Ausgeglichener Haushalt

3 11 2021

„Aber keine Steuererhöhungen!“ „Und wie sollen wir das sonst finanzieren?“ „Indem wir die Steuern nicht erhöhen.“ „Das ist keine Finanzierung.“ „Aber auch keine Steuererhöhung.“

„Ich glaube nicht, dass wir auf diese Weise eine Regierung…“ „Sehr gut, dann gibt es nämlich keine Steuererhöhung.“ „Moment mal, einer von uns ist nicht zwingend Teil einer Regierungskoalition.“ „Ich weiß, aber ich habe versprochen, dass es keine Steuererhöhungen geben wird.“ „Man kann nicht immer alle Versprechen halten.“ „Ich weiß, zum Beispiel Ihr Versprechen, dass es Steuererhöhungen geben wird.“ „Können Sie eigentlich auch noch an irgendetwas anderes denken?“ „Höchstens an Steuersenkungen für Besserverdienende.“

„Ich sehe schon, wir müssen das Thema von der anderen Seite angehen.“ „Machen Sie das, ich will nur keine Steuererhöhungen.“ „Wir brauchen auf jeden Fall Investitionen für den Mittelstand.“ „Das sehe ich auch so, die schaffen Mehreinnahmen, die uns zu Steuersenkungen…“ „Das Geld muss doch erst mal verdient werden!“ „Eben, und wie wollen Sie den Mittelstand dazu bringen, höhere Steuern zu zahlen von Geld, das er noch nicht einmal hat?“ „Woher nehmen Sie denn dann das Geld für die Investitionen?“ „Man könnte zum Beispiel in den weniger wichtigen Bereichen viele Subventionen abbauen, dann sind da auch wieder freie Mittel für Steuersenkungen.“ „Nennen Sie mir mal einen der weniger wichtigen Bereiche.“ „Ich weiß nicht, da müssten wir mal sehen, wo zu viele Steuern gezahlt werden.“ „Also Sie wissen es nicht.“ „Ich muss mich damit nicht beschäftigen, das muss ich erst, wenn ich Finanzminister bin.“ „Ist das der einzige Grund, warum Sie Finanzminister werden wollen?“ „Natürlich nicht, ich will ja auch Steuererhöhungen verhindern.“

„Dann würde ich zunächst mal unsinnige Dinge wie das Dienstwagenprivileg abschaffen.“ „Das ist nichts anderes als eine Steuererhöhung.“ „Und zwar eine Zahlung von denen, die es sich eh leisten können.“ „Sie wollen alle mit Steuererhöhungen bestrafen, die es sich leisten können, Steuern zu zahlen!“ „Wenn man keine Steuern zahlt, kann man auch schlecht eine Steuererhöhung bekommen.“ „Deshalb müssen wir ja auch Steuern senken, damit es keine Steuern mehr gibt!“ „Und wenn die Bürger keine Steuern mehr zahlen, wo wollen Sie dann Steuern senken?“ „Keine Ahnung, noch bin ich ja auch nicht Finanzminister.“

„Wenn Sie keine Schulden machen wollen…“ „Wir werden mit Sicherheit die Steuersenkungen nicht durch Schulden finanzieren.“ „Wer hat denn hier von Steuersenkungen gesprochen?“ „Wenn wir auf Steuererhöhungen verzichten, dann darf das nicht zu Schulden führen.“ „Und wie finanzieren wir dann die bisher aufgeschobenen Reformen?“ „Wir könnten auf Wachstum hoffen, das aus den Steuersenkungen entsteht.“ „Das heißt, so genau wissen Sie es auch nicht.“ „Wenn wir die Steuern senken, ist Wachstum nicht ausgeschlossen.“ „Wenn man den Vermögenden mehr Kapital lässt, dann investieren sie es nicht, sondern legen es an.“ „Ich habe ja nicht gesagt, wo das Wachstum aus den Steuersenkungen entstehen soll.“ „Jedenfalls steht es so nicht mehr für Investitionen zur Verfügung.“ „Sie wollen also nur die Steuern nicht senken, weil Sie nicht hundertprozentig sicher sind, ob sich dann Wachstum entwickelt?“ „Haben Sie einen anderen Vorschlag?“ „Wenn wir technologieoffen sind, dann haben wir noch genug Luft für Steuersenkungen.“ „Was bedeutet das?“ „Wir senken die Steuern, dann können sich die Investoren aussuchen, in welche Technologie sie investieren.“

„Gut, ich fasse zusammen: wir senken Steuern, dann haben ein paar Kapitaleigner noch mehr Geld und legen es in Technologieaktien an.“ „Ich weiß nicht, ob das hundertprozentig so funktioniert, aber solange wir damit Steuern senken können, bin ich da ganz Ihrer Meinung.“ „Damit werden wir keines der aktuellen Probleme lösen.“ „Das ist gut, das heißt, dass wir durch Steuersenkungen auch keine neuen Probleme schaffen.“ „Bis auf den Zwang zu neuen Schulden.“ „Dann müssen wir natürlich die Steuern noch mehr senken, weil wir sonst nicht das Wachstum haben, um die Schulden auszugleichen.“ „Aus der einen Tasche raus, rein in die andere.“ „Ich werde das als Finanzminister sicherlich prüfen, ob wir mit dem Modell Steuern senken können.“

„Wir haben uns noch gar nicht über Klima und den Sozialhaushalt unterhalten.“ „Das können wir uns alles leisten durch die neuen Technologien, die wir mit Steuersenkungen finanzieren.“ „Bis jetzt sind nur schnellere Genehmigungsverfahren von Ihnen genannt worden.“ „Das spart Zeit, wodurch wir auch viele Steuergelder sparen, die wir dann als Steuersenkung direkt an den Mittelstand…“ „Sie wollen also im Sozialbereich schnellere Verfahren durchsetzen?“ „Erstmal nur bei Steuersenkungen, wir können ja kein Geld ausgeben, das wir nicht haben.“ „In anderen Worten, es wird Einsparungen im Sozialhaushalt geben.“ „Irgendwie muss man die Steuersenkungen ja gegenfinanzieren.“ „Das haben Sie ja erstaunlich gut kapiert.“ „Sie sehen, ich werde als Finanzminister eine hervorragende Ausgangsposition schaffen, damit wir die Reformen der kommenden Jahre im Blick behalten.“ „Lassen Sie mich raten: Steuersenkungen?“ „Wir wollen es nicht übertreiben, für den Anfang müssen wir jede Steuererhöhung vermeiden.“ „Und was machen wir im Sozialhaushalt?“ „Ich habe mir mal angesehen, was diese Arbeitslosen und Sozialfälle alles hinten und vorne reingesteckt bekommen – das kann man doch alles besteuern, oder etwa nicht?“


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