Spaghetti mit Spaghetti

31 03 2022

„… zahlreiche Produkte bei Discountern vor einem erneuten Preisanstieg stehen würden. Der Handel gehe von etwa 400 Artikeln aus, die sich innerhalb der kommenden Wochen um bis zu…“

„… den Preisschock sehr bedauern würden, aber auch durch gestiegene Transportkosten zu einer Erhöhung gezwungen seien. Gleichzeitig werde man Waren, die nicht in den Filialen vorrätig seien, vorerst von der Preiserhöhung ausnehmen, um die Kunden nicht durch eine verwirrende…“

„… für einen sozialen Ausgleich sorgen würde, wenn die SPD nicht auf der Bremse stünde. Lindner wäre bereit, die Mittel für eine Benzinpreisbremse sofort vollständig aus dem Bundeshaushalt zu…“

„… da sich die Sozialverbände besorgt geäußert hätten, ob angesichts der aktuellen Teuerungswelle die finanziell schlechter gestellten Haushalte noch ausreichend versorgen könnten. Die Regierung sei sich jedoch sicher, dass man im laufenden Jahr eine ergebnisoffene Diskussion mit den Ausschüssen sowie den beteiligten Beratern im…“

„… vereinzelte Lebensmittel durch schnelle Verteuerung schlagartig ausverkauft seien, da die Kunden einen nochmaligen Preisanstieg befürchten würden. So habe in den südlichen Bundesländern die Anhebung des Preises von 0,49 Euro auf 0,55 Euro für eine Dose Tomatenmark zu einem Run auf das Produkt eingesetzt, der in keinem Verhältnis mehr zum…“

„… habe die FDP nochmals darauf hingewiesen, dass auch Lieferanten von Spritpreismaßnahmen profitieren würden. Entgegen ihrer ursprünglichen Absicht wäre man auch bereit, Menschen aus der arbeitenden Bevölkerung durch eine großzügige…“

„… sich besonders am Monatsende nachteilig auf die Versorgung der Menschen mit schmalem Budget auswirke. Gerade Tomatenartikel würden in Kombination mit den ebenfalls nachschubarm in den Filialen vorhandenen Nudeln das Rückgrat der Ernährung darstellen. Längerfristige Ausfälle seien bekannt, könnten aber durch logistische Engpässe nicht nur nicht verhindert werden, sondern in der aktuellen Lage sogar noch…“

„… darauf hingewiesen hätten, dass etwa 60% der in Deutschland gehandelten Menge an Getreide für Tierfutter verwendet würden. Es sei den Betrieben nicht zuzumuten, dass sie ihr bereits geschlachtetes Vieh wegen zu hoher Preise wieder vernichten müssten, deshalb führe für sie kein Weg vor bei an einer zusätzlichen Subvention für die…“

„… müsse eine preisbewusste Ernährung einen Einkaufsradius von etwa 400 km sowie tägliche Touren in bis zu 50 Läden berücksichtigen, was jedoch vom Zeitaufwand nur Erwerbslosen möglich sei. Die Sozialverbände sähen die Bundesregierung in der Pflicht, die Mobilität mit mehr als nur einem Drei-Monats-Ticket für den ÖPNV zu…“

„… inzwischen andere Tomatenerzeugnisse wie Ketchup knapp würden. Die Handelskonzerne seien immer auf der Suche nach innovativen Ideen, um die Kundenbindung zu verstärken, könnten aber nur Rezeptvorschläge wie Spaghetti mit Spaghetti oder einen Salat aus…“

„… werfe Lindner der Bevölkerung mangelnde Flexibilität vor. Für den FDP-Vorsitzenden sei in einer durch natürliche Marktprozesse entstandenen Preisbereinigung vor allem wichtig, dass alle Güter auf ihre Teuerung überprüft würden. Da die Preise für Champagner, Kaviar und Trüffel nicht oder nur um wenige Prozentpunkt gestiegen seien, könne man von sozial schwachen Konsumenten erwarten, dass diese ihre Ernährungsgewohnheiten schnell überdenken würden, statt sich auf den Staat zu…“

„… nur mit Kernkraft aus der Energielücke komme. Für Söder sei der Weiterbetrieb aller zur Schließung bestimmten Kraftwerke, die Suche nach spaltbarem Material, Ausbesserung aller Reaktoren einschließlich der Anträge auf Genehmigung des Betriebs sowie die Umstellung des Güterverkehrs auf Elektrolastkraftwagen der vernünftigste Weg sei, um bis 2086 in greifbare Nähe einer…“

„… der konservative Flügel der SPD Sarrazin eingeladen habe, um erneut über seine Vorschläge zu einer überlebenssichernden Kalorienzufuhr für Arbeitsscheue, Rasseschädlinge und Asylanten zu diskutieren. Die Kommission wolle ein Konzept erarbeiten, bei dem durch Lagerhaltung die Menge an ausgegebenen Lebensmitteln möglichst gering und passgenau auf den Bedarf der…“

„… sofort widersprochen habe. Durch ein Tempolimit für Lastkraftwagen werde sich die Lieferkette nochmals schwächen, so dass eine gute Versorgung der Käufer mit den gewohnten Artikeln nicht mehr sichergestellt werden könne. Der dabei entstehende Mehrverbrauch, im Ministerium als Freiheitsdiesel bezeichnet, dürfe nicht leichtfertig durch sozialistische Ideen einer Vollversorgung der teilweise nicht einmal mit Grundbesitz oder einem Zweitsportwagen ausgestatteten…“

„… habe die Sarrazin-Kommission bei den Handelskonzernen nichts erreicht. Der Vorschlag der Berater, ein mit Brot belegtes Brot als neues deutsches Nationalgericht zu bewerben, würde nach Aussage der Discounter bereits daran scheitern, dass es nicht einmal mehr ausreichend Brot zum…“

„… fordere die FDP den endgültigen Wegfall samt Verbot aller Infektionsschutzmaßnahmen. Für Lindner sei klar, dass sich in einer so schlechten Versorgungslage, wie sie derzeit in Deutschland zu sehen sei, das Volk sein Grundrecht auf Freiheit erkämpft habe und nun belohnt werden müsse, indem die gesetzliche Grundlage für wesentliche Erleichterungen im…“





Reformstau

30 03 2022

„Sicher könnten Sie sofort anfangen, Fachkräfte brauchen wir überall. Sprachkenntnisse setzen wir voraus, und Sie müssten natürlich Ihren Bildungsabschluss nachweisen. Können wir Ihnen die Formulare zufaxen?

