachrichten aushalten müssen, wie wir die heutigen Nachrichten aushalten – nicht alle, einige von uns werden bereits den Aggregatzustand gewechselt haben, und vielleicht gibt es auch in diesen Jahren einigermaßen gute Satire.

Als regelmäßige Besucher dieser fast täglichen Kolumnen wird manchen sicher auch aufgefallen sein, wie schwierig es sich bisweilen gestaltete, bei weitgehend monothematischer Nachrichtenlage die Beiträge nicht zu einem ebenso eintönigen Kompott verkommen zu lassen. Ja, es gab hin und wieder in Politik und Gesellschaft Entwicklungen, die nicht vollkommen von der allgegenwärtigen Pandemie an den Rand gedrängt wurden, aber sie waren rar, und wenn sie überhaupt im Inland stattfanden – zu den internationalen Entwicklungen halte ich nach wie vor Distanz aus den bekannten Gründen – so ergab sich irgendwo bestimmt eine Querverbindung zu Corona. Das zu lesen, auch wenn es jeder aus freien Stücken tut, dürfte ermüdend sein; das aber zu schreiben ist eine Zumutung, und ich habe mehr als einmal erst nach gründlichem Durchwühlen der Themen etwas gefunden, was für einen Text taugte. Immerhin hat das automatische Radar funktioniert, das immer dann ausschlägt, wenn irgendein aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bekannter Depp etwas äußert, das selbst für seine Verhältnisse erstaunlich dämlich ist. Das Ding will gepflegt sein, liefert dann aber mit erstaunlicher Zuverlässigkeit. Möglicherweise gab es ab und zu doch unerwartete Glanzlichter. Die menschliche Dummheit, Eitelkeit, Gier, Selbstsucht und Ignoranz als ihre treuen Begleiter bringen genug hervor.

Üblicherweise sollte zum Beschluss des Jahres hier etwas Humorvolles stehen, eine Causerie unter dem Adventskranz, vielleicht noch ein wenig ironisch, aber ohne Schärfe. Im letzten Jahr hatte ich schon darauf verzichtet, Familie und Freunde aufzuzählen, wie sie das Fest verbringen. Bruno, unser Fürst Bückler, hat mit Hansi den legendären Landgasthof längst geschlossen. Es gab hier und da Pläne, die feine Küche in Schachteln zu verpacken und aus der Seitentür zu verkaufen, aber das wäre nicht dasselbe gewesen. Die beiden sind deprimiert. Vor einigen Tagen brachte Hansi mir je eine Flasche vom 1995-er Wupperburger Brüllaffen und dem 1993-er Gurbesheimer Knarrtreppchen. So ganz alleine wird dies bestimmt kein Genuss sein. Aber es ist noch nicht aller Tage Abend.

Breschkes hätten mich gerne eingeladen, wo sie doch bereits seit zwei Wochen in freiwilliger Quarantäne zu Hause sitzen, weil ihre Tochter über die Festtage in Deutschland ist. Das reicht dann an Haushalten, abgesehen von der Anzahl der Gäste, und da man ja inzwischen alles, Tannenbaum und Sauerbraten, an die Haustür geliefert bekommt – vorausgesetzt, man hat mich im Bekanntenkreis – werden sie keinen Mangel leiden. Irgendwann zwischen den Jahren werde ich sie einmal an der Gartenpforte besuchen und wie versprochen eine Runde mit Bismarck gehen, der ansonsten nur in den Garten kommt.

Auch Anne hatte angefragt. Sie hätte vermutlich am zweiten Festtag mit einer großen Kiste vor meiner Tür gestanden und gefragt, wie lange so eine Gans mit Klößen braucht, wenn man alle Zutaten schon parat hat. Immerhin klingelt sie nicht mehr nachts. Ich rechne mit allem, auch wenn die schwierigen Feste vorbei sind, an denen sie eine bis zwei Schachteln Pralinen brauchte, wenn sie gegen halb zwei aus der Berghütte zurückgekehrt war. Ein vernünftig sortierter Weinkeller hat seine Vorzüge, wenn man jemanden wie diese Anwältin kennt, die immerhin mit ihrer Kanzlei in die ersten Kreise aufgestiegen ist und in Luzie eine hervorragende Managerin gefunden hat, die das Büro am Laufen hält. Deren Liaison mit Minnichkeit, früher noch in der Agentur Trends & Friends von Mandy Schwidarski beschäftigt, jetzt aber zum Buchhalter umfunktioniert, läuft bereits ein paar Tage, und sie werden demnächst gemeinsam in ein hübsches Häuschen am Stadtrand ziehen, das die ehemalige Raumpflegerin Sofia Asgatowna für sie entdeckt hat, unter der Voraussetzung, dass sie als Dekorationsexpertin auch fürderhin die Oberhand über die Wohnästhetik der beiden Opernfreunde behalten dürfe. Sie bekommt derzeit nicht gerade viel zu tun, weil die Privathaushalte kaum Besuch empfangen, und so staffiert sie jedes Büro aus, das noch eine freie Ecke hat. Ich werde sicher davon berichten.

Doktor Klengel malt nach wie vor, zwar lassen seine Augen langsam nach, aber das tut dem Eifer des ehemaligen Hausarztes keinen Abbruch. Drei Kleinausstellungen hatte er bereits, eine größere im Herbst fiel bedauerlicherweise aus. Er besucht regelmäßig das Herrenhaus Rummelsdorf und hat im Gesindesaal schon eine weitere Folge der Baumaquarelle gezeigt. Der Graf ist unterdessen kaum noch unterwegs, hat das Reiten aufgegeben und konzentriert sich ganz auf seine Stiche, die er nach seinem Ableben einer Stiftung zu hinterlassen gedenkt. Unser Mediziner im Ruhestand wird noch einiges brauchen, um den Bestand an Landschaften aus dem siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert aufzuarbeiten. Es erhält ihn jung, regt ihn zu neuen Motiven an dürfte vielleicht zu einem Buch führen, wenn er denn einmal Zeit fände. Alte Leute haben ja meist keine mehr.

