Schwerer Verlauf

31 01 2022

„Gut, dann schaffen wir die Quarantäne ab.“ „Aber nicht offiziell.“ „Wie kann man die denn inoffiziell abschaffen?“ „Wie wir das immer machen.“ „Gibt es da eine Meldepflicht?“ „Müsste man mal sehen.“

„Und wenn sich die Leute selbst testen lassen?“ „Das wird zu teuer.“ „Möglicherweise lassen sich die Arbeitnehmer ihre Gesundheit etwas kosten.“ „Das dürfen wir auf keinen Fall zulassen!“ „Kann man die Testzentren nicht schließen?“ „Wir könnten höchstens Tests zu Hause kostenpflichtig machen.“ „Die kaufen sich die Leute im Supermarkt.“ „Bis jetzt haben wir für alles immer eine Sondersteuer erfunden.“ „Dauert zu lange.“ „Aus dem Verkehr ziehen?“ „Dazu müssten die Behörden…“ „Dauert auch zu lange.“ „Und wenn man den Test drei Tage vorher beantragen müsste?“ „Keiner weiß, ob er drei Tage später einen Test braucht.“ „Eben.“

„Stoßlüften soll doch helfen.“ „Kann man das besteuern?“ „Lieber verbieten.“ „Dann machen es die Leute doch extra.“ „Ach so.“ „Für eine zügige Durchseuchung müssen wir die Luftzufuhr in den meisten geschlossenen Räumen unterbinden.“ „Das könnte man über eine künstliche Anhebung der Heizkosten steuern.“ „Verstehe, dann reißt keiner mehr die Fenster auf.“ „Und Chorsingen?“ „Das ist zu gefährlich.“ „Man kann doch das Fenster dabei aufmachen.“ „Das ist dich jetzt verboten?“ „Nicht offiziell.“ „Das heißt, wir könnten jede öffentliche Versammlung verbieten, wenn wir jemanden in den Raum schicken, der singt?“ „Das eröffnet ja ganz neue Möglichkeiten!“ „Und unter freiem Himmel?“ „Schwierig, da können Sie keine Fenster öffnen.“ „Vielleicht würde sich drinnen einer infizieren.“

„Ab wann gilt man denn als infiziert?“ „Das ist im Einzelfall zu bewerten.“ „Wobei wir die Ärzte da nicht ausschließen wollen.“ „Also wenn jemand keinen schweren Verlauf hat, gilt er als infiziert?“ „Was ist denn ein schwerer Verlauf?“ „Wenn Sie tot sind, dann hatten Sie einen.“ „Demnach haben alle, die noch nicht tot sind, keinen schweren Verlauf.“ „Wichtig ist doch, dass sie als infiziert gelten.“ „Ich dachte, als nicht infiziert?“ „Wollen Sie mich jetzt absichtlich verwirren?“ „Was ist denn nun mit den Test?“ „Wenn Sie nicht getestet sind, sind Sie auch nicht infiziert.“ „Also nicht offiziell.“ „Und damit kann man selbstverständlich auch keinen schweren Verlauf haben.“ „Oder sterben.“ „Doch, aber man stirbt dann eben an etwas anderem.“ „Damit können wir leben.“

„Wie machen wir das mit den Kliniken?“ „Was genau?“ „Die Hospitalisierung wird ja irgendwann ansteigen.“ „Bisher haben wir die Grenzwerte an die Situation angepasst.“ „Wir könnten die Rate der infizierten Schüler…“ „Bloß nicht!“ „Dann lieber die Rate der Lehrer in Quarantäne.“ „Die sind nicht in Quarantäne.“ „Eben.“ „Ich denke, wir nehmen die vollständig geschlossenen Schulen. „Bis jetzt haben wir nur Distanzunterricht.“ „Das kann man als normalen Betrieb unter besonderen Umständen gelten lassen.“ „Und was hat das mit den Kliniken zu tun?“ „Was hat die Hospitalisierung zu tun mit den Infektionszahlen?“

„Könnte man diese Modellierungen nicht auch auf andere Bereiche ausweiten?“ „Zum Beispiel?“ „Wenn man beispielsweise alle Radarfallen von der Straße entfernt, gäbe es keine Diskussionen mehr über ein Tempolimit.“ „Verstehe.“ „Das halte ich für sehr durchsichtig.“ „Sie denken, der gemeine Bürger kommt dem auf die Schliche?“ „Man kann es nicht ausschließen.“ „Wenn die Polizei ab sechs nicht mehr im Dienst ist, würde dann nicht auch die Kriminalstatistik sinken?“ „Dann würden die ihre Verbrechen alle nach Einbruch der Dunkelheit begehen.“ „Wäre das so schlimm?“ „Denken Sie nur an kriminelle Ausländer oder Leute, die im Monat drei Euro zu viel Arbeitslosengeld kriegen!“ „Oder an den Idiotentest.“ „Was?“ „Ach, nichts.“

