Patriotische Offensive

31 08 2021

„Sehr schön, und jetzt noch einmal im ganzen Satz: ‚Scholz muss weg!‘ Und gleich nochmal: ‚Scholz muss weg!‘ Das war noch nicht so rund, das muss besser werden, aber das kriegen wir schon hin.

Zu wenig Nachfrage haben wir ja nicht, die Idioten von Pegida sind komplett zu Querdenkern geworden, und wer noch nicht in der geschlossenen Anstalt hockt, ist jetzt bei uns. Das erklärt auch die etwas lange Reaktionszeit, die die an den Tag legen, wenn sie immer noch Merkel weghaben wollen – naja, sind halt Reaktionäre, das muss wohl so.

Laschet wäre denen vermutlich lieber gewesen, da müssen sie sich nicht erst an eine neue Partei gewöhnen, aber der wollte zuletzt offiziell jede regierungskritische Demonstration von der Polizei auflösen lassen. Für die Demonstranten wäre das vermutlich besser gewesen, die hätten wenigstens mal mit Fug und Recht behaupten können, dass wir in einer Art Diktaturvorstufe leben, in der man nicht mehr seine Meinung sagen darf. Das wollten sie die ganze Zeit, jetzt haben sie es herdemonstriert, dann werden sie auch damit zurechtkommen müssen. Leider spricht sich das nicht gut. ‚Laschet‘, das klingt ja schon so, als käme einem im nächsten Moment der ganze Mageninhalt entgegen.

Atemtechnisch könnten Sie das noch etwas offensiver angehen, finden Sie nicht? Das ‚Scholz‘ ist noch nicht deutlich genug, wir wollen ja den Namen betonen, oder? Natürlich, oder wollen Sie bei der nächsten Demo etwa wieder ‚Merkel‘ rufen? Meine Güte, das war ja peinlich neulich in Sachsen, wollen Sie das nach der Wahl auch noch machen, wenn die Kanzlerin nur noch kommissarisch im Amt ist? Die ganze Welt blickt auf Sie, und Ihnen fällt der Name nicht ein! Meine Güte, Sie sind ja echt zu blöd für echten Patriotismus!

Wobei die Leute für Patriotismus gar nicht doof genug sein können, das sichert uns ja den Beruf. Als Populismus-Coach kriegt man nur selten die richtig dicken Aufträge rein, bei denen man einen Nachwuchspolitiker mit rechtslastigen Sprüchen fürs Wahlvieh auf Parteilinie bringen kann. Meist ist der Weg umgekehrt. Deshalb haben wir jetzt die patriotische Offensive des Pegida-Proletariats gestartet, das unter den Querdenkern nicht mehr so beliebt war. Wir haben da eine schwierige Situation, in der wir die nationale Opposition in einen großen internationalen Kontext aus Faschisten und rechten Sektenangehörigen integrieren müssen. Da kann man die nationalsozialistischen Knalltüten nicht als Brüllmüll mitlaufen lassen, die müssen schon auch die demokratiefeindliche Haltung unterstützen und gleichzeitig gegen die eigene Identität beibehalten. Für die meisten wäre der Gang in die geschlossene Abteilung die schmerzfreiere Wahl gewesen.

Sicher können Sie einfach weiter die Ablösung der Bundeskanzlerin fordern, es ist nur die Frage, ob Sie auf legalem Weg ein Kriegsgericht finden, das Ihrer Auffassung folgt, die in den Bundeländern erlassenen Vorschriften zum Tragen von FFP2-Masken seien ein versuchter Völkermord an der deutschen Rasse. Wenn Sie die Klageschrift an den Internationalen Reichsgerichtshof senden und die BRD GmbH verklagen wollen, sehe ich allerdings schwarz. Natürlich ist es auch nicht logisch, die Maskenpflicht als Argument für ein Verbot des Kampfrufs ‚Merkel muss weg‘ anzuführen, da der nicht verboten ist, auch dann nicht, wenn Sie dazu überall verlauten lassen, Sie könnten deshalb Ihre Meinung nicht mehr äußern.

Der Witz daran ist ja, dass sie den Witz nicht verstehen. Meinetwegen können sie auch gegen den Weihnachtsmann demonstrieren, dann kommt eben der Osterhase. Konsenquenterweise sollten sie sich schon mal aufwärmen, damit sie ihre eigenen Leute von der Spitze runterschießen, das wäre eigentlich nur konsequent. Die eine oder andere Partei haben sie schon gegründet, die wird für ihre politischen Führer die eine oder andere Annehmlichkeit von dem Geld besorgen, das sie ihnen aus der Tasche zieht, aber sonst wird nicht viel passieren. Was ihnen nicht in den Kram passt, wird eh als Lügenpresse diffamiert, auch die Bilder von ihrem öffentlichen Geplärr.

Sie wollen sich also weiterhin als patriotischer Widerstand aufführen, aber wenn dann wirklich mal mehr kommt als ein kleines Bußgeld, dann sind Sie im Untergrund und warten auf den Reichskanzler, oder wie soll ich das verstehen? Haben Sie von ganz oben erfahren, dass die nächste Regierung auch nur von den Reptiloiden gesteuert wird und Merkel im Hintergrund weiter die Strippen zieht, wie sie das schon seit 1914 tut? Ich werde Ihnen da nicht unbedingt im Weg stehen, das dürfen Sie gern so behaupten, wenn Ihnen das Spaß macht. Damit haben Sie sicher auch viel Erfolg, ebenso mit Ihrem Markenrechtsschutz für den Club, für Aufkleber und Bustouren und den ganzen Rest. Mir ist das im Prinzip ziemlich egal, und wenn Sie das nächste Mal den Reichstag stürmen wollen, ich habe nichts dagegen. Vielleicht überlegen Sie es sich noch mal. ‚Scholz muss weg!‘ Ist das denn so schwer? Jetzt geben Sie sich mal ein bisschen Mühe, das sollten Sie als Patriot doch hinkriegen, oder haben Sie außer Ihrer Jammerlappentour nichts drauf?