Immerhin ist mein Großneffe Kester seit einem halben Jahr ordentlicher Professor für theoretische Physik und hat die Wellenfunktion der Baryonen noch nicht ganz erklärt. Also mir nicht, und nach dem, was ich verstanden habe, sollte das für einen Nobelpreis reichen, wenn die Akademie genug von der Schleifenquantengravitation kapiert hat, um sie zu prämieren. Mein Patenkind Maja ist in der algebraischen Zahlentheorie, genauer: in der Untersuchung der Kreisteilungskörper bzw. der Körpererweiterungen nach Galois so weit, dass sie zwar sehr genaue Aussagen treffen kann, aber nicht mehr weiß, worüber. Ich bin froh, dass sie nicht so einen fürchterlich langweiligen Beruf ergriffen hat wie ich.

Und dann wäre da natürlich Siebels, die graue Eminenz des deutschen Fernsehens. Üblicherweise jettet er über die Feiertage um die Welt, um im sonnigen Süden mindestens zwei Staffeln einer fürchterlichen Schmonzette sowie einen Film mit Ärzten, Steuerberatern oder Bischöfen abzudrehen, sofern die ganze Chose unter Palmen spielt, im Standby-Modus mit einem Cocktailglas in der Hand zu bewerkstelligen ist und sich hinterher im ebenso komatösen Feiertagsprogramm versendet. Er hat nichts zu tun. Damit er mir nicht mit spontan aus ihm herausbrechenden Ideen für neue Talkformate oder einen Spartensender für Wählerbeschimpfung auf die Nerven geht, habe ich ihm einen Karton mit allerhand mediengeschichtlicher Fachliteratur vor die Tür gestellt. Andere wären bis Ostern damit ausgelastet, er wird in zehn Tagen fertig sein. Damit ließe sich leben.

Zuletzt aber muss ich den Freund und Kollegen Gernulf Olzheimer nennen, der selbstverständlich auch im kommenden Jahr seine Kolumne bei mir mit messerscharfer Diktion füllen wird, stets übel gelaunt, da gegen seinen beleidigten Idealismus kein Kraut wachsen wird, solange er schreibt. Er liefert seine Beiträge mit nicht nachlassender Verve und Bissigkeit ab, manches Mal schweigsam, da er nicht viel an seinen verbalen Eruptionen erklären kann – und dies auch gar nicht muss – und dann wieder in grimmiger Entschlossenheit, es allen gezeigt zu haben. Wenn er keinen Kristallascher in die Finger bekommt, geht auch nichts zu Bruch, und so bleibt er für das tägliche Geschäft der Redaktion in diesem kleinen literarischen Salon offen. Wir alle wissen, was wir an ihm haben.

Und noch eins wird bleiben. Die Schnipsel und Skizzen, die fast zwölf Monate lang Schreibtisch und Schubladen bedeckt, gefüllt, verstopft haben, landen in einem kleinen Feuerchen, das seinen dünnen Rauch in die Winterluft schickt, und dann wird die Arbeit des Archivierens beginnen, das Einsortieren der Beiträge, ein bisschen Statistik, hier und da eine erneute analytische Beschäftigung mit den Texten, die nun fertig vor mir liegen, etwas zu finden, was erhellt und erfreut. Nach altem Brauch nehme ich mir auch in diesem Jahr ein paar Tage Weihnachtspause für diese und andere kleine Aufräumarbeiten, und dann gibt es einen reinen Neubeginn am Dienstag, den 5. Januar 2021. Vieles wird sein wie bisher, und manche Idee spukt im Kopf herum, die ich für eine kleine Veränderung nutzen könnte. Wir werden sehen.

Allen Leserinnen und Lesern, die dies Blog fast oder fast ganz immer und regelmäßiger als unregelmäßig oder doch nur manchmal oder aus Versehen gelesen, kommentiert oder weiterempfohlen haben, danke ich für ihre Treue und Aufmerksamkeit und wünsche, je nach Gusto, ein fröhliches, turbulentes, besinnliches, heiteres, genüssliches, entspanntes, friedvolles und ansonsten schönes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und ein gesundes, glückliches Neues Jahr.

Beste Grüße und Aufwiederlesen

bee





Patientenverfügungen

20 12 2020

Landauf, landab sieht man sie marschieren, die geistig dünn angerührten Apostel der Unterkomplexität, die ihr rechtsradikales Geseier als Spaziergänge anmelden wie weiland der untere Dreckrand in Dresden. Als „Lichtspaziergang“ zog nun eine Ansammlung von Corona-Rebellen – die Solidaritätsverweigerer, die genau die Maßnahmen erwirken, gegen die sie hinterher protestieren – durch Balingen im Zollernalbkreis, eskortiert von Polizisten, die sich von diesem Aushub anhusten lassen durften, der während der Sperrstunde ohne Mund-Nasen-Schutz durch den Ort streift. Und begleitet von Rettungssanitätern, die genau das Richtige taten. Sie verteilten Patientenverfügungen an die Deppen, die die Infektionsgefahr für einen Verschwörungsmythos von Bundesregierung, Pharmaindustrie und internationalem Judentum halten. Patientenverfügungen, in denen die Demonstranten im Falle einer Erkrankung auf jede rettungsdienstliche Versorgung verzichten und alle intensivmedizinischen Maßnahmen ablehnen. Eine Geste von geradezu weihnachtlicher Wärme, die die medizinische Versorgung genau denen gibt, die ihrer bedürfen, und nicht den Knalltüten, die sich für das göttliche Maß aller Dinge halten. Alle weiteren Anzeichen, dass auch zum Jahresende die Hoffnung auf eine zünftige Katastrophe noch nicht begraben werden muss, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • querdenker: Nicht mal quer.
  • fernsehen weihnachten: Man stirbt langsam.
  • corona cdu: Nicht mal ein Virus kriegt das weg.
  • lockdown seehofer: Schmeißen Sie am besten den Kellerschlüssel weg.
  • laschet alkoholiker: Er gibt halt so gerne einen aus.
  • wahlen merkel: Wenn sie nicht mehr teilnimmt, kann sie nur gewinnen.
  • kirche weihnachten: Superspreading passt theologisch eher zu Pfingsten.
  • fleischwaren nrw: Jeder wählt seinen Gammel selbst.
  • krankenhäuser gez: Nach drei Folgen Sachsenklinik hat der Ministerpräsident vermutlich festgestellt, dass die Gefahr schon vorüber ist.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DXXIV)

19 12 2020

Backt Zbigniew schon früh in Kanoten
die Brötchen mit Kuchen und Broten,
wird er nie gebeten,
drei Teige zu kneten.
Das hat ihm der Meister verboten

Hat Alpár im Wäldchen in Jaad
mit Holz zu tun, wird ihm schnell fad.
Dann fotografiert er
und wird schnell verführt er,
dort steht ja viel Landschaft parat.

