In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXX)

20 11 2021

Roger fragt beim Bäcker in Trannes,
ob er wohl ein Brot haben kann.
Er rief schon so lange
vom Ende der Schlange,
er war ja noch lange nicht dran.

Negrito stand in El Factor
am Samstag stets hinter dem Tor
und jubelte schallend,
weshalb er missfallend
auch krächzte dann im Kirchenchor.

Der Wein von François war in Soucht
bei allen begehrt. Eine Wucht,
fand man schon beim Naschen
und feilscht um die Flaschen.
Man schlug ihn beinah in die Flucht.

Sieht Kjeld man, der in Overlade
aufs Rad steigt, fährt er ans Gestade,
ganz quer über Felder
und Straßen und Wälder.
Er nimmt immer nur die Gerade.

Fabienne geht mit Hut oft durch Vicq.
Genügt ihr im Spiegel ein Blick,
so fasst sie in Eile
herauf auf die Beule
und gibt ihm gekonnt einen Knick.

Wer Wellington sieht in Imbert,
wie er seine Hauseinfahrt kehrt,
der sieht einen Reiter
und stutzt und geht weiter.
Er fegt selbstverständlich zu Pferd.

Thierry holt zur Weihnacht in Schwoben
vom Boden, der ziemlich hoch oben,
ein Bäumchen nebst Ketten.
Man kann darauf wetten,
dafür wird man ihn kräftig loben.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXCI): Verantwortungsdiffusion

19 11 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Im achten Jahrhundert war’s, die englische Landschaft besaß noch ihren anfänglichen Charme – man durfte schon damals nicht viel erwarten – und die Gastronomie war nur wenig schlechter als der Rest der Umgebung. Pippin der Mittlere hatte seinen beiden Außendienstmitarbeitern Suitbert und Willibrord die Adresse eines passablen Gasthofs in Camulodunum mit auf den Weg gegeben, wo diese nun auf in schwimmendem Fett gebratene Rüben warteten, wie es dort Sitte ist. Irgendein Scherge hatte die Bestellung aufgenommen, Bier mäßiger Qualität wurde vom Mundschenk gereicht, doch das Mahl ließ und ließ auf sich warten. Irgendwann wurde es einer der Missionsfachkräfte zu bunt, er sprach den Burschen an, der sich so prompt wie knapp aus der Affäre zog: dies, sagte der Aufwärter, sei nicht sein Tisch. Die beiden verpassten ihm unter Zuhilfenahme des Schlagrings eine fröhliche Auferstehung, wie in besseren Editionen der Gesta Romanorum noch heute zu lesen ist, als Beispiel für die frühe, schon seinerzeit unsinnige Anwendung der Verantwortungsdiffusion und wohin sie führt.

Auch ohne verwaltete Welt ist das Phänomen schnell erklärt: um eine vernünftige Handlung auf Grundlage unstrittiger Gesetze auszuführen, bedarf es einiger Personen, die dieses entschlossen und im Rahmen ihrer Befugnis tun, Ermessensspielräume eingerechnet, Sachzwänge ebenso, aber eben nicht im Vordergrund. Was aber die Zuständigkeit einer verbeamteten Kaste angeht, die sich jede Haftung mit der Übernahme des Postens verbittet, so haben wir uns längst in einen schallschluckenden Korridor begeben, in dem auch schriftliche Anweisungen das Halbdunkel der Befehlskette nicht mehr verlassen. Es liegt eine Notwendigkeit vor, die ad hoc aus der uns bekannten Welt geschafft werden muss, Flut oder Vulkanausbruch, und es bedarf offensichtlich eines Erdbebens, bis einer der Entscheidungsträger aufwacht, um seinen verschissenen Job zu machen.

Geradezu spieltheoretisch lässt sich auch die Aufgabenverteilung in der Organisation kleiner Gruppen erklären, in der vier bis sieben Grützköpfe gemächlich zuschauen, wie das Wasser bis kurz unter die Zimmerdecke steigt, bis sich einer findet, der den Stöpsel zieht – nicht der, der gut taucht, aber er hat nicht die größte Lust, mit den anderen abzusaufen. Die anderen paddeln derweil umher, stets einen klugen Kommentar auf den Lippen, dass sie es schneller und besser gekonnt hätten, eher sowieso, wenn man sie nur nicht durch kollektive Passivität an ihrer kollektiven Passivität gehindert hätte. Nicht umsonst ist das Wort Team längst in Verruf, nur Akronym zu sein für: Toll, ein anderer macht’s. Mit dieser gezielt kontrasozialen Haltung ließen sich ganze Staaten, ja Menschheiten in die Grütze reiten, wenn irgendwo zufällig eine Pandemie um die Ecke linst oder das Klima sich entschlossen hat, ohne diese degenerierten Primaten weiterzumachen.

Natürlich geht im großen Maßstab gewählter Kippfiguren der auf milchmädcheneske Strukturen zurechtgeschwiemelte Plan noch viel besser auf; bevor Passierschein A38 abgestempelt wird, muss der Widerstand der gesamten Materie überwunden werden, der sich gegen die eigenen Vorschriften sträubt. Sonst können auch die Mächtigsten gar nichts tun. Läuft es richtig gut, verstecken sie sich dafür hinter ihrer Verantwortung, die sie gar nicht erst übernehmen, und es geschieht genau nichts. Das muss dann politisch erklärt oder entschuldigt werden, notfalls haben die anderen es verhindert, aber hier sind wir auf Nebenkriegschauplätzen. Die gefühlte Schuld wird durch die große Zahl an Teilnehmenden dividiert immer geringer und damit unfühlbar. Da wir ohnehin nicht mehr in der Lage sind, eigenes Fehlverhalten einzugestehen, erst recht nicht in Machtpositionen, driften Verleugnen und Verdrängen in eine realitätsallergische Form von Selbstrechtfertigung, die mittlerweile als fester Bestandteil der Politikerpsyche vorausgesetzt wird.

