Katastrophenhilfe

21 07 2021

„… schon Tage vor der Jahrhundertflut davon in Kenntnis gesetzt worden seien. Merkel sehe nun die Einrichtung einer schnellen Eingreiftruppe gegen die Folgen der Katastrophe als notwendigen Schritt auf dem Weg in eine…“

„… lasse sich Laschet nicht von Meteorologen sagen, wie er als zukünftiger Kanzler zu regieren habe. Er werde die Ergebnisse des Krisenstabes aus Nordrhein-Westfalen in einer…“

„… mehrere Jahre dauern werde. Politische Beobachter aus dem Ausland seien nicht überzeugt, dass bis zum Ende der Aufbauarbeiten einer der deutschen Politiker noch auf freiem Fuß, geschweige denn in ihren Ämtern als…“

„… sei der Staatskanzlei nicht bekannt, dass es einen Krisenstab gebe, geschweige denn, dass dieser wegen der Überflutung tage. Möglicherweise habe der Ministerpräsident einen seiner Späße gemacht, um die Unwichtigkeit dieses Gremiums auf deutliche Art in der Öffentlichkeit zu…“

„… dass Scheuer möglicherweise nicht wegen seiner Zuständigkeit für die Verkehrsinfrastruktur zum Leiter der Taskforce berufen worden sei. Es habe Hinweise gegeben, dass er noch über externe Beratungsleistungen im Wert von 600 Millionen Euro verfüge, die bereits bezahlt, aber noch nicht in Anspruch genommen worden seien für eine weitere Klage vor dem…“

„… den Ausfall den Mobilfunknetzes in den betroffenen Gebieten für nicht gravierend halte. Laschet empfehle stattdessen, das Internet zu Hause zu nutzen, sobald die Stromversorgung wieder…“

„… natürlich sofort als Vorsitzender eines nationalen Krisenstabes zur Verfügung stehen werde, wenn dies mit Bundesmitteln für NRW verbunden sein sollte. Andernfalls werde Laschet den Vorsitz eines solchen Arbeitskreises nicht in…“

„… habe Spahn erklärt, er sei mit den letzten beiden Aufträgen zum Management der Testzentren sowie zum Komplettversagen des Managements der Testzentren sehr zufrieden gewesen, da er dort gar nicht erst mitgearbeitet habe. In ähnlichem Maße könne er sich jetzt eine leitende Funktion in der Hochwasser-Taskforce vorstellen, falls sich dies in seinem Gehalt unabhängig von der wirklichen…“

„… die Eindämmung von Hochwassern nur durch konsequente Überbauung aller Flussläufe im Rheinland zu erreichen sei. Scheuer habe die Pläne für ein Netz von 20-spurigen Autobahnen und Schnellstraßen bereits mit einigen gerade neu gegründeten Beratungsagenturen für…“

„… die Abtragung alter Siedlungsgebiete in NRW außerdem eine gute Übungsmöglichkeit sei, wenn Einsatzkräfte gerade keine Jugendlichen verprügeln oder Dörfer niederreißen könnten. RWE hoffe, dass sich unter den Flutgebieten schon in wenigen Jahrmillionen abbaubare Kohle für den…“

„… halte Laschet den Vorschlag Scheuers für ein gutes Konzept. Er werde dafür sorgen, dass der Autobahnbau großen Gewerbeflächen zugute komme, auf denen Küchenstudios und…“

„… stelle die Union ihren Wahlkampf um auf Et hätt noh emmer jot jejange för us, da man mit den Stimmen einiger hundert Todesopfer nicht mehr rechne und daher nicht mehr in ihrem Namen…“

„… die Gesetzeslage in Nordrhein-Westfalen keine Katastrophenhilfe für Privathaushalte mehr zulasse. Obwohl die Landesregierung die Gelder bereits fest versprochen habe, werde man sich an die gesetzlichen Vorgaben halten, um nicht wie die linksgrünen Parteien einen Raubbau an den…“

„… die Binnenschifffahrt mit Schiffsdiesel auf den Autobahnen zu ersetzen. Nach Scheuers Plan sei der Duisburger Hafen dann zwar nur über die Luft zu erreichen, da ein Luftfrachttaxiterminal die Güter auf die Schiffe bringe, von wo aus sie an den neuen unterirdischen Bahnhof und die…“

„… dass Laschet gegen seine eigenen Gesetze verstoßen müsse, wenn er der Bevölkerung die versprochenen Gelder zur Verfügung stellen wolle. Die Landes-CDU gehe jedoch davon aus, dass er sich in diesem Fall aus wahlkampftaktischen Gründen für ein Festhalten an der juristischen…“

„… eine Befragung der Wähler ergeben habe, dass die Mehrheit keinen Wert auf die Taskforce lege. Etwa 95% der Einwohner meinten zur Katastrophenhilfe, dass die meisten Katastrophen nur mit Hilfe der Landesregierung stattgefunden hätten, weshalb sie keine weitere…“

„… die Kosten des Infrastrukturprogramms bis 2080 jährlich 400 Milliarden Euro benötigen würden. Scheuer habe die Finanzierung bereits sichergestellt, da er fest mit den Einnahmen aus der Autobahnmaut sowie einer Wiedereinführung des Solidaritätszuschlages für Zuwanderer und…“

„… für mehr Vertrauen der Bürger in die Maßnahmen der Taskforce werbe. Laschet wolle auch weiterhin nicht, dass Flutwarnungen an die Bevölkerung weitergegeben würden, da nur der mehrmalige Wiederaufbau in den kommenden Jahrzehnten die Mittel für die geplanten Steuersenkungen in der…“

„… der Straßenbau technisch nicht mehr zu bewerkstelligen sei, da auf lange Sicht nicht mit einer ausreichenden Energieversorgung zu rechnen sei. Scheuer habe in Absprache mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung beschlossen, den Bürgern zum Trost eine Verschrottungsprämie für Elektroautos zu spendieren, wenn diese die Fahrzeuge nicht bewegen, sondern statt ihrer alten Kraftwagen auf den geplanten Parkplätzen im…“





Führungsstärke

20 07 2021

„Da hat er sich bestimmt nur versprochen. Vor der Wahl kann das in den besten Parteien passieren, nicht wahr, das nennt sich Wahlversprechen. Nein, Sie müssen jetzt nicht lachen. In der SPD lachen wir auch schon lange nicht mehr über ihn.