„Dann könnten wir ja irgendwas an den Schulen machen.“ „Wir testen doch gar nicht mehr?“ „Man könnte ja erst dann testen, wenn Schüler mit einem positiven Test kommen.“ „Doppelt hält besser.“ „Und wenn der zweite Test negativ ist?“ „Kann man da nicht würfeln?“ „Zu unsicher, sonst müssten wir doch Schulen schließen.“ „Oder wir lassen die Kultusminister die Tests auswerten.“ „Die werden ja nie fertig!“ „Eben.“ „Ach so.“ „Vor allem will ich nicht, dass wir uns ständig von Wissenschaftlern in unser Management reinreden lassen!“ „Bald ist ja Olympia.“ „Das reicht nicht, wir bräuchten schon eine Fußball-WM.“ „Und die Impfpflicht?“ „Hat einer von Ihnen die Nummer der FDP?“ „Denken Sie, einer von denen könnte derartigen Mist von sich geben, dass wir ein paar Wochen Ruhe haben?“ „Käme darauf an, was die saufen.“ „Dann lassen Sie uns lieber die Nummer mit den Arbeitnehmern durchziehen.“ „Keine Tests, keine Quarantäne, keine Lohnfortzahlung?“ „Das würde zu enormen Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt führen, wenn die Arbeitgeber ihre Leute rausschmeißen.“ „Oder es gibt massenhaft Diebstähle von Schnelltests in den Supermärkten, Drogerien und Apotheken.“ „Das geht ja gar nicht!“ „Schon vergessen, dass wir die Kriminalstatistik jetzt im Griff haben?“ „Ach so.“ „Wir können doch keine Straftaten zulassen!“ „Kommt darauf an.“ „Kommt worauf an.“ „Wir haben da Kontakte.“ „Was heißt das?“ „Wie mit den Masken.“ „Das heißt?“ „Es gibt schon genug Tests, aber sie kosten natürlich.“ „Ist das legal?“ „Dann würde es doch keinen Spaß machen.“ „Okay, und dann?“ „Ich würde sagen, einer verschärften Testpflicht steht dann nichts mehr im Weg.“





Glückssache

30 01 2022

für Erich Kästner

Wir sind dazu verdammt und doch nicht glücklich.
Verdächtig ist, wer unverdächtig lebt.
Schon die Zufriedenheit ist nicht mehr schicklich.
Verurteilt wird, wer nicht gehörig strebt.

Hat man’s erreicht, hat man das Glück bezwungen,
trägt man es vor sich her wie die Monstranz.
Es ist uns für die anderen gelungen.
Gehört es uns, dann jedenfalls nicht ganz.

Wir jagen in der Dunkelheit nach Funken
und leben so, als hätten wir’s verpasst.
Kein Glück ist, sind wir noch so siegestrunken.
Vergessen wir das Dasein, wird es Last.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXXVIII)

29 01 2022

Zu Pferde war Béla in Staaben,
doch landete er oft im Graben.
Stets hat ein Fläschchen
bei sich in dem Täschchen,
um sich danach schleunigst zu laben.

Man wusste, mit Maartje in Vlist
lag man schon seit Jahren im Zwist.
Es machte die Runde,
welcher ihrer Hunde
den Nachbarn die Blumen wegfrisst.

Es pflegte György oft in Markt Schützen
im Hof unterm Vordach zu sitzen,
besonders bei Regen.
Das schätzt er deswegen,
er merkt nichts vom Donnern und Blitzen.

Kaninchen hat Vera in Kaag
wohl Dutzende, da sie die mag.
„Ich achte als Mutter
genau auf ihr Futter,
sie fressen nur, was auch ich nag.“

Aus Trägheit kürzt Gyula in Saar
vermittels der Schere sein Haar.
Vom Gang zu Frisören
will er nichts mehr hören.
Nun geht das schon so Jahr für Jahr.

Lambertus in Alblasserdamm,
der morgens stets zehn Runden schwamm,
der war furchtbar eitel
und zog seinen Scheitel.
Im Badedress war stets ein Kamm.

Ein Bonbon hat István in Tschickern
dabei, will am Tisch er mal kickern.
Zur Not, wenn auch schade,
tut’s auch Schokolade.
Er spielt niemals, ohne zu schlickern.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DXCIX): Ordnungsfanatiker

28 01 2022
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Bei Uga war es noch verhältnismäßig einfach. Die Sommerbekleidung lag auf einem Stapel, wenn gerade Winterfell getragen wurden, und umgekehrt. Daneben lehnten Jagd- und Verteidigungswaffen an der Wand der Einsippenhöhle, griffbereit und grob nach Größe geordnet. Das Feuer in der Mitte des Raums war leicht zu erkennen, wer versehentlich hineintrat, verbrannte sich die Füße oder bekam die Faust des Sippenältesten in die Schädelvorderseite. Auch das ästhetische Empfinden des Hominiden hatte schon Einzug gehalten in den Alltag, der von allerlei Talismanen geprägt wurde, Felsmalerei und direkt ins Massiv gekratzten Werken. Doch war die Habe des Jägers und Sammlers gering, da ganz auf den Augenblick bezogen, so war auch seine Anlage beschränkt, den Krempel säuberlich an einem Platz zu lagern, an dem auch Zufallsgäste mühelos zu Speer und Stein greifen konnten, da ihre Behausung einer offiziellen Norm entsprach. Jene Zeit mag wohl einen rustikalen Charme gehabt haben, den der postmoderne Minimalismus nicht annähernd zu versprühen weiß, doch hatten die Troglodyten im Bärenoutfit es nicht nur schlechter. Sie hatten keine Last mit Ordnungsfanatikern.