Also mittlerweile ist es mir echt egal. Die haben im Voraus bezahlt, Geld war anscheinend genug vorhanden, und was sie daraus machen, muss mich nicht mehr interessieren. Nur eins werden sie bei ihrem Theater mit Sicherheit früh genug merken: Olaf Scholz ist halt Olaf Scholz.“





Fünfbeinige Arbeitslose

30 08 2021

„… keine Politik für vegane Kunststudenten machen wolle. Die Christdemokraten seien in ihrer Rolle als Volkspartei gegen eine zu…“

„… schnell wieder relativiert habe. Söder könne für die ganze Union sprechen, er sehe bereits an der Tatsache, dass Laschet CDU-Kanzlerkandidat sei, ein klares Bekenntnis zu Minderheitenschutz im…“

„… sich nicht falsch ausgedrückt habe, Ziemiak sei wie immer von allen falsch verstanden worden. Seine Absicht sei es gewesen, sich von einer Politik für die urbanen Eliten abzugrenzen, die für die CDU keine richtigen…“

„… auf scharfe Kritik bei den Liberalen stoße. Lindner vertrete die Leistungsträger der urbanen Gesellschaft, die sich eine technologieorientierte Zukunft, elektrische Mobilität und umfangreiche Aktienportfolios ohne sozialistische Ideen des…“

„… sich als Deutscher zum Katholizismus und zu den Grundlagen der Marktwirtschaft bekenne und damit in einem ökostalinistisch dominierten Land, das sich für Transsexualität und Grünkern mehr interessiere als für die Reinheit der weißen Rasse. Ziemiak fühle sich als Minderheit, die zum Freiheitskampf bereit und im…“

„… zwei Drittel der Abgeordneten nicht mit der Wortwahl des Generalsekretärs einverstanden seien. Die 16 Jahre andauernde Regierung der CDU werde durch den Wahlkampf zunehmend entwertet und als verlorene Zeit dargestellt, die nur durch radikale…“

„… vemutlich nur ein paar hundert vegane Studierende an Kunsthochschulen gebe, die zudem als Leistungsträger anerkannt werden müssten, da sie im Gegensatz zu Ziemiak bereits erfolgreich aus einem Zulassungsverfahren gekommen seien, das neben ihrer fachlichen Eignung auch die…“

„… sei nur metaphorisch zu verstehen. Merz kenne die auf eine billige Opferrolle ausgelegte übertriebene Wehleidigkeit, die von Minderheiten ausgehe, beispielsweise von Frauen oder…“

„… dass es in Deutschland keine Klassen mehr gebe, wie die CDU es immer noch durch ihre sozial fragmentierende Wähleransprache voraussetze. Die SPD könne sich mit dem Politikstil dieser Partei nicht identifizieren und wolle für die Fortführung der Großen Koalition nun eine deutliche Abgrenzung zu den bisherigen…“

„… als starke Volkspartei der Mitte auch auf den Protest von lesbischen, schwarzen Behinderten verzichten könnte. Wer diese zum Maß für die politische Entwicklung Deutschlands machen, sei für Merz keine ernst zu nehmende…“

„… nur der Schärfung des Parteiprofils diene. Polenz habe durch langjährige politische Analysen herausgefunden, dass Randgruppen wie islamische Außerirdische, fünfbeinige Arbeitslose oder vegane Kunststudenten traditionell zu radikalen Ansichten neigen und Die Grünen wählen würden, um den deutschen Wohlstand mutwillig zu…“

„… dass Ziemiak nicht nur zwei Ausbildungen, sondern auch zwei Studiengänge abgebrochen habe. Damit sei er für höhere Aufgaben qualifiziert als die meisten Abgeordneten der…“

„… die CDU ein inklusives Menschenbild habe, das auch Mehrfachbehinderungen fördere. Söder sehe die Kandidatur von Laschet als Beispiel für eine durchaus gelungene…“

„… gehe es Ziemiak nach Meinung von Polenz um einen intersektionellen Ansatz, der nicht nur alle Kunststudenten, sondern auch sämtliche Veganer diskriminiere und daher als integrative Kraft, wie sie sogar Laschet in seinem Amt als…“

„… ein wirtschaftsfeindliches Menschenbild vertrete, das nicht im Sinne der Freidemokraten sei. Lindner setze sich im Falle einer rechtsbürgerlichen Koalition für die sofortige Absetzung der CDU-Generalsekretärin ein, da Kunst als renditeträchtige Geldanlage verunglimpft werde und nicht den…“

„… als Fehler eingestehen müsse. Klöckner sehe die Äußerung als ungeschickte Werbung für den Veganismus, der die Umsätze der deutschen Fleischkonzerne empfindlich…“

„… es durchaus denkbar sei, dass Veganer und kunstinteressierte Arbeitslose, Terorristen oder als Hochverräter vorbestrafte Scheinasylanten sich bei mangelnder Aufklärung über staatsfeindliche Ideologien für die Wahl einer ökokriminellen Partei interessieren könnten. Polenz habe keinen Zweifel, dass Ziemiak sich für eine christliche und…“

„… genug Kunst geschaffen worden sei, die die Leitkultur Deutschlands vertrete. Merz wolle als Finanzminister alle Mittel für Hochulen streichen, die potenziell staatsfeindliche, wissenschaftliche oder anderweitig subversive Motive für ihren…“

„… die Ablehnung der Currywurst es bis in den Mittelstand geschafft habe. Verantwortlich dafür seien laut Poschardt jüdische Intellektuelle, die die islamistische Kapitalismuskritik durch Gretawahn und die sozialistische Verehrung des Lastenrades in der homosexuellen Cancel Culture des syrisch-afghanischen Flüchtlingskultes um die merkelische Pazifismusbesoffenheit eines undeutschen…“

„… die Wogen glätten könne. Für eine künftige Koalition mit dem Wunschpartner der CDU sehe Laschet noch immer viel Gestaltungsraum, der auch durch kontroverse Diskussionen ausgelotet werden solle. Hitler habe Kunst studiert und sich dabei vegetarisch ernährt, darum sei für eine gemeinsame politisch-kulturelle Basis mit den Kräften der…“





Nachtgespenster

29 08 2021

für Kurt Tucholsky

Da sitzt er, und die Stimmung steigt.
Die andern haben ausgegeigt.
Die Sache ist entschieden.
Das glaubt er, und die andern auch.
Er reibt zufrieden seinen Bauch.
Der Kampf ist wohl vermieden.
Er schaut hinaus. Die Nacht ist trüb.
Ihm bleibt, was keinem andern blieb,
und ist es auch recht unverdient –
    Olaf grient.