Das kommt daher, dass in allen anderen Parteien der Vorsitzende gleichzeitig auch Spitzenkandidat ist. Nur bei den Grünen halt nicht, da ist es dann ja eine Spitzenkandidatin geworden, weshalb unser Vorsitzender, der ja auch eine Vorsitzende neben sich hat, nicht wahr, weshalb er dann meint, dass es nicht geht, wenn man mit einer Frau, vielmehr unter einer Frau regiert wird. Das haben wir jetzt in den letzten 16 Jahren dreimal gemacht, zuletzt haben wir es auch erfolgreich abgelehnt, weil es absolut nicht den Vorstellungen der Basis entsprach, und da hat dann die Führung der Partei ihre Führungsstärke gezeigt, und dann haben wir es doch gemacht, weil die Vorsitzende der anderen Partei, die damals auch Spitzenkandidatin war, es sonst gar nicht geschafft hätte mit der Regierung. Aber das passiert uns nicht noch einmal, darauf können Sie Gift nehmen.

Das mit der Basis war übrigens auch schon bei der Wahl des Spitzenkandidaten schwierig. Wenn es nach denen gegangen wäre, wäre er ja schon nicht der Spitzenkandidat geworden, weil er schon nicht Vorsitzender werden sollte – da hat die Basis dann sehr deutlich Führungsstärke gezeigt, nicht wahr, aber halt von unten. Und das sollte uns auch nicht noch einmal passieren, deshalb haben wir dann den Spitzenkandidaten einfach mal machen lassen, das heißt, Spitzenkandidat war er da ja noch gar nicht, aber er wurde dann Spitzenkandidat wegen seiner Führungsstärke. Das war auch kein leichter Prozess, ein kurzer vielleicht, und was jetzt aus der Partei wird, das müssen wir dann mal sehen. Jedenfalls ist immer noch alles drin, und deshalb wollen wir auch unbedingt regieren, sonst beteiligen wir uns gar nicht mehr an einer Regierung.

Mein Gott, Walter-Borjans – also ich würde das jetzt nicht direkt als Führungsstärke bezeichnen, weder das eine noch das andere, aber er ist eben der Vorsitzende, einer der Vorsitzenden, und das ist so geplant, dass er auf keinen Fall mit den Grünen in eine Regierungskoalition eintreten würde, weil er weiß, die Wähler wollen einfach keine Frau mehr, darum liegen die Grünen mit der Spitzenkandidatin ja auch so weit vor uns. Oder vielleicht liegen die auch bald wieder hinter uns, das weiß man ja alles nicht, jedenfalls ist der Vorsitzende da ganz klar, dass er sagt, die Grünen werden ja sowieso alle von enttäuschten Sozialdemokraten gewählt, da können wir die Stimmen auch gleich für uns beanspruchen. Grün-Rot wird mit uns nicht gehen, das ist schon mal abgehakt. Wer so viel Führungsstärke hat wie der Vorsitzende, der braucht sich gar nicht mehr als Spitzenkandidat in den Vordergrund zu spielen, der kann so einen Koalitionswunsch von den Grünen ganz entschieden ablehnen, und das erzeugt dann letztlich den Eindruck von Führungsstärke.

Ich sagte: den Eindruck von Führungsstärke, nicht: Führungsstärke. Sie müssen schon auch noch mal zuhören, sonst verstehen Sie das alles nicht so richtig und wählen am Ende noch das Falsche.

Deshalb haben wir auch eine Koalition mit den Linken kategorisch ausgeschlossen, nicht wahr, das ist für uns absolut unmöglich. Mit denen kann man einfach nicht koalieren, was man auch schon daran sieht, dass es auf Bundesebene noch niemals eine Partei gegeben hat, die mit denen koaliert hat. Wir sind ja gewarnt, das ist noch nicht so lang her, da haben die in Thüringen den Ministerpräsidenten gestellt, und wer bestimmt da plötzlich den Sieger?Nazis. Also das können wir als Nachfahren einer sozialistischen Partei nicht mehr tolerieren, und darum tolerieren wir auch keine Linken mehr auf Bundesebene. Nicht einmal dann, wenn wir sie als Minderheit in einer Minderheitenregierung oder als Minderheit in einer Mehrheitsregierung tolerieren müssten – das würde unsere Führungsstärke glatt in Frage stellen. Wir können uns doch nicht unter den linken Mainstream unterordnen, das haben wir in unter dieser Vorsitzenden schon genug getan.

Nein, ich rede nicht von der Vorsitzenden der SPD, auch nicht von der ehemaligen, die hätten wir ja nicht mal zur Spitzenkandidatin machen können. Man muss ja auch mal realistisch bleiben.

Natürlich kann das am Wahlabend wieder ganz anders aussehen, da sind wir dann sicher total gegen eine Regierung mit der Union, wenn wir als Juniorpartner mitmachen müssten, eventuell hinter einer erstarkten FDP. Unser Vorsitzender würde das nie machen, freiwillig schon gar nicht, eventuell aber unter Zwang, weil es für uns immer nur um Deutschland ging – beim Spitzenkandidaten kann man sich da nicht sicher sein. Wenn man eine Sache nicht für die Partei tun kann und sie dann doch tut, aber für Deutschland, das ist wahre Führungsstärke!Und ich möchte nicht wissen, ob es in den anderen Parteien Spitzenkandidaten gibt, die letztlich zu allem bereit wären, wenn sie sehen würden, dass es bei dieser Wahl eben nicht um die Partei geht.