Mit Mühe schlägt man heute eine Zeitschrift auf, aus der nicht sofort der kategorische Imperativ der Räumfahrt plärrt: style Deine Zwei-Zimmer-Kochnische-Nasszelle-Bude gefälligst so durch, dass jederzeit ein kamerabewehrtes Kommando die Tür eintreten und bis in die Kloschüssel filmen kann, dass hier ein willfähriges Opfer des rechten Winkels vegetiert, das mit der Wumme im Nacken auf Zuruf sofort ein Kleidungsstück aus der Box zerren kann, die tagsüber unters Sofa geschwiemelt göttliche Leere im Salon vorgaukelt. Dazu sucht der Coach, ohne den es nicht geht, sich zwei bis zehn Teile raus, rollt sie gewaltsam zusammen, pfercht sie in einen schuhkartonösen Behälter und schmeißt den Rest weg, weil er nicht genug Liebe, Frieden und Adrenalin verbreitet. Das rosa Lieblingshemd – ab in den Container, ein voller Kleiderschrank wäre vulgär. Wie man früher Berge von Klamotten in die absonderlichsten Kisten nudelte, da sie so billig auf dem Grabbeltisch aussahen, das ist nun Geschichte.

Schon ballert die Domina der Inneneinrichtung mit dem Laubbläser den Schreibtisch frei, endlich kein Papier mehr, keine Rechnung, keine Notiz, stets mit der Plattitüde im Anschlag, dass ein dem Chaos verfallenes Möbel den geistigen Zustand des Besitzers widerspiegele. Was nun ein leerer Tisch zu bedeuten hat, kommt nicht zur Sprache, ist aber auch besser so, sonst würde die Verdeppung nicht annähernd perfekt funktionieren.

Wie der Schlank-Schön-Fit-Trieb entspringt der Wegräumstuss genau dem Optimierungswahn, der den Menschen zum willfährigen Bestandteil eines ökonomisch ausnutzbaren Räderwerks macht und ihm in der sklavischen Bejahung eines Trends zur inneren Bedürfnislosigkeit vorgaukelt, alles sei gut, wenn er nur genügend normgerecht an die Spitze der Zwangserkrankten vorstieße. Die Clean-Desk-Policy, die der Unterhaltsreinigungskraft erleichtern soll, Kunststoffflächen zu säubern, ohne über ihr zu eng gestricktes Zeitmanagement zu stolpern, bringt in der häuslichen Umgebung gerade mal gar nichts, gibt aber das gute Gefühl, nicht gegen eine goldene Regel verstoßen zu haben. Wie Nikotin das ZNS mit der Brechstange entert, um durch etwas weniger Suchtdruck anflutende Freiheit vorzugaukeln, fühlt sich der durchschnittliche Dummklumpen spontan wie unter Tranquilizern, dass er dem Gruppendruck mit artiger Hysterie nachgegeben hat.

Keiner redet von den Menschen, die aus dem Festmeter Fernsehzeitschriften KW 21/72 zuppeln könnten, wären sie spontan unsicher, in welcher Scherzreihenfolge die Witzseite auf Seite 13 liefe. Wer aber kein Freudengeheul beim Sockensortieren empfindet, keine Angstzustände bei einer Batterie von Essigflaschen auf der Küchenanrichte, die nicht dem State-of-the-art-Foto eines elitären Magazins für Penthäuser entsprechen, in denen nicht einmal Wasser anbrennt, wird die in der Dünkelkammer zu Hochglanz gekasperten Scheinentwürfe des guten Lebens nicht verstehen, mit denen uns die, ähäm, Oberschicht ermuntert, so zu leben wie sie selbst. Man entledigt sich des Nötigsten und nennt den Minimalismus Gewinn, um ihn nach knapp und kurzfristig eingenommener Kohle wieder durch Konsum zu ersetzen. Häuser und Automobile, Gold und Schmuck hat man der Mittelschicht schon mit fadenscheinigem Getrickse abgeluchst, damit sich die Umverteilung nach oben freiwillig anfühlt, das Surrogat eines dünn fabulierten Vernunftlebens ist die letzte Stufe der Instinkt-Dressur-Verschränkung, mit der die leistungslose Klasse ihre Ernährer zu täuschen versucht. Die Pathologisierung des ganz normalen Verhaltens, wo es nur dem Einzelnen nützt und nicht dem Produktionsprozess, ist uns aus dem Mutterland des Turbokapitalismus längst vertraut. Vielleicht sollen wir die Leistungsträger verfolgen, wenn sie ihre Luxusuhren nicht jeden Abend wieder bündig in die Schublade legen. So ein Aufenthalt in der Psychiatrie zwecks korrektem Verhalten hat doch noch jeden auf den Pfad der Tugend geführt. Notfalls mit Gewalt.





Allgemeine Unschuldsvermutung

27 01 2022

„… betont habe, dass es sich bei den Gesprächen nicht um polizeiliche Ermittlungen handele. Die mit der Deutschen Bischofskonferenz durchgeführten Unterhaltungen seien zum besseren Verständnis der jeweils anderen Organisation hinsichtlich einer…“

„… hätten römisch-katholische Würdenträger die Neufassung der Landespolizeigesetze zu einer bundeseinheitlichen Regelung angeregt. Die Kirche kenne die Vorzüge eines Sonderrechts, mit dem sie sich bei strafbaren Handlungen selbst aus der…“

„… die liturgischen Gewänder des Klerus als Uniformen anerkannt werden müssten. Darüber hinaus sei es für Priester empfehlenswert, wenn ihre Zeugenaussagen vor Gericht grundsätzlich als korrekt gewertet würden, auch wenn Fakten klar gegen ihre…“

„… gehe es vielfach um gesellschaftliche Macht, die durch Handeln in Ausnahmesituationen gesichert werden müsse. Die Kirche rate den Polizeibeamten, sich mehr als eigenen Stand zu betrachten, wie es in der traditionellen Ordnung bis zur Einführung der Demokratie und der…“