Wir bevorzugen eben zuverlässige Technik in Deutschland, daran sollten Sie sich gewöhnen. Die funktioniert nicht? das müssen Sie mir nicht sagen, aber sie funktioniert eben zuverlässig nicht. Es ist keine große Überraschung, wenn so ein Gerät nicht sendet oder nicht empfängt, es ist Leitkultur. Das wird Ihnen hier öfter begegnen, und ich kann Ihnen nur den guten Rat geben, machen Sie sich nicht darüber lustig. Wir sind mit diesen Mitteln zu einer erfolgreichen Industrienation geworden, also kann ja nicht alles verkehrt sein daran.

Es gibt durchaus Digitalisierung in Deutschland, wir haben sehr gutes Internet. Kommt immer darauf an, wo Sie gerade wohnen. Deshalb sollten Sie sich auch gut überlegen, ob Sie mit Ihrer Pauschalkritik so weit kommen. Sie wollen ja schließlich hier bei uns arbeiten, dann sollten Sie sich mit dem Land vertraut machen, bevor Sie zu meckern anfangen. Es mag ja anderswo auch ganz schön sein, da kann man ein Gewerbe anmelden und Steuern bezahlen und solche Sachen, aber dann frage ich Sie: warum wollen Sie nicht dahin? Weil es da schon zu viele gibt, die sich mit Computern auskennen und Sie gar nicht mehr gebraucht werden?

Jetzt beruhigen Sie sich, so schlimm ist es hier auch wieder nicht. Wir haben ja auf Sie gewartet. Die letzte Bundeskanzlerin hat dieses Land gute 16 Jahre lang kaputtregiert, damit wir einen Grund haben, mit technischen Innovationen anzufangen. Klingt komisch, ist aber so. Man muss mit solchen Projekten sehr vorsichtig sein. Diese Kanzlerin hat vor ein paar Jahren bei einer plötzlichen Welle von Zuwanderern einfach gesagt, dass wir die alle gut integrieren könnten – das war nicht falsch, aber das Land war damals einfach noch nicht kaputt genug. Jetzt würde es sich lohnen. Schauen Sie sich nur die Infrastruktur an, Brücken, Bahnen, das haben wir in den Jahren sauber runtergerockt. Wenn Sie jetzt mit dem notwendigen Know-how kommen, dann ist das eine Aufgabe für mindestens drei Generationen, die sich sehr gut integrieren können.

Vielleicht bringen Sie auch Erfahrungen für die Verkehrswende mit? Sie selbst werden da nicht viel ändern können, hier einen verkehrsberuhigten Bereich, da eine Fußgängerampel, aber auch das ist eine Aufgabe für mehrere Generationen. Ihre Enkel könnten irgendwann gefahrlos zur Schule radeln, das ist doch auch schon etwas. Außerdem werden die Deutschen sich sowieso beschweren, dass da ein Ausländer kommt, der ihre Autos aus der Innenstadt verbannt, nur weil er das studiert hat. Uns ist es nicht gelungen, vielleicht haben Sie mehr Glück.

Was meinen Sie, wie lange wir gebraucht haben, bis wir die Energiewende so richtig versaut hatten. Das war eine konzertierte Aktion, bei der wir ganze Branchen vernichten mussten. Bei der Fotovoltaik ist uns das überraschend schnell gelungen, bei der Windkraft sind wir immer noch dran. Jetzt müssen wir abwarten, ob wir den Abbau fortsetzen oder ob wir sofort auf Wiederaufbau umschwenken. Danach würde sich dann auch richten, in welcher Branche wir Sie beschäftigen können. Vielleicht machen Sie auch einen kleinen Zwischenstopp bei der Kohle, oder wir warten einfach ab, dass irgendjemand eine Technologie erfindet, die ohne Naturgesetze geht.

Das Problem sind nicht die finanziellen Mittel, das können Sie mir glauben. Geld haben wir genug, Deutschland ist stark. Wir haben diese Kanzlerin 16 Jahre lang überlebt, das müssen uns andere erst mal nachmachen. Das Problem ist, dass wir zu viele dysfunktionale Großprojekte gleichzeitig haben. Die sind teil dysfunktional, weil sie zu groß sind, teilweise sind sie aber auch stark angewachsen, da sie schon am Anfang dysfunktional waren. In China hauen die ein Krankenhaus in ein paar Tagen aus Containern zusammen, hier brauchen Sie die ersten drei Jahre, um die Baugenehmigung zu kriegen. Von Flughäfen oder Bahnhöfen will ich gar nicht erst anfangen. Das ist der Reformstau, und das ist wenigstens mal ein positiver Aspekt. Den haben wir über Jahrzehnte perfektioniert, den gibt es so in keinem anderen Land auf der Welt. Dazu kommt der Fachkräftemangel, ohne den wir Sie überhaupt nicht eingeladen hätten, und das sind die besten Voraussetzungen, dass Sie sich als Arbeitnehmer in Deutschland sehr willkommen fühlen werden. Sie werden gebraucht.

Wenn Sie sich erst orientieren wollen, weil wir Ihren Ausbildungsabschluss ja wie gesagt nur sehr zögerlich ernst nehmen werden, dann kann ich den Pflegenotstand empfehlen. Das ist eine Branche, in der geradezu landestypisch gearbeitet wird. Und der Einstieg wird Ihnen sehr leicht gemacht, da wir traditionell der Ansicht sind, dass jeder Idiot für die Pflege geeignet ist. Wir sagen das auch genau so, damit die Beschäftigten im Pflegenotstand gleich von Anfang an eine realistische Sicht auf ihren Job haben. Deshalb eignet sich dieses Berufsfeld auch so gut für alle, die nicht ins Pandemiemanagement gehen wollen. Da macht man nicht viel, man sieht eigentlich nur zu, wie die anderen auch nichts dafür können, aber einer muss es ja machen. Jede Menge freie Stellen. Man muss eigentlich nur ein Faxgerät bedienen können, und selbst das nur werktags. Ist das Ihre Kragenweite? Könnten Sie sich das bis zur Grundsicherung vorstellen?