Selbstverständlich würden wir unter diesem Spitzenkandidaten in einer Großen Koalition als Juniorpartner den Kanzler der Union mitwählen, aber der braucht das ja auch. Sehen Sie sich den Mann doch mal an: ganz knapp zum Vorsitzenden gewählt, er hat nicht einmal eine andere Vorsitzende neben sich, und Sie wollen doch dieses Gehampel nicht ernsthaft als Führungsstärke bezeichnen? Der, der sich mit Müh und Not gegen einen viel besseren Kontrahenten durchgesetzt hat? Führen oder nichts, damit waren wir schon immer erfolgreich. Und mal ehrlich, dafür braucht man die SPD, nicht wahr?“





Kalte Küche

19 07 2021

„… zwar für eine Beschleunigung der Maßnahmen im Klimaschutz sei, aber den Wohlstand der Automobilindustrie nicht gefährden wolle. Laschet lehne das EU-Verbot von Kraftfahrzeugen mit Verbrennungsmotor ab und werde daher die…“

„… nicht für die Bundesrepublik Deutschland sprechen könne. Der für Fall eines Wahlsieges angekündigte Austritt aus der Europäischen Union sei ohne die Zustimmung der Bevölkerung nicht…“

„… ein menschenwürdiges Leben ohne einen benzinbetriebenen Sportwagen nicht mehr möglich sei. Lindner halte die Entscheidung für sehr viel unmoralischer als den Atombombenabwurf über Hiroshima und die ungerechte Behandlung Hitlers durch die sozialistische Propaganda der…“

„… dass das Land Nordrhein-Westfalen mit sofortiger Wirkung aus der BRD austrete und als souveräner Staat außerhalb der EU existiere. Als Staatsoberhaupt werde sich Präsident Laschet vom kommissarischen Staatsrat, dem allein er angehöre, ins Amt wählen und zugleich auf Lebenszeit…“

„… der Absatz der Küchenhersteller sofort auf 0% gesunken sei, da sämtliche Werkstoffe aus dem EU-Ausland importiert werden müssten. Laut Staatsregierung sei dies nicht gravierend, da Laschet in seiner Funktion als Wirtschaftsminister die Prognose herausgegeben habe, dass der Verkauf von Einbauküchen im eigenen Land sich um bis zu 100% in einem…“

„… die Abwanderung der Wirtschaftsbetriebe aus NRW in einem erschreckenden Maß zunehme. Auch die Ausreise der Arbeitnehmer vorwiegend in die westdeutschen Bundesländer verdoppele sich beinahe täglich. Innenminister Laschet habe vor Journalisten von BILD erklärt, von exponentiellem Wachstum spreche er erst, wenn mehr Einwohner in seinem Staat fehlen würden, als es vorher auf dem Gebiet des heutigen…“

„… die Versorgung mit Lebensmitteln ein kritisches Niveau annehme. Die von der EU zuvor angekündigten Zölle seien schuld, dass Lieferungen nach Nordrhein-Westfalen auf den immer noch kaum befahrbaren Straßen nur langsam und unter hohen Sicherheitsvorkehrungen…“

„… dem Tagebau der Strom zum Abpumpen der voll gelaufenen Gruben fehle, der zu kurzfristigen Ausfällen von Kohlelieferungen zur Verstromung in den Kraftwerken führe, so dass die Versorgung mit Elektrizität höchstens auf zwölf Stunden geplant werden könne. Energieminister Laschet habe dem energisch widersprochen und klargestellt, dass es für mindestens zwölf Stunden und zehn Minuten Strom gebe, in seinem Privathaus sogar für drei bis vier…“

„… eine Einigung mit der Bundesrepublik unter Merkel nicht zu erzielen sei. Die von Innenminister Laschet als Klimaflüchtlinge bezeichneten Bürger, die noch immer in großer Zahl nach Hessen und Rheinland-Pfalz auswandern würden, seien in den Augen von Innenminister Seehofer politische Flüchtlinge, die man schon wegen ihrer deutschen Staatsbürgerschaft nicht einfach wieder in ihr Herkunftsland abschieben dürfe. Damit sei der politische Plan gescheitert, aus NRW ein Land des innovativen…“

„… sei die Wirtschaft komplett gegen die Pläne von Finanzminister Laschet, das von Flutschäden beschädigte Straßen- und Schienennetz bis auf Weiteres in seinem jetzigen Zustand zu belassen. Entwicklungsminister Laschet habe im Absprache mit dem Wirtschaftsminister jedoch betont, dass Nordrhein-Westfalen als Land der Binnenschiffer auch wichtige Innovationsbranchen wie den Küchenbau und die Flugtaxiherstellung mit neuartigen Methoden bis 2045 wieder…“

„… rufe der Ernährungsminister das Volk auf, importierte Ware wie Kartoffeln oder Margarine zu boykottieren und stattdessen heimische Produkte wie Tiefkühlpizza oder Spaghetti zu verzehren. Es gebe eine nordrhein-westfälische Leitkultur, die gegen die Einflüsse des Auslands verteidigt werden müsse, um die nationale Identität wieder zu…“

„… könne es keine Steuersenkungen geben, da die Schulden, die auf der Flutkatastrophe beruhen würden, dies nicht zuließen. Eine Ausnahme werde Finanzminister Laschet allerdings bei Haushalten machen, deren Einkommen oberhalb der…“

„… seien aus den Niederlanden zollpflichtig importierte Kroketten ab sofort verboten. Es werde auf Justizminister Laschets Anweisung, dass die Bevölkerung mit den Folgen der Befreiung vom europäischen Terrorregime zu leben lernen müssten, eine nachhaltig sich zur kalten Küche bekennende Generation von…“