Ach, das wird eine schöne Zeit.
Wer denkt noch der Vergangenheit,
an Blut, Betrug und Lügen?
Ihm selber ist auch manches schon
entfallen, und mit leisem Hohn
lässt er’s in Frieden fliegen.
Er soll sich schämen, doch er tut
es nicht. Die Zeit macht alles gut,
ein Mäntelchen aus Machtgespinst –
    Olaf grinst.

Nur manchmal ahnt er, was ihm blüht,
wenn er durch alte Zeiten sieht,
und will sich nicht erfreuen.
Dann liegt er Nacht für Nacht hellwach,
er wird – nicht sein Gedächtnis – schwach,
und sieht das Unheil dräuen.
Ihm ist das freilich einerlei,
doch weiß der Wähler, die Partei,
wie er sich her und hin dann rollt –
    Olaf schmollt.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLVIII)

28 08 2021

Der Schorschl, der brauchte in Kogl
ein Bild vom besonderen Vogel.
Ein Preis, der verlangt es,
am Federvieh krankt es.
„Ah was“, sprach er. „Siehste, ich mogel.“

Es kochte Simone in Stainz
ein Gulasch – so schön war noch keins.
„Ich esse“, so sagt sie,
„nun schnell, da man fragt: wie,
erst meins, danach teilen wir deins.“

Den Holzknecht Andreas in Trag,
den plagten bei fast jedem Schlag
zu fällender Bäume
gar schreckliche Träume.
Er fällt nur noch, wenn er das mag.

Josepha beschwert sich in Glein.
„Bestell ich mir ein Hühnerbein,
um Brühe zu kochen,
so sind es nur Knochen.
Ich schlag diesen Koch kurz und klein!“

Der Pepi ist Bäcker in Paig.
Dem Lehrling gibt er einen Teig,
doch statt den zu backen,
lässt er ihn versacken
und hofft, dass man’s ihm noch mal zeig.

Es legt sich Marlene in Tratten
zum Schläfchen recht gern in den Schatten.
Es fehlt ihr nur diese
recht alte Markise,
so deckt das Gestell sie mit Matten.

Elisabeth wollte in Scheiben
ein Bändchen Gedichte sich schreiben.
Es scheitert im Keime:
ihr fehlten die Reime.
Sie wird beim Roman vorerst bleiben.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DLXXIX): Fake Work

27 08 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Entwicklung der Arbeitsteilung dürfte nach Expertenmeinung vielschichtige Gründe gehabt haben. Jeden nach seinen Möglichkeiten, jeden nach seinen Bedürfnissen arbeiten zu lassen war eins der auch in jüngerer Zeit bekannten Motive, die am Tierreich angelehnte Kooperation ein nicht zu unterschätzendes, schließlich die Aufteilung in Familien, Sippen und Kasten, bis zur Erkenntnis, dass nicht alle mit derselben Hirnrindenmenge an den Start gehen. Ganze Volkswirtschaften nahmen ihren Ursprung auch in der Tatsache, dass es immer irgendwo eine Knalltüte gibt, die die von fleißigen Kinderhänden gesammelten und auf weiche Stellen untersuchten Buntbeeren noch einmal kontrollieren muss, was der Qualität der Früchte zwar nicht zuträglich ist, aber eine gesellschaftliche Hierarchie im Arbeitsablauf erlebbar macht und für eine zusätzliche Position sorgt, die Verantwortung und Führungsanspruch innehat. Im Kontext der heutigen Konzerne ist dies als mittleres Management bestens bekannt, aus psychologischer Sicht als Fake Work.

Natürlich hat der Arbeitsfetischismus uns alle zwangsbeglückt, damit das kapitalistisch geprägte Luxusleben seine Berechtigung erhält und erhalten kann, bis irgendwann eine Maschine, ein Computer oder ein Kind in einem schmierigen Tümpel am anderen Ende der Welt unseren Job erledigt und uns damit demonstriert, dass wir für den weiteren Lauf der Dinge überflüssig geworden sind. Damit alle an den Segnungen der Vollbeschäftigung teilhaben dürfen, müssen wir leben, um zu arbeiten – der umgekehrte Weg erwies sich als gesünder, ließ aber oft die Börsenkurse nachgeben. Nützlich im Sinne der Arbeitsethik, jener von Luthers Lakaien im Selbsthass zusammengeschwiemelten Theorie der geistlichen Umnachtung auf schriftlicher Grundlage einer traditionellen Wahnvorstellung, in der Hexen fliegen können und Leibeigene an ihrer Herkunft selbst schuld sind, ist nur der, der wenigstens von außen den Anschein erweckt, als sei er tätig, ob nun produktiv oder zerstörerisch, aber letztlich doch in stetiger Aktion beim Verschandeln dieser Welt. Der moderne Mensch hat sich sein Ableben erst dann verdient, wenn er sich vorher kaputt gearbeitet hat, sei es am Fließband, sei es auf stressigen Reisen in brasilianische Laufhäuser, da die Funktionärsstelle eben zweckmäßigeres Tun nicht vorsieht; müßig zu sagen, dass für diese Verrichtung die erweiterte Kenntnis internationalen Strafrechts, ein Studium der Betriebswirtschaft sowie Erfahrung als Erbe einer Bonzendynastie zwingend vorausgesetzt wird.

Aber die Entwicklung bringt es an den Tag, und wir haben bereits genügend Erkenntnisse aus der jüngeren Vergangenheit gewonnen. Noch immer ist ein Großteil der Arbeitsabläufe unkoordiniert und bar jeder Struktur; die Rechnungskontrolle wird durch die Rechnungskontrollkontrolle geprüft, die mehr Zeit und Geld in Anspruch nimmt, als eine Handvoll Zahlendreher je kosteten. Längst hocken wir in endlosen Videokonferenzen und reden wirr aneinander vorbei, nachdem sich kurz und folgenlos der Gedanke eingeschlichen hatte, dass der größte Teil aller Besprechungen aus Buchstabentanzen und sinnlosem Singsang besteht, der, wenn überhaupt, mit einer Mail abgekaspert werden kann. Nun ist in der Überflussgesellschaft Verschwendung eine der Kardinaltugenden, warum also soll nicht auch Zeit aus dem Fenster geschmissen werden? Und so hat genug Personal der auf Wichtigkeit und Wirkung getrimmten Unternehmen die Aufgabe, Arbeiten zu wiederholen, doppelt zu erledigen oder zwischen Baum und Borke auszuführen, damit nach dem Ende der Unterbrechung der erste Teil wieder fröhlich von vorne beginnt.