Es liebte Arkadiusz in Hünern,
die Stiefel der Herrschaft zu wienern.
Das kann er nicht richtig,
doch eins ist ihm wichtig:
er möchte nur einfach gern dienern.

Es liegt Alexandru in Broos
statt Pilze zu sammeln im Moos,
bringt Steinpilz und Rübling
nach Hause zum Liebling.
Die stört der Verpackungsmüll bloß.

Es hat Teofil in Jäschkittel
zum Beizen nicht sämtliche Mittel,
da die recht viel kosten.
So taucht er die Pfosten
vom Zaun in den Lack bis zwei Drittel.

Laurențiu, sagt man, in Kleinschogen,
der hatte die Brötchen gewogen,
die sein Vater backte,
und dennoch: er packte
zu wenig ein und hat betrogen.

Es ärgert Agnieszka in Kaltecke
der Zustand, in dem sie die Walddecke
vom Bruder bekommen.
Er hat sie genommen
und legt sie auf die falsche Faltecke.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXLV): Die Unbelehrbaren

18 12 2020
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Bei Ansicht des Riesenpanzernashorns, und Ugas Sippe wusste dies aus eigener Anschauung, gab es nur eins zu tun: schnell, am besten schreiend die Flucht zu ergreifen und sich nicht auch noch umzudrehen, da dies wertvolle Sekunden kosten würde, die das Tier in seiner Wut besser zu nutzen wüsste als der rennende Jäger. Mit dem Aufkeimen der Vernunft im Hominidenschädel brannte sich die Erkenntnis ein, dass die Warnung der Alten nicht allein aus gekränkter Eitelkeit gegenüber den nachwachsenden Generationen stetig und wieder geäußert wurde. Die Mehrheit, die nicht nur aus reiner Arterhaltung am Leben hing, verinnerlichte die Botschaft schnell und flocht sie ins Programm zur Nachwuchsschulung ein, um die Manpower bei der Proteinbeschaffung nicht nachhaltig durch Betriebsunfälle zu schmälern. Wer aber keinen nennenswerten Beitrag zum Genpool leisten konnte oder wollte, versuchte es eher durch individuelle Leistungen, wenngleich noch keiner wusste, an welchem Ende der Glockenkurve sie zu finden sein würden. Fanden sie das Riesenpanzernashorn gar nicht erst vor, überlebten sie ihren Anblick, so ließ sie der glückliche Zufall die Warnung vergessen. Nur der fatale Ausgang des Erstkontakts schuf die stochastisch eindeutige Ruhe und Klarheit: wer die Gefahr sucht, kommt darin um. Alle anderen sind auf Dauer unbelehrbar.

Der durchschnittliche Depp, der nicht gerade aus reiner Hirnverdübelung mit der Schere in der Steckdose herumstochert, sondern als Zeichen der Expertise mit elektrischen Leitungen sehr wohl das Risiko eines Stromschlags abschätzen zu können meint, wird sicher einen allgemeinen Eindruck von der Wahrscheinlichkeit bekommen, die irgendwann auch bei ihm zuschlägt. Vielleicht jagt es beim ersten Mal nur die Sicherungen im Erdgeschoss raus – nicht in seinem – und er kommt mit ein paar angesengten Bartspitzen wieder zu sich. Unter Umständen hallt die Kopfnuss auch ordentlich in seinem Schädel nach. Bis dahin jedoch gilt jeder Versuch als erfolgreich, bis irgendwann der Arzt seinen Schnörkel unter den Schein setzt, der akutes Ableben attestiert. Jeder wird es dem Hohlpflock erklärt haben, dass die Wahrscheinlichkeit, mit dem Leben davonzukommen, bei einem Versuch so hoch ist wie bei allen anderen, doch die Hybris wird mählich zunehmen, wenn man sie genügend zu kennen glaubt. Wer eine Bombe mit ins Flugzeug nimmt, weil die Chance geringer ist, in einem Flieger mit zwei Bomben gleichzeitig zu sitzen, irrt. Die Wahrscheinlichkeit bleibt; die zweite Bombe ist nur eine weitere Gefahr, die sich nicht klein rechnen lässt, auch wenn man es versucht.

So hängt sich auch die geistige Ausschussware auf Rollerskates an die hintere Stoßstange des Rennwagens und lässt sich aus der Kurve tragen, damit die Organspenden florieren. Sie hüpfen an dünnen Gummiseilen in den Abgrund, damit sie die Inkontinenz früher erleben, schmeißen sich im Flughörnchenkostüm mit Werbeaufdruck von der Felswand oder lassen sich in der Rakete ein paar hundert Meter hochschießen, damit sie sich auf dem Parkplatzasphalt die Rübe einballern können. Jedes Stadium ihres Versuchs hätte vernunftmäßig mit einer Fanfare der Ablehnung enden können, der ihr fröhliches Weiterleben gesichert hätte. Aber waren nicht lernfähig. Was nutzt da die Urteilskraft.

Eine zusammengeschwiemelte Selbsttäuschung ist die Tendenz des Aluhütchenspielers, alles kontrollieren zu wollen – und sich vor allem der Illusion hinzugeben, man könne es kontrollieren. Lustige Zahlenmuster nötigen uns regelmäßig, die sauer verdiente Kohle zu setzen; wir nennen es Lotto und sind enttäuscht, wenn die Zahlen unserer Geburtstage (eins bis zwölf verstärkt, sonst bis 31) in den 49 Kugeln nicht angemessen oft erscheinen. Die Absolventen des Bausparerabiturs jedoch sind nicht in der Lage, den Fehlschluss zu verstehen, und versuchen es verbissen weiter, bis die Finger ausbluten. Anscheinend ist der mangelnde Erfolg derselben Handlung auch nach quasi-unendlicher Wiederholung nicht ausschlaggebend für die Erkenntnis, dass die Abwechslung von Versuch und Nachdenken lohnenswert sein könnten. Oder überhaupt der Versuch des Nachdenkens.