„… sei der Betrieb von Verbrennern auf den Straßen im Staatsgebiet ohnehin nicht mehr möglich, da der letzte Kraftstoff vor drei Wochen verbraucht worden sei. Die Gewinnung von grünem Wasserstoff aus verstromter Kohle werde laut Präsidialratsminister Lindner noch innerhalb der Lebenszeit der jetzt geborenen Bürger von…“

„… auch niemand die Absicht gehabt habe, eine Mauer zu errichten. Der von Verteidigungsminister Laschet um die nordrhein-westfälische Staatsgrenze gezogene antisozialistischer Schutzwall solle die weitere Flucht des Hauspersonals im Palast des Präsidenten sowie ein Überlaufen von…“

„… und den Staatsbankrott mit dem Gesetz zur Anpassung an die Folgen der Staatsgründung der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen zu Last lege. Mit der Umbenennung des neuen Staates in Groß-Arminien werde man auch diese Verbindung mit dem Land der Küchenbauer in die Geschichte verweisen und auf ein innovatives…“





Des Königs Schnupftabakdose

18 07 2021

Die Schlacht von Kunersdorf, sie führt den König
nach Kunovice, wie das Dorf doch hieß.
Hier warteten des Preußen gar nicht wenig,
den vor dem ersten Schuss der Mut verließ.

Der Tag hub an mit einer Kanonade,
und Friedrich, statt er sich damit begnügt,
gerät in eine feindliche Parade,
worauf sich jählings eins zum andern fügt.

Zwei Pferde wurden unter ihm erschossen,
wie man von beiden Seiten ihn bedrängt.
Er aber schreitet, reitet unverdrossen,
bis er sich selber eine Kugel fängt.

Da rutscht den Generälen in die Hose
das Herz, das ihnen unter Friedrich blieb.
Wie ein Mirakel traf es jene Dose,
die trug er stets im Rock und hielt sie lieb.

Darinnen stak die Kugel – unbeschädigt
stand er vom Boden auf und sah aufs Feld:
ins Hühnerfließ gedrängt und schon erledigt,
mehr blieb ihm nicht. Es brannte eine Welt.

Die Tabatière, wenn die Gewehre zielen,
sie war im Weg dem Schuss. Kein Blut floss rot.
Doch war’s für die Soldaten, die dort fielen,
für fünfunddreißigtausend Mann der Tod.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLII)

17 07 2021

Steht Staffan im Dunklen in Bor
am Haus – nicht darin, doch davor –
so hört er die Grafen
darinnen schon schlafen
und schläft wie sie, nur vor dem Tor.

Eugénio aus Castro Daire
hat wahrlich ein Herz für die Tiere.
„Man hört’s bei den Leuten,
dass oft mich begleiten
mal einer und manchmal zwei Stiere.“

Es suchte sich Bjarne in Sommen
ein Los aus. Er hat’s nicht bekommen.
Er war nur zufrieden,
sein Glück selbst zu schmieden,
und hat es sich einfach genommen.

Maria, die schon in Nariz
die andern vom Treppchen verwies,
die will mit den Madeln
die Tour gern mitradeln
und träumt schon vom Sieg in Paris.

Man sagt, Olof nehme in Skede
seit Jahren schon eigentlich jede,
wenn die hübsch erschienen.
Er sammelt Maschinen.
Darum gab es manchmal Gerede.

Armindo saß lang in Fratel
im Wirtshaus. Es wurde schon hell.
Ins Bett er sich sehnte,
und wie er auch gähnte,
ein Bierchen, das trank er noch schnell.

Das Stahlross fuhr Åke in Hätte
und prahlte, er könnt ohne Kette
geschwind damit flitzen.
Er raste im Sitzen
bergab. Und gewann seine Wette.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXIII): Wahlplakate

16 07 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Nein, früher war nicht alles besser. Von wem man beherrscht wurde, hing im Wesentlichen davon ab, wer die letzte kriegerische Verteidigung oder Eroberung gewonnen, überlebt oder doch verloren hatte, wer von Feinden, Freunden oder der Familie einen Kopf kürzer gemacht, als Kind auf den Thron gehievt wurde oder alle seine Vorfahren ins Exil beförderte, um dann doch an Pest und Cholera zu sterben, meist mitsamt der kompletten Sippe, was die Einsetzung einer neuen Dynastie nach sich zog. Danach ging das ganze Theater wieder von vorne los, immerhin mit dem erfreulichen Unterschied, dass man sich um nichts mehr kümmern musste. Pharaonen und Könige, Kaiser und Sultane kamen und gingen, irgendwann musste sich das Volk um seine Gebieter selbst kümmern. Hin und wieder übernahm das ein starker Mann, der mit mehr oder weniger zerstörerischer Wirkung auf das Land seine Existenz in die Grütze ritt oder gleich in einem Arbeitsgang beendete. Gemeinhin müssen wir die Popanze aber selbst bestimmen, so fängt das Elend an. Mit dem Wahlplakat.

Intellektuell eher übersichtlich ausgestattete Personen halten den Akt, Gesichter auf Papier zu drucken und sie in die besiedelte Landschaft zu schwiemeln, für eine wichtige Form der Politik, die damit ihre Bereitschaft zur Verantwortung und zur Anerkennung des Wählerurteils demonstriert, alle paar Jahre wieder, in geordneter Form, streng nach Recht und Gesetz. Was da so gesittet vom Karton glotzt, ist für Idealisten immer noch ein Angebot an die Verfassung, dass das Trallala von vorgestern es auch in ein porentief weißes Übermorgen schaffen wird, wenn die Bekloppten weiterhin unkritisch und vielseitig ungebildet aus der Wäsche schauen. Es bedarf keiner Reflexion, die Nullaussagen auf den bunten Abzeichen des Brauchtumsterrors in ihre niedermolekularen Bestandteile zu zerlegen, es wird nur höchst selten unternommen.