Irgendwann nehmen wir diesen Unfall, den das gesellschaftliche Leben darstellt, nur noch wahr wie einen zufälligen Zusammenstoß, um den man sich auf der Straße schart, ein paar Leute gaffen, manche haben aus Prinzip die Hände in den Hosentaschen, und alle wissen: das wird böse enden. Jeder würde etwas tun, sobald ein anderer vor ihm anfängt. Es ist der einzige Moment, in dem die sonst abhanden gekommene Impulskontrolle einwandfrei klappt, weil sich die Zuschauer beim Zuschauen zuschauen und gar nicht genug bekommen von ihrer Ignoranz. Natürlich lehnen wir diese Einfaltspinselei ab, sind aber von der eigenen Unschuld überzeugt, da auch die anderen sich nicht bewegen. Das ganze System gleicht einem Verantwortungsmikado, das weder Fehler noch Schwächen, nicht einmal ein normales Verantwortungsbewusstsein duldet, schon gar nicht, wenn die Rollen der Verantwortungsträger längst mit intellektabstinenten Quotenwürstchen besetzt sind, die man ab Werk unzurechnungsfähig gekauft hat und von denen man eine Reflexion ihres Tuns nie erwartet hat. Die Welt wird komplexer, die wir uns selbst geschaffen haben, und es genügt, wenn jemand daran schuld ist. Er muss ja nichts damit zu tun haben. Hauptsache, alles bleibt, wie es ist.





Aussperrung

18 11 2021

„… schließe die Koalition auch weiterhin jede Impfpflicht aus, da sie einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Grundrechte darstelle. Stattdessen setze man auf eine strikt eingehaltene Regel, nur Geimpfte und Genesene in den…“

„… dürften nicht geimpfte Bürger ohne einen negativen Schnelltest sich nur noch zu bestimmten Anlässen außerhalb ihrer Wohnung aufhalten. Dies solle von der Polizei stichprobenartig kontrolliert werden, wobei sich schon die Ergebnisse der letzten Ausgangssperren im vergangenen Jahr für ein…“

„… obliege es den Arbeitgebern, ob die nicht geimpften Angestellten weiterhin bei ihnen arbeiten dürften. Um die beiden Bestimmungen rechtlich aneinander anzupassen, habe sich die Koalition entschlossen, auch den Arbeitsweg als notwendige Verrichtung zu gestatten, die ohne Impfung oder negativen Test von allen…“

„… nur zu Einkäufen die Wohnung verlassen dürften. Lindner verlange eine weite Auslegung des Begriffs, da nicht nur lebensnotwendige Güter wie Brot, Champagner und Kokain für die Wirtschaft zu den relevanten…“

„… Personen mit Hund aber nicht kontrolliert würden, da man davon ausgehe, dass sich der Aufenthalt in der Öffentlichkeit nicht vermeiden lasse. Es fehle allerdings an einer Rechtsgrundlage, um auch zu prüfen, ob es sich bei den angetroffenen Passanten auch um den jeweiligen Hundehalter handele oder ob das Tier nur ein…“

„… dass die Wahrnehmung staatsbürgerlicher Interessen gewahrt bleiben müsse. Für die Liberalen stehe außer Zweifel, dass auch ordnungsgemäß angemeldete Massendemonstration, die zum Sturz der Regierung aufrufen würden, unter den nötigen Auflagen weiterhin im…“

„… sei 3G in Verkehrsmitteln der Deutschen Bahn AG nicht durchsetzbar. Das Personal könne nicht gleichzeitig Fahrausweise und Zertifikate im Zugverkehr testen. Man riskiere bei Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften eine Quote von 100%, die sich vorsätzlich der Beförderungserschleichung in Tateinheit mit schwerer…“

„… dürften nicht geimpfte Personen, die sich ohne einen gültigen Corona-Test im ÖPNV auf dem Weg zur Arbeit aufhalten würden, nicht schlechter gestellt werden, wenn sie am Arbeitsplatz nicht auf ihren Status geprüft würden. Für Kubicki wiege die Freiheit, unter allen riskanten Bedingungen weiter am Arbeitsleben teilzunehmen und damit das Risiko der Leistungsträger auf sinkenden Gewinne zu minimieren, höher als die sozialistischen Zwänge einer linksgrünen…“

„… fürchte die Deutsche Polizeigewerkschaft durch erhöhte Kontrolldichte im Freizeit- und Gastronomiebereich eine starke Zunahme an Körperverletzungs- oder Kapitaldelikten. Wendt kritisiere scharf, dass das Gewaltmonopol des Volkes durch eine erkennbar linksfaschistische SPD-Terrorregierung zerstört werde, damit die Durchsetzung des illegalen…“

„… noch einmal für alle Mitarbeiter bekräftigt habe. Der Vorstandsvorsitzende Lutz habe in den Verkehrsbetrieben im Ausland mehrfach gesehen, dass Kontrollen in Zügen und Bussen schnell und sicher und nie zum Nachteil der Reisenden möglich seien. Dies sei ein sicheres Zeichen dafür, dass es in der Deutschen Bahn nicht durchsetzbar sei, aus technischen und organisatorischen Gründen gar nicht funktionieren könne und daher niemals im…“

„… auch ein Spaziergang nicht ordnungswidrig sei, wenn er nicht durch das Verharren auf einer öffentlichen Parkbank unnötig ausgedehnt werde. Bis zu einer höchstrichterlichen Entscheidung werde man die Kontrollen der…“

„… ungeimpfte Arbeitslose einen erheblichen Grundrechtsnachteil zu tragen hätten, da sie nicht wie werktätige Personen mehrmals pro Woche die Wohnung aus einem wichtigen Grund verlassen dürften. Die FDP sei empört über diese sozial nicht zu rechtfertigende Diskriminierung. Lindner habe sich enttäuscht geäußert, dass seine Partei nicht die Erwerbslosen im Wahlkampf umworben habe, um sie jetzt bereits in der Regierungsbildung zu…“

„… sei nicht eindeutig geregelt, ob nur der Einkauf für den eigenen Haushalt als genehmigtes Verlassen der Wohnung gelte. Man dürfe auch bei Nachbarschaftsdienstleistungen wie dem Erwerb eines einzelnen Brühwürfels für eine Person im angrenzenden Landkreis nicht von einer gezielten Überschreitung der gesetzlichen…“