So sind es auch die demonstrierenden Deppen in der Seuchenverbreitung, deren kontinuierliche Aussetzung die Gefahr nicht mindert, nur weil sich die Infektion nicht gleichmäßig über die Rotte verteilt beim ersten Versuch zeigt. Die Einsicht in die kaum beeinflussbaren Mechanismen der Natur lässt sich nicht erzwingen, wohl aber die Folge der Beklopptheit. Die Beratungsresistenten nehmen sich die Freiheit, andere damit zu bestrafen, dass sie aus ihren eigenen Fehlern nicht lernen wollen, und spucken vor ihrer Abschiedsvorstellung der Evolution noch einmal kräftig in die Suppe. Leider ist es nicht getan mit einer sturen Horde, die tapfer jeden Anflug von Wirklichkeit ignoriert, bis sie wütend vor ihnen steht, zum Beispiel in Gestalt des Riesenpanzernashorns. Selbst das würden sie für einen miesen Propagandatrick halten, da das Tier bekanntlich seit Jahrtausenden ausgestorben ist. Gut, dass das Riesenpanzernashorn das nicht weiß.





Versatzstücke

17 12 2020

„An Ihrer Stelle hätte ich das anders gesagt, aber ich bin ja nicht Sie.“ „Danke!“ Hans Fritz, derzeit der größte Charakterdarsteller der vergangenen zehn Jahre, schritt wieder von der Freitreppe am städtischen Schwimmbad herunter. „Nehmen wir“, knurrte Siebels. „Wer weiß, wozu es gut ist.“

Inzwischen hatte Fritz die Krawatte gewechselt, einen hellen Sommermantel übergestreift und sich in einen silbernen Sportwagen am Fuß der Treppe gesetzt. „Und bitte!“ Der Schauspieler riss hastig die Fahrertür auf, stieg aus und rannte die Straße entlang, bevor er sich an den Kopf fasste und zum Auto zurücklief. „Das Licht“, fluchte es hinter uns. „Jut, machen wa noch een.“ Siebels nippte an seinem Automatenkaffee. „Wir machen die Szene dann auch noch mal ohne Mantel.“ Der Regisseur wollte etwas einwenden, nickte aber ergeben. So schnell würde er keinen ganzen Drehtag mehr mit Hans Fritz und Linda Borowki bekommen.

Die Nachwuchsdiva hatte durchaus einen Ruf zu verteidigen. Ihre Schuhe waren nicht im für sie passenden Schwarzton. Sie schrie den Mitarbeiter aus der Garderobe an. Der Regieassistent tupfte sich den Schweiß ab. „Sie soll gleich die Szene im Fahrstuhl machen“, stöhnte er, „da sieht man die verdammten Schuhe sowieso nicht.“ „Kamera III läuft.“ „Es handelt sich um eine Deckenkamera“, informierte mich Siebels. „Wir haben nur einen normalen Fahrstuhl auftreiben können, also haben wir ein Weitwinkelobjektiv in die Kabinendecke eingebaut und machen eine kurze Einstellung während der Fahrt und eine, in der ein Komparse mit einer Menge Aktenordnern einsteigt.“ Borowki spielte die Anwältin eines Großkonzerns, die auf eigene Faust einen Insiderhandel aufdeckt. „Geben Sie der Dame irgendwelche Schuhe“, flüsterte der Produzent. „Ich kann dieses hysterische Gefasel nicht mehr hören.“

Unterdessen zwängte Fritz sich in einen zu engen Lederkombi – oder er hatte zwischen Casting und Dreh ein bisschen zugenommen – und setzte sich eine dunkle Sonnenbrille auf. „Wo ist das verdammte Motorrad!?“ Ich blickte Siebels an. „Ich will Ihnen ja keinen Vorwurf machen, aber offenbar hat keiner an dieses Motorrad gedacht.“ Er warf den Becher mit geübtem Schwung in den Papierkorb. „Wenn Sie das Buch gelesen hätten“, antwortete er ruhig, „dann wüssten Sie, dass man ihm gerade das Motorrad gestohlen hat.“ „Und bitte!“ „Wo ist das verdammte Motorrad!?“ Fritz schien der Hals zu platzen. „Wo ist das verdammte Motorrad!?“ „Er ist ein richtiger Profi“, erklärte die graue Eminenz der deutschen Fernsehunterhaltung. „Andere würde so eine Szene uninspiriert wegspielen, er aber steigert sich regelrecht in seinen Text rein.“ Johnny, der Altrocker, schmiss wutentbrannt seine Handschuhe aufs Pflaster. Der Regisseur strahlte.

Anders bei Linda Borowki, die zu langsam auf den Fahrstuhl zuging. Es fehlte ihr an Nervosität, sie sollte in wenigen Minuten ihr Unternehmen in Gefahr vorfinden. „Glatte Fehlbesetzung“, meinte ich, doch auch das sah Siebels anders. „Haben Sie innerhalb der letzten Jahre…“ Ich schüttelte bereits den Kopf, doch wollte ich den TV-Produzenten nicht unterbrechen. „… irgendwelche Serien gesehen, die sich durch besondere Originalität ausgezeichnet hätten?“ Mein Schweigen schien Schuldeingeständnis zu sein. „Die ganze Wirkung beruht auf Dialogen, die sich selbst für witzig halten. Und genau da müssen wir als Produzenten nun ansetzen.“ Ich schaute ihn an; keine Spur von Ironie, also musste ich fürchten, er meinte es am Ende ernst. „Dialoge“, erläuterte Siebels, „bestehen immer aus denselben Versatzstücken, manchmal mehr, meist wenig passgenau.“ Ich erinnerte mich einiger Krimis im Sonntagsprogramm und nickte betroffen. „Lassen Sie den Humor beiseite“, bemerkte er mit einem müden Unterton. „Den werden Sie hier eh kaum finden. Es geht ohnehin nur um den Teil, den die Regie nicht im Griff hat, weil er sie intellektuell überfordert.“ Ich verstand nicht, aber da kam schon die nächste Szene.