Was wollen Sie hier machen? Klimaschutz? Können Sie vergessen.“





Sternstunden

29 03 2022

Sorgfältig schnitt Herr Breschke die Rasenkante. Wie mit dem Lineal gezogen verlief ein sauberer Saum am Rosenbeet. „So ein herrliches Wetter“, begrüßte er mich im Vorgarten. „Wir können gleich anfangen, die Säcke mit dem Strauchschnitt liegen im Keller.“

Vieles hatte ich erwartet, denn der Hausherr war ja nicht mehr der Jüngste. Eine fiebrige Erkältung, plötzlich einsetzende Gelenkschmerzen, leichter Schwindel durch eine verhobene Bandscheibe, alles das war schon einmal der Grund gewesen, ihm im Haus zu helfen, da plötzlich ein Rollo herabgefallen war oder eine Schublade sich verklemmt hatte. „Sie hatten doch gesagt, Sie könnten gerade nicht aus dem Haus?“ Er nickte. „Deshalb bleibe ich ja auch hier, nur bis zum Zaun – man soll sein Schicksal nie herausfordern.“ Er legte die Schere beiseite und zog die Handschuhe aus. Offenbar fehlte ihm nichts. Was mich sonst gefreut hätte, machte mich stutzig. „Ihnen bereiten zwei kleine Beutel mit Gartenabfall doch keine Schwierigkeiten?“ Breschke schüttelte energisch den Kopf. „Ich bitte Sie“, antwortete er, fast trotzig. „Die trage ich Ihnen eben herauf, und Sie stellen die bloß an den Bordstein, weil morgen früh Abfuhr ist.“ Jetzt begriff ich gar nichts mehr. Würde er sich beim Transport ernstliche Schäden zuziehen? Müsste ich fürchten, er verliefe sich auf dem Rückweg zur Haustür? „Sie werden das sicher für unnütze Vorsicht halten“, beharrte er, „aber ich bin nun einmal wachsam, was Gefahren angeht.“

Kurz war er in den Hauseingang getreten und hatte eine Illustrierte aus dem Postkörbchen neben der Tür gefischt. „Sehen Sie“, sagte er und blätterte das Heft auf. „Im Straßenverkehr lauern Gefahren, die ich nicht unterschätzen soll.“ Das also stand auf der Doppelseite von Linda, dem neuen Organ für Backrezepte und Hysterie, im Horoskop. „Herr Breschke“, stöhnte ich, „Sie wollen mir doch jetzt nicht weismachen, dass Sie auf Ihre alten Tage anfangen, an diesen Hokuspokus zu glauben?“ Er zog missbilligend die Augenbrauen in die Höhe.

Vor Jahren hatte der pensionierte Finanzbeamte durch ein Mitbringsel seiner Tochter die chinesische Tradition in Taiwan gefertigter Plastikarmbänder entdeckt, die seit Jahrtausenden mit magnetischem Kupfer und automatisch übersetzten Anleitungen an fitnessbewusste Europäer geliefert werden, um die Volksgesundheit bei schrumpfendem Geldbeutel zu stabilisieren. Da die Urlaubsvertretung von Doktor Klengel mit ihrem Versuch gescheitert war, seine rheumatischen Anfälle durch Zuckerkügelchen zu therapieren – genauer gesagt war es ihr schon nicht gelungen, ihn zur Einnahme dieser Süßwaren zu bewegen – hielten sich die Ausflüge ins Esoterische also in Grenzen. Was konnte nur geschehen sein? „Das Hundemagazin ist dreimal nicht gekommen“, erklärte er. „Irgendetwas muss ich ja nachmittags beim Tee lesen, und da meine Frau immer die Hefte hat…“ Deshalb also musste Horst Breschke nun in diesem als Sternstunden bezeichneten Unfug sein unabänderliches Los suchen. „Lieber Freund“, begann ich, „Sie werden sicher die Güte haben, mir zu erklären, warum Sie die Säcke nicht selbst hinaustragen.“ „Lesen Sie doch“, zeigte er auf den Abschnitt. „Straßenverkehr – alles vor dem Gartenzaun ist Straßenverkehr, deshalb muss ich auf dem Grundstück bleiben.“ Das erklärte einiges.

„Herr Breschke“, gab ich zurück, „Sie glauben daran, dass ein Zwölftel der Menschheit sich eine Woche lang zu Hause aufhalten soll, weil sonst ein gefährliches Übel ihnen droht? allen gleichzeitig?“ Er sah mich ungläubig an. „Ich habe mich doch bis jetzt daran gehalten, und es ist nichts passiert.“ Ich stöhnte auf. „Gibt’s keine Gefahren, so stimmt das Horoskop, weil man sich in Sicherheit gebracht hat, und passiert tatsächlich etwas, haben die Sterne ja ausdrücklich gewarnt.“ Möglicherweise war er ein bisschen gekränkt, aber darauf konnte ich nun keine Rücksicht mehr nehmen. „Übrigens stimmt diese ganze Berechnung sowieso nicht mehr.“ Er sah auf das Heft. „Es wird doch aber immer wieder neu berechnet, Woche für Woche?“ „Was sagt Ihnen denn der Begriff ‚Präzession‘?“ „Natürlich ist das sehr genau“, nickte Breschke, „das machen die ja beruflich.“ So kamen wir offenbar nicht weiter. „Es ist ein 2500 Jahre altes Modell, das den Himmel in zwölf Abschnitte teilt und ihnen Namen gibt wie Stier, Wassermann oder Widder, aber unsere Erde bewegt sich nun mal, die Erdachse neigt sich im Laufe der Zeit hin und her und der Frühlingspunkt verschiebt sich.“ „Sie wissen doch aber, dass ich im Winter Geburtstag habe?“ Wie sollte ich dem noch beikommen? „Die Jahreszeiten verschieben sich, und in diesen 2500 Jahren sind die Sternzeichen um eine Stelle weiter gewandert. Wären Sie nach dieser Aufteilung Wassermann, so sind Sie astronomisch korrekt nun eigentlich Steinbock.“ Verzweifelt sah Breschke mich an. „Um die ganze Sache genauer zu machen, eigentlich sind es dreizehn Sternzeichen, aber für die Astrologen in Babylon war die Zwölf eine heilige Zahl. Und einfacher zu berechnen.“

Herr Breschke drehte sich wortlos um, betrat den Flur und schritt auf die Kellertür zu. Ich ging ihm schnell nach. Gerade eben noch sah ich, wie einer der beiden Beutel mit Blattwerk, mit denen er die Treppe empor kam, mit scharfem Rauschen riss, so dass die Abfälle die Stufen hinab purzelten. „Wie ist das möglich“, keuchte er. „Das kann doch nicht sein?“ „Sie hätten dies Präzisionshoroskop besser lesen sollen“, erklärte ich. „Vielmehr das Datum, es ist das Heft der letzten Woche.“ Ich zog die neue Linda hervor. „Die Sterne empfehlen Ihnen, den Frühling bei einem Stadtbummel zu genießen. Das klingt doch vernünftig, oder nicht?“





Gewaltfreie Ernte

28 03 2022

„… die bislang guten Wirtschaftsbeziehungen zu Georgien schwer belaste. Falls die Saisonarbeiter sich nicht kompromissbereit zeigen würden, müsse die deutsche Agrarindustrie auf andere Ressourcen ausweichen und Verantwortung für die deutschen Verbraucher übernehmen, die durch die aktuellem Preisaufschläge ohnehin schon sehr…“

„… jetzt auch bei der Spargelernte drohe. Die landwirtschaftlichen Betriebe hätten zwar sehr gute Kontakte zu ukrainischen Agenturen, es sei aber in den letzten Wochen zunehmend schwierig, auch nur telefonischen Kontakt zu den Vermittlern in der…“