„… den Infektionsschutzstatus auch in den Betrieben prüfen wolle. Dies komme für Lindner einer Aussperrung gleich, der die Wirtschaft vor dem Bundesverfassungsgericht mit einem…“

„… würden Pflegekräfte von einen Lockdown profitieren, weil sie dadurch nicht mehr so stark ausgelastet seien. Der geschäftsführende Minister im Gesundheitsressort wolle sie daher auch zu Kontrollen im öffentlichen Raum verpflichten, die sich sogar für Aussteiger aus der…“

„… auf mehr einverantwortliches Handeln setze. Es sei für Wissing durchaus denkbar, dass Fahrgäste beim Zusteigen gegenseitig ihre Tickets kontrollieren würden. Die Liberalen würden nicht auf proletarisches Fehlverhalten wie Solidarität setzen, wüssten aber aus Erfahrung, dass es die gute deutsche Tradition des Denunzierens gebe, die eine gesunde Konkurrenz innerhalb der…“

„… nicht am Wochenende oder nach Einbruch der Dunkelheit gelte. Außerdem habe die Koalition angekündigt, dass es selbstverständlich Ausnahmen geben werde, beispielsweise in der Zeit vom Rosenmontag bis einschließlich…“





Mief

17 11 2021

„Gucken Sie mal eben nach, ob der noch lebt, und wenn er noch nicht tot ist, dann fragen Sie mal, ob er auftreten kann. Aha. Seit wann? Dann hat sich das wohl erledigt. Müssen wir die nächste Sendung mit Gottschalk irgendwie anders hinkriegen.

Sie wundern sich vielleicht, wo wir den ganzen alten Kram her haben, wir wundern uns, dass das jetzt erst wieder jemand haben will. Die Schlager aus den letzten zwanzig Jahren, das macht doch Zahnschmerzen, wenn man nur daran denkt. Die aus den Siebzigern, die wollen die Leute hören. Die meisten sind inzwischen ja längst in den Siebzigern, Gottschalk auch, da fällt das dann nicht so auf, und die ganzen Hupfdohlen sowieso. Vermutlich eine Art Regression, dass die Leute sich wieder jung vorkommen wollen. Innere Konflikte, Klimawandel oder Alte-weiße-Männer-Mimimi, keine Ahnung. Wir beraten ja nur, aber wir haben hier Dutzende von Anfragen, ob wir die Uhr nicht zurückdrehen können, bis wohin und für wie lange. Geld spielt da offenbar keine Rolle.

Hier, dieser andere Typ, der mal die Sendung mit dem Dings gemacht hat, tritt der noch auf? Aha. Und nach so einem Schlaganfall kann man nicht mehr moderieren? Ich meine ja nur. Wie gesagt, an der Gage soll’s nicht scheitern, aber der kann nicht mehr sprechen? Nee, kann man nicht machen. Das gibt nur negative Vibes. Dann lieber noch mal den Eumel, der bei der Rateshow immer so genuschelt hat, den konnte auch keiner ausstehen, aber der ist wenigstens noch nicht tot. Oder sieht nicht tot aus, so genau kommt es ja heute nicht mehr darauf an. Die Leichen werden halt auch immer jünger.

Wenn wir Schäuble da reinrollen, wäre das okay? Der verbreitet zuverlässig schlechte Laune, man erinnert sich sofort an die CDU-Spendenaffäre, das wäre eine großartige Besetzung. Rufen Sie den ruhig mal an, für Geld macht der alles. Vielleicht kriegen wir den sogar für eine Ratesendung, zehn braune Briefumschläge, und er muss rauskriegen, welcher in seinem Schreibtisch gelegen hat. Das ist super, schreiben Sie das mal gleich auf. Wir warten noch ein paar Jahre, bis Spahn und seine Pappnasen in der Versenkung verschwunden sind, und dann machen wir mit dem eine Rateshow – ‚Wer wird Millionär‘. Doofe Frage, Spahn natürlich.

Im Grunde könnte man heute schon die Fragen schreiben, vielleicht erinnert sich in dreißig Jahren keine Sau mehr an diese Arschgeigen, weil sie irgendwann in den Klimawirren gewaltig aufs Dach gekriegt haben. Wenn wir diesen Carpendale jetzt aus dem Verkehr ziehen könnten, hätten wir auch gleich den passenden Sänger. Der macht immer mal wieder eine Abschiedstour, dann gibt es Abschied vom Abschied, dann Abschied vom Abschied vom Abschied, und so weiter, und wenn wir den auf die Schnelle ausstopfen oder einfrieren, dann läuft die Sache. Den Schmodder können Sie auch noch in fünfzig Jahren singen, das fällt nicht auf.

Der Witz ist ja, selbst dieser ganze Retrokram ist nicht neu. Alles schon mal da gewesen, und viel schlimmer als jetzt. Vor hundert Jahren, da mussten Sie sich nur irgendwo auf eine Bühne stellen und greinen: ‚Unter dem Kaiser hätte es das aber nicht gegeben!‘ Wenn Sie Nazi sind, erzählen Sie halt irgendwas mit dem Führer, DDR kommt im Osten auch gut an, ansonsten war früher grundsätzlich alles besser. Wahrscheinlich war vor fünfzig Jahren das Internet schneller oder im Sommer war es nicht so warm, aber es gab noch die D-Mark, die Mauer und die Sowjetunion, Sendeschluss im Fernsehen und zwei Sorten Brause und Magnetseife und ein Sandmännchen Ost und ein Sandmännchen West, und heute kann man mit dem Frauenbild der Fünfziger noch locker Karriere in der deutschen Bundespolitik machen. Das ist wie Toast Hawaii, irgendwann kommt alles wieder. War damals schon scheiße, aber jetzt will das keiner zugeben.

Schreiben Sie mal auf: Rechercheprojekt über ersten Jahre nach Merkel. Was haben die Leute da gedacht, gesehen, gehört, Mode, Musik, Zeitgeist, der ganze Mief halt, den wir in den nächsten zehn bis dreißig Jahren verdrängen. So als Zeitkapsel. Das könnte man jetzt schon als Sendereihe planen, mit O-Tönen und Kommentaren, und wenn wir Glück haben, können wir dann die Originale mit ihren Kommentaren von heute, also dann: von damals, konfrontieren. Gut, ist jetzt auch irgendwie dialektisch, aber ich glaube nicht, dass in dreißig Jahren noch irgendwer diesen Ansatz intellektuell nachvollziehen kann, also hoffen wir mal, dass es dann noch irgendwie witzig ist.