Kommissar Klöpper schmiss seinen Mantel auf einen Stuhl und drehte sich um. „Der Fall ist klar“, deklamierte er. „Machen Sie Feierabend, ich schreibe schon mal den Bericht.“ „Cut“, schrie es aus der Kulisse, und: „Danke, gestorben.“ „Für die durchschnittliche Produktion reicht das“, sagte Siebels. „Der erste Verdächtige im Krimi ist ja eh nie der Täter, und der Zuschauer weiß das. Wir lassen den Mann als Kommissar Klöpper, als Sonderermittler Habicht oder den Bullen von Bad Gnirbtzschen im halben Halbprofil filmen, dann können wir ihn in dreizehn Serien einsetzen, ohne dass er auffällt, und die Szene passt in jeden Film.“

Der Aktenschlepper hatte den Fahrstuhl wieder verlassen, jetzt stand Linda Borowki allein in der Kabine. „Draufhalten“, sagte Siebels. „Sie wird ja schon ein bisschen unruhig, wollen wir mal sehen, wann sie die Nerven verliert.“ Das ging erstaunlich schnell, und innerhalb von zwei Minuten zeigte die Darstellerin einen erstaunlich lebensechten Anfall von Klaustrophobie, bei dem sie den Fahrstuhl von innen in seine Bestandteile zu zerlegen versuchte. „Ich frage mich gerade, ob das nicht ein bisschen zu echt ist.“ Siebels zog die Stirn in Falten. „Und Sie hielten sie für eine Fehlbesetzung?“ Unterdessen lief die Kamera weiter. Die Anwältin tobte und schrie. „Manchmal“, überlegte er, „da entsteht aus der Arbeit etwas ganz Neues, das erst im Schnitt seine Qualitäten entfaltet. Man kann ganz neue Szenen daraus erarbeiten, vielleicht sogar einen ganz neuen Film.“ Siebels winkte dem Regisseur. „Wir lange haben Sie denn heute noch Zeit?“





Fragen

16 12 2020

„Ja hallo, sind Sie das? wer? Weil ich halt nur die Liste hatte mit den ganzen Staatskanzleien und den Durchwahlen für die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, und wir leben ja eigentlich in einer Art Föderalismus, obwohl man davon meist so viel nicht mitkriegt, aber jetzt kriegt man davon schon etwas mit, und zwar immer dann, wenn der ganze Laden nicht funktioniert, und da ist es gut, dass ich gleich Sie dran habe, weil ich da nämlich ein paar Fragen hätte an Sie. Nur ein paar Fragen.

Zum Beispiel, was Sie während des Sommers alles gemacht haben. Und ob Ihnen einer verraten hat, dass der Sommer irgendwann mal zu Ende geht und dass dann der Herbst kommt. Und dass nach dem Herbst der Winter kommt. Und warum jeder davon geredet hat, dass dann die Menschen alle wieder in die Innenräume gehen, in denen sich die Infektion besser ausbreiten kann. Und warum Sie so überrascht waren, als die Infektionen sich plötzlich viel stärker ausgebreitet haben, weil ja nicht mehr Sommer war. Und ob Sie das nicht selbst ein bisschen bescheuert finden, weil jetzt plötzlich der Herbst schuld ist und nicht die Belüftungsanlagen, die man eigentlich in die Schulen stellen müsste. Und warum die nicht in den Schulen stehen, wo Sie das doch alles im Sommer schon wussten.

Aber mich würde schon auch interessieren, ob Sie das noch nicht mitgekriegt haben, wie die Leute zur Arbeit kommen und die Kinder in die Schule. Und warum Sie das noch nicht mitgekriegt haben. Und ob Sie überhaupt mal mitgekriegt haben, wie man mit dem Bus oder mit der Bahn zur Arbeit fährt, wenn sich da nicht alle an die Maskenpflicht halten. Und warum Sie nicht mitgekriegt haben, dass das in einem Staatsbetrieb wie der Deutschen Bahn keinen kümmert, wenn sich da manche nicht an die Maskenpflicht halten. Und warum Sie noch nicht mitgekriegt haben, dass das ein Staatsbetrieb ist, den mal auch mal staatlich kontrollieren kann, wenn man so etwas wie die Maskenpflicht staatlich durchsetzen will, weil man das selbst angeordnet hat. Oder vielleicht erklären Sie mir einfach mal, wann Sie das letzte Mal einen Zug der Deutschen Bahn von innen gesehen haben.

In diesem Zusammenhang müsste ich auch noch mal nachfragen, warum Sie der Lufthansa so viel Geld geben unter der Voraussetzung, dass keine Stellen abgebaut werden. Und warum Sie das nicht schert, dass dann doch Stellen abgebaut werden. Und warum die Stellen abbauen dürfen, wenn sie sagen, dass ihre Flüge eh nicht mehr nachgefragt werden und dass die neun Milliarden da auch nicht viel ausmachen. Und warum Sie das Geld da nicht zurückfordern. Und warum Sie das überhaupt an die gezahlt haben, weil ja jeder vorher wusste, dass das in anderen Branchen wie der Kultur oder der Gesundheitsversorgung viel dringender gebraucht wurde und viel mehr Arbeitsplätze hätte retten können, und warum Sie sich damit nicht einmal haben beschäftigen wollen, obwohl Sie das alles schon wussten. Und warum Sie sich bis heute nicht damit beschäftigen wollen.