„… die Jahrhunderte währende Kultur mutwillig zerstöre, um ein ganzes Volk zu degradieren. Dies fordere internationale Geschlossenheit, bevor der Feind die westlichen Werte mit Stumpf und Stiel vernichte. Merz verlange Neuwahlen, wenn die Ampel nicht sofort die Spargelernte im…“

„… hätten die georgischen Hilfskräfte zum Teil in unverschämter Diktion auf Vertragserfüllung bestanden. Der Verband der Erdbeerproduzenten sei zwar in vielen Fällen nicht gewillt, zugesicherte Löhne zu entrichten, weise aber darauf hin, dass die Bundesrepublik eine bei vielen Ostvölkern äußerst beliebte Urlaubsregion sei, die die georgischen Wanderarbeiter über einen Zeitraum von mehreren Wochen quasi kostenlos hätten erleben dürfen, so dass sich die Frage nach Bezahlung gar nicht…“

„… seien die ukrainischen Bürgerinnen gut zur schnellen Integration in den Arbeitsmarkt geeignet. Anders als syrische Wirtschaftsflüchtlinge, die nur in die Bundesrepublik eingewandert seien, um den hart arbeitenden Menschen die Job zu nehmen, sehe Giffey die Immigration als Chance für einen…“

„… eine Änderung des Grundgesetzes dringend notwendig sei. Da Personen mit subsidiärem Schutz in den ersten drei Monaten ihres Aufenthaltes nicht arbeiten dürften, müsse man ihre Gleichstellung mit Asylberechtigten ändern. Kubicki lehne es ab, dass Eindringlinge, die ihren Grundrechtsmissbrauch mit der Verfassung begründen würden, auf eine Stufe mit leistungsfähigen Frauen, die hoffentlich bald auch auf dem Heiratsmarkt ein sehr gute…“

„… überproportional viele Akademikerinnen aus der Ukraine kämen. Die Bundesagentur für Arbeit sehen darin vor allein ein organisatorisches Problem, da man diese Menschen trotz fehlender Sprachkenntnisse nicht wie sonst üblich mit den vorgeschriebenen, auf strukturellem Rassismus basierenden internen Dienstvorschriften und den…“

„… das Sondervermögen für die Bundeswehr durch die ablehnende Haltung der Opposition aber gefährdet sei. Lindner habe vorgeschlagen, dass ein Teil der Anschubfinanzierung für die Ausrüstung der Truppe durch zivile Einsätze abgeleistet werden könne. So seien Erntehilfe im Spargelbereich und logistische Unterstützung in der Distribution eine Möglichkeit, die Öffentlichkeit von der…“

„… habe der Europäische Gerichtshof immerhin abgelehnt, dass subsidiär Schutzberechtigte eine Wohnsitzauflage bekämen. Für Giffey eröffne sich damit die Perspektive, dass man ukrainische Helfer auch ortsunabhängig und sehr flexibel disponieren könne und durch Zeitarbeitsunternehmen in der brandenburgischen Landwirtschaft für mehrere Projekte während der aktuellen…“

„… die Gefahr ethnischer Konflikte zu groß sei. Mehrere Ministerpräsidenten hätten Bedenken, die traditionellen Rekrutierungswege für illegal in den deutschen Fleischzerlegebetrieben beschäftigte Scheinselbständige anzutasten, zumal die mit dem EU-Land Rumänien verbundenen Firmen private Kontakte zur Führungsebene von Union und…“

„… zu Zwischenfällen gekommen sei. So habe ein bereits erfolgreich beim Oderhochwasser zum Einsatz gekommenes Panzergrenadierbataillon die Felder eines nordrhein-westfälischen Spargelbauern überrollt und vollständig eingeebnet, so dass nur noch der Versicherungsschaden für den…“

„… bekämpfe das Bundesministerium für Verteidigung jetzt Tiefkühlware mit dem Aufdruck Gewaltfreie Ernte. Man befürchte bei der pazifistischen Produktion verfassungsfeindliche Tendenzen, die zur Bejahung des Krieges gegen…“

„… dass die Freiheit am Spargel verteidigt werde. Die FDP sehe eine 90-tägige Beschäftigung, die beim Verband Ostdeutscher Spargelbauern mit dem Sonderkontingent Fluchthilfe geschlossen werde, als Chance für die Stabilität Europas, die bald auch eine Unabhängigkeit von den…“

„… zur Festigung der deutschen Wirtschaft in erheblichem Maße beitrage. Der Krieg müsse nur noch drei bis vier Jahre dauern, um die notwendige Konsolidierung der Außenhandelsbilanz auf den erwünschten Wert von…“

„… hätten Mathematikerinnen, Ingenieurinnen und Ärztinnen in Deutschland ohnehin kaum reelle Berufschancen, da der hiesige Arbeitsmarkt bereits auf der Suche nach deutschstämmigen Fachkräften scheitere. Eine Neuorientierung in systemrelevante Branchen wie Landwirtschaft, Gebäudereinigung oder Pflege könne positive Effekte auf den…“

„… durch Spargelbeete robbende Soldaten nicht geeignet seien, die Geflüchteten zu unterstützen. Es bedürfe der regelmäßigen Ansprache an die Truppe, um den Rekruten den wirtschaftlichen Ernst ihrer Aufgabe für den Nährstand der Mittelschicht zu…“

„… mit ukrainischem Pass abgeschoben und sofort am Grenzübergang als Wanderarbeiterinnen wieder in die Bundesrepublik zurückgeholt werden könnten, um einen Ernteeinsatz auf den Feldern der Vertragspartner im jeweiligen…“





Vorläufige Bilanz

27 03 2022

für Erich Kästner

Wir sind so weit. Die Welt geht aus den Fugen.
Wir haben den Planeten fast zerstört.
Noch gelten die Bedenken, die wir trugen.
Es ist nur nicht geklärt, wem was gehört.

Der Eigennutz ist groß, uns zu beschützen.
Wer hungert, den schießt man am besten tot.
Der Fortschritt soll zu guter Letzt auch nützen.
Wen wir nicht sehen, der ist nicht bedroht.

Was nützt die Utopie, es sei die Erde
mit etwas Freundlichkeit ein Paradies?
Die Schafe bleiben immer bei der Herde.
Am Boden liegt nur, wer nicht selber stieß.

Wir rechnen ab. Sind wir nicht weit gekommen?
Ein Strich darunter, und dann ist schon Schluss.
Ein jeder hat sich möglichst viel genommen,
was nicht bedeutet, dass er zahlen muss.

Wir rechnen ab. Natürlich sind Verluste
recht ärgerlich. Nie schafft man etwas ganz.
Es kommt nicht darauf an, wer wann was wusste.
Wir rechnen ab. Und hier ist die Bilanz

Wir zahlen – manche mit dem nackten Leben,
mit Kleingeld, mit der Würde, oft mit Blut.
Die Welt ist nicht gerecht. Das soll es geben.
Woran es lag? die Menschen sind nicht gut.