Andererseits könnte man das psychoanalytisch aufarbeiten und den ganzen Knalltüten eintrichtern, die unbedingt ihr Deutsches Reich ohne Ausländer wiederhaben wollen und diskriminierende Namen für Schokoladenküsse und Paprikaschnitzel, weil das immer schon so war. Wir müssten mal über eine Einrichtungssendung nachdenken, in der wir die Wohnungen von diesen Leuten mit dem Sperrmüll ihrer Großeltern vollschaufeln, mit Nierentischen, Räuchermännchen, Musiktruhen, mit Tütenlampen und Cocktailsesseln und diesem ganzen kulturellen Rückwärtsgang, der irgendwo in den embryonalen Nullpunkt will, wo es keine Verantwortung gibt, der optimale Safe Space für alle, die die Nase voll haben vom Erwachsensein. Ich glaube, wir haben hier ein gutes Konzept, arbeiten Sie das bitte mal aus, wir bräuchten sechs Sendungen, Moderation, Einspieler, thematische Schwerpunkte, und eine Kulisse, voll Retro-Style. So, und ich will jetzt für die nächsten beiden Stunden bitte nicht gestört werden, gleich kommt Friedrich Merz.“





Neue Technologien

16 11 2021

„… die Gefahren, die von dieser Entwicklung ausgehen würden, jetzt noch gar nicht überblicken könnten. Nach Ansicht der alternativen Ingenieure sei das Automobil in der Zukunft für eine Vielzahl von Todesfällen im…“

„… sei eine vernünftige Benutzung des Autos in Deutschland nicht möglich. Dass dies in anderen Staaten behauptet werde, sei für viele Kritiker der Kraftfahrt nur ein Hinweis darauf, dass es noch keine verlässlichen Studien zu den Auswirkungen der neuen technischen…“

„… die medizinische Erkenntnis, dass jede Beschleunigung, die über die Fahrt in einer Kutsche hinausginge, unmittelbar tödliche Folgen für einen Menschen haben könne, in zahlreichen Artikeln und Internetvorträgen dargelegt habe. Einen Beweis für diese These müsse Streeck nicht erbringen, da er es in einer Veröffentlichung gelesen habe, die er selbst im Rahmen einer…“

„… hätten Fußgängerüberwege noch nie einen Unfall mit Personenschaden verhindert. Lindner sei nicht davon überzeugt, dass ein bußgeldbewehrter Zwang zum Anhalten ein Menschenleben rette, und werde notfalls vor dem Bundesverfassungsgericht für die Selbstbestimmung der…“

„… sei Deutschland nur für einen sehr kleinen Teil des Personenverkehrs verantwortlich. Die CDU wolle die Verantwortung erst übernehmen, wenn sich bevölkerungsreichere Nationen wie China oder die Vereinigten Staaten zu einer gemeinsamen vertraglich festgelegten Lösung der zukünftigen…“

„… einen nicht zu rechtfertigenden Eingriff in die Gesellschaft nach sich zöge. Lindner lehne vor allem die Möglichkeit ab, dass sich Bürger, die nicht als Lobbyisten, Parteifunktionäre oder durch andere Formen der organisierten Kriminalität die Mittel zum Erwerb eines Automobils hätten, anders als zu Fuß bewegen dürften. Dies widerspreche der liberalen Idee einer freiheitlichen…“

„… die Risiken, die von Sicherheitsgurten ausgehen würden, noch nicht genau erforscht worden seien. Solange es möglich sei, nach der Verwendung eines Anschnallgurtes an Leberkrebs, einem Schlangenbiss oder Herzinfarkt zu sterben, dürfe die Medizin nicht leichtfertig raten, sich in einem Auto anzuschnallen und den…“

„… den Schiffsverkehr erheblich aufhalte, wenn überall Autobahnbrücken über die Wasserstraßen gebaut würden. Die Kosten für den Straßenbau dürften keinesfalls der Allgemeinheit aufgebürdet werden, die zum großen Teil gar keine Automobile besäßen und deshalb für eine Minderheit ihre…“

„… seit Generationen am Bau von Kraftwagen geforscht worden sei. Viele der Ingenieure, die den Verbrennungsmotor oder die Einzelradaufhängung entwickelt hätten, seien heute tot, was sicher nicht zufällig, sondern aus Gründen des…“

„… keinesfalls bei Regen zu fahren. Zahlreiche Scheibenwischerskeptiker wie Streeck seien davon überzeugt, dass staatlicher Scheibenwischerzwang der Grund für Unfälle auf regennasser Fahrbahn sei, wenn gleichzeitig überhöhte Geschwindigkeit und defekte Bremsen als zufällig eintretendes…“

„… es erst durch das Automobil zu einer Gefahr werde, sich alkoholisiert im Straßenverkehr zu bewegen. Kubicki lehne es daher kategorisch ab, Betrunkene schlechter zu stellen, da diese ebenso unveräußerliche Freiheitsrechte in der…“

„… die Energiesteuer nur dazu diene, Lücken im Staatshaushalt zu schließen. Dies dürfe nicht dazu führen, durch Propagierung des Autofahrens die freiheitsfeindliche Gestaltung eines…“

„… die Sicherheit des Straßenverkehrs in der öffentlichen Diskussion immer wieder bewusst falsch dargestellt werde. Wissing habe erneut darauf hingewiesen, dass weniger Flugzeuge abstürzen als Autos verunglücken würden, was durch eine stark verfälschte Balance in der Darstellung von…“

„… gerne im volltrunkenen Zustand mit überhöhter Geschwindigkeit durch eine Spielstraße fahre. Kubicki betrachte dies als Ausdruck seiner bürgerlichen Freiheit, die er als angesehenes…“

„… ein Tempolimit mit der Kutsche innerhalb weniger Sekunden umsetzbar sei, während dies für den Straßenverkehr seit Jahrzehnten nicht habe erreicht werden können. Die Liberalen würden die Popularisierung des Autos erst dann mit anderen Parteien betreiben, wenn neue Technologien für dies Problem…“