Was ist da schon zu sehen außer einer Rotte Flachdachscheitelfressen in preisreduzierten Polyestersäcken, die Motivationsmüll von der Stange unter sich lassen: Wir für Euch – Damit die Zukunft noch besser wird – Mehr Brutto von Ihrem Netto. Die jüngste Vergangenheit, namentlich die, in der die abgebildeten Gesichtsschnitzel sich schon für Steuergeld den Steiß platt gesessen haben, war schlimm, wir als Teil des Problems wiederholen die ganze Scheiße und stopfen uns noch einmal mit Lösungen von damals für Probleme von heute die Penunzen in sämtliche Körperöffnungen. Wählt uns oder lasst es bleiben, Ihr seid uns eh wumpe. Her mit Macht und Kohle, weil eins das andere fördert, und habt Ihr keins von beidem, haltet einfach den Rand. Als Brechmittel von Wahlplakaten zu gucken ist schon widerlich genug.

Selbstredend bleibt auch hier genug Raum für die parteipolitische Auseinandersetzung, die dem mündigen Staatsbürger die Entscheidung erleichtern soll, vulgo: Konkurrenzgehabe in Form verbalen Gerümpels von der großen Halde an Hirnschrott, der sich in jeder ausreichend unterkellerten Birne ansammelt. Mehr Sonnenschein brutto, weniger Steuern auf die Zweitkakerlake, die anderen wollen das Butterbrot verbieten. Man kann und darf sich dem Schmodder nicht entziehen, aber mehr als spontan einsetzenden Ekel vor dem Gewinsel der glitschigen Kriecher entbietet kein Wähler dieser ästhetischen Vollkatastrophe.

Abgesehen von jeder politischen Standortbestimmung stellt sich ohnehin die Frage, ob die Pappnappel nicht zum anachronistischen Sperrmüll verkommen, der außer einer Beleidigung für Geist und Auge nichts mehr zeitigt. Zwei oder drei Sekunden ruht der Blick auf der verfetteten Kröte, die für uns eine Legislatur lang den Hohlkopf in den Sand stecken will, damit wir nur noch seine relevanten Körperteile zur Kenntnis nehme müssen. Zum Wegsehen reicht da auch das Internet, zum Wegschalten das dümmliche Gesülz und Geseier im TV zwischen zwei Werbungen für Inkontinenz- und Darmentleerungszubehör. Wir wissen sowieso, wer was verschweigt, weil dazu die Kalotte zu viel Dünnluft enthält, und wer seit Generationen mit perpetuierendem Mist seine Peinlichkeit untermauert. Nachhaltiger wäre ein Wahlplakat pro Partei, auf dem stünde, dass sie das sagen, was sie schon immer gesagt haben: dass sie immer schon gesagt haben. Noch nachhaltiger wäre nur die Erinnerung an die jeweils letzte Kampagne, deren beknacktes Geschwall zum nochmaligen Gebrauch empfohlen wird. Wozu neuer Wein, wenn die alten Schläuche eh aus Löchern bestehen.

Immerhin befriedigt das Wahlplakat den Instinkt des zurechnungsfähigen Staatsbürgers, dass es den braven Arbeitsmenschen irgendwo noch gibt, der in seinem Interesse und zur Befriedigung seiner tiefen Sehnsucht Politiker an einem Laternenpfahl in die Höhe zieht, während er straffrei zusehen darf, ohne Verfehlung alles geschehen lassen kann und nicht einmal durch Unterlassen sich schuldig macht. Der Wähler hat die Freiheit, die sinnfreien Objekte der Verschandelung des öffentlichen Raums komplett zu ignorieren. Dafür lohnt sich Demokratie.





Test Angels

15 07 2021

„… inzwischen wieder stark ansteigen würden. Spahn setze aber auf Fortschritte bei der Impfung und werde für alle, die über einen ausreichenden Immunschutz verfügten, die Maskenpflicht in Innenräumen mit sofortiger Wirkung…“

„… vollkommen egal sei, da es sich bei den Ladenlokalen und Gastronomiebetrieben um privat betriebene Unternehmungen handle, für die Spahn keinerlei gesetzgeberische Kompetenz habe. Der Handelsverband Deutschland bezweifle ohnehin, dass der Minister überhaupt irgendeine…“

„… zunächst nur für vollständig geimpfte Personen gelte. Diese seien nicht mehr verpflichtet, Geschäfte und Restaurants mit Mundschutz zu betreten, da nach Mehrheitsmeinung im Kabinett sowie im Wahlkampfteam der Union hier keine Ansteckung mehr zu erwarten sei, die den…“

„… eine Testpflicht bisher nicht bestehe, für den Wegfall der Masken aber ausgeweitet werden könne. Ein Testergebnis dürfe aber nur freiwillig abgeliefert werden, so dass im Endeffekt freiwillig getestete und freiwillig nicht getestete Kunden ohne Mundschutz in einem Innenraum, den sie aus freien Stücken und ohne eine…“

„… faktisch einem Einkaufsverbot für nicht geimpfte Bürger gleichkomme, wenn gleichzeitig medizinischer Mundschutz untersagt werde. Die Bundesregierung setze vermehrt auf ein solidarisch organisiertes Miteinander, in dem Risikogruppen wie einmal geimpfte Bürger oder Impfverweigerer von ihren Nachbarn unterstützt und mit…“

„… zwar auf öffentlichem Grund zutreffe, hier aber nur durch die Kommunen festgesetzt werden dürfe. Eine angedachte Maskenpflicht, die beim Verlassen öffentlicher Straßen und Plätze beginne und beim Betreten von Privatgrundstücken wieder ende, sei wegen ihrer schwierig umsetzbaren Art nicht ratsam, werde aber von einem mehrköpfigen Beraterteam im Gesundheitsministerium sehr…“

