Pflichtbewusstsein

7 12 2021

„Selbstverständlich sehen die keine Eile bei der Einführung einer allgemeinen Impfpflicht. Wäre ich das kompetenzfreie Arschloch, das von meiner Partei als nächster Justizminister aufgestellt wird, ich würde auch lieber den asozialen Dreckrand unter meinen Wählern verzärteln, als den Eindruck zu erwecken, ich sei intellektuell einem Staatsamt gewachsen. Aber zum Glück organisiere ich das hier, und nicht er.

Noch reden wir hier ja nicht von staatlichen Zwangsmaßnahmen, obwohl auch die durchaus im Rahmen der Verhältnismäßigkeit sein können. Sie müssen nur gegen die Abgabenordnung verstoßen, ein Zwangsgeld nicht zahlen und sich auch einer Vollstreckung verweigern, zack! Haftstrafe. Dieser böse Staat, der ständig seine Bürger terrorisiert, nur weil die gegen geltendes Recht verstoßen. Damit wir uns nicht falsch verstehen, wenn man seine Buskarte nicht bezahlen kann und zum Arzt fährt, wegen Beförderungserschleichung angezeigt wird und die Geldstrafe nicht bezahlen kann, dann sitzt man selbstverständlich zu Recht im Knast, auch wenn das für die Allgemeinheit wesentlich teurer wird, als das Bußgeld zu erlassen. Wenn Sie vom Staat etwas wollen, dann darf der sich natürlich zur Wehr setzen. Es sei denn, Sie sind Geschäftsführer eines Unternehmens, das staatliche Hilfen braucht, um die Boni seiner Vorstände zu verdoppeln. Das nennt sich dann mitfühlender Liberalismus.

Aber sonst machen wir das auf dem üblichen Verwaltungsweg. Erstmal müssen wir uns bis März darüber zanken, ob so eine Impfpflicht nicht gegen die Verfassung verstößt – da sind wir ganz auf der Seite der Bürger – und dann steht der Datenschutz im Raum. Wir müssen da besonders gründlich und überlegt vorgehen, damit wir unser Ziel erreichen: einen Grund finden, warum wir die Gesetze nicht einseitig für die Interessen des Staates auslegen, wie wir das sonst auch immer tun, um präventiven Schrott wie die Vorratsdatenspeicherung oder die Klarnamenspflicht im Netz gegen jeden Sinn und Verstand durchzuprügeln. Die Experten haben wir schon, wir müssen nur noch jemanden finden, der es ihnen komplex genug erklärt, damit man mit der Antwort hinterher auch nichts anfangen kann.

Diese Impfung ist an sich ist ja auch nicht so teuer, die kann man den Verweigerern dann gerne in Rechnung stellen. Wenn man sich überlegt, wofür die Leute alles Geld ausgeben, dann sind die paar Kröten sicher nicht erheblich. Dazu sollte eine öffentliche Debatte stattfinden, dass die Kosten der maschinellen Beatmung im Überlebensfall den Patienten in Rechnung gestellt werden, die ohne Impfung eingeliefert wurden. Auch da gibt es ja vorsätzliche Falschaussagen. Sonst könnten die Krankenkassen den Impfstatus registrieren und die Beiträge anpassen. Das wirkt zuverlässig.

Als günstigen Nebeneffekt werden wir nebenbei natürlich auch sämtliche Impfzertifikate unter die Lupe nehmen. So schnell kommen wir nie wieder an gut eine Million gefälschte Urkunden, und dann wäre hier auch strafrechtlich ein Deal möglich: das mobile Prüfteam scannt und gleicht ab, und wo wir einen Treffer landen, darf sich der Bürger sofort aussuchen, ob er lieber auf der Stelle sein Vakzin bekommt oder Strafanzeige, erkennungsdienstliche Behandlung und neuerliche Vorladung inklusive sämtlicher Kosten. Vermutlich bekommen wir dann auch eine genauere Statistik über Impfdurchbrüche, die angeblich die Intensivstationen verstopfen.

Dazu könnten wir natürlich auch flankierende Maßnahmen wie eine allgemeine Kontrolle bei den Querschießer-Demos nutzen. Die Polizei ist noch nicht ganz auf unserer Seite, für die ist der Staat ja ein Feindbild, zumindest der Rechtsstaat, aber das werden wir durch passgenaue Regelungen schon in die Wege leiten. Wenn Polizisten erst mal in großer Anzahl von diesen Freizeitnazis angegriffen werden sollten, könnte man ihnen den Fingerzeig geben, dass wehrhafte Demokratie auch gut in Handarbeit funktioniert. Schließlich haben wir ja immer noch das Gewaltmonopol.

Das Thema Impfschäden müssten wir auch noch im Detail betrachten, gehen Sie mal davon aus, dass wir eine größere Menge derer, die durch staatlich organisiertes Pflichtbewusstsein immunisiert wurden, hinterher als Kläger am Hals haben, weil sie in der Folge schwere Erkrankungen erleiden. Bei den meisten dürften da Hirnschädigungen in Frage kommen, und die sollten im Regelfall auch schon vorher aufgetreten sein. Und wenn jetzt ein 20-Jähriger seine Spritze bekommt und keine 70 Jahre später tot ist, dann wird irgendeine Regierung auch die Regressansprüche an der Backe haben. Ich habe da ein ganz entspanntes Verhältnis zum Klima, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Ansonsten werden wir wieder viele Vorschläge aus der Opposition bekommen, Entziehung des Führerscheins, Sofortabschiebung bei Ersttätern mit Migrationshintergrund oder Komplettsanktionen bei Erwerbslosen. Im EU-Ausland gibt es ja schon eine Pflicht für Arbeitnehmer in Gesundheitsberufen, die sich gut bewährt hat und von der Bevölkerung auch mehrheitlich unterstützt wird, daher wird das in Deutschland nicht kommen. Weil das Ausland ist, das ist hier also gar nicht anwendbar. Da setzt der deutsche Hobbyverfassungsrechtler eher auf die Prügelstrafe, immer vorausgesetzt, es betrifft ihn nicht selbst.

Das wäre also jetzt der aktuelle Sachstand, ich halte Sie aber über neue Entwicklungen regelmäßig auf dem Laufenden, wenn Sie wieder zurück sind in Sachsen, wobei: da gibt’s doch diese Bürgerwehren. Für Geld tun die angeblich alles, oder?“


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