„… es statistisch erwiesen sei, dass in den letzten Jahren mehr Autofahrer als Reiter vor oder nach dem Auslösen eines Airbags verunfallt seien. Dies müsse sich zum Beispiel auch auf Leistungen der deutschen Versicherungswirtschaft auswirken, die nicht mit den Kosten für die…“

„… müssten Maßnahmen zur Eindämmung der Gefahren im Straßenverkehr verhältnismäßig sein und dürften nicht auf alle Bürger ausgedehnt werden. Die Beschränkung einer Fahrerlaubnis auf die Besserverdienenden könne beispielsweise durch die Anhebung der Verkaufspreise für Neuwagen unterstützt werden, wenn dies sozial abgefedert werde, indem Besserverdienende bis zu 300% der Kaufsumme durch eine Rückzahlung ihrer…“

„… nicht bestritten habe, dass er das Auto für nicht gesellschaftsfähig halte und es bei einer Regierungsbeteiligung der FDP verbieten wolle. Nichtsdestotrotz lehne Lindner jede Form eines Fahrverbots auch bei mehrmaligen schweren und vorsätzlichen Verstößen gegen die StVO generell ab und werde lieber nicht regieren, als sich gegen die Interessen der Leistungsträger im…“





Influenza

15 11 2021

„Und was würde Helene Fischer kosten?“ „Das ist gar nicht unsere Zielgruppe.“ „Wollten Sie lieber irgendwas Intellektuelles?“ „Bratwurst würde zur Not genügen.“ „Die ist ja im Vergleich zu Helene Fischer durchaus gehaltvoll.“ „Aber wie macht man eine Samstagabendshow mit einer Bratwurst?“

„Das Problem mit manchen Experten ist ja, dass sie so unbeliebt sind.“ „Das Problem mit denen ist, dass sie keine Experten sind.“ „Dafür sitzen sie aber ziemlich häufig in Talkshows.“ „Dann können wir das mit dem Fernsehen knicken.“ „Sie erreichen die Leute aber nicht anders.“ „Kino?“ „Da müssen Sie ja schon geimpft sein, um reinzukommen.“ „Test reicht doch.“ „Aber dann verlieren wie die, die sich nicht testen lassen wollen, damit sie sich weiter diskriminiert fühlen können.“ „Und so ein Film ist ja auch nicht mal eben gedreht.“ „Und dann muss man auch noch Eintritt zahlen.“ „Dann schon lieber ein Zeitungsbeitrag.“ „Bitte!?“ „Er liest Feuilleton.“ „Das ist bestimmt auch ansteckend.“ „Hähähä!“ „Das ist so 20. Jahrhundert.“ „Und die Zielgruppe, die verorten Sie dann in der Gegenwart?“ „Also bitte, so kommen wir nicht weiter!“ „Früher gab es Preisausschreiben.“ „Wollen Sie da Ihre Bratwurst verlosen?“ „Man könnte so ein Treffen mit einem Experten in einer Fernsehsendung, wo sich die…“ „Wir versuchen es lieber noch mal im Guten.“

„Vorabendserie?“ „Gibt es noch diesen Arzt?“ „Welchen jetzt genau?“ „Er meint den aus Berlin.“ „Nee, von der Berghütte.“ „Krankenhaus haben wir ja genug.“ „Ab sofort nur noch Intensivstation, da können wir dann direkt…“ „Wollen Sie die Leute unbedingt mit Angst triggern?“ „Außerdem wird da gar nicht geimpft.“ „Und die nächsten drei Staffeln von dem Zeugs sind schon abgedreht.“ „Ich dachte ja nur.“ „Krimis könnte man machen.“ „Da wird eine Impfpassfälscherhöhle ausgehoben?“ „Oder sie finden einen Container mit falschen Schnelltests.“ „Das stärkt natürlich das Vertrauen in die Impfung ungemein.“ „Meine Güte, was kann ich dafür, dass das deutsche Fernsehen so beschissen ist?“ „Dann kann man ja noch eine Doku-Soap drehen.“ „Wir begleiten Krankenpfleger eine Woche lang auf der Intensivstation.“ „Das will keiner sehen.“ „Dürfen wir überhaupt zeigen, wie Ungeimpfte abkratzen?“ „Nein, Schweigepflicht.“ „Und Datenschutz.“ „Da haben wir ja gerade noch mal Glück gehabt.“

„Fußballer?“ „Bitte nicht diese Diskussion!“ „Es kann doch nicht schaden, wenn wir einen in ein Fernsehformat integrieren.“ „Also ein ungeimpfter Mittelstürmer wird in der Krankenhausserie auf die Intensivstation geschickt und spielt sich selbst, wie er sich impfen lässt.“ „Das klingt schon bekloppt.“ „Hätte also einen hohen Identifizierungsfaktor bei Impfgegnern.“ „Das kriegen Sie bei den Beratern nie durch.“ „Im Fernsehen?“ „Von den Spielern.“ „Also ich weiß ja nicht.“ „Die Bilder müssen wir aushalten.“ „Vielleicht sollten wir mal bei denen fragen, wie sie die mediale Präsenz herstellen.“ „Die Fußballer?“ „Die Impfgegner.“

„Es gibt doch diese Leute im Internet.“ „Da gibt es Leute?“ „Sie wissen schon, die da was erzählen.“ „Die sind ja eher Teil des Problems, wenn Sie das meinen.“ „Ich meine die Videos, wo Klamotten und Handys verkauft werden.“ „Teleshopping?“ „Nicht ganz, die machen da nur Werbung.“ „Und dann holt man sich Influenza.“ „Igitt!“ „Sie sprechen das aber falsch aus.“ „Ich muss das ja auch nicht selbst machen.“ „Und das macht Helene Fischer?“ „Was haben Sie denn immer mit der, die kriegt gerade ein Kind.“ „Im Internet?“ „Solange nicht irgendeine Nachrichtentante da ihre Darmspiegelung sendet, kann ich damit leben.“ „Man müsste es natürlich in den richtigen sozialen Medien zeigen.“ „Haben wir denn einen, der sich damit auskennt.“ „In unserer Abteilung ist ein Veganer.“ „Die sind ja alle im Internet.“ „Solange er sich da nicht radikalisiert hat, ist das okay.“ „Der sollte nur besser nichts erzählen über Bratwurst.“ „Darüber würden sich aber alle sofort empören.“ „Stimmt, das schafft auch eine Menge Aufmerksamkeit.“