Ach, das mit der Gesundheit, da wollte ich auch noch fragen, warum Sie uns so dreckige Lügen auftischen, dass es an der Menge der Intensivbetten liegt, und solange wir mehr Intensivbetten haben als Coronapatienten auf der Intensivstation, solange ist alles gut. Warum Sie nicht sagen wollten, dass die Betten auch für die anderen Patienten noch reichen müssen, und warum das mit den Betten sowieso völlig wurst ist, weil man so viel Betten haben kann, wie man will, wenn man nur die Pflegerinnen und die Pfleger nicht hat. Und warum Sie alle im Frühjahr so gejubelt haben, als Pflegerinnen und Pfleger gleichzeitig gesagt haben, dass die Kliniken in Deutschland schon seit Jahren bis zum Hals in der Scheiße stecken und dass diese Katastrophe, die wir jetzt erleben, unausweichlich war, weil denen keiner zugehört hat. Und warum denen keiner zugehört hat, das können Sie auch gleich noch mal sagen, da erinnere ich mich nämlich gerade nicht, dass Sie da überhaupt jemals irgendwas dazu gesagt hätten. Tut mir leid, ich wüsste es nur gerne.

Und ob Sie das, was da in der Pflege gerade dermaßen schief läuft, in den Schulen nur billigend in Kauf nehmen oder bewusst fördern, darüber müssten wir mal reden. Warum nicht jedes Kind einen Laptop mitbekommt, das wüsste ich ja auch gerne mal, weil ich schon nicht wusste, warum Sie das nach dem Frühjahrslockdown nicht schon hätten wissen können. Und ob Ihnen nicht mal aufgefallen ist, dass es Haushalte mit mehr als einem Kind gibt, wo ein privater Computer pro Haushalt für mehrere Kinder schon rein rechnerisch nicht hinhaut. Und dass es Familien gibt, die den für Home Office benutzen. Und Familien, die sich gar keinen leisten können, weil der im Regelsatz vom Arbeitslosengeld nicht drin ist, obwohl man von Arbeitslosen gleichzeitig verlangt, dass sie sich im Internet bewerben. Und dass das die ganze verkorkste Digitalisierung wieder bei den Bürgern scheitern lässt, weil der Staat noch nicht mal kapiert hat, wie das technisch geht. Und ob Sie wissen, dass man Schulen auch nicht mit ein paar Laptops digitalisiert kriegt, sondern nur mit ausgebildetem Fachpersonal, das ordentlich bezahlt werden muss? So ähnlich wie bei den Betten und den Pflegern, könnten Sie dazu mal etwas sagen? Da entstehen nämlich immer wieder Fragen, und die gehen auch nicht einfach weg, und von alleine schon gar nicht.

Und insbesondere zu diesem Winzlockdown, zu diesem Löckchendownchen, da hätte ich mal gerne gewusst, ob Sie auf dem Schirm haben, wie viele Menschen da gestorben sind in den sechs Wochen? Und ob Ihnen das leid tut? Und warum Sie das dann nicht mal sagen? Und warum Sie sowieso nicht sagen, dass die gestorben sind, weil Sie da einen unglaublich schweren Fehler gemacht haben? Und ob dieser unglaublich schwere Fehler Ihnen dann am Ende vielleicht mal ein Wort des Bedauerns entlockt? Und ob der Ihnen eine Entschuldigung entlocken könnte, oder ob da auch Entlockdown ist wie bei anderen Themen, bei denen Sie entweder nicht darüber reden, oder viel darüber reden, aber nichts zu den Menschen zu sagen haben? Das würde mich und das würde uns alle irgendwie mal interessieren. Wirklich, darüber sollten Sie… –

Hallo? Sind Sie überhaupt noch dran? Was? ich soll mich verwählt haben? Ja, das halte ich nicht für ausgeschlossen. Aber das lässt sich ändern.“





Pharisäer

15 12 2020

„… ein striktes Verbot des Alkoholgenusses in der Öffentlichkeit erlassen habe. Bis zum tatsächlichen Shutdown müsse man nun auch noch am letzten Öffnungstag für eine sichere…“

„… es keine einheitliche lebensmittelrechtliche Definition für Glühwein gebe. Da Zuckerzusatz in den betreffenden Getränken inzwischen legalisiert worden sei, liege nun auch keine weinrechtliche Verfügung gegen den…“

„… dass in zahlreichen Innenstädten Buden mit Sondergenehmigungen aufgestellt worden seien, die nun schriftlich mit einem Verkaufsverbot für ihren Glühwein hätten belegt werden müssen. Die von den Schaustellern ausgesprochene Drohung, man werde die Waren an Passanten verschenken, werde durch die Verfügung möglicherweise nicht oder nicht vollständig…“

„… auch zahlreiche Discounterketten von der Regelung betroffen seien. So habe ein großer süddeutscher Betreiber von Marktständen bereits mehrere zehntausend Kartons mit fertig abgefülltem Glühwein geordert, die er nun nicht mehr im…“

„… müsse nach verbraucherschutzrechtlichen Verfügungen ein Glühwein mindestens sieben Volumenprozent Alkohol enthalten, was wegen der Rohstoffkosten auch selten willentlich überschritten zu werden drohe. Da jedoch die Schausteller mit einem mehr als doppelt so hohen Alkoholgehalt durch Zusatz branntweinhaltiger Getränke bereits ein lebensmittelrechtlich als Punsch geltendes Produkt anbieten würden, könne ein offiziell als Glühweinverbot deklariertes Gesetz auch keine…“

„… dass es sich um insgesamt 21,8 Millionen Liter Glühwein handele. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels habe sofort vorgeschlagen, die Flaschen zu einem Preis von je acht Euro an den Endverbraucher abzugeben, um den Menschen ein wirklichkeitsgetreues Gefühl von Weihnachtsmarkt zu…“

„… in den Hausflur eines Gebäudes in der Nähe des Marktplatzes verlegt worden sei. Auf diese Art habe der Alkoholkonsum nicht mehr im öffentlichen Raum stattgefunden, so dass die Polizei nur noch die Blutalkoholkonzentration der Gäste nach dem Genuss von drei bis vier…“

„… vielfach ein alkoholfreier Kinderpunsch ausgeschenkt werde. Da das private Mitführen von Schnaps in Taschenflaschen nicht strafbewehrt sei, solange den Bürgern der vorsätzliche Konsum nicht eindeutig nachgewiesen werden könne, müsse die Polizei jede einzelne Vermischungshandlung im öffentlichen Raum mit einer gerichtsfesten…“