Die gute Nachricht: es wird Menschen geben.
Bestimmt lebt in der Zukunft manches Kind.
Die schlechte Nachricht: die es überleben,
sind auch nicht besser, als wir heute sind.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DLXXXVI)

26 03 2022

Enrico, der fährt in Alpette
das Mofa trotz schleifender Kette
fast drei Kilometer.
Der Schaden kommt später,
doch er gewinnt so eine Wette.

Ermittelte Sverre in Seter
fast bei jedem Mordfall den Täter,
sind Kriminologen
ihm seither gewogen.
Die machten nie großes Gezeter.

Im Helm hat Omar in Cassine
beim Motorradfahrn eine Biene.
Dem Feuerstuhlhelden
dies gar nicht gefällt, denn
er hätt fast verzogen die Miene.

Es putzt Øystein in Vestre Toten
den Hunden und Katzen die Pfoten.
Er selbst trägt nie Schuhe
und kommt aus der Ruhe,
betritt man sein Haus – streng verboten!

Ernesto wohnt in Cortandone.
„Da ich meine Mülltonne schone,
muss keiner sie leeren.
Die Müllwagen scheren
sich auch kaum darum. Nicht die Bohne.“

Es stellte sich Rikke in Tjøtta
aus Holz und Metall fünfzig Götter
wohl in ihre Schränke,
dazu auch Geschenke:
für jeden Bedarf einen Retter.

Maurizio ruft in Borgomale
zehnmal an die Taxizentrale.
Jetzt kommen zehn Wagen,
bei ihm Krach zu schlagen.
„Glaubt nicht, dass ich dafür bezahle!“





Gernulf Olzheimer kommentiert (DCVII): Das Märchen vom sozialen Faulenzen

25 03 2022
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Der Frühling kam ins Land. Schon schossen im Wäldchen am Rande der westlichen Felswand die Kräuter aus dem Boden, die Ngrr und seine Leute so nötig hatten, um sich gegen die Erscheinungen des vitaminarmen Winters zu wappnen. Die Jungen bekamen ihre Körbchen, um fleißig Grünzeug zu sammeln, Snackhörnchen und Vorspeisenvögel in günstigen Momenten zu erbeuten und die Vorräte in der Sippenhöhle aufzufüllen. Doch nicht immer gab es genug. Alle waren beschäftigt, fröhlich zog die Riege von Hang zu Hang, aber mancher Korb blieb leer. Schon hatte der Älteste die Lösung und pfiff die scheinbar Müßigen an: ohne abendliches Eiweiß ab unters Bärenfell. Strafe musste sein. Viel eher war er damit dem Märchen vom sozialen Faulenzen aufgesessen.

Den angeblichen Motivationsverlust bei einer gemeinsamen Aufgabe hatte der Ringelmann-Effekt noch mit dem Tauziehen experimentell zu erklären versucht: je mehr Probanden am Seil ziehen, desto weniger Kraft wirkt tatsächlich. Schließlich wissen wir, dass Team die Abkürzung ist für ‚Toll, ein anderer macht’s‘. Aber die Sache ist, rein physikalisch betrachtet, ein sauberer Fehlschluss, in dem die Psychologie der Motivation nur am Rande eine Rolle spielt. Nicht nur ist die Zugkraft stark vom Impuls abhängig – zieht mal der eine, mal der andere, mal ein paar vorne und hinten, so lässt sich eine Kraftübertragung kaum sauber definieren – sie ist auch vom Vektor abhängig, so dass links und rechts gleichzeitig zerrende Muskelmannen sich in ihrer Stärke buchstäblich auslöschen. Ob nun einer, ein halbes oder ein ganzes Dutzend Honks an der Leine zerren, ist dabei vernachlässigbar, da sich ein linearer Leistungsabfall auf die Art nicht errechnen lässt. Die psychologische Erklärung ist also mit viel Selbstvertrauen zusammengeschwiemelt, zielt auf die Außenwirkung einer pseudowissenschaftlichen Schwindelei und ergibt eine billige Ausrede, die sich im Management nach Belieben verbraten lässt.

Denkbar ist immerhin, dass auch bei nicht rein körperlichen Anstrengungen der Hominide ohne ein klares Leistungsquantum im Gruppenprozess auf Schonbetrieb schaltet, wenn sein eigener Anteil am Ergebnis nicht identifizierbar ist – wo alle Rüben gleich auf dem großen Haufen landen, lassen sich Fleiß und Ausdauer nicht mehr vom Hintergrund der Gruppe lösen. Wir sind hier also bereits in der Selbstmotivation, die aus der positiven Bewertung der eigenen Leistung rührt, wenn nicht aus der Anerkennung durch Dritte, etwa durch kollektives und individuelles Lob, Wertschätzung und einen angemessenen Lohn für die Anstrengung, die über ein erwartbares Maß hinaus der Sache diente. Wer die Notwendigkeit für etliche Arbeitsbereiche in der aktuellen Gesellschaftssituation erkennt, darf gerne danach handeln. Theorie macht nichts besser.

Wo rohe Kräfte sinnlos walten, muss aber nicht immer der Einzelne schuld sein. Vielmehr hat die Organisation der Arbeit entscheidenden Anteil am Gelingen, da Rollen im Gruppenprozess definiert und ihre Bedeutung für das Gesamtergebnis erklärt werden müssen, weil ein Großteil der Effektivität in der Koordination liegt. Schon die empfundene Unwichtigkeit der Arbeit würgt zuverlässig jede Art von Anreiz ab, ein konstantes Niveau zu halten oder es zu steigern, und dies gilt nicht nur für sinnfreies Sandschaufeln oder Bullshit-Jobs, die auch ein gut dressierter Papagei für genügend Nüsse erledigen würde. Berufsfelder, die im öffentlichen Diskurs als höchst relevant abgefeiert und dann systematisch zum Schmuddelkindergarten tituliert werden, sind ebenso betroffen, und die Folgen lassen sich nicht auf die Arbeitnehmer abwälzen, wenngleich gerade dies reflexhaft geschieht, weil sonst die simplen Rechtfertigungsmuster nicht mehr funktionieren.