„Haben die nicht neulich irgendwo in der S-Bahn geimpft?“ „Der deutsche Personennahverkehr ist ein schwieriges Thema.“ „Ganz weggekriegt hat ihn die Regierung noch nicht.“ „Das macht die FDP in den nächsten Jahren.“ „Ich dachte, die Pandemie ist im nächsten März vorbei?“ „Mit dem Angriff von Lindner kommt das alles in Ordnung.“ „Dann können wir ja immer noch was mit Helene Fischer machen.“ „Wenn sie dann noch will.“ „Oder auf der Straße.“ „Viel zu gefährlich.“ „Stellen Sie sich mal vor, da erkältet sich einer, wenn er zum Impfen den Ärmel hochkrempelt.“ „Das würde sofort wieder ins Internet gehen.“ „Alternativ kann man doch in den Innenstädten jemanden hinstellen, der die Leute zum Impfen überredet.“ „Auf dem Land machen Sie dann gar nichts?“ „Da kommt dann einmal in der Woche der Impfbus.“ „Das klingt schon wieder innovativ, so dämlich ist das.“ „Impfen vor dem Supermarkt?“ „Dann kommt man ja gar nicht rein, weil der Impfschutz erst zwei Wochen später an zu wirken fängt.“ „Wenn man aus dem Supermarkt rauskommt, dann kriegt man…“ „Das heißt, die Leute dürfen weiter ungeimpft in den Supermarkt.“ „Jetzt kommen Sie den Impfgegnern doch nicht mit Logik, das hatten wir alles schon.“ „Das konnte ja keiner vorhersehen.“ „Haben wir denn überhaupt genug Impfdosen für die ganze Aktion?“ „Keine Ahnung.“ „Wir machen erstmal Werbung, vielleicht verbessert sich dann die Lage.“ „Das klingt nach einem Plan.“ „Ich sage doch, wir sollten alle viel positiver denken.“ „Dann halten wir das mal fest: Weihnachten kann kommen.“ „Gut, dass wir das im Griff haben – hier in Deutschland.“





Neues aus Schlumpfhausen

14 11 2021

Dass intellektuell andersartig Begabte mit Bleiche und Milchzucker experimentieren, um Viren aus dem Körper auszuleiten, ist bekannt. Dass sie auch im Krankenhaus nach Klangschalen und Ingwer verlangen, um Corona loszuwerden, wurde ebenso berichtet. Neu ist aber, was im schweizerischen Delsberg, Hauptort des Kantons Jura, als Medizin herhalten musste. In Milch verdünntes kolloidales Silber schluckte ein Esoteriker, um vor Infektionen geschützt zu sein. Derlei Präparate sind nicht ohne Grund verboten, auch wenn man sie online leicht bestellen kann. Der Hobbyinfektiologe wurde mit akutem Abdomen und Tachykardie in die Klinik gekarrt, wo die Ärzte Nieren- und Hirnschäden nicht verhindern konnten. Als Souvenir wird er für den Rest seines Lebens Argyrie haben. Seine Haut ist graublau verfärbt. Vielleicht bekommt er einen Job als Silberdiener. Oder als Flötenschlumpf. An Talent mangelt es ja nicht. Alle weiteren Anzeichen, dass Dummheit den Status einer Grunderkrankung haben sollte, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • lockdown berlin: Bitte auch den Schlüssel wegschmeißen.
  • merz kopfschmerzen: Bei ihm ist das nur Nachhall.
  • flugtaxi fdp: Mit Bodenhaftung haben sie es nicht so.
  • lindner ministerium: Für die Bilanz ist es egal, wo er versagt.
  • impfungen kosten steuern: Deshalb brauchen wir ja Steuersenkungen.
  • zuverdienst bürgergeld: Gäbe es das eine, bräuchten wir das andere nicht mehr.
  • scholz rücktritt: Mal sehen, wer da sein Knie im Weg hat.
  • cannabis steuer: Die Freiheit wird am Afghanen verteidigt.
  • klima verbote: Wenn man zu viel Sonne abgekriegt hat.
  • cdu abschaffen: Die haben schon so viel geschafft, die schaffen das.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXIX)

13 11 2021

Es sucht Stanisław in Fingatten
im Laden nach älteren Platten.
Wo mancher nur sieht gern,
hört er nun mal Beat gern
von Platten, die andere hatten.

Aïssa war in Birni Ader
die erste im Segelgeschwader.
Auch das musste stimmen,
sie konnte nicht schwimmen,
doch kam zum Olympischen Kader.

Mit Leim wollte Jan in Gillgehnen
die Stühle wohl flicken, an denen
das Holz langsam morsch ist,
was durchaus auch forsch ist.
Man darf sich nur nicht mehr anlehnen.

Die Söhne von Lykke aus Hadsten,
die stets an den Luftballons kratzten,
was alle so hassen,
das wolln sie nicht lassen,
weil dann die Ballons lautstark platzten.

Man hörte von Max in Fünfhuben,
dem sie dort die Äcker umgruben
so ganz ohne Löhne.
Man sucht dort das Schöne
als Schatz, und das glauben die Buben.

Es suchte sich Gunnar in Jörn
ein Rindvieh aus. Das tat er gern,
doch achtet er selten
aufs Fell, bei ihm gelten
nur Hufe sowie das Gehörn.

Es pflegte Danuta in Göttern
am Sonntag recht kräftig zu wettern.
Der Pfarrer empört sich
wohl kaum, denn es stört nicht
und sorgt für Gelächter bei Spöttern.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXC): Das Komplettversagen der Politik

12 11 2021
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Revolutionen brechen aus, wenn ein Volk zwar beherrscht, nicht aber regiert wird. Es geht nicht um die langfristige Verdrossenheit, die mit der ebenso langfristigen Verschlechterung der Verhältnisse einhergeht. Denn die Lebensbedingungen sind nicht oder selten allein durch politische Unterdrückung so beeinträchtigt, dass die Masse sich erhebt. Erst wenn das Fressen unmöglich wird, bemerken die Regierten, wie es um die Moral steht, kurz: wo die Herrschenden ihre Legitimation zur Macht suchen. Dass der Fürst feiert, während es im Lande brennt, ist dann nur noch ein Auslöser. Die Politik, wie wir sie kennen, versagt, und sie versagt komplett.