„… von Privatanbietern übernommen werden könne. Spahn habe mit der Testzentren bereits eine hervorragend laufende Infrastruktur aufgebaut, die durch Kontrollorgane des Impfstatus noch einmal übertroffen werde. Eine finanzieller Beteiligung der Apotheker sei im Gespräch, man müsse sich aber vorher noch über eine digitale Strategie für den…“

„… dass Kinder unter sechs Jahren von der Testpflicht ausgenommen würden. Die Fachgruppe im Bundesgesundheitsministerium habe deshalb folgerichtig vorgeschlagen, alle Personen unter 18 überall von der Maskenpflicht zu befreien, da es zu wenig verlässliche Testergebnisse für eine erhöhte Infektionswahrscheinlichkeit in entsprechenden…“

„… sich die Firma Test Angels für ein bundesweites Franchise-System angeboten habe. Spahn sei aber nicht in Verhandlung mit dem Vorstand getreten, um den Prozesse nicht unnötig zu verzögern, und habe für jede Kontrolle an der Tür eines Einzelhandelsunternehmens ein Fixum von zehn Euro zuzüglich der…“

„… den Kostenrahmen sprengen würde, Lehrer und Erzieher sowie Pflegepersonal zu testen. In den Kliniken sei dies zwar ratsam, dürfe aber nur durch die Pflegekräfte selbst getragen werden. Die großen Klinikkonzerne seien bereit zu Gesprächen, um eine Gehaltskürzung ihrer Angestellten für mehr Sicherheit bei Infektionsschutz, Rendite und…“

„… die Hotels und gastronomischen Betriebe von den Testidos in ganz Deutschland betreut würden. Der Unternehmenssprecher habe in der Pressekonferenz verkündet, man habe dem Bundesgesundheitsminister ein Angebot gemacht, das dieser nicht…“

„… zu Übermittlungsproblemen komme, wenn der Impfnachweis schwer lesbar sei. Außerdem sei das Kontrollverfahren auf eine doppelte Sicherheit ausgelegt, die der Vergleich des Personalausweises mit dem Zertifikat und einem schriftlich von der zutrittswilligen Person auszufüllenden Formular, das per Fax an das Gesundheitsamt des…“

„… die Testzentren abschaffen werde. Zum einen könne Spahn die Betreiber mit einer abschließenden Zahlung in Milliardenhöhe für die entgangenen Erlöse der kommenden Jahre und Jahrzehnte entschädigen, zum anderen verbessere sich so die Berichterstattung über die…“

„… den Datenmengen nicht gewachsen seien. Erste Supermärkte hätten bereits darüber geklagt, dass pro Stunde nur zwei bis drei Kunden Zutritt zu den Geschäften gewährt würden, da die Server der Impfstatus-App über eine schlecht konfigurierte…“

„… sei es schwierig, den Mund-Naseschutz in Krankenhäusern generell zu verbieten. Spahn wolle dagegen schnellstmöglich ein Gesetz in Auftrag geben, das den verpflichtend freiwilligen Verzicht geimpfter OP-Pfleger und die freiwillige Pflicht der Patienten zum Verzicht auf eine medizinische Versorgung, die nach dem Infektionsschutzgesetz oder einer anderen rechtlichen Regelung des…“

„… auch im Hotelbereich nicht vorankomme. An der Ostseeküste sei ein Fall aufgetreten, in dem der Betreiber die Zimmer seiner Pension für volle zwei Wochen vermietet habe, während seine Gäste erst zehn Tage nach dem Einchecken mit gültigen digitalen Impfausweisen eine Antwort vom…“

„… für Unmut sorge, da Vektorimpfstoffe mit nur einer Dosis vom System nicht als der von der Regierung etablierte Doppelstandard anerkannt werde. Das RKI wolle für diesen Fall eine halbe Maskenpflicht nach Laschet mit nicht bedeckter Nase für ausreichend erklären, auch wenn damit keine schützende Wirkung für die Bevölkerung verbunden sei. Spahn zeige sich aber zufrieden, die entspreche genau seiner eigentlichen…“





Gewaltverzicht

14 07 2021

„Der Mann ist auf einer Backe doof, aber er ist immerhin Bundesminister, und wenn Herr Altmaier sagt, dass das in der Zeitung stehen soll, dann steht das in der Zeitung. Wir leben in einer Demokratie, hier kann nicht jeder einfach machen, was er will.

Im Fernsehen hätten Sie auch ab und zu mal Werbeunterbrechungen, warum soll Ihnen das im Printjournalismus besser gehen? Das Internet ist ja auch mit Werbung vollgepflastert, also wozu muss man dann auf Berichterstattung verzichten, wenn ein wichtiges deutsches Unternehmen an die Börse geht und viele Aktien verkaufen kann, mit denen die Bürger ihre demnächst wegbrechenden Renten ersetzen sollen? Die Presse hat nun einmal ausgewogen zu berichten – ich verbitte mir hier irgendwelche Scherze im Zusammenhang mit dem Bundeswirtschaftsminister, wir haben hier immer noch die Meinungsfreiheit, aber ich bin Ihr Chef – und das heißt auch, dass Sie sich an die Vorschriften halten, was journalistische Beiträge angeht. Es ist nicht erwünscht, dass Sie einseitig diffamierende Artikel veröffentlichen, klar? Wir reden hier nicht über Menschenrechte, wir reden über die deutsche Wirtschaft. Die hat mit dem Grundgesetz überhaupt nichts am Hut.