Die Knechte in der Tretmühle haben in ihrer Sozialisierung trefflich gelernt, mit großem Getöse nichts zu tun, konstant busy auszusehen und gerade noch so viel Zeit zu haben, dass sie überall sagen können, sie hätten überhaupt keine Zeit. Wo der aus naheliegenden Gründen realitätsentwöhnte Chef zweiter Ordnung den Krawall der Kulis bemerkt, wird er den bevorzugen, der unter möglichst großer Lärmentfaltung den subalternen Seppeln Leistung vorturnt, hektische Action bei geistiger Windstille. Ein Schuft, wer nicht schuftet – bis in die delikate Dramaturgie wird exerziert, dass Abteilungsleiter minutenlang Aktenordner bündeln, um dann das Konvolut als Monstranz der eigenen Produktivität über den Büroflur zu wuchten. Ab einer gewissen Konstanz wird der Große Boss den Aspiranten mit auf seine Ebene nehmen und ihm Verantwortung für die Gehilfen übertragen, die rastlos rackern und dabei doch nicht mehr schaffen, als Sand auf einen Haufen zu schippen, der der Schwerkraft folgt.

Wir wissen, dass wir nicht essen sollen, wenn wir nicht zumindest so tun, als würden wir arbeiten; von Freude daran war nie die Rede. Die säkularen Mythen recyceln lediglich religiöse Märchen, der Kapitalismus bastelt sich aus den Relikten der Riten sein neomasochistisches Geschäftsmodell. Der eine sammelt die Beeren, der andere bringt sie nach Hause, der letzte frisst sie auf. Wie unverzichtbar sind wir doch, dass wir alle in diesem Prozess eine Rolle spielen dürfen, und sei auch nur, um andere vor dem Hungertod zu retten.





Nachwachsende Rohstoffe

26 08 2021

„Das finde ich jetzt wirklich übertrieben mit den 400.000 Arbeitskräften.“ „Wer weiß, wie viele wir allein in der Pflege brauchen werden.“ „Das kann doch jeder.“ „Aber weshalb kündigen dann so viele von denen?“ „Das liegt am Fachkräftemangel, die bekommen überall eine bessere Stelle.“

„Ich dachte immer, die Fachkräfte gibt es gar nicht mehr?“ „Doch, aber die wollen für das Geld gar nicht mehr arbeiten.“ „Und darum müssen jetzt die fachfremden Kräfte für die einspringen, weil sie als Nichtfachkräfte mehr verdienen?“ „Das ist alles sehr komplex.“ „Das sieht man schon an den Lehrern, die sich jedes Jahr neu bewerben.“ „Bei denen liegt es aber daran, dass sie nach jedem Jahr rausgeworfen werden.“ „Selbst schuld, wenn man studiert, dann weiß man doch, dass man nur noch befristete Jobs kriegt.“ „Dann könnte man doch die Lehrer auch zu Pflegern umschulen.“ „Was bringt das?“ „Die können doch in den Ferien arbeiten.“ „Hähähä!“ „Wir haben ja bis zur Durchseuchung eh ständig Homeschooling.“ „Eben, dann können die für ihr Geld ja auch ins Krankenhaus gehen.“ „Oder ins Altenheim.“ „Dann müssten wir aber mal die Gehälter anpassen.“ „Finde ich auch.“ „Also die Gehälter in der Pflege anheben?“ „Die Gehälter der Lehrer kürzen, schließlich haben die keinen Beruf in der Pflege gelernt.“ „Das kann doch jeder.“ „Das mag sein, aber wir müssen es doch nicht auch noch belohnen, wenn man sich einen Beruf sucht, in dem man nicht gebraucht wird.“

„Notfalls könnte man im Einzelhandel fragen.“ „Ob die ausgemusterte Pfleger nehmen?“ „Ich hatte das eher andersherum gedacht.“ „Andererseits wäre das für die ein gesellschaftlicher Aufstieg, wenn die im Lehrerberuf arbeiten würden.“ „Und das Geld?“ „Geld macht nicht glücklich.“ „Finde ich auch.“ „Die könnten ja notfalls auch nebenbei noch einen Zweitjob machen, wenn ihnen das nicht passt.“ „Bei den vielen Ferien bietet sich das an.“ „Aber nicht ausgerechnet in der Pflege.“ „Wieso nicht, Konkurrenz belebt das Geschäft.“ „Eben, und das würde die Preise drücken.“ „Hervorragende Idee!“ „Könnte man das auf die Lokführer anwenden?“ „Also da habe ich meine Zweifel.“ „Verstehe ich, das ist schon ein verantwortungsvoller Beruf.“ „Was man da alles an Boni verfeuert, wenn man mit zu viel Überstunden rausgeht!“ „Ich dachte eher an die Fachkompetenz.“ „Dann dürften Sie die aber auch nicht als Lehrer arbeiten lassen.“ „Das kann doch jeder.“ „Meinen Sie?“ „Wenn ich mir ansehe, was da gerade in den Schulen los ist, mein lieber Mann!“ „Das haben aber die Kultusminister zu verantworten.“ „Und das sind alles Pädagogen?“ „Laut Laschet ja.“ „Was wollen Sie jetzt mit dem Trottel, hier geht es um Fachkompetenz!“ „Meine Güte, einer muss doch dafür den Kopf hinhalten!“ „Den was!?“ „Ach, vergessen Sie’s einfach.“