Die Karnevalspräsidenten der westlichen Welt organisieren derzeit allenfalls eine Spaßgesellschaft für Finanzeliten, während der Rest sich gegenseitig die Haare schneidet, um Geld für die Altersvorsorge auf die Seite legen zu können. Allein dies ist keine akute, es ist eine geplante Entwertung sämtlicher Lebensleistung, wenn sie nicht durch Erbe oder Kapitalakkumulation einen Startvorteil hatte; dass Leistung nur ein anderes Wort für Besitz ist, hat sich so weit etabliert, dass es auch von den Armen nicht mehr hinterfragt wird. Dementsprechend ist die Reaktion der Bevölkerung im Krisengemenge aus Klima-, Pandemie- und Sozialkatastrophe noch wie ein Kindergeburtstag, der nicht richtig in Fahrt kommt, weil immer dieselben Spiele aufgetischt werden. Die Folgen sind bereits bekannt, man sieht höchstens rhythmisches Däumchendrehen während der Havarie, einer schiebt den anderen die Schuld zu, eine geschäftsführende und eine noch nicht gewählte Regierung kreiseln um das Machtvakuum im Innern eines schwarzen Lochs. Die Tatkraft, mit der die amtierenden Nichtregierungsorganisationen den Untergang verwalten, könnte man gerade gut gebrauchen, um der kollektiven Überlastung der Menschheit zu begegnen.

Denn wir sehen die Verkehrung der Umstände gut. Eine Rotte hirnentkernter Jammerlappen säuft sich einen Lackschaden an, geht den Regierenden mit einem wirr zurechtgeschwiemelten Weltbild aus schizoider Psychose und Lügenmärchen auf den Geist und bekommt Gehör, weil sie durch drohende Lautstärke und kognitiv suboptimiertes Gefasel die halbwegs vernünftigen Stimmen niederbrüllen, die schon lange vor der Zerstörung gewarnt haben und damit nicht in die Jubelchöre passen, die uns das Weiter-so-Lied in den Cortex ballern. Unterdessen verabschiedet sich die systemrelevante Basis und lässt sie den Dreck alleine machen, den sie uns mit freundlichen Grüßen irgendwann vor die Füße kippen wird, weil keiner mehr weiß, wie man damit umgehen soll. Bis dahin aber werden sie ihnen lieb und geduldig zuhören, bürgernah und der Zukunft zugewandt, werden ihnen schmutzigrote Teppiche ausrollen, ihrem Geseier lauschen aus aggressivem Opferrollenspiel, tapfer die Realität ignorierendem Kindermärchen und einem Anspruchsdenken, das ihnen diese Ichlinge seit Jahrzehnten vorleben. Am Ende bleibt der Verdacht hängen, dass Demokratie nicht die Lösung ist und eine Diktatur auch ihren Charme haben könnte, nachdem die liberale Idee von einer Rotte korrupter Darmleuchter an die Wand gefahren wurde.

Der Preis wäre denkbar gering, wenn man es denn einmal mit Vernunft versuchen würde – es gehört ja zu den Paradoxien, dass sich unter den Regierten immer genug finden ließen, die einen rationalen Kurs geduldig mittragen und solidarisch unterstützen würden, selbst wenn man ihnen lange genug vermittelt hat, dass Gemeinsinn Schwäche ist und Weisheit nur dazu dienen darf, den Gewinn zu maximieren. So gilt eine Jahrhundertflut alle paar Monate auch als Segen fürs Land, wenn man mit Schlauchbooten etwas daran verdient. So kauft sich die Politik das, was sie desto weniger hat, nämlich Zeit, und schafft sich nebenbei ab. Was mittelfristig das Gemeinwesen, Straßen und Häuser, Kliniken und Konzerne, das Gesundheits- und Rentensystem nebst den globalen Äckern für unser Brot angeht, es lässt sich alles berechnen, wenn man nur auf die hören würde, die es längst berechnet haben. Die Zahlen werden mit jedem Tag beschissener, sie aber warten ab, bis sie alles nicht mehr sehen müssen, da die Scheiße ihnen schon über die Schädel schwappt.

Die Revolution lässt auf sich warten, obwohl es kaum noch Alternativen gibt zu einem Aufstand gegen den völlig verseiften Koordinationsmüll, der sich aktuell als Führungselite ausgibt. Die einzig denkbare Erklärung dürfte sein, dass die Regierung die Paranoiden gewähren lässt, da die Vernünftigen nicht riskieren wollen, mit diesen Idioten in einen Topf geworfen zu werden. Was also sagt es aus über einen Staat, der freiwillig gelähmten Sitzzwergen die Selbstabwicklung erlaubt und sich dabei auch noch koordinierend andient, um den Karren über die Klippe zu kriegen? Als wäre die Organisation einer Republik ein Plausch um Glaubensfragen, aus dem man sich wegen chronischer Unlust entfernt, so sieht diese Raumkrümmung aus. Vermutlich sind wir alle selbst schuld, weil wir das gewählt haben, aus Eigenverantwortung und weil einer dafür die Rübe hinhalten muss. Das klingt so logisch und geradezu vernünftig, das darf nicht wahr sein.