Es ist doch jetzt schon kompliziert genug, als Bundeswirtschaftsminister irgendwas mitzukriegen, was in diesem Ministerium passiert. Da müsste man nicht nur Ahnung von Ministerien haben, sondern auch von Wirtschaft. Sehen Sie sich mal den Merz an, der kennt die alle, die Wirtschaftsbosse. Der legt deren Kohle auf anonymen Nummernkonten an und weiß bei jedem, wofür er ihn jahrelang in den Knast bringen kann. So macht man das. Nicht umgekehrt.

Deshalb eben die Disziplinierung der Presse zu sachlicher, richtiger und vollständiger Information. Es geht nicht darum, dass ein Unternehmen seine Gewinne aus Insidergeschäften zieht oder sein Startkapital aus Kinderhandel geholt hat. Das kann man alles schreiben, wenn man Platz hat. Es muss eben sachlich sein, richtig und vollständig, und der Kunde hat ein Anrecht auf weiche Faktoren, ist das klar? Der Kunde soll wissen, dass die Angestellten auf roten Kunststoffstühlen sitzen und dass es in der Kantine zweimal die Woche Pizza gibt. Dass die ein Sportprogramm für Teilzeitkräfte haben und eine Sauna für den Vorstand. Elektroautos, Dienstroller, den ganzen Scheiß, und wenn dann irgendwann der Platz weg ist, dann überlegen Sie noch mal, ob das wichtig ist, dass die solange keine Steuern gezahlt haben, bis es verjährt war. Das will keine Sau mehr wissen. Ist das so schwierig?

Es ist eben mit einem enormen Verlust an Vertrauen und Umsatzsteigerungen verbunden, wenn man ständig negativ über jemanden berichtet. Denken Sie nur an den Bundesverkehrsminister – gut, viel Vertrauen war da nie, aber seine Berater haben eine Menge Umsatz gemacht, und das hat die Wirtschaft doch nun wirklich nicht verdient, dass man das schlechtredet. Stellen Sie sich mal vor, an der Börse hätte jemand gewettet, dass Herr Scheuer deshalb zurücktreten müsste. Da hätten Leute ihr Geld verlieren können – also nicht Ihr Geld, aber letztlich weiß man das auch nie – und das wäre ein ungeheurer Vorgang gewesen, weil da in den Markt eingegriffen worden wäre. Pressefreiheit ist ein herausragendes Grundrecht, zu dessen Schutz wir alle verpflichtet sind. Aber was braucht denn der Bürger mehr, eine Presse, die einfach schreibt, was ihr in den Kram passt, oder eine funktionierende Wirtschaft?

Sie sollten froh sein, dass Sie noch in einem so freien Land leben dürfen. Also dass das Land, in dem Sie leben, noch so frei ist. Anderswo wird der Journalistenberuf nicht eingeschränkt, da wird man als Journalist gleich massakriert. Und jetzt dürfen Sie gerne noch mal überlegen, was Ihnen lieber ist, eine gesetzlose Bande von Kriminellen oder ein Staat, der extra für diesen Zweck einen Erlass hat, damit alles nach Recht und Gesetz ablaufen kann. Wie Sie Ihren Beruf als Vierte Gewalt auffassen. Und ob wir in einer marktkonformen Demokratie nicht alle auch etwas für mehr Gewaltverzicht tun könnten.

Journalismus lebt eben von unterschiedlichen Meinungen, und wenn man die Energiekonzerne zu Kohleabbau und Klimawandel fragt, wird man ein viel differenzierteres Bild haben als nur mit diesen ganzen Wissenschaftlern, die noch nie einen einzigen Wald abgeholzt haben. Deshalb sitzen jetzt auch die Energiekonzerne im Rundfunkbeirat, die Neonazis und die Homophoben, die eben auch eine Schnittmenge aus der Gesellschaft abbilden. Diese vielen Politmagazine, die im Fernsehen gezeigt werden, die will doch nur ein Bruchteil der Bürger sehen. Außerdem kommen die immer viel zu spät, und dann gibt’s auf dem anderen Sender Fußball oder eine Naturdoku aus ehemals reichsdeutschen Gauen. So kann man ein Publikum natürlich auch von seinen eigenen Wurzeln entfremden. Aber diese Absicht, das ganze Volk linksgrün gleichzuschalten, das machen Sie als zuverlässiger Journalist für unseren Zeitungsverlag doch sicherlich gar nicht erst mit, oder sollte ich mich da getäuscht haben?

Sehen Sie, ich wusste doch, dass man sich auf Sie verlassen kann. Im Grunde wollen wir doch alle dasselbe: ein diszipliniertes Volk, das sich der vollständigen Deregulierung der kapitalistischen Konzerne nicht in den Weg stellt, weil es seiner Regierung einfach vertraut. Schreiben Sie das mal, das mit dem Vertrauen. Bis morgen. Und wenn Sie schon mal dabei sind, ich warte immer noch auf Ihren Antrag auf Gesinnungsprüfung.“





Mit unbewaffnetem Auge

13 07 2021

„Ich weiß nämlich gar nicht, um wie viel sich der Versicherungsbeitrag erhöht.“ Herr Breschke gab mir den Brief. „Da müsste es stehen, aber ohne meine Brille kann ich es einfach nicht lesen.“ Ich warf einen Blick auf das Schreiben. „Und Ihre Frau, könnte die Ihnen nicht helfen?“ Er schüttelte den Kopf. „Sie weiß auch nicht, wo die Brille liegt.“

Nein, der pensionierte Finanzbeamte hatte noch keine geistigen Ausfallerscheinungen, jedenfalls nichts, das nicht auch bei anderen Menschen seines Alters regelmäßig vorkäme. Bis auf ein paar ganz harmlose Marotten, an die man sich als Gast und Freund schnell gewöhnt hatte, kam nichts vor, nur seine Sehhilfe, genauer: die Lesebrille ging ihm von Zeit zu Zeit verlustig und tauchte an merkwürdigen Orten wieder auf. Seine leichte Vergesslichkeit ließ ihn nun auch diese Fundorte wieder vergessen, so dass es eines gewissen kriminalistischen Spürsinnes bedurfte, um eine Art von Mustererkennung zu entwickeln, mit der sich die Augengläser im Haus finden ließen. Jedenfalls hatte mir dies mehrmals geholfen, die Brille zu entdecken.