„À propos Kopf, wir sollten die Frisöre nicht vergessen.“ „Und dann natürlich die Gastronomie.“ „Das kann doch jeder.“ „Dann probieren Sie es gern mal aus.“ „Muss ich nicht, ich brauche auch keine Pflegeausbildung, um die Renditevorstellungen für einen Krankenhauskonzern zu berechnen.“ „Wir können doch nicht alle Kellner ins Krankenhaus schicken.“ „Ob die jetzt Lachshäppchen tragen oder die Bettpfanne, das ist doch wohl egal.“ „Haben wir denn immer noch nicht genug Flüchtlinge?“ „Das Problem ist, dass die meisten nicht schnell genug abgeschoben werden können.“ „Also haben wir doch noch genug.“ „Wenn man lange genug wartet, kann man sie schon irgendwann abschieben.“ „Dann haben aber viele schon einen Job.“ „Dann muss man die erst recht abschieben, die haben den Job ja einem Deutschen weggenommen.“ „Kann man die alle in die Pflege stecken?“ „Was macht man, wenn die trotzdem abgeschoben werden, obwohl kein Deutscher mehr in die Pflegeberufe gehen will?“ „Alle Deutschen in den Einzelhandel und alle anderen in die Pflege?“ „Und die Lehrer?“ „Also erstmal nur die Deutschlehrer?“ „Die sind ja zur Not noch als Frisöre verwendbar.“ „Falls sie nicht von selbst in die Gastronomie gehen.“

„Wir müssen hier mehr Strategie entwickeln.“ „Naja, wenigstens sind uns die Flüchtlinge als nachwachsende Rohstoffe sicher.“ „Wir dürfen aber dann nicht mehr so aggressiv betonen, dass sich 2015 nicht wiederholen darf.“ „Glauben Sie, dass die Deutschen diese Zusammenhänge kapieren?“ „Das kann doch jeder.“ „Oder alle kommen in die EU, dann kann man sie als Leiharbeiter von den Fleischbetrieben direkt ins Pflegeheim schicken.“ „So groß ist der Unterschied ja nicht.“ „Aber dann kriegt man die nicht mehr weg.“ „Vielleicht nimmt man dann besser nur noch Flüchtlinge mit einem qualifizierten Berufsabschluss.“ „Und wie bringen wir die Herkunftsländer dazu, jedem eine gute Ausbildung zu verpassen?“ „Man könnte ja damit werben, dass wir die Abschlüsse hier schneller anerkennen.“ „Das ist dieses Entfesselungsdings?“ „In der Zwischenzeit können wir die ja immer noch in die Pflege stecken.“

„Dann haben wir nur noch ein Problem: die Politiker.“ „Das kann doch jeder.“ „Hähähä!“ „Sie haben das falsch verstanden, nach jetziger Lage sind die doch nach der Wahl ihre Jobs los.“ „Nein, nur die Mandate.“ „Ohne die bekommt man doch keine Verträge als Grüßonkel oder Pausenclown.“ „Sie meinen, wir sollten die jetzt abschieben?“ „In die Pflege stecken geht ja nicht.“ „Lokführer?“ „Als Kellner jedenfalls völlig ungeeignet.“ „Da die sich mit befristeten Jobs auskennen, würde sich da nicht die Wissenschaft anbieten?“ „Berater?“ „Gute Idee, das kann wirklich jeder.“ „Also, wer von uns gründet jetzt die Firma?“





E 112

25 08 2021

Eine rote, noch eine rote, und eine gelbe. Herr Breschke legte die drei Tabletten sorgfältig in das kleine Glasschälchen und stellte die Dosen wieder zurück in die Küchenschublade. Dann schlürfte er einen Schluck aus seiner Teetasse, um die Pillen in einem Rutsch hinunterzuspülen. Es gelang ihm nur mittelmäßig.

„Ich habe die falsch genommen“, nuschelte er an seiner Zunge vorbei. Ein Ruck, dann waren die Tabletten geschafft. „Eigentlich müssen es zwei von denen hier sein, aber ich habe immer zwei von denen genommen.“ Die beiden Kunststoffdöschen unterschieden sich im Aufdruck, sogar die Marke war nicht dieselbe. Was die Inhaltsstoffe betraf, war es aber eigentlich egal, ob man zwei von den roten nahm oder zwei von den anderen wegließ; außer einer zuckrigen Hülle fanden sich immerhin weder Gelatine aus naturbelassenen Schweinen oder das tödliche Gluten darin, das zum Problem wird, wenn einem ein Doppelzentner Mehl auf den Kopf fällt. Horst Breschke trank noch einen Schluck, dann zog er die Lade wieder auf und nahm eine längliche Schachtel mit langen, bräunlichen Kapseln heraus. „Die waren kürzlich in einer Zeitschrift“, teilte er mir mit, „und ganz zufällig…“ „Ganz zufällig hatte die Apotheke sie im Sonderangebot, stimmt’s?“ Er nickte. „Ab und zu muss der Mensch ja auch mal Glück haben, nicht wahr?“

Immerhin hatte der pensionierte Finanzbeamte sich die Mittelchen nicht bei seiner Tochter besorgt, die als Reiseleiterin in fernen Ländern an keinem der grellbunten Straßenläden vorbeigehen konnte, ohne nicht wenigstens ein Fläschchen original nigerianische Kräutertinktur Made in Singapur oder ein Elektrogerät mit lustig britzelnden Stromkontakten mitzunehmen. Vermutlich hing an sämtlichen Zollstationen rund um den Globus ihr Konterfei mit der ausdrücklichen Warnung, ihr Handgepäck selbst in Schutzkleidung nur bei Lebensgefahr zu untersuchen.