„… sich die Drive-in-Lösung aber als nicht praktikabel herausgestellt habe. Der Konsum auf dem Privatparkplatz werde nicht beanstandet, doch sei beim Verlassen des Geländes die Verkehrsstaffel damit beauftragt, nach einer Kontrolle sämtliche Führerscheine der angetrunkenen Fahrer sofort zu…“

„… durchaus damit einverstanden sei, wenn man dem auf niedere Einkommensarten wie Arbeit angewiesenen Pöbel den Alkohol verbiete und das Verbot mit blutrünstigen Körperstrafen durchsetze, um die Leistungsfähigkeit deutscher Großaktionäre zu sicher. Persönlich werde Merz jedoch seinen täglichen Glühwein aus einem Château Lafite-Rothschild zubereiten und jede Bullensau, die einen Fuß auf sein Privatanwesen setze, den Schlüssel seines Privatjets direkt in die…“

„… nach den Diskussionen der vergangenen Tage nun eine bundesrichterliche Entscheidung notwendig sei. Insbesondere müsse geklärt werden, ob ein Stand mit der Aufschrift Glühwein to go es den Kunden gestatten dürfe, ihren Heißgetränke zwar in entsprechendem Abstand, wohl aber im Stehen auf dem…“

„… setze sich Laschet für eine rasche Lockerung der Verordnungen während der Festtage ein. Nordrhein-Westfalen sei das Land der Glühweinstandbetreiber und dürfe seine Menschen nicht im Stich lassen. Kein Antialkoholiker schreibe dem Ministerpräsidenten vor, wie er seine Entscheidungen zu…“

„… könne die Polizeipräsenz auf den deutschen Märkten nicht in dem Maße gesteigert werden, dass die lückenlose Kontrolle aller Passanten vor und nach dem Verzehr eines nach den Angaben des Händlers alkoholfreien oder entalkoholisierten…“

„… habe sich die Praktikantin nach einer Kontrolle darauf herausgeredet, dass sie je nach Sympathie für die Besucher ihres Standes einen mittleren bis großen Schuss Industriealkohol in den erhitzten Rotwein gegossen hätte, um ihren Umsatz in den wenigen verbleibenden Stunden bis zum…“

„… in den Vorjahren auf einschlägigen Messen noch als ekelerregend, nicht für den menschlichen geeignet und vollkommen marktfremd bezeichnet worden sei. Die vegane Wurst mit Glühweinaroma habe in diesem Winter trotz starken Widerwillens von Seiten der Standbetreiber ihre Weg in die süddeutschen Buden gefunden und werde mit durchaus befriedigendem Ergebnis…“

„… dass die in Norddeutschland eingesetzten Bereitschaftspolizisten aus dem Erzgebirge einen halben Tag lang dem Treiben an einem Stand für Kaffeespezialitäten zugesehen hätten, ohne die stark angeheiterte Stimmung der Bewohnerinnen des nahe gelegenen Seniorenstifts zu hinterfragen. Sie seien vor dem Einsatz in Schleswig-Holstein nicht mit der Zubereitung des Pharisäers befasst gewesen und hätten auf diese Weise versäumt, die Täterinnen in flagranti zu…“

„… sich die Kontrolleure der Gewerbeaufsicht im Regierungsbezirk Schwaben zufrieden gezeigt hätten. Man habe nach der Inaugenscheinnahme von dreißig Betrieben in den ausgeschenkten Proben nur noch Spuren von echtem Glühwein knapp unterhalb der Nachweisgrenze…“





Kleine Anfrage

14 12 2020

„Der Herr Ministerpräsident unterstützt alle Anregungen aus der Wissenschaft, zumindest die, die ihn selbst unterstützen. Ja, das dürfen Sie so schreiben, wenn Sie den Artikel bis, warten Sie mal, Mittwoch veröffentlichen. Danach müssen wir die aktuellen Entwicklungen in dieser Katastrophe abwarten.

Natürlich Katastrophe. Laschet als Pandemie zu beteichnen, so weit kommt’s noch. Da überschätzen Sie seine Möglichkeiten nun doch ein wenig, und das kann er schon ganz gut alleine. Er ist ein sehr flexibler Politiker, der seine Wirklichkeit immer schnell und unbürokratisch an das anpasst, was er gerade als seine Meinung ansieht – und nein, das ist eben nicht genau umgekehrt, das macht er wirklich so. Sie sehen ja, dass er dadurch enorm authentisch wirkt. Seiner Meinung nach.

Pressestelle des zukünftigen Kanzlers von ganz Deutschland, welches Anliegen haben Sie? Ist uns nicht bekannt, aber das hat die AfD vor vier Monaten schon gesagt, da war es noch ganz richtig, jetzt wollen sie das absolute Gegenteil, also muss es komplett falsch sein, und Herr Laschet hat gerade das Gegenteil vom Gegenteil – ja, ich weiß, aber lassen Sie mich den Satz erst zu Ende bringen, danach ist der Rest von Deutschland dran – und das Gegenteil war aber schon vor drei Monaten bei ihm falsch, weshalb er jetzt nämlich das Gegenteil vom Gegenteil vom Gegenteil fordert. Wie vor sechs oder sieben Monaten, das wissen wir nicht mehr so genau. Aber von einer gemeinsamen Absprache mit anderen demokratiefeindlichen Parteien kann keine Rede sein. Der Herr Ministerpräsident erledigt seine Geschäfte immer ganz alleine.

Dazu stehen wir jetzt auch in engem Kontakt mit mehreren Wissenschaftsorganisationen. Da sich Laschet nicht von irgendwelchen Wissenschaftlern vorschreiben lässt, was er Wissenschaftlern erklären soll, lässt er sich von Wissenschaftlern erklären, was er Wissenschaftlern vorschreibt. Das ist eine sehr kluge Haltung, und das findet Laschet auch. Er kann sich das wahrscheinlich sogar erklären. Dieser Lockdown vor Weihnachten war nämlich eigentlich seine Idee, er hatte es nur nicht so kommuniziert. Es wurde ja auch schon mehrfach angemerkt, dass die Kommunikation zwischen Wissenschaftlern und Politik nicht vernünftig funktioniert hat. Das hat die Politik auch schon festgestellt, und deshalb wird die ja wohl kaum selbst schuld sein daran. Wir können als Politik immer nur das umsetzen, was uns von den Wissenschaftlern vorgegeben wird, und wenn die Wissenschaft bei ihren Vorschlägen die Wünsche der Politik nicht berücksichtig, ist das dann etwa unsere Schuld?