„Gestern haben Sie also ferngesehen“, stellte ich fest. „Bis zehn“, bestätigte Horst Breschke, „dann habe ich mir noch eine Tasse Tee aufgebrüht, und dann bin ich zu Bett, weil Bismarck auch schon im Körbchen lag.“ Hier war das gesucht Objekt also nicht beteiligt gewesen; der Hausherr pflegte sich auch zu nachtschlafenden Zeiten ganz ohne Brille einen Tee aufzugießen, er las nicht im Bett, meist blieb die Brille neben der Fernsehzeitschrift oder auf dem Beistelltischchen neben seinem Sessel liegen, bis er sie am folgenden Tag wieder brauchte. „Davor hatte ich allerdings aus dem Nähkörbchen eine Schere genommen, weil der Faden aus dem Hemdknopf so stark abstand – ich musste das aus der Nähe sehen, sonst hätte ich am Ende noch den Knopf abgeschnitten.“ Flugs griff in das Körbchen, das neben dem Sofa stand, doch die gewünschte Brille lag nicht darin. Entweder hatte er sich den Faden mit unbewaffnetem Auge abgeschnitten, mit der Fernbrille, oder seine Erinnerung trog ihn. So kamen wir nicht weiter.

„Ich war im Keller“, fiel ihm ein. „Meine Frau wollte, dass ich eine Dose mit eingelegtem Hering hole, vielleicht…“ Schon befand ich mich auf der Treppe ins Tiefgeschoss, da dämpfte Herr Breschke meinen Elan. „Wir hatten nur noch eine Dose, also musste ich auch nicht nach dem Datum schauen, und sie stand auch gleich links auf dem obersten Regal.“ Sicherheitshalber hatte ich doch den ganzen Weg auf mich genommen; eine kleine Spur im Staub an der angegebenen Stelle zeigte an, dass vor nicht langer Zeit dort eine Dose gestanden haben musste. Jedenfalls war dies auch mit bloßem Auge zu erkennen, sogar im funzeligen Kellerlicht, das die vollgeräumten Stellagen kaum erreichte.

„Denken Sie scharf nach“, forderte ich ihn auf. „Wann haben Sie zuletzt das Auto bewegt?“ „Letzte Woche“, überlegte er, „Mittwoch habe ich meine Frau zum Frisör gefahren, danach war ich beim Gärtner, und auf dem Rückweg habe ich meine Frau wieder abgeholt.“ Auch das schied aus, weil er am Wochenende die Sonntagszeitung gelesen und die Abrechnung des privaten Haushaltsbuches vorgenommen hatte, beides Tätigkeiten, bei denen die Lesebrille unerlässlich ist. „Das Kreuzworträtsel habe ich aber erst am Montag gelöst.“ So näherten wir uns der Wahrheit Stück für Stück, wie auf einer ziemlich komplizierten Schatzsuche.

Die üblichen Fundstellen, Bücherregale, der Küchenschrank, das Telefontischchen im Flur, sie blieben alle ergebnislos. Nur zur Vorsicht hatte ich den Garten inspiziert, falls sich hier auf dem Tisch oder auf dem kleinen Mauervorsprung, der zur Kellertreppe führte, die Brille anfinden sollte. Aber auch das blieb erfolglos, ebenso Bismarcks Korb, der neben der Decke, einem Kissen und dem fest schlafenden Hund nichts enthielt. „Vielleicht kann er die Brille ja finden“, überlegte Herr Breschke. „Die Frage ist nur“, antwortete ich, „woran er die Fährte aufnehmen soll.“ Auch das wussten wir nicht zu beantworten, es blieb schwierig. „Nach dem Kreuzworträtsel kam die Post“, fiel Breschke ein, „da habe ich den Brief geöffnet und hatte nur die erste Zeile gelesen, dass die Versicherung teurer wird.“ „Wo haben Sie das denn gelesen?“ Er kratzte sich am Kopf. „Das muss in der Küche gewesen sein, aber da hatte ich die Brille sicher noch auf.“ Ich hatte eine Idee. „Lassen Sie Bismarck doch an der Fernbrille Witterung aufnehmen.“ Er sah mich skeptisch an. Vielleicht war der Gedanke doch nicht so klug, aber irgendwo musste man schließlich mit der Suche ansetzen. Wenn es nur irgendetwas gäbe, was gleichzeitig mit Herrn Breschke und seiner Lesebrille zu tun hätte…

„Das Etui!“ Breschke war erstaunt. „Dass wir darauf nicht längst gekommen sind!“ Der Plan war so einfach wie genial: Bismarck würde an dem Etui schnuppern und uns zur Brille führen. „Exzellent“, jauchzte Herr Breschke, „jetzt müsste ich nur noch…“ Ich runzelte die Stirn. „Sie wollen mir jetzt nicht auch erklären, dass Sie nicht wissen, wo das Brillenetui liegt?“ Er dachte angestrengt nach und öffnete die Tür zum Arbeitszimmer. Dort lag das ersehnte Objekt, ein tiefrotes Lederfutteral, direkt darunter der zum Versicherungsbrief passende Umschlag. Die Brille steckte ordnungsgemäß in diesem Etui. Horst Breschke hüstelte, dann setzte er sich die Lesebrille auf. „Na“, sagte er, „das ist ja noch mal gut gegangen.“ „Dann können Sie jetzt ja in Ruhe den Brief studieren.“ Herr Breschke starrte auf den Teppich. „Wenn ich nur wüsste, wo ich den hingelegt habe…“





Trinkgeld

12 07 2021

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