Ich beäugte die Schachtel. Herr Breschke hatte eine Hälfte bereits verbraucht, so dass neben der zweiten Schachtel im Schrank noch die andere Hälfte der ersten Packung übrig blieb. „Und wozu soll das gut sein?“ Er schaute ein bisschen verlegen auf den Boden, möglicherweise war er auch ein wenig errötet. Was fragte ich auch. „Meine Frau“, murmelte er, „aber die weiß nichts davon – hinten fallen mir in der letzten Zeit so viel Haare aus, da muss man doch irgendwas machen.“ Ich lächelte. Immerhin hatte er sich nur leicht wirkende Mittel besorgt, wenngleich auch diese sicher versprachen, wie Adonis selbst den Garten zu durchschreiten und die Harke wie Orpheus zu ergreifen. „Die anderen sind nur wegen der Vitamine“, belehrte er mich, „ich habe mir das genau durchgelesen, die sind auch in Obst und Gemüse.“ „Das mag wohl sein“, wandte ich ein, „meiner Erinnerung nach wurden diese Stoffe aber bisher eher in Gemüse und Obst an den Mann gebracht.“ Er dachte nach. „Das mag stimmen.“ Herr Breschke dachte wirklich nach, und dann hatte er die Lösung. „Aber wenn zum Beispiel die Tagesdosis an Vitamin A in der roten Pille ist, dann brauche ich ja an diesem Tag keine Möhren mehr zu essen, richtig?“ Ich konnte es nicht abstreiten; Triumph glomm in seinen Augen. „Wenn ich also einen Tag lang keine Möhren esse, dann ist eine einzige Pille ausreichend?“ Der Logik konnte ich mich nicht entziehen, mehr noch: ich wusste, worauf es hinauslaufen würde. „Wenn ich also nicht jeden Tag so viel Möhren esse, dass ich ohne diese rote Pille genug Vitamin A bekomme, was mache ich dann ohne die rote Pille?“

Da ich weiteren Exkurse über die vermeintliche Baugleichheit künstlicher und natürlicher Vitamine an dieser Stelle aus dem Weg ging, waren wir schnell an dem Punkt, an dem die Winkelstruktur synthetischer Moleküle und ihre Reaktionsneigung mit Spurenelementen wie Zink und Selen keine tragende Rolle mehr spielten. „Die Apothekerin hat mir erklärt, dass man alle Bestandteile immer auf das Medikament schreiben muss.“ Herr Breschke wusste, wovon er sprach. Ich las auf der Packung. „E 112“, buchstabierte ich, „das klingt ja fast schon gefährlich.“ Er hatte den Beipackzettel entfaltet und die Brille aufgesetzt. „Ich kann da nichts entdecken, aber etwas Verbotenes werden die da wohl nicht reingemischt haben, oder?“ Ich schwieg. „Oder?“

Neben den genannten Döschen befanden sich auch Brausepulver mit Vitamin C im Vorrat, eine Packung Lutschtabletten für den B-Komplex sowie ein hoch dosiertes Kombi-Präparat, das bei nur einer Ladung pro Tag die Abwehrkräfte gegen alles stärken sollte, was der Teufel ausgespien hat. „Es scheint mir doch ein wenig überdimensioniert“, mutmaßte ich, „warum muss man diese ganzen Dinge nebeneinander einnehmen, wenn doch eins schon die vollkommene Wirkung verspricht?“ Er kratzte sich an der Stirn. Eine Wirkung, von einer vollkommenen wollen wir gar nicht sprechen, blieb jedoch aus. „Man muss dem Körper ja auch etwas anbieten“, erklärte Herr Breschke. „Außerdem muss man immer darauf achten, dass es im rechten Maß ist, sonst wird es nicht verarbeitet.“ „Sie spülen sich also Vitamine in den Körper, die mit Ihrem Tee wieder ausgeschieden werden“, konstatierte ich. „Und noch eine Frage: wenn diese rote Pille eine Tagesdosis an Vitamin A enthält, warum nehmen Sie dann jeden Tag zwei?“

Ich musste mich ein bisschen beeilen, weil der Wochenmarkt schon um halb eins vorbei war. Aber die Zitronen für Herrn Breschkes Tee bekam ich noch. Was man nicht alles tut, wenn man seit Tagen ein wenig Halskratzen spürt.





Freindliche Übernahme

24 08 2021

„Zweiundzwanzig Prozent – Glückwunsch, das ist die Hälfte von Helmut Kohl! Sauber haben Sie das hingekriegt, sauber! Ich bin überzeugt, dass wir in Landshut, München und Regensburg gerade enorm Bedarf an Popcorn haben, während Sie sich um Ihre Kopf- und Kragenreste schwafeln. Haben Sie sich schon überlegt, wer da in der Wahlnacht auf Knien zur SPD rutschen darf, um sich als Juniorpartner in der nächsten Koalition anzudienen?

Ach, jetzt werden Sie auch noch pampig, weil wir als Christsoziale ja nur eine Bayernpartei sind, die man in der Fraktion mitmachen lässt, weil Sie so großzügig sind. Weil wir eh keine vernünftigen Minister stellen können und das auch seit sechzehn Jahren tun. Weil wir als CSU irgendwann einmal angeregt haben, ein eigenes Wahlprogramm für den Bund zu schreiben – angesichts Ihres Gerümpels ist ein Programm mit Inhalt jetzt ja schon fast ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der Union, wie? Sie wollen uns also erklären, dass man Deutschland nicht so regieren kann, wie man ein Bundesland regiert? Seit 1957, Kollegen?

Schauen Sie, wir haben zuletzt auch ein paar Stimmen verloren, trotzdem stellen wir immer noch alle Direktmandate. Angesichts der Tatsache, dass sich Ihre Grinsrübe in Aachen gar nicht erst aufstellen lässt, weil sein Wahlkreis ihn für einen grenzdebilen Schaumschläger hält, sollten Sie über Ihre Performance mal gründlich nachdenken, bevor Sie die Klappe aufreißen. Dass Sie und Ihre Partei kurz vor dem intellektuellen Kollaps sind, sieht man doch schon daran, welche Primaten Sie als Vorsitzende kandidieren lassen. Wenn wir es als Regionalpartei schaffen, bessere Ergebnisse bei den Umfragen zu erzielen als Ihr Lachsack, können wir auch gerne warten, bis Sie angekrochen kommen. Den Kreuther Beschluss kann man jederzeit wieder zur Diskussion stellen.