Außerhalb wirtschaftlicher Verwertbarkeit zu denken fällt Realitätsallergikern gewohnheitsmäßig schwer. Schon bei der Eigenverantwortung in der Pandemie holt sie ihre Scheuklappenroutine ein, mit der sie großspurig Ziele definieren, die für alle gemeinsam gelten sollen, die sie aber lieber der intrinsischen Motivation der Betroffenen überlassen wollen, weil eine Erklärung zu viel Arbeit machen würde. Wüsste jeder, dass die bunten Schilder am Straßenrand nicht zur ästhetischen Aufwertung der Landschaft dienen, hätten wir kein Verkehrsunfälle durch unangepasste Fahrgeschwindigkeit. Nicht nur die heilige Produktivität, auch das Überleben und die damit verbundenen Qualitätskriterien werden von der Tendenz zur Verantwortungsabgabe stark beeinflusst. So treiben wir nun auch die Gutwilligen in die soziale Nahtoderfahrung, weil wir ihre immer wieder gezeigte Kooperationsbereitschaft in die Tonne treten, da wir sie für einen nachwachsenden Rohstoff halten.

Die gegensätzlichen Annahmen der XY-Theorie, der Mensch sei entweder grundsätzlich faul oder grundsätzlich fleißig, sind nur eine selbsterfüllende Prophezeiung, die eine auf Menschen projizierte Haltung verstärkt. Sie erklären wenig und beweisen nichts, aber Hauptsache, wir haben eine einfache Steuerung für die humanoide Verfügungsmasse. Ein Knopf reicht. Wir wollen ja dem Führungspersonal nicht zu viel Umstände machen.





Aktivierendes Pflichtbekenntnis

24 03 2022

„Das mit der Transsubstantiation haben Sie kapiert? Ich frage nur, manchen ökumenischen Teilnehmern ist ja die Unterscheidung sinnlich wahrnehmbarer Akzidentien von einer Substanz im aristotelischen Verständnis gar nicht klar, weshalb wir auch mit Kannibalismusvorwürfen konfrontiert werden. Wer bei uns steuerpflichtiges Mitglied wird, sollte diese intellektuellen Feinheiten schon kennen.

Früher haben sich die Menschen ja größtenteils mit Glaubensinhalten beschäftigt, wenn sie aus der Kirche austreten wollten. Deshalb haben wir ihnen auch unsere Bodentruppen auf den Hals gehetzt, damit wir sie wieder einfangen können. Aber wenn man eben in dieses System hineingeboren wurde, nie etwas hinterfragt hat und seine Zugehörigkeit nur am Lohnzettel merkt, geht das auch leicht. Seit wir jetzt so eine Art aktivierendes Pflichtbekenntnis mit Kompetenzprüfung haben – erinnert ein wenig an die linksreformatorische Täuferbewegung – ist die Sache natürlich schwieriger geworden. Früher mussten man nur mal auf der Straße fragen, was Pfingsten bedeutet, mit den Antworten hätte man ein Zirkusprogramm bestreiten können. Jetzt haben wir einen qualitätsgesicherten Prozess, der nur die aufgeklärten und religionsgeeigneten Personen in die Kirche reinlässt. Das ist schon ein Fortschritt.

Haben Sie das Faltblatt zur Dogmatik gelesen? Das wird abgefragt. Besonders das Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit, das müssen Sie kennen. Das hat der Papst übrigens zuletzt beim Dogma der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel in Gebrauch genommen. Praktisch, oder? Das ist so ein echter Boss Move, Sie können sich als Papst einfach nicht irren, und wenn Ihnen eine tolle neue Idee für einen Feiertag einfällt, für den es keinen biblischen Beweis gibt, zack! Unfehlbarkeit. Also das müssen Sie neben der Eucharistie drauf haben, sonst können Sie sich so eine Messe schenken.

Natürlich ist da jede Menge Murks dahinter, der schlicht auswendig gelernt wird. Das betet man nach, das sind die Spielregeln bei Kulthandlungen, wann der Priester die Mütze aufsetzt und mit der Spardose die Kirche vollqualmt. Als Protestant ist die Vorbereitung auf die Kirchenzugehörigkeit eher Gedächtnistraining, da sagen Sie sämtliche Gebote und das Glaubensbekenntnis auswendig und die Erklärungen im Katechismus, die dann gleichzeitig als Ersatz für theologische Grundsatzdiskussionen gelten. Man muss ja nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo es steht, und was es bedeutet, ist ja nicht ganz so wichtig. Wenn Sie Ihren Pastor mit ontologischen Fragestellungen nerven, halten Sie nur den Betrieb auf.

Bei den Katholiken ist das schon anders, da wird auf moralische Fragen besonders geachtet. Vor der Firmung beispielsweise werden Sie gefragt, ob Sie denn auch rein sind – also im kultischen Sinn, was natürlich ein gewisses Alter voraussetzt, aber ab sieben sollte man schon wissen, was falsch und was richtig ist, und ab dann kann man so einem Kind schon mit Schuldgefühlen die Restexistenz in die Tone treten. Hat der Firmling noch kein eigenes Sündenbewusstsein entwickelt – Glück gehabt, man weiß ja nie, wo der Pfarrer da seine Finger drin gehabt hat. Und fühlt sich das Kind sündig, dann ist es für die Idee einer psychischen Unterdrückung gewonnen. Professionelle Katholiken entledigen sich regelmäßig durch die Beichte vom Druck und sündigen dann fröhlich weiter, aber das wird ja so gut wie nie öffentlich empfohlen. Verboten hat es die Kirche aber bisher nicht, zumindest nicht bei ihrem hauptamtlichen Personal.

Ja, da sind Sie überrascht, aber das ist halt der übliche Weg. Erst werden Sie umfassend über die Inhalte aufgeklärt, dann können Sie entscheiden, ob Ihnen der Spaß die monatlichen Gebühren wert ist. Gemäß Bundesgesetz ist ein Kind schon ab dem vollendeten zehnten Lebensjahr zu hören, wenn in der religiösen Erziehung eine Veränderung eintritt. Was da vorher stattgefunden hat, wurde zum Glück für die Kirchen bisher gar nicht berücksichtigt. Da wurden Sie in die Konfession Ihrer Eltern geboren, ab dann gilt: mitgegangen, mitgefangen. Ausnahme war auch hier, wenn Sie wegen einer Behinderung als nicht vernünftig genug erschienen, um wider die Vernunft die Eucharistie zu empfangen. Sie sind ja erst beim Verstehen der Transsubstantiation in der Lage, diesen Ritus intellektuell zu erfassen. Aber das hat die Kirche schon vor Jahren abgeschafft, auch erst nach der Vorhölle, weil Sie durch den Tod vor der Taufe irgendwie doch sündig sind – in dem Fall war das Ableben vor der Firmung der Grund für die mangelnde Reinheit, sonst ist das andersrum oder hängt vom Sündenbewusstsein ab, aber so eine Fundamentaltheologie macht ja nur Spaß, wenn man sie machen kann, wie’s halt in den Kram passt.