Kontrollierte Situation

11 11 2021

„Also stark belastet.“ „Ja, würde ich sagen.“ „Aber nicht überlastet.“ „An der Grenze zur Überlastung.“ „Das heißt, eine Überlastung hat noch nicht überall stattgefunden.“ „Nur punktuell.“ „Das kann man als Entwarnung ansehen.“ „Fast.“ „Sehr gut.“

„Dafür breitet sich das Virus allerdings auch weiter aus.“ „Damit war aber zu rechnen.“ „Dann müssen wir uns darum ja gar nicht mehr kümmern.“ „Die Folgen für das Gesundheitssystem sind aber gravierend.“ „Sie haben das nicht verstanden, es liegt an den vielen Pflegekräften, die nicht mehr auf den Intensivstationen arbeiten.“ „Dann müssen wir eben da ansetzen.“ „Das werden wir aber nicht mit einem Lockdown hinkriegen.“ „Vielleicht könnten wir ihnen höhere Gehälter zahlen.“ „Davon gehen die Infektionszahlen auch nicht runter.“ „Ich hatte es Ihnen ja gesagt, die Situation ist komplex.“

„Die Regulierung könnte dann beispielweise von den lokalen Gesundheitsbehörden ausgehen.“ „Da wären wir ja als Bundesregierung gar nicht zuständig.“ „Das ist nicht so wichtig, entscheidend ist, wir sind nicht schuld, wenn es wieder mal in die Hose geht.“ „Und das stärkt die Freiheitsrechte?“ „Zumindest sind wir frei von Verantwortung.“ „Das klingt schon mal gut.“ „Andererseits wäre ein 3G-Modell auch ganz einfach durchsetzbar.“ „Das würde zu einer kontrollierten Situation führen.“ „Es verhindert nur keine Infektionen.“ „Aber die wären dann wenigstens kontrolliert.“ „Das heißt, wir könnten die Karnevalssaison eröffnen?“ „Das geht schief, also ja.“ „Großartig!“

„Und wer zahlt das jetzt alles?“ „Sind wir schon wieder bei den Steuererhöhungen?“ „Wenn sich die Leute impfen lassen würden, dann hätten wir das ganze Theater nicht.“ „Sie mit Ihrer Verbotspartei wollen jetzt natürlich die Impfpflicht, war ja klar.“ „Spahn sagt, das geht gar nicht.“ „Das ist der beste Beweis, dass es rechtssicher möglich ist.“ „Und wenn wir den Lockdown nur für die Ungeimpften machen?“ „Wie wollen Sie denn kontrollieren?“ „Wie wollen Sie denn bei einem 3G-Modell die Angaben überprüfen?“ „Das kann man ja freiwillig machen.“ „Ich schlage vor, wir machen so einen Übergangs-Lockdown, aber auf freiwilliger Basis.“ „Das ist gut, so haben wir alles unter Kontrolle.“ „Aber die Infektionen werden doch trotzdem…“ „Weil die Bürger das ja nicht unter Kontrolle haben – denken Sie doch mal mit!“ „Macht aber nichts, da die Bürger das ja in Eigenverantwortung tun.“ „Ich kann dem gerade nicht ganz folgen.“ „Wenn’s bei Ihnen brennt, dann warten Sie doch auch nicht, bis irgendjemand für Sie die Feuerwehr ruft.“ „Und wenn ich das gar nicht mehr selbst kann?“ „Jetzt denken Sie sich doch nicht immer so weltfremde Beispiele aus, das bringt uns doch auch nicht weiter!“

„Wir müssten zunächst mal beschließen, dass wir den Sonderstatus der epidemischen Lage nicht mehr verlängern.“ „Aber das läuft doch weiter!“ „Ja, aber als Pandemie.“ „Kann man dann noch die Schulen schließen?“ „Nur noch auf Landesebene.“ „Das ist jetzt auch möglich.“ „Aber wir haben es doch nicht nötig.“ „Weil die Überlastung nicht in allen Bundesländern stattgefunden hat.“ „Dann muss man die Schulen in den Ländern schließen, in denen sie überlastet sind.“ „Das bezieht sich doch nur auf die Krankenhäuser.“ „Kann man nicht die Krankenhäuser schließen?“ „Was meinen Sie, was gerade passiert?“ „Keine Ahnung, vielleicht habe ich da etwas überlesen.“ „ Dann müsste man die Bürger dazu bringen, dass sie sich außerhalb der Kliniken eigenverantwortlich zeigen.“ „Das mit der Bratwurst hatten wir schon?“ „Die gibt es ab jetzt in den Impfzentren?“ „In welchen Impfzentren?“ „Das sehen wir dann irgendwann schon.“

„Was halten Sie denn von Strafverschärfungen für gefälschte Impfzertifikate?“ „Dafür bräuchten wir einen bindenden Beschluss.“ „Dann lieber wieder kostenlose Tests, das kurbelt wenigstens die Wirtschaft an.“ „Aber die müssten wir dann auch kontrollieren.“ „Jetzt hören Sie doch mal auf, die Bürger so zu bevormunden!“ „Wenn das nirgends kontrolliert wird, dann können wir uns den ganzen Spaß doch schenken.“ „Das würde ja so aussehen, als hätten wir die ganze Situation nicht mehr im Griff.“ „Im Gegenteil – ein offizielles Dokument ist immer der Nachweis, dass wir als Regierung alles unternommen haben, um die Pandemie zu stoppen.“ „Nur die Leute haben wieder nicht mitgespielt.“ „Und wenn wir die Karnevalisten nur noch mit Maske schunkeln lassen?“ „Wie würde das denn aussehen, Karneval mit Maske und Schule ohne!“ „Das stimmt, da kann man nicht mit zweierlei Maß messen.“ „Und wenn man im Karneval nicht auf die Maske verzichten würde, dann wäre die Bezahlung für die Pflegekräfte auch nicht besser.“ „Am Ende müsste man dann noch mehr Intensivbetten abbauen.“ „Das klingt alles unlogisch.“ „Ich würde ich sagen, machen wir’s nicht noch schlimmer, als es jetzt schon ist.“ „So behalten wir die Situation wenigstens unter Kontrolle.“

„Und die Wirtschaft?“ „Es gibt ja derzeit gar nicht so viele Weihnachtsgeschenke, da käme so ein Lockdown vermutlich ganz gelegen.“ „Den werden wir aber nicht haben.“ „Dann müssen Sie sich vorher testen lassen, wenn Sie einen neuen SUV kaufen wollen.“ „Wieso SUV? habe ich irgendwas gesagt, dass ich ein neues Auto brauche? Und wieso eigentlich ein…“ „Meine Güte, jetzt stellen Sie sich doch nicht dümmer an, als Sie sind – für wen veranstalten wir denn dieses ganze Theater? Etwa für die Menschen!?“