„… gewisse Bestandteile der Unfehlbarkeit im kanonischen Recht auch auf Angehörige des niederen Klerus anwendbar sein müssten. Dies sichere im Falle der Strafverfolgung vor allem die Pfarrer, die bisher nur durch Laien in einer…“

„… dass Polizeigewalt oftmals als Reflex auf den großen Stress gedeutet werde, der durch den stetigen Vorwurf unangemessen gewaltsamen Vorgehens sowie die daraus entstehenden Vorurteile entstehe. Eine ähnlich komplexe Situation ergebe sich aus der theologisch für viele nicht mehr nachvollziehbaren Ablehnung von Menschen, die sich der Kirche als…“

„… Kirche und Polizei als Traditionslinien wahrnehmen müsse, die auch vieles zur Entstehung gesellschaftlicher Freiräume geleistet hätten. So biete der Polizeidienst zahlreichen gewaltbereiten Schlägern eine Möglichkeit, ohne eine kriminelle Karriere ihre Neigungen auszuleben und damit…“

„… in einer gemeinsamen Kampagne für mehr öffentlichen Respekt werben müssten. Es sei ein offenbares Problem, dass Nachwuchs mit falschen Vorstellungen von einem Einstieg in gewachsene Strukturen der Organisation abgehalten würden, was mittelfristig für einen Mangel an…“

„… gebe es in der kirchlichen Tradition ebenso die Chance, pädophile Impulse zu verwirklichen, ohne eine eigene Familie aufbauen zu müssen. Die Gemeinsamkeiten wollten beide in naher Zukunft stärker herausarbeiten, um eine bessere Transparenz in der Strafverfolgung und ein verständnisvolles…“

„… sich nicht blind gesellschaftlichen Trends unterwerfen dürfe. Die Polizei sehe in der Haltung der römisch-katholischen Glaubensgemeinschaft ein Vorbild, da man sich hier beispielsweise nicht für übertriebenen Minderheitenschutz oder eine zwanghaft progressive Einstellung gegenüber einem fremdartigen…“

„… dürften Falschaussagen von Personen mit Führungsanspruch nicht immer moralisch gewertet werden. Wo es sich jedoch um juristisch relevante Aussagen handele, müsse man auf rein moralisch zu wertende Beurteilung vertrauen dürfen, da sonst schwerste Schäden an den Institutionen der…“

„… dass man öffentlichen Aufmärschen eher den Charakter einer Prozession verleihen müsse, um die Bevölkerung zu gewinnen. Durch mehr Präsenz im Straßenbild könne die Polizei viele…“

„… schätze die Kirche ihr Recht auf Verweigerung der Zeugenaussage. Es sei in diesem Zusammengang durchaus überlegenswert, ob eine Grundgesetzänderung den Sonderstatus der Polizei in strafprozessualen Belangen für die…“

„… Schadenersatzansprüche nicht einheitlich behandelt würden. Es sei noch zu klären, ob Priester haftungsrechtlich auf ihr Privatvermögen beschränkt oder Polizisten als Diener des Staates durch öffentliche Gelder entlastet werden sollten, eine Kombination aus beiden könne jedoch für mehr Attraktivität der Berufsbilder unter den…“

„… dass Fehler grundsätzlich nicht absichtlich begangen würden. Man strebe eine allgemeine Unschuldsvermutung an, die auch nach einer gerichtlichen Klärung der Vorwürfe weiterhin…“

„… es auch weiterhin keine Überschneidungen der Kernkompetenzen geben werde. Hochrangige Polizeivertreter hätten bestätigt, dass sie kein Interesse an der Ausübung sexualisierter Gewalt hätten, dafür würden sie von der Kirche den Verzicht auf alle Formen von rassistischer oder…“

„… dass es sich um Sonderstraftatbestände wie Körperverletzung oder Strafvereitelung im Amt handele, die der normale Bürger überhaupt nicht begehen könne. Diese bewusste Schlechterstellung müsse durch andere Maßnahmen ausgeglichen werden, um die seelische Belastung der Personen nicht ständig über Gebühr zu…“

„… die Neuorganisation der Diözesen in Kameradschaften und die Gliederung der Polizei als Bruderschaften vollziehen könne. Dies werde gerade im Hinblick auf gemeinsam geplante Aktionen eine ganz neue Perspektive für die…“

„… nehme die Polizei bei Vernehmungen ab sofort die Glaubensfreiheit für sich in Anspruch. Die freie Würdigung der Beweismittel sei mit dem Grundgesetz nicht so leicht…“

„… eine modifizierte Form der Zehn Gebote als Ersatz des Strafgesetzbuchs benutzt werden dürfe, wobei die kirchlichen Würdenträger sich schon aus christlicher Nächstenliebe mit einer umfassenden Vergebung sämtlicher…“





Ausbürgerungstest

26 01 2022

„Meinetwegen sofort. Je schneller, desto besser. Sie betonen ja immer wieder, dass Ihre Einwohner das Volk sind, dann können Sie sicher auch von jetzt auf gleich einen ganzen Staat auf die Beine stellen, wobei es uns hier nicht sonderlich interessieren würde, wenn die Sache in die Hose geht. Das ist Ihr Sachsen, und wenn Ihnen so viel an der Freiheit liegt, erklären Sie sich halt zum Sächsischen Reich.