Ich würde das jetzt mal nicht als Konkurrenz bezeichnen wollen, die belebt zwar das Geschäft, aber das würden Sie wissen, wenn Sie nicht in ihren popeligen Landesverbänden säßen, sondern als die einzige ernst zu nehmende Partei eine politische Einheit gestalten würden: Koalitionen sind Mist, vor allem, wenn man mit Knalltüten wie Ihnen am Kabinettstisch hocken muss. Wir diskutieren nicht, wir schalten aus. Da wir offiziell vom christlichen Geist durchdrungen sind – damit Ihre Opus-Dei-Schwuppen auch mal sehen, wie das geht – werden wir Ihren Laden nicht einfach von der Platte putzen, zumal dann immer noch die Gefahr besteht, dass Sie sich so tief bei den Nazis reinarbeiten, dass Sie irgendwann nicht einmal mehr operativ getrennt werden können. Nein, wir machen Ihnen ein Angebot, das Sie gar nicht mehr ablehnen können, weil jeder weiß, dass Sie sonst Geschichte sind. Wir übernehmen den ganzen Bums.

Nein, Sie müssen jetzt keine Angst haben. Sie machen einfach Ihren ganzen Mist weiter, genug Erfahrung als Befehlsempfänger sollten Sie in den vergangenen Jahren gesammelt haben. Das ist wie bei einer Firmenfusion, da kommen die Befehle dann halt nicht mehr von oben, sondern von ganz weit oben. Die Hauptsache ist, dass Sie sich an den neuen Stil schnellstmöglich gewöhnen, damit Sie in den nächsten Wahlkämpfen ausnahmsweise mal glaubwürdig wirken und nicht wie das, was jetzt auf Neudeutsch ‚lost‘ heißt. Integrieren Sie Dinge wie das christliche Menschenbild oder eine gewisse konservative Haltung in Ihre Denke, dann klappt es auch wieder mit der Politik.

Ich wusste, dass der Vorwurf kommt. Das war so klar, ich hätte es auf einen Zettel schreiben und in einen Briefumschlag stecken können, der Ihnen nach der Wahl zugestellt wird. Wir von der CSU sind also beliebig. Ich warte ja nur darauf, dass mir Ihr Pott-Pinocchio Populismus vorwirft. Wir haben die politischen Milieus von SPD und Liberalen in unser Spektrum integriert, da wusste Ihre Kanzlerin noch nicht mal, dass das erlaubt ist. Die CSU ist nicht umsonst ein Parteienaufsauger, wir machen in Bayern vor nichts halt. Diese ganzen Regionalbazis werden absorbiert, da braucht’s keine BVD, keine SPD und keine Durchtriebenenverbände mehr, das machen wir alles selber. Demnächst werden die Deppen vom Aiwanger an die Wand gedrückt, dann ist wieder Ruhe und Gemütlichkeit.

Als freundliche Übernahme würde ich das jetzt auch nicht unbedingt bezeichnen wollen, wir lassen Ihnen ja keine andere Wahl, wenn wir uns auf das gesamte Bundesgebiet ausdehnen. Feindlich auf der anderen Seite aber auch nicht, denn Sie behalten ja alle Ihre Mandate und sämtliche damit verbundenen Nebenverdienste. Bezeichnen wir es mal als eine freindliche Übernahme, das liegt irgendwo in der Mitte und hört sich auch halbwegs bayerisch an.

Sie wollen im Gegenzug als CDU in Bayern antreten? Das halte ich für gefahrlos möglich, Sie werden sich den Kopf kaum an der Fünf-Prozent-Hürde stoßen. Ich nehme an, statt wie bisher Ihre komplett durchgenudelten Parteiversager in der EU zu entsorgen, schicken Sie die jetzt nach München? Wir bauen gerne, und ein neues Landesirrenhaus in zentraler Lage käme uns ganz gelegen. Ja, machen Sie ruhig. Wir haben da eine gewisse Neigung, den anderen beim Scheitern zuzusehen. Das klappt im Moment bei Ihrem Kirmeskasper hervorragend. Zur Not können wir als disziplinarische Maßnahme die Fraktionsgemeinschaft im Bundestag aufkündigen, dann haben Sie einen Vorgeschmack auf das, was noch kommt. Umfrageergebnisse? Sie sind lustig. Das sind Ihre Umfrageergebnisse. Zweiundzwanzig Prozent. Und wissen Sie was, der CSU ist es doch völlig egal, wer unter ihr Bundeskanzlerin wird.“





Saure Gurken

23 08 2021

„… nicht in seinem Haus angekommen sei. Die Personenschützer hätten allerdings nicht bemerkt, dass der nordrhein-westfälische Ministerpräsident tatsächlich die Staatskanzlei verlassen hätte, so dass der Verbleib von…“

„… es auch im Verlauf der Vormittagsstunden kein Lebenszeichen von Laschet gegeben habe. Die CDU-Spitze habe mit 13 zu 10 Stimmen bei 75 Enthaltungen bekräftigt, ihren Vorsitzenden in jeder Lage weiterhin als…“

„… es auch keine Hinweise darauf gegeben habe, dass er sich zum Nachdenken zurückziehen wolle. Eine handschriftliche Notiz in Laschets Dienstwagen auf einer Papierserviette laute 10:30 Irgendwas mit Brückenscheiß und sei erst nach gründlicher Durchsuchung des…“

„… am Mittag ein Fax eingegangen sei, dass der Spitzenkandidat der Union entführt worden sei und an einem geheimen Ort gefangen gehalten werde. Die Täter würden sich zeitnah bei den Behörden melden und eine genaue Liste ihrer…“

„… dass ein Bekennerschreiben gar nicht nötig sei, um die Urheberschaft der Grünen unter der Leitung der Antifa GmbH zu beweisen. Als genauer Kenner der linksextremistischen Terrorszene habe Polenz gefordert, sofort die staatlichen Zahlungen an die antifaschistischen Staatsfeinde einzustellen, bevor sie die Kirche verstaatlichen und den…“

„… zunächst nicht aufgefallen sei, dass die Entführer die Durchwahl des Krisenstabes kennen würden, obwohl diese nicht in den Medien genannt worden sei. Liminski vermute, dass es sich um die Nummer des Gremiums handeln könnte, die bereits während der Flutkatastrophe im…“

„… mit den Medien abgesprochen habe, dass die Berichterstattung sehr zurückhaltend sein werde. Es sei daher überraschend, dass Einladungen zur Pressekonferenz in Berlin bereits vor der ersten Polizeimeldung erfolgt seien, so dass sich die Ermittler nicht mehr auf die offiziellen…“

