Gernulf Olzheimer kommentiert (DXC): Das Komplettversagen der Politik

12 11 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Revolutionen brechen aus, wenn ein Volk zwar beherrscht, nicht aber regiert wird. Es geht nicht um die langfristige Verdrossenheit, die mit der ebenso langfristigen Verschlechterung der Verhältnisse einhergeht. Denn die Lebensbedingungen sind nicht oder selten allein durch politische Unterdrückung so beeinträchtigt, dass die Masse sich erhebt. Erst wenn das Fressen unmöglich wird, bemerken die Regierten, wie es um die Moral steht, kurz: wo die Herrschenden ihre Legitimation zur Macht suchen. Dass der Fürst feiert, während es im Lande brennt, ist dann nur noch ein Auslöser. Die Politik, wie wir sie kennen, versagt, und sie versagt komplett.

Die Karnevalspräsidenten der westlichen Welt organisieren derzeit allenfalls eine Spaßgesellschaft für Finanzeliten, während der Rest sich gegenseitig die Haare schneidet, um Geld für die Altersvorsorge auf die Seite legen zu können. Allein dies ist keine akute, es ist eine geplante Entwertung sämtlicher Lebensleistung, wenn sie nicht durch Erbe oder Kapitalakkumulation einen Startvorteil hatte; dass Leistung nur ein anderes Wort für Besitz ist, hat sich so weit etabliert, dass es auch von den Armen nicht mehr hinterfragt wird. Dementsprechend ist die Reaktion der Bevölkerung im Krisengemenge aus Klima-, Pandemie- und Sozialkatastrophe noch wie ein Kindergeburtstag, der nicht richtig in Fahrt kommt, weil immer dieselben Spiele aufgetischt werden. Die Folgen sind bereits bekannt, man sieht höchstens rhythmisches Däumchendrehen während der Havarie, einer schiebt den anderen die Schuld zu, eine geschäftsführende und eine noch nicht gewählte Regierung kreiseln um das Machtvakuum im Innern eines schwarzen Lochs. Die Tatkraft, mit der die amtierenden Nichtregierungsorganisationen den Untergang verwalten, könnte man gerade gut gebrauchen, um der kollektiven Überlastung der Menschheit zu begegnen.

Denn wir sehen die Verkehrung der Umstände gut. Eine Rotte hirnentkernter Jammerlappen säuft sich einen Lackschaden an, geht den Regierenden mit einem wirr zurechtgeschwiemelten Weltbild aus schizoider Psychose und Lügenmärchen auf den Geist und bekommt Gehör, weil sie durch drohende Lautstärke und kognitiv suboptimiertes Gefasel die halbwegs vernünftigen Stimmen niederbrüllen, die schon lange vor der Zerstörung gewarnt haben und damit nicht in die Jubelchöre passen, die uns das Weiter-so-Lied in den Cortex ballern. Unterdessen verabschiedet sich die systemrelevante Basis und lässt sie den Dreck alleine machen, den sie uns mit freundlichen Grüßen irgendwann vor die Füße kippen wird, weil keiner mehr weiß, wie man damit umgehen soll. Bis dahin aber werden sie ihnen lieb und geduldig zuhören, bürgernah und der Zukunft zugewandt, werden ihnen schmutzigrote Teppiche ausrollen, ihrem Geseier lauschen aus aggressivem Opferrollenspiel, tapfer die Realität ignorierendem Kindermärchen und einem Anspruchsdenken, das ihnen diese Ichlinge seit Jahrzehnten vorleben. Am Ende bleibt der Verdacht hängen, dass Demokratie nicht die Lösung ist und eine Diktatur auch ihren Charme haben könnte, nachdem die liberale Idee von einer Rotte korrupter Darmleuchter an die Wand gefahren wurde.

Der Preis wäre denkbar gering, wenn man es denn einmal mit Vernunft versuchen würde – es gehört ja zu den Paradoxien, dass sich unter den Regierten immer genug finden ließen, die einen rationalen Kurs geduldig mittragen und solidarisch unterstützen würden, selbst wenn man ihnen lange genug vermittelt hat, dass Gemeinsinn Schwäche ist und Weisheit nur dazu dienen darf, den Gewinn zu maximieren. So gilt eine Jahrhundertflut alle paar Monate auch als Segen fürs Land, wenn man mit Schlauchbooten etwas daran verdient. So kauft sich die Politik das, was sie desto weniger hat, nämlich Zeit, und schafft sich nebenbei ab. Was mittelfristig das Gemeinwesen, Straßen und Häuser, Kliniken und Konzerne, das Gesundheits- und Rentensystem nebst den globalen Äckern für unser Brot angeht, es lässt sich alles berechnen, wenn man nur auf die hören würde, die es längst berechnet haben. Die Zahlen werden mit jedem Tag beschissener, sie aber warten ab, bis sie alles nicht mehr sehen müssen, da die Scheiße ihnen schon über die Schädel schwappt.

Die Revolution lässt auf sich warten, obwohl es kaum noch Alternativen gibt zu einem Aufstand gegen den völlig verseiften Koordinationsmüll, der sich aktuell als Führungselite ausgibt. Die einzig denkbare Erklärung dürfte sein, dass die Regierung die Paranoiden gewähren lässt, da die Vernünftigen nicht riskieren wollen, mit diesen Idioten in einen Topf geworfen zu werden. Was also sagt es aus über einen Staat, der freiwillig gelähmten Sitzzwergen die Selbstabwicklung erlaubt und sich dabei auch noch koordinierend andient, um den Karren über die Klippe zu kriegen? Als wäre die Organisation einer Republik ein Plausch um Glaubensfragen, aus dem man sich wegen chronischer Unlust entfernt, so sieht diese Raumkrümmung aus. Vermutlich sind wir alle selbst schuld, weil wir das gewählt haben, aus Eigenverantwortung und weil einer dafür die Rübe hinhalten muss. Das klingt so logisch und geradezu vernünftig, das darf nicht wahr sein.