Natürlich mit sämtlichen Konsequenzen. Die außenpolitische Anerkennung Ihrer staatlichen Souveränität ist uns vollkommen egal. Es gibt eine Grenze, von deren militärischem Schutz Sie sich im Fall eines nicht angemeldeten Übertrittsversuches gerne selbst überzeugen können, es gibt Zölle, und ansonsten sind Sie für Ihre Angelegenheiten selbst verantwortlich. Sie wollten das so, also bekommen Sie es auch. Dass Sie das ab Tag eins dafür nutzen, sich in der Opferrolle herumzusuhlen und für die Hetzpropaganda zu nutzen, die BRD wollen Ihren Freistaat unterdrücken und isolieren, das müssen Sie uns nicht erzählen. Das wissen wir. Nur weil wir Ihr Land nicht mehr an der Backe haben, sind es immer noch dieselben Nazis. Ein Parteiverbot funktioniert ähnlich, nur nicht ganz so wirksam.

Die Ausbürgerungstests dürfen Sie sich dann bitte ungefähr vor wie die Verfahren, die wir sonst zur Einbürgerung haben. Besonderes Gewicht auf Grundlagen der Demokratie, Aufbau des Staates, politisches System, Verfassung. Wenn jemand die Zugehörigkeit zur deutschen Herrenrasse als Grund für seinen Staatsbürgerschaftswunsch nennt, kann er gleich wieder umdrehen. Wir brauchen hier keine Nazis, keine Naziversteher und keine braunblauen Mitläufer. Ihre Arschgeigen können Sie behalten. Davon abgesehen werden wir selbstverständlich jeden Einzelfall prüfen, ob es sich nicht um ganz plötzlich konvertierte Demokraten handelt, die bis vor kurzem noch für Frieden, Freiheit und keine Gewalt Brandsätze in Synagogen und Moscheen geschmissen haben.

Wem wir dann politisches Asyl gewähren, das lassen Sie auch bitte unsere Sache sein. Das sind unsere inneren Angelegenheiten, und wenn Ihnen das nicht passt, kann sich das bis zur Aufnahme von diplomatischen Beziehungen sehr unschön für eine von beiden Seiten gestalten. Sie dürfen ja gerne ihre Energieerzeugung oder die Rohstoffversorgung in Eigenregie starten. Für uns ist das nicht zwingend ein Punkt auf der Agenda. Genügend Teilzeitjobs für Ihre Berufsdemonstranten haben Sie ja, oder?

Ob und wie Sie das mit den Demonstrationen machen, das ist Ihre Sache. Das Grundgesetz wird ja sicher keine Rolle mehr bei Ihnen spielen, so ein Versammlungsgesetz ist bestimmt auch innerhalb weniger Stunden geschrieben und vom Reichstag verabschiedet – das heißt doch dann Reichstag bei Ihnen? Bundestag geht ja leider nicht mehr – und dann können Sie mit gesundem Volksempfinden so richtig durchregieren. À propos gesund, sollten sich die Inzidenzzahlen bei Ihnen plötzlich steigern oder die Hospitalisierungsrate, machen Sie sich immer klar, dass das nur eine Grippe ist, die es gar nicht gibt, weshalb eine Impfung dagegen tödlich sein kann, und wenn Ihre Krankenhäuser auf einmal voll sind, dann liegt das nur an zu wenig Intensivbetten. Wir schauen uns das aus sicherem Abstand in den Nachrichtensendungen des Sächsischen Staatsfunks an und gehen dann zur Tagesordnung über.

Doch, Sächsischer Staatsfunk würde ich Ihnen empfehlen. Das klingt gleich viel unabhängiger als Staatsfunk der BRD GmbH, oder was Sie sich sonst immer zusammengeschwurbelt haben. Die vielen schönen Hitlerdokus verkaufen wir Ihnen aber nicht, und Sie werden doch ein Auge darauf haben, dass keiner bei Ihnen Feindsender guckt, oder?

Dass die Russen bei Ihnen einmarschieren, halte ich für sehr unwahrscheinlich, aber ausschließen kann man es natürlich nicht. Sollte sich Ihr Bild von Putin als nicht ganz so freiheitsliebend erweisen, wir sind weiterhin Mitglied der NATO, wir dürfen das kritisieren, wir werden das auch kritisieren. Da Sachsen dann kein NATO-Mitglied mehr ist, stehen die Chancen nicht schlecht, dass es bei dieser Kritik dann auch bleibt. Sollten Sie bei der Gelegenheit in den Genuss einer Impfpflicht kommen, können Sie ja immer noch überlegen, ob Sie mit Bürgerwehren gegen die Streitkräfte Russlands angehen. General Schoigu soll für gute Witze immer zu haben sein.

Die ganzen anderen Sachen, Währung, Post, den Straßenbau, Infrastruktur, Überflugrechte deutscher Bundesländer, das haben Sie auf dem Schirm, ja? Nicht, dass wir uns wieder Klagen anhören müssen wie damals beim Brexit, als unverständlicherweise alles genau so kam, wie es in den Verträgen stand, nur eben ein bisschen schneller und teurer. Denken Sie rechtzeitig an eine eigene Zellstoffindustrie, damit im Falle einer neuen Pandemie Ihre Bürger ausreichend Toilettenpapier hamstern können. Und Nudeln. Und Mehl. Im Falle eines Bürgerkriegs ist die Versorgung der Bevölkerung nämlich besonders wichtig. Falls bei Ihnen ein Bürgerkrieg ausbricht, die ganzen Volksverräter sind dann ja weg. Und wo der Volkswille vom Staat gewaltsam durchgesetzt wird, dürfte es ja auch keinen Bürgerkrieg geben.

Also eigentlich ist das auch alles egal, machen Sie, was Sie wollen, und nennen Sie das Ding, wie es Ihnen in den Kram passt. Wir sind damit fertig. Sie wissen, wo Sie unterschreiben müssen, dann geht die Sache ihren Gang. Ob wir was nehmen? Kretschmer? als politischen Flüchtling? Hatte ich mich nicht klar genug ausgedrückt: Arschgeigen können Sie behalten?“





Soziale Teilhabe

25 01 2022

„… keine besondere Gefahr in den Schulen bestehe, da sich die meisten Kinder in den Familien mit dem Virus infizieren würden. Eine Einschränkung des Präsenzunterrichts könne es deshalb auf keinen…“

„… verspreche die Kultusministerkonferenz, für den Fall von nicht vorhersehbaren Ereignissen einen Notfallordner vorzubereiten, der von jedem Bundesland angefordert werden könne, um die…“

„… Streiks angekündigt hätten. Dazu sei zu bemerken, dass auch bei Unterrichtsausfall keine Berechtigung der Schüler bestehe, Kundgebungen durchzuführen, die im Gegensatz zum Schulbesuch ein erhöhtes Infektionsrisiko und einen…“

„… sei es korrekt, dass die in den Familien erworbenen Infektionen in die Schulen getragen würden, was aber nicht zur weiteren Ausbreitung des Virus beitrage, da das Infektionsgeschehen nach Ansicht der Kultusminister sich ja ausschließlich in den Familien und der…“

„… dass die Präsenzpflicht auch dann nicht abgeschafft werde, wenn sich der ganze Lehrkörper einer Schule in Quarantäne befinde. Da die Lehrer sich zu Hause aufhielten, bestehe offensichtlich kein Risiko mehr, das durch eine zu vorsichtige…“

„… auch die Ministerpräsidenten überzeugt seien, dass alle Kinder gerne zur Schule gehen würden. Schon aus Gründen des Kindeswohls müsse die Politik Schulen um jeden Preis offen halten, um die Langzeitfolgen für die…“

„… zunächst die Infektionsquote des Landes in Abstimmung mit den anderen Kultusministerien festzulegen. Danach erst werde die Erstellung des Notfallordners in Erwägung gezogen, worauf in einer Berechnung der Hospitalisierungsrate im Vergleich zu mehreren zufällig ausgewählten Kommunen anderer Bundesländer mit Ausnahme von Sachsen und Bayern der Versand einer Kopie noch in diesem Jahr…“

„… auch das Bundesbildungsministerium in der Durchsetzung des Distanzunterrichts eine schwere Gefährdung des Kindeswohls sehe. Stark-Watzinger fürchte, dass zahlreiche Kinder und Jugendliche vor Computern verbringen müssten, was angesichts der mangelhaften Digitalisierung traumatisierende Folgen für die …“

„… werde man ja bereits in zwei Wochen sehen, wie viele Kinder heute bereits infiziert seien, daher könnten die Kultusministerien auch erst in zwei Wochen beurteilen, auf welcher Grundlage sich die Fehler in den Berechnungen der…“

„… die Proteste der Schüler nicht berücksichtigt werden dürften, da diese als Minderjährige kein Mitspracherecht besäßen. Der Präsenzunterricht sei auch bei ihrer Ablehnung unabdingbar und werde zur Not gegen ihren Willen durchgesetzt, um das Kindeswohl nicht zu…“

„… den Kindern, die noch nicht mit dem Virus infiziert worden seien, eine Erkrankung nicht vorenthalten dürfe, da sie dann mit Schulkameraden nicht mehr mitreden könnten. Die Infektion sei auch ein Teil der sozialen Teilhabe, die die Politik den Heranwachsenden ermöglichen müsse, um sie zu mündigen Staatsbürgern zu…“

„… möglichst viele der Ansteckungen in den Schulen geschehen sollten, damit sie als Unfälle gemeldet werden könnten. Die KMK betrachte dies ausdrücklich als Sicherungsmaßnahme, um die Quote der im elterlichen Haushalt verunfallten Kindern möglichst…“

„… Aktivitäten in den Sportvereinen nicht zu dulden, da hier große Hallen mit vielen Kindern und Jugendlichen genutzt würden, die sich durch eine Anlagerung von Aerosolen zum gefährlichen Infektionsherd entwickeln könnten. Stattdessen sei die Durchführung des Schulsports weiterhin zu empfehlen, da hier viele Kinder und Jugendliche in großen Hallen, die als wirksamer Schutz vor der Anlagerung von Aerosolen in einer…“

„… ein Modell für den Distanzunterricht plane, bei dem die Schüler ins Schulgebäude kommen, aber aus jeweils anderen Räumen per Video von ihren Pädagogen angeleitet würden. Die Eltern seien gut beraten, dieses Kompromissangebot nicht vorschnell als hirnrissige…“

„… werde Chorsingen nicht zu unrecht als Superspreading-Risiko angesehen. Schulchöre seien davon ausgenommen, da die Aerosole bereits in Kirchen und Konzerträumen ausgeatmet worden seien und den Weg in die Schulen gar nicht…“

„… die Schulen auch als Schutzraum sehen würden, wo keine überflüssigen Tests durchgeführt werden könnten. Dadurch werde auch verhindert, dass durch viele positive Ergebnisse der Aufenthalt der Kinder in den…“

„… das Atemverhalten die Bildung infektiöser Aerosolen nicht begünstige. Dass in den Schulen vorwiegend von Lehrern gesprochen werde, verringere die Risiken, dass die aus den Haushalten eingeschleppten Viren sich unter den Kindern in…“