In der Hinsicht ist Religion tatsächlich so etwas wie eine limitierte Gesellschaft. Natürlich nur für die, die das hauptberuflich betreiben. Sie müssen für die Aufnahme in den Club erst mal Prüfungen ablegen, hier und da werden Gebühren fällig, und wenn Sie erst mal drin sind, können Sie machen, was Sie wollen. Ob Sie jetzt Fußpfleger sind oder Priester, ganz egal. Falls Sie doch einmal Stress kriegen, hetzt der Verein die besten Anwälte auf das Rechtssystem außerhalb der eigenen Mauern, und ob das wirklich strafbar ist, wenn Sie vor einem Firmling die Hosen herunterlassen, das entscheiden dann im Zweifel Sie selbst.

Sie müssen sich nicht jetzt entscheiden, Sie haben Zeit, und wenn Sie gar nicht wollen, lassen Sie es einfach. Nur noch ein gut gemeinter Rat, weil hier ja noch andere Prospekte herumliegen: die andere Esoterik ist auch nicht kostenlos.“





Debattenbeitrag

23 03 2022

„… es sich längst um eine Diktatur handle, deren Regierung vor einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt werden müsse. Die Bewegung protestiere gegen die Steuerzwangsgesetze und kündige einen bundesweiten Aufstand an, der sich gegen die…“

„… begrüße auch Kubicki die Demonstrationen in Berlin. Zwar seien Todesdrohungen gegen FDP-Chef Lindner nicht zielführend, man müsse sich aber inhaltlich mit den Argumenten der…“

„… einen schnellen Schulterschluss mit den Organen der Springer-Presse gefunden habe. So sei eine tägliche Sendung in BILD TV geplant, um das grundgesetzwidrige Vorgehen der von Merkel eingesetzten Marionetten in der…“

„… werde die Debatte um Steuergerechtigkeit mit massiven Lügen geführt. Weidel habe in ihrer Rede vor dem Deutschen Bundestag zum Thema Düngemitteleinsatz zum Ausdruck gebracht, dass nur die vollständige Streichung aller Steuern als gerecht empfunden werde, was aber mit einer klar linksextremistisch orientierten…“

„… die Debatte bisher falsch geführt worden sei. Precht habe bereits in elf Talkshows erklärt, dass der Zusammenhang von Partnerwahl, sozialem Wandel, Steuern und postmoderner Schuhmode in seinen Arbeiten bisher nur marginal berührt werde, weshalb er noch dreißig bis vierzig…“

„… könne eine Steuerpflicht wegen des bereits auftretenden Papiermangels gar nicht durchgesetzt werden. Zahlreiche FDP-Politiker würden eine Umkehr der Beweislast voraussehen, in der Bürger rechtswidrig nachweisen müssten, dass sie ein von den Finanzämtern ausgestelltes Schreiben nicht bekommen hätten, was juristisch nicht…“

„… als Debattenbeitrag bezeichnen wolle, der den Freiheitsgedanken im öffentlichen Diskurs wieder auf eine vernünftige Basis stelle. Merz halte die Idee, Steuern nicht zu senken, sondern sie vor allem in den unteren Einkommensbereichen stark zu erhöhen, für ein wesentliches Instrument, das auch bei Unterprivilegierten die Identifikation mit dem Staat auf eine ganz neue…“

„… gebe der Staat von den Bürgern erpresstes Geld wahllos für Gender-Gaga, Bauzuschüsse von Großmoscheen und eine Geheimpolizei aus, die den national gesonnenen Widerstand für Delikte wie Falschparken oder den Besitz von Schusswaffen mit terroristischen und völkerrechtswidrigen…“

„… dem nicht widerspreche. Merz wolle seinen bisherigen Vorschlag nicht zurückziehen, habe aber verstanden, dass der Freiheitsgedanke noch mehr zum Tragen komme, wenn jeder freiwillig seine Steuern zahle und so ein aktives Eintreten für…“

„… als Privileg ansehe, in Deutschland Steuern zahlen zu dürfen. Da Kubicki sich als Mann aus dem Volk betrachte, habe er außer der Umsatzsteuer und der Branntweinsteuer auch noch nie eine…“

„… reformieren könne. Buschmann habe im Kabinett vorgeschlagen, die Strafverfolgung von Steuervergehen auszusetzen. Dies werde erheblich dazu beitragen, die Kriminalitätsstatistik zu senken, so dass mehr Kapazitäten für die Verfolgung von Kleinstdelikten wie Cannabiskonsum oder…“

„… wenigstens Konzepte erarbeiten müssten, die die zielgerichtete Verwendung von Steuern im Sinne der Bürger sicherstellen würden. Merz sei davon überzeugt, dass ein Deutscher lieber eine Abschiebung in ein Kriegsgebiet finanzieren würde als ein sinnloses Windrad, was aber die derzeitige Bundesregierung aus ideologischen Gründen nie…“

„… dass die Steuerfahndung die Fortsetzung der Stasi mit finanziellen Mitteln sei, die harmlose und demokratisch denkende Bürger zu Kriminellen mache und stigmatisiere, bis diese sich gezwungen sähen, ihren Wohnsitz in Deutschland zu verlassen. Weidel prangere dies mit allen verfügbaren und…“

„… fahre Springer inzwischen eine Kampagne gegen den deutschen Staat. Mit Schlagzeilen wie Pleite-Alarm: 89% aller Deutschen durch Mega-Steuern von Armut bedroht! werde die Diskussion zusätzlich…“

„… es sich bei sogenannten Steuer-Attesten um rechtlich unwirksame Dokumente handele. Die im Internet von liberalen und anderen rechten Kräften beworbenen Papiere seien nach Auskunft des Bundesministeriums der Finanzen Unsinn, der mit einer Strafandrohung von bis zu…“

„… sei eine Steuerzahlerquote von etwa 75 Prozent vollkommen ausreichend, um ausreichend Staatseinnahmen zu generieren. Kubicki könne sich ein System vorstellen, in dem die untersten sieben Dezile der Lohn- und Einkommensteuern in voller Höhe eingetrieben würden, um eine Entlastung der Leistungsträger bei ansonsten identischen…“

„… sei es schwierig, alle Bundesbürger zugleich über die Abgabetermine einer Steuererklärung in Kenntnis zu setzen. Buschmann sehe hier schwere Eingriffe in den Datenschutz, die sich durch eine zentrale Sammlung der…“

„… mit zahlreichen Verfassungsbeschwerden gegen Steuerbescheide protestiert hätten. Die an das ‚von der Merkeljunta eingesetzte Pack, das mit der faschistischen Klassenjustiz das deutsche Volk an den Islam verschachert‘ adressierten Schreiben würden laut BKA vom Verein Freunde der Freiheit und des Kampfes gegen ausländischen Faschismus mit Sitz in…“

„… dass die Steuer-ID der Bundesbürger nur für Zwecke der Überwachung und als Suchschlüssel für verdachtsunabhängige Datenbanken genutzt werden dürfe, nicht aber für eine Ausspähung seiner Vermögensbestandteile. Für Schäuble verbiete sich eine sekundäre Nutzung für die Finanzspionage, die einen erheblichen Eingriff in die Freiheit des…“





Freundschaft!