„… sich als Grüne Armee Fraktion zu erkennen gegeben hätten. Die Freilassung des Kanzlerkandidaten werde erst nach der Wahl zum Deutschen Bundestag erfolgen, wenn die von den Terroristen genannten Forderungen an die…“

„… sei es der Polizei bisher nicht gelungen, den Entführungsverlauf zu rekonstruieren. Da die Täter aber auf drei Sicherheitsfragen korrekt geantwortet hätten, gehe man davon aus, dass sich der CDU-Vorsitzende in der Gewalt der…“

„… dass ein Anruf des Entführten beim SEK eingegangen sei, bei dem Laschet selbst gesprochen habe. Der Ministerpräsident habe seine Frau in dem Telefonat angewiesen, für den nächsten Abend noch saure Gurken zu besorgen und sie in den restlichen Kartoffelsalat zu schneiden. Ziemiak habe die Authentizität der Aufnahme bestritten und werde natürlich nun alle zur Verfügung stehenden…“

„… gehe es in erster Linie um Deutschland und die nationale Sicherheit, auf die alle Bürger weiter vertrauen dürften. Merz habe sich sofort angeboten, auch ohne Wahl als Kanzler der…“

„… alle Stadtviertel von Düsseldorf von einer Hundertschaft der Bereitschaftspolizei durchkämmt worden seien. Es sei durch das Vorzeigen einer Fotografie zu bekannten Ergebnissen gekommen, die auch durch die CDU-Wahlplakate aufgetreten wären, dass nämlich durch die Ansicht ein starker Rückgang der Wahlprognosen für die…“

„… den Leiter der Stabsstelle irritiert habe. Die Entführer hätten von der Union gefordert, umgehend den Spitzensteuersatz zu halbieren, was eine Entlastung zahlreicher Millionäre nach sich gezogen hätte. Zur Erklärung habe eine Sprecherin der nach eigener Aussage linksextremen Bande gesagt, man wolle durch diese Maßnahme die Bundesrepublik finanziell ruinieren und für eine Übernahme durch die Weltrevolution nach dem…“

„… von den Entführern mehrere Flaschen Altbier sowie ein Kilo Zwiebelmett angefordert worden seien. Es gebe zwar keine Erklärung dafür, dass diese Lebensmittel nachts im Garten von Laschets Wohnhaus deponiert werden sollten, das SEK gehe dabei aber einem Verdacht nach, der sich durch Nachrichten der Entführer und des…“

„… in einer weiteren Botschaft die Abschaffung der Mineralölsteuer fordern würden. Ziemiak sehe das Vorgehen der Grünen Armee Fraktion als vollkommen unlogisch und habe damit den Beweis, dass es sich tatsächlich um eine Gruppierung handle, die der Spitzenkandidatin der ökostalinistischen Partei in der…“

„… sehe Söder seine eigene Kandidatur als nicht mehr wichtig an. Er werde auch im Falle einer Abwahl Laschets in Abwesenheit seine bereits geplante Rede in der Staatskanzlei zum Anlasse nehmen, sich für das uneingeschränkte Vertrauen der Kanzlerin in die Fähigkeiten des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten zu…“

„… dass die Terroristen den designierten CDU-Regierungschef nur dann am Leben lassen würden, wenn die Bundesregierung mehrere Millionen Euro an seinen Sohn zahlen würden, der sie steuerfrei auf einem Offshore-Konto an der…“

„… in einer nur von innen verschließbaren Abseite im Keller seines Hauses verbracht habe. Laschet sei für mehrere Tage auf etwa zwei Quadratmetern eingesperrt gewesen, habe aber im Sprechkontakt zu seiner Familie und wichtigen Vertrauen aus der Parteispitze gestanden. Weitere Ermittlungen hätten sich an die…“





Spendensammler

22 08 2021

Wer immer sich gefragt hat, wozu denn Berater eigentlich gut seien, wurde bei den Ministranten der Bundesregierung nicht recht schlau; gut möglich, dass die Fähigkeiten im Geldversenken bei mancher Fachkraft noch verbesserungswürdig sind. Dass die Hilfswilligen jedoch bei einer Partei, die weder in der Lage noch willens ist, sich mit dem Regieren abzugeben, wirklich sinnvoll eingesetzt werden, zeigt die für ihren korrupten Lebensstil bekannte Spitzenkandidatin der Nationalsozialisten Weidel. Einmal mehr hat sie sich mit Urlaub im Golfclub samt Luxusmietwagen und digitalem Spielzeug von ihrem Spendensammler ausstatten lassen, natürlich nur für ihre politische Arbeit – was würde einem Parlamentarier spontan anderes einfallen als eine Urlaubsreise nach Mallorca. Selbstverständlich ist das eine infame Lüge der linksradikalen Hetzpresse, die nicht mehr Beweise hat als die eidesstattliche Erklärung des Berliner Unternehmers Friedel Opitz, der gerade noch gemerkt hat, dass er selbst die Selfies geschossen haben muss, die ihn auf der spanischen Insel neben der Nazischlampe zeigen. Damit dürfte der blaubraune Brei da angekommen sein, wo die Union sie als Koalitionspartner haben wollen: im Dreck. Alle weiteren Anzeichen, dass Parteien immer billiger werden, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • ziemiak krank: Als Nutzvieh hätte man ihn schon gekeult.
  • cdu kanzler: Die Kinder macht ja bekanntlich der Papst.
  • merkel wahlkampf: Sie sitzt am Beckenrand und zählt die Bauchklatscher.
  • kabul laschet: Die Taliban lachen zuletzt.
  • corona nrw: Sie sind halt nicht nur beim Schadstoffausstoß klasse.
  • scholz vizekanzler: Der SPD war schon immer wurst, wer unter ihr regiert hat.
  • söder plakate: So würde er ja nie am Wahlabend die Grabrede auf das dicke dumme Ding halten können.
  • cdu auflösung: Sehr viele werden ohne Mandat keine Nebenjobs mehr haben und müssen arbeiten.
  • spd kommunisten: Eher wird die CDU konservativ.
  • giffey plagiate: Am Ende hat sie damit noch Chancen als Kanzlerin.
  • laschet prozente: Unter vierzig trinkt der nichts.