„… das Vorgehen der Arbeitsquarantäne auch auf die Schulen übertragen wolle. Zur Vorsicht sei die Aufstallung aller Kinder bis zum Ende des Schuljahrs eine Möglichkeit, die Erwerbsfähigkeit der Eltern auch im Falle einer…“

„… habe Stark-Watzinger es abgelehnt, sich vor Ort ein Bild von den Zuständen in den Schulen zu machen. Angesichts der immensen Gefahr einer Infektion mit dem Corona-Virus werde sie auf gar keinen Fall in die Nähe von…“





Konsistente Therapieangebote

24 01 2022

„Die 417 hat aufgehört zu schreien? Das ist okay, Hauptsache, sie hört nicht auf zu atmen. Dann wäre die Behandlung beendet, und wir könnten ihr keine therapeutischen Maßnahmen mehr in Rechnung stellen. Bereiten Sie schon mal den Aderlass vor.

Natürlich sind wir hier alle approbierte Ärzte, wir haben hoch qualifiziertes Pflegepersonal und einen exzellenten Ruf, was intensivmedizinische Versorgung angeht. Drüben haben wir die normale Station, da werden Sie auch nach allen Regeln der Kunst behandelt. Das mag für Fälle wie Herzinfarkt oder Schlaganfall selbstverständlich klingen, ich würde Ihnen das auch empfehlen, aber wir leben in einem freien Land, es gilt Eigenverantwortung, den Rest können Sie sich ja denken.

Ein Teil der medizinischen Versorgung wird ja bereits erfolgreich an die Bevölkerung delegiert. Sie tragen Sehhilfe, also sind Sie bereits betroffen. Und da wir Versorgung nicht mehr ohne unsere eigene betriebswirtschaftliche Kalkulation betreiben, muss man ja im Sinne der Dienstleistungsgesellschaft, die uns laut Hartz-Reformen zu einem erfolgreichen Staat gemacht hat, durchaus die Kernfrage stellen: wie viel Kohle können wir Menschen, die sich in Lebensgefahr befinden, aus den Rippen leiern?

Hat der 429 die perorale Gabe von Chlorbleiche schon geholfen? Dann räumen Sie das Zimmer frei, wir haben gleich den nächsten Patienten. In dem Fall können Sie auf der Todesbescheinigung gerne vermerken, dass er nicht an, sondern mit Corona verstorben ist. Sie sind jetzt vielleicht ein bisschen überrascht, aber wir nehmen Patientenwünsche sehr ernst. Wir stehen alternativen Therapieformen auch aufgeschlossen gegenüber, und wenn jemand auf die Art auf unserer Station versterben will, dann machen wir das gerne. Dazu ist die Medizin nach Ansicht dieser skeptischen Minderheit ja da.

Schröpfköpfe sind immer gut, das ist für das Gesundheitssystem geradezu sprichwörtlich. Wir weisen in den Behandlungsverträgen natürlich auf die wissenschaftlich nicht bewiesen Wirksamkeit der Methode hin, geben aber zu bedenken, dass die unangenehmen Empfindungen durchaus eine Art Placebo-Effekt hervorrufen. Das ist wie mit dem Rauchen, man fühlt sich ja auch nur entspannt, weil bei Nikotinzufuhr die Entzugserscheinungen kurz nachlassen. Für Skeptiker, beispielsweise Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung oder einem anderweitig funktionierendem Verstand, gibt es den Hinweis, dass die mesopotamische, die ägyptische und die chinesische Medizin diese Therapie auch schon als Standard bei allerlei Gebrechen wie Diabetes, Rheuma, Kurzsichtigkeit oder Schnupfen empfohlen haben. Wir befinden uns durchaus in einer Tradition, die schon viele überlebt haben.

Die 428 hatte einen kurzfristigen Herzstillstand, deshalb haben wir ihr nach dem Wissensstand des Behandlungsvertrags Tabakrauch in den Enddarm geblasen. Zur Wiederbelebung. Wie zu erwarten haben wir jetzt einen langfristigen Herzstillstand.

In einer Gesellschaft, in der man den Patienten die Grundregeln der Humanmedizin vortanzen kann und meist zurückbekommt, dass sie alles besser wissen, müssen Sie irgendwann ein konsistentes Therapieangebot machen. Wir haben uns für die allgemein bekannten Verfahren des Mittelalters entschieden, und das war nicht ganz leicht. Ich als Fachmann weiß zum Beispiel, dass die arabische Welt pharmakologisch erheblich weiter war als der Westen, aber erzählen Sie mal einem besorgten Bürger. Die erste endotracheale Intubation wurde 1543 angewandt, das lassen wir natürlich weg, da es sonst als Lügenmedizin gebrandmarkt würde. Die Kunden finden es authentischer, dass wir ihnen bei Irrsinn den Schädel aufmeißeln.

Der Hausmeister ist schon wieder zu früh dran, wie oft soll ich das noch sagen? Wenn der Kerl wieder den ganzen Flur ausräuchert, kann er sich auf ein Donnerwetter gefasst machen! Ich will auf der Station keine verkohlten Ginsterzweige mehr gegen unruhige Säfte, und er soll seine Pestmaske aufsetzen! Wenn er sich diesmal nicht an die Regeln hält, wird er ab morgen zur Vokalatmung versetzt oder zur Klangschalentherapie!

441 ist ja schon länger hirntot, da half auch kein Detox. Der war eigentlich schon bei Einlieferung vegetativ auf Null, weil er uns gesagt hat, dass die Erkrankung, wegen derer er dann gestorben ist, gar nicht existieren kann, da sein Sternzeichen das nicht zulässt. Interessant. Wir könnten ihn jetzt in die Kühlung verlagern, aber er ist Privatpatient, und da nutzen wir jede Möglichkeit, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Wir wenden gerne experimentelle Verfahren an, wenn wir vorher rausgefunden haben, was wir an Wirkung erwarten können. Reinkarnation ist okay, mit Reiki haben wir im Internet gute Erfahrungen gemacht, und Heilsteine dürfen wir nur nach der üblichen Desinfektion anwenden. Das ist immer noch besser als Geistheilung, weil man da nicht genau weiß, wessen Geist eigentlich geheilt werden sollte. Immerhin haben wir eine Zusammenfassung der Eigenurintherapie mit klassischer Harnschau geschafft: erst guckt sich das die Pflegekraft an, dann können die Patienten mit dem Zeug machen, was sie wollen. Falls das irgendwie biodynamisch wirkt, sagen Sie Bescheid, wir integrieren das in die üblichen Behandlungsmethoden.

Heilhüpfen können Sie haben, gerne auch in konzentrischen Kreisen, mit oder ohne Ohrkerzen, und wir machen dazu anthroposophisches Kratzen auf der naturbelassenen Schiefertafel. Alles kein Problem. Globuli? Entschuldigung, hatten Sie das nicht kapiert? Wir sind Ärzte!“





Hinreichender Tatverdacht

23 01 2022

Es gibt revolutionäre Maßnahmen, die sich auch bis nach der Revolution halten, beispielsweise diese Gewaltenteilung, von der so viele sprechen, wenn es um die Definition des Rechtsstaates geht. Rechts ist der Freistaat Sachsen auf jeden Fall, und wenn es der Staatsgewalt Polizei in den Kram passt, dann beschlagnahmen sie auch schon mal Fahrräder. Nicht wegen mutmaßlicher Ordnungswidrigkeiten, weil ein Fahrrad auf dem Fahrradparkplatz einem falsch parkenden Kraftfahrzeug im Weg stehen würde, sondern für amtlich legitimierte Straftaten wie Diebstahl und Hehlerei. Amtlich legitimiert, da die Ermittler bei den Leipziger Beamten, die durch erdrückende Beweise belastet wurden und zum Teil geständig waren, keinen hinreichenden Tatverdacht sahen. Gut 50 Verfahren wurden eingestellt. Kein hinreichender Tatverdacht. Zufällig bei eigenen Ermittlungen. Die katholische Kirche ist nur noch ganz knapp davon entfernt, der Polizei zu zeigen, wie man das richtig macht. Manche Schweine sind offenbar gleicher als andere. Vielleicht tun sie sich zusammen und spezialisieren sich auf Kinderräder. Synergien wären vorhanden. Alle weiteren Anzeichen, dass Staatsversagen inzwischen zum Leitbild öffentlicher Organisationen gehört, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • querdenker nazis: Nicht alle Nazis sind gleich Querdenker.
  • folie grillen: Zu oft mit dem Kopf in der Mikrowelle übernachtet?
  • fdp wähler: Die AfD braucht eine Vorfeldorganisation.
  • ard abschaffen: Bei der deutschen Bürokratie ist die CDU vermutlich dreißig Jahre vorher weg vom Fenster.
  • omikron ungefährlich: Sie dürfen sich den Sargschmuck selbst aussuchen.
  • pizza ananas: Die internationalen Konflikte häufen sich eh gerade.
  • schule projekt: Die Kultusminister nehmen das mit der Bevölkerungsreduktion offenbar ernst.
  • vegane strümpfe: Sie können stattdessen natürlich auch in zwei Brathähnchen laufen.
  • ddr kittelschürze: Modell Wagenknecht?
  • nebenwirkungen lack: Der Zwang zum Spaziergang ist ja kein Zufall.
  • matrix ddr: Da gab’s nur rote Pillen.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXXVII)

22 01 2022

Maurycy begoss in Molditten
im Winter die Stufen. Dort glitten
nun aus auf dem Eise
mehr lautstark als leise
die Leute, die sonst mit ihm stritten.

Im Frühling schmückt Carlo in Eyrs
den Christbaum. „Mir gleich, denn ich feier’s
wie andere Länder
nicht streng nach Kalender
und achte auch nicht des Geseiers.“

Zum Skatspiel braucht Bohdan in Narthen
bekanntlich ein ganzes Blatt Karten.
Da er seins verloren,
kam ihm jüngst zu Ohren,
es wächst, wenn man’s pflanzt, auch im Garten.

Man fand Pfarrer Fulvio in Jaufental
so ganz überraschend beim Taufen kahl.
Dies stört ihn zu Bette,
doch nach einer Wette
passierte ihm dies jüngst beim Saufen mal.

Es ärgert sich Max in Mareese.
„Wie ich’s Telefonbuch auch lese,
es ist nicht recht schlüssig.
Ich bin überdrüssig,
es hat nicht einmal eine These.“

Domenicos Katzen in Gfrill,
sie schreien meist nachts ziemlich schrill.
Eins fürchtet er mehr noch,
das ängstigt ihn sehr doch:
am Tag ist es unheimlich still.

Der Koch Mikołaj spricht in Natelfitz:
„Da ich statt des Löffels den Spatel spitz,
kann ich besser rühren,
denn Löffel zu führen
hilft nicht beim Gelingen von Tafelspitz.“