22 03 2022

„Kein Zucker? nee, hier ist kein Öl. Keinen Zucker gibt’s da drüben. Könnten Sie eventuell auch etwas freundlicher gucken, wir sind hier im Einzelhandel. Wenn Sie Ihre schlechte Laune abreagieren wollen, gehen Sie doch bitte zum Finanzamt.

Krise? das nennen Sie Krise!? Sechzehn Sorten Fruchtjoghurt, ein Regal mit Mikrowellenfraß, eins mit japanischen Aufgussnudeln, Litschis und grüner Spargel im Glas, und Sie labern von Krise? Bei der letzten Lackverkostung haben wir das Ausspucken vergessen, was? Keine dreißig, und jetzt kommen Sie hier als westliche Feierabendbrigade der rechten Knalltüten nach Bad Gnirbtzschen, um uns vor der Gefahr zu warnen, die von der Verteufelung der russischen Militärmacht ausgeht? Weil Sie dummes Weichei einen Nervenzusammenbruch kriegen, wo Sie billiges Industriemehl vermissen?

Waren Sie überhaupt schon mal in Russland? Hätte ich mir ja denken können. Ich habe damals in Moskau Marxismus studiert, deshalb bin ich heute ja auch im Einzelhandel. Da lernt man nämlich fürs Leben, genauer gesagt: warum dieser Kapitalismus, den Sie und Ihre Würstchen uns als Lösung für alle Probleme aufs Auge gedrückt haben, das Problem für alle Lösungen ist. Wir hatten damals keine sechzehn Sorten Fruchtjoghurt, und warum? weil wir keine sechzehn Sorten Fruchtjoghurt brauchten. Damals nicht, heute nicht. Es war eben nicht alles gut im Sozialismus. Aber wenn ich mir die Idioten angucke, die die sogenannte freie Marktwirtschaft hervorbringt, dann war auch nicht alles schlecht.

Gibt es irgendwo im Grundgesetz ein Recht auf Tütennudeln? Und ich meine jetzt nicht die teuren, die italienische Markenware spielen, obwohl die mittlerweile als Teil einer Industriebäckerei einem tschechischen Chemiekonzern gehören – da weiß man auch ziemlich schnell, was da drin ist und wo der ganze Krempel herkommt – sondern billige Nudeln, die sich die Rentner leisten können, weil sie sich nur die leisten können müssen. Die braucht jetzt so eine SUV-fahrende Arschgeige wie Sie, die uns weismachen will, von Marktwirtschaft hätten wir ja gar keine Ahnung. Das regelt der Markt, aber im Zweifel ist das eben Krise, wenn man mal nur Vollkornnudeln kriegt, weil die merkwürdigerweise nicht knapp werden. Oder verwechseln Sie das nur, weil bei Ihnen die Spritkasse schlimm sozialistische Quersubventionen aus dem Lebensmittelbudget braucht, die nur der Staat ausgleichen kann? Und was meinen Sie, wem dieser schlimm sozialistische Staat jetzt schneller unter die Arme greifen wird, SUV-fahrenden Arschgeigen oder Rentnern?

Ja, wir haben das auch gehabt damals. Aber wir haben uns nicht ständig beklagt, dass es kein Öl mehr gibt, nicht, weil wir zwanzig Liter Rapsöl aus Mecklenburg zum Überleben brauchten, wenn aus der Ukraine keine Sonnenblumensaat mehr kommt, sondern weil diese verschissene Opfermentalität, die uns die Westler beigebracht haben, damals nicht angesagt war. Wenn Sie Öl wollen, gucken Sie halt einmal in Augenhöhe ins Regal – Augenhöhe, das ist das, was Sie im Osten bis heute nicht auf die Reihe kriegen – und verlangen Sie keine Bückware. Das sind die Regeln, ach was: Gesetze des freien Marktes, die Sie mit Ihrer Ersatzreligion im Rücken seit dreißig Jahren vorjodeln, wenn’s mal unschön läuft für Bevölkerungsschichten, zu denen Sie nicht gehören. Haben wir gejammert, als die Russen die Produktivität mit Planwirtschaft abgewürgt haben? Dann sollten Sie jetzt das Maul halten, wenn die Versorgung durch die Marktwirtschaft versagt.

Die Kaffeekrise haben Sie nicht mitgekriegt, da waren Ihre Eltern vermutlich noch Teenager. Der Preis stieg auf das Sechsfache, dazu kam noch die Ölkrise – fragen Sie Ihre Eltern, ob ein Fahrverbot in ganz Deutschland die Bevölkerung von einem Tag auf den anderen umbringt – und die Produktion der preiswerten Sorten musste eingestellt werden. Aus dem Westen kam nichts, weil wir nicht die erforderlichen Mengen an Mandeln, Korinthen und Orangeat für echten Dresdner Christstollen hatten, wobei: es kam etwas aus dem Westen. Gewimmer. Sie mussten sich schrecklich darüber beklagen, dass es zu Weihnachten nicht den richtigen Stollen gab, mit dem Sie Ihre Wiedervereinigungssehnsucht aus dem Fenster hängen konnten. Wir haben den Kaffee mit Erbsenmehl gestreckt, sind auf Tee umgestiegen und haben haben abgewartet, bis Erichs Krönung nicht mehr die Brühmaschinen in der Gastronomie verstopft. Hat man das Gejammer über die Mauer gehört? Dann fragen Sie sich mal, warum. Von den Regierungsabkommen der DDR mit Vietnam zehrt die Kaffeeindustrie übrigens bis heute, falls Sie interessiert, warum der so billig ist. Die nächste Krise 2001 kam wegen Überproduktion. Aber daran war sicher auch der Sozialismus schuld.

Keiner hier will die DDR zurück. Keiner hier will immerzu ‚Internationale Solidarität!‘ schreien, ‚Freundschaft!‘ oder irgend etwas, das man schreit, weil man sonst nicht daran glaubt. Wenn Sie genau wissen wollen, wie gut uns die Einheit getan hat, dann gucken Sie gerne noch mal nach, was mit dem Vermögen der Ost-CDU passiert ist, bevor sich im Konrad-Adenauer-Haus die Schreibtischschubladen auf wundersame Weise für immer schlossen. Wir haben gewartet, bis es besser wurde, als wir nicht mehr warten wollten, haben wir es besser gemacht. Das steht Ihnen noch bevor. Wünschen Sie sich das nicht. Real existierende Krisen sehen Sie derzeit in der künftigen Sowjetunion, wir hatten nicht mal den real existierenden Sozialismus. Und jetzt nimm Deine Avocados und die Flasche Rotkäppchen und verpiss Dich aus meinem Laden, Du Westbeule!“