Pressestelle des zukünftigen Kanzlers von ganz Deutschland, welches Anliegen haben Sie? Ah, die Bildungsministerin. Sie ist ja nicht explizit für die Wissenschaft zuständig, deshalb kann sie auch nicht in Entscheidungen des Herrn Ministerpräsidenten eingreifen, Erkenntnisse der Wissenschaft als Basis seiner Entscheidungen zu nehmen, um dadurch seine Entscheidungen für etwaige Erkenntnisse der Wissenschaft… – Rufen Sie einfach später noch mal an, in diesem Ressort ist jetzt niemand mehr in vernehmungsfähigem Zustand.

Den klugen Landesvater, der später einmal der zukünftigen Kanzlers von ganz Deutschland werden wird, zeichnet seine hervorragende Personalwahl aus. Er hat das jahrelang in Berlin beobachtet, dass die geistig nicht ganz so gesegneten Mitarbeiter knapp unterhalb der eigenen Position ein sehr gutes Signal sind: man kann auch wenig Intelligenz mit anderen Qualitäten ausgleichen, wenn man nicht bis an die Spitze kommen will. Jetzt messen wir diese Intelligenz im Abstand zum Ministerpräsidenten, die Ergebnisse sind dementsprechend. Man sollte die Bürger nicht für dumm verkaufen, dafür eignen sich die eigenen Mitarbeiter meistens viel besser, da man für die auch mehr bekommt.

Wenn jetzt die Wissenschaft Maßnahmen gegen die Pandemie empfiehlt, die so nicht mit Laschet abgesprochen sind, weil Laschet sich nicht von den Wissenschaftlern vorschreiben lassen will, wann er sich mit ihnen abzusprechen hat, dann ist in erster Linie sein Personal gefragt. Deren Fehlleistungen werden ja nicht von ihm getätigt, und deshalb muss auch nicht er zurücktreten, wenn Mist rauskommt.

Pressestelle des zukünftigen Kanzlers von ganz Deutschland, welches Anliegen haben Sie? Harter Lockdown ab dem 14. Dezember? Das hat der Herr Ministerpräsident nie gefordert, das ist eine bloße Unterstellung der Medien, die sich ausschließlich auf Wissenschaftler berufen, die vorher nicht bei… – Ich bekomme gerade noch eine Verfügung rein, es handelt sich doch um eine richtige Aussage, die die Pressestelle des zukünftigen Kanzlers von ganz Deutschland so gemacht hat, aber das war erst auch erst heute, und wir wussten nicht, ob das, was der Herr Ministerpräsident heute gesagt hat, auch heute noch gilt oder erst wieder gestern, weil dann das richtig ist, was er morgen gesagt hat. Nein, ich bin nicht besoffen. Ich bin ja kein Ministerpräsident.

Als zukünftiger Kanzler muss man auch mal Härte zeigen. Wenn es zum Beispiel nach Ansicht der Schulministerin keine Schulschließungen geben darf, obwohl man selbst als Ministerpräsident der Wissenschaft befohlen hat, genau das dem Ministerpräsidenten zu befehlen, dann muss einer den Kopf dafür hinhalten. Und da kommen Sie ins Spiel. Der hier, Dings… Verbraucher ist nicht das richtige Wort, irgendwas anderes. Nicht Wähler. Die Bürger, genau. Die Bürger. Dazu sind die ja da.“





Winterlicher Brunnen

13 12 2020

Dort steht der Triton. Wo sonst Wasser rinnen,
darin sich Nymphen recken, ist es kalt.
Kein Strahl ergießt sich, der hell widerhallt
im Sonnenglanz ein Funkeln zu gewinnen.

Die Luft gefriert. Ein winterliches Sinnen
ruht auf Poseidons Sohn, der in Gestalt
der wilden Springfontäne nur zu bald
die Geister ruft, ein Leben zu entspinnen.

Ach, wäre Sommer! käme er wohl wieder,
dem Herzen wäre warm. Die Flut strömt nieder,
wo sie in Licht und Leben freundlich wirbt

für eine Wiederkehr, die ohne Bürde
dem Menschen seine Leichtigkeit und Würde
zurückgibt, dass ersteht, was einmal stirbt.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DXXIII)

12 12 2020

André, der trainiert in Eichhoffen
mit Bogen und Pfeil, doch getroffen
hat er nie, geschossen
trotzdem unverdrossen,
um schließlich beim Wettkampf zu hoffen.

Alberto beißt in Monfalcone
recht schmerzhaft oft auf eine Krone.
Der Arzt sieht’s genauer,
das Ding mag’s nicht sauer.
Er rät zum Verzicht auf Zitrone.

Es nimmt sich Eugène nachts in Geiswasser
zum Waschen ein klein bisschen Heißwasser,
doch kann man es hören.
Um keinen zu stören,
nimmt er sich jetzt nur noch ganz leis Wasser.

João wohnt in Castro Verde
parterre, und mit ihm seine Pferde.
Parkett, hört man’s rufen,
das schade den Hufen,
darum liegt das Haus voll mit Erde.

Es brachte Françoise jüngst in Elsenheim
vom Bergwandern mehrere Felsen heim,
doch außerdem leider
im Saum ihrer Kleider
schleppt sie eine Unmenge Gelsen heim.

Riccardo kauft in Diamante
fast jedes Buch, das er nicht kannte.
Da oft nach dem Lesen
kein Platz mehr gewesen,
kam’s vor, dass er sie dann verbrannte.

Zum Tee pflegt Michel in Geispitzen
sich Wasser im Topf zu erhitzen.
Man sah ihn gemütlich
und dabei recht friedlich
am Ofen recht schweigsam